Kapitel 43: prāsādadevatāsthāpanam
Die Aufstellung der Gottheiten im Tempel
Das Kapitel beschreibt die Verteilung der Gottheiten in Tempelgruppen mit fünf, neun und dreizehn Schreinen, die sieben Materialien für Götterbilder sowie die Auswahl des Steins nach Farbe, Klang und 'Geschlecht'. Es folgen das Aufbruchsopfer im Wald, die Bitte an die ortsansässigen Wesen, den Platz zu räumen, der Traum-Mantra zur Vorbedeutung und die Übergabe des Werkzeugs an den Bildhauer. Der Kolophon nennt das Kapitel abweichend śāntyādivarṇana; Vers 28 umfasst drei Halbverse, die Anordnung in Vers 4-5 ist verderbt.
bhagavānuvāca | prāsāde devatāḥ sthāpyā vakṣye brahman śṛṇuṣva me / pañcāyatamadhye tu vāsudevaṃ niveśayet //
Der Erhabene sprach: Ich werde darlegen, welche Gottheiten im Tempel aufzustellen sind, o Brahman; höre mich! In die Mitte einer Fünf-Schrein-Anlage (pañcāyatana) setze er Vāsudeva,
[und] Vāmana, Nṛhari (Nṛsiṃha), den Pferdehäuptigen (Hayagrīva) und ebenso den Eber in den Südosten, den Südwesten, den Nordwesten und den Bereich des Nordostens.
Oder: Nārāyaṇa in die Mitte; in den Südosten setze er Ambikā, in den Südwesten Bhāskara (die Sonne), in den Nordwesten Brahmā, in den Nordosten den Liṅga.
Lakṣmī und Vaiśravaṇa (Kubera) im Osten; im Süden setze er die Schar der Mütter; Skanda, Gaṇeśa, Īśāna [und] die Planeten mit Sūrya an der Spitze im Westen,
Padmā (Lakṣmī) im Nordosten; in die Mitte Vāsudeva oder Nārāyaṇa. Bei [einer Anlage mit] dreizehn Heiligtümern setze er in die Mitte Hari als Viśvarūpa (Allgestalt),
diese, [nur] für die [jeweilige] Zeit verehrt, gewähren die Frucht aller Wünsche. Nun werde ich das steinerne [Bild] darlegen und wo der Stein genommen wird.
parvatānāmabhāve ca gṛhṇīyādbhūgatāṃ śilāṃ / pāṇḍarā hy aruṇā pītā kṛṣṇā śastā tu vairṇināṃ //
In Ermangelung von Bergen nehme man einen in der Erde liegenden Stein. Weißer, rötlicher, gelber [und] schwarzer [Stein] ist für die [vier] Stände empfohlen.
na yadā labhyate samyag varṇināṃ varṇataḥ śilā / varṇādyāpādānaṃ tatra juhyāt siṃhavidyayā //
Wenn für die Standesangehörigen kein nach der Farbe [passender] Stein richtig zu erlangen ist, soll man dort zur Herbeiführung der Farbe usw. mit der Siṃha-Formel (dem Nṛsiṃha-Mantra) opfern.
Ein Stein mit weißer Ader ist der beste; einer mit schwarzer [Ader wird tauglich] durch ein Siṃha-Opfer. Einer, der wie eine Bronzeglocke klingt [und] Funken sprüht, ist männlich;
einer mit schwächeren derartigen Merkmalen ist weiblich; beim Fehlen der Kennzeichen ist er geschlechtslos. In welchem [Stein] ein Kreis sichtbar ist, den soll man als 'schwanger' meiden.
Wort für Wort
tat-manda-lakṣaṇā
mit schwachen Merkmalen davon
strī
weiblich
rūpa-abhāvāt
beim Fehlen der Kennzeichen
napuṃsakā
geschlechtslos
sa-garbhām vivarjayet
die Schwangere soll man meiden
tanmandalakṣaṇā: wohl tanmandalakṣaṇā 'mit schwachen Merkmalen davon'.
pratimārthaṃ vanaṃ gatvā vrajayāgaṃ samācaret / tatra khātvopalipyātha maṇḍape tu hariṃ yajet //
Um [den Stein für] das Bild [zu holen], gehe man in den Wald und vollziehe ein Aufbruchsopfer. Nachdem man dort gegraben und [den Platz] bestrichen hat, verehre man in einer Halle Hari.
Nachdem er eine Opferspende gegeben hat, verehre er das Arbeitswerkzeug, den Meißel usw.; nach dem Opfer besprenge er den Stein mit Reiswasser [unter dem] Astra-[Mantra].
Nachdem er mit [dem Mantra des] Nṛsiṃha Schutz bewirkt hat, verehre er mit dem Wurzel-Mantra; nach dem Opfern bringe er die Vollspende dar; dann [gebe] der Guru die Geisterspende [und spreche]:
So angesprochen ziehen die Wesen gesättigt davon, wie es ihnen beliebt. Nachdem er zusammen mit den Handwerkern Opferbrei (caru) gegessen hat, murmele er nachts die Traum-Formel:
oṃ oṃ hrūṃ phaṭ viṣṇave svāhā śubhe svapne śubhaṃ sarvaṃ hy aśubhe siṃhahomataḥ / prātararghyaṃ śilāyāṃ tu datvāstreṇāstrakaṃ yajet //
'oṃ oṃ hrūṃ phaṭ, dem Viṣṇu svāhā.' Bei einem günstigen Traum ist alles günstig; bei einem ungünstigen [hilft] ein Siṃha-Opfer. Am Morgen gebe er dem Stein das Arghya und verehre mit dem Astra-[Mantra] das Werkzeug (astraka).
Spaten, Meißel, Werkzeug usw. – [ihre] Schneide mit Honig und Schmalz bestrichen – soll er [bereit]halten [?]. Sich selbst soll er als Viṣṇu denken, den Handwerker als Viśvakarman.
Wort für Wort
kuddāla-ṭaṅka-śastra-ādyam
Spaten, Meißel, Werkzeug usw.
madhu-ājya-akta-mukham
mit Honig und Schmalz bestrichene Schneide
ātmānam cintayet viṣṇum
soll sich als Viṣṇu denken
śilpinam
den Handwerker
viśvakarmakam
als Viśvakarman
madhvānyāktamukhañcaret: wohl madhvājyāktamukhaṃ caret; caret 'soll vornehmen, behandeln' unsicher.
Das Werkzeug, als Viṣṇus Wesen [betrachtet], soll er [dem Handwerker] übergeben und [ihm] Vorderseite, Rückseite usw. [des Steins] zeigen. Der Handwerker aber, sinnesbeherrscht, den Meißel in der Hand, [bearbeite] einen viereckigen
śilāṃ kṛtvā piṇḍikārthaṃ kiñcinnyūnāntu kalpayet / rathe sthāpya samānīya savastrāṃ kāruveśmani / pūjayitvātha ghaṭayet pratimāṃ sa tu karmakṛt //
Stein; für den Sockel (piṇḍikā) mache er [einen Stein] etwas kleiner. Man lege [ihn] auf einen Wagen, bringe ihn, in ein Tuch gehüllt, in die Werkstatt des Handwerkers; nachdem man [ihn] verehrt hat, soll jener Handwerker das Bild formen.