Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 336: kāvyādilakṣaṇam Merkmale der Dichtung und verwandter Gattungen

Mit diesem Kapitel beginnt der Abschnitt über die Poetik (alaṅkāra). Agni bestimmt das Sprachliche, grenzt Dichtung von Lehrschrift und Überlieferung ab, nennt die Seltenheit dichterischer Begabung und definiert Wort, Satz und Dichtung. Es folgen die Einteilung in Prosa, Vers und Gemischtes, die Prosaarten (Cūrṇaka, Utkalikā, Vṛttagandhi) und Prosagattungen (Ākhyāyikā, Kathā usw.) sowie die Versgattungen, besonders das Mahākāvya mit seinen Anforderungen. Einige Stellen (Verse 5, 7, 25, 35, 37, 38) sind knapp oder verderbt.

agnir uvāca | kāvyasya nāṭakādeś ca alaṅkārān vadāmy atha / dhvanirvarṇāḥ padaṃ vākyamityetadvāṅmayaṃ mataṃ //

Agni sprach: Nun lehre ich die Schmuckmittel (alaṅkāra) der Dichtung (kāvya), des Dramas und des Übrigen. Laut (dhvani), Laute (varṇa), Wort (pada) und Satz (vākya) – dies gilt als das Sprachliche (vāṅmaya).

Wort für Wort
kāvyasya
der Dichtung
nāṭaka-ādeḥ
des Dramas usw.
alaṅkārān
die Schmuckmittel
dhvaniḥ
Laut, Schall
vāṅmayam
das aus Sprache Bestehende

śāstretihāsavākyānāṃ trayaṃ yatra samāpyate / śāstre śabdapradhānatvamitihāseṣu niṣṭhatā //

[Das Sprachliche ist das,] worin die Dreiheit der Äußerungen der Lehrschrift (śāstra), der Überlieferung (itihāsa) [und der Dichtung] beschlossen ist. In der Lehrschrift herrscht das Wort vor, in den Überlieferungswerken die Sachtreue (niṣṭhatā).

Wort für Wort
śāstra
Lehrschrift
itihāsa
Überlieferung, Geschichtswerk
trayam
Dreiheit
śabda-pradhānatvam
Vorherrschen des Wortlauts
niṣṭhatā
Festgelegtheit, Sachtreue

abhidhāyāḥ pradhānatvāt kāvyaṃ tābhyāṃ vibhidyate / naratvaṃ durlabhaṃ loke vidyā tatra ca durlabhā //

Durch das Vorherrschen der [kunstvollen] Ausdrucksweise (abhidhā) unterscheidet sich die Dichtung von diesen beiden. Menschsein ist schwer zu erlangen in der Welt, und darin ist Wissen schwer zu erlangen;

Wort für Wort
abhidhāyāḥ
der Ausdrucksweise, Benennung
pradhānatvāt
wegen des Vorrangs
vibhidyate
wird unterschieden
naratvam
Menschsein
durlabham
schwer zu erlangen

kavitvaṃ durlabhaṃ tatra śaktistatra ca durlabhā / vyutpātirdurlabhā tatra vivekastatra durlabhaḥ //

darin ist Dichtertum schwer zu erlangen, darin wiederum die Begabung (śakti), darin die Bildung (vyutpatti), darin die Urteilskraft (viveka).

Wort für Wort
kavitvam
Dichtertum
śaktiḥ
Begabung, schöpferische Kraft
vyutpattiḥ
Bildung, Gelehrsamkeit
vivekaḥ
Unterscheidungsvermögen, Urteilskraft

'vyutpātir' für 'vyutpattir'.

sarvaṃ śāstramavidvadbhirmṛgyamāṇanna sidhyati / ādivarṇā dvitīyāś ca mahāprāṇasturīyakaḥ //

Jede Lehre, von Unkundigen angestrebt, gelingt nicht. Die ersten Laute [der Klassen] und die zweiten, der Behauchte (mahāprāṇa), der vierte –

Wort für Wort
avidvadbhiḥ
von Unkundigen
mṛgyamāṇam
angestrebt, gesucht
na sidhyati
gelingt nicht
ādi-varṇāḥ
die ersten Laute
mahāprāṇaḥ
Behauchter (Laut)

Übergang zur Lautlehre ohne deutliche Fuge.

vargeṣu varṇavṛndaṃ syāt padaṃ suptiḍprabhedataḥ / saṅkṣepādvākyamiṣṭārthavyavachinnā padābalī //

in den Klassen (varga) bilden sie die Lautgruppe. Das Wort [bestimmt sich] nach der Unterscheidung von Nominal- und Verbalendungen (sup, tiṅ); der Satz ist, kurz gesagt, eine Reihe von Wörtern, die durch den beabsichtigten Sinn abgegrenzt ist.

Wort für Wort
vargeṣu
in den Klassen
varṇa-vṛndam
Lautgruppe
sup-tiṅ-prabhedataḥ
nach der Unterscheidung von Nominal- und Verbalendungen
iṣṭa-artha-vyavacchinnā
durch den gewünschten Sinn abgegrenzt
padāvalī
Wortreihe

'suptiḍ' = sup-tiṅ; 'padābalī' = padāvalī.

kāvyaṃ sphuṭadalaṅkāraṃ guṇavaddoṣavarjitam / yonirvedaś ca lokaś ca siddhamannādayonijaṃ //

Dichtung ist [Rede] mit deutlich hervortretendem Schmuck, mit Vorzügen (guṇa) versehen und frei von Fehlern (doṣa). Ihr Ursprung sind Veda und Welt; [ihre Sprache ist] vollendet, anfanglos und nicht [aus Menschen] geboren [?].

Wort für Wort
sphuṭat-alaṅkāram
mit deutlich hervortretendem Schmuck
guṇavat
mit Vorzügen
doṣa-varjitam
frei von Fehlern
yoniḥ
Ursprung
vedaḥ lokaḥ ca
Veda und Welt

'siddhamannādayonijaṃ' unklar, wohl 'siddham anādy ayonijam'.

devādīnām saṃskṛtaṃ syāt prākṛtaṃ trividhaṃ nṛṇāṃ / gadyaṃ padyañca miśrañca kāvyādi trividhaṃ smṛtam //

Die [Sprache] der Götter und anderer ist Sanskrit; das Prakrit der Menschen ist dreifach. Prosa (gadya), Vers (padya) und Gemischtes (miśra) – so gilt die Dichtung usw. als dreifach.

Wort für Wort
saṃskṛtam
Sanskrit (die geformte Sprache)
prākṛtam
Prakrit (Volkssprache)
trividham
dreifach
gadyam
Prosa
padyam
Vers(dichtung)
miśram
Gemischtes

apadaḥ padasantāno gadyantadapi gadyate / cūrṇakotkalikāgandhivṛttabhedāt trirūpakam //

Eine Folge von Wörtern ohne Versfüße ist Prosa; auch sie wird vorgetragen [?]. Nach den Arten Cūrṇaka, Utkalikā und Vṛttagandhi ist sie dreigestaltig.

Wort für Wort
apādaḥ
ohne Versfüße
pada-santānaḥ
Wortfolge
gadyate
wird gesprochen, vorgetragen
cūrṇaka
Cūrṇaka (einfache Prosa)
utkalikā
Utkalikā (Prosa mit langen Komposita)
trirūpakam
dreigestaltig

'gandhivṛtta' = vṛttagandhi.

alpālpavigrahaṃ nātimṛdusandarbhanirbharaṃ / cūrṇakaṃ nāmto dīrghasamāsāt kalikā bhavet //

Cūrṇaka ist [Prosa] mit ganz kurzen Komposita, nicht übermäßig mit weichen Fügungen angefüllt; durch lange Komposita wird es zur Utkalikā.

Wort für Wort
alpa-alpa-vigraham
mit ganz kurzen Komposita
mṛdu-sandarbha
weiche Fügung
nirbharam
angefüllt
dīrgha-samāsāt
durch lange Komposita
kalikā
Utkalikā

'nāmto' für 'nāma'.

bhavenmadhyamasandarbhannātikutsitavigraham / vṛttacchāyāharaṃ vṛttaṃ gandhinaitat kilotkaṭam //

Mit mittlerer Fügung, mit nicht zu ungefälligen Komposita, den Anschein des Verses tragend: [das ist] das Vṛttagandhi; dieses ist wahrlich markant [?].

Wort für Wort
madhyama-sandarbham
mit mittlerer Fügung
na-ati-kutsita-vigraham
mit nicht zu hässlichen Komposita
vṛtta-chāyā-haram
den Schein eines Verses tragend
gandhi
Vṛttagandhi ('nach Vers duftend')
utkaṭam
hervorstechend

'vṛttaṃ gandhi' = vṛttagandhi (Prosa mit Versanklang).

ākhyāyikā kathā khaṇḍakathā parikathā tathā / kathāniketi manyante gadyakāvyañca pañcadhā //

Ākhyāyikā, Kathā, Khaṇḍakathā, Parikathā und Kathānikā – so hält man die Prosadichtung für fünffach.

Wort für Wort
ākhyāyikā
Ākhyāyikā (Bericht, Tatsachenerzählung)
kathā
Kathā (Erzählung)
khaṇḍakathā
Teilerzählung
parikathā
Rahmen-/Kettenerzählung
kathānikā
kleine Erzählung
pañcadhā
fünffach

kartṛvaṃśapraśaṃsā syādyatra gadyena vistarāt / kanyāharaṇasaṃgrāmavipralambhavipattayaḥ //

[Die Gattung,] in der in Prosa ausführlich das Geschlecht des Verfassers gepriesen wird, in der Brautraub, Schlacht, Trennung der Liebenden und Unglücksfälle

Wort für Wort
kartṛ-vaṃśa-praśaṃsā
Lob des Geschlechts des Verfassers
vistarāt
ausführlich
kanyā-haraṇa
Brautraub
saṃgrāma
Schlacht
vipralambha
Trennung der Liebenden
vipattayaḥ
Unglücksfälle

bhavanti yatra dīptāś ca rītivṛttipravṛttayaḥ / ucchāsaiś ca paricchedo yatra yā cūrṇakottarā //

vorkommen, in der Stil (rīti), Darstellungsweise (vṛtti) und Verhaltensart (pravṛtti) glanzvoll sind, in der die Einteilung durch Ucchvāsas [Abschnitte] erfolgt und die vorwiegend im Cūrṇaka-Stil gehalten ist,

Wort für Wort
dīptāḥ
glanzvoll
rīti-vṛtti-pravṛttayaḥ
Stil, Darstellungsweise und Verhaltensart
ucchvāsaiḥ
durch Ucchvāsas ('Atemzüge', Abschnitte)
paricchedaḥ
Einteilung
cūrṇaka-uttarā
vorwiegend Cūrṇaka

'ucchāsaiś' für 'ucchvāsaiś'.

vaktraṃ vāparavaktraṃ vā yatra sākhyāyikā smṛtā / ślokaiḥ svavaṃśaṃ saṃkṣepāt kaviryatra praśaṃsati //

[und] in der [Strophen im Metrum] Vaktra oder Aparavaktra [vorkommen], gilt als Ākhyāyikā. [Die Gattung,] in der der Dichter in Ślokas kurz sein eigenes Geschlecht preist,

Wort für Wort
vaktram aparavaktram vā
Vaktra oder Aparavaktra (Metren)
ākhyāyikā smṛtā
gilt als Ākhyāyikā
ślokaiḥ
in Ślokas
sva-vaṃśam
das eigene Geschlecht
praśaṃsati
preist

sukhyasyārthāvatārāya bhavedyatra kathāntaram / paricchedo na yatra syādbhavedvālambhakaiḥ kvacit //

in der zur Einführung des Hauptgegenstandes eine andere Erzählung eintritt, in der es keine Kapiteleinteilung gibt oder allenfalls bisweilen durch Lambhakas,

Wort für Wort
mukhyasya arthasya
des Hauptgegenstandes
avatārāya
zur Einführung
kathāntaram
eine andere Erzählung
paricchedaḥ na
keine Einteilung
lambhakaiḥ
durch Lambhakas ('Gewinnungen', Abschnitte)

'sukhyasyārtha' für 'mukhyasyārtha'.

sā kathā nāma tadgarbhe nibadhnīyāccatuṣpadīṃ / bhavet khaṇḍakathā yāsau yāsau parikathā tayoḥ //

die heißt Kathā; in sie füge man Vierzeiler (catuṣpadī) ein. Die Khaṇḍakathā und die Parikathā [stehen zwischen] diesen beiden:

Wort für Wort
sā kathā nāma
die heißt Kathā
tad-garbhe
in ihr (in ihrem Inneren)
nibadhnīyāt
man füge ein
catuṣpadīm
Vierzeiler (Strophe)
khaṇḍakathā
Khaṇḍakathā

'yāsau yāsau' Wiederholung, wohl Überlieferungsfehler.

amātyaṃ sārthakaṃ vāpi dvijaṃ vā nāyakaṃ viduḥ / syāttayoḥ karuṇaṃ viddhi vipralambhaś caturvidhaḥ //

als Helden kennt man [dort] einen Minister, einen Kaufmann oder einen Brahmanen; wisse, dass in beiden das Mitleid (karuṇa) [vorherrscht]; die Trennung (vipralambha) ist vierfach.

Wort für Wort
amātyam
Minister
sārthakam
Kaufmann, Karawanenführer
dvijam
Brahmanen
nāyakam
Helden
karuṇam
das Mitleid (Rasa)
caturvidhaḥ
vierfach

samāpyate tayor nādyā sā kathāmanudhāvati / kathākhyāyikayormiśrabhāvāt parikathā smṛtā //

Von diesen beiden kommt die erste [die Khaṇḍakathā] nicht zum Abschluss; sie folgt [dem Muster der] Kathā. Aus der Mischung von Kathā und Ākhyāyikā [entsteht], wie überliefert, die Parikathā.

Wort für Wort
samāpyate na
wird nicht beendet
ādyā
die erste
anudhāvati
folgt nach
miśra-bhāvāt
aus der Mischung
parikathā
Parikathā

bhayānakaṃ sukhaparaṃ garbhe ca karuṇo rasaḥ / adbhuto 'nte sukḷptārtho nodāttā sā kathānikā //

[Wo zu Beginn] das Schreckliche (bhayānaka) [steht], [das Ganze] auf Glück ausgerichtet ist, in der Mitte der Rasa des Mitleids, am Ende das Wunderbare mit wohlgefügtem Sinn – [eine Erzählung,] die nicht erhaben ist, das ist die Kathānikā.

Wort für Wort
bhayānakam
das Schreckliche (Rasa)
sukha-param
auf Glück ausgerichtet
garbhe
im Inneren, in der Mitte
adbhutaḥ
das Wunderbare
na udāttā
nicht erhaben
kathānikā
Kathānikā

'sukḷptārtho' = suklṛptārthaḥ.

padyaṃ catuṣpadī tacca vṛttaṃ jātirititridhā / vṛttamakṣarasaṃkhyeyamukthaṃ tat kṛtiśeṣajam //

Die Versdichtung (padya) ist vierfüßig; sie ist [zunächst] zweifach: Vṛtta und Jāti. Vṛtta ist nach der Zahl der Silben zu bestimmen; es reicht von der Uktā bis zur Kṛti und dem Rest [?].

Wort für Wort
catuṣpadī
vierfüßig
vṛttam
Silbenmetrum
jātiḥ
Morenmetrum
akṣara-saṃkhyeyam
nach Silben zu zählen
kṛti-śeṣa-jam
bis zur Kṛti und dem Rest reichend [?]

'ititridhā' steht wohl für 'iti dvidhā' (zwei Arten werden genannt); 'ukthaṃ' für 'uktā-'.

mātrābhirgaṇanā sā jātiriti kāśyapaḥ / samamardhasamaṃ vṛttaṃ viṣamaṃ paiṅgalaṃ tridhā //

Die Zählung nach Moren ist die Jāti – so [lehrt] Kāśyapa. Das Vṛtta ist nach Piṅgala dreifach: gleich, halbgleich und ungleich.

Wort für Wort
mātrābhiḥ gaṇanā
Zählung nach Moren
kāśyapaḥ
Kāśyapa (Lehrer)
samam
gleich
ardhasamam
halbgleich
paiṅgalam
nach Piṅgala

Der erste Halbvers ist metrisch zu kurz.

sā vidyā naustitīṣūrṇāṃ gabhīraṃ kāvyasāgaraṃ / mahākāvyaṃ kalāpaś ca paryābandho viśeṣakam //

Dieses Wissen ist ein Boot für die, die den tiefen Ozean der Dichtung überqueren wollen. Mahākāvya, Kalāpa, Paryābandha, Viśeṣaka,

Wort für Wort
nauḥ
Boot
titīrṣūṇām
derer, die übersetzen wollen
kāvya-sāgaram
den Ozean der Dichtung
mahākāvyam
Großgedicht, Epos
viśeṣakam
Viśeṣaka (Dreistrophengruppe)

'naustitīṣūrṇāṃ' = nauḥ titīrṣūṇām.

kulakaṃ muktakaṃ koṣa iti padyakuṭumbakam / sargabandho mahākāvyamārabdhaṃ saṃskṛtena yat //

Kulaka, Muktaka und Koṣa: das ist die Familie der Versdichtung. Mahākāvya ist eine in Gesänge (sarga) gegliederte Komposition, die in Sanskrit abgefasst ist.

Wort für Wort
kulakam
Kulaka (Strophengruppe)
muktakam
Einzelstrophe
koṣaḥ
Sammlung, Anthologie
padya-kuṭumbakam
Familie der Versdichtung
sarga-bandhaḥ
in Gesänge gegliedertes Werk

tādātmyamajahattatra tatsamaṃ nāti duṣyati / itihāsakathodbhūtamitaradvā sadāśrayaṃ //

Es gibt dabei seine [sprachliche] Eigenart nicht auf; [ein Wort], das diesem gleich ist, ist nicht sehr fehlerhaft [?]. [Sein Stoff] ist aus Überlieferung und Erzählung hervorgegangen oder ein anderer, der sich auf Gutes stützt,

Wort für Wort
tādātmyam
Eigenidentität, Eigenart
ajahat
nicht aufgebend
tat-samam
ihm gleich (Tatsama)
itihāsa-kathā-udbhūtam
aus Überlieferung und Erzählung entstanden
sad-āśrayam
auf Gutes gestützt

'tādātmyamajahattatra tatsamaṃ' unklar; möglicherweise ist gemeint, dass Tatsama-Wörter geduldet werden.

mantradūtaprayāṇājiniyataṃ nātivistaram / śakkaryātijagatyātiśakkaryā triṣṭubhā tathā //

geregelt durch Beratung, Botensendung, Feldzug und Kampf, nicht übermäßig ausgedehnt; [verfasst] in Śakvarī, Atijagatī, Atiśakvarī und Triṣṭubh,

Wort für Wort
mantra
Beratung
dūta
Bote
prayāṇa
Aufbruch, Feldzug
āji
Kampf
niyatam
geregelt, ausgestattet
nātivistaram
nicht allzu ausführlich

puṣpitāgrādibhirvakrābhijanaiścārubhiḥ samaiḥ / muktā tu bhinnavṛttāntā nātisaṃkṣiptasargakam //

in Puṣpitāgrā und anderen [halbgleichen Metren], in Vaktras, Abhijanas (?) und anmutigen gleichen [Metren]; [die Gesänge] enden mit abweichenden Metren (muktā … bhinnavṛttāntā), und die Gesänge sind nicht zu kurz.

Wort für Wort
puṣpitāgrā-ādibhiḥ
mit Puṣpitāgrā usw.
vakrābhiḥ
mit Vaktras
cārubhiḥ samaiḥ
mit anmutigen gleichen (Metren)
bhinna-vṛtta-antā
mit abweichendem Metrum endend
sargakam
Gesang

'abhijanaiś' unklar; 'muktā' vielleicht für 'yuktā'.

atiśarkvarikāṣṭibhyāmekasaṅkīrṇakaiḥ paraḥ / mātrayāpyaparaḥ sargaḥ prāśastyeṣu ca paścimaḥ //

[Ein Gesang] mit Atiśakvarī und Aṣṭi, ein anderer mit einzelnen gemischten [Metren], ein weiterer Gesang auch in Morenmaß; und der letzte unter den lobenswerten [Metren].

Wort für Wort
atiśakvarī-aṣṭibhyām
mit Atiśakvarī und Aṣṭi
saṅkīrṇakaiḥ
mit gemischten
mātrayā
nach Moren
sargaḥ
Gesang
paścimaḥ
der letzte

'atiśarkvarikāṣṭibhyām' = atiśakvarī-aṣṭibhyām.

kalpo 'tininditastasminviśeṣānādaraḥ satāṃ / nagarārṇavaśailartu candrārkāśramapādapaiḥ //

Eine allzu getadelte Ausführung findet bei den Guten keine besondere Beachtung. [Das Mahākāvya wird ausgestaltet] mit [Schilderungen von] Städten, Meer, Bergen, Jahreszeiten, Mond und Sonne, Einsiedeleien und Bäumen,

Wort für Wort
kalpaḥ
Ausführung, Gestaltung
atininditaḥ
allzu getadelt
anādaraḥ satām
Missachtung durch die Guten
nagara-arṇava-śaila-ṛtu
Stadt, Meer, Berg, Jahreszeit
āśrama-pādapaiḥ
mit Einsiedeleien und Bäumen

udyānasalilakrīḍāmadhupānaratotsavaiḥ / dūtīvacanavinyāsair asatīcaritādbhūtaiḥ //

mit Gartenvergnügen, Wasserspielen, Weintrinken und Liebesfesten, mit gestalteten Reden von Botinnen und mit wunderlichen Taten untreuer Frauen,

Wort für Wort
udyāna
Garten
salila-krīḍā
Wasserspiel
madhu-pāna
Trinken von Rauschtrank
rata-utsava
Liebesfest
dūtī-vacana
Rede der Botin
asatī-carita
Treiben untreuer Frauen

'asatīcaritādbhūtaiḥ' = asatī-carita-adbhutaiḥ.

tamasā marutāpyanyair vibhāvair atinirbharaiḥ / sarvavṛttipravṛttañca sarvabhāvaprabhāvitam //

mit Dunkelheit, Wind und anderen, reichlich vorhandenen Anregungsfaktoren (vibhāva); [es soll] in allen Darstellungsweisen (vṛtti) verlaufen und von allen Gefühlszuständen (bhāva) durchdrungen sein,

Wort für Wort
tamasā
mit Dunkelheit
marutā
mit Wind
vibhāvaiḥ
mit Anregungsfaktoren
atinirbharaiḥ
überreichlich
sarva-bhāva-prabhāvitam
von allen Gefühlen durchdrungen

sarvarītirasaiḥ puṣṭaṃ puṣṭaṅguṇavibhūṣaṇaiḥ / ata eva mahākāvyaṃ tatkartā ca mahākaviḥ //

genährt von allen Stilen und Rasas, genährt von Vorzügen und Schmuckmitteln: deshalb heißt es Mahākāvya, und sein Verfasser großer Dichter (mahākavi).

Wort für Wort
sarva-rīti-rasaiḥ
durch alle Stile und Rasas
puṣṭam
genährt
guṇa-vibhūṣaṇaiḥ
durch Vorzüge und Schmuck
tat-kartā
sein Verfasser
mahākaviḥ
großer Dichter

vāgvaidagdhyapradhānepi rasa evātra jīvitam / pṛthakprayatnanirvartyaṃ vāgvakrimni rasādvapuḥ //

Auch wenn die Kunstfertigkeit der Rede vorherrscht, ist doch hier der Rasa das Leben. Der Körper, [der] in der Gewundenheit der Rede (vakrimā) [besteht], ist mit gesonderter Mühe, [getrennt] vom Rasa, zu bewirken.

Wort für Wort
vāg-vaidagdhya
Kunstfertigkeit der Rede
rasaḥ eva
der Rasa allein
jīvitam
Leben
pṛthak-prayatna-nirvartyam
mit gesonderter Mühe zu bewirken
vāg-vakrimṇi
in der Gewundenheit der Rede
vapuḥ
Körper

'vāgvakrimni' = vāg-vakrimṇi.

caturvargaphalaṃ viśvagvyākhyātaṃ nāyakākhyayā / samānavṛttinirvyūṭaḥ kauśikīvṛttikomalaḥ //

Seine Frucht sind die vier Lebensziele; es wird durchweg unter dem Namen des Helden dargestellt [?], mit gleichbleibender Darstellungsweise durchgeführt und durch die Kaiśikī-Darstellungsweise anmutig.

Wort für Wort
catur-varga-phalam
mit den vier Lebenszielen als Frucht
viśvak
überall
nāyaka-ākhyayā
mit dem Namen des Helden
samāna-vṛtti-nirvyūḍhaḥ
mit gleicher Darstellungsweise durchgeführt
kaiśikī-vṛtti-komalaḥ
durch die Kaiśikī zart

'nirvyūṭaḥ' für 'nirvyūḍhaḥ'; 'kauśikī' = kaiśikī.

kalāpo 'tra pravāsaḥ prāganurāgāhvayo rasaḥ / saviśeṣakañca prāptyādi saṃskṛtenetreṇa ca //

Im Kalāpa ist der Rasa die Trennung durch Reise (pravāsa), der zuvor 'Anurāga' (Zuneigung) genannt wird [?]; das Viśeṣaka [behandelt] Erlangung usw., in Sanskrit und in der anderen [Sprache].

Wort für Wort
kalāpaḥ
Kalāpa (Strophenreihe)
pravāsaḥ
Trennung durch Reise
anurāga-āhvayaḥ
Anurāga genannt
prāpti-ādi
Erlangung usw.
itareṇa
mit der anderen (Sprache)

Stelle knapp und unklar.

ślokair anekaiḥ kulakaṃ syāt sandānitakāni tat / muktakaṃ śloka ekaikaś camatkārakṣamaḥ satā ṃ //

Aus mehreren Ślokas besteht das Kulaka; es [heißt auch] Sandānitaka. Muktaka ist ein einzelner Śloka, der fähig ist, bei den Guten Staunen (camatkāra) hervorzurufen.

Wort für Wort
anekaiḥ ślokaiḥ
aus mehreren Ślokas
sandānitakam
Sandānitaka ('Zusammengebundenes')
śloka ekaikaḥ
ein einzelner Śloka
camatkāra-kṣamaḥ
fähig zum Staunen
satām
bei den Guten

'satā ṃ' Leerzeichen der Digitalisierung, = satām.

sūktibhiḥ kavisiṃhānāṃ sundarībhiḥ samanvitaḥ / koṣo brahmāparicchinnaḥ sa vidagdhāya rocate //

Mit schönen Sprüchen der Dichterlöwen versehen ist der Koṣa, unbegrenzt wie das Brahman [?]; er gefällt dem Kenner.

Wort für Wort
sūktibhiḥ
mit schönen Sprüchen
kavi-siṃhānām
der Dichterlöwen
koṣaḥ
Sammlung
aparicchinnaḥ
unbegrenzt
vidagdhāya rocate
gefällt dem Kenner

'brahmāparicchinnaḥ' unklar.

ābhāsopamaśaktiś ca sarge yadbhinnavṛttatā / miśraṃ vapuriti khyātaṃ prakīrṇamiti ca dvidhā / śravyañcaivābhineyañca prakīrṇaṃ sakaloktibhiḥ //

Scheinbild (ābhāsa), Vergleich (upamā) und Ausdruckskraft (śakti) [?], sowie dass im Gesang die Metren wechseln: [das Gemischte] ist als 'gemischter Körper' bekannt, und das Verstreute (prakīrṇa) – so ist es zweifach: zu hören und aufzuführen; das Verstreute [umfasst] alle Arten von Äußerungen.

Wort für Wort
ābhāsa-upama-śaktiḥ
Scheinbild, Vergleich und Kraft
bhinna-vṛttatā
Wechsel des Metrums
miśram vapuḥ
gemischter Körper
prakīrṇam
verstreut, vermischt
śravyam
zu hören
abhineyam
aufzuführen

Stelle knapp und in der Zuordnung unsicher; drei Halbzeilen.

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