Kapitel 142: mantrauṣadhādiḥ
Mantras, Heilmittel und anderes
Īśvara behandelt vermischte Mittel: Zahlenrechnungen mit Namenslauten zur Ermittlung eines Diebes, des Geschlechts und von Gebrechen eines Kindes, das Saturn-Rad und die Stellungen des Tages-, Schlangen-, Mondtag- und Viṣṭi-Rāhu für die Schlacht, Pflanzenamulette zur Unverwundbarkeit und ein Schutzmantra an Vajraśṛṅkhalā. Mehrere Stellen sind verderbt (V. 2, 5, 6, 12); die Wochentagsliste in V. 8–9 ist unvollständig. Der Titel lautet im Eingabefeld mantroṣadhādiḥ, im Kolophon mantrauṣadhādiḥ, dessen Ordinalzahl („catvāriṃśadadhikaśatatamo“) das „dvi-“ fehlt.
Īśvara sprach: Ich werde Mantras, Heilmittel und Räder darlegen, die alles gewähren. [Beim] Namen des Diebes: die Zahl der Laute doppelt genommen, die Mātrās (Vokalquantitäten) vierfach genommen –
wird [die Summe] durch den Namen geteilt, so ergibt sich aus dem Rest der Dieb [?]. Nun spreche ich über die Geburt: Wenn bei einer Befragung die Laute ungerade sind, [bedeuten sie] im Mutterleib die Geburt eines Sohnes.
Wort für Wort
nāmnā hṛte
durch den Namen geteilt
śeṣāt
aus dem Rest
jātakam
Geburt(-sdeutung)
praśne
bei einer Befragung
viṣamāḥ varṇāḥ
ungerade Laute
putra-janma-dāḥ
Geburt eines Sohnes anzeigend
bhaveccheṣadyauro ist verderbt; gelesen bhavec cheṣāc cauraḥ.
Bei geraden Namenslauten [ist das Kind] am linken Auge einäugig, bei ungeraden hingegen wird das rechte Auge blind – [gerechnet] nach den Lauten des Frauen- und des Männernamens.
mātrāvarṇāś caturnighanā varṇapiṇḍe guṇe kṛte / same strī viṣame nā syādviśeṣe ca mṛtiḥ striyāḥ //
Die Mātrā-Laute werden mit vier multipliziert; nachdem man die Multiplikation mit der Lautsumme vollzogen hat: Bei gerade [ergibt sich] eine Frau (Tochter), bei ungerade ein Mann; und bei einem Überschuss [?] Tod der Frau.
Bei [Rest] eins [stirbt] zuerst [die Frau], bei null dagegen stirbt zuerst der Mann [?]. Die Frage erfasse man mit feinen Lauten; mit Substanzen [gilt dies] bei vollständiger Teilung als Lehrmeinung [?].
Wort für Wort
rūpa-śūnye
bei eins bzw. null
prathamam mriyate pumān
zuerst stirbt der Mann
sūkṣma-akṣaraiḥ
mit feinen Lauten
bhāge akhile
bei vollständiger Teilung
matam
gilt als Lehrmeinung
Der Vers ist schwer verständlich; rūpa = 1, śūnya = 0 als Zahlsymbole aufgefasst.
Ich werde das Saturn-Rad darlegen; seinen Blick meide man. Vom Zeichen aus, in dem er steht, [hat er] im siebten [Haus] den Blick; im vierten und zehnten ist [der Blick] Saturns stärker [?].
Wort für Wort
śani-cakram
Saturn-Rad
dṛṣṭim parityajet
man meide den Blick
rāśi-sthaḥ
im Zeichen stehend
saptame dṛṣṭiḥ
im siebten der Blick
adhikā
stärker
caturdaśaśaterdhikā ist wohl für caturdaśe śaner adhikā verschrieben.
Im ersten, zweiten, achten und zwölften [hat er] Viertelblick; diesen meide man. Der Herr des Tages hat Anteil an einer [ganzen] Wache, die übrigen haben Anteil an halben Wachen.
Den Anteil Saturns meide man in der Schlacht. Ich erkläre dir den Tages-Rāhu: Am Sonntag im Osten, am Samstag im Nordwesten, am Donnerstag im Süden, am Freitag im Südosten,
vāyau saṃveṣṭayitvā ca śatruṃ hantīśasanmukhaṃ / tithirāhuṃ pravakṣyāmi pūrṇimāgneyagocare //
und im Nordwesten; nachdem er [ihn] umschlungen hat, tötet er den ihm gegenüberstehenden Feind. Ich werde den Mondtag-Rāhu darlegen: am Vollmond im südöstlichen Bereich,
pūrvāś ca dakṣiṇāstisro rekhā vai mūlabhedake / sūryarāśyādi saṃlikhya dṛṣṭau hānirjayo 'nyathā //
Drei östliche und [drei] südliche Linien [zieht man] beim Mūlabhedaka [?]. Nachdem man [die Zeichen] vom Zeichen der Sonne an aufgezeichnet hat: Bei Blick [ergibt sich] Verlust, andernfalls Sieg.
Ich werde den Viṣṭi-Rāhu darlegen: Man ziehe acht Linien. Von Śiva (Nordosten) nach Yama (Süden), von Yama zu Vāyu (Nordwesten), von Vāyu zu Indra (Osten), dann zum Wasserherrn (Westen),
nairṛtācca nayeccandraṃ candrādagniṃ tato jale / jalādīśe caredrāhurviṣṭyā saha mahābalaḥ //
vom Südwesten führe man [sie] zum Mond (Norden), vom Mond zum Feuer (Südosten), dann zum Wasser (Westen), vom Wasser zu Īśa (Nordosten): [so] wandert Rāhu zusammen mit der Viṣṭi, sehr mächtig.
Wort für Wort
nairṛtāt
vom Südwesten
candram
zum Mond (Norden)
jalāt īśe
vom Wasser zu Īśa
viṣṭyā saha
zusammen mit der Viṣṭi
mahā-balaḥ
sehr mächtig
Die Linienfolge ist nicht ganz lückenlos (Übergang vom Westen zum Südwesten fehlt).
aiśānyāṃ ca tṛtīyādau saptamyādau ca yāmyake / evaṃ kṛṣṇe site pakṣe vāyau rāhuś ca hantyarīn //
Im Nordosten am dritten [Mondtag] usw., am siebten usw. im Süden; so in der dunklen und in der hellen Monatshälfte; und Rāhu im Nordwesten tötet die Feinde.
In welche Richtung der Wind weht, dort stehend töte man die Feinde. Ich werde die Festigung [des Körpers] erklären: [eine Pflanze,] am Hals, am Arm usw. getragen,
[nämlich] die unter [dem Mondhaus] Puṣya ausgegrabene Śarapuṅkhikā, wehrt das Ziel der Pfeile ab; ebenso Aparājitā und Pāṭhā: mit beiden wehre man das Schwert ab.
„Oṃ, Verehrung dir, o erhabene Vajraśṛṅkhalā (Diamantkette): schlage, schlage! Oṃ, friss, friss! Oṃ, verzehre! Oṃ he, trinke das Blut mit der Schädelschale, o Rotäugige, o Rotgewandete, o Aschegliedrige, deren Leib mit Asche bestrichen ist, o Donnerkeilbewaffnete, mit Donnerkeilgestalt Bedeckte: binde die östliche Richtung, binde! Oṃ, binde die südliche Richtung, binde! Oṃ, binde die westliche Richtung, binde! Binde die nördliche Richtung, binde! Binde die Nāgas, binde! Binde die Nāga-Frauen, binde! Oṃ, binde die Asuras, binde! Oṃ, binde die Yakṣas, Rākṣasas und Piśācas, binde! Oṃ, welche Plagen es auch gibt, Pretas, Bhūtas, Gandharvas und dergleichen – vor ihnen schütze, schütze! Oṃ, schütze oben, schütze! Schütze unten, schütze! Oṃ, o Messerchen, binde, binde! Oṃ, flamme, o Hochmächtige, ghaṭi ghaṭi, oṃ moṭi moṭi, o du mit dem Wall aus Mähne [?], Feuer und Donnerkeil, huṃ phaṭ hrīṃ hrūṃ śrīṃ phaṭ hrīṃ haḥ phūṃ pheṃ phaḥ! Vor allen Planeten, allen Krankheiten, allen bösen Plagen, hrīṃ, vor allen ohne Ausnahme schütze, schütze!“ Bei Planetenfieber usw., bei Geistern und bei allen Handlungen wende man es an.
Wort für Wort
vajra-śṛṅkhale
o Diamantkette
raktam piba kapālena
trinke das Blut mit der Schädelschale
bhasma-lipta-śarīre
o du mit aschebestrichenem Leib
pūrvām diśam bandha
binde die östliche Richtung
upadravāḥ
Plagen
rakṣa
schütze
are für he (Anruf); ūrdhavaṃ, adhā, saṭāvalivajjāgni- sind verschrieben.