Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 283: mantrarūpauṣadhakathanam Darlegung der Heilmittel in Gestalt von Mantras

Dhanvantari nennt Mantras (Oṃ, Gāyatrī, Viṣṇu-Formeln) als höchste Heilmittel und ordnet einzelnen Namen Viṣṇus bestimmte Zwecke zu: Glück, Wunscherfüllung, Sieg, Wissen, Schutz vor Gift, Furcht, Feuer und bösen Träumen. Das Kapitel ist kurz (13 Verse); der letzte Vers ist dreizeilig.

dhanvantarir uvāca | āyurārogyakartara oṃkāradyāś ca nākadāḥ / oṃkāraḥ paramo mantrastaṃ japtvā cāmaro bhavet //

Dhanvantari sprach: Die [Mantras], beginnend mit der Silbe Oṃ, bewirken langes Leben und Gesundheit und gewähren den Himmel. Die Silbe Oṃ ist der höchste Mantra; wer sie murmelt, wird unsterblich.

Wort für Wort
āyuḥ-ārogya-kartāraḥ
Leben und Gesundheit bewirkend
oṃkāra-ādyāḥ
beginnend mit der Silbe Oṃ
nāka-dāḥ
den Himmel gebend
paramaḥ mantraḥ
der höchste Mantra
japtvā amaraḥ bhavet
murmelnd wird man unsterblich

kartara für kartāraḥ.

gāyatrī paramo mantrastaṃ japtvā bhuktimuktibhāk / oṃ namo nārāyaṇāya mantraḥ sarvārthasādhakaḥ //

Die Gāyatrī ist der höchste Mantra; wer sie murmelt, erlangt Genuss und Erlösung. „Oṃ namo nārāyaṇāya“ (Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa) ist ein Mantra, der alle Ziele verwirklicht.

Wort für Wort
gāyatrī
die Gāyatrī (Savitṛ-Vers)
bhukti-mukti-bhāk
Genuss und Erlösung teilhaftig
oṃ namaḥ nārāyaṇāya
Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa
mantraḥ
Mantra
sarva-artha-sādhakaḥ
alle Ziele verwirklichend

oṃ namo bhagavate vāsudevāya sarvadaḥ / oṃ hūṃ namo viṣṇave mantroyañcauṣadhaṃ paraṃ //

„Oṃ namo bhagavate vāsudevāya“ (Oṃ, Verehrung dem erhabenen Vāsudeva) gewährt alles; „oṃ hūṃ namo viṣṇave“ (Oṃ hūṃ, Verehrung dem Viṣṇu) – dieser Mantra ist das höchste Heilmittel.

Wort für Wort
oṃ namaḥ bhagavate vāsudevāya
Oṃ, Verehrung dem erhabenen Vāsudeva
sarva-daḥ
alles gewährend
oṃ hūṃ namaḥ viṣṇave
Oṃ hūṃ, Verehrung dem Viṣṇu
ayam
dieser
auṣadham param
höchstes Heilmittel

anena devā hy asurāḥ saśriyo nirujo 'bhavat / bhūtānāmupakāraś ca tathā dharmo mahauṣadham //

Durch ihn wurden die Götter und [selbst] die Asuras [?] glückbegabt und frei von Krankheit. Das Wohltun an den Wesen und ebenso der Dharma ist ein großes Heilmittel.

Wort für Wort
anena
durch diesen
sa-śriyaḥ
mit Glück versehen
nirujaḥ abhavan
wurden krankheitsfrei
bhūtānām upakāraḥ
Wohltun an den Wesen
mahā-auṣadham
großes Heilmittel

devā hy asurāḥ unsicher; abhavat (Sg.) für abhavan.

dharmaḥ saddharmakṛddharmī etair dharmaiś ca nirmalaḥ / śrīdaḥ śrīṣaḥ śrīnivāsaḥ śrīdharaḥ śrīniketanaḥ //

[Die Namen] Dharma, Saddharmakṛt (Wirker des wahren Dharma) und Dharmin – durch diese [Namen] und die Dharma-Werke wird man rein. Śrīda (Glückspender), Śrīśa (Herr der Śrī), Śrīnivāsa (Wohnsitz der Śrī), Śrīdhara (Träger der Śrī), Śrīniketana (Heimstatt der Śrī),

Wort für Wort
dharmaḥ sat-dharma-kṛt dharmī
Dharma, Wirker des wahren Dharma, Dharmin
etaiḥ
durch diese
nirmalaḥ
rein
śrī-daḥ śrī-śaḥ
Glückspender, Herr der Śrī
śrī-nivāsaḥ
Wohnsitz der Śrī

śrīṣaḥ für śrīśaḥ.

śriyaḥ patiḥ śrīparama etaiḥ śriyamavāpnuyāt / kāmī kāmapradaḥ kāmaḥ kāmapālas tathā hariḥ //

Śriyaḥ pati (Gatte der Śrī) und Śrīparama – durch diese erlangt man Glück. Kāmin (der Liebende), Kāmaprada (Wunschgewährer), Kāma (Wunsch), Kāmapāla (Wunschhüter) und ebenso Hari,

Wort für Wort
śriyaḥ patiḥ
Gatte der Śrī
śriyam avāpnuyāt
man erlange Glück
kāmī
der Liebende
kāma-pradaḥ
Wunschgewährer
kāma-pālaḥ
Hüter der Wünsche

ānando mādhavaś caiva nāma kāmāya vai hareḥ / rāmaḥ paraśurāmaś ca nṛsiṃho viṣṇureva ca //

Ānanda (Wonne) und Mādhava – [das sind] Namen Haris für [die Erfüllung von] Wünschen. Rāma, Paraśurāma, Nṛsiṃha und Viṣṇu

Wort für Wort
ānandaḥ
Wonne
mādhavaḥ
Mādhava
nāma kāmāya
Namen für den Wunsch
hareḥ
des Hari
nṛsiṃhaḥ
Mannlöwe

trivikramaś ca nāmāni japtavyāni jigīṣubhiḥ / vidyāmabhyasyatāṃ nityaṃ japtavyaḥ puruṣottamaḥ //

und Trivikrama – diese Namen sind von denen zu murmeln, die zu siegen wünschen. Von denen, die sich im Wissen üben, ist beständig Puruṣottama (der höchste Geist) zu murmeln.

Wort für Wort
trivikramaḥ
der Dreischreiter
japtavyāni
zu murmeln
jigīṣubhiḥ
von Siegwilligen
vidyām abhyasyatām
von denen, die Wissen üben
puruṣottamaḥ
der höchste Geist

dāmodaro bandhaharaḥ puṣkarākṣo 'kṣiroganut / hṛṣīkeśo bhayaharo japedauṣadhakarmaṇi //

Dāmodara nimmt Fesseln weg, Puṣkarākṣa (der Lotusäugige) vertreibt Augenleiden, Hṛṣīkeśa nimmt die Furcht; bei der Anwendung von Heilmitteln murmle man

Wort für Wort
dāmodaraḥ bandha-haraḥ
Dāmodara, Fesseln lösend
puṣkara-akṣaḥ
der Lotusäugige
akṣi-roga-nut
Augenleiden vertreibend
bhaya-haraḥ
Furcht nehmend
auṣadha-karmaṇi
bei der Heilmittelbehandlung

Satz geht in V. 10 weiter.

acyutañcāmṛtaṃ mantraṃ saṅgrāme cāparājitaḥ / jalatāre nārasiṃhaṃ pūrvādau kṣemakāmavān //

den Acyuta und den Amṛta-Mantra; in der Schlacht [murmle man] Aparājita (den Unbesiegten); beim Überqueren von Gewässern Nārasiṃha; bei [Aufbruch nach] Osten usw. [murmle,] wer Wohlergehen wünscht,

Wort für Wort
acyutam amṛtam mantram
Acyuta, den Amṛta-Mantra
saṅgrāme aparājitaḥ
in der Schlacht der Unbesiegte
jala-tāre
beim Übersetzen über Wasser
pūrva-ādau
im Osten usw.
kṣema-kāmavān
wer Wohlergehen wünscht

pūrvādau unsicher: „nach Osten usw.“ (Himmelsrichtungen auf Reisen).

cakriṇaṅgadinañcaiva śārṅgiṇaṃ khaḍginaṃ smaret / nārāyaṇaṃ sarvakāle nṛsiṃho 'khilabhītinut //

man gedenke des Cakrin (Diskusträgers), des Gadin (Keulenträgers), des Śārṅgin (Bogenträgers) und des Khaḍgin (Schwertträgers); des Nārāyaṇa zu jeder Zeit; Nṛsiṃha vertreibt alle Ängste.

Wort für Wort
cakriṇam gadinam
den Diskus-, den Keulenträger
śārṅgiṇam khaḍginam
den Bogen-, den Schwertträger
smaret
man gedenke
sarva-kāle
zu jeder Zeit
akhila-bhīti-nut
alle Furcht vertreibend

garuḍadhvajaś ca viṣahṛt vāsudevaṃ sadājapet / dhānyādisthāpane svapne anantācyutamīrayet //

Garuḍadhvaja (der den Garuḍa im Banner führt) nimmt das Gift weg; den Vāsudeva murmle man stets. Beim Einlagern von Getreide u. dgl. und beim Schlafen spreche man Ananta und Acyuta.

Wort für Wort
garuḍa-dhvajaḥ
der Garuḍa-Bannerträger
viṣa-hṛt
Gift wegnehmend
dhānya-ādi-sthāpane
beim Einlagern von Getreide usw.
svapne
beim Schlafen
ananta-acyutam īrayet
man spreche Ananta und Acyuta

nārāyaṇañca duḥsvapne dāhādau jalaśāyinaṃ / hayagrīvañca vidyārthī jagatsūtiṃ sutāptaye / balabhadraṃ śaurakārye ekaṃ nāmārthasādhakam //

Nārāyaṇa bei einem bösen Traum; bei Feuersbrunst u. dgl. den Jalaśāyin (der auf den Wassern ruht); Hayagrīva [murmle,] wer Wissen sucht; Jagatsūti (den Erzeuger der Welt), um einen Sohn zu erlangen; Balabhadra bei einer Heldentat – ein einziger Name verwirklicht das Ziel.

Wort für Wort
duḥsvapne
bei bösem Traum
dāha-ādau jala-śāyinam
bei Brand usw. den auf dem Wasser Ruhenden
vidyā-arthī
der Wissen Suchende
suta-āptaye
zur Erlangung eines Sohnes
ekam nāma artha-sādhakam
ein Name verwirklicht das Ziel

śaurakārye wohl für śauryakārye.

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