Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 187: ekādaśīvrataṃ Das Gelübde des elften Mondtags

Das Ekādaśī-Gelübde: Vorbereitung am zehnten, Fasten am elften beider Monatshälften, Regeln für Überschneidungen mit dem zehnten und zwölften Mondtag und das Fastenbrechen am dreizehnten, Gelöbnisformel sowie die besonderen Elften Pāpanāśinī (mit Puṣya) und Vijayā (mit Śravaṇa bzw. im Phālguna mit Puṣya). V. 3b–4a wiederholen fast wörtlich V. 3a; Kolophon mit Tippfehler āgnyeye.

agnir uvāca | ekādaśīvrataṃ vakṣye bhuktimuktipradāyākaṃ / daśamyānniyatāhāro māṃsamaithunavarjitaḥ //

Agni sprach: Ich werde das Gelübde des elften Mondtags darlegen, das Genuss und Erlösung gewährt. Am zehnten maßvoll essend, Fleisch und Beischlaf meidend,

Wort für Wort
ekādaśī-vratam
Gelübde des elften Mondtags
daśamyām
am zehnten
niyata-āhāraḥ
maßvoll essend
māṃsa-maithuna-varjitaḥ
Fleisch und Beischlaf meidend

pradāyākaṃ für pradāyakaṃ.

ekadaśyāṃ na bhuñjīta pakṣayorubhayorapi / dvādaśyekādaśī yatra tatra sannihito hariḥ //

esse man am elften in beiden Monatshälften nicht. Wo der elfte [Mondtag] mit dem zwölften [zusammenfällt], dort ist Hari gegenwärtig.

Wort für Wort
ekādaśyām na bhuñjīta
am elften esse man nicht
pakṣayoḥ ubhayoḥ
in beiden Monatshälften
dvādaśī ekādaśī yatra
wo zwölfter und elfter
sannihitaḥ hariḥ
Hari ist gegenwärtig

tatra kratuśataṃ puṇyaṃ trayodaśyāṃ tu pāraṇe / ekādaśī kalā yatra parato dvādaśo gatā //

Dort [erwirbt man] das Verdienst von hundert Opfern, wobei das Fastenbrechen am dreizehnten [erfolgt]. Wo der elfte nur einen Bruchteil (kalā) [des Tages einnimmt] und danach der zwölfte vorübergeht,

Wort für Wort
kratu-śatam puṇyam
Verdienst von hundert Opfern
trayodaśyām pāraṇe
beim Fastenbrechen am dreizehnten
ekādaśī kalā
der elfte (nur) ein Bruchteil
parataḥ
danach
dvādaśī gatā
der zwölfte vergangen

Kalenderregel für den Fall, dass der elfte Mondtag nur kurz in den Tag hineinreicht; dvādaśo für dvādaśī.

tatra kratuśataṃ puṇyantrayodaśyāntu pāraṇe / daśamyekādaśīmiśrā nopoṣyā narakapradā //

dort [gilt ebenfalls] das Verdienst von hundert Opfern, mit dem Fastenbrechen am dreizehnten. Ein mit dem zehnten vermischter elfter ist nicht zu fasten; er bringt die Hölle.

Wort für Wort
tatra kratu-śatam puṇyam
dort das Verdienst von hundert Opfern
daśamī-ekādaśī-miśrā
mit dem zehnten vermischter elfter
na upoṣyā
nicht zu fasten
naraka-pradā
die Hölle bringend

ekādaśyānnirāhāro bhuktvā caivāpare 'hani / bhokṣye 'haṃ puṇḍarīkākṣa śaraṇaṃ me bhavācyuta //

„Am elften ohne Nahrung [verbleibend], werde ich am folgenden Tag essen, o Lotusäugiger; sei meine Zuflucht, o Acyuta.“

Wort für Wort
ekādaśyām nirāhāraḥ
am elften ohne Nahrung
apare ahani
am folgenden Tag
bhokṣye aham
ich werde essen
puṇḍarīka-akṣa
o Lotusäugiger
śaraṇam me bhava
sei meine Zuflucht

Gelöbnisformel; bhuktvā („gegessen habend“) passt nicht und ist wohl verderbt.

ekādaśyāṃ site pakṣe puṣyarkṣantu yadā bhavet / sopoṣpākṣayyaphaladā proktā sā pāpanāśinī //

Wenn am elften der hellen Hälfte das Mondhaus Puṣya steht, so gewährt dieser [Tag], gefastet, unvergängliche Frucht und heißt „Pāpanāśinī“ (Sündentilgerin).

Wort für Wort
site pakṣe
in der hellen Hälfte
puṣya-ṛkṣam
das Mondhaus Puṣya
upoṣyā
zu fasten, gefastet
akṣayya-phala-dā
unvergängliche Frucht gewährend
pāpa-nāśinī
Sündentilgerin

sopoṣpā wohl für sopoṣyā/sā upoṣitā.

ekādaśī dvādaśī yā śravaṇena ca saṃyutā / vijayā sā tithiḥ proktā bhaktānāṃ vijayapradā //

Der elfte [bzw.] zwölfte, der mit Śravaṇa verbunden ist, heißt der Mondtag „Vijayā“, der den Frommen Sieg gewährt.

Wort für Wort
śravaṇena saṃyutā
mit Śravaṇa verbunden
vijayā sā tithiḥ
dieser Mondtag „Vijayā“
proktā
heißt
bhaktānām
den Frommen
vijaya-pradā
Sieg gewährend

eṣaiva phālgune māsi puṣyarkṣeṇa ca saṃyutā / vijayā procyate sadbhiḥ koṭikoṭiguṇottarā //

Eben dieser [Tag] im Monat Phālguna, mit dem Mondhaus Puṣya verbunden, wird von den Guten „Vijayā“ genannt, zehn Millionen mal zehn Millionen Mal überlegen.

Wort für Wort
eṣā eva
eben dieser
phālgune māsi
im Monat Phālguna
puṣya-ṛkṣeṇa saṃyutā
mit Puṣya verbunden
sadbhiḥ
von den Guten
koṭi-koṭi-guṇa-uttarā
zehnmillionen-mal-zehnmillionenfach überlegen

ekādaśyāṃ viṣṇupūjā kāryā sarvopakāriṇī / dhanavān putravān loke viṣṇuloke mahīyate //

Am elften ist die Verehrung Viṣṇus zu vollziehen, die allen nützt; [wer sie vollzieht,] ist in der Welt reich und mit Söhnen gesegnet und wird in Viṣṇus Welt verherrlicht.

Wort für Wort
viṣṇu-pūjā kāryā
die Verehrung Viṣṇus ist zu vollziehen
sarva-upakāriṇī
allen nützend
dhanavān putravān
reich und mit Söhnen gesegnet
viṣṇu-loke
in Viṣṇus Welt
mahīyate
wird verherrlicht

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