Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 310: tvaritāmūlamantrādiḥ Der Wurzelmantra der Tvaritā und Weiteres (Einweihung)

Konstruktion eines Lotus-Vajra-Maṇḍala, Verehrung der Glieder- und Begleitmächte, Feuerritus mit Weiherisiten für das Feuer sowie die Einweihung des Schülers (Berechtigungs- und Erlösungsweihe). Es folgen Wiederholungszahlen des Mantras mit ihren Früchten, Opfersubstanzen und ein nächtliches Gelübde mit Bali-Gabe. Die Verse 24–25 sind teilweise verderbt; das Kolophon nennt das Kapitel „tvaritāmūlamantra“ und trägt die Folgenummer {311}.

agnir uvāca | dīkṣādi vakṣye vinyasya siṃhavajrākule 'bjake / he 2 huti vajradanta puru 2 lulu 2 garja 2 iha siṃhāsanāya namaḥ tiryagūrdhvagatā rekhāś catvāraś catvāraś caturo bhavet //

Agni sprach: Ich werde die Einweihung usw. lehren, nachdem man [die Göttin] auf den Lotus im Löwen- und Vajra-Feld aufgelegt hat: „he he huti vajradanta puru puru lulu lulu garja garja iha siṃhāsanāya namaḥ“ (He he …, du mit Donnerkeilzähnen, … brülle, brülle! Hier Verehrung dem Löwenthron). Querliegende und aufwärts gerichtete Linien – je vier und vier sollen es sein.

Wort für Wort
dīkṣā-ādi vakṣye
ich werde die Einweihung usw. lehren
siṃha-vajra-ākule abjake
auf dem Lotus im Löwen-Vajra-Feld
vajra-danta
o Donnerkeilzahniger
garja
brülle
tiryak-ūrdhva-gatāḥ rekhāḥ
quer und aufwärts verlaufende Linien
catvāraḥ catvāraḥ
je vier

„he 2“, „puru 2“ usw. = Wiederholungen. Mantra teilweise unverständlich (huti).

navabhāgavibhāgena koṣṭhakān kārayedbudhaḥ / grāhyā diśāgatāḥ koṣṭhā vidiśāsu vināśayet //

Durch Einteilung in neun Teile soll der Kundige Felder anlegen; die in den Hauptrichtungen liegenden Felder sind zu nehmen, in den Zwischenrichtungen soll man [sie] tilgen.

Wort für Wort
nava-bhāga-vibhāgena
durch Einteilung in neun Teile
koṣṭhakān kārayet
soll Felder anlegen
grāhyāḥ diśā-gatāḥ
die in den Hauptrichtungen sind zu nehmen
vidiśāsu vināśayet
in den Zwischenrichtungen tilgen

vāhye vai koṣṭhakoṇeṣu vāhyarekhāṣṭakaṃ smṛtam / vāhyakoṣṭhasya vāhye tu madhye yāvat samānayet //

Außen an den Ecken der Felder gelten acht äußere Linien; außerhalb des äußeren Feldes soll man [sie] bis zur Mitte heranführen.

Wort für Wort
bāhye koṣṭha-koṇeṣu
außen an den Feldecken
bāhya-rekhā-aṣṭakam
acht äußere Linien
bāhya-koṣṭhasya bāhye
außerhalb des äußeren Feldes
madhye yāvat samānayet
bis zur Mitte heranführen

vajrasya madhyamaṃ śṛṅgaṃ vāhyarekhā dvidhārdhataḥ / vāhyarekhā bhavedvakrā dvibhaṅgā kārayedbudhaḥ //

[So entsteht] die mittlere Spitze des Donnerkeils; die äußere Linie in zwei Hälften geteilt; die äußere Linie sei gekrümmt, zweifach geknickt soll der Kundige sie machen.

Wort für Wort
vajrasya madhyamam śṛṅgam
die mittlere Spitze des Vajra
dvidhā ardhataḥ
zweifach halbiert
vakrā
gekrümmt
dvi-bhaṅgā kārayet
zweifach geknickt machen

madhyakoṣṭhaṃ bhavetpadmaṃ pītakarṇikamujjvalam / kṛṣṇena rajasā likhya kuliśāsiśitordhatā //

Das mittlere Feld sei ein Lotus mit gelber, leuchtender Samenkapsel; mit schwarzem Pulver gezeichnet, die Donnerkeile scharf und aufgerichtet [?].

Wort für Wort
madhya-koṣṭham
das mittlere Feld
padmam
Lotus
pīta-karṇikam ujjvalam
mit gelber, leuchtender Samenkapsel
kṛṣṇena rajasā
mit schwarzem Pulver
kuliśa
Donnerkeil

„kuliśāsiśitordhatā“ unklar.

vāhyataś caturasrantu vajrasampuṭalāñchitam / dvāre pradāpayenmantrī caturo vajrasampuṭān //

Außen ein Quadrat, gekennzeichnet mit Vajra-Paaren; an jedem Tor soll der Mantrakundige vier Vajra-Paare anbringen.

Wort für Wort
bāhyataḥ caturasram
außen ein Quadrat
vajra-sampuṭa-lāñchitam
mit Vajra-Paaren gekennzeichnet
dvāre
am Tor
caturaḥ vajra-sampuṭān
vier Vajra-Paare

padmanāma bhavedvāmavīthī caiva samā bhavet / garbhaṃ raktaṃ keśarāṇi maṇḍale dīkṣitāḥ striyaḥ //

Es heiße „Lotus“; der linke Umgang sei gleichmäßig; das Innere rot, die Staubfäden [ebenso?]. In [diesem] Maṇḍala [können auch] Frauen eingeweiht [werden].

Wort für Wort
padma-nāma
namens Lotus
vāma-vīthī
der linke Umgang
garbham raktam
das Innere rot
keśarāṇi
die Staubfäden
dīkṣitāḥ striyaḥ
eingeweihte Frauen

Satzbau unsicher.

jayecca pararāṣṭrāṇi kṣipraṃ rājyamavāpnuyāt / mūrtiṃ praṇavasandīptāṃ hūṃkāreṇa niyojayet //

und [der Eingeweihte] besiegt fremde Reiche und erlangt schnell die Königsherrschaft. Die vom Praṇava [Oṃ] entflammte Gestalt soll man mit dem Hūṃkāra einsetzen.

Wort für Wort
jayet para-rāṣṭrāṇi
besiegt fremde Reiche
kṣipram rājyam avāpnuyāt
erlangt schnell die Herrschaft
mūrtim praṇava-sandīptām
die vom Oṃ entflammte Gestalt
hūṃkāreṇa niyojayet
mit Hūṃ einsetzen

mūlavidyāṃ samuccārya marudvyomagatāṃ dvija / prathamena punaś caiva karṇikāyāṃ prapūjayet //

Nachdem man die Wurzel-Vidyā ausgesprochen hat, die zu Wind und Raum gelangt ist, o Zweimalgeborener, soll man wiederum mit der ersten [Silbe] in der Samenkapsel verehren.

Wort für Wort
mūla-vidyām samuccārya
die Wurzel-Vidyā aussprechend
marut-vyoma-gatām
zu Wind und Raum gelangt
prathamena
mit der ersten
karṇikāyām prapūjayet
in der Samenkapsel verehren

evaṃ pradakṣiṇaṃ pūjya ekaikaṃ vījamāditaḥ / dalamadhye tu vidyāṅgā āgneyyāṃ pañca nairṛtam //

So, rechtsherum verehrend, jedes einzelne Bīja vom Anfang an; in der Mitte der Blätter die Glieder der Vidyā: im Südosten fünf, im Südwesten

Wort für Wort
pradakṣiṇam pūjya
rechtsherum verehrend
ekaikam bījam
jedes einzelne Bīja
dala-madhye
in der Mitte der Blätter
vidyā-aṅgāḥ
die Glieder der Vidyā
āgneyyām
im Südosten
nairṛtam
im Südwesten

madhye netraṃ diśāstrañca guhyakāṅge tu rakṣaṇam / hutayaḥ keśarasthāstu vāmadakṣiṇapārśvataḥ //

in der Mitte das Auge, in den Richtungen die Waffe, beim geheimen Glied der Schutz; die Hutis [?] aber an den Staubfäden, auf der linken und rechten Seite,

Wort für Wort
madhye netram
in der Mitte das Auge
diśā astram
in den Richtungen die Waffe
guhyaka-aṅge rakṣaṇam
beim geheimen Glied der Schutz
keśara-sthāḥ
an den Staubfäden
vāma-dakṣiṇa-pārśvataḥ
links und rechts

„hutayaḥ“ unklar (Opfergottheiten?).

pañca pañca prapūjyāstu svaiḥ svair mantraiḥ prapūjayet / lokapālānnyasedaṣṭau vāhyato garbhamaṇḍale //

sind je fünf und fünf zu verehren; mit ihren jeweiligen Mantras soll man [sie] verehren. Die acht Welthüter soll man außen um das innere Maṇḍala auflegen.

Wort für Wort
pañca pañca prapūjyāḥ
je fünf zu verehren
svaiḥ svaiḥ mantraiḥ
mit ihren jeweiligen Mantras
loka-pālān aṣṭau
die acht Welthüter
bāhyataḥ garbha-maṇḍale
außen am inneren Maṇḍala

varṇāntamagnimārūṭaṃ ṣaṣṭhasvaravibheditaṃ / pañcadaśena cākrāntaṃ svaiḥ svair nāmabhi yojayet //

Den letzten Buchstaben [ha], auf das Feuer [ra] gestiegen, vom sechsten Vokal [ū] durchdrungen, vom fünfzehnten [aṃ] überschritten [→ hrūṃ] – [damit] soll man [sie] mit ihren jeweiligen Namen verbinden.

Wort für Wort
varṇa-antam
den letzten Buchstaben
agnim ārūḍham
auf das Feuer [ra] gestiegen
ṣaṣṭha-svara-vibheditam
vom sechsten Vokal durchdrungen
pañcadaśena ākrāntam
vom fünfzehnten überschritten
svaiḥ svaiḥ nāmabhiḥ
mit den jeweiligen Namen

„mārūṭaṃ“ zu mārūḍhaṃ; „nāmabhi“ zu nāmabhiḥ.

śīghraṃ siṃhe karṇikāyāṃ yajed gandhādibhiḥ śriye / aṣṭābhir veṣṭayet kummair(?) mantrāṣṭaśatamantritaiḥ //

Die Śīghrā [Tvaritā] soll man auf dem Löwen in der Samenkapsel mit Duftstoffen usw. um des Glückes willen verehren; mit acht Krügen, die mit dem Mantra hundertachtmal besprochen sind, soll man [sie] umgeben.

Wort für Wort
śīghrām siṃhe
die Śīghrā auf dem Löwen
gandha-ādibhiḥ śriye
mit Duftstoffen usw. um des Glückes willen
aṣṭābhiḥ veṣṭayet kumbhaiḥ
mit acht Krügen umgeben
mantra-aṣṭaśata-mantritaiḥ
108-mal mit dem Mantra besprochen

„kummair(?)“ zu kumbhaiḥ gebessert.

mantramaṣṭasahasrantu japtvāṅgānāṃ daśāṃśakam / tomaṃ kuryādagnikuṇḍe vahnimantreṇa cālayet //

Nachdem man den Mantra achttausendmal und für die Glieder ein Zehntel [davon] gemurmelt hat, soll man ein Feueropfer in der Feuergrube vollziehen und [das Feuer] mit dem Feuermantra entfachen.

Wort für Wort
mantram aṣṭa-sahasram
den Mantra 8000-mal
aṅgānām daśa-aṃśakam
für die Glieder ein Zehntel
homam kuryāt agni-kuṇḍe
Opfer in der Feuergrube
vahni-mantreṇa
mit dem Feuermantra

„tomaṃ“ zu homaṃ gebessert.

nikṣiped hṛdayenāgniṃ śaktiṃ madhye 'gnigāṃ smaret / garbhādhānaṃ puṃsavanaṃ jātakarma ca homayet //

Mit dem Herz[-Mantra] soll man das Feuer hineinlegen und sich die Śakti in der Mitte, im Feuer befindlich, vorstellen; Empfängnisritus, Puṃsavana und Geburtsritus soll man durch Opfer vollziehen.

Wort für Wort
nikṣipet hṛdayena agnim
mit dem Herz-Mantra das Feuer hineinlegen
śaktim madhye agni-gām smaret
die Śakti im Feuer vorstellen
garbha-ādhānam
Empfängnisritus
puṃsavanam
Ritus für männliche Nachkommenschaft
jāta-karma homayet
Geburtsritus durch Opfer

Es handelt sich um die Lebenszyklusriten für das Feuer (agnisaṃskāra).

hṛdayena śataṃ hy ekaṃ guhyekaṃ guhyāṅge janayecchikhim / pūrṇāhutyā tu vidyāyāḥ śivāgnirjvalito bhavet //

Mit dem Herz[-Mantra] hundert[mal] je eine [Spende]; mit dem geheimen Glied soll man das Feuer erzeugen [?]; durch die Vollspende der Vidyā wird das Śiva-Feuer entflammt.

Wort für Wort
hṛdayena śatam
mit dem Herz-Mantra hundert
guhya-aṅge janayet śikhim
mit dem geheimen Glied das Feuer erzeugen
pūrṇa-āhutyā
durch die Vollspende
śiva-agniḥ jvalitaḥ
das Śiva-Feuer entflammt

„guhyekaṃ guhyāṅge“ offenbar Dittographie.

homayemmūlamantreṇa śatañcāṅgaṃ daśāṃśataḥ / nivedayettato devyāstataḥ śiṣyaṃ praveśayet //

Mit dem Wurzelmantra soll man hundert[mal] opfern und für die Glieder ein Zehntel; dann soll man [es] der Göttin darbringen und dann den Schüler eintreten lassen.

Wort für Wort
homayet mūla-mantreṇa
mit dem Wurzelmantra opfern
aṅgam daśa-aṃśataḥ
für die Glieder ein Zehntel
nivedayet devyāḥ
der Göttin darbringen
śiṣyam praveśayet
den Schüler eintreten lassen

„homayemmūla“ zu homayen mūla.

astreṇa tāḍanaṃ kṛtvā guhyāṅgāni tato nyaset / vidyāṅgaiś caiva sannaddhaṃ vidyāṅgeṣu niyojayet //

Nachdem man [ihn] mit dem Waffen[-Mantra] geschlagen hat, soll man dann die geheimen Glieder auflegen; den mit den Gliedern der Vidyā Gerüsteten soll man in die Glieder der Vidyā einsetzen.

Wort für Wort
astreṇa tāḍanam kṛtvā
mit dem Waffen-Mantra geschlagen
guhya-aṅgāni nyaset
die geheimen Glieder auflegen
vidyā-aṅgaiḥ sannaddham
mit den Vidyā-Gliedern gerüstet
niyojayet
soll einsetzen

puṣpaṃ kṣipāyayecchiṣyamānayedagnikuṇḍakam / yavair dvānyaistilair ājyair mūlavidyāśataṃ hunet //

Den Schüler soll man eine Blume werfen lassen und zur Feuergrube führen; mit Gerste, Getreide, Sesam und Ghee soll man hundert[mal] mit der Wurzel-Vidyā opfern.

Wort für Wort
puṣpam kṣepayet
eine Blume werfen lassen
ānayet agni-kuṇḍakam
zur Feuergrube führen
yavaiḥ dhānyaiḥ tilaiḥ ājyaiḥ
mit Gerste, Getreide, Sesam, Ghee
mūla-vidyā-śatam hunet
hundertmal mit der Wurzel-Vidyā opfern

„kṣipāyayet“ Kausativ von kṣip; „dvānyair“ zu dhānyair.

sthāvaratvaṃ purā homaṃ sarīsṛpamataḥ paraṃ / pakṣimṛgapaśutvañca mānuṣaṃ brāhmameva ca //

Zuerst [ist] das Opfer [für] den Zustand des Unbeweglichen [Pflanzenwelt], danach des Kriechtiers, [dann] Vogel-, Wild- und Vieh-Sein, das Menschliche und das Brahmā-Sein,

Wort für Wort
sthāvaratvam
Zustand des Unbeweglichen
sarīsṛpam
Kriechtier
pakṣi-mṛga-paśutvam
Vogel-, Wild-, Vieh-Sein
mānuṣam
das Menschliche
brāhmam
das Brahmā-Sein

Aufsteigende Reihe der Daseinsstufen, die durch Opfer durchlaufen werden.

viṣṇutvañcaiva rudratvamante pūrṇāhutirbhavet / ekayā caiva hy āhtyā śiṣyaḥ syāddīkṣito bhavet //

sowie Viṣṇu-Sein und Rudra-Sein; am Ende sei die Vollspende. Und durch eine einzige Spende wird der Schüler eingeweiht.

Wort für Wort
viṣṇutvam rudratvam
Viṣṇu-Sein, Rudra-Sein
ante pūrṇa-āhutiḥ
am Ende die Vollspende
ekayā āhutyā
durch eine einzige Spende
śiṣyaḥ dīkṣitaḥ bhavet
der Schüler wird eingeweiht

„āhtyā“ zu āhutyā gebessert.

adhikāro bhavedevaṃ śṛṇu mokṣamataḥ param / sumerustho yadā mantrī sadāśivapade sthitaḥ //

So entsteht die Berechtigung (adhikāra); höre nun die Erlösung[sweihe]: Wenn der Mantrakundige, auf dem Sumeru stehend, im Stand des Sadāśiva befindlich ist,

Wort für Wort
adhikāraḥ bhavet evam
so entsteht die Berechtigung
śṛṇu mokṣam ataḥ param
höre nun die Erlösung
sumeru-sthaḥ
auf dem Sumeru stehend
sadāśiva-pade sthitaḥ
im Stand des Sadāśiva befindlich

Sumeru hier wohl der Scheitel bzw. innere Weltberg.

pare ca homayet svastho 'karmakarmaśatān daśa / pūrṇāhutyā tu tadyogī dharmādharmair na lipyate //

soll er, im Höchsten in sich gefestigt, zehn Hunderte [Spenden] von „Nicht-Werk-Werken“ [?] opfern; durch die Vollspende wird jener Yogin nicht von Verdienst und Schuld befleckt.

Wort für Wort
pare
im Höchsten
svasthaḥ
in sich gefestigt
karma-śatān daśa
zehn Hunderte von Werken
pūrṇa-āhutyā
durch die Vollspende
dharma-adharmaiḥ na lipyate
wird von Verdienst und Schuld nicht befleckt

„'karmakarmaśatān“ unklar.

mokṣaṃ yāti paraṃsthānaṃ yadgatvā na nivartate / yathā jale jalaṃ kṣiptaṃ jalaṃ dehī śiras tathā //

Er geht zur Erlösung, zum höchsten Ort, von dem man, einmal dorthin gelangt, nicht zurückkehrt; wie in Wasser geworfenes Wasser [eins wird], so der Verkörperte [mit Śiva] [?].

Wort für Wort
mokṣam yāti
geht zur Erlösung
param sthānam
zum höchsten Ort
yat gatvā na nivartate
wohin gelangt man nicht zurückkehrt
yathā jale jalam kṣiptam
wie in Wasser geworfenes Wasser
dehī
der Verkörperte

Zweite Vershälfte verderbt („jalaṃ dehī śiras tathā“), evtl. śivas tathā.

kumbhaiḥ kuryāccābhiṣekaṃ jayarājyādisarvabhāk / kumārī brāhmaṇī pūjyā gurvāderdakṣiṇāṃ dadet //

Mit Krügen soll man die Weihebesprengung vollziehen; [dann] hat man Anteil an allem, an Sieg, Königsherrschaft usw. Ein Mädchen [und] eine Brahmanin sind zu verehren; dem Lehrer usw. soll man das Honorar geben.

Wort für Wort
kumbhaiḥ abhiṣekam
mit Krügen die Weihebesprengung
jaya-rājya-ādi-sarva-bhāk
an Sieg, Herrschaft usw. teilhabend
kumārī brāhmaṇī pūjyā
Mädchen und Brahmanin zu verehren
guru-ādeḥ dakṣiṇām dadet
dem Lehrer usw. das Honorar geben

yajet sahasramekantu pūjāṃ kṛtvā dine dine / tilājyapurahomena devī śrīḥ kāmadā bhavet //

Man soll täglich tausend[mal] opfern, nachdem man die Verehrung vollzogen hat; durch Opfer von Sesam, Ghee und Guggulu wird die Göttin Śrī wunschgewährend.

Wort für Wort
yajet sahasram
soll tausendmal opfern
dine dine
Tag für Tag
tila-ājya-pura-homena
durch Opfer von Sesam, Ghee, Guggulu
devī śrīḥ kāmadā
die Göttin Śrī wunschgewährend

pura = Guggulu-Harz.

dadāti vipulān bhogān yadanyacca samīhate / japtvā hy akṣaralakṣantu nidhānādhipatirbhavet //

Sie gibt reichliche Genüsse und was man sonst begehrt. Hat man hunderttausendmal pro Silbe gemurmelt, wird man Herr der Schätze.

Wort für Wort
dadāti vipulān bhogān
gibt reichliche Genüsse
yat anyat samīhate
was man sonst begehrt
akṣara-lakṣam
hunderttausend pro Silbe
nidhāna-adhipatiḥ
Herr der Schätze

dviguṇena bhavedrājyaṃ triguṇena ca yakṣiṇī / caturguṇena brahmatvaṃ tato viṣṇupadaṃ bhavet //

Mit dem Doppelten entsteht Königsherrschaft, mit dem Dreifachen [gewinnt man] eine Yakṣiṇī, mit dem Vierfachen Brahmā-Sein, dann [mit mehr] den Stand Viṣṇus;

Wort für Wort
dvi-guṇena rājyam
mit dem Doppelten Herrschaft
tri-guṇena yakṣiṇī
mit dem Dreifachen eine Yakṣiṇī
catur-guṇena brahmatvam
mit dem Vierfachen Brahmā-Sein
viṣṇu-padam
den Stand Viṣṇus

ṣaḍguṇena mahāsiddhir lakṣeṇaikena pāpahā / daśa japtvā dehaśuddhyai tīrthasnānaphalaṃ śatāt //

mit dem Sechsfachen große Vollendung; mit einem einzigen Lakh ist man Sündentilger; zehnmal gemurmelt zur Reinigung des Körpers, [mit] hundert die Frucht eines Bades an einem Wallfahrtsort.

Wort für Wort
ṣaḍ-guṇena mahā-siddhiḥ
mit dem Sechsfachen große Vollendung
lakṣeṇa ekena pāpa-hā
mit einem Lakh sündentilgend
deha-śuddhyai
zur Körperreinigung
tīrtha-snāna-phalam śatāt
durch hundert die Frucht eines Pilgerbades

lakṣa = 100.000.

paṭe vā pratimāyāṃ vā śīghrāṃ vai sthaṇḍile yajet / śataṃ sahasramayutaṃ jape home prakīrtitam //

Auf einem Tuch, an einem Bild oder auf einem Opferplatz soll man die Śīghrā verehren; hundert, tausend, zehntausend – [so viel] ist für Murmeln und Opfer angegeben.

Wort für Wort
paṭe pratimāyām
auf Tuch oder Bild
sthaṇḍile
auf dem Opferplatz
śīghrām yajet
die Śīghrā verehren
śatam sahasram ayutam
hundert, tausend, zehntausend
jape home prakīrtitam
für Murmeln und Opfer angegeben

evaṃ vidhānato japtvā lakṣamekantu homayet / mahiṣājameṣamāṃsena narajena pureṇa vā //

Hat man so nach Vorschrift gemurmelt, soll man ein Lakh opfern – mit Büffel-, Ziegen- und Widderfleisch, mit Menschen[fleisch] [?] oder mit Guggulu,

Wort für Wort
vidhānataḥ japtvā
nach Vorschrift gemurmelt
lakṣam ekam homayet
ein Lakh opfern
mahiṣa-aja-meṣa-māṃsena
mit Büffel-, Ziegen-, Widderfleisch
narajena
mit Menschlichem
pureṇa
mit Guggulu

„narajena“ als Menschenfleisch gedeutet (unsicher).

tilair yavais tathā lājair vrīhigodhūmakāmrakaiḥ / śrīphalair ājyasaṃyuktair homayitvā vratañcaret //

mit Sesam, Gerste, ebenso gerösteten Körnern, Reis, Weizen, Mangos und Bilva-Früchten, mit Ghee vermischt – nachdem man [so] geopfert hat, soll man ein Gelübde halten.

Wort für Wort
tilaiḥ yavaiḥ lājaiḥ
mit Sesam, Gerste, Röstkörnern
vrīhi-godhūma
Reis, Weizen
śrī-phalaiḥ
mit Bilva-Früchten
ājya-saṃyuktaiḥ
mit Ghee vermischt
vratam caret
ein Gelübde halten

„kāmrakaiḥ“ als āmrakaiḥ.

ardharātreṣu sannaddhaḥ khaḍgacāpaśarādimān / ekavāsā vicitreṇa raktapītāsitena vā //

Um Mitternacht, gerüstet, mit Schwert, Bogen, Pfeilen usw., mit nur einem Gewand bekleidet – bunt oder rot, gelb, schwarz

Wort für Wort
ardha-rātreṣu
um Mitternacht
sannaddhaḥ
gerüstet
khaḍga-cāpa-śara-ādimān
mit Schwert, Bogen, Pfeil usw.
eka-vāsāḥ
mit einem Gewand
rakta-pīta-asitena
rot, gelb, schwarz

nīlena vātha vastreṇa devīṃ tair eva cārcayet / vrajeddakṣiṇadigbhāgaṃ dvāre dadyādbaliṃ budhaḥ //

oder mit einem blauen Gewand; die Göttin soll man eben mit diesen [Farben] verehren. Man soll in die südliche Richtung gehen; am Tor soll der Kundige eine Bali-Gabe darbringen

Wort für Wort
nīlena vastreṇa
mit blauem Gewand
devīm taiḥ eva arcayet
die Göttin mit ebendiesen verehren
vrajet dakṣiṇa-dig-bhāgam
in die südliche Richtung gehen
dvāre dadyāt balim
am Tor eine Bali-Gabe darbringen

dūtīmantreṇa dvārādau ekavṛkṣe śmaśānake / evañca sarvakāmāptirbhuṅkte sarvāṃ mahīṃ nṛpaḥ //

mit dem Botinnen-Mantra, am Tor usw., an einem einzeln stehenden Baum, auf einem Verbrennungsplatz. So [erfolgt] die Erlangung aller Wünsche; ein König genießt [dann] die ganze Erde.

Wort für Wort
dūtī-mantreṇa
mit dem Botinnen-Mantra
eka-vṛkṣe
an einem einzelnen Baum
śmaśānake
auf dem Verbrennungsplatz
sarva-kāma-āptiḥ
Erlangung aller Wünsche
bhuṅkte sarvām mahīm nṛpaḥ
der König genießt die ganze Erde

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