Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 249: dhanurvedakathanam Die Darlegung der Bogenkunde (Fortsetzung)

Das Kapitel beschreibt die Vorbereitung des Schützen, das Herausnehmen von Pfeil und Bogen, das Einlegen und Lösen des Pfeils sowie die Übung an verschiedenen Zielarten (feste, schwierige, wunderbar-schwierige, bewegte Ziele). Der Text ist stark verderbt (Verwechslung von b/v und bāṇa/varṇa, unklare Fachwörter in V. 1, 9, 12, 14–15, 17); viele Übersetzungen bleiben daher unsicher.

agnir uvāca | pūrṇāyataṃ dvijaḥ kṛtvā tato māṃsair gadāyudhān / sunirdhautaṃ dhanuḥ kṛtvā yajñabhūmau vidhāpayet //

Agni sprach: Nachdem der Zweimalgeborene [den Bogen] voll gespannt hat, [verehre er] dann mit Fleischspenden die Keulenträger [?]; nachdem er den Bogen gut gereinigt hat, lege er ihn auf dem Opferplatz nieder.

Wort für Wort
pūrṇa-āyatam kṛtvā
voll gespannt habend
māṃsaiḥ
mit Fleisch[spenden]
gadā-āyudhān
die Keulenträger
su-nirdhautam dhanuḥ
den gut gereinigten Bogen
yajña-bhūmau
auf dem Opferplatz

Die Wendung māṃsair gadāyudhān ist unklar und wohl verderbt.

tato vāṇaṃ samāgṛhya daṃśitaḥ susamāhitaḥ / tūrṇamāsādya badhnīyādṛḍhāṃ kakṣāñca dakṣiṇām //

Dann nehme er den Pfeil, gepanzert und wohlgesammelt, trete rasch heran und binde einen festen Gürtel auf der rechten Seite um.

Wort für Wort
vāṇam samāgṛhya
den Pfeil nehmend
daṃśitaḥ
gepanzert
su-samāhitaḥ
wohlgesammelt
badhnīyāt dṛḍhām kakṣām
binde einen festen Gürtel

vilakṣyamapi tadvāṇaṃ tatra caiva susaṃsthitaṃ / tataḥ samuddharedvāṇaṃ tūṇāddakṣiṇapāṇinā //

Auch jenen ziellosen [?] Pfeil, der dort gut eingesteckt ist, ziehe er dann mit der rechten Hand aus dem Köcher.

Wort für Wort
vilakṣyam
ziellos [?]
su-saṃsthitam
gut eingesteckt
samuddharet
ziehe heraus
tūṇāt dakṣiṇa-pāṇinā
aus dem Köcher mit der rechten Hand

vilakṣyam ist unklar.

tenaiva sahitaṃ madhye śaraṃ saṅgṛhya dhārayet / vāmahastena vai kakṣāṃ dhanustasmātsamuddharet //

Den Pfeil samt diesem [?] in der Mitte fassend halte er ihn; mit der linken Hand [lockere er] den Gürtel und ziehe daraus den Bogen hervor.

Wort für Wort
madhye śaram saṅgṛhya
den Pfeil in der Mitte fassend
dhārayet
halte
vāma-hastena kakṣām
mit der linken Hand den Gürtel
dhanuḥ samuddharet
ziehe den Bogen hervor

aviṣaṇṇamatirbhūtvā guṇe puṅkhaṃ niveśayet / sampīḍya siṃhakarṇena puṅkhenāpi same dṛḍhaṃ //

Unverzagten Sinnes lege er das Schaftende an die Sehne; er presse fest mit dem ‚Löwenohr‘-[Griff] und auch mit dem Schaftende gleichmäßig.

Wort für Wort
aviṣaṇṇa-matiḥ
unverzagten Sinnes
guṇe puṅkham niveśayet
lege das Schaftende an die Sehne
sampīḍya
pressend
siṃha-karṇena
mit dem Löwenohr[-Griff]

siṃhakarṇa bezeichnet wohl eine Fingerhaltung.

vāmakarṇopaviṣtañca phalaṃ vāmasya dhārayet / varṇān madhyamayā tatra vāmāṅgulyā ca dhārayet //

Die Pfeilspitze, am linken Ohr [?] angesetzt, halte er links; die Pfeile halte er dort mit dem linken Mittelfinger.

Wort für Wort
vāma-karṇa-upaviṣṭam
am linken Ohr angesetzt
phalam
die Pfeilspitze
bāṇān
die Pfeile
madhyamayā vāma-aṅgulyā
mit dem linken Mittelfinger

varṇān = bāṇān (Verwechslung v/b, ṛ/r).

mano lakṣyagataṃ kṛtvā muṣṭinā ca vidhānavit / dakṣiṇe gātrabhāge tu kṛtvā varṇaṃ vimokṣayet //

Den Geist auf das Ziel gerichtet, lasse der Regelkundige mit der Faust den Pfeil auf der rechten Körperseite los.

Wort für Wort
manaḥ lakṣya-gatam kṛtvā
den Geist auf das Ziel richtend
muṣṭinā
mit der Faust
vidhāna-vit
der Regelkundige
dakṣiṇe gātra-bhāge
auf der rechten Körperseite
vimokṣayet
lasse los

varṇaṃ = bāṇam.

lalāṭapuṭasaṃsthānaṃ daṇḍaṃ lakṣye niveśayet / ākṛṣya tāḍayettatra candrakaṃ ṣoḍaśāṅgulam //

Den Schaft, auf der Höhe der Stirnwölbung, richte er auf das Ziel; nach dem Ziehen treffe er dort eine Mondscheibe (candraka) von sechzehn Fingerbreiten.

Wort für Wort
lalāṭa-puṭa-saṃsthānam
auf Höhe der Stirnwölbung
daṇḍam lakṣye niveśayet
richte den Schaft aufs Ziel
ākṛṣya tāḍayet
ziehend treffe er
candrakam ṣoḍaśa-aṅgulam
Mondscheibe von 16 Fingerbreiten

muktvā vāṇaṃ tataḥ paścādulkāśikṣastadā tayā / nigṛhṇīyān madhyamayā tato 'ṅgulyā punaḥ punaḥ //

Nachdem er den Pfeil losgelassen hat, [halte] dann der im Ulkā-[Schießen] Geübte [ihn] mit ihr, dem Mittelfinger, immer wieder zurück [?].

Wort für Wort
muktvā bāṇam
den Pfeil loslassend
ulkā-śikṣaḥ
der im Ulkā[-Schießen] Geübte [?]
nigṛhṇīyāt
halte zurück
madhyamayā aṅgulyā
mit dem Mittelfinger
punaḥ punaḥ
immer wieder

Vers unklar; ulkāśikṣa unsicher.

akṣilakṣyaṃ kṣipettūṇāccaturasrañca dakṣiṇam / caturasragataṃ vedhyamabhyaseccāditaḥ sthitaḥ //

[Auf] ein Ziel in Augenhöhe schieße er aus dem Köcher, und [dann auf] das rechte Viereck; das im Viereck befindliche Ziel übe er, von Anfang an fest stehend.

Wort für Wort
akṣi-lakṣyam
Ziel in Augenhöhe
kṣipet tūṇāt
schieße aus dem Köcher
caturasram dakṣiṇam
das rechte Viereck
caturasra-gatam vedhyam
das im Viereck liegende Ziel
abhyaset
übe

tasmādanantaraṃ tīkṣṇaṃ parāvṛttaṃ gatañca yat / nimnamunnatavedhañca abhyaset kṣiprakantataḥ //

Danach übe er das ‚scharfe‘, das ‚umgewendete‘ und das ‚bewegte‘ Ziel, das tiefe und das hohe Treffen, und dann das schnelle.

Wort für Wort
tīkṣṇam
scharf
parāvṛttam
umgewendet
gatam
bewegt
nimnam unnata-vedham
tiefes und hohes Treffen
kṣiprakam
das schnelle

vedhyasthāneṣvathaiteṣu sattvasya puṭakāddhanuḥ / hastāvāpaśataiścitraistarjayeddustarair api //

An diesen Zielorten nun bedrohe er [das Ziel] vom … [?] aus mit dem Bogen, mit Hunderten vielfältiger, auch schwer zu meisternder Handgriffe.

Wort für Wort
vedhya-sthāneṣu
an den Zielorten
hasta-āvāpa-śataiḥ
mit Hunderten von Handgriffen
citraiḥ dustaraiḥ
vielfältig, schwer zu meistern
tarjayet
bedrohe

sattvasya puṭakāt ist unverständlich.

tasmin vedhyagate vipra dve vedhye dṛḍhasañjñake / dve vedhye duṣkare vedhye dve tathā citraduṣkare //

In diesem Zielbereich, o Weiser, [gibt es] zwei Ziele namens ‚fest‘, zwei ‚schwierige‘ Ziele und ebenso zwei ‚wunderbar-schwierige‘.

Wort für Wort
dve vedhye
zwei Ziele
dṛḍha-saṃjñake
namens ‚fest‘
duṣkare
schwierig
citra-duṣkare
wunderbar-schwierig

na tu nimnañca tīkṣṇañca dṛḍhavedhye prakīrtite / nimnaṃ duṣkaramuddiṣṭaṃ vedhyamūrdhvagatañca yat //

Nicht aber das tiefe und das scharfe werden als ‚feste Ziele‘ bezeichnet [?]; das tiefe und das nach oben gerichtete Ziel gilt als ‚schwierig‘,

Wort für Wort
nimnam tīkṣṇam
tief, scharf
dṛḍha-vedhye
als feste Ziele
duṣkaram uddiṣṭam
gilt als schwierig
ūrdhva-gatam
nach oben gerichtet

Sinn der Negation unsicher.

mastakāyanamadhye tu citraduṣkarasañjñake / evaṃ vedhyagaṇaṅkṛtvā dakṣiṇenetareṇa ca //

in der Mitte des Kopfbereichs [?] liegen die ‚wunderbar-schwierigen‘. Nachdem er so die Zielgruppe mit der rechten und der linken [Hand] ausgeführt hat,

Wort für Wort
mastaka-āyana-madhye
in der Mitte des Kopfbereichs
citra-duṣkara-saṃjñake
namens ‚wunderbar-schwierig‘
vedhya-gaṇam kṛtvā
die Zielgruppe ausführend
dakṣiṇena itareṇa
mit der rechten und der anderen

mastakāyana unklar.

ārohet prathamaṃ vīro jitalakṣastato naraḥ / eṣa eva vidhiḥ proktastatra dṛṣṭaḥ prayoktṛbhiḥ //

besteige der Held, der Mann, der die Ziele bezwungen hat, zuerst [das Reittier]. Eben dies ist die gelehrte Regel, dort von den Ausübenden erprobt.

Wort für Wort
ārohet prathamam
besteige zuerst
jita-lakṣaḥ
der die Ziele bezwungen hat
vidhiḥ proktaḥ
gelehrte Regel
dṛṣṭaḥ prayoktṛbhiḥ
von den Ausübenden erprobt

adhikaṃ bhramaṇaṃ tasya tasmādvedhyāt prakīrtitam / lakṣyaṃ sa yojayettatra patripatragataṃ dṛḍham //

Für ihn wird darüber hinaus nach jenem Ziel das Kreisen [des Ziels] gelehrt; er befestige dort ein festes Ziel auf Blättern [?].

Wort für Wort
adhikam bhramaṇam
darüber hinaus das Kreisen
tasmāt vedhyāt
nach jenem Ziel
lakṣyam yojayet
befestige das Ziel
dṛḍham
fest

patripatragataṃ unklar.

bhrāntaṃ pracalitañcaiva sthiraṃ yacca bhavediti / samantāttāḍayed bhindyācchedayedvyathayedapi //

[Ein Ziel,] das kreist, das schwankt oder das feststeht: [dieses] soll er von allen Seiten treffen, durchbohren, zerschneiden und erschüttern.

Wort für Wort
bhrāntam pracalitam sthiram
kreisend, schwankend, feststehend
samantāt tāḍayet
treffe von allen Seiten
bhindyāt chedayet
durchbohre, zerschneide
vyathayet
erschüttere

karmayogavidhānajño jñātvaivaṃ vidhimācaret / manasā cakṣuṣā dṛṣṭyā yogaśikṣuryamaṃ jayet //

Wer die Regeln von Übung und Anwendung kennt, handle nach dieser Vorschrift, nachdem er sie so erkannt hat. Wer die Übung erlernt, besiegt mit Geist, Auge und Blick [selbst] Yama.

Wort für Wort
karma-yoga-vidhāna-jñaḥ
die Regeln von Übung und Anwendung kennend
vidhim ācaret
handle nach der Vorschrift
manasā cakṣuṣā dṛṣṭyā
mit Geist, Auge, Blick
yoga-śikṣuḥ
der Übungsschüler
yamam jayet
besiegt Yama

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