Kapitel 20: sargaviṣayakavarṇanaṃ
Beschreibung der Schöpfungsarten
Agni beschreibt die neun Schöpfungen (von Mahat bis zur Kaumāra-Schöpfung) und die drei Arten der Schöpfung; es folgen die Nachkommen der mit den Weisen vermählten Töchter Dakṣas, die Ahnen, die Nachkommenschaft des Adharma sowie die Geburt und die Namen Rudras. Das Kolophon nennt das Kapitel jagatsargavarṇana („Beschreibung der Weltschöpfung“). V. 8 ist elliptisch und teilweise entstellt; der Schlussvers leitet zur Pūjā-Lehre über.
agnir uvāca | prathamo mahataḥ sargo vijñeyo brahmaṇastu saḥ / tanmātrāṇāṃ dvitīyastu bhūtasargo hi sa smṛtaḥ //
Agni sprach: Die erste Schöpfung ist die des Mahat; sie ist als die [Schöpfung] Brahmans zu verstehen. Die zweite ist die der Tanmātras (Feinelemente); sie wird als Elementenschöpfung überliefert.
Die dritte, die vaikārika-Schöpfung, gilt als die der Sinnesorgane. So ist diese ursprüngliche (prākṛta) Schöpfung entstanden, von der Einsicht (buddhi) geleitet.
Die vierte ist die Hauptschöpfung; als „Haupt“ (mukhya) gelten die unbeweglichen [Wesen]. Die als „quer strömend“ (tiryaksrotas) bezeichnete [fünfte] gilt daher als die der Tiere.
tathordhvasrotasāṃ ṣaṣṭho devasargastu sa smṛtaḥ / tatorvāksrotasāṃ sargaḥ saptamaḥ sa tu mānuṣaḥ //
Ebenso ist die sechste die der Aufwärtsströmenden; sie gilt als die Götterschöpfung. Dann [folgt] die Schöpfung der Abwärtsströmenden, die siebte; sie ist die menschliche.
aṣṭamonugrahaḥ sargaiḥ sātvikastāmasaś ca yaḥ / pañcaite vaikṛtāḥ sargāḥ prākṛtāś ca trayaḥ smṛtāḥ //
Die achte ist die anugraha-Schöpfung („Gnadenschöpfung“), die sattvisch und tamasisch ist. Diese fünf sind die abgeleiteten (vaikṛta) Schöpfungen, und drei gelten als ursprüngliche (prākṛta).
Die prākṛta- und die vaikṛta-[Schöpfung] und die Kaumāra-[Schöpfung] als neunte – [das sind] die neun Schöpfungen, die von Brahman ausgehen, die Wurzelursachen der Welt.
Die Töchter Dakṣas, angeführt von Khyāti, heirateten Bhṛgu und die übrigen [Weisen]. Die Schöpfung wird von den Leuten dreifach genannt: beständig, gelegentlich [und elementar].
Wort für Wort
khyāti-ādyāḥ
mit Khyāti beginnend
dakṣa-kanyāḥ
Töchter Dakṣas
upayemire
heirateten
nityaḥ naimittikaḥ
beständig, gelegentlich
tridhā
dreifach
Die dritte Art (prākṛta) ergibt sich aus dem folgenden Vers.
prākṛtā dainandinī syādantarapralayādanu / jāyate yatrānudinaṃ mityasargo hi sammataḥ //
Die ursprüngliche (prākṛta) [ist die bei der Weltauflösung]; die tägliche folgt auf die Zwischenauflösung [?]; [die Schöpfung,] bei der Tag für Tag [Wesen] geboren werden, gilt als die beständige Schöpfung.
Wort für Wort
prākṛtā
die ursprüngliche
dainandinī
die tägliche
antara-pralayāt anu
nach der Zwischenauflösung
anudinam
Tag für Tag
nitya-sargaḥ
beständige Schöpfung
mityasargo Tippfehler für nityasargo; Vers elliptisch.
Pāvaka, Pavamāna und Śuci wurden von Svāhā dem Agni geboren. Die Agniṣvāttas und Barhiṣads, die Feuerlosen und die mit Feuer [Versehenen, also die Ahnen,] [stammen] vom Ungeborenen [Brahmā].
Und von den Ahnen wurden in Svadhā Menā und Vaidhāriṇī als Töchter [geboren]. Hiṃsā aber war die Gattin des Adharma; von beiden wurde Anṛta (Unwahrheit) geboren
kanyā ca nikṛtistābhyāṃ bhayannarakemeva ca / māyā ca vedanā caiva mithunantvidametayoḥ //
und die Tochter Nikṛti (Trug). Von diesen beiden [stammten] Bhaya (Furcht) und Naraka (Hölle), sowie Māyā (Täuschung) und Vedanā (Schmerz) – das ist das Paar dieser beiden.
mṛtyorvyādhijarāśokatṛṣṇākrodhāś ca jajñire / brahmaṇaś ca rudan jāto rodanādrudranāmakaḥ //
Von Mṛtyu wurden Krankheit, Alter, Kummer, Gier und Zorn geboren. Und von Brahmā wurde einer weinend geboren; vom Weinen (rodana) trägt er den Namen Rudra.
Aus Zorn über Dakṣa gab dessen [Tochter und Rudras] Gattin Satī ihren Leib auf; als Tochter des Himavat [wiedergeboren], wurde sie abermals Gattin Śambhus.
Die Verehrungsriten, denen das Bad usw. vorangeht, wurden den Weisen von Nārada und den anderen verkündet; nachdem Svāyambhuva und die übrigen sie [für] Viṣṇu usw. vollzogen hatten, [erwiesen sie sich als] Genuss und Erlösung gewährend.
Wort für Wort
ṛṣibhyaḥ
den Weisen
nārada-ādi-uktāḥ
von Nārada usw. verkündet
snāna-ādi-pūrvikāḥ
mit Bad usw. beginnend
kṛtvā
vollzogen habend
bhukti-mukti-dāḥ
Genuss und Erlösung gewährend
Überleitung zu den folgenden Kapiteln über Pūjā; Syntax elliptisch.