Kapitel 42: prāsādalakṣaṇakathanam
Die Beschreibung der Merkmale des Tempels
Hayagrīva beschreibt die Proportionen eines allgemeinen Tempeltyps (Grundriss in sechzehn Teilen, Wandzone, Turm, Umgang, Plattform, Hallen) und eines zweiten Typs, der vom Maß des Götterbildes ausgeht, samt Risaliten, Turmvorbau, Bekrönung, Tür mit Türhütern und Śrī-Relief, Umfassungsmauer und Torturm. Am Ende folgt die Verteilung der Viṣṇu-Formen auf die Richtungen. Zahlreiche technische Termini sind in der Vorlage verderbt oder unklar (bes. Verse 2, 8, 14, 17, 20); Vers 25 umfasst drei Halbverse.
Hayagrīva sprach: Ich werde den für alle [Götter] gemeinsamen Tempel darlegen; höre! Das quadratisch gemachte Grundstück teile der Weise in sechzehn Teile.
śikhareṇa samaṃ kāryamagre jagati vistaraṃ / dviguṇenāpi kartavyaṃ yathāśobhānurūpataḥ //
Vorne ist die Breite der Plattform (jagatī) dem Śikhara (Turm) gleich zu machen; sie kann auch doppelt [so breit] gemacht werden, wie es der Schönheit entspricht.
vistārānmaṇḍapasyāgre garbhasūtradvayena tu / dairghyātpādādhikaṃ kuryānmadhyastambhair vibhūṣitaṃ //
Vor dem [Tempel] mache er eine Halle (maṇḍapa), in der Breite mit zwei Garbhasūtras [bemessen], in der Länge um ein Viertel größer, mit mittleren Pfeilern geschmückt.
Wort für Wort
vistārāt
in der Breite
maṇḍapasya agre
vorne die Halle
garbha-sūtra-dvayena
mit zwei Cella-Schnüren
dairghyāt pāda-adhikam
in der Länge um ein Viertel größer
madhya-stambhaiḥ vibhūṣitam
mit mittleren Pfeilern geschmückt
garbhasūtradvayena: wohl 'mit dem Doppelten der Cella-Achse'; technischer Sinn unsicher.
Oder er mache die Vorhalle (mukhamaṇḍapa) nach dem Maß der Cella des Tempels. Nachdem man [den Vāstu] mit einundachtzig Feldern verehrt hat, beginne man danach die Halle.
Bei der Anlage der Osttür verehre er die Śukas [?] [und] die Götter, die innerhalb der Viertel stehen; ebenso verehre er bei der Anlage der Umfassungsmauer die zweiunddreißig am Rand befindlichen.
Nach dem Maß des Bildes ist ein schöner Sockel (piṇḍikā) zu machen; die Cella [bemisst sich] nach der Hälfte [über] den Sockel hinaus [?], die Mauern nach dem Maß der Cella.
Wort für Wort
pratimāyāḥ pramāṇena
nach dem Maß des Bildes
piṇḍikā
Sockel
garbhaḥ
die Cella
piṇḍikā-ardhena
mit der Hälfte des Sockels
garbha-mānāḥ bhittayaḥ
die Mauern nach dem Maß der Cella
pramāṇana: lies pramāṇena. garbhas tu piṇḍikārdhena: genaue Rechnung unklar.
skandhabhagnaṃ na kartavyaṃ vikarālaṃ tathaiva ca / ūrdhvaṃ ca vedikāmānāt kalaśaṃ parikalpayet //
Man darf [den Bau] nicht 'schulterbrüchig' und ebenso nicht unförmig machen. Oberhalb, nach dem Maß der Vedikā, sehe er den Kalaśa (Bekrönungsgefäß) vor.
Die Tür ist doppelt so hoch wie breit zu machen, sehr schön. Die beiden Schwellen (udumbara) und darüber setze er die Pfosten (śākhā) mit glückverheißenden [Zeichen].
die von den Elefanten der Himmelsrichtungen mit Krügen gebadet wird, mit Lotos, schöngestaltig. Die Höhe der Umfassungsmauer betrage ein Viertel des Tempels.
im Südwesten Rāma, im Nordwesten Vāmana, im Nordosten Vāsudeva. Die Gliederung des Tempels ist mit acht, zwölf usw. [Teilen] vorzunehmen [?]. Lässt man ein Achtel usw. der Tür frei, bringt eine Durchbohrung (vedha) keinen Fehler.
Wort für Wort
nairṛtyām rāmakam
im Südwesten Rāma
vāyau vāmanam
im Nordwesten Vāmana
prāsāda-racanā
Gliederung des Tempels
vasu-arka-ādibhiḥ
mit acht, zwölf usw.
aṣṭama-ādi-aṃśam tyaktvā
ein Achtel usw. freilassend
vedhaḥ
Durchbohrung, Verstellung (der Tür)
Der Vers hat drei Halbverse. vasu = 8, arka = 12 (Zahlwörter). tyatkā bedho: lies tyaktvā vedho.