Kapitel 132: sevācakraṃ
Das Dienst-Rad (Sevācakra)
Īśvara beschreibt das Dienst-Rad, ein Buchstabenraster, mit dem man bestimmt, von wem man im Dienst Gewinn erwarten kann (Siddha, Sādhya, Susiddha, Ari, Mṛtyu). Es folgen die Zuordnung der Lautgruppen zu Wesensklassen (Götter bis Menschen) und deren Rangfolge, das Sternrad (tārācakra) mit neun Tārās, eine Guthaben-Schuld-Rechnung aus den Vokalquantitäten der Namen sowie Freundschaften der Tierkreiszeichen. Die Vorlage enthält mehrere Verschreibungen (bhṛtyaś für mṛtyuś, pratparā, kanā) und einen eingeschobenen Abschnittsvermerk „tārācakraṃ“ in V. 19.
Īśvara sprach: Ich werde das Dienst-Rad (sevācakra) darlegen, das Gewinn und Nichtgewinn anzeigt: Vater, Mutter, ebenso Bruder und besonders Eheleute –
Fünfunddreißig Felder [entstehen]; in sie schreibe man die Laute: Nachdem man die fünf Vokale vorangestellt hat, schreibe man danach die Verschlusslaute (sparśa),
kakārādihakārāntān hīnāṅgāṃstrīnvivarjayet / siddhaḥ sādhyaḥ susiddhaś ca arirmṛtyuś ca nāmataḥ //
die von ka bis ha, wobei man die drei „gliedlosen“ [Laute] auslasse. [Die Spalten heißen] dem Namen nach: Siddha (erreicht), Sādhya (zu erreichen), Susiddha (vollkommen erreicht), Ari (Feind) und Mṛtyu (Tod).
Wort für Wort
ka-kāra-ādi-ha-kāra-antān
von ka bis ha
hīna-aṅgān trīn
die drei gliedlosen
vivarjayet
man lasse aus
siddhaḥ sādhyaḥ susiddhaḥ
erreicht, zu erreichen, vollkommen erreicht
ariḥ mṛtyuḥ
Feind, Tod
Die drei hīnāṅga-Laute sind nicht benannt; gemeint sind vermutlich die Nasale ṅa, ña, ṇa (5 Vokale + 30 Konsonanten = 35 Felder).
der vierte [bedeutet] Selbstvernichtung, der fünfte ist Todbringer. Allein die Stellung [entscheidet] über den Erwerb von Reichtum: Freunde, Diener und andere, Verwandte.
Wie das auf a Endende gelehrt ist, so kennt man a, i, u, e, o. Ferner werde ich die Anteile (aṃśaka) darlegen, die nach den acht Lautgruppen wohlgeordnet sind.
Wort für Wort
akāra-antam
auf a endend
vidus tathā
so kennt man
aṃśakān
die Anteile
varga-aṣṭaka
die acht Lautgruppen
su-saṃskṛtān
wohlgeordnet
Der erste Halbvers ist unklar; „a+i+u+e+o“ ist Schreibung der Vorlage.
Die Götter [gehören] zur a-Gruppe, die Daityas sind der ka-Gruppe zugeordnet, die Nāgas gehören zur ca-Gruppe, die Gandharvas stammen aus der ṭa-Gruppe;
Stärker als die Götter sind die Daityas, als die Daityas ebenso die Schlangen, als die Schlangen die Gandharvas, als die Gandharvas die Weisen überlegen;
punarmitravibhāgantu tārācakraṃ kramācchṛṇu / nāmādyakṣaramṛkṣantu sphuṭaṃ kṛtvā tu parvataḥ //
Höre nun ferner der Reihe nach die Einteilung der Freunde, das Sternrad (tārācakra): Nachdem man das Mondhaus des Anfangslautes des Namens genau bestimmt hat, von da an [zählend] [?]
Wort für Wort
mitra-vibhāgam
Einteilung der Freunde
tārā-cakram
Sternrad
kramāt śṛṇu
höre der Reihe nach
nāma-ādya-akṣara-ṛkṣam
Mondhaus des Namensanfangslautes
sphuṭam kṛtvā
genau bestimmt habend
parvataḥ ist unklar, wohl verderbt aus pūrvataḥ („von vorn an“).
[sind] die in den Mondhäusern stehenden Sterne (tārā) neun Dreiergruppen der Reihe nach. Janma (Geburt), Sampad (Gedeihen), Vipad (Unglück), Kṣema (Wohlfahrt) – diese Tārās [zählen] vom Namens-Mondhaus an;
Pratyarā (Gegnerin), Dhanadā (Reichtumsgeberin) als sechste, Naidhanā (Tod) und Maitra (Freund) die folgenden; Paramaitrā ist die letzte Tārā. Die Janmatārā ist unheilvoll;
die Dhanadā [bringt] Gewinn eines Königreichs und dergleichen, die Naidhanā vernichtet das Unternehmen, die Maitratārā dient der Freundschaft, die Paramitrā bringt Wohl.
tārācakraṃ | mātrā vai svarasañjñā syānnāmamadhye kṣipet priye / viṃśatyā ca haredbhāgaṃ yaccheṣaṃ tat phalaṃ bhavet //
[Soweit] das Sternrad. Die Vokalquantität (mātrā) gilt als Bezeichnung der Vokale; man füge sie in [die Summe] des Namens ein, o Liebe; man teile durch zwanzig: was als Rest bleibt, das sei das Ergebnis.
Wort für Wort
mātrā
Vokalquantität, Maßeinheit
svara-sañjñā
Bezeichnung der Vokale
nāma-madhye kṣipet
man füge in den Namen ein
viṃśatyā haret
man teile durch zwanzig
yat śeṣam
was als Rest bleibt
„tārācakraṃ |“ steht als Abschnittsvermerk im Vers.
ubhayortrāsamadhye tu lakṣayecca dhanaṃ hy ṛṇaṃ / hīnamātrā hy ṛṇaṃ jñeyandhanaṃ mātrādhikaṃ punaḥ //
Zwischen [den Namen] beider erkenne man Guthaben (dhana) und Schuld (ṛṇa): Mit geringerer Mātrā-Zahl ist Schuld zu erkennen, mit höherer Mātrā-Zahl dagegen Guthaben.
Wort für Wort
ubhayoḥ
zwischen beiden
dhanam ṛṇam
Guthaben und Schuld
hīna-mātrā
mit geringerer Mātrā
mātrā-adhikam
mit mehr Mātrā
ubhayortrāsamadhye ist verderbt; gelesen etwa ubhayor nāmamadhye.
Durch Guthaben [entsteht] Freundschaft der Menschen, durch Schuld Gleichgültigkeit. Dies ist das Dienst-Rad, das Gewinn, Nichtgewinn und dergleichen zeigt.
Zwischen Widder und Zwillingen [herrscht] Zuneigung, Freundschaft zwischen Zwillingen und Löwe; Waage und Löwe [haben] große Freundschaft, ebenso wiederum Schütze und Wassermann.
Dienst bei einem Freund soll man nicht leisten [?]; als Freunde gelten Fische und Stier; Freundschaft [besteht] zwischen Stier und Krebs, ebenso zwischen Krebs und Wassermann;
ebenso zwischen Jungfrau und Skorpion, ebenso zwischen Steinbock und Skorpion; die Freundschaft zwischen Fischen und Steinbock liegt in der dritten und elften [Stellung].
Waage und Widder [haben] große Freundschaft, verfeindet sind Stier und Skorpion; Zuneigung [besteht] zwischen Zwillingen und Schütze, ebenso zwischen Krebs und Steinbock;