Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 279: sarvarogaharāṇi auṣadhāni Heilmittel, die alle Krankheiten vertreiben

Dhanvantari unterscheidet körperliche, geistige, äußere und angeborene Krankheiten und nennt rituelle Heilmittel (Gaben an Wochentagen, Liṅga-Bad, Opfer). Es folgen die Lehre von den Doṣas und Dhātus, die Umwandlung der Nahrung, Behandlungsregeln samt Schutzmantra, Landschaftstypen, die Wirkungen der Geschmäcke, der Jahreszeitenzyklus der Doṣas, die Konstitutionstypen, Ursachen, Merkmale und Mittel der Doṣa-Krankheiten. Mehrere Stellen sind durch Schreibfehler entstellt (u. a. V. 10, 15, 17, 40–41); im Kolophon steht der Vermerk 'chapter {280}'.

dhanvantarir uvāca | śārīramānamāgantusahajā vyādhayo matāḥ / śārīrā jvarakuṣṭhādyā krodhādyā mānasā matāḥ //

Dhanvantari sprach: Die Krankheiten gelten als körperlich, geistig, von außen hinzukommend und angeboren. Körperlich sind Fieber, Hautkrankheit und dergleichen; als geistig gelten Zorn und dergleichen.

Wort für Wort
śārīra-mānasa
körperlich, geistig
āgantu-sahajāḥ
von außen kommend, angeboren
vyādhayaḥ matāḥ
Krankheiten gelten
jvara-kuṣṭha-ādyāḥ
Fieber, Hautkrankheit usw.
krodha-ādyāḥ mānasāḥ
Zorn usw. sind geistig

śārīramānam = śārīra-mānasa-.

āgantavo vighātotthā sahajāḥ kṣujjarādayaḥ / śārīrāgantunāśāya sūryavāre ghṛtaṃ guḍam //

Von außen kommend sind die aus Verletzung entstandenen, angeboren sind Hunger, Alter und dergleichen. Zur Vernichtung der körperlichen und der von außen kommenden (Leiden) soll man am Sonntag Ghee, Rohzucker,

Wort für Wort
āgantavaḥ
von außen kommende
vighāta-utthāḥ
aus Verletzung entstanden
kṣut-jarā-ādayaḥ
Hunger, Alter usw.
śārīra-āgantu-nāśāya
zur Vernichtung körperlicher und äußerer Leiden
sūrya-vāre
am Sonntag

lavaṇaṃ sahiraṇyañca viprāyāpūpamarpayet / candre cābhyaṅgado vipre sarvarogaiḥ pramucyate //

Salz samt Gold und einen Kuchen einem Brahmanen darbringen. Wer am Montag einem Brahmanen (Öl zur) Einreibung gibt, wird von allen Krankheiten befreit.

Wort für Wort
lavaṇam sa-hiraṇyam
Salz samt Gold
viprāya apūpam arpayet
soll einem Brahmanen einen Kuchen darbringen
candre
am Montag
abhyaṅga-daḥ
wer (Öl zur) Einreibung gibt
sarva-rogaiḥ pramucyate
wird von allen Krankheiten befreit

tailaṃ śanaiś care dadyādāśvine gorasānnadaḥ / ghṛtena payasā liṅgaṃ saṃsnāpya syādrugujjhitaḥ //

Am Samstag soll man Öl geben; im (Monat) Āśvina [?] (sei man) Geber von Milchspeise. Wer das Liṅga mit Ghee und Milch gebadet hat, wird frei von Krankheit.

Wort für Wort
śanaiścare
am Samstag
tailam dadyāt
soll Öl geben
go-rasa-anna-daḥ
Geber von Milchspeise
liṅgam saṃsnāpya
nachdem man das Liṅga gebadet hat
ruk-ujjhitaḥ
frei von Krankheit

āśvine: Monat Āśvina oder Mondhaus Aśvinī.

gāyatryā hāvayedvahnau dūrvāntrimadhurāplutām / yasmin bhe vyādhimāpnoti tasmin snānaṃ baliḥ śubhe //

Mit der Gāyatrī soll man Dūrvā-Gras, in die drei Süßen getaucht, ins Feuer opfern lassen. Unter welchem Mondhaus man eine Krankheit bekommt, unter diesem sind Bad und Bali-Spende heilsam.

Wort für Wort
gāyatryā
mit der Gāyatrī
hāvayet vahnau
soll ins Feuer opfern lassen
dūrvām tri-madhura-āplutām
Dūrvā in die drei Süßen getaucht
yasmin bhe
in welchem Mondhaus
snānam baliḥ śubhe
Bad und Bali-Spende sind heilsam

trimadhura = Honig, Zucker, Ghee.

mānasānāṃ rujādīnāṃ viṣṇoḥ stotraṃ haraṃ bhavet / vātapittakaphā doṣā dhātavaś ca tathā śṛṇu //

Bei den geistigen Leiden und dergleichen ist ein Lobpreis Viṣṇus (krankheits)vertreibend. Höre nun über die Doṣas Vāta, Pitta und Kapha und ebenso über die Dhātus (Körperbestandteile).

Wort für Wort
mānasānām rujādīnām
bei geistigen Leiden usw.
viṣṇoḥ stotram
Lobpreis Viṣṇus
haram bhavet
ist vertreibend
vāta-pitta-kaphāḥ doṣāḥ
die Doṣas Vāta, Pitta, Kapha
dhātavaḥ
die Körperbestandteile

bhuktaṃ pakvāśayādannaṃ dvidhā yāti ca suśruta / aṃśenaikena kiṭṭadvaṃ rasatāñcāpareṇa ca //

Die gegessene Speise geht vom Verdauungsbehälter aus auf zwei Weisen, o Suśruta: mit dem einen Teil zu Abfall, mit dem anderen zu Saft (Rasa).

Wort für Wort
bhuktam annam
die gegessene Speise
pakva-āśayāt
vom Verdauungsbehälter
dvidhā yāti
geht zweifach
kiṭṭatām
zum Abfall
rasatām
zum Saft

kiṭṭadvam wohl für kiṭṭatām.

kiṭṭabhāgo malastatra vinmūtrasvedadūṣikāḥ / nāsāmalaṅkarṇamalaṃ tathā dehamalañca yat //

Der Abfallteil ist dabei der Unrat: Kot, Harn, Schweiß, Augenschleim, Nasenschleim, Ohrenschmalz und was sonst Körperschmutz ist.

Wort für Wort
kiṭṭa-bhāgaḥ malaḥ
der Abfallteil ist Unrat
viṭ-mūtra-sveda
Kot, Harn, Schweiß
dūṣikāḥ
Augenschleim
nāsā-malam karṇa-malam
Nasen- und Ohrenschmutz
deha-malam
Körperschmutz

rasabhāgādrasastatra samācchoṇitatāṃ vrajet / māṃsaṃ raktattito medo medaso 'sthnaś ca sambhavaḥ //

Aus dem Saftteil (entsteht) dabei der Rasa; aus dem Rasa wird Blut; aus Blut Fleisch, daraus Fett, aus Fett die Entstehung der Knochen;

Wort für Wort
rasa-bhāgāt
aus dem Saftteil
śoṇitatām vrajet
wird zu Blut
māṃsam raktataḥ
Fleisch aus Blut
medaḥ
Fett
asthnaḥ sambhavaḥ
Entstehung der Knochen

samāc chonitatām unklar, wohl rasāc choṇitatām; raktattito für raktatas tato.

asthno majjā tataḥ śukraṃ śukādrāgastathaujasaḥ / deśamārtiṃ balaṃ śaktiṃ kālaṃ prakṛtimeva ca //

aus Knochen Mark, daraus Samen; aus dem Samen Leidenschaft [?] und ebenso das Ojas. Ort, Leiden, Kraft, Vermögen, Zeit und Konstitution

Wort für Wort
asthnaḥ majjā
aus Knochen Mark
tataḥ śukram
daraus Samen
ojas
Lebenskraft (Ojas)
deśam ārtim balam
Ort, Leiden, Kraft
kālam prakṛtim
Zeit und Konstitution

śukād rāgas tathaujasaḥ ist unklar; śukāt für śukrāt.

jñātvā cikitsataṃ kuryādbheṣajasya tathā balam / tithiṃ riktāntyajed bhaumaṃ mandabhandāruṇograkam //

kennend soll man die Behandlung durchführen, ebenso die Stärke des Heilmittels (beachtend). Man soll die Riktā-Tithis meiden, den Dienstag, den Samstag und die 'grausamen' und 'wilden' Mondhäuser.

Wort für Wort
jñātvā
kennend
cikitsitam kuryāt
soll die Behandlung durchführen
bheṣajasya balam
Stärke des Heilmittels
riktām tithim tyajet
soll die Riktā-Tithi meiden
bhaumam mandam
Dienstag, Samstag
dāruṇa-ugrakam bham
grausames und wildes Mondhaus

Riktā-Tithis = 4., 9. und 14. Mondtag; mandabhandāruṇograkam = manda + bha dāruṇa-ugrakam [?].

harigodvijacandrārkasurādīn pratipūjya ca / śṛṇu mantramimaṃ vidvan bheṣajārambhamācaret //

Und nachdem man Hari, die Kühe, Brahmanen, Mond, Sonne, Götter und dergleichen verehrt hat – höre diesen Mantra, o Weiser –, soll man mit der Arznei beginnen:

Wort für Wort
hari-go-dvija
Hari, Kühe, Brahmanen
candra-arka-sura-ādīn
Mond, Sonne, Götter usw.
pratipūjya
verehrt habend
mantram imam
diesen Mantra
bheṣaja-ārambham ācaret
soll mit der Arznei beginnen

brahmadakṣāśvirudrendrabhūcandrārkānilānalāḥ / ṛṣayaś cauṣadhigrāmā bhūtasaṅghāś ca pāntu te //

„Brahmā, Dakṣa, die Aśvins, Rudra, Indra, die Erde, Mond, Sonne, Wind und Feuer, die Seher, die Scharen der Heilpflanzen und die Scharen der Wesen mögen dich schützen.

Wort für Wort
brahma-dakṣa-aśvi
Brahmā, Dakṣa, die Aśvins
rudra-indra-bhū
Rudra, Indra, Erde
candra-arka-anila-analāḥ
Mond, Sonne, Wind, Feuer
oṣadhi-grāmāḥ
Scharen der Heilpflanzen
bhūta-saṅghāḥ pāntu te
die Scharen der Wesen mögen dich schützen

rasāyanamivarṣīṇāṃ devānāmamṛtaṃ yathā / sudhevottamanāgānāṃ bhaiṣajyamidamastu te //

Wie das Verjüngungsmittel für die Seher, wie der Nektar für die Götter, wie der Unsterblichkeitstrank für die besten Nāgas, so sei dir diese Arznei.“

Wort für Wort
rasāyanam
Verjüngungsmittel
ṛṣīṇām
der Seher
amṛtam
Nektar
sudhā uttama-nāgānām
Unsterblichkeitstrank der besten Nāgas
bhaiṣajyam idam astu te
diese Arznei sei dir

vātaśleṣmātako deśo bahuvṛkṣo bahūdakaḥ / anūpaḍtibikhyāto jāṅgalastadvivarjitaḥ //

Eine Gegend, in der Vāta und Kapha vorherrschen [?], mit vielen Bäumen und viel Wasser, ist als Anūpa (Feuchtland) bekannt; Jāṅgala (Trockenland) ist frei davon.

Wort für Wort
vāta-śleṣma
Vāta und Kapha
bahu-vṛkṣaḥ bahu-udakaḥ
baumreich, wasserreich
anūpaḥ iti vikhyātaḥ
als Anūpa bekannt
jāṅgalaḥ
Trockenland
tad-vivarjitaḥ
davon frei

vātaśleṣmātako unklar (wohl vāta-śleṣma-ātmakaḥ); anūpaḍtibikhyāto = anūpa iti vikhyātaḥ (Digitalisierungsfehler).

kiñcidvṛkṣodako deśas tathā sādhāraṇaḥ smṛtaḥ / jāṅgalaḥ pittabahulo madhyaḥ sādhāraṇaḥ smṛtaḥ //

Eine Gegend mit einigen Bäumen und etwas Wasser gilt ebenso als gemischt (Sādhāraṇa). Jāṅgala ist reich an Pitta; die mittlere gilt als ausgeglichen.

Wort für Wort
kiñcit-vṛkṣa-udakaḥ
mit einigen Bäumen und Wasser
sādhāraṇaḥ smṛtaḥ
gilt als gemischt
pitta-bahulaḥ
reich an Pitta
madhyaḥ
die mittlere

rūkṣmaḥ śītaś calo vāyuḥ pittamuṣṇaṃ kaṭutrayam / sthirāmlasnigdhamadhuraṃ balāśañca pracakṣate //

Trocken, kalt und beweglich ist der Wind (Vāyu); Pitta ist heiß und scharf [?]; fest, sauer, ölig und süß nennt man den Balāsa (Kapha).

Wort für Wort
rūkṣaḥ śītaḥ calaḥ
trocken, kalt, beweglich
vāyuḥ
Wind (Vāta)
pittam uṣṇam
Pitta ist heiß
sthira-amla-snigdha-madhuram
fest, sauer, ölig, süß
balāsam pracakṣate
nennt man Kapha

rūkṣmaḥ für rūkṣaḥ; kaṭutrayam hier wohl nicht die 'drei Scharfen', sondern verderbt für eine Eigenschaftsangabe.

vṛddhiḥ samānair eteṣāṃ viparītair viparyayaḥ / rasāḥ svādvamlalavaṇāḥ śleṣmalā vāyunāśanāḥ //

Ihre Zunahme (erfolgt) durch Gleichartiges, durch Entgegengesetztes das Gegenteil. Die Geschmäcke süß, sauer und salzig mehren den Schleim und vernichten den Wind;

Wort für Wort
vṛddhiḥ samānaiḥ
Zunahme durch Gleichartiges
viparītaiḥ viparyayaḥ
durch Gegenteiliges das Gegenteil
rasāḥ svādu-amla-lavaṇāḥ
süß, sauer, salzig
śleṣmalāḥ
Schleim mehrend
vāyu-nāśanāḥ
Wind vernichtend

kaṭutiktakaṣāyāś ca vātalāḥ śleṣmanāśanāḥ / kaṭvamlalavaṇā jñeyās tathā pittavivardhanāḥ //

scharf, bitter und herb mehren den Wind und vernichten den Schleim; scharf, sauer und salzig sind als Pitta-steigernd zu kennen;

Wort für Wort
kaṭu-tikta-kaṣāyāḥ
scharf, bitter, herb
vātalāḥ
Wind mehrend
śleṣma-nāśanāḥ
Schleim vernichtend
kaṭu-amla-lavaṇāḥ
scharf, sauer, salzig
pitta-vivardhanāḥ
Pitta steigernd

tiktasvādukaṣāyāś ca tathā pittavināśanāḥ / rasasyaitadguṇaṃ nāsti vipākasyaitadiṣyate //

bitter, süß und herb sind ebenso Pitta-vernichtend. Diese Eigenschaft kommt nicht dem Geschmack (Rasa) zu; man schreibt sie der Nachverdauung (Vipāka) zu.

Wort für Wort
tikta-svādu-kaṣāyāḥ
bitter, süß, herb
pitta-vināśanāḥ
Pitta vernichtend
rasasya
des Geschmacks
na asti
ist nicht
vipākasya iṣyate
wird der Nachverdauung zugeschrieben

vīryoṣṇāḥ kaphavātaghnāḥ śītāḥ pittavināśanāḥ / prabhāvatas tathā karma te kurvanti ca suśruta //

Die in ihrer Wirkkraft (Vīrya) heißen (Stoffe) vernichten Kapha und Vāta, die kalten vernichten Pitta. Durch ihre besondere Kraft (Prabhāva) vollbringen sie ebenso ihre Wirkung, o Suśruta.

Wort für Wort
vīrya-uṣṇāḥ
in der Wirkkraft heiß
kapha-vāta-ghnāḥ
Kapha und Vāta vernichtend
śītāḥ
die kalten
prabhāvataḥ
durch besondere Kraft
karma kurvanti
vollbringen die Wirkung

śiśire ca vasante ca nidāghe ca tathā kramāt / cayaprakopapraśamāḥ kaphasya tu prakīrtitāḥ //

Im Spätwinter, im Frühling und im Sommer werden der Reihe nach Ansammlung, Erregung und Beruhigung des Kapha gelehrt.

Wort für Wort
śiśire
im Spätwinter
vasante
im Frühling
nidāghe
im Sommer
caya-prakopa-praśamāḥ
Ansammlung, Erregung, Beruhigung
kaphasya
des Kapha

nidāghavarṣārātrau ca tathā śaradi suśruta / cayaprakopapraśamāḥ pavanasya prakīrtitāḥ //

Im Sommer, in der Regenzeit und ebenso im Herbst, o Suśruta, werden Ansammlung, Erregung und Beruhigung des Windes gelehrt.

Wort für Wort
nidāgha
Sommer
varṣā
Regenzeit
śaradi
im Herbst
pavanasya
des Windes
prakīrtitāḥ
werden gelehrt

varṣārātrau wohl für varṣāsu (Regenzeit, 'Regennacht').

meghakāle ca śaradi hemante ca yathākramāt / cayaprakopapraśamās tathā pittasya kīrtitāḥ //

In der Wolkenzeit, im Herbst und im Frühwinter werden der Reihe nach ebenso Ansammlung, Erregung und Beruhigung des Pitta genannt.

Wort für Wort
megha-kāle
in der Wolken-(Regen-)zeit
śaradi
im Herbst
hemante
im Frühwinter
yathā-kramāt
der Reihe nach
pittasya kīrtitāḥ
des Pitta genannt

varṣādyo visargastu hemantādyās tathā trayaḥ / śiśirādyās tathādānaṃ grīṣmāntā ṛtavastrayaḥ //

Die mit der Regenzeit beginnende (Hälfte) ist Visarga ('Hingabe'), (also) die drei bis zum Frühwinter [?]; ebenso sind die mit dem Spätwinter beginnenden, mit dem Sommer endenden drei Jahreszeiten Ādāna ('Entnahme').

Wort für Wort
varṣā-ādyaḥ
mit der Regenzeit beginnend
visargaḥ
Visarga (Hingabe)
śiśira-ādyāḥ
mit Spätwinter beginnend
ādānam
Ādāna (Entnahme)
grīṣma-antāḥ ṛtavaḥ trayaḥ
drei Jahreszeiten bis zum Sommer

hemantādyāḥ ist sachlich wohl als 'bis Hemanta' zu verstehen.

saumyo visargastvādānamāgneyaṃ parikīrtitam / varṣādīṃstrīnṛtūn somaś caran paryāyaśo rasān //

Visarga gilt als soma-artig, Ādāna als agni-artig. Der Mond, der die drei mit der Regenzeit beginnenden Jahreszeiten durchwandert, erzeugt nacheinander die Geschmäcke

Wort für Wort
saumyaḥ visargaḥ
Visarga ist soma-artig
āgneyam ādānam
Ādāna ist agni-artig
somaḥ caran
der wandelnde Mond
paryāyaśaḥ
nacheinander
rasān
die Geschmäcke

janayatyamlalavaṇamadhurāṃstrīn yathākramam / śiśirādīnṛtūnarkaś caran paryayaśo rasān //

sauer, salzig und süß, diese drei, der Reihe nach. Die Sonne, die die mit dem Spätwinter beginnenden Jahreszeiten durchwandert,

Wort für Wort
janayati
erzeugt
amla-lavaṇa-madhurān
sauer, salzig, süß
yathā-kramam
der Reihe nach
śiśira-ādīn ṛtūn
die Jahreszeiten ab Spätwinter
arkaḥ caran
die wandelnde Sonne

vivardhayettathā tiktakaṣāyakaṭukān kramāt / yathā rajanyo vardhante valamekaṃ hi vardhate //

mehrt der Reihe nach die Geschmäcke bitter, herb und scharf. Wie die Nächte zunehmen, so nimmt auch die Kraft (des Menschen) zu,

Wort für Wort
vivardhayet
mehrt
tikta-kaṣāya-kaṭukān
bitter, herb, scharf
rajanyaḥ vardhante
die Nächte nehmen zu
balam
Kraft
vardhate
nimmt zu

valam für balam.

kramaśo 'tha manuṣyāṇāṃ hīyamānāsu hīyate / rātribhuktadinānāñca vayasaś ca tathaiva ca //

und wenn sie allmählich abnehmen, nimmt sie bei den Menschen ab. In Anfang, Mitte und Ende von Nacht, Mahlzeit und Tag und ebenso des Lebensalters

Wort für Wort
kramaśaḥ
allmählich
hīyamānāsu hīyate
nimmt ab, wenn sie abnehmen
manuṣyāṇām
bei den Menschen
rātri-bhukta-dinānām
von Nacht, Mahlzeit, Tag
vayasaḥ
des Lebensalters

ādimadhyāvasāneṣu kaphapittasamīraṇāḥ / prakopaṃ yānti kopādau kāle teṣāñcayaḥ smṛtaḥ //

geraten Kapha, Pitta und Wind (jeweils) in Erregung. In der Zeit vor der Erregung gilt ihre Ansammlung,

Wort für Wort
ādi-madhya-avasāneṣu
in Anfang, Mitte, Ende
kapha-pitta-samīraṇāḥ
Kapha, Pitta, Wind
prakopam yānti
geraten in Erregung
kopa-ādau kāle
in der Zeit vor der Erregung
cayaḥ smṛtaḥ
gilt die Ansammlung

prakopottarake kāle śamasteṣāṃ prakīrtitaḥ / adibhojanato vipra tathā cābhojanena ca //

in der Zeit nach der Erregung wird ihre Beruhigung gelehrt. Durch übermäßiges Essen, o Brahmane, und ebenso durch Nichtessen

Wort für Wort
prakopa-uttarake kāle
in der Zeit nach der Erregung
śamaḥ
Beruhigung
ati-bhojanataḥ
durch übermäßiges Essen
vipra
o Brahmane
abhojanena
durch Nichtessen

adibhojanataḥ für atibhojanataḥ.

rogā hi sarve jāyante vegodīraṇadhāraṇaiḥ / annena kukṣerdvāvaṃśāvekaṃ pānena pūrayet //

entstehen alle Krankheiten, sowie durch Erzwingen und Zurückhalten der natürlichen Dränge. Zwei Teile des Bauches soll man mit Speise, einen mit Trank füllen

Wort für Wort
rogāḥ sarve jāyante
alle Krankheiten entstehen
vega-udīraṇa-dhāraṇaiḥ
durch Erzwingen und Zurückhalten der Dränge
annena
mit Speise
kukṣeḥ dvau aṃśau
zwei Teile des Bauches
pānena pūrayet
mit Trank soll man füllen

āśrayaṃ pavanādīnāṃ tathaikamavaśeṣayet / vyādher nidānasya tathā viparītamathauṣadham //

und einen als Raum für Wind und die übrigen (Doṣas) frei lassen. Und das Heilmittel (soll) der Krankheit und ihrer Ursache entgegengesetzt (sein):

Wort für Wort
āśrayam pavana-ādīnām
Raum für Wind usw.
avaśeṣayet
soll frei lassen
vyādheḥ nidānasya
der Krankheit und der Ursache
viparītam
entgegengesetzt
auṣadham
Heilmittel

kartavyametadevātra mayā sāraṃ prakīrtitam / nābherūrdhvamadhaś caiva gudaśroṇyostathaiva ca //

dies allein ist hier zu tun; dies habe ich als den Kern verkündet. Oberhalb des Nabels, unterhalb davon und ebenso in After und Hüfte

Wort für Wort
kartavyam etat eva
dies allein ist zu tun
sāram prakīrtitam
als Kern verkündet
nābheḥ ūrdhvam
oberhalb des Nabels
adhaḥ
unterhalb
guda-śroṇyoḥ
in After und Hüfte

balāśapittavātānāṃ dehe sthānaṃ prakīrtitaṃ / tathāpi sarvagāś caite dehe vāyurviśeṣataḥ //

ist im Körper der Sitz von Kapha, Pitta und Vāta gelehrt. Dennoch durchdringen sie alle den ganzen Körper, besonders der Wind.

Wort für Wort
balāsa-pitta-vātānām
von Kapha, Pitta, Vāta
dehe sthānam
Sitz im Körper
tathā api
dennoch
sarva-gāḥ
überallhin gehend
vāyuḥ viśeṣataḥ
besonders der Wind

dehasya madhye hṛdayaṃ sthānaṃ tanmanasaḥ smṛtam / kṛśo 'lpakeśaś capalo bahuvāgviṣamānalaḥ //

In der Mitte des Körpers ist das Herz; es gilt als Sitz des Geistes. Mager, spärlich behaart, unstet, redselig, mit unregelmäßigem (Verdauungs-)Feuer

Wort für Wort
dehasya madhye hṛdayam
in der Körpermitte das Herz
manasaḥ sthānam
Sitz des Geistes
kṛśaḥ alpa-keśaḥ
mager, spärlich behaart
capalaḥ bahu-vāk
unstet, redselig
viṣama-analaḥ
mit unregelmäßigem Feuer

vyomagaś ca tathā svapne vātaprakṛtirucyate / akālapalitaḥ krodhī prasvedī madhurapriyaḥ //

und im Traum durch die Luft fliegend – so wird der Mensch von Vāta-Konstitution beschrieben. Vorzeitig ergraut, zornig, stark schwitzend, Süßes liebend

Wort für Wort
vyoma-gaḥ svapne
im Traum durch die Luft fliegend
vāta-prakṛtiḥ ucyate
heißt von Vāta-Konstitution
akāla-palitaḥ
vorzeitig ergraut
krodhī prasvedī
zornig, stark schwitzend
madhura-priyaḥ
Süßes liebend

svapne ca dīptimatprekṣī pittaprakṛtirucyate / dṛḍhāṅgaḥ sthiracittaś ca suprabhaḥ snigdhasūrdhajaḥ //

und im Traum Leuchtendes sehend – so wird der von Pitta-Konstitution beschrieben. Mit festen Gliedern, beständigem Geist, schöner Ausstrahlung, glänzendem Haar

Wort für Wort
dīptimat-prekṣī
Leuchtendes sehend
pitta-prakṛtiḥ
von Pitta-Konstitution
dṛḍha-aṅgaḥ
mit festen Gliedern
sthira-cittaḥ
beständigen Geistes
snigdha-mūrdhajaḥ
mit glänzendem Haar

snigdhasūrdhajaḥ für snigdhamūrdhajaḥ.

śuddhāmbudarśī svapne ca kaphaprakṛtiko naraḥ / tāmasā rājasāś caiva sātvikāś ca tathā smṛtāḥ //

und im Traum klares Wasser sehend ist der Mensch von Kapha-Konstitution. Als tāmasisch, rājasisch und sāttvisch gelten ebenso

Wort für Wort
śuddha-ambu-darśī
klares Wasser sehend
kapha-prakṛtikaḥ naraḥ
Mensch von Kapha-Konstitution
tāmasāḥ
tāmasisch
rājasāḥ
rājasisch
sāttvikāḥ
sāttvisch

manuṣyā munirśādūla vātapittakaphātmakāḥ / raktapittaṃ vyavāyācca gurukarmapravartanaiḥ //

die Menschen, o Tiger unter den Weisen, deren Wesen Vāta, Pitta und Kapha ist. Durch Geschlechtsverkehr [Blutpitta ?] und durch Ausübung schwerer Tätigkeiten,

Wort für Wort
muni-śārdūla
o Tiger unter den Weisen
vāta-pitta-kapha-ātmakāḥ
von Vāta-, Pitta-, Kapha-Wesen
rakta-pittam
Blutpitta [?]
vyavāyāt
durch Geschlechtsverkehr
guru-karma-pravartanaiḥ
durch Ausübung schwerer Tätigkeiten

raktapittam steht hier sachlich isoliert; nach V. 41 werden Ursachen der Vāta-Erregung aufgezählt – vermutlich Textverderbnis. Die Zuordnung der drei Guṇas zu den drei Doṣas folgt der Reihenfolge.

kadannabhojanādvāyurdehe śokācca kupyati / vidāhināṃ tatholkānāmuṣṇānnādhvanisevināṃ //

durch Genuss schlechter Speise und durch Kummer gerät der Wind im Körper in Erregung. Bei denen, die brennend wirkende und ebenso scharfe [?] und heiße Speisen genießen und viel wandern,

Wort für Wort
kad-anna-bhojanāt
durch schlechte Speise
śokāt
durch Kummer
kupyati
gerät in Erregung
vidāhinām
brennend Wirkendes (genießend)
uṣṇa-anna-adhva-sevinām
heiße Speise und Wanderung pflegend

tatholkānām unklar (vielleicht tathā tīkṣṇānām); uṣṇānnādhvanisevinām = uṣṇa-anna-adhva-niṣevinām.

pittaṃ prakopamāyāti bhayena ca tathā dvija / atyambupānagurvannabhojināṃ bhuktaśāyinām //

gerät Pitta in Erregung, und ebenso durch Furcht, o Brahmane. Bei denen, die übermäßig Wasser trinken, schwere Speise essen und nach dem Essen schlafen,

Wort für Wort
pittam prakopam āyāti
Pitta gerät in Erregung
bhayena
durch Furcht
ati-ambu-pāna
übermäßiges Wassertrinken
guru-anna-bhojinām
schwere Speise essend
bhukta-śāyinām
nach dem Essen schlafend

ślekeṣmāprakopamāyāti tathā ye cālasā janāḥ / vātādyutthāni rogāṇi jñātvā śāmyāni lakṣaṇaiḥ //

gerät der Schleim in Erregung, ebenso bei den Menschen, die träge sind. Die aus Vāta usw. entstandenen Krankheiten soll man, nachdem man sie an ihren Merkmalen erkannt hat, beruhigen.

Wort für Wort
śleṣmā
der Schleim
alasāḥ janāḥ
träge Menschen
vāta-ādi-utthāni rogāṇi
aus Vāta usw. entstandene Krankheiten
lakṣaṇaiḥ jñātvā
an Merkmalen erkannt
śāmyāni
zu beruhigen

ślekeṣmā Tippfehler für śleṣmā.

asthibhaṅgaḥ kaṣāyatvamāsye śuṣkāsyatā tathā / jṛmbhaṇaṃ lomaharṣaś ca vātikavyādhilakṣaṇam //

Gliederbrechen (Knochenschmerz), herber Geschmack im Mund, ebenso Mundtrockenheit, Gähnen und Sträuben der Haare sind Merkmale einer Vāta-Krankheit.

Wort für Wort
asthi-bhaṅgaḥ
Knochenbrechen (-schmerz)
kaṣāyatvam āsye
herber Geschmack im Mund
śuṣka-āsyatā
Mundtrockenheit
jṛmbhaṇam loma-harṣaḥ
Gähnen, Haarsträuben
vātika-vyādhi-lakṣaṇam
Merkmal der Vāta-Krankheit

nakhanetraśirāṇāntu pītatvaṃ kaṭutā mukhe / tṛṣṇā dāhoṣṇatā caiva pittavyādhinidarśanam //

Gelbfärbung von Nägeln, Augen und Adern, scharfer Geschmack im Mund, Durst, Brennen und Hitze sind Anzeichen einer Pitta-Krankheit.

Wort für Wort
nakha-netra-śirāṇām
von Nägeln, Augen, Adern
pītatvam
Gelbfärbung
kaṭutā mukhe
Schärfe im Mund
tṛṣṇā dāha-uṣṇatā
Durst, Brennen, Hitze
pitta-vyādhi-nidarśanam
Anzeichen der Pitta-Krankheit

ālasyañca prasekaś ca gurutā madhurāsyatā / uṣṇābhilāṣitā ceti ślaiṣmikavyādhilakṣaṇam //

Trägheit, Speichelfluss, Schweregefühl, süßer Geschmack im Mund und Verlangen nach Warmem sind Merkmale einer Kapha-Krankheit.

Wort für Wort
ālasyam
Trägheit
prasekaḥ
Speichelfluss
gurutā
Schwere
madhura-āsyatā
süßer Mundgeschmack
uṣṇa-abhilāṣitā
Verlangen nach Warmem
ślaiṣmika-vyādhi-lakṣaṇam
Merkmal der Kapha-Krankheit

snigdhoṣṇamannamabhyaṅgastailapānādi vātanut / ājyaṃ kṣīraṃ sitādyañca candraraśmyādi pittanut //

Fette und warme Speise, Einreibung, Öltrinken und dergleichen vertreiben Vāta; Ghee, Milch, Zucker und dergleichen sowie Mondstrahlen und dergleichen vertreiben Pitta;

Wort für Wort
snigdha-uṣṇam annam
fette, warme Speise
abhyaṅgaḥ taila-pāna-ādi
Einreibung, Öltrinken usw.
vāta-nut
Vāta vertreibend
ājyam kṣīram sitā
Ghee, Milch, Zucker
candra-raśmi-ādi pitta-nut
Mondstrahlen usw. vertreiben Pitta

sakṣaudraṃ triphalātailaṃ vyāyāmādi kaphāpaham / sarvarogapraśāntyai syadviṣṇordhyānañca pūjanam //

Triphalā-Öl mit Honig, Körperübung und dergleichen vertreiben Kapha. Zur Beruhigung aller Krankheiten diene die Meditation über Viṣṇu und seine Verehrung.

Wort für Wort
sa-kṣaudram triphalā-tailam
Triphalā-Öl mit Honig
vyāyāma-ādi
Körperübung usw.
kapha-apaham
Kapha vertreibend
sarva-roga-praśāntyai
zur Beruhigung aller Krankheiten
viṣṇoḥ dhyānam pūjanam
Meditation über Viṣṇu und Verehrung

syadviṣṇor für syād viṣṇor.

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