Kapitel 279: sarvarogaharāṇi auṣadhāni
Heilmittel, die alle Krankheiten vertreiben
Dhanvantari unterscheidet körperliche, geistige, äußere und angeborene Krankheiten und nennt rituelle Heilmittel (Gaben an Wochentagen, Liṅga-Bad, Opfer). Es folgen die Lehre von den Doṣas und Dhātus, die Umwandlung der Nahrung, Behandlungsregeln samt Schutzmantra, Landschaftstypen, die Wirkungen der Geschmäcke, der Jahreszeitenzyklus der Doṣas, die Konstitutionstypen, Ursachen, Merkmale und Mittel der Doṣa-Krankheiten. Mehrere Stellen sind durch Schreibfehler entstellt (u. a. V. 10, 15, 17, 40–41); im Kolophon steht der Vermerk 'chapter {280}'.
Dhanvantari sprach: Die Krankheiten gelten als körperlich, geistig, von außen hinzukommend und angeboren. Körperlich sind Fieber, Hautkrankheit und dergleichen; als geistig gelten Zorn und dergleichen.
Von außen kommend sind die aus Verletzung entstandenen, angeboren sind Hunger, Alter und dergleichen. Zur Vernichtung der körperlichen und der von außen kommenden (Leiden) soll man am Sonntag Ghee, Rohzucker,
Salz samt Gold und einen Kuchen einem Brahmanen darbringen. Wer am Montag einem Brahmanen (Öl zur) Einreibung gibt, wird von allen Krankheiten befreit.
Am Samstag soll man Öl geben; im (Monat) Āśvina [?] (sei man) Geber von Milchspeise. Wer das Liṅga mit Ghee und Milch gebadet hat, wird frei von Krankheit.
Mit der Gāyatrī soll man Dūrvā-Gras, in die drei Süßen getaucht, ins Feuer opfern lassen. Unter welchem Mondhaus man eine Krankheit bekommt, unter diesem sind Bad und Bali-Spende heilsam.
Bei den geistigen Leiden und dergleichen ist ein Lobpreis Viṣṇus (krankheits)vertreibend. Höre nun über die Doṣas Vāta, Pitta und Kapha und ebenso über die Dhātus (Körperbestandteile).
kennend soll man die Behandlung durchführen, ebenso die Stärke des Heilmittels (beachtend). Man soll die Riktā-Tithis meiden, den Dienstag, den Samstag und die 'grausamen' und 'wilden' Mondhäuser.
harigodvijacandrārkasurādīn pratipūjya ca / śṛṇu mantramimaṃ vidvan bheṣajārambhamācaret //
Und nachdem man Hari, die Kühe, Brahmanen, Mond, Sonne, Götter und dergleichen verehrt hat – höre diesen Mantra, o Weiser –, soll man mit der Arznei beginnen:
brahmadakṣāśvirudrendrabhūcandrārkānilānalāḥ / ṛṣayaś cauṣadhigrāmā bhūtasaṅghāś ca pāntu te //
„Brahmā, Dakṣa, die Aśvins, Rudra, Indra, die Erde, Mond, Sonne, Wind und Feuer, die Seher, die Scharen der Heilpflanzen und die Scharen der Wesen mögen dich schützen.
Eine Gegend, in der Vāta und Kapha vorherrschen [?], mit vielen Bäumen und viel Wasser, ist als Anūpa (Feuchtland) bekannt; Jāṅgala (Trockenland) ist frei davon.
Ihre Zunahme (erfolgt) durch Gleichartiges, durch Entgegengesetztes das Gegenteil. Die Geschmäcke süß, sauer und salzig mehren den Schleim und vernichten den Wind;
tiktasvādukaṣāyāś ca tathā pittavināśanāḥ / rasasyaitadguṇaṃ nāsti vipākasyaitadiṣyate //
bitter, süß und herb sind ebenso Pitta-vernichtend. Diese Eigenschaft kommt nicht dem Geschmack (Rasa) zu; man schreibt sie der Nachverdauung (Vipāka) zu.
vīryoṣṇāḥ kaphavātaghnāḥ śītāḥ pittavināśanāḥ / prabhāvatas tathā karma te kurvanti ca suśruta //
Die in ihrer Wirkkraft (Vīrya) heißen (Stoffe) vernichten Kapha und Vāta, die kalten vernichten Pitta. Durch ihre besondere Kraft (Prabhāva) vollbringen sie ebenso ihre Wirkung, o Suśruta.
Die mit der Regenzeit beginnende (Hälfte) ist Visarga ('Hingabe'), (also) die drei bis zum Frühwinter [?]; ebenso sind die mit dem Spätwinter beginnenden, mit dem Sommer endenden drei Jahreszeiten Ādāna ('Entnahme').
Wort für Wort
varṣā-ādyaḥ
mit der Regenzeit beginnend
visargaḥ
Visarga (Hingabe)
śiśira-ādyāḥ
mit Spätwinter beginnend
ādānam
Ādāna (Entnahme)
grīṣma-antāḥ ṛtavaḥ trayaḥ
drei Jahreszeiten bis zum Sommer
hemantādyāḥ ist sachlich wohl als 'bis Hemanta' zu verstehen.
saumyo visargastvādānamāgneyaṃ parikīrtitam / varṣādīṃstrīnṛtūn somaś caran paryāyaśo rasān //
Visarga gilt als soma-artig, Ādāna als agni-artig. Der Mond, der die drei mit der Regenzeit beginnenden Jahreszeiten durchwandert, erzeugt nacheinander die Geschmäcke
entstehen alle Krankheiten, sowie durch Erzwingen und Zurückhalten der natürlichen Dränge. Zwei Teile des Bauches soll man mit Speise, einen mit Trank füllen
und im Traum durch die Luft fliegend – so wird der Mensch von Vāta-Konstitution beschrieben. Vorzeitig ergraut, zornig, stark schwitzend, Süßes liebend
svapne ca dīptimatprekṣī pittaprakṛtirucyate / dṛḍhāṅgaḥ sthiracittaś ca suprabhaḥ snigdhasūrdhajaḥ //
und im Traum Leuchtendes sehend – so wird der von Pitta-Konstitution beschrieben. Mit festen Gliedern, beständigem Geist, schöner Ausstrahlung, glänzendem Haar
die Menschen, o Tiger unter den Weisen, deren Wesen Vāta, Pitta und Kapha ist. Durch Geschlechtsverkehr [Blutpitta ?] und durch Ausübung schwerer Tätigkeiten,
Wort für Wort
muni-śārdūla
o Tiger unter den Weisen
vāta-pitta-kapha-ātmakāḥ
von Vāta-, Pitta-, Kapha-Wesen
rakta-pittam
Blutpitta [?]
vyavāyāt
durch Geschlechtsverkehr
guru-karma-pravartanaiḥ
durch Ausübung schwerer Tätigkeiten
raktapittam steht hier sachlich isoliert; nach V. 41 werden Ursachen der Vāta-Erregung aufgezählt – vermutlich Textverderbnis. Die Zuordnung der drei Guṇas zu den drei Doṣas folgt der Reihenfolge.
durch Genuss schlechter Speise und durch Kummer gerät der Wind im Körper in Erregung. Bei denen, die brennend wirkende und ebenso scharfe [?] und heiße Speisen genießen und viel wandern,
pittaṃ prakopamāyāti bhayena ca tathā dvija / atyambupānagurvannabhojināṃ bhuktaśāyinām //
gerät Pitta in Erregung, und ebenso durch Furcht, o Brahmane. Bei denen, die übermäßig Wasser trinken, schwere Speise essen und nach dem Essen schlafen,
gerät der Schleim in Erregung, ebenso bei den Menschen, die träge sind. Die aus Vāta usw. entstandenen Krankheiten soll man, nachdem man sie an ihren Merkmalen erkannt hat, beruhigen.
Fette und warme Speise, Einreibung, Öltrinken und dergleichen vertreiben Vāta; Ghee, Milch, Zucker und dergleichen sowie Mondstrahlen und dergleichen vertreiben Pitta;
Triphalā-Öl mit Honig, Körperübung und dergleichen vertreiben Kapha. Zur Beruhigung aller Krankheiten diene die Meditation über Viṣṇu und seine Verehrung.