Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 287: aśvavāhanasāraḥ Das Wesentliche über das Reiten der Pferde

Dhanvantari lehrt die günstigen Zeiten für das erste Reiten, die Einsetzung der Götter in den Leib des Pferdes und den ins Ohr geflüsterten Weihespruch, die Eigenschaften guter und schlechter Reiter sowie Techniken der Ausbildung (Zügelführung, das „Ergreifen des Fußes“, Gangfiguren); am Ende folgen eine Salbe gegen Insekten und eine Einteilung der Pferde nach Typen und Ständen. Die reiterlichen Fachtermini (37-49) sind im Digitalisat stark verderbt und nur annähernd deutbar. Vers 23 ist unvollständig; in 64-65 fehlt der Vaiśya-Typ.

dhanvantarir uvāca | aśvavāhanasārañca vakṣye cāśvacikitsanam / vājināṃ saṃgrahaḥ kāryo dharmakamārthasiddhaye //

Dhanvantari sprach: Das Wesentliche über das Reiten der Pferde und die Heilbehandlung der Pferde werde ich darlegen. Die Haltung von Pferden ist zu betreiben, um Dharma, Kāma und Artha zu erlangen.

Wort für Wort
aśva-vāhana-sāram
das Wesentliche über das Reiten der Pferde
aśva-cikitsanam
Pferdeheilkunde
vājinām saṃgrahaḥ
Haltung (Sammlung) von Pferden
kāryaḥ
ist zu betreiben
dharma-kāma-artha-siddhaye
zur Erlangung von Dharma, Kāma und Artha

dharmakama für dharmakāma.

aśvinī śraṇaṃ hastaṃ uttarātritayantathā / nakṣatrāṇi praśastāni hayānāmādivāhane //

Aśvinī, Śravaṇa, Hasta und die drei Uttarā [Anm.: Uttaraphalgunī, Uttarāṣāḍhā, Uttarabhādrapadā] sind die empfohlenen Mondhäuser für das erste Reiten der Pferde.

Wort für Wort
aśvinī śravaṇam hastam
Aśvinī, Śravaṇa, Hasta
uttarā-tritayam
die drei Uttarā-Mondhäuser
nakṣatrāṇi praśastāni
empfohlene Mondhäuser
hayānām ādi-vāhane
beim ersten Reiten der Pferde

śraṇaṃ ist wohl verderbt für śravaṇaṃ.

hemantaḥ śiśiraś caiva vasantaścāśvavāhane / grīṣmeśaradi varṣāsu niṣiddhaṃ vāhanaṃ haye //

Hemanta, Śiśira und Frühling [sind geeignet] für das Reiten der Pferde; im Sommer, im Herbst und in der Regenzeit ist das Reiten des Pferdes verboten.

Wort für Wort
hemantaḥ śiśiraḥ vasantaḥ
Vorwinter, Winter, Frühling
aśva-vāhane
für das Reiten der Pferde
grīṣme śaradi varṣāsu
im Sommer, Herbst, in der Regenzeit
niṣiddham vāhanam haye
das Reiten des Pferdes ist verboten

tīvrair na ca parair daṇḍair adeśe na ca tāḍayet / kīlāsthisaṃkule caiva viṣame kaṇṭakānvite //

Man soll [das Pferd] nicht mit scharfen oder übermäßigen [?] Stöcken schlagen, auch nicht an ungeeignetem Ort; ebenso nicht auf Boden, der voller Pflöcke und Knochen, uneben und mit Dornen besetzt ist,

Wort für Wort
tīvraiḥ daṇḍaiḥ
mit scharfen Stöcken
adeśe
an ungeeignetem Ort
na tāḍayet
man soll nicht schlagen
kīla-asthi-saṃkule
voller Pflöcke und Knochen
viṣame kaṇṭaka-anvite
uneben, mit Dornen besetzt

parair: Bedeutung unsicher („anderen“ bzw. „übermäßigen“).

vālukāpaṅgasaṃcchanne gartāgartapradūṣite / acittajño vinopāyair vāhanaṃ kurutetu haḥ //

auf Boden, der mit Sand und Schlamm bedeckt und durch Löcher und Gruben verdorben ist. Wer, ohne das Gemüt [des Pferdes] zu kennen und ohne geeignete Mittel, das Reiten betreibt,

Wort für Wort
vālukā-paṅka-saṃchanne
mit Sand und Schlamm bedeckt
garta-agarta-pradūṣite
durch Löcher und Gruben verdorben
a-citta-jñaḥ
der das Gemüt nicht kennt
vinā upāyaiḥ
ohne Mittel
vāhanam kurute
betreibt das Reiten

vālukāpaṅga für vālukāpaṅka; kurutetu haḥ wohl verderbt für kurute tu yaḥ.

sa vāhyate hayenaiva pṛṣṭhasthaḥ kaṭikāṃ vinā / chandaṃ vijñāpayet kopi sakṛtī dhīmatāṃ varaḥ //

der wird [vielmehr] vom Pferd gelenkt, wenn er ohne Sattelgurt [?] auf dem Rücken sitzt. Seinen Willen [dem Pferd] verständlich zu machen, vermag nur ein Geschickter, der Beste unter den Verständigen,

Wort für Wort
saḥ vāhyate hayena eva
er wird vom Pferd selbst gelenkt
pṛṣṭha-sthaḥ
auf dem Rücken sitzend
kaṭikām vinā
ohne Gurt [?]
chandam vijñāpayet
er macht den Willen verständlich
sukṛtī dhīmatām varaḥ
der Geschickte, Bester der Verständigen

kaṭikā: Bedeutung unsicher (Gurt, Sattel?); sakṛtī wohl für sukṛtī.

abhyāsādabhiyogācca vināśāstraṃ svavāhakaḥ / snātasya praṅmukhasyātha devān vapuṣi yojayet //

der durch Übung und Eifer, auch ohne Lehrbuch, sein eigener Reiter [ist]. Dann soll er auf den Leib des gebadeten, nach Osten gewandten [Pferdes] die Götter setzen,

Wort für Wort
abhyāsāt abhiyogāt ca
durch Übung und Eifer
vinā śāstram
ohne Lehrbuch
snātasya prāṅmukhasya
des gebadeten, nach Osten gewandten
devān vapuṣi yojayet
er setze die Götter in den Leib

vināśāstraṃ als vinā śāstraṃ gelesen; prāṅmukha als praṅmukha geschrieben.

praṇavādinamontena svavījena yathākramam / brahmā citte vale viṣṇurvainateyaḥ parākrame //

jeweils mit ihrer eigenen Keimsilbe, beginnend mit dem Praṇava [oṃ] und endend mit namaḥ, der Reihe nach: Brahmā in den Geist, Viṣṇu in die Kraft, Vainateya [Garuḍa] in die Tatkraft,

Wort für Wort
praṇava-ādi-namaḥ-antena
mit oṃ am Anfang und namaḥ am Ende
sva-bījena
mit der eigenen Keimsilbe
brahmā citte
Brahmā in den Geist
bale viṣṇuḥ
Viṣṇu in die Kraft
vainateyaḥ parākrame
Garuḍa in die Tatkraft

vale für bale.

pārśve rudrā gururbuddhau viśvedevātha marmasu / dṛgāvarte dṛśīndvarkau karṇayoraśvinau tathā //

die Rudras in die Flanken, den Lehrer [Bṛhaspati] in die Einsicht, die Viśvedevas in die Vitalpunkte, in die Augenwirbel [?] und in die Augen Mond und Sonne, in die Ohren die Aśvins,

Wort für Wort
pārśve rudrāḥ
die Rudras in die Flanken
guruḥ buddhau
der Lehrer in die Einsicht
viśvedevāḥ marmasu
die Viśvedevas in die Vitalpunkte
dṛśi indu-arkau
Mond und Sonne in die Augen
karṇayoḥ aśvinau
die Aśvins in die Ohren

dṛgāvarte: Haarwirbel am Auge (āvarta); dṛśīndvarkau = dṛśi indu-arkau.

jaṭhare 'gniḥ svadhā svede vagjihvāyāṃ jave 'nilaḥ / pṛṣṭhato nākapṛṣṭhastu khurāgre sarvaparvatāḥ //

Agni in den Bauch, Svadhā in den Schweiß, Vāc [die Rede] in die Zunge, Anila [den Wind] in die Schnelligkeit, auf den Rücken das Himmelsgewölbe, in die Hufspitzen alle Berge,

Wort für Wort
jaṭhare agniḥ
Agni in den Bauch
svadhā svede
Svadhā in den Schweiß
vāk jihvāyām
die Rede in die Zunge
jave anilaḥ
der Wind in die Schnelligkeit
khura-agre sarva-parvatāḥ
alle Berge in die Hufspitzen

tārāś ca romakūpeṣu hṛdi cāndramasī kalā / tejasyagnīratiḥ śroṇyāṃ lalāṭe ca jagatpatiḥ //

die Sterne in die Haarporen, in das Herz die Mondsichel, in die Glut Agni, Rati in die Hüfte, in die Stirn den Herrn der Welt,

Wort für Wort
tārāḥ roma-kūpeṣu
die Sterne in die Haarporen
hṛdi cāndramasī kalā
die Mondsichel in das Herz
tejasi agniḥ
Agni in die Glut
ratiḥ śroṇyām
Rati in die Hüfte
lalāṭe jagat-patiḥ
der Herr der Welt in die Stirn

tejasyagnīratiḥ als tejasi agniḥ, ratiḥ gelesen.

grahāś ca heṣite caiva tathaivorasi vāsukiḥ / upoṣito 'rcayet sādī hayaṃ dakṣaśrutau japet //

die Planeten in das Wiehern und ebenso Vāsuki in die Brust. Nachdem der Reiter gefastet hat, soll er das Pferd verehren und ihm ins rechte Ohr murmeln:

Wort für Wort
grahāḥ heṣite
die Planeten in das Wiehern
urasi vāsukiḥ
Vāsuki in die Brust
upoṣitaḥ arcayet sādī
der gefastet habende Reiter soll verehren
dakṣa-śrutau japet
er murmle ins rechte Ohr

haya gandharvarājastvaṃ śṛṇuṣva vacanaṃ gama / gandharvakulajātastvaṃ mābhūstvaṃ kuladūṣakaḥ //

„Pferd, du bist der König der Gandharvas; höre [mein] Wort, Renner! Du bist aus dem Geschlecht der Gandharvas geboren; werde nicht zum Schänder des Geschlechts!

Wort für Wort
haya
o Pferd
gandharva-rājaḥ tvam
du bist der König der Gandharvas
śṛṇuṣva vacanam
höre das Wort
gandharva-kula-jātaḥ
aus dem Geschlecht der Gandharvas geboren
mā bhūḥ kula-dūṣakaḥ
werde nicht Schänder des Geschlechts

gama wohl Rest von turaṅgama oder Vokativ „Geher, Renner“.

dvijānāṃ satyavākyena somasya garuḍasya ca / rudrasya varuṇasyaiva pavanasya balena ca //

Beim wahren Wort der Zweimalgeborenen, [beim wahren Wort] Somas, Garuḍas, Rudras und Varuṇas, bei der Kraft des Windes

Wort für Wort
dvijānām satya-vākyena
beim wahren Wort der Zweimalgeborenen
somasya garuḍasya ca
Somas und Garuḍas
rudrasya varuṇasya
Rudras, Varuṇas
pavanasya balena
bei der Kraft des Windes

hutāśanasya dīptyā ca smara jātiṃ turaṅgama / smara rājendraputrastvaṃ satyavākyamanusmara //

und beim Glanz des Feuers: Erinnere dich deiner Herkunft, o Renner! Erinnere dich: Du bist der Sohn des Königs der Könige [?]; gedenke des wahren Wortes!

Wort für Wort
hutāśanasya dīptyā
beim Glanz des Feuers
smara jātim
erinnere dich der Herkunft
turaṅgama
o Renner
rājendra-putraḥ tvam
du bist Sohn des Königs der Könige
satya-vākyam anusmara
gedenke des wahren Wortes

rājendraputra: „Sohn des Götterkönigs“ oder „Sohn des Königs der Könige“ unsicher.

smara tvaṃ vāruṇīṃ kanyāṃ smara tvaṃ kaustubhaṃ maṇiṃ / kṣirodasāgare caiva mathyamāne surāsuraiḥ //

Erinnere dich an die Jungfrau Vāruṇī, erinnere dich an das Juwel Kaustubha, als der Milchozean von Göttern und Asuras gequirlt wurde:

Wort für Wort
smara vāruṇīm kanyām
erinnere dich an die Jungfrau Vāruṇī
kaustubham maṇim
das Juwel Kaustubha
kṣīroda-sāgare
im Milchozean
mathyamāne sura-asuraiḥ
als er von Göttern und Asuras gequirlt wurde

kṣirodasāgare für kṣīrodasāgare.

tatra devakule jātaḥ svavākyaṃ paripālaya / kule jātastvamaśvānāṃ mitraṃ me bhava śāsvatam //

Dort wurdest du im Geschlecht der Götter geboren; halte dein eigenes Wort! Im Geschlecht der Pferde geboren, sei ewig mein Freund!

Wort für Wort
tatra deva-kule jātaḥ
dort im Göttergeschlecht geboren
sva-vākyam paripālaya
halte dein eigenes Wort
kule aśvānām
im Geschlecht der Pferde
mitram me bhava śāśvatam
sei ewig mein Freund

śāsvatam für śāśvatam.

śṛṇu mitra tvametacca siddho me bhava vāhana / vijayaṃ rakṣa māñcaiva samare siddhimāvaha //

Höre dies, Freund: Sei mir erfolgbringend, o Reittier! Schütze den Sieg und mich, bringe Erfolg im Kampf!

Wort für Wort
śṛṇu mitra
höre, Freund
siddhaḥ me bhava vāhana
sei mir erfolgreich, Reittier
vijayam rakṣa mām ca
schütze den Sieg und mich
samare siddhim āvaha
bringe Erfolg im Kampf

tava pṛṣṭhaṃ samāruhya hatā daityāḥ suraiḥ purā / adhunā tvāṃ samāruhya jeṣyāmi ripuvāhinīṃ //

Einst bestiegen die Götter deinen Rücken und töteten die Daityas; jetzt werde ich, dich besteigend, das feindliche Heer besiegen.“

Wort für Wort
tava pṛṣṭham samāruhya
deinen Rücken besteigend
hatāḥ daityāḥ suraiḥ purā
einst wurden die Daityas von den Göttern getötet
adhunā
jetzt
jeṣyāmi ripu-vāhinīm
ich werde das Feindesheer besiegen

karṇajāpantataḥ kṛtvā vimuhya ca tathā pyarīn / paryānayeddhayaṃ sādī vahayedyuddhato jayaḥ //

Nachdem der Reiter dann das Ohrmurmeln vollzogen und ebenso die Feinde verwirrt [?] hat, soll er das Pferd satteln und reiten; aus dem Kampf [kommt] Sieg.

Wort für Wort
karṇa-japam kṛtvā
nachdem er das Ohrmurmeln vollzogen hat
arīn
die Feinde
paryāṇayet hayam
er sattle das Pferd
vāhayet
er reite
yuddhataḥ jayaḥ
aus dem Kampf Sieg

vimuhya ca tathā pyarīn unsicher (evtl. „die Feinde betörend“); paryānayet wohl zu paryāṇa „Sattel“.

sañjātāḥ svaśarīreṇa doṣāḥ prāyeṇa vājināṃ / hanyante 'tiprayatnena guṇāḥ sādivaraiḥ punaḥ //

Die Fehler der Pferde sind meist mit ihrem eigenen Körper [angeboren] entstanden; sie werden von guten Reitern mit großer Mühe beseitigt, und Vorzüge wiederum [hervorgebracht].

Wort für Wort
sañjātāḥ sva-śarīreṇa
mit dem eigenen Körper entstanden
doṣāḥ prāyeṇa vājinām
die Fehler der Pferde meist
hanyante ati-prayatnena
werden mit großer Mühe beseitigt
guṇāḥ sādi-varaiḥ
Vorzüge durch gute Reiter

sahajā iva dṛśyante guṇāḥ sādivarodbhavāḥ / nāśayanti guṇānanye sādinaḥ sahajānapi //

Die durch gute Reiter entstandenen Vorzüge erscheinen wie angeboren; andere Reiter zerstören selbst die angeborenen Vorzüge.

Wort für Wort
sahajāḥ iva dṛśyante
erscheinen wie angeboren
sādi-vara-udbhavāḥ
durch gute Reiter entstanden
nāśayanti
sie zerstören
guṇān sahajān api
selbst die angeborenen Vorzüge

guṇāneko vijānāti vetti doṣāṃs tathāparaḥ / dhanyo dhīmān hayaṃ vetti mandadhīḥ //

Der eine kennt die Vorzüge, ein anderer die Fehler; der glückliche Verständige kennt das [ganze] Pferd, der Einfältige [nicht] [?].

Wort für Wort
guṇān ekaḥ vijānāti
der eine kennt die Vorzüge
vetti doṣān tathā aparaḥ
ein anderer kennt die Fehler
dhanyaḥ dhīmān
der glückliche Verständige
hayam vetti
kennt das Pferd
manda-dhīḥ
der Einfältige

Der Halbvers ist unvollständig (nach mandadhīḥ fehlt ein Wort).

akarmajño 'nupāyajño vegāsakto 'tikopanaḥ / ghanadaṇḍaraticchidre yaḥ mamopi na śasyate //

Wer die Arbeit nicht kennt, die Mittel nicht kennt, auf Schnelligkeit versessen, sehr jähzornig ist und sich am heftigen Stockschlagen erfreut, der wird nicht gelobt [?].

Wort für Wort
a-karma-jñaḥ
der die Arbeit nicht kennt
an-upāya-jñaḥ
der die Mittel nicht kennt
vega-āsaktaḥ
auf Schnelligkeit versessen
ati-kopanaḥ
sehr jähzornig
ghana-daṇḍa-rati
Freude am heftigen Stockschlagen
na śasyate
wird nicht gelobt

Zweiter Halbvers verderbt (ghanadaṇḍaraticchidre yaḥ mamopi).

upāyajño 'tha cittajño viśuddho doṣanāśanaḥ / guṇārjanaparo nityaṃ sarvakarmaviśāradaḥ //

Wer aber die Mittel und das Gemüt [des Pferdes] kennt, lauter ist, die Fehler beseitigt, stets auf das Erwerben von Vorzügen bedacht und in allen Verrichtungen erfahren ist, [der ist gelobt].

Wort für Wort
upāya-jñaḥ
der die Mittel kennt
citta-jñaḥ
der das Gemüt kennt
doṣa-nāśanaḥ
Fehler beseitigend
guṇa-arjana-paraḥ
auf Erwerb von Vorzügen bedacht
sarva-karma-viśāradaḥ
in allen Verrichtungen erfahren

pragraheṇa gṛhītvātha praviṣṭo vāhabhūtalam / savyāpasavyabhedena vāhanīyaḥ svasādinā //

Nachdem er [das Pferd] am Zügel gefasst hat und auf den Reitplatz getreten ist, soll es von seinem Reiter unter Unterscheidung von links und rechts geritten werden.

Wort für Wort
pragraheṇa gṛhītvā
am Zügel fassend
praviṣṭaḥ vāha-bhūtalam
auf den Reitplatz getreten
savya-apasavya-bhedena
unter Unterscheidung von links und rechts
vāhanīyaḥ sva-sādinā
ist von seinem Reiter zu reiten

āruhya sahasā naiva tāḍnīyo hayottamaḥ / tāḍanādubhayamāpnoti bhayānmohaś ca jāyate //

Nach dem Aufsitzen darf das edle Pferd nicht plötzlich geschlagen werden; durch das Schlagen gerät es in Furcht, und aus Furcht entsteht Verwirrung.

Wort für Wort
āruhya
nach dem Aufsitzen
sahasā na eva tāḍanīyaḥ
darf nicht plötzlich geschlagen werden
haya-uttamaḥ
das edle Pferd
tāḍanāt bhayam āpnoti
durch Schlagen gerät es in Furcht
bhayāt mohaḥ jāyate
aus Furcht entsteht Verwirrung

tāḍnīyo für tāḍanīyo; tāḍanādubhayam für tāḍanād bhayam.

prātaḥ sādī plutenaiva valgāmuddhṛtya cālayet / mandaṃ mandaṃ vinā nālaṃ dhṛtavalgo dināntare //

Am Morgen soll der Reiter mit einem Sprung [aufsitzen], die Zügel anheben und [das Pferd] ganz langsam in Bewegung setzen, ohne Übermaß [?]; zu einer anderen Tageszeit [reite er] mit festgehaltenem Zügel.

Wort für Wort
prātaḥ sādī
am Morgen der Reiter
plutena
mit einem Sprung
valgām uddhṛtya
den Zügel anhebend
mandam mandam cālayet
er bewege ganz langsam
dhṛta-valgaḥ dina-antare
mit gehaltenem Zügel zu anderer Tageszeit

vinā nālaṃ unsicher.

proktamāśvasanaṃ sāmabhedo 'śvena niyojyate / kaṣāditāḍnaṃ daṇḍo dānaṃ kālasahiṣṇutā //

Beruhigen gilt als Güte (sāman); Entzweiung (bheda) wird beim Pferd [als ...] angewandt [?]; Schlagen mit der Peitsche usw. ist Strafe (daṇḍa); Geduld mit der Zeit ist Gabe (dāna).

Wort für Wort
proktam āśvasanam sāma
Beruhigen gilt als Güte
bhedaḥ aśvena niyojyate
Entzweiung wird beim Pferd angewandt
kaśā-ādi-tāḍanam daṇḍaḥ
Schlagen mit Peitsche usw. ist Strafe
dānam kāla-sahiṣṇutā
Gabe ist Geduld mit der Zeit

Die vier politischen Mittel (upāya) werden auf die Pferdeausbildung übertragen; die Deutung von bheda ist im Text ausgefallen oder verderbt; kaṣāditāḍnaṃ für kaśāditāḍanaṃ.

parvapūrvaviśuddhau tu vidadhyāduttarottaram / jihvātale vināyogaṃ vidadhyādvāhane haye //

Erst wenn die jeweils vorangehende [Stufe] vollkommen ist, soll er die jeweils folgende anwenden. Beim Reiten des Pferdes soll er [das Gebiss] ohne Befestigung [?] unter die Zunge legen [?].

Wort für Wort
pūrva-pūrva-viśuddhau
wenn die jeweils vorige vollkommen ist
vidadhyāt uttara-uttaram
wende die jeweils folgende an
jihvā-tale
unter der Zunge
vāhane haye
beim Reiten des Pferdes

parvapūrva für pūrvapūrva; jihvātale vināyogaṃ unklar.

guṇetaraśatāṃ valgāṃ sṛkkaṇyā saha gāhayet / vismārya vāhanaṃ kuryācchithilānāṃ śanaiḥ śanaiḥ //

Den Zügel [...] [?] soll er mit dem Maulwinkel zusammen einführen; indem er [das Pferd] vergessen lässt, soll er die schlaffen [Pferde] ganz allmählich reiten.

Wort für Wort
valgām
den Zügel
sṛkkaṇyā saha
mit dem Maulwinkel
gāhayet
er führe ein
vismārya
vergessen lassend
śithilānām śanaiḥ śanaiḥ
der schlaffen, ganz allmählich

guṇetaraśatāṃ verderbt; sṛkkaṇī „Maulwinkel“.

hayaṃ jihvāṅgamāhīne jihvāgranthiṃ vimocayet / gāṭatāṃ mocayettāvadyāvat stobhaṃ na suñcati //

Bei einem Pferd mit mangelhaftem Zungenteil [?] soll er den Zungenknoten lösen; er soll die Straffheit lockern, bis es das Stocken [?] nicht [mehr] zeigt.

Wort für Wort
jihvā-granthim vimocayet
er löse den Zungenknoten
gāḍhatām mocayet
er lockere die Straffheit
tāvat yāvat
so lange bis
stobham
Stocken [?]

jihvāṅgamāhīne, gāṭatāṃ (gāḍhatāṃ), stobhaṃ na suñcati verderbt bzw. unsicher.

kuryācchatamurastrāṇamavilālañca muñcati / ūrdhānanaḥ svabhādyastasyorastrāṇamaślatham //

Er soll einen festen [?] Brustriemen anlegen; und [das Pferd] lässt Speichel fließen [?]. Einem [Pferd], das von Natur aus den Kopf hoch trägt, [lege er] den Brustriemen nicht locker an.

Wort für Wort
urastrāṇam
Brustriemen
lālām muñcati
lässt Speichel fließen [?]
ūrdhva-ānanaḥ svabhāvāt
von Natur aus mit erhobenem Kopf
a-ślatham
nicht locker

śatam und avilālañca unsicher; ūrdhānanaḥ für ūrdhvānanaḥ; svabhādyas wohl svabhāvāt.

vidhāya vāhayeddṛṣṭyā līlayā sādisattamaḥ / tasya savyena pūrveṇa saṃyuktaṃ savyavalgayā //

Nachdem er dies getan hat, soll der beste Reiter [das Pferd] mit Blick und spielerisch reiten. Wer bei ihm mit dem linken Vorderfuß, verbunden mit dem linken Zügel,

Wort für Wort
vidhāya
nachdem er es getan hat
vāhayet dṛṣṭyā līlayā
reite mit Blick und spielerisch
sādi-sattamaḥ
der beste Reiter
savyena pūrveṇa
mit dem linken vorderen [Fuß]
savya-valgayā
mit dem linken Zügel

yaḥ kuryātpaścimaṃ pādaṃ gṛhītastena dakṣiṇaḥ / krameṇānena yo sevāṃ kurute vāmavalgayā //

den Hinterfuß bewegt, durch den wird der rechte [Fuß] ergriffen [Anm.: d. h. das Pferd zum Angaloppieren auf den rechten Fuß gebracht?]. Wer in dieser Reihenfolge den Dienst mit dem linken Zügel verrichtet,

Wort für Wort
paścimam pādam
den Hinterfuß
gṛhītaḥ tena dakṣiṇaḥ
durch ihn wird der rechte ergriffen
krameṇa anena
in dieser Reihenfolge
vāma-valgayā
mit dem linken Zügel

Technische Reiterfachsprache; Deutung von pādagrahaṇa („Fuß ergreifen“) als Fußwechsel bzw. Angaloppieren unsicher.

pādau tenāpi pādaḥ syādgṛhīto vāma eva hi / agre ceccaraṇe tyakte jāyate sudṛḍhāsanaṃ //

auch durch den wird [bei den] Füßen der linke Fuß ergriffen. Wenn der Vorderfuß freigegeben wird, entsteht ein sehr fester Sitz.

Wort für Wort
pādaḥ gṛhītaḥ vāmaḥ
der linke Fuß wird ergriffen
agre caraṇe tyakte
wenn der Vorderfuß freigegeben ist
jāyate
entsteht
su-dṛḍha-āsanam
ein sehr fester Sitz

Text holprig; agre ceccaraṇe als agre cet caraṇe gelesen.

yau hṛtau duṣkare caiva moṭake nāṭakāyanaṃ / savyahīnaṃ khalīkāro hanena guṇane tatha //

[Die Mittel des Fußergreifens sind:] ... [?], moṭaka [Drehen], nāṭakāyana [?], savyahīna [?], khalīkāra, hanana [Schlagen], guṇana [?] ebenso,

Wort für Wort
moṭake
beim Drehen
khalīkāraḥ
khalīkāra (Technik)
hanena
durch Schlagen
duṣkare
bei Schwierigem

Vers weitgehend verderbt; offenbar eine Aufzählung der Techniken, die in 39-49 erläutert werden.

svahāvaṃ hi turaṅgasya mukhavyāvartanaṃ puraḥ / na caivetthaṃ turaṅgāṇāṃ pādagrahaṇahetavaḥ //

die natürliche [Neigung] des Pferdes und das Drehen des Kopfes nach vorne: Dies sind die Ursachen [Mittel] für das Fußergreifen der Pferde.

Wort für Wort
svabhāvam turaṅgasya
die Natur des Pferdes
mukha-vyāvartanam puraḥ
das Drehen des Kopfes nach vorn
turaṅgāṇām
der Pferde
pāda-grahaṇa-hetavaḥ
Ursachen des Fußergreifens

svahāvaṃ für svabhāvaṃ; na caivetthaṃ wohl für ete cetthaṃ.

viśvastaṃ hayamālokya gāḍhamāpīḍya cāsanaṃ / rokayitvā mukhe pādaṃ grāhyato lokanaṃ hitaṃ //

Wenn man sieht, dass das Pferd Vertrauen gefasst hat, den Sitz fest andrückt, [es] am Maul anhält und [so] den Fuß ergreifen lässt, so ist das „Hinschauen“ (ālokana) [?]; es ist heilsam.

Wort für Wort
viśvastam hayam ālokya
das vertrauende Pferd sehend
gāḍham āpīḍya āsanam
den Sitz fest andrückend
rodhayitvā mukhe
am Maul anhaltend
pādam grāhyataḥ
den Fuß ergreifen lassend
hitam
heilsam

rokayitvā wohl für rodhayitvā; grāhyato lokanaṃ unsicher (Name der Technik?).

gāḍhamāpīḍya rāgābhyāṃ valgāmākṛṣya gṛhyate / tadvandhanād yugmapādaṃ tadvadvakvanamucyate //

Wird [der Fuß] ergriffen, indem man fest mit den beiden [Schenkeln] [?] andrückt und den Zügel anzieht, und durch dessen Bindung das Fußpaar, so heißt dies ebenso vakkana [?].

Wort für Wort
gāḍham āpīḍya
fest andrückend
valgām ākṛṣya
den Zügel anziehend
gṛhyate
wird ergriffen
yugma-pādam
das Fußpaar
ucyate
heißt

rāgābhyāṃ verderbt (evtl. jānubhyām); vakvana/vakkana Fachterminus unklar.

saṃyojya valgayā pādān valgāmāmocya vāñchitam / vāhyapārṣṇiprayogāttu yatra tattāḍanaṃ matam //

Wo man die Füße mit dem Zügel verbindet, den Zügel nach Wunsch löst und durch Einsatz der äußeren Ferse [den Fuß ergreifen lässt], das gilt als tāḍana [Schlagen].

Wort für Wort
saṃyojya valgayā pādān
die Füße mit dem Zügel verbindend
valgām āmocya
den Zügel lösend
vāhya-pārṣṇi-prayogāt
durch Einsatz der äußeren Ferse
tat tāḍanam matam
das gilt als Schlagen

pralayāviplave jñātvā krameṇānena buddhimān / moṭanena caturthena vidhireṣa bidhīyate //

Wenn der Kundige Zusammenbruch und Aufruhr [des Pferdes] [?] erkennt, [verfährt er] in dieser Reihenfolge; mit dem vierten, dem moṭana [Drehen], wird diese Regel vorgeschrieben.

Wort für Wort
pralaya-viplave jñātvā
Zusammenbruch und Aufruhr erkennend
krameṇa anena buddhimān
der Kundige in dieser Reihenfolge
moṭanena caturthena
mit dem vierten, dem Drehen
vidhiḥ eṣa vidhīyate
diese Regel wird vorgeschrieben

pralayāviplave unsicher; bidhīyate für vidhīyate.

nādhatte 'dhaś ca pādaṃ yo 'śvo laghuni maṇḍale / moṭanodvakkanābhyāntu grāhayet pādamīśitaṃ //

Ein Pferd, das im kleinen Kreis den Fuß nicht nach unten setzt, soll man durch moṭana und udvakkana den gewünschten Fuß ergreifen lassen.

Wort für Wort
na ādhatte adhaḥ pādam
setzt den Fuß nicht nach unten
laghuni maṇḍale
im kleinen Kreis
moṭana-udvakkanābhyām
durch Drehen und udvakkana
grāhayet pādam īpsitam
lasse den gewünschten Fuß ergreifen

īśitaṃ wohl für īpsitaṃ.

vaṭayitvāsane gāṭaṃ mandamādāya yo brajet / grāhyate saṃgrahādyatra tatsaṃgrahaṇamucyate //

Wo [das Pferd], das man fest im Sitz umschließt [?] und das langsam [angenommen] geht, durch Sammlung [den Fuß] ergreifen gelassen wird, das heißt saṃgrahaṇa [Sammeln].

Wort für Wort
āsane gāḍham
fest im Sitz
mandam
langsam
vrajet
geht
grāhyate saṃgrahāt
wird durch Sammlung ergreifen gelassen
tat saṃgrahaṇam ucyate
das heißt saṃgrahaṇa

vaṭayitvā, gāṭaṃ (gāḍhaṃ), brajet (vrajet) unsicher bzw. verschrieben.

hatvā parśve prahāreṇa sthānastho vyagramānasam / valgāmākṛṣya pādena grāhyakaṇṭakapāyanam //

Wenn man [das Pferd] mit einem Schlag in die Flanke trifft, [selbst] an seinem Platz verharrend, [das Pferd] mit abgelenktem Sinn, den Zügel anzieht und mit dem Fuß [den Fuß] ergreifen lässt, [ist das] kaṇṭakapāyana [?].

Wort für Wort
hatvā pārśve prahāreṇa
mit einem Schlag in die Flanke treffend
sthāna-sthaḥ
an seinem Platz
vyagra-mānasam
mit abgelenktem Sinn
valgām ākṛṣya pādena
den Zügel anziehend, mit dem Fuß

parśve für pārśve; grāhyakaṇṭakapāyanam als Fachterminus unsicher.

utthito yo 'ṅghraṇānena pārṣṇnipādātturaṅgamaḥ / gṛhyate yat khalīkṛtya khalīkāraḥ sa ceṣyate //

Das Pferd, das sich durch Fersen und Fuß mit dem Fuß erhoben hat [?] und nach einer Zurechtweisung [den Fuß] ergreift, das gilt als khalīkāra.

Wort für Wort
utthitaḥ
erhoben
pārṣṇi-pādāt
durch Ferse und Fuß
gṛhyate khalīkṛtya
wird nach Zurechtweisung ergriffen
khalīkāraḥ sa iṣyate
das gilt als khalīkāra

aṅghraṇānena und pārṣṇnipādāt verschrieben; khalīkṛtya etwa „misshandelnd, zurechtweisend“.

gatitraye piyaḥ pādamādatte naiva vāñchitaḥ / hatvā tu yatra daṇḍena grāhyate gahanaṃ hi tat //

Wo ein [Pferd], das in den drei Gangarten den gewünschten Fuß nicht nimmt, nach einem Schlag mit dem Stock [den Fuß] ergreifen gelassen wird, das ist gahana.

Wort für Wort
gati-traye
in den drei Gangarten
pādam ādatte na eva vāñchitam
nimmt den gewünschten Fuß nicht
hatvā daṇḍena
mit dem Stock schlagend
gahanam
gahana (Technik)

piyaḥ verderbt (evtl. priyaḥ oder yaḥ).

khalīkṛtya catuṣkeṇa turaṅgo valgayānyayā / ucchāsya grāhyate 'nyatra tatsyāducchāsanaṃ punaḥ //

Wird das Pferd, nachdem man es mit den Vieren [?] zurechtgewiesen hat, mit dem anderen Zügel aufgerichtet und anderswo [den Fuß] ergreifen gelassen, so ist das ucchāsana.

Wort für Wort
khalīkṛtya
zurechtgewiesen
valgayā anyayā
mit dem anderen Zügel
ucchāsya
aufgerichtet
grāhyate anyatra
wird anderswo ergreifen gelassen
ucchāsanam
ucchāsana (Technik)

catuṣkeṇa unklar; ucchāsya wohl für ucchvāsya/ucchrāsya.

svabhāvaṃ bahirasyantaṃ tasyāṃ diśi padāyanaṃ / niyojya grāhayettattu mukhavyāpartanaṃ matam //

Seine natürliche [Neigung] nach außen [berücksichtigend] und es in jene Richtung treten lassend, soll man [den Fuß] ergreifen lassen; das gilt als mukhavyāvartana [Wenden des Kopfes].

Wort für Wort
svabhāvam bahiḥ
die Natur nach außen
tasyām diśi pada-ayanam
das Treten in jene Richtung
niyojya grāhayet
veranlassend lasse er ergreifen
mukha-vyāvartanam matam
gilt als Wenden des Kopfes

bahirasyantaṃ unsicher; vyāpartanaṃ für vyāvartanaṃ.

grāhayitvā tataḥ pādaṃ trividhāsu yathākramam / sādhayet pañcadhārāsu kramaśo maṇḍalādiṣu //

Nachdem er es dann in den drei Arten der Reihe nach den Fuß hat ergreifen lassen, soll er es in den fünf Gangarten (dhārā) nach und nach ausbilden, im Kreis usw.

Wort für Wort
grāhayitvā pādam
den Fuß ergreifen lassend
trividhāsu yathākramam
in den drei Arten der Reihe nach
sādhayet
er bilde aus
pañca-dhārāsu
in den fünf Gangarten
maṇḍala-ādiṣu
im Kreis usw.

ājanordhānanaṃ vāhaṃ śithilaṃ vāhayet sudhīḥ / aṅgeṣu lāghavaṃ yāvattāvattaṃ vāhayeddhayaṃ //

Der Verständige soll das Pferd mit bis zum Knie [?] erhobenem Kopf locker reiten; so lange, bis Leichtigkeit in den Gliedern [eintritt], so lange soll er das Pferd reiten.

Wort für Wort
ūrdhva-ānanam vāham
das Pferd mit erhobenem Kopf
śithilam vāhayet
er reite locker
aṅgeṣu lāghavam
Leichtigkeit in den Gliedern
yāvat tāvat
so lange bis

ājanordhānanaṃ unsicher (ājānu-ūrdhvānanam?).

mṛduḥ skandhe laghurvaktre śithilaḥ sarvasandhiṣu / yadā sasādino vaśyaḥ saṅgṛhṇīyāttadā hayaṃ //

Weich in der Schulter, leicht im Maul, locker in allen Gelenken: Wenn das Pferd seinem Reiter gehorsam ist, dann soll er es versammeln.

Wort für Wort
mṛduḥ skandhe
weich in der Schulter
laghuḥ vaktre
leicht im Maul
śithilaḥ sarva-sandhiṣu
locker in allen Gelenken
sa-sādinaḥ vaśyaḥ
dem Reiter gehorsam
saṅgṛhṇīyāt
er soll versammeln

na tyajet paścimaṃ pādaṃ yadā sādhurbhavettadā / tadākṛṣṭirvidhātavyā pāṇibhyāmiha balgayā //

Wenn es den Hinterfuß nicht aufgibt, wenn es gut geworden ist, dann soll hier das Anziehen mit beiden Händen am Zügel erfolgen.

Wort für Wort
na tyajet paścimam pādam
gibt den Hinterfuß nicht auf
sādhuḥ bhavet
gut geworden ist
ākṛṣṭiḥ vidhātavyā
das Anziehen ist vorzunehmen
pāṇibhyām valgayā
mit beiden Händen am Zügel

balgayā für valgayā.

tatratriko yathā tiṣṭhedudgrīvośvaḥ samānanaḥ / dharāyāṃ paścimau pādau antarīkṣe yadāśrayau //

Wenn das Pferd dabei so steht, dass es mit dem Kreuz [?] den Hals hebt, den Kopf gerade hält, die beiden Hinterfüße auf dem Boden und die [Vorderfüße] in der Luft,

Wort für Wort
udgrīvaḥ aśvaḥ
das Pferd mit erhobenem Hals
sama-ānanaḥ
mit geradem Kopf
dharāyām paścimau pādau
die Hinterfüße auf dem Boden
antarīkṣe
in der Luft

tatratriko unsicher (trika „Kreuzbein“); yadāśrayau unklar.

tadā sandharaṇaṃ kuryādgāṭhavāhañca muṣṭinā / sahasaivaṃ samākṛṣṭo yasturaṅgo na tiṣṭhati //

dann soll er das Festhalten (sandharaṇa) und das feste Führen mit der Faust vornehmen. Das Pferd, das, so plötzlich angezogen, nicht stehen bleibt

Wort für Wort
sandharaṇam kuryāt
er nehme das Festhalten vor
gāḍha-vāham muṣṭinā
festes Führen mit der Faust
sahasā evam samākṛṣṭaḥ
so plötzlich angezogen
na tiṣṭhati
bleibt nicht stehen

gāṭhavāha für gāḍhavāha.

śarīraṃ vikṣipantañca sādhayenmaṇḍalabhramaiḥ / kṣipet skandhañca yo vāhaṃ sa ca sthāpyo hi valgayā //

und seinen Körper hin und her wirft, soll er durch Kreisdrehungen bändigen. Und das [Pferd], das beim Reiten die Schulter wirft, ist mit dem Zügel anzuhalten.

Wort für Wort
śarīram vikṣipantam
den Körper hin und her werfend
sādhayet maṇḍala-bhramaiḥ
er bändige durch Kreisdrehungen
kṣipet skandham
wirft die Schulter
sthāpyaḥ valgayā
ist mit dem Zügel anzuhalten

gomayaṃ lavaṇaṃ mūtraṃ kvathitaṃ mṛtsamanvitam / aṅgalepo makṣikādidaṃśaśramavināśanaḥ //

Kuhmist, Salz und Urin, mit Lehm vermischt gekocht, als Körpersalbe beseitigt Stiche von Fliegen usw. und Ermüdung.

Wort für Wort
gomayam lavaṇam mūtram
Kuhmist, Salz, Urin
kvathitam mṛt-samanvitam
gekocht, mit Lehm vermischt
aṅga-lepaḥ
Körpersalbe
makṣikā-ādi-daṃśa
Stiche von Fliegen usw.
śrama-vināśanaḥ
Ermüdung beseitigend

madhye bhadrādijātīnāṃ maṇḍo deyo hi sādinā / darśanaṃ bhotatīkṣasya nirutsāhaḥ kṣudhā hayaḥ //

Zwischendurch [?] soll der Reiter den [Pferden] der Klassen Bhadra usw. Reisschleim geben. [...] [?]; durch Hunger wird das Pferd kraftlos.

Wort für Wort
madhye
zwischendurch
bhadra-ādi-jātīnām
den Klassen Bhadra usw.
maṇḍaḥ deyaḥ sādinā
Reisschleim ist vom Reiter zu geben
nirutsāhaḥ kṣudhā hayaḥ
durch Hunger wird das Pferd kraftlos

darśanaṃ bhotatīkṣasya verderbt.

yathā vaśyas tathā śikṣā vinaśyantyativāhitāḥ / avāhitā na midhyanti tuṅgavaktrāṃś ca vāhayet //

Wie [das Pferd] gehorsam ist, so [sei] die Ausbildung; übermäßig gerittene [Pferde] gehen zugrunde, nicht gerittene werden nicht vollkommen; und er soll [Pferde] mit hoch getragenem Kopf reiten.

Wort für Wort
yathā vaśyaḥ tathā śikṣā
wie gehorsam, so die Ausbildung
vinaśyanti ati-vāhitāḥ
übermäßig gerittene gehen zugrunde
a-vāhitāḥ na sidhyanti
nicht gerittene werden nicht vollkommen
tuṅga-vaktrān vāhayet
er reite die mit hohem Kopf

midhyanti für sidhyanti.

sampīḍya jānuyugmena sthiramuṣṭisturaṅgamaṃ / gomūtrākuṭilā veṇī padmamaṇḍalamālikā //

Das Pferd mit beiden Knien fest drückend, mit fester Faust [reite er]. Gomūtrā [kuhharnartige Zickzacklinie], Kuṭilā [gewundene Linie], Veṇī [Zopf], Padmamaṇḍala [Lotuskreis], Mālikā [Kranz]

Wort für Wort
sampīḍya jānu-yugmena
mit beiden Knien drückend
sthira-muṣṭiḥ
mit fester Faust
gomūtrā kuṭilā veṇī
Zickzack, Windung, Zopf
padma-maṇḍala-mālikā
Lotuskreis und Kranz

pañcolūkhalikā kāryā garvitāste 'tikīrtitāḥ / saṃkṣiptañcaiva vikṣiptaṃ kuñcitañca yathācitam //

und Pañcolūkhalikā [„Fünf-Mörser“-Figur] sind auszuführen; diese werden als „stolze“ [Gangfiguren] gepriesen. Saṃkṣipta [zusammengezogen], Vikṣipta [ausgreifend], Kuñcita [gebeugt], wie es sich gehört,

Wort für Wort
pañca-ulūkhalikā kāryā
die Fünf-Mörser-Figur ist auszuführen
garvitāḥ te
diese sind die stolzen
saṃkṣiptam vikṣiptam
zusammengezogen, ausgreifend
kuñcitam
gebeugt

'tikīrtitāḥ wohl für 'bhikīrtitāḥ.

valgitāvalgitau caiva ṣoṭā cetthamudāhṛtam / vīthīdhanuḥśataṃ yāvadaśītir navatis tathā //

Valgita [gezügelt] und Avalgita [ungezügelt]: So ist [die Gangart] als sechsfach beschrieben. Die Bahn [erstreckt sich] bis zu hundert Bogenlängen, ebenso achtzig und neunzig.

Wort für Wort
valgita-avalgitau
gezügelt und ungezügelt
ṣoḍhā udāhṛtam
als sechsfach beschrieben
vīthī
Bahn
dhanuḥ-śatam yāvat
bis zu hundert Bogenlängen
aśītiḥ navatiḥ
achtzig, neunzig

ṣoṭā für ṣoḍhā.

bhadraḥ susādhyo vājī syānmando daṇḍaikamānasaḥ / mṛgajaṅgho mṛgo vājī saṅkīrṇastatsamanviyāt //

Ein Bhadra-Pferd ist leicht auszubilden; ein Manda-[Pferd] hat nur den Stock im Sinn; ein Mṛga-Pferd hat Hirschbeine; das Saṅkīrṇa [gemischte] soll man als aus diesen vereint erkennen.

Wort für Wort
bhadraḥ su-sādhyaḥ vājī
das Bhadra-Pferd ist leicht auszubilden
mandaḥ daṇḍa-eka-mānasaḥ
das Manda hat nur den Stock im Sinn
mṛga-jaṅghaḥ mṛgaḥ
das Mṛga hat Hirschbeine
saṅkīrṇaḥ
das gemischte

samanviyāt wohl für samanvayāt / samanvitam vidyāt.

śarkarāmadhulājādaḥ sugandho 'śvaḥ śucirdvijaḥ / tejasvī kṣatriyaścāśbo vinīto buddhimāṃś ca yaḥ //

Ein Pferd, das Zucker, Honig und geröstete Körner frisst, wohlriechend und rein ist, ist ein Brahmane; ein feuriges Pferd, das gut erzogen und klug ist, ist ein Kṣatriya.

Wort für Wort
śarkarā-madhu-lāja-adaḥ
Zucker, Honig und geröstete Körner fressend
sugandhaḥ śuciḥ
wohlriechend, rein
dvijaḥ
Brahmane
tejasvī kṣatriyaḥ
feurig: Kṣatriya
vinītaḥ buddhimān
gut erzogen, klug

cāśbo für cāśvo; der Vaiśya-Typ fehlt.

śūdro 'śuciś calo mando virūpo vimatiḥ khalaḥ / valgayā dhāryamāṇo 'śvo lālakaṃ yaś ca darśayet //

Ein Śūdra ist unrein, unstet, träge, missgestaltet, unverständig, bösartig. Das Pferd, das, am Zügel gehalten, Speicheln [?] zeigt,

Wort für Wort
śūdraḥ aśuciḥ calaḥ
Śūdra: unrein, unstet
mandaḥ virūpaḥ
träge, missgestaltet
vimatiḥ khalaḥ
unverständig, bösartig
valgayā dhāryamāṇaḥ
am Zügel gehalten
lālakam darśayet
zeigt Speicheln

lālaka unsicher (Geifern bzw. Spiel?).

dhārāsu yojanīyo 'sau pragrahagrahamokṣaṇaiḥ / aśvādilakṣaṇam vakṣye śālihotro yathāvadat //

ist in den Gangarten durch Anziehen und Nachlassen des Zügels einzusetzen. Die Merkmale der Pferde usw. werde ich darlegen, wie Śālihotra sie verkündet hat.

Wort für Wort
dhārāsu yojanīyaḥ
ist in den Gangarten einzusetzen
pragraha-graha-mokṣaṇaiḥ
durch Anziehen und Nachlassen des Zügels
aśva-ādi-lakṣaṇam vakṣye
ich werde die Merkmale der Pferde usw. darlegen
śālihotraḥ yathā avadat
wie Śālihotra sagte

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