Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 26: mudrālakṣaṇakathanam Beschreibung der Kennzeichen der Mudrās

Kurzes Kapitel über die Handgesten (mudrā) im Viṣṇu-Kult: drei allgemeine Gesten (Añjali, Verehrungsgeste, Faustgesten), acht bzw. neun besondere Gesten für die Keimsilben, die Varāha-Geste und die Gesten der Glieder-Mantras. Das Kolophon nennt das Kapitel „mudrāpradarśana“. Die Beschreibungen sind sehr knapp und in Einzelheiten unsicher.

nārada uvāca | mudrāṇāṃ lakṣaṇaṃ vakṣye sānnidhyādiprakārakaṃ / añjaliḥ prathamā mudrā vandanī hṛdayānugā //

Nārada sprach: Ich will die Kennzeichen der Mudrās (Handgesten) nennen, welche die Vergegenwärtigung (der Gottheit) und anderes bewirken. Der Añjali (die gehöhlten, zusammengelegten Hände) ist die erste Mudrā; die Verehrungsgeste (vandanī) wird vor dem Herzen gehalten.

Wort für Wort
mudrāṇām lakṣaṇam
die Kennzeichen der Handgesten
vakṣye
ich werde nennen
sānnidhya-ādi-prakārakam
Vergegenwärtigung usw. bewirkend
añjaliḥ
die hohlen, zusammengelegten Hände
vandanī
Verehrungsgeste
hṛdaya-anugā
dem Herzen folgend, am Herzen

ūrdhvāṅguṣṭho vāmamuṣṭirdakṣiṇāṅguṣṭhabandhanaṃ / savyasya tasya cāṅguṣṭho yasya cordhve prakīrtitaḥ //

Die linke Faust mit aufgerichtetem Daumen, das Umschließen des rechten Daumens – und (die Geste), bei der der Daumen dieser linken (Hand) nach oben gerichtet ist, wird (als dritte) gelehrt.

Wort für Wort
ūrdhva-aṅguṣṭhaḥ
mit aufgerichtetem Daumen
vāma-muṣṭiḥ
linke Faust
dakṣiṇa-aṅguṣṭha-bandhanam
Umschließen des rechten Daumens
savyasya
der linken (Hand)
ūrdhve
nach oben
prakīrtitaḥ
wird gelehrt

Die drei allgemeinen Gesten sind knapp und nicht eindeutig beschrieben.

tisraḥ sādharaṇā vyūhe athāsādharaṇā imāḥ / kaniṣṭhādivimokena aṣṭo mudrā yathākramaṃ //

Drei (Gesten) sind den Vyūhas gemeinsam; nun diese besonderen: Durch Lösen (der Finger), beim kleinen Finger beginnend, (entstehen) der Reihe nach acht Mudrās;

Wort für Wort
tisraḥ sādhāraṇāḥ
drei gemeinsame
asādhāraṇāḥ
besondere
kaniṣṭha-ādi-vimokena
durch Lösen vom kleinen Finger an
aṣṭau mudrāḥ
acht Gesten
yathākramam
der Reihe nach

„sādharaṇā“ = sādhāraṇāḥ; „aṣṭo“ = aṣṭau.

aṣṭānāṃ pūrvavījānāṃ kramaśastvavadhārayet / aṅguṣṭhena kaniṣṭāntaṃ namayitvāṅgulitrayaṃ //

diese soll man der Reihe nach den acht zuvor (genannten) Keimsilben zuordnen. Mit dem Daumen (die Finger) bis zum kleinen Finger niederbeugen, drei Finger

Wort für Wort
aṣṭānām pūrva-vījānām
der acht früheren Keimsilben
avadhārayet
soll zuordnen, festhalten
aṅguṣṭhena
mit dem Daumen
namayitvā
niederbeugend
aṅguli-trayam
drei Finger

ūrdhvaṃ kṛtvā sammukhañca vījāya navamāya vai / vāmahastamathottānaṃ kṛtvārdhaṃ nāmayecchanaiḥ //

aufrichten und nach vorn wenden: (dies ist die Geste) für die neunte Keimsilbe. Die linke Hand nach oben geöffnet halten und zur Hälfte langsam neigen –

Wort für Wort
ūrdhvam kṛtvā
aufgerichtet
sammukham
nach vorn gewandt
vījāya navamāya
für die neunte Keimsilbe
uttānam
nach oben geöffnet
ardham nāmayet śanaiḥ
halb langsam neigen

varāhasya smṛtā mudrā aṅganāñca kramādimāḥ / ekaikāṃ mocayedbaddhvā vāmamuṣṭo tathāgulīṃ //

das gilt als die Mudrā des Varāha. Und die (Gesten) der Glieder sind der Reihe nach diese: Nachdem man die linke Faust geschlossen hat, löse man jeweils einen Finger

Wort für Wort
varāhasya
des Ebers
smṛtā mudrā
gilt als Geste
aṅgānām
der Glieder
ekaikām mocayet
soll jeweils einen lösen
baddhvā
nachdem man geschlossen hat
vāma-muṣṭau
in der linken Faust

„vāmamuṣṭo“ = vāmamuṣṭau; „tathāgulīṃ“ = tathāṅgulīm.

ākuñcayet pūrvamudrāṃ dakṣiṇepyevameva ca / ūrdhvāṅguṣṭho vāmamuṣṭhirmudrāsiddhistato bhavet //

und krümme (danach) die vorherige Geste; ebenso mit der rechten (Hand). Mit aufgerichtetem Daumen und linker Faust – dann tritt die Vollendung der Mudrās ein.

Wort für Wort
ākuñcayet
soll krümmen
pūrva-mudrām
die vorige Geste
dakṣiṇe api evam
ebenso bei der rechten
mudrā-siddhiḥ
Vollendung der Gesten
tataḥ bhavet
dann tritt ein

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