Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 168: mahāpātakādikathanam Darlegung der großen Sünden und anderer Vergehen

Puṣkara beginnt mit der Pflicht des Königs, Sühneverweigerer zu strafen, und zählt verbotene Speisen und Speisegeber auf, jeweils mit den zugehörigen Bußen (Fasten, Kṛcchra, Taptakṛcchra, Cāndrāyaṇa). Es folgen erlaubte und verbotene Tiere und Milcharten, die vier großen Sünden und die ihnen gleichgestellten Vergehen sowie die Nebensünden und weitere Klassen von Vergehen (jātibhraṃśakara, saṅkīrṇakaraṇa, apātrīkaraṇa, malāvaha). Einige Wörter sind in der Digitalisierung entstellt (u.a. V. 18, 22, 23, 38).

puṣkara uvāca | daṇḍaṃ kuryānnṛpo nṝṇāṃ prāyaścittamakurvatāṃ / kāmato 'kāmato vāpi prāyaścittaṃ kṛtaṃ caret //

Puṣkara sprach: Der König verhänge Strafe über die Menschen, die keine Sühne leisten. Ob [die Tat] absichtlich oder auch unabsichtlich [begangen wurde], man vollziehe die festgesetzte Sühne.

Wort für Wort
puṣkara uvāca
Puṣkara sprach
daṇḍam kuryāt
er verhänge Strafe
prāyaścittam akurvatām
die keine Sühne leisten
kāmataḥ
absichtlich
akāmataḥ
unabsichtlich
caret
er vollziehe

mattakruddhāturāṇāṃ ca na bhuñjīta kadācana / mahāpātakināṃ spṛṣṭaṃ yacca spṛṣṭamudakyayā //

Von Berauschten, Zornigen und Kranken esse man niemals, noch was von großen Sündern berührt ist und was von einer Menstruierenden berührt ist.

Wort für Wort
matta-kruddha-āturāṇām
der Berauschten, Zornigen, Kranken
na bhuñjīta
man esse nicht
mahāpātakinām
der großen Sünder
spṛṣṭam
berührt
udakyayā
von einer Menstruierenden

gaṇānnaṃ gaṇikānnaṃ ca vārdhuṣergāyanasya ca / abhiśaptasya ṣaṇḍasya yasyāścopapatirgṛhe //

[Man meide] die Speise einer Gruppe, die Speise einer Hetäre, die des Wucherers und des Sängers, des Verfemten, des Eunuchen und [der Frau], in deren Haus ein Buhle ist,

Wort für Wort
gaṇa-annam
Speise einer Gruppe
gaṇikā-annam
Speise einer Hetäre
vārdhuṣeḥ gāyanasya
des Wucherers, des Sängers
abhiśaptasya
des Verfemten
ṣaṇḍasya
des Eunuchen
upapatiḥ gṛhe
ein Buhle im Haus

rajakasya nṛśaṃsasya vandinaḥ kitavasya ca / mithyātapasvinaś caiva cauradaṇḍikayos tathā //

des Wäschers, des Grausamen, des Lobsängers und des Spielers, des falschen Asketen, ebenso des Diebes und des Kerkermeisters,

Wort für Wort
rajakasya
des Wäschers
nṛśaṃsasya
des Grausamen
vandinaḥ kitavasya
des Lobsängers, des Spielers
mithyā-tapasvinaḥ
des falschen Asketen
caura-daṇḍikayoḥ
des Diebes und des Stockträgers (Kerkermeisters)

kuṇḍagolastrījitānāṃ vedavikrayiṇas tathā / śailūṣatantravāyānnaṃ kṛtaghnasyānnameva ca //

der Kuṇḍas und Golakas [aus Ehebruch bzw. von Witwen Geborene], der von Frauen Beherrschten, ebenso des Vedaverkäufers; die Speise des Schauspielers und des Webers und auch die Speise des Undankbaren,

Wort für Wort
kuṇḍa-gola
Kuṇḍa und Golaka
strī-jitānām
der von Frauen Beherrschten
veda-vikrayiṇaḥ
des Vedaverkäufers
śailūṣa-tantravāya-annam
Speise des Schauspielers und Webers
kṛtaghnasya
des Undankbaren

karmārasya niṣādasya celanirṇejakasya ca / mithyāpravrajitasyānnampuṃś calyāstailikasya ca //

des Schmieds, des Niṣāda und des Kleiderwäschers, die Speise des falschen Wanderasketen, der Buhlerin und des Ölpressers;

Wort für Wort
karmārasya
des Schmieds
niṣādasya
des Niṣāda
cela-nirṇejakasya
des Kleiderwäschers
mithyā-pravrajitasya
des falschen Wanderasketen
puṃścalyāḥ
der Buhlerin
tailikasya
des Ölpressers

ārūḍhapatitasyānnaṃ vidviṣṭānnaṃ ca varjayet / tathaiva brāhmaṇasyānnaṃ brāhmaṇenānimantritaḥ //

die Speise dessen, der [ein höheres Lebensstadium] bestiegen hat und [daraus] gefallen ist, und die Speise eines Verhassten meide man; ebenso [esse man] die Speise eines Brahmanen nicht, wenn man vom Brahmanen nicht eingeladen ist,

Wort für Wort
ārūḍha-patitasya
des Aufgestiegenen und Gefallenen
vidviṣṭa-annam
Speise eines Verhassten
varjayet
man meide
brāhmaṇasya annam
die Speise eines Brahmanen
animantritaḥ
nicht eingeladen

brāhmaṇānnañca śūdreṇa nādyāccaiva nimantritaḥ / eṣāmanyatamasyānnamamatyā vā tryahaṃ kṣapet //

und die Speise eines Brahmanen esse ein Śūdra nicht, auch wenn er eingeladen ist. Hat man von einem dieser die Speise unwissentlich [gegessen], so faste man drei Tage.

Wort für Wort
śūdreṇa
von einem Śūdra
na adyāt
er esse nicht
nimantritaḥ
eingeladen
anyatamasya
von einem von ihnen
amatyā
unwissentlich
tri-aham kṣapet
er faste drei Tage

matyā bhuktvā caret kṛcchraṃ retoviṇmūtrameva ca / caṇḍālaśvapacānnantu bhuktvā cāndrāyaṇaṃ caret //

Hat man sie wissentlich gegessen, vollziehe man ein Kṛcchra[-Gelübde]; ebenso [bei Genuss von] Samen, Kot und Urin. Hat man aber die Speise von Caṇḍālas und Hundekochern gegessen, vollziehe man das Cāndrāyaṇa.

Wort für Wort
matyā
wissentlich
kṛcchram
Kṛcchra-Buße
retaḥ-viṭ-mūtram
Samen, Kot, Urin
caṇḍāla-śvapaca-annam
Speise von Caṇḍālas und Hundekochern
cāndrāyaṇam
Mondlaufbuße

anirdiśaṃ ca pretānnaṃ gavāghrātaṃ tathaiva ca / śūdrocchiṣṭaṃ śunocchiṣṭaṃ patitānnaṃ tathaiva ca //

Speise aus dem Haus eines Verstorbenen vor Ablauf der zehn Tage, ebenso von einer Kuh Beschnuppertes, Reste eines Śūdra, Reste eines Hundes und ebenso die Speise eines Gefallenen –

Wort für Wort
anirdaśam
vor Ablauf der zehn Tage
preta-annam
Totenspeise
gavā āghrātam
von einer Kuh beschnuppert
śūdra-ucchiṣṭam
Rest eines Śūdra
śunā ucchiṣṭam
Rest eines Hundes
patita-annam
Speise eines Gefallenen

anirdiśam für anirdaśam.

taptakṛcchraṃ prakurvīta aśauce kṛcchramācaret / aśauce yasya yo bhuṅkte sopyaśuddhas tathā bhavet //

[dafür] vollziehe man das Heiß-Kṛcchra (taptakṛcchra); bei [Speise während einer Zeit der] Unreinheit vollziehe man ein Kṛcchra. Wer bei jemandem während dessen Unreinheit isst, wird ebenso unrein.

Wort für Wort
tapta-kṛcchram
Heiß-Kṛcchra
prakurvīta
man vollziehe
aśauce
bei Unreinheit
yasya aśauce bhuṅkte
wer in dessen Unreinheit isst
aśuddhaḥ bhavet
wird unrein

mṛtapañcanakhāt kūpādamedhyena sakṛdyutāt / apaḥ pītvā tryahaṃ tiṣṭhet sopavāso dvijottamaḥ //

Hat ein bester Zweimalgeborener Wasser aus einem Brunnen getrunken, in dem ein totes Fünfkrallentier [lag] oder der einmal mit Unreinem in Berührung kam, so verbringe er drei Tage mit Fasten.

Wort für Wort
mṛta-pañcanakhāt kūpāt
aus einem Brunnen mit totem Fünfkrallentier
amedhyena
mit Unreinem
sakṛt yutāt
einmal verbunden
apaḥ pītvā
Wasser getrunken habend
tri-aham
drei Tage
sa-upavāsaḥ
mit Fasten

sarvatra śūdre pādaḥ syād dvitrayaṃ vaiśyabhūpayoḥ / viḍvarāhakharoṣṭrāṇāṃ gomāyoḥ kapikākayoḥ //

Allgemein gilt für den Śūdra ein Viertel, für Vaiśya und König zwei bzw. drei [Viertel der Buße]. Hat ein Zweimalgeborener Urin und Kot vom Dorfschwein, Esel und Kamel, vom Schakal, Affen und von der Krähe

Wort für Wort
sarvatra
allgemein
śūdre pādaḥ
beim Śūdra ein Viertel
dvi-trayam
zwei bzw. drei
vaiśya-bhūpayoḥ
bei Vaiśya und König
viḍvarāha-khara-uṣṭrāṇām
von Dorfschwein, Esel, Kamel
gomāyoḥ kapi-kākayoḥ
von Schakal, Affe, Krähe

prāśya mūtrapurīṣāṇi dvijaścāndrāyaṇaṃ caret / śuṣkāṇi jagdhvā māṃsāni pretānnaṃ karakāṇi ca //

verzehrt, so vollziehe er das Cāndrāyaṇa. Hat er getrocknetes Fleisch, Totenspeise und Karaka [?] gegessen,

Wort für Wort
prāśya
verzehrt habend
mūtra-purīṣāṇi
Urin und Kot
śuṣkāṇi māṃsāni
getrocknetes Fleisch
jagdhvā
gegessen habend
preta-annam
Totenspeise
karakāṇi
Karaka [?]

karakāṇi unsicher (Hagelkörner? eine Frucht?).

kravyādaśūkaroṣṭrāṇāṃ gomāyoḥ kapikākayoḥ / gonarāśvakharoṣṭrāṇāṃ chatrākaṃ grāmakukkuṭaṃ //

[Fleisch] von Aasfressern, Schwein und Kamel, vom Schakal, Affen und der Krähe, von Rind, Mensch, Pferd, Esel und Kamel, [ferner] Pilze und den Dorfhahn

Wort für Wort
kravyāda
Aasfresser
śūkara-uṣṭrāṇām
von Schwein und Kamel
go-nara-aśva-khara
Rind, Mensch, Pferd, Esel
chatrākam
Pilz
grāma-kukkuṭam
Dorfhahn

māṃsaṃ jagdhvā kuñjarasya taptakṛcchreṇa śuddhyati / āmaśrāddhe tathā bhuktvā brahmacārī madhu tvadan //

und Elefantenfleisch gegessen, so wird er durch das Heiß-Kṛcchra rein. Ebenso [wer] beim Roh-Śrāddha gegessen hat, [oder] ein Schüler, der Honig isst,

Wort für Wort
māṃsam kuñjarasya
Elefantenfleisch
tapta-kṛcchreṇa śuddhyati
wird durch Heiß-Kṛcchra rein
āma-śrāddhe
beim Roh-Śrāddha (mit ungekochter Speise)
brahmacārī
Schüler
madhu adan
Honig essend

laśunaṃ guñjanaṃ cādyāt prājāpatyādinā śuciḥ / bhuktvā cāndrāyaṇaṃ kuryān māṃsañcātmakṛtantathā //

[oder wer] Knoblauch und Guñjana isst, wird durch das Prājāpatya usw. rein. Hat er [solches bewusst] gegessen, vollziehe er das Cāndrāyaṇa; ebenso bei Fleisch, das für ihn selbst zubereitet wurde.

Wort für Wort
laśunam
Knoblauch
guñjanam
Guñjana (Zwiebelart)
prājāpatya-ādinā
durch das Prājāpatya usw.
śuciḥ
rein
māṃsam ātma-kṛtam
für sich selbst zubereitetes Fleisch

Satzabgrenzung unsicher.

pelugavyañca peyūṣaṃ tathā śleṣmātakaṃ mṛdaṃ / vṛthākṛśarasaṃyāvapāyasāpūpaśaṣkulīḥ //

Pelu [?]-Kuhmilch, Biestmilch, ebenso Śleṣmātaka[-Frucht] und Erde; ohne [rituellen] Anlass bereitete Kṛśara (Reis mit Sesam), Saṃyāva, Milchreis, Kuchen und Śaṣkulī-Gebäck,

Wort für Wort
peyūṣam
Biestmilch
śleṣmātakam
Śleṣmātaka-Frucht
mṛdam
Erde
vṛthā
ohne Anlass
kṛśara-saṃyāva-pāyasa
Kṛśara, Saṃyāva, Milchreis
apūpa-śaṣkulīḥ
Kuchen, Śaṣkulī

pelugavya unklar.

anupākṛṭamāṃsāni devānnāni havīṃṣi ca / gavāñca mahiṣīṇāṃ ca varjayitvā tathāpyajāṃ //

Fleisch nicht [rituell] geweihter Tiere, Götterspeisen und Opfergaben; und abgesehen von [der Milch] der Kühe, der Büffelkühe und ebenso der Ziege

Wort für Wort
anupākṛta-māṃsāni
Fleisch nicht geweihter Tiere
deva-annāni
Götterspeisen
havīṃṣi
Opfergaben
gavām mahiṣīṇām
der Kühe, der Büffelkühe
varjayitvā
abgesehen von
ajām
die Ziege

anupākṛṭa für anupākṛta.

sarvakṣīrāṇi varjyāṇi tāsāñcaivāpyannirdaśaṃ / śaśakaḥ śalyakī godhā khaḍgaḥ kūrmastathaiva ca //

sind alle Milcharten zu meiden, und auch [die Milch] dieser [Tiere] innerhalb der [ersten] zehn Tage [nach dem Kalben]. Hase, Stachelschwein, Waran, Nashorn und ebenso die Schildkröte –

Wort für Wort
sarva-kṣīrāṇi
alle Milcharten
varjyāṇi
zu meiden
anirdaśam
innerhalb der zehn Tage
śaśakaḥ śalyakī
Hase, Stachelschwein
godhā khaḍgaḥ
Waran, Nashorn
kūrmaḥ
Schildkröte

annirdaśam für anirdaśam.

bhakṣyāḥ pañcanakhāḥ proktāḥ pariśeṣāś ca varjitāḥ / pāṭhīnarohitānmatsyān siṃhatuṇḍāṃś ca bhakṣayet //

[diese] Fünfkrallentiere gelten als essbar, die übrigen sind verboten. Pāṭhīna- und Rohita-Fische und Siṃhatuṇḍa-Fische darf man essen,

Wort für Wort
bhakṣyāḥ
essbar
pañca-nakhāḥ
Fünfkrallentiere
pariśeṣāḥ varjitāḥ
die übrigen sind verboten
pāṭhīna-rohitān matsyān
Pāṭhīna- und Rohita-Fische
siṃhatuṇḍān
Siṃhatuṇḍa-Fische

yavagodhūmajaṃ sarvaṃ payasaś caiva vikriyāḥ / vāgaṣāḍgavacakrādīn sasnehamuṣitaṃ tathā //

alles aus Gerste und Weizen Bereitete und die Verarbeitungen der Milch, Rāga-ṣāḍava, Cakra usw. [?], ebenso mit Fett [bereitetes] über Nacht Gestandenes.

Wort für Wort
yava-godhūma-jam
aus Gerste und Weizen bereitet
payasaḥ vikriyāḥ
Milchprodukte
sa-sneham
mit Fett
uṣitam
über Nacht gestanden

vāgaṣāḍgavacakrādīn entstellt; gemeint wohl Speisen wie rāgaṣāḍava.

agnihotraparīddhāgnirbrāhmaṇaḥ kāmacārataḥ / cāndrāyaṇaṃ carenmāsaṃ vīravadhvāsanaṃ hitaṃ //

Ein Brahmane, der sein Agnihotra-Feuer aus Willkür erlöschen ließ, vollziehe einen Monat lang das Cāndrāyaṇa; [dies] ist heilsam [als Sühne für die] ‚Heldentötung‘ [?].

Wort für Wort
agnihotra
Agnihotra-Feuer
kāma-cārataḥ
aus Willkür
cāndrāyaṇam
Mondlaufbuße
māsam
einen Monat
hitam
heilsam

parīddhāgni wohl für parityaktāgni/utsannāgni; vīravadhvāsanam unklar (vielleicht vīrahatyā, der Fachausdruck für das Erlöschenlassen des heiligen Feuers).

brahmahatyā surāpānaṃ steyaṃ gurvaṅganāgamaḥ / mahānti pātakānyāhuḥ saṃyogaś caiva taiḥ saha //

Brahmanenmord, Branntweintrinken, Diebstahl und Umgang mit der Frau des Lehrers nennt man die großen Sünden, und auch die Gemeinschaft mit ihnen (den Tätern).

Wort für Wort
brahma-hatyā
Brahmanenmord
surā-pānam
Branntweintrinken
steyam
Diebstahl
guru-aṅganā-gamaḥ
Umgang mit der Frau des Lehrers
mahānti pātakāni
große Sünden
saṃyogaḥ taiḥ saha
Gemeinschaft mit ihnen

anṛte ca samutkarṣo rājagāmi ca paiśunaṃ / guroścālīkanirbandhaḥ samānaṃ brahmahatyayā //

Sich durch Lüge erheben, dem König zugetragene Verleumdung und hartnäckige falsche Beschuldigung des Lehrers – [das ist] dem Brahmanenmord gleich.

Wort für Wort
anṛte samutkarṣaḥ
Selbsterhöhung durch Lüge
rāja-gāmi paiśunam
dem König zugetragene Verleumdung
guroḥ alīka-nirbandhaḥ
falsche Beschuldigung des Lehrers
samānam
gleich
brahma-hatyayā
dem Brahmanenmord

brahmojjhyavedanindā ca kauṭasākṣyaṃ suhṛdbadhaḥ / garhitānnājyayorjagdhiḥ surāpānasamāni ṣaṭ //

Vergessen des Veda, Schmähung des Veda, falsches Zeugnis, Tötung eines Freundes, Genuss von Verbotenem und Ungenießbarem – [diese] sechs sind dem Branntweintrinken gleich.

Wort für Wort
brahma-ujjhya
Vergessen des Veda
veda-nindā
Vedaschmähung
kauṭa-sākṣyam
falsches Zeugnis
suhṛd-vadhaḥ
Freundestötung
garhita-anādyayoḥ jagdhiḥ
Genuss von Verbotenem und Ungenießbarem
surā-pāna-samāni
dem Branntweintrinken gleich

ājya wohl für ādya (garhitānādyayor jagdhiḥ).

nikṣepasyāpaharaṇaṃ narāśvarajatasya ca / bhūmivajramaṇīnāñca rukmasteyasamaṃ smṛtaṃ //

Die Veruntreuung eines anvertrauten Pfandes und [der Raub] von Menschen, Pferden und Silber, von Land, Diamanten und Edelsteinen gilt als dem Golddiebstahl gleich.

Wort für Wort
nikṣepasya apaharaṇam
Veruntreuung eines Pfandes
nara-aśva-rajatasya
von Mensch, Pferd, Silber
bhūmi-vajra-maṇīnām
von Land, Diamanten, Edelsteinen
rukma-steya-samam
dem Golddiebstahl gleich

retaḥsekaḥ svayonyāṣu kumārīṣvantyajāsu ca / sakhyuḥ putrasya ca strīṣu gurutalpasamaṃ viduḥ //

Samenerguss bei Frauen desselben Schoßes, bei Jungfrauen und Frauen niedrigster Herkunft und bei den Frauen des Freundes und des Sohnes – das hält man dem Beflecken des Lehrerlagers gleich.

Wort für Wort
retaḥ-sekaḥ
Samenerguss
sva-yonyāsu
bei Frauen desselben Schoßes
kumārīṣu
bei Jungfrauen
antyajāsu
bei Frauen niedrigster Herkunft
sakhyuḥ putrasya strīṣu
bei den Frauen von Freund und Sohn
guru-talpa-samam
dem Lehrerlager gleich

gobadho 'yājya saṃyājyaṃ pāradāryātmavikriyaḥ / gurumātṛpitṛtyāgaḥ svādhyayāgnyoḥ sutasya ca //

Tötung einer Kuh, Opfern für Unwürdige, Ehebruch, Selbstverkauf, Verstoßen von Lehrer, Mutter und Vater, [Aufgeben] von Vedastudium, Feuern und Sohn,

Wort für Wort
go-vadhaḥ
Kuhtötung
ayājya-saṃyājyam
Opfern für Unwürdige
pāradāryam
Ehebruch
ātma-vikrayaḥ
Selbstverkauf
guru-mātṛ-pitṛ-tyāgaḥ
Verstoßen von Lehrer, Mutter, Vater
svādhyāya-agnyoḥ sutasya
von Vedastudium, Feuern, Sohn

Beginn der Liste der Nebensünden (upapātaka), die V. 37 abschließt.

parivittitānujena parivedanameva ca / tayordānañca kanyāyāstayoreva ca yājanaṃ //

das Heiraten des jüngeren Bruders vor dem älteren und das [Übergangenwerden] des älteren, die Vergabe eines Mädchens an diese beiden und das Opfern für diese beiden,

Wort für Wort
parivittitā
Übergangensein des Älteren
anujena
durch den Jüngeren
parivedanam
Heirat vor dem Älteren
kanyāyāḥ dānam
Vergabe eines Mädchens
yājanam
Opfern für jemanden

parivittitā ‚Zustand des übergangenen Älteren‘, parivedana ‚Heirat vor dem Älteren‘.

kanyāyā dūṣaṇañcaiva vārdhuṣyaṃ vratalopanaṃ / taḍāgārāmadārāṇāmapatyasya ca vikriyaḥ //

Schändung eines Mädchens, Wucher, Bruch eines Gelübdes, Verkauf von Teichen, Gärten, Ehefrauen und Kindern,

Wort für Wort
kanyāyāḥ dūṣaṇam
Schändung eines Mädchens
vārdhuṣyam
Wucher
vrata-lopanam
Gelübdebruch
taḍāga-ārāma-dārāṇām
von Teichen, Gärten, Ehefrauen
apatyasya vikrayaḥ
Verkauf von Kindern

vrātyatā bāndhavatyāgo bhṛtādhyāpanameva ca / bhṛtāccādhyayanādānamavikreyasya vikrayaḥ //

das Vrātya-Sein (Unterlassen der Einführung), Verstoßung der Verwandten, Lehren gegen Lohn, Lernen von einem bezahlten [Lehrer], Verkauf von Unverkäuflichem,

Wort für Wort
vrātyatā
Vrātya-Sein
bāndhava-tyāgaḥ
Verstoßung der Verwandten
bhṛta-adhyāpanam
Lehren gegen Lohn
bhṛtāt adhyayana-ādānam
Lernen von einem Bezahlten
avikreyasya vikrayaḥ
Verkauf von Unverkäuflichem

sarvākāreṣvadhīkāro mahāyantrapravartanaṃ / hiṃsauṣadhīnāṃ stryājīvaḥ kriyālaṅganameva ca //

Aufsicht über alle Bergwerke, Betreiben großer Maschinen, Schädigung von Heilpflanzen, Leben von Frauen und Übertretung der Riten,

Wort für Wort
sarva-ākareṣu adhikāraḥ
Aufsicht über alle Bergwerke
mahā-yantra-pravartanam
Betreiben großer Maschinen
hiṃsā oṣadhīnām
Schädigung von Heilpflanzen
strī-ājīvaḥ
Leben von Frauen
kriyā-laṅghanam
Übertretung der Riten

sarvākāreṣv adhīkāraḥ für sarvākareṣv adhikāraḥ.

indhanārthamaśuṣkāṇāṃ dumāṇāñcaiva pātanaṃ / yoṣitāṃ grahaṇañcaiva strīnindakasamāgamaḥ //

Fällen nicht-trockener Bäume als Brennholz, [unrechtmäßiges] Nehmen von Frauen und Umgang mit Frauenschmähern [?],

Wort für Wort
indhana-artham
als Brennholz
aśuṣkāṇām drumāṇām
nicht-trockener Bäume
pātanam
Fällen
yoṣitām grahaṇam
Nehmen von Frauen
strī-nindaka-samāgamaḥ
Umgang mit Frauenschmähern

dumāṇām für drumāṇām; zweiter Halbvers unsicher.

ātmārthañca kriyārambho ninditānnadanantathā / anāhitāgnitāsteyamṛṇānāñcānapakriyā //

Beginnen einer [Koch-]Handlung nur für sich selbst, Essen verbotener Speise, Nichtanlegen der heiligen Feuer, Diebstahl und Nichtbegleichen von Schulden,

Wort für Wort
ātma-artham kriyā-ārambhaḥ
Handeln nur für sich selbst
nindita-anna-adanam
Essen verbotener Speise
anāhita-agnitā
Nichtanlegen der Feuer
steyam
Diebstahl
ṛṇānām anapakriyā
Nichtbegleichen von Schulden

asacchāstrādhigamanaṃ dauḥśīlyaṃ vyasanakriyā / dhānyakupyapaśusteyaṃ madyapastrīniṣevaṇaṃ //

Studium falscher Lehrbücher, schlechter Lebenswandel, Hingabe an Laster, Diebstahl von Getreide, unedlem Metall und Vieh, Umgang mit trinkenden Frauen,

Wort für Wort
asat-śāstra-adhigamanam
Studium falscher Lehren
dauḥśīlyam
schlechter Wandel
vyasana-kriyā
Hingabe an Laster
dhānya-kupya-paśu-steyam
Diebstahl von Getreide, Metall, Vieh
madyapa-strī-niṣevaṇam
Umgang mit trinkenden Frauen

strīśūdraviṭkṣatrabadho nāstikyañcopapātakaṃ / brāhmaṇasya rujaḥ kṛtyaṃ ghrātiraghreyamadyayoḥ //

Tötung von Frau, Śūdra, Vaiśya und Kṣatriya und Gottesleugnung – [das ist] Nebensünde (upapātaka). Einem Brahmanen Schmerz zufügen, das Riechen an nicht zu Riechendem und an Branntwein,

Wort für Wort
strī-śūdra-viṭ-kṣatra-vadhaḥ
Tötung von Frau, Śūdra, Vaiśya, Kṣatriya
nāstikyam
Gottesleugnung
upapātakam
Nebensünde
brāhmaṇasya rujaḥ kṛtyam
einem Brahmanen Schmerz zufügen
ghrātiḥ aghreya-madyayoḥ
Riechen an Unriechbarem und Branntwein

jaiṃbhaṃ puṃsi ca maithunyaṃ jātibhraṃśakaraṃ smṛtaṃ / śvakharoṣṭramṛgendrāṇāmajāvyoś caiva māraṇaṃ //

Unredlichkeit und Beischlaf mit einem Mann – [das] gilt als kastenverlustbewirkend. Das Töten von Hund, Esel, Kamel, Löwe, Ziege und Schaf

Wort für Wort
jaihmyam
Unredlichkeit
puṃsi maithunyam
Beischlaf mit einem Mann
jāti-bhraṃśa-karam
kastenverlustbewirkend
śva-khara-uṣṭra-mṛgendrāṇām
von Hund, Esel, Kamel, Löwe
aja-avyoḥ māraṇam
Töten von Ziege und Schaf

jaiṃbham für jaihmyam.

saṅkīrṇakaraṇaṃ jñeyaṃ mīnāhinakulasya ca / ninditebhyo dhanādānaṃ bāṇijyaṃ śūdrasevanaṃ //

ist als ‚vermischungsbewirkend‘ (saṅkīrṇakaraṇa) zu kennen, ebenso [das Töten] von Fisch, Schlange und Mungo. Annahme von Geld von Verachteten, Handel, Dienst bei Śūdras

Wort für Wort
saṅkīrṇa-karaṇam
vermischungsbewirkend
mīna-ahi-nakulasya
von Fisch, Schlange, Mungo
ninditebhyaḥ dhana-ādānam
Geldannahme von Verachteten
vāṇijyam
Handel
śūdra-sevanam
Dienst bei Śūdras

apātrīkaraṇaṃ jñeyamasatyasya ca bhāṣaṇaṃ / kṛmikīṭavayohatyā madyānugatabhojanaṃ //

ist als ‚unwürdigmachend‘ (apātrīkaraṇa) zu kennen, und [ebenso] das Aussprechen von Unwahrheit. Tötung von Würmern, Insekten und Vögeln, Essen, das mit Rauschtrank in Berührung gekommen ist,

Wort für Wort
apātrī-karaṇam
unwürdigmachend
asatyasya bhāṣaṇam
Aussprechen von Unwahrheit
kṛmi-kīṭa-vayaḥ-hatyā
Tötung von Würmern, Insekten, Vögeln
madya-anugata-bhojanam
mit Rauschtrank vermischtes Essen

phalaidhaḥkusumasteyamadhair yañca malāvahaṃ //41 //

Diebstahl von Früchten, Brennholz und Blumen und Unbeständigkeit – [das ist] ‚befleckend‘ (malāvaha).

Wort für Wort
phala-edhaḥ-kusuma-steyam
Diebstahl von Früchten, Brennholz, Blumen
adhairyam
Unbeständigkeit
mala-āvaham
befleckend

Halbvers; adhair yañca für adhairyaṃ ca.

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