Agni beschreibt die Verehrung Viṣṇus als 'Mondhaus-Person', bei der jedem Mondhaus ein Körperteil Haris zugeordnet ist, sodann das Śāmbhavāyanīya-Gelübde in den nach Mondhäusern benannten Monaten mit Gebeten an Acyuta und schließlich das Ananta-Gelübde, durch das Yuvanāśva den Māndhātṛ als Sohn erhielt. Die Bezeichnung 'śāmbhavāyanīya' ist ungewöhnlich; kleinere Verschreibungen sind vermerkt.
Agni sprach: Ich werde das Mondhausgelübde erklären: In einem Mondhaus verehrt, gewährt Hari [erstrebte] Güter. Zuerst verehre man im Monat Caitra Hari als die 'Mondhaus-Person'.
Unter Mūla verehre man die Füße, unter Rohiṇī die Unterschenkel Haris; die Knie bei der Verbindung mit Aśvinī, unter den Āṣāḍhās die sogenannten Oberschenkel.
meḍhraṃ pūrvottarāsveva kaṭiṃ vai kṛttikāsu ca / pārśve bhādrapadābhyāntu kukṣiṃ vai revatīṣu ca //
Das Geschlechtsglied unter den Pūrva- und Uttara-[Phalgunī], die Hüfte unter den Kṛttikās; die Seiten unter den beiden Bhādrapadās, den Bauch unter den Revatīs.
Die Brüste unter den Anurādhās und den Rücken unter den Dhaniṣṭhās; die Arme sind unter den Viśākhās zu verehren; unter Punarvasu verehre man die Finger.
Unter den Aśleṣās verehre man die Nägel, den Hals verehre man unter den Jyeṣṭhās; die Ohren Viṣṇus unter Śravaṇa, den Mund Haris verehre man unter Puṣya.
Unter Svāti verehre man die Zahnspitzen, das Antlitz verehre man unter dem Mondhaus des Varuṇa [Anm.: Śatabhiṣaj]; unter den Maghās die Nase, die Augen unter Mṛgaśīrṣa, die Stirn
unter Citrā und unter Ārdrā die Haare. Am Ende des Jahres verehre man einen goldenen Hari auf einem mit Rohzucker gefüllten Krug; der Opferlohn [besteht aus] Lager, Kuh, Geld und anderem.
Viṣṇu als Mondhaus-Person ist zu verehren, als einer, dessen Wesen Śiva ist. Wer das Śāmbhavāyanīya-Gelübde hält, verehre Hari in dem Mondhaus des [jeweiligen] Monats,
Wort für Wort
nakṣatra-puruṣaḥ viṣṇuḥ
Viṣṇu als Mondhaus-Person
śiva-ātmakaḥ
von Śivas Wesen
śāmbhavāyanīya-vrata-kṛt
wer das Śāmbhavāyanīya-Gelübde hält
māsa-bhe
im Mondhaus des Monats
Die Bezeichnung śāmbhavāyanīya ist unsicher überliefert.
kārttike kṛttikāyāṃ ca mṛgaśīrṣe mṛgāsyake / nāmabhiḥ keśavādyaistu acyutāya namo 'pi vā //
[also] im Kārttika unter Kṛttikā, im Mārgaśīrṣa unter Mṛgaśiras, mit den Namen Keśava und den übrigen oder auch [mit dem Spruch] 'Acyutāya namaḥ' [Anm.: 'Verehrung dem Acyuta'].
[Man spreche:] 'Im Kārttika, am Tag des Mondhauses Kṛttikā, [verehre ich] Hari, der im Mondhaus des Monats steht; ich werde das Śāmbhavāyanīya-Gelübde vollziehen, das Genuss und Erlösung gewährt.
kārttikādau sakāsāramannaṃ māsacatuṣṭayaṃ / phālgunādau ca kuśaramāṣāḍhādau ca pāyasaṃ //
Vom Kārttika an vier Monate lang [bringe man] Speise mit Kāsāra-Gebäck dar, vom Phālguna an Kṛśara [Anm.: Reis mit Sesam bzw. Hülsenfrüchten] und vom Āṣāḍha an Milchreis.
Wort für Wort
kārttika-ādau
vom Kārttika an
sa-kāsāram annam
Speise mit Kāsāra-Gebäck
māsa-catuṣṭayam
vier Monate lang
kṛśaram
Kṛśara-Speise
pāyasam
Milchreis
sakāsāram: kāsāra wird als Süßgebäck gedeutet [?].
devāya brāhmaṇebhyaś ca naktannaivedyamāśayet / pañcagavyajalesnātastasyaiva prāśanācchuciḥ //
Dem Gott und den Brahmanen [bringe man] die Speisegabe dar und genieße sie in der Nacht; wer in Wasser mit den fünf Kuhprodukten gebadet hat, wird durch das Trinken eben davon rein.
Vor der Entlassung [der Gottheit] heißt alles Opfergut 'Speisegabe' [naivedya]; sobald der Herr der Welt entlassen ist, wird es augenblicklich zum 'Überbleibsel' [nirmālya].
namo namaste 'cyuta me kṣayostu pāpasya vṛddhiṃ samupaitu puṇyaṃ / aiśvaryavittādi sadākṣayaṃ me kṣayañca mā santatirabhyapaitu //
'Verehrung, Verehrung dir, Acyuta! Vernichtung möge meiner Sünde widerfahren, das Verdienst möge Wachstum erlangen; Herrschaft, Reichtum und anderes seien mir stets unvergänglich, und meine Nachkommenschaft möge nicht dem Untergang anheimfallen.
yathācyutastvamparataḥ parastāt sa brahmabhūtaḥ parataḥ parātman / tathācyutaṃ tvaṃ kuru vāñchitaṃ me mayā kṛtampāpaharāprameya //
Wie du, Acyuta, jenseits des Höheren und darüber hinaus bist, zum Brahman geworden, höchstes Selbst jenseits des Höchsten, so mache mein Ersehntes, das von mir Getane, unvergänglich, o Sündentilger, Unermesslicher!
Wort für Wort
yathā acyutaḥ tvam
wie du unvergänglich bist
parataḥ parastāt
jenseits des Höheren
brahma-bhūtaḥ
zum Brahman geworden
vāñchitam me
mein Ersehntes
pāpa-hara aprameya
Sündentilger, Unermesslicher
Syntax teilweise unklar; acyutaṃ hier prädikativ ('unvergänglich').
Wer sieben Jahre lang [so] verehrt, erlangt Genuss und Erlösung. Ich werde das Ananta-Gelübde erklären, das unter den Mondhausgelübden [erstrebte] Güter gewährt.
Wort für Wort
sapta varṣāṇi
sieben Jahre
sampūjya
verehrt habend
ananta-vratam
das Ananta-Gelübde
ākhyāsye
ich werde erklären
artha-dam
Güter gewährend
avāpunuyāt für avāpnuyāt; nakṣatravratake 'rthadaṃ.
yathābhilaṣitaprāptiṃ karotyakṣayameva ca / pādādi pūjya nakte tu bhuñjīyāttailavarjitaṃ //
und bewirkt die Erlangung des Gewünschten und Unvergängliches. Nachdem man [Ananta] von den Füßen an verehrt hat, esse man in der Nacht [Speise] ohne Öl.