Kapitel 17: sṛṣṭiviṣayakavarṇanam (jagatsargavarṇanam)
Beschreibung der Schöpfung (Beschreibung der Welterschaffung)
Das Kapitel beginnt die Schöpfungslehre: aus dem unentfalteten Brahman und der Erregung von Prakṛti und Puruṣa entstehen Mahat, die drei Arten des Ahaṅkāra, die Elemente und Sinne; dann folgen die Urwasser, die Deutung des Namens Nārāyaṇa, das goldene Weltei, Brahmās Schöpfung der Welt, der Veden und der sieben geistgeborenen Weisen sowie die Teilung in Mann und Frau. Im Quelltitel ist die Sprecherangabe „agniruvācca“ an den Kapiteltitel geraten (varnanam für varṇanam); Vers 1 hat daher keine eigene Sprecherangabe.
[Agni sprach:] Nun will ich die Spiele Viṣṇus verkünden, die Erschaffung der Welt und das Weitere; höre! Er, der den Himmel und das Übrige schafft [?], ist der Anfang der Schöpfung, der Anfang des Hervorbringens, mit Eigenschaften und ohne Eigenschaften.
Wort für Wort
jagat-sarga-ādikān krīḍān
die Spiele: Weltschöpfung usw.
vakṣye adhunā śṛṇu
ich will jetzt verkünden, höre
svarga-ādi-kṛt
Schöpfer des Himmels usw. [?]
sarga-ādiḥ sṛṣṭi-ādiḥ
Anfang der Schöpfung, Anfang des Erschaffens
sa-guṇaḥ aguṇaḥ
mit und ohne Eigenschaften
Die Sprecherangabe agnir uvāca ist in der Quelle in den Kapiteltitel geraten („agniruvācca“). svargādikṛt vielleicht für sargādikṛt „der die Schöpfung usw. bewirkt“; saguṇoguṇaḥ = saguṇo 'guṇaḥ.
Das unentfaltete Brahman war immer am Anfang; es gab keinen Raum, nicht Nacht und Tag und dergleichen. Viṣṇu drang in die Urmaterie (prakṛti) und den Geist (puruṣa) ein und versetzte sie darauf in Erregung.
svargakāle mahattattvamahaṅkārastato 'bhavat / vaikārikastaijasaś ca bhūtādiś caiva tāmasaḥ //
Zur Zeit der Schöpfung entstand das Große Prinzip (mahat-tattva), daraus der Ichmacher (ahaṅkāra): der vaikārika, der taijasa und der bhūtādi, welcher tāmasa ist.
Wort für Wort
sarga-kāle
zur Zeit der Schöpfung
mahat-tattvam
das Große Prinzip
ahaṅkāraḥ
der Ichmacher
vaikārikaḥ taijasaḥ
der umwandelnde (sattvische) und der feurige (rajasische)
bhūta-ādiḥ tāmasaḥ
der Ursprung der Elemente, der dunkle
svargakāle wohl für sargakāle „zur Zeit der Schöpfung“.
Aus dem Ahaṅkāra entstand dann der Raum (ākāśa), der nur Laut (śabda-mātra) ist; daraus der Wind, der nur Berührung ist; daraus das Feuer, das nur Gestalt ist;
rasamātrā āpa ito gandhamātrā mahī smṛtā / ahaṅkārāttāmasāttu taijasānīndriyāṇi ca //
daraus die Wasser, die nur Geschmack sind; die Erde gilt als nur Geruch. [Diese stammen] aus dem tāmasa-Ahaṅkāra; aus dem taijasa aber die Sinnesorgane,
aus dem vaikārika die zehn Gottheiten [Anm.: der Sinne]; der Geist (manas) ist das elfte Sinnesorgan. Dann schuf der selbstentstandene Erhabene, begierig, vielfältige Geschöpfe hervorzubringen,
In ihm wurde Brahmā selbst geboren – daher „der Selbstentstandene“, so haben wir gehört. Nachdem der erhabene Hiraṇyagarbha ein Jahr [darin] geweilt hatte,
apsu pāriplavāṃ pṛthivīṃ diśaś ca daśadhā dadhe / tatra kālaṃ mano vācaṃ kāmaṃ krodhamatho ratim //
Die auf den Wassern schwimmende Erde und die Himmelsrichtungen setzte er in zehnfacher [Teilung] fest. Darin [schuf er] Zeit, Geist, Rede, Begierde, Zorn und Liebeslust (rati);
sasarja sṛṣṭintadrūpāṃ sraṣṭumicchan prajāpatiḥ / vidyutośanimeghāṃś ca rohitendradhanūṃṣi ca //
diese Schöpfung von solcher Gestalt schuf Prajāpati, da er [Wesen] erschaffen wollte; [ferner] Blitze, Donnerkeile und Wolken, rote Himmelserscheinungen [?] und Regenbogen
Wort für Wort
sasarja sṛṣṭim tat-rūpām
schuf die Schöpfung solcher Gestalt
sraṣṭum icchan prajāpatiḥ
Prajāpati, erschaffen wollend
vidyutaḥ aśani-meghān
Blitze, Donnerkeile, Wolken
rohita-indra-dhanūṃṣi
rote Erscheinungen und Regenbogen
vidyutośani = vidyuto 'śani-; rohita hier wohl eine rötliche Himmelserscheinung (Nebensonne/Regenbogenart).
und die Vögel schuf er zuerst, dann Parjanya [Anm.: den Regengott]. Aus seinem Mund bildete er die Ṛc-Verse, die Yajus-Sprüche und die Sāman-Gesänge zum Gelingen des Opfers.
Mit ihnen opferten die Sādhyas den Göttern. Aus seinem Arm [schuf er] die hohen und niederen Wesen. Sanatkumāra und den aus Zorn entstandenen Rudra schuf er.
saptaite janayanti sma prajā rudrāś ca sattama / dvidhā kṛtvātmano dehamardhena puruṣo 'bhavat / ardhena nārī tasyāṃ sa brahmā vai cāsṛjat prajāḥ //
Diese sieben brachten Geschöpfe hervor, und ebenso die Rudras, o Bester. Er teilte seinen eigenen Körper in zwei; mit der einen Hälfte wurde er Mann, mit der anderen Frau; in ihr erzeugte Brahmā Geschöpfe.