Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 240: sāmādiḥ Die Mittel der Politik: Versöhnung und die übrigen

Rāma behandelt die Beratung (ihre fünf Glieder und Gefährdungen), die Arten der Gesandten und Späher, die Notlagen (vyasana) der sieben Staatsglieder und die Laster des Königs, die Anlage des Heerlagers sowie die sieben Mittel der Politik: Versöhnung, Geschenk, Entzweiung, Gewalt, Nichtbeachtung, Gaukelwerk und Täuschung. Die Digitalisierung enthält zahlreiche Tippfehler und einige verderbte Stellen (bes. V. 29–33, 38, 52); der Kapiteltitel lautet in der Überschrift ‚samādiḥ‘, im Kolophon ‚sāmādiḥ‘.

rāma uvāca | prabhavotsāhaśaktibhyāṃ mantraśaktiḥ praśasyate / prabhāvotsāhavān kāvyo jito devapurodhasā //

Rāma sprach: Über die Macht der Herrschergewalt und der Tatkraft wird die Macht der Beratung gepriesen: Kāvya [Anm.: Śukra], der Herrschergewalt und Tatkraft besaß, wurde vom Hauspriester der Götter [Anm.: Bṛhaspati] besiegt.

Wort für Wort
prabhāva-utsāha-śakti
Macht der Herrschergewalt und der Tatkraft
mantra-śakti
Macht der Beratung
praśasyate
wird gepriesen
kāvya
Kāvya (Śukra)
deva-purodhas
Hauspriester der Götter

prabhava steht für prabhāva.

mantrayeteha kāryāṇi nānāptair nāvipaścitā / aśakyārambhavṛttīnāṃ kutaḥ kleśādṛte phalaṃ //

Man soll hier die Angelegenheiten beraten – nicht mit Unzuverlässigen, nicht mit einem Unkundigen. Woher käme denen, die sich an Unmögliches machen, eine Frucht außer Mühsal?

Wort für Wort
mantrayeta
man soll beraten
anāpta
unzuverlässig
avipaścit
unkundig
aśakya-ārambha
Beginn von Unmöglichem
kleśāt ṛte
außer Mühsal

avijñātasya vijñānaṃ vijñātasya ca niś cayaḥ / arthadvaidhasya sandehacchedanaṃ śeṣadarśanaṃ //

Erkenntnis des Unerkannten, Gewissheit über das Erkannte, Beseitigung des Zweifels bei einer zwiespältigen Sache, Erkennen des Übrigen (sind die Leistungen der Beratung).

Wort für Wort
avijñāta
das Unerkannte
niścaya
Gewissheit
artha-dvaidha
zwiespältige Sache
sandeha-chedana
Beseitigung des Zweifels
śeṣa-darśana
Erkennen des Übrigen

sahāyāḥ sādhanopāyā vibhāgo deśakālayoḥ / vipatteś ca pratīkāraḥ pañcāṅgo mantra iṣyate //

Gehilfen, Mittel der Durchführung, Einteilung von Ort und Zeit und Abwehr des Misslingens – (so) gilt die Beratung als fünfgliedrig.

Wort für Wort
sahāya
Gehilfe
sādhana-upāya
Mittel der Durchführung
deśa-kāla-vibhāga
Einteilung von Ort und Zeit
vipatti-pratīkāra
Abwehr des Misslingens
pañcāṅga mantra
fünfgliedrige Beratung

manaḥprasādaḥ śraddhā ca tathā karaṇapāṭavaṃ / sahāyotthānasampacca karmaṇāṃ siddhilakṣaṇaṃ //

Heiterkeit des Geistes, Zuversicht, ebenso Tüchtigkeit der Werkzeuge, Fülle an Gehilfen und an Tatbereitschaft – das ist das Kennzeichen des Gelingens der Unternehmungen.

Wort für Wort
manaḥ-prasāda
Heiterkeit des Geistes
śraddhā
Zuversicht
karaṇa-pāṭava
Tüchtigkeit der Werkzeuge
sahāya-utthāna-sampad
Fülle an Gehilfen und Tatbereitschaft
siddhi-lakṣaṇa
Kennzeichen des Gelingens

madaḥ pramādaḥ kāmaś ca suptapralapitāni ca / bhindanti mantraṃ pracchannāḥ kāminyo ramatāntathā //

Rausch, Unachtsamkeit, Liebesverlangen und Reden im Schlaf verraten die Beratung, ebenso versteckte Geliebte der sich Vergnügenden [?].

Wort für Wort
mada
Rausch
pramāda
Unachtsamkeit
supta-pralapita
Reden im Schlaf
bhindanti mantram
verraten die Beratung
pracchanna
versteckt
kāminī
Geliebte

ramatāṃ unsicher (Gen. Pl. ‚der sich Vergnügenden‘?).

pragalbhaḥ smṛtimānvāgmīśastre śāstre ca niṣṭhitaḥ / abhyastakarmā nṛpaterdūto bhaviturmarhati //

Selbstsicher, mit gutem Gedächtnis, beredt, in Waffenkunst und Lehrwissen gefestigt, in den Geschäften geübt – (ein solcher) verdient es, Gesandter des Königs zu sein.

Wort für Wort
smṛtimat
mit gutem Gedächtnis
śastre śāstre ca niṣṭhita
in Waffe und Lehre gefestigt
abhyasta-karman
in Geschäften geübt
dūta
Gesandter
bhavitum arhati
verdient zu sein

bhaviturmarhati für bhavitum arhati.

nisṛṣṭārtho mitārthaś ca tathā śāsanahārakaḥ / sāmarthyāt pādato hīno dūtastu trividhaḥ smṛtaḥ //

Der Bevollmächtigte, der mit begrenztem Auftrag und ebenso der Überbringer von Schreiben – jeweils um ein Viertel an Befähigung geringer: so gilt der Gesandte als dreifach.

Wort für Wort
nisṛṣṭa-artha
mit voller Vollmacht
mita-artha
mit begrenztem Auftrag
śāsana-hāraka
Überbringer von Schreiben
pādataḥ hīna
um ein Viertel geringer
trividha
dreifach

nāvijñātaṃ puraṃ śatroḥ praviśecca na śaṃsadaṃ / kālamīkṣeta kāryārthamanujñātaś ca niṣpatet //

Er soll die Stadt des Feindes nicht unangemeldet betreten, auch nicht die Versammlung; er soll den rechten Zeitpunkt für seine Sache abwarten und, (erst) entlassen, hinausgehen.

Wort für Wort
avijñāta
unangemeldet
saṃsad
Versammlung, Hof
kālam īkṣeta
er soll den Zeitpunkt abwarten
anujñāta
entlassen, beurlaubt
niṣpatet
er soll hinausgehen

śaṃsadaṃ für saṃsadam.

chidrañca śatrorjānīyāt koṣamitrabalāni ca / rāgāparāgau jānīyād dṛṣṭigātraviceṣṭitaiḥ //

Er soll die Schwachstellen des Feindes kennen, (dessen) Schatz, Freunde und Heer; Zuneigung und Abneigung soll er an Blicken, Körperhaltung und Gebärden erkennen.

Wort für Wort
chidra
Schwachstelle, Blöße
koṣa-mitra-bala
Schatz, Freunde, Heer
rāga-aparāga
Zuneigung und Abneigung
dṛṣṭi-gātra-viceṣṭita
Blick, Glieder, Gebärden

kuryāccaturvidhaṃ stortraṃ pakṣayorubhayorapi / tapasvivyañjanopetaiḥ sucaraiḥ saha saṃvaset //

Er soll ein vierfaches Lob für beide Seiten verfassen; mit guten Spähern, die das Aussehen von Asketen angenommen haben, soll er Umgang pflegen.

Wort für Wort
caturvidha stotra
vierfaches Lob
pakṣayoḥ ubhayoḥ
beider Seiten
tapasvi-vyañjana
Asketenverkleidung
sucara
guter Späher
saṃvaset
er soll zusammen leben

stortraṃ ist Tippfehler für stotraṃ.

caraḥ prakāśo dūtaḥ syādaprakāśaś caro dvidhā / baṇik kṛṣībalo liṅgī bhikṣukādyātmakāś carāḥ //

Der offene Späher ist der Gesandte, der verdeckte ist der Kundschafter – so ist der Späher zweifach. Händler, Bauer, Sektenzeichenträger, Bettler usw. sind die Gestalten der Kundschafter.

Wort für Wort
cara
Späher
prakāśa
offen
aprakāśa
verdeckt
liṅgin
Träger eines Sektenzeichens
bhikṣuka
Bettler, Bettelmönch

baṇik für vaṇik; kṛṣībala für kṛṣīvala.

yāyādariṃ vyasaninaṃ niṣphale dūtaceṣṭite / prakṛtavyasanaṃ yatsyāttat samīkṣya samutpatet //

Er soll gegen einen in Not geratenen Feind ziehen, wenn die Bemühung des Gesandten fruchtlos bleibt; welche Notlage eines Staatsglieds besteht, die soll er ins Auge fassen und dann losbrechen.

Wort für Wort
yāyāt
er soll ziehen
vyasanin
in Not geraten
dūta-ceṣṭita
Bemühung des Gesandten
prakṛti-vyasana
Notlage eines Staatsglieds
samutpatet
er soll losbrechen

prakṛtavyasanaṃ wohl für prakṛtivyasanaṃ.

anayādvyasyati śreyastasmāttadvyasanaṃ smṛtaṃ / hutāśano jalaṃ vyādhirdurbhikṣaṃ marakaṃ tathā //

Weil es infolge schlechter Politik das Heil hinwegwirft, darum heißt es ‚Notlage‘ (vyasana). Feuer, Wasser, Krankheit, Hungersnot und ebenso Seuche –

Wort für Wort
anayāt
infolge schlechter Politik
vyasyati
wirft weg
śreyas
Heil
hutāśana
Feuer
maraka
Seuche

Etymologische Deutung von vyasana aus vi-as ‚wegwerfen‘.

iti pañcavidhaṃ daivaṃ vyasanaṃ mānuṣaṃ paraṃ / daivaṃ puruṣakāreṇa śāntyā ca praśamannayet //

so ist die vom Schicksal verursachte Notlage fünffach; die menschliche ist eine andere. Die schicksalhafte soll man durch menschliche Anstrengung und Beschwichtigungsriten zur Ruhe bringen.

Wort für Wort
daiva
schicksalhaft, göttlich
mānuṣa
menschlich
puruṣa-kāra
menschliche Anstrengung
śānti
Beschwichtigungsritus
praśamaṃ nayet
er soll zur Ruhe bringen

utthāpitena nītyā ca mānuṣaṃ vyasanaṃ haret / mantro mantraphalāvāptiḥ kāryānuṣṭhānamāyatiḥ //

Durch Tatbereitschaft und kluge Politik soll man die menschliche Notlage beseitigen. Beratung, Erlangung der Frucht der Beratung, Ausführung der Aufgaben, Vorsorge für die Zukunft,

Wort für Wort
utthāpita
Tatbereitschaft, Anstrengung
nīti
kluge Politik
mantra-phala-avāpti
Erlangung der Frucht der Beratung
kārya-anuṣṭhāna
Ausführung der Aufgaben
āyati
Zukunft

āyavyayau daṇḍanītiramitrapratiṣedhanaṃ / vyasanasya pratīkāro rājyarājābhirakṣaṇaṃ //

Einnahmen und Ausgaben, Strafpolitik, Abwehr der Feinde, Abhilfe bei Notlagen, Schutz des Reiches und des Königs –

Wort für Wort
āya-vyaya
Einnahme und Ausgabe
daṇḍa-nīti
Strafpolitik
amitra-pratiṣedhana
Abwehr der Feinde
vyasana-pratīkāra
Abhilfe bei Notlagen
rājya-rāja-abhirakṣaṇa
Schutz von Reich und König

ityamātyasya karmedaṃ hanti savyasanānvitaḥ / hiraṇyadhānyavastrāṇi vāhanaṃ prajayā bhavet //

dies ist die Aufgabe des Ministers; ein in Not geratener (Minister) vernichtet sie. Gold, Getreide, Kleider und Fahrzeuge sollen durch das Volk entstehen,

Wort für Wort
amātyasya karman
Aufgabe des Ministers
hanti
vernichtet
sa-vyasana-anvita
in Not geraten
hiraṇya-dhānya-vastra
Gold, Getreide, Kleider
prajayā
durch das Volk

tathānye dravyanicayā danti savyasanā prajā / prajānāmāpadisthānāṃ rakṣaṇaṃ koṣadaṇḍayoḥ //

ebenso andere Anhäufungen von Gütern; ein in Not geratenes Volk vernichtet sie. Schutz der in Not befindlichen Untertanen sowie von Schatz und Heer –

Wort für Wort
dravya-nicaya
Anhäufung von Gütern
sa-vyasanā prajā
in Not geratenes Volk
āpadi-stha
in Not befindlich
rakṣaṇa
Schutz
koṣa-daṇḍa
Schatz und Heer

danti für hanti.

paurādyāścopakurvanti saṃśrayādiha durdinaṃ / tūṣṇīṃ yuddhaṃ janatrāṇaṃ mitrāmitraparigrahaḥ //

die Städter und andere leisten hier in schlimmer Zeit Hilfe, indem sie Zuflucht (finden); verdeckter Kampf, Schutz der Leute, Aufnahme von Freund und Feind,

Wort für Wort
paura
Städter
upakurvanti
leisten Hilfe
saṃśraya
Zuflucht
durdina
schlimme Zeit
tūṣṇīṃ yuddha
verdeckter Kampf
jana-trāṇa
Schutz der Leute

V. 19b–21a beschreiben offenbar die Leistungen der Festung, die jedoch nicht ausdrücklich genannt wird.

sāmantādi kṛte doṣe naśyettadvyasanācca tat / bhṛtyānāṃ bharaṇaṃ dānaṃ prajāmitraparigrahaḥ //

(Abwehr,) wenn Grenzfürsten und andere Schaden angerichtet haben – das geht durch die Notlage dieses (Glieds) [Anm.: wohl der Festung] zugrunde. Unterhalt der Diener, Geschenke, Gewinnung von Untertanen und Freunden,

Wort für Wort
sāmanta-ādi
Grenzfürsten usw.
kṛte doṣe
wenn Schaden angerichtet ist
naśyet
geht zugrunde
bhṛtyānāṃ bharaṇa
Unterhalt der Diener
prajā-mitra-parigraha
Gewinnung von Untertanen und Freunden

dharmakāmādibhedaś ca durgasaṃskārabhūṣaṇaṃ / koṣāttadvyasanāddhanti koṣamūlo hi bhūpatiḥ //

die Verwirklichung von Dharma, Kāma und dem Übrigen, Ausbau und Schmuck der Festung – (dies kommt) aus dem Schatz; durch dessen Notlage vernichtet (der König dies), denn der Landesherr hat den Schatz zur Wurzel.

Wort für Wort
dharma-kāma-ādi
Dharma, Kāma usw.
durga-saṃskāra
Ausbau der Festung
bhūṣaṇa
Schmuck
koṣa-mūla
den Schatz zur Wurzel habend
bhūpati
Landesherr

dharmakāmādibhedaḥ unsicher (‚die Arten/Verwirklichung von Dharma, Kāma usw.‘).

mitrāmitrāvanīhemasādhanaṃ ripumardanaṃ / dūrakāryāśukāritvaṃ daṇḍāttadvyasanāddharet //

Gewinnung von Freunden, von feindlichem Land und von Gold, Zermalmen der Feinde, rasches Ausführen ferner Aufgaben – (dies kommt) aus dem Heer; durch dessen Notlage würde er (es) verlieren.

Wort für Wort
mitra-amitra-avanī-hema-sādhana
Gewinnung von Freund(esland), Feindesland und Gold
ripu-mardana
Zermalmen der Feinde
dūra-kārya
ferne Aufgabe
āśu-kāritva
rasches Ausführen
daṇḍa
Heer

sastambhayati mitrāṇi amitraṃ nāśayatyapi / dhanādyair upakāritvaṃ mitrāttadvyasanāddharet //

Er (der Verbündete) stützt die (übrigen) Freunde und vernichtet auch den Feind; Hilfe mit Geld und anderem – (dies kommt) vom Freund; durch dessen Notlage würde er (es) verlieren.

Wort für Wort
saṃstambhayati
stützt
nāśayati
vernichtet
dhana-ādyaiḥ
mit Geld usw.
upakāritva
Hilfeleistung
mitra
Verbündeter

sastambhayati wohl für saṃstambhayati ‚stützt‘.

rājā savyasanī hanyādrājakāryāṇi yāni ca / vāgdaṇḍayoś ca pāruṣyamarthadūṣaṇameva ca //

Ein König in Notlage würde die Königsgeschäfte, welche es auch seien, zunichtemachen. Rohheit in Wort und Strafe sowie Schädigung des Vermögens,

Wort für Wort
rājā sa-vyasanī
ein König in Notlage
rāja-kārya
Königsgeschäft
vāk-daṇḍa-pāruṣya
Rohheit in Wort und Strafe
artha-dūṣaṇa
Schädigung des Vermögens

pānaṃ strī mṛgayā dyūtaṃ vyasanāni mahīpateḥ / ālasyaṃ stabdhatā darpaḥ pramādo dvaidhakāritā //

Trunk, Frauen, Jagd und Würfelspiel – (das sind) die Laster des Landesherrn. Trägheit, Starrsinn, Hochmut, Unachtsamkeit, Zwiespältigkeit

Wort für Wort
pāna
Trunk
mṛgayā
Jagd
dyūta
Würfelspiel
ālasya
Trägheit
dvaidha-kāritā
Zwiespältigkeit

iti pūrvopadiṣṭañca sacivavyasanaṃ smṛtaṃ / anāvṛṣṭiś ca pīḍādau rāṣṭravyasanamucyate //

und das zuvor Gelehrte – (dies) gilt als Notlage des Ministers. Ausbleibender Regen, Bedrückung und dergleichen heißen Notlage des Landes.

Wort für Wort
pūrva-upadiṣṭa
zuvor gelehrt
saciva-vyasana
Notlage des Ministers
anāvṛṣṭi
ausbleibender Regen
pīḍā
Bedrückung
rāṣṭra-vyasana
Notlage des Landes

viśīrṇayantraprākāraparikhātvamaśastratā / kṣīṇayā senayā naddhaṃ durgavyasanamucyate //

Verfallene Maschinen, Wälle und Gräben, Mangel an Waffen, (nur) mit geschwächter Truppe besetzt – das heißt Notlage der Festung.

Wort für Wort
viśīrṇa
verfallen
yantra
Maschine, Geschütz
prākāra-parikhā
Wall und Graben
aśastratā
Waffenmangel
kṣīṇa senā
geschwächte Truppe

vyayīkṛtaḥ parikṣipto 'prajito 'sañcitas tathā / daṣito darasaṃsthaś ca koṣavyasanamucyate //

Verausgabt, verstreut, nicht erworben, nicht angesammelt, verdorben und fern gelagert – das heißt Notlage des Schatzes.

Wort für Wort
vyayīkṛta
verausgabt
parikṣipta
verstreut
asañcita
nicht angesammelt
dūṣita
verdorben [konj.]
dūra-saṃstha
fern gelagert [konj.]

aprajito, daṣito, darasaṃsthaḥ sind entstellt; gelesen etwa als arjitaḥ (verneint), dūṣitaḥ, dūrasaṃsthaḥ [?].

uparuddhaṃ parikṣiptamamānitavimānitaṃ / abhūtaṃ vyādhitaṃ śrāntaṃ dūrāyātannavāgataṃ //

(Ein Heer,) das eingeschlossen, umzingelt, nicht geehrt und missachtet, unbesoldet, krank, erschöpft, von fern gekommen, neu angekommen,

Wort für Wort
uparuddha
eingeschlossen
amānita-vimānita
nicht geehrt und missachtet
abhṛta
unbesoldet [konj.]
vyādhita
krank
śrānta
erschöpft
nava-āgata
neu angekommen

abhūtaṃ wohl für abhṛtaṃ ‚unbesoldet‘; dūrāyātannavāgataṃ = dūrāyātaṃ navāgataṃ.

parikṣīṇaṃ pratihataṃ prahatāgratarantathā / āśānirvedabhūyiṣṭhamanṛtaprāptameva ca //

aufgerieben, zurückgeschlagen, dessen Vorhut geschlagen ist, überwiegend enttäuscht in seinen Hoffnungen und verdrossen, und zur Unzeit angelangt [?],

Wort für Wort
parikṣīṇa
aufgerieben
pratihata
zurückgeschlagen
prahata-agra
mit geschlagener Vorhut
āśā-nirveda
enttäuschte Hoffnung, Verdrossenheit
anṛtu-prāpta
zur Unzeit gekommen [konj.]

anṛtaprāptam vielleicht für anṛtuprāptam ‚zur unrechten Jahreszeit gekommen‘.

kalatragarbhannikṣiptamantaḥśalpaṃ tathaiva ca / vicchinnavīvadhāsāraṃ śūnyamūlaṃ tathaiva ca //

mit Frauen und Kindern beladen, ebenso mit einem Dorn im Inneren, mit abgeschnittenem Nachschub und Hilfstruppen, ebenso mit leerer Ausgangsbasis,

Wort für Wort
kalatra-garbha
Frauen (und Kinder) mit sich führend
antaḥ-śalya
mit innerem Dorn (Verräter)
vīvadha
Nachschub
āsāra
Hilfstruppe
śūnya-mūla
mit leerer Basis

antaḥśalpaṃ für antaḥśalyam.

asvāmyasaṃhataṃ vāpi bhinnakūṭaṃ tathaiva ca / duṣpārṣṇigrāhamarthañca balavyasanamucyate //

ohne Herrn und uneinig oder mit gespaltener Führung, mit bösem Rückenfeind und … [?] – das heißt Notlage des Heeres.

Wort für Wort
asvāmin
ohne Herrn
asaṃhata
uneinig
bhinna-kūṭa
mit gespaltener Führung
duṣ-pārṣṇigrāha
mit bösem Rückenfeind
bala-vyasana
Notlage des Heeres

asvāmyasaṃhataṃ = asvāmi-asaṃhatam; ‚arthañca‘ ist unklar (evtl. für andhaṃ ca ‚ohne Führer‘).

daivopapīḍitaṃ mitraṃ grastaṃ śatrubalena ca / kāmakrodhādisaṃyuktamutsāhādaribhirbhavet //

Ein Verbündeter, der vom Schicksal bedrängt, vom feindlichen Heer ergriffen oder mit Begierde, Zorn usw. behaftet ist – (seine Notlage) entsteht (auch) durch den Eifer der Feinde.

Wort für Wort
daiva-upapīḍita
vom Schicksal bedrängt
grasta
ergriffen
śatru-bala
feindliches Heer
kāma-krodha-ādi
Begierde, Zorn usw.
utsāhāt aribhiḥ
durch den Eifer der Feinde

arthasya dūṣaṇaṃ krodhāt pāruṣyaṃ vākyadaṇḍayoḥ / kāmajaṃ mṛgayā dyūtaṃ vyasanaṃ pānakaṃ striyaḥ //

Aus Zorn (entstehen) Schädigung des Vermögens und Rohheit in Wort und Strafe; aus Begierde entstehen die Laster Jagd, Würfelspiel, Trunk und Frauen.

Wort für Wort
krodhāt
aus Zorn
pāruṣya
Rohheit
vākya-daṇḍa
Wort und Strafe
kāma-ja
aus Begierde entstanden
pānaka
Trunk

vākpāruṣyaṃ paraṃ loke udvejanamanarthakaṃ / asiddhasādhanaṃ daṇḍastaṃ yuktyānayennṛpaḥ //

Rohheit der Rede ist in der Welt das Äußerste an Erregung von Abscheu und bringt keinen Nutzen. Die Strafe ist das Mittel, das Unerreichte zu erreichen; der König soll sie mit Bedacht anwenden.

Wort für Wort
vāk-pāruṣya
Rohheit der Rede
udvejana
Abschreckung, Verstörung
anarthaka
nutzlos
asiddha-sādhana
Mittel zum Erreichen des Unerreichten
yuktyā
mit Bedacht

udvejayati bhūtāni daṇḍapāruṣyavān nṛpaḥ / bhūtānyudvejyamānāni dviṣatāṃ yānti saṃśrayaṃ //

Ein König, der grausame Strafen verhängt, verstört die Wesen; die verstörten Wesen suchen Zuflucht bei den Feinden.

Wort für Wort
udvejayati
verstört
daṇḍa-pāruṣyavat
grausam strafend
dviṣatām
der Feinde
saṃśraya
Zuflucht

vivṛddhāḥ śatravaś caiva vināśāya bhavanti te / dūṣyasya dūṣaṇārthañca parityāgo mahīyasaḥ //

Die (so) erstarkten Feinde gereichen ihm zum Verderben. Das Preisgeben eines sehr großen Vermögens, um einen Schuldigen zu belasten [?],

Wort für Wort
vivṛddha
erstarkt
vināśāya bhavanti
gereichen zum Verderben
dūṣya
Schuldiger, zu Belastender
parityāga
Preisgeben
mahīyas
sehr groß

Sinn von dūṣyasya dūṣaṇārtham unsicher.

arthasya nītitattvajñair arthadūṣaṇamucyate / pānāt kāryādino jñānaṃ mṛgayāto 'ritaḥ kṣayaḥ //

wird von den Kennern der Politik ‚Schädigung des Vermögens‘ genannt. Aus dem Trunk (entsteht) Unkenntnis der Pflichten usw., aus der Jagd Untergang durch Feinde.

Wort für Wort
nīti-tattva-jña
Kenner des Wesens der Politik
artha-dūṣaṇa
Vermögensschädigung
pānāt
aus dem Trunk
mṛgayātaḥ
aus der Jagd
aritaḥ kṣaya
Untergang durch Feinde

kāryādino jñānaṃ wohl als kāryādi-no-jñānam ‚Nichtwissen der Pflichten usw.‘ zu verstehen.

jitaśramārthaṃ mṛgayāṃ vicaredrakṣite vane / dharmārthaprāṇamāśādi dyūte syāt kalahādikaṃ //

Um der Übung gegen Ermüdung willen soll er in einem geschützten Wald jagen. Beim Würfelspiel (drohen Verlust von) Dharma, Vermögen, Leben usw. und Streit und dergleichen.

Wort für Wort
jita-śrama-artham
zur Überwindung der Ermüdung
vicaret
er soll umherziehen
rakṣite vane
im geschützten Wald
prāṇa-nāśa
Verlust des Lebens
kalaha
Streit

prāṇamāśādi für prāṇanāśādi.

kālātipāto dharmārthapī.rā strīvyasanādbhavet / pānadoṣāt prāṇanāśaḥ kāryākāryāviniś cayaḥ //

Aus dem Frauenlaster entstehen Versäumen der rechten Zeit und Beeinträchtigung von Dharma und Artha; aus dem Übel des Trunks Verlust des Lebens und Unentschiedenheit über Tun und Lassen.

Wort für Wort
kāla-atipāta
Versäumen der Zeit
dharma-artha-pīḍā
Beeinträchtigung von Dharma und Artha
strī-vyasana
Frauenlaster
pāna-doṣa
Übel des Trunks
kārya-akārya-aviniścaya
Unentschiedenheit über Tun und Lassen

pī.rā ist Digitalisierungsfehler für pīḍā.

skandhāvāraniveśajño nimittajño ripuṃ jayet / skandhāvārasya madhye tu sakoṣaṃ nṛpatergṛhaṃ //

Wer die Anlage des Heerlagers versteht und die Vorzeichen kennt, besiegt den Feind. In der Mitte des Heerlagers aber (liege) das Haus des Königs samt dem Schatz.

Wort für Wort
skandhāvāra
Heerlager
niveśa-jña
die Anlage verstehend
nimitta-jña
die Vorzeichen kennend
madhye
in der Mitte
sa-koṣa
samt Schatz

maulībhūtaṃ śreṇisuhṛddviṣadāṭavikaṃ balaṃ / rājaharmyaṃ samāvṛtya krameṇa viniveśayet //

Das Stammheer, (die Truppen) der Gilden, der Verbündeten, der (übergelaufenen) Feinde und der Waldstämme soll er der Reihe nach rings um den Königspalast lagern lassen.

Wort für Wort
maula
Stammheer
śreṇi
Gilde
suhṛd
Verbündeter
dviṣat
Feind
āṭavika
Waldstamm
viniveśayet
er soll lagern lassen

sainyaikadeśaḥ sannaddhaḥ senāpatipuraḥsaraḥ / paribhrameccatvarāṃś ca maṇḍalena vahir niśi //

Ein Teil des Heeres soll gerüstet, mit dem Heerführer an der Spitze, nachts außen im Kreis die Plätze abgehen.

Wort für Wort
sainya-eka-deśa
Teil des Heeres
sannaddha
gerüstet
senāpati-puraḥsara
mit dem Heerführer voran
catvara
Platz, Wegkreuzung
maṇḍalena
im Kreis

vahir für bahir.

vārtāḥ svakā vijānīyāddarasīmāntacāriṇaḥ / nirgacchet praviśeccaiva sarva evopalakṣitaḥ //

Die Nachrichten über die eigenen Leute soll er von denen erfahren, die an den fernen Grenzen umherstreifen. Hinausgehen und hereinkommen soll jeder nur unter Kontrolle.

Wort für Wort
vārtā
Nachricht
dūra-sīmānta-cārin
an den fernen Grenzen streifend
nirgacchet
er soll hinausgehen
praviśet
er soll hereinkommen
upalakṣita
gekennzeichnet, kontrolliert

darasīmānta für dūrasīmānta.

sāmadānaṃ ca bhedaś ca daṇḍopekṣendrajālakaṃ / māyopāyāḥ sapta pare nikṣipetsādhanāya tān //

Versöhnung, Geschenk, Entzweiung, Gewalt, Nichtbeachtung, Gaukelwerk und Täuschung – diese sieben Mittel soll er gegen die Feinde zur Erreichung (seiner Ziele) einsetzen.

Wort für Wort
sāman
Versöhnung
dāna
Geschenk
bheda
Entzweiung
daṇḍa
Gewalt, Strafe
upekṣā
Nichtbeachtung
indrajāla
Gaukelwerk
māyā
Täuschung

caturvidhaṃ smṛtaṃ sāma upakārānukīrtanāt / mithaḥsambanhdakathanaṃ mṛdupūrvaṃ ca bhāṣaṇaṃ //

Vierfach gilt die Versöhnung: Aufzählen erwiesener Wohltaten, Erwähnen gegenseitiger Verbindung, sanftes Reden

Wort für Wort
upakāra-anukīrtana
Aufzählen der Wohltaten
mithaḥ-sambandha-kathana
Erwähnen gegenseitiger Verbindung
mṛdu-pūrvaṃ bhāṣaṇa
sanftes Reden
caturvidha
vierfach

āyāte darśanaṃ vācā tavāhamiti cārpaṇaṃ / yaḥ samprāptadhanotsarga uttamādhamamadhyamaḥ //

und, wenn (der andere) gekommen ist, (Gewährung der) Begegnung sowie mit Worten ‚Ich bin dein‘ die Selbstanheimgabe. Die Hingabe von erlangtem Gut an Höhere, Niedrigere und Gleichgestellte (ist Geschenk):

Wort für Wort
āyāte darśana
Begegnung beim Kommen
tava aham
ich bin dein
arpaṇa
Anheimgabe
samprāpta-dhana-utsarga
Hingabe erlangten Gutes
uttama-adhama-madhyama
Höherer, Niedrigerer, Mittlerer

pratidānaṃ tadā tasya gṛhītasyānumodanaṃ / dravyadānamapūrvaṃ ca svayaṅgrāhapravartanaṃ //

Gegengabe an diesen, Billigung dessen, was (er) genommen hat, Schenken bisher nicht (gegebenen) Gutes, Gestatten des eigenen Zugreifens

Wort für Wort
pratidāna
Gegengabe
gṛhītasya anumodana
Billigung des Genommenen
dravya-dāna apūrva
Schenken neuen Gutes
svayaṃ-grāha-pravartana
Gestatten eigenen Zugreifens

deyaś ca pratimokṣaś ca dānaṃ pañcavidhaṃ smṛtaṃ / sneharāgāpanayanasaṃharṣotpādanaṃ tathā //

und Erlass einer Schuld – das Geschenk gilt als fünffach. Wegnahme von Zuneigung und Anhänglichkeit, ebenso Erzeugen von Rivalität

Wort für Wort
deya-pratimokṣa
Erlass einer Schuld
dāna pañcavidha
fünffaches Geschenk
sneha-rāga-apanayana
Wegnahme von Zuneigung und Anhänglichkeit
saṃharṣa-utpādana
Erzeugen von Rivalität

mitho bhedaś ca bhedajñair bhedaś ca trividhaḥ smṛtaḥ / badho 'rthaharaṇaṃ caiva parikleśastridhā damaḥ //

und gegenseitige Entzweiung – so gilt bei den Kennern der Entzweiung diese als dreifach. Tötung, Wegnahme des Vermögens und Quälen – dreifach ist die Strafe.

Wort für Wort
mithaḥ bheda
gegenseitige Entzweiung
vadha
Tötung
artha-haraṇa
Wegnahme des Vermögens
parikleśa
Quälen
dama
Strafe, Bändigung

badho für vadho; damaḥ hier im Sinne von daṇḍa ‚Strafe‘.

prakāśaścāprakāśaś ca lokadviṣṭān prakāśataḥ / udvijeta hatair lokasteṣu piṇḍaḥ praśasyate //

(Sie ist) offen und verdeckt. Die der Welt Verhassten (soll er) offen (bestrafen); (bei anderen) würden die Leute über die Getöteten erschrecken – bei diesen wird der (vergiftete) Bissen [?] gepriesen.

Wort für Wort
prakāśa
offen
aprakāśa
verdeckt
loka-dviṣṭa
der Welt verhasst
udvijeta
würde erschrecken
piṇḍa
Bissen, Kloß [?]

piṇḍaḥ hier wohl ‚(vergifteter) Bissen‘ als verdeckte Tötungsart; unsicher.

viśeṣeṇopaniṣidyogair hanyācchastrādinā dviṣaḥ / jātimātraṃ dvijaṃ naiva hanyāt sāmottaraṃ vaśe //

Besonders soll er die Feinde durch geheime Mittel, durch Waffen und dergleichen töten. Einen Brahmanen – sei er auch nur der Geburt nach einer – soll er keinesfalls töten; (ihn) soll er vorzugsweise durch Versöhnung in seine Gewalt bringen.

Wort für Wort
upaniṣad-yoga
geheimes Mittel
śastra-ādinā
mit Waffe usw.
jāti-mātra dvija
Brahmane bloß der Geburt nach
sāma-uttara
mit Versöhnung als Hauptsache
vaśe
in die Gewalt

upaniṣidyogair für upaniṣadyogair.

pralimpanniva cetāṃsi dṛṣṭvāsādhu pibanniva / grasannivāmṛtaṃ sāma prayuñjīta priyaṃ vacaḥ //

Als ob er die Herzen salbte, (den anderen) mit Blicken gleichsam gütig trinkend, als ob er Nektar schluckte – so soll er die Versöhnung, die freundliche Rede, anwenden.

Wort für Wort
pralimpan iva
gleichsam salbend
cetāṃsi
die Herzen
piban iva
gleichsam trinkend
grasan iva amṛtam
gleichsam Nektar schluckend
priyaṃ vacaḥ
freundliche Rede

mithyābhiśastaḥ śrīkāma āhūyāpratimānitaḥ / rājadveṣī cātikara ātmasambhāvitas tathā //

Der fälschlich Beschuldigte, der nach Glück Begierige, der Herbeigerufene und dann nicht Geehrte, der den König Hassende, der übermäßig Besteuerte, ebenso der, der sich selbst hoch einschätzt,

Wort für Wort
mithyā-abhiśasta
fälschlich beschuldigt
śrī-kāma
nach Glück begierig
āhūya apratimānita
gerufen und nicht geehrt
ati-kara
übermäßig besteuert
ātma-sambhāvita
sich selbst hoch einschätzend

vicchinnadharmakāmārthaḥ kruddho mānī vimānitaḥ / akāraṇāt parityaktaḥ kṛtavairo 'pi sāntvitaḥ //

der, dem Dharma, Kāma und Artha abgeschnitten sind, der Zornige, der Stolze, der Missachtete, der grundlos Verstoßene, der, der Feindschaft geübt hat, auch wenn er beschwichtigt wurde,

Wort für Wort
vicchinna-dharma-kāma-artha
dem Dharma, Kāma, Artha abgeschnitten sind
mānin
stolz
vimānita
missachtet
akāraṇāt parityakta
grundlos verstoßen
kṛta-vaira
der Feindschaft geübt hat

hṛtadravyakalatraś ca pūjārho 'pratipūjitaḥ / etāṃstu bhedayecchatrau sthitānnityān suśaṅkitān //

dem Vermögen und Gattin geraubt wurden, der Ehrwürdige, der nicht geehrt wurde – diese, die beim Feind stehen und stets voller Argwohn sind, soll er abspenstig machen.

Wort für Wort
hṛta-dravya-kalatra
dem Gut und Gattin geraubt wurden
pūjā-arha
ehrwürdig
apratipūjita
nicht geehrt
bhedayet
er soll abspenstig machen
suśaṅkita
voller Argwohn

āgatān pūjayet kāmair nijāṃś ca praśamannayet / sāmadṛṣṭānusandhānamatyugrabhayadarśanaṃ //

Die Herübergekommenen soll er mit Wunschgütern ehren, die (ebensolchen) eigenen Leute soll er beschwichtigen. Das Aufgreifen dessen, was man durch Versöhnung erkundet hat, das Zeigen einer überaus schrecklichen Gefahr

Wort für Wort
āgata
herübergekommen
kāmaiḥ pūjayet
er soll mit Wunschgütern ehren
nija
eigen
sāma-dṛṣṭa-anusandhāna
Aufgreifen des durch Versöhnung Erkundeten [?]
ati-ugra-bhaya-darśana
Zeigen schrecklicher Gefahr

sāmadṛṣṭānusandhānam unsicher gedeutet.

pradhānadānamānaṃ ca bhedopāyāḥ prakīrtitāḥ / mitraṃ hataṃ kāṣṭhamiva ghuṇajagdhaṃ viśīryate //

und Geschenk und Ehrung für die Vornehmsten – (dies) werden als Mittel der Entzweiung verkündet. Ein (so) geschädigter Verbündeter zerfällt wie von Holzwürmern zerfressenes Holz.

Wort für Wort
pradhāna-dāna-māna
Geschenk und Ehre für die Vornehmsten
bheda-upāya
Mittel der Entzweiung
kāṣṭham iva
wie Holz
ghuṇa-jagdha
von Holzwürmern zerfressen
viśīryate
zerfällt

triśaktirdeśakālajño daṇḍenāstaṃ nayedarīn / maitrīpradhānaṃ kalyāṇabuddhiṃ sāntvena sādhayet //

Wer die drei Kräfte besitzt und Ort und Zeit kennt, soll durch Gewalt die Feinde zum Untergang bringen. Einen, der auf Freundschaft bedacht und edel gesinnt ist, soll er durch Versöhnung gewinnen,

Wort für Wort
tri-śakti
die drei Kräfte besitzend
astaṃ nayet
er soll zum Untergang bringen
maitrī-pradhāna
auf Freundschaft bedacht
kalyāṇa-buddhi
edel gesinnt
sāntvena sādhayet
er soll durch Versöhnung gewinnen

lubdhaṃ kṣīṇañca dānena mitrānanyonyaśaṅkayā / daṇḍasya darśanādduṣṭān putrabhrātādi sāmataḥ //

den Habgierigen und Geschwächten durch Geschenk, die Verbündeten (des Feindes) durch gegenseitigen Argwohn, die Bösen durch das Vorzeigen der Strafe, Sohn, Bruder usw. durch Versöhnung,

Wort für Wort
lubdha
habgierig
kṣīṇa
geschwächt
anyonya-śaṅkā
gegenseitiger Argwohn
daṇḍasya darśana
Vorzeigen der Strafe
putra-bhrātṛ-ādi
Sohn, Bruder usw.

dānabhedaiś camūmukhyān yodhān janapadadikān / sāmāntāṭavikān bhedadaṇḍābhyāmaparāddhakān //

Heerführer, Krieger, Landbewohner usw. durch Geschenk und Entzweiung, Grenzfürsten, Waldstämme und Übeltäter durch Entzweiung und Gewalt.

Wort für Wort
camū-mukhya
Heerführer
yodha
Krieger
jānapada
Landbewohner
sāmanta-āṭavika
Grenzfürsten und Waldstämme
aparāddha
Übeltäter

janapadadikān für jānapadādikān.

devatāpratimānantu pūjayāntargatair naraiḥ / pumān strīvastrasaṃvīto niśi cādbhutadarśanaḥ //

(Täuschung:) durch Männer, die sich im Innern von Götterbildern verborgen halten, bei deren Verehrung; ein Mann, in Frauenkleider gehüllt, und nachts das Zeigen von Wunderdingen,

Wort für Wort
devatā-pratimā
Götterbild
antar-gata nara
im Innern verborgener Mann
strī-vastra-saṃvīta
in Frauenkleider gehüllt
niśi
nachts
adbhuta-darśana
Zeigen von Wunderdingen

Konstruktion von V. 63a unvollständig; sinngemäß: Kundgaben durch in Götterbildern verborgene Männer.

vetālolkāpiśācānāṃ śivānāṃ ca svarūpakī / kāmato rūpadhāritvaṃ śastrāgnyaśmāmbuvarṣaṇaṃ //

das Annehmen der Gestalt von Vetālas, Meteoren, Piśācas und Schakalinnen, das Annehmen beliebiger Gestalt, Regen von Waffen, Feuer, Steinen und Wasser,

Wort für Wort
vetāla
Vetāla (Leichendämon)
ulkā
Meteor, Feuerbrand
piśāca
Piśāca (Dämon)
śivā
Schakalin
kāmataḥ rūpa-dhāritva
Annehmen beliebiger Gestalt
śastra-agni-aśma-ambu-varṣaṇa
Regen von Waffen, Feuer, Steinen, Wasser

tamo 'nilo 'nalo megha iti māyā hy amānuṣī / jaghāna kīcakaṃ bhīma āsthitaḥ strīrūpatāṃ //

Finsternis, Wind, Feuer und Wolke – dies ist die nichtmenschliche Täuschung. Bhīma tötete Kīcaka, nachdem er Frauengestalt angenommen hatte.

Wort für Wort
tamas
Finsternis
anila
Wind
anala
Feuer
māyā amānuṣī
nichtmenschliche Täuschung
strī-rūpatā
Frauengestalt

anyāye vyasane yuddhe pravṛttasyānivāraṇaṃ / upekṣeyaṃ smṛtā bhrātopekṣitaś ca hiḍimbayā //

Das Nicht-Abhalten eines Menschen, der sich auf Unrecht, Laster oder Kampf eingelassen hat – dies gilt als Nichtbeachtung; (so) wurde der Bruder von Hiḍimbā sich selbst überlassen.

Wort für Wort
anyāya
Unrecht
pravṛtta
eingelassen, begonnen
anivāraṇa
Nicht-Abhalten
upekṣā
Nichtbeachtung
bhrātā upekṣitaḥ
der Bruder wurde sich selbst überlassen

meghāndhakāravṛṣṭyagniparvatādbhutadarśanaṃ / darasthānaṃ ca sainyānāṃ darśanaṃ dhvajaśālināṃ //

Das Vorspiegeln von Wolken, Finsternis, Regen, Feuer, Bergen und Wunderdingen, das Aufstellen (von Truppen) in der Ferne und das Zeigen von Heeren mit prächtigen Bannern,

Wort für Wort
megha-andhakāra-vṛṣṭi
Wolke, Finsternis, Regen
parvata
Berg
dūra-sthāna
Aufstellung in der Ferne
sainya
Heer
dhvaja-śālin
mit prächtigen Bannern

darasthānaṃ für dūrasthānaṃ.

chinnapāṭitabhinnānāṃ saṃsṛtānāṃ ca darśanaṃ / itīndrajālaṃ dviṣatāmbhotyarthamupakalpayet //

und das Zeigen von Zerhauenen, Zerrissenen, Gespaltenen und (in Blut) Zerfließenden [?] – dies ist das Gaukelwerk, das er zur Erzeugung von Furcht bei den Feinden einsetzen soll.

Wort für Wort
chinna
zerhauen
pāṭita
zerrissen
bhinna
gespalten
indrajāla
Gaukelwerk
bhīti-artham
zur Erzeugung von Furcht
upakalpayet
er soll einsetzen

saṃsṛtānāṃ unsicher (evtl. saṃsrutānām ‚zerfließend‘); dviṣatāmbhotyartham = dviṣatāṃ bhīty-artham.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks