Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 303: pañcākṣarādipūjāmantrāḥ Mantras zur Verehrung mit dem Fünfsilbigen und anderem

Das Kapitel preist den fünfsilbigen Śiva-Mantra als das alles umfassende Brahman und beschreibt die Weihe (dīkṣā) mit ihm: Vorbereitung des Schülers mit Zahnholz-Orakel und Traumdeutung, Selbstreinigung des Lehrers, Nyāsa, Aufbau des Sitzes mit den neun Śaktis, Śiva mit den fünf Gesichtern, die acht Vidyeśvaras, Begleiter und Waffen, Auflösung und Neuschöpfung des Schülers, Namensgebung, Feueropfer und Weihebesprengung. Quellbesonderheiten: Die Decknamen in V. 1 sind nicht sicher auflösbar; mehrere Stellen sind verderbt (V. 5, 8, 15, 32, 39).

agnir uvāca | meṣaḥ saṃjñā viṣaṃ sādyamasti dīrghodakaṃ rasaḥ / etat pañcākṣaraṃ mantraṃ śivadañca śivātmakaṃ //

Agni sprach: Meṣa, Saṃjñā, Viṣa, Sādya [?], Dīrghodaka [?] und Rasa [Anm.: Decknamen der Silben] – dieser fünfsilbige Mantra ist heilbringend und von Śivas Wesen.

Wort für Wort
pañca-akṣaram mantram
den fünfsilbigen Mantra
śiva-dam
Heil gewährend
śiva-ātmakam
von Śivas Wesen
rasaḥ
Rasa (Deckname)
meṣaḥ
Meṣa (Deckname)

Gemeint ist wohl der Fünfsilbige (namaḥ śivāya); die Decknamen sind nicht sicher aufzulösen, asti gehört vermutlich zum verderbten Text.

tārakādi samabhyarcya devatvādi samāpnuyāt / jñānātmakaṃ paraṃ brahma paraṃ buddhiḥ śivo hṛdi //

Wer ihn, mit dem Tāraka (oṃ) beginnend, verehrt, erlangt Göttlichkeit usw. Das aus Erkenntnis bestehende höchste Brahman, die höchste Einsicht, ist Śiva im Herzen.

Wort für Wort
tāraka-ādi
mit oṃ beginnend
samabhyarcya
verehrend
devatva-ādi samāpnuyāt
erlangt Göttlichkeit usw.
jñāna-ātmakam param brahma
das erkenntnishafte höchste Brahman
śivaḥ hṛdi
Śiva im Herzen

tacchaktibhūtaḥ sarveśo bhinno brahmādimūrtibhiḥ / mantrārṇāḥ pañca bhūtāni tanmantrā viṣayās tathā //

Der Allherr, der zu dessen Śakti geworden ist, ist in den Gestalten Brahmās usw. unterschieden. Die Laute des Mantras sind die fünf Elemente, ebenso die Subtilelemente (tanmātra) und die Sinnesobjekte,

Wort für Wort
tat-śakti-bhūtaḥ
zu dessen Śakti geworden
sarva-īśaḥ
der Allherr
brahma-ādi-mūrtibhiḥ
durch die Gestalten Brahmās usw.
mantra-arṇāḥ
die Mantralaute
pañca bhūtāni
die fünf Elemente
viṣayāḥ
die Sinnesobjekte

tanmantrā wohl für tanmātrā.

prāṇādivāyavaḥ pañca jñānakarmendriyāṇi ca / sarvaṃ pañcākṣaraṃ brahma tadvadaṣṭākṣarāntakaḥ //

die fünf Winde, Prāṇa usw., die Erkenntnis- und die Tatsinne: Alles ist das fünfsilbige Brahman; ebenso verhält es sich bis hin zum Achtsilbigen [?].

Wort für Wort
prāṇa-ādi-vāyavaḥ pañca
die fünf Winde Prāṇa usw.
jñāna-karma-indriyāṇi
Erkenntnis- und Tatsinne
sarvam
alles
pañca-akṣaram brahma
das fünfsilbige Brahman
aṣṭa-akṣara-antakaḥ
bis zum Achtsilbigen

aṣṭākṣarāntakaḥ unklar.

gavyena prakṣayeddīkṣāsthānaṃ mantreṇa coditaṃ / tantrasambhūtasambhāvaḥ śivamiṣṭvā vidhānataḥ //

Mit den Kuhprodukten besprenge man den Ort der Weihe, der durch den Mantra geweiht ist. Wer die Gesinnung aus der Lehre (tantra) gewonnen hat [?], soll Śiva nach Vorschrift verehren,

Wort für Wort
gavyena prokṣayet
mit Kuhprodukten besprengen
dīkṣā-sthānam
den Ort der Weihe
mantreṇa coditam
durch den Mantra angewiesen
śivam iṣṭvā
Śiva verehrend
vidhānataḥ
nach Vorschrift

prakṣayet = prokṣayet; tantrasambhūtasambhāvaḥ unsicher.

mūlamūrtyaṅgavidyābhistaṇḍulakṣepaṇādikam / kṛtvā caruñca yat kṣīraṃ punastadvibhajet tridhā //

mit Wurzel-, Gestalt-, Glieder- und Vidyā-Mantras das Streuen von Reiskörnern usw. vollziehen, den Caru, der in Milch (gekocht ist), bereiten und ihn wiederum dreifach teilen.

Wort für Wort
mūla-mūrti-aṅga-vidyābhiḥ
mit Wurzel-, Gestalt-, Glieder-, Vidyā-Mantras
taṇḍula-kṣepaṇa-ādikam
das Streuen von Reis usw.
carum
den Opferbrei
kṣīram
Milch
vibhajet tridhā
dreifach teilen

nivedyaikaṃ paraṃ hutvā saśiṣyo 'nyadbhajedguruḥ / ācamya sakalīkṛtya dadyāccchiṣyāya deśikaḥ //

Einen Teil bringe er als Gabe dar, den zweiten opfere er, den anderen verzehre der Lehrer mit dem Schüler. Nachdem er Wasser geschlürft und (sich durch Nyāsa) vollständig gemacht hat, gebe der Lehrer dem Schüler

Wort für Wort
nivedya ekam
einen darbringend
param hutvā
den zweiten opfernd
sa-śiṣyaḥ anyat bhajet
mit dem Schüler den anderen genießen
sakalīkṛtya
(sich) vollständig machend
deśikaḥ
der Lehrer

dantakāṣṭhaṃ hṛdā japtaṃ kṣīravṛkṣādisambhavam / saṃśodhya dantān saṃkṣiptvā prajñālyaitat kṣipedbhuvi //

ein Zahnholz, mit dem Herz(-Mantra) besprochen, von einem Milchsaft führenden Baum usw. stammend. Nachdem (der Schüler) die Zähne gereinigt, es zusammengelegt [?] und abgewaschen hat, werfe er es auf die Erde.

Wort für Wort
danta-kāṣṭham
das Zahnholz
hṛdā japtam
mit dem Herz-Mantra besprochen
kṣīra-vṛkṣa-ādi-sambhavam
von Milchsaftbäumen usw.
saṃśodhya dantān
die Zähne reinigend
kṣipet bhuvi
werfe auf die Erde

saṃkṣiptvā und prajñālya (= prakṣālya) unsicher.

pūrveṇa saumyavārīśagataṃ śubhamatau śubham / punastaṃ śiṣyamāyāntaṃ śiśvābandhādirakṣitaṃ //

(Fällt es) nach Osten, Norden oder Westen, so ist es bei guter Gesinnung glückverheißend. Den dann wieder herankommenden Schüler, der durch das Binden des Haarschopfs usw. geschützt ist,

Wort für Wort
pūrveṇa
nach Osten
saumya-vārīśa-gatam
nach Norden oder Westen gefallen
śubham
glückverheißend
śiṣyam āyāntam
den herankommenden Schüler
śikhā-bandha-ādi-rakṣitam
durch Haarknoten usw. geschützt

vārīśa = Varuṇa (Westen); śiśvābandha = śikhābandha.

kṛtvā vedyāṃ sahānena svapeddarbhāstare budhaḥ / suṣuptaṃ vīkṣya taṃ śiṣyaḥ prabhāte śrāvayedguruṃ //

lasse der Weise, nachdem er den Altar (bereitet) hat, mit ihm auf einer Darbha-Streu schlafen. Was er im tiefen Schlaf gesehen hat, soll der Schüler am Morgen dem Lehrer berichten.

Wort für Wort
vedyām saha anena
am Altar mit ihm
svapet
schlafe
darbha-āstare
auf der Darbha-Streu
prabhāte
am Morgen
śrāvayet gurum
berichte dem Lehrer

śubhaiḥ siddhipadair bhaktistaiḥ punarmaṇḍalārcanam / maṇḍalaṃ bhadrakādyuktaṃ pūjayetsarvasiddhidaṃ //

Durch glückverheißende, Erfolg anzeigende (Träume erweist sich) Hingabe; mit ihnen (folgt) dann die Maṇḍala-Verehrung. Man verehre das genannte Maṇḍala Bhadraka usw., das alle Vollendungen verleiht.

Wort für Wort
śubhaiḥ siddhi-padaiḥ
durch glückliche Erfolgszeichen
bhaktiḥ
Hingabe
maṇḍala-arcanam
Maṇḍala-Verehrung
bhadraka-ādi
Bhadraka usw.
sarva-siddhi-dam
alle Vollendungen gewährend

snātvācamya mṛdā dehaṃ mantrair ālipya kalpyate / śivatīrthe naraḥ snāyādaghamarṣaṇapūrvakam //

Nachdem man gebadet und Wasser geschlürft hat, wird angeordnet, den Körper unter Mantras mit Erde einzusalben. Im Śiva-Tīrtha bade der Mann, mit dem Aghamarṣaṇa (Sündentilgungs-Hymnus) voran.

Wort für Wort
snātvā ācamya
gebadet und Wasser geschlürft
mṛdā deham ālipya
den Körper mit Erde salbend
śiva-tīrthe
im Śiva-Tīrtha
snāyāt
bade
aghamarṣaṇa-pūrvakam
mit dem Aghamarṣaṇa voran

hastābhiṣekaṃ kṛtvātha prāyāt pūjādikaṃ budhaḥ / mūlenābjāsanaṃ kuryāttena pūrakakumbhakān //

Nachdem er die Handweihe vollzogen hat, gehe der Weise zur Verehrung usw. Mit dem Wurzelmantra bereite er den Lotossitz und mit ihm (vollziehe er) Einatmen (pūraka) und Atemanhalten (kumbhaka).

Wort für Wort
hasta-abhiṣekam
die Handweihe
pūjā-ādikam
Verehrung usw.
mūlena abja-āsanam
mit dem Wurzelmantra den Lotossitz
pūraka-kumbhakān
Einatmen und Anhalten

ātmānaṃ yojayitvordhvaṃ śikhānte dvādaśāṅgule / saṃśoṣya dagdhvā svatanuṃ plāvayedamṛtena ca //

Nachdem er das Selbst nach oben, zwölf Finger über das Ende des Haarschopfs, verbunden hat, trockne er seinen eigenen Körper aus, verbrenne ihn und überflute ihn mit Nektar.

Wort für Wort
ātmānam yojayitvā ūrdhvam
das Selbst nach oben verbindend
dvādaśa-aṅgule
zwölf Finger breit
saṃśoṣya dagdhvā
austrocknend, verbrennend
sva-tanum
den eigenen Körper
plāvayet amṛtena
überflute mit Nektar

dhmātvā divyaṃ vapustasminnātmānañca punarnayet / kṛtvevaṃ cātmaśuddhiḥ syādvinyasyārcanamārabhet //

Nachdem er (so) einen göttlichen Körper hervorgebracht [?] hat, führe er das Selbst wieder in ihn hinein. Verfährt man so, ist die Selbstreinigung vollzogen; nach dem Nyāsa beginne man die Verehrung.

Wort für Wort
divyam vapuḥ
einen göttlichen Körper
ātmānam punaḥ nayet
führe das Selbst zurück
ātma-śuddhiḥ
Selbstreinigung
vinyasya
nach dem Nyāsa
arcanam ārabhet
beginne die Verehrung

dhmātvā ‚geblasen‘ unklar.

kramāt kṛṣṇasitaśyāmaraktapītā nagādayaḥ / mantrārṇā daṇḍināṅgāni teṣu sarvāstu mūrtayaḥ //

Der Reihe nach sind die (Silben) na usw. schwarz, weiß, dunkel, rot und gelb. Die Mantralaute mit Daṇḍin (Anusvāra) sind die Glieder; in ihnen (sind) alle Gestalten.

Wort für Wort
kramāt
der Reihe nach
kṛṣṇa-sita-śyāma-rakta-pītāḥ
schwarz, weiß, dunkel, rot, gelb
mantra-arṇāḥ daṇḍinā
die Mantralaute mit Anusvāra
aṅgāni
die Glieder
sarvāḥ mūrtayaḥ
alle Gestalten

nagādayaḥ wohl für nakārādayaḥ (Silben des namaḥ śivāya).

aṅguṣṭhādikaniṣṭhāntaṃ vinyasyāṅgāni sarvataḥ / nyasenmantrākṣaraṃ pādaguhyahṛdvaktramūrdhasu //

Nachdem man die Glieder überall vom Daumen bis zum kleinen Finger aufgelegt hat, lege man die Mantrasilben auf Füße, Scham, Herz, Mund und Kopf.

Wort für Wort
aṅguṣṭha-ādi-kaniṣṭha-antam
vom Daumen bis zum kleinen Finger
vinyasya aṅgāni
die Glieder auflegend
mantra-akṣaram
die Mantrasilbe
pāda-guhya-hṛd
Füße, Scham, Herz
vaktra-mūrdhasu
auf Mund und Kopf

vyāpakaṃ nyasya mūrdhādi mūlamaṅgāni vinyaset / raktapītaśyāmasitān pīṭhapādān svakālajān //

Nachdem man (den Mantra) über den ganzen Körper vom Kopf an aufgelegt hat, lege man den Wurzelmantra und die Glieder auf. Die Füße des Sitzes – rot, gelb, dunkel und weiß, den eigenen Zeitaltern entsprechend [?] –

Wort für Wort
vyāpakam nyasya
umfassend auflegend
mūrdha-ādi
vom Kopf an
mūlam aṅgāni vinyaset
Wurzelmantra und Glieder auflegen
rakta-pīta-śyāma-sitān
rot, gelb, dunkel, weiß
pīṭha-pādān
die Sitzfüße

svakālajān unsicher (vielleicht auf die Yugas bezogen).

svāṅgānmantrair nyasedgātrāṇyadharmādīni dikṣu ca / tatra padmañca suryādimaṇḍale tritayaṃ guṇān //

lege man mit ihren Mantras auf die eigenen Glieder; Adharma usw. auf die Glieder und in die Richtungen; darauf den Lotos und in den Kreisen von Sonne usw. die drei Guṇas.

Wort für Wort
sva-aṅgān
die eigenen Glieder
adharma-ādīni
Adharma usw.
dikṣu
in die Richtungen
padmam
den Lotos
sūrya-ādi-maṇḍale
in den Kreisen von Sonne usw.
tritayam guṇān
die drei Guṇas

suryādi = sūryādi.

pūrvādipatre kāmādyā navakaṃ karṇikopari / vāmā jyeṣṭhā kramādraudro kālī kalavikāriṇī //

Auf die Blätter, beginnend mit dem östlichen, (lege man) Kāmā usw., die Neunheit auf die Samenkapsel: Vāmā, Jyeṣṭhā, der Reihe nach Raudrī, Kālī, Kalavikaraṇī,

Wort für Wort
pūrva-ādi-patre
auf die Blätter ab Osten
navakam
die Neunheit
karṇikā-upari
auf der Samenkapsel
vāmā jyeṣṭhā
Vāmā, Jyeṣṭhā
raudrī kālī
Raudrī, Kālī

raudro = raudrī; kalavikāriṇī = kalavikaraṇī.

balavikāriṇī cārtha balapramathanī tathā / sarvabhūtadamanī ca navamī ca manonmanī //

Balavikaraṇī und ferner Balapramathanī, Sarvabhūtadamanī und als neunte Manonmanī.

Wort für Wort
bala-vikaraṇī
Balavikaraṇī
bala-pramathanī
Balapramathanī
sarva-bhūta-damanī
Sarvabhūtadamanī
navamī
die neunte
manonmanī
Manonmanī

śvetā raktā sitā pītā śyāmā vahninibhāṣitā / kṛṣṇāruṇāś ca tāḥ śaktīrjvālārūpāḥ smaret kramāt //

Weiß, rot, weiß, gelb, dunkel, feuerfarben, schwarz und rotbraun – diese Śaktis stelle man sich der Reihe nach als flammengestaltig vor.

Wort für Wort
śvetā raktā sitā pītā
weiß, rot, weiß, gelb
śyāmā
dunkel
vahni-nibhā
feuerfarben
kṛṣṇa-aruṇāḥ
schwarz und rotbraun
jvālā-rūpāḥ smaret
als Flammen vorstellen

Nur acht Farben für neun Śaktis; vahninibhāṣitā wohl vahninibhā + (?).

anantayogapīṭhāya āvāhyātha hṛdabjataḥ / sphaṭikābhaṃ caturvāhuṃ phalaśūladharaṃ śivam //

(Mit) „anantayogapīṭhāya“ (dem unendlichen Yoga-Sitz) … Dann rufe man aus dem Herzlotos Śiva herbei, kristallglänzend, vierarmig, Frucht und Dreizack tragend,

Wort für Wort
ananta-yoga-pīṭhāya
dem unendlichen Yoga-Sitz
āvāhya
herbeirufend
hṛt-abjataḥ
aus dem Herzlotos
sphaṭika-ābham
kristallglänzend
phala-śūla-dharam śivam
Śiva mit Frucht und Dreizack

sābhayaṃ varadaṃ pañcavadaṃnañca trilocanam / patreṣu murtayaḥ pañca sthāpyāstatpuruṣādayaḥ //

mit Furchtlosigkeits- und Gabengeste, fünfgesichtig und dreiäugig. Auf die Blätter sind die fünf Gestalten, Tatpuruṣa usw., zu setzen.

Wort für Wort
sa-abhayam varadam
mit Schutz- und Gabengeste
pañca-vadanam
fünfgesichtig
tri-locanam
dreiäugig
patreṣu mūrtayaḥ pañca
auf den Blättern fünf Gestalten
tatpuruṣa-ādayaḥ
Tatpuruṣa usw.

pūrve tatpuruṣaḥ śveto aghoro 'ṣṭabhujo 'sitāḥ / caturvāhumukhaḥ pītāḥ sadyojātaś ca paścime //

Im Osten Tatpuruṣa, weiß; Aghora, achtarmig, schwarz; im Westen Sadyojāta, mit vier Armen und Gesichtern, gelb;

Wort für Wort
pūrve tatpuruṣaḥ śvetaḥ
im Osten Tatpuruṣa, weiß
aghoraḥ aṣṭa-bhujaḥ
Aghora, achtarmig
asitaḥ
schwarz
catur-bāhu-mukhaḥ pītaḥ
vierarmig und -gesichtig, gelb
sadyojātaḥ paścime
Sadyojāta im Westen

vāmadevaḥ strīvilāsī caturvaktrabhujo 'ruṇaḥ / saumye pañcāsya īśāne īśānaḥ sarvadaḥ sitaḥ //

im Norden Vāmadeva, der sich an Frauen erfreut, mit vier Gesichtern und Armen, rot; im Nordosten Īśāna, fünfgesichtig, alles gewährend, weiß.

Wort für Wort
vāmadevaḥ
Vāmadeva
strī-vilāsī
sich an Frauen erfreuend
catur-vaktra-bhujaḥ aruṇaḥ
mit vier Gesichtern und Armen, rot
saumye
im Norden
īśāne īśānaḥ
im Nordosten Īśāna
sarva-daḥ sitaḥ
alles gewährend, weiß

iṣṭāṅgāni yathānyāyamanantaṃ sūkṣmamarcayet / siddheśvaraṃ tvekanetraṃ pūrvādau diśa pūjayet //

Die gewünschten Glieder (verehre man) nach der Regel. Ananta, Sūkṣma, Siddheśvara und Ekanetra verehre man in den Himmelsrichtungen, beginnend mit Osten,

Wort für Wort
iṣṭa-aṅgāni yathā-nyāyam
die Glieder nach der Regel
anantam sūkṣmam
Ananta, Sūkṣma
siddheśvaram
Siddheśvara
eka-netram
Ekanetra
pūrva-ādau diśi
in den Richtungen ab Osten

ekarudraṃ trinetrañca śrīkaṇṭhañca śikhaṇḍinam / aiśānyādividikṣvete vidyeśāḥ kamalāsanāḥ //

Ekarudra, Trinetra, Śrīkaṇṭha und Śikhaṇḍin in den Zwischenrichtungen, beginnend mit Nordosten: Diese sind die Herren des Wissens (Vidyeśa), auf Lotossitzen.

Wort für Wort
ekarudram trinetram
Ekarudra, Trinetra
śrīkaṇṭham śikhaṇḍinam
Śrīkaṇṭha, Śikhaṇḍin
aiśānya-ādi-vidikṣu
in den Zwischenrichtungen ab Nordosten
vidyā-īśāḥ
die Herren des Wissens
kamala-āsanāḥ
auf Lotossitzen

śvetaḥ pītaḥ sito rakto dhūmro rakto 'ruṇaḥ śitaḥ / śūlāśaniśareśvāsavāhavaś caturānanāḥ //

(Sie sind) weiß, gelb, weiß, rot, rauchfarben, rot, rotbraun und weiß, mit Dreizack, Donnerkeil, Pfeil und Bogen in den Armen, viergesichtig.

Wort für Wort
śvetaḥ pītaḥ sitaḥ raktaḥ
weiß, gelb, weiß, rot
dhūmraḥ
rauchfarben
śūla-aśani-śara-iṣvāsa
Dreizack, Donnerkeil, Pfeil, Bogen
bāhavaḥ
in den Armen
catur-ānanāḥ
viergesichtig

śitaḥ = sitaḥ; vāhavaḥ = bāhavaḥ.

umā vaṇḍeśanandīśau mahākālo gaṇeśvaraḥ / vṛṣo bhṛṅgariṭiskandānuttarādau prapūjayet //

Umā, Caṇḍeśa, Nandīśa, Mahākāla, Gaṇeśvara, Vṛṣa, Bhṛṅgiriṭi und Skanda verehre man, beginnend mit Norden.

Wort für Wort
umā
Umā
caṇḍeśa-nandīśau
Caṇḍeśa und Nandīśa
mahākālaḥ gaṇeśvaraḥ
Mahākāla, Gaṇeśvara
vṛṣaḥ bhṛṅgiriṭi-skandān
Vṛṣa, Bhṛṅgiriṭi, Skanda
uttara-ādau prapūjayet
verehre ab Norden

vaṇḍeśa = caṇḍeśa; bhṛṅgariṭi = bhṛṅgiriṭi.

kuliśaṃ śaktidaṇḍau ca khaḍgapāśadhvajau gadāṃ / śūlaṃ cakraṃ yajet padmaṃ pūvvādau devamarcya ca //

Donnerkeil, Speer und Stab, Schwert, Schlinge und Banner, Keule, Dreizack, Diskus und Lotos verehre man, beginnend mit Osten, nachdem man den Gott verehrt hat.

Wort für Wort
kuliśam
Donnerkeil
śakti-daṇḍau
Speer und Stab
khaḍga-pāśa-dhvajau
Schwert, Schlinge, Banner
gadām śūlam cakram padmam
Keule, Dreizack, Diskus, Lotos
devam arcya
nach Verehrung des Gottes

pūvvādau = pūrvādau.

tato 'dhivāsitaṃ śiṣyaṃ pāyayedgavyapañcakam / ācāntaṃ prokṣye netrāntair netre netreṇa bandhayet //

Dann lasse man den vorbereiteten Schüler die fünf Kuhprodukte trinken. Den, der Wasser geschlürft hat, besprenge man mit (Mantras), die auf netra enden [?], und verbinde ihm mit dem Netra(-Mantra) die Augen.

Wort für Wort
adhivāsitam śiṣyam
den vorbereiteten Schüler
pāyayet gavya-pañcakam
die fünf Kuhprodukte trinken lassen
ācāntam prokṣya
den Wasserschlürfenden besprengend
netre netreṇa bandhayet
verbinde die Augen mit dem Netra-Mantra

netrāntair unklar.

dvāraṃ praveśayecchipyaṃ maṇḍapasyātha dakṣiṇe / sāsanādikuśāsīnaṃ tatra saṃśodhayedguruḥ //

Man lasse den Schüler durch die Tür eintreten; dann reinige der Lehrer ihn dort im Süden des Pavillons, wie er auf einem Sitz aus Kuśa usw. sitzt.

Wort für Wort
dvāram praveśayet
durch die Tür eintreten lassen
maṇḍapasya dakṣiṇe
südlich des Pavillons
kuśa-āsīnam
auf Kuśa sitzend
saṃśodhayet guruḥ
der Lehrer reinige

śipyaṃ = śiṣyaṃ.

āditattvāni saṃhṛtya paramārthe layaḥ kramāt / punarutpādayecchiṣyaṃ sṛṣṭimārgeṇa deśikaḥ //

Nachdem die Prinzipien, vom ersten an, zurückgenommen sind, (geschieht) der Reihe nach die Auflösung im Höchsten; dann lasse der Lehrer den Schüler auf dem Weg der Schöpfung wieder entstehen.

Wort für Wort
ādi-tattvāni saṃhṛtya
die Prinzipien zurücknehmend
parama-arthe layaḥ
Auflösung im Höchsten
punaḥ utpādayet
lasse wieder entstehen
sṛṣṭi-mārgeṇa
auf dem Weg der Schöpfung
deśikaḥ
der Lehrer

nyāsaṃ śiṣye tataḥ kṛtvā taṃ pradakṣiṇamānayet / paścimadvāramānīya kṣepayet kusumāñjalim //

Nachdem er dann am Schüler den Nyāsa vollzogen hat, führe er ihn rechtsherum, bringe ihn zum Westtor und lasse ihn eine Handvoll Blumen werfen.

Wort für Wort
nyāsam śiṣye kṛtvā
den Nyāsa am Schüler vollziehend
pradakṣiṇam ānayet
führe rechtsherum
paścima-dvāram
zum Westtor
kṣepayet
lasse werfen
kusuma-añjalim
eine Handvoll Blumen

yasmin patanti puṣpāṇi tannāmādyaṃ vinirdiśet / pārśveyāgabhuvaḥ khāte kuṇḍe sannabhimekhale //

Auf welche (Gottheit) die Blumen fallen, einen mit deren Namen beginnenden (Namen) weise man (ihm) zu. In einer an der Seite des Opferplatzes gegrabenen Feuergrube mit Nabel und Gürteln

Wort für Wort
yasmin patanti puṣpāṇi
auf den die Blumen fallen
tat-nāma-ādyam
mit dessen Namen beginnend
vinirdiśet
weise zu
pārśve yāga-bhuvaḥ
neben dem Opferplatz
kuṇḍe sa-nābhi-mekhale
in der Grube mit Nabel und Gürteln

sannabhimekhale = sanābhimekhale.

śivāgniṃ janayitveṣṭvā punaḥ śiṣyeṇa cārcayet / dhyānenātmanibhaṃ śiṣyaṃ saṃhṛtya pralayaḥ kramāt //

erzeuge man das Śiva-Feuer, verehre es und verehre (es) wiederum zusammen mit dem Schüler. Den durch Meditation dem eigenen Selbst gleichgemachten Schüler zurücknehmend, (vollziehe man) der Reihe nach die Auflösung,

Wort für Wort
śiva-agnim janayitvā
das Śiva-Feuer erzeugend
iṣṭvā
verehrend
śiṣyeṇa ca arcayet
mit dem Schüler verehren
ātma-nibham śiṣyam
den selbstgleichen Schüler
pralayaḥ kramāt
der Reihe nach die Auflösung

punarutpādya tatpāṇau dadyāddarbhāṃś ca mantritān / pṛthivyādīni tattvāni juhuyāddhṛdayādibhiḥ //

bringe ihn wieder hervor und gebe ihm mit Mantras geweihte Darbha-Halme in die Hand. Die Prinzipien Erde usw. opfere man mit (den Mantras) Herz usw.

Wort für Wort
punaḥ utpādya
wieder hervorbringend
tat-pāṇau
in seine Hand
darbhān mantritān
geweihte Darbha-Halme
pṛthivī-ādīni tattvāni
die Prinzipien Erde usw.
juhuyāt hṛdaya-ādibhiḥ
opfere mit Herz usw.

ekaikasya śataṃ hutvā vyomamūlena homayet / hutvā pūrṇāhutiṃ kuryādastreṇāṣṭāhutīrhunet //

Nachdem man für jedes einzelne hundert (Spenden) geopfert hat, opfere man mit dem Vyoma-Wurzelmantra [?]. Nach dem Opfern bringe man die Vollspende dar und opfere mit dem Astra(-Mantra) acht Spenden

Wort für Wort
ekaikasya śatam hutvā
für jedes hundert opfernd
vyoma-mūlena
mit dem Vyoma-Wurzelmantra
pūrṇa-āhutim kuryāt
die Vollspende darbringen
astreṇa
mit dem Astra-Mantra
aṣṭa-āhutīḥ
acht Spenden

vyomamūla unklar.

prāyaścittaṃ viśuddhyarthaṃ tataḥ śeṣaṃ samāpayet / kumbhaṃ samantritaṃ prārcya śiśuṃ pīṭhe 'bhiṣecayet //

als Sühne zur Reinigung; dann vollende man das Übrige. Nachdem man den mit Mantras geweihten Krug verehrt hat, weihe man den Neuling auf dem Sitz durch Besprengung.

Wort für Wort
prāyaścittam
Sühne
viśuddhi-artham
zur Reinigung
śeṣam samāpayet
das Übrige vollenden
kumbham sa-mantritam
den geweihten Krug
śiśum pīṭhe abhiṣecayet
den Neuling auf dem Sitz besprengen

śiśu ‚Kind‘ hier = der neue Schüler.

śiṣye tu samayaṃ datvā svarṇādyaiḥ svaguruṃ yajet / dīkṣā pañcākṣarasyoktā viṣṇvāderevameva hi //

Nachdem man dem Schüler die Verpflichtung (samaya) auferlegt hat, ehre er (der Schüler) seinen Lehrer mit Gold usw. So ist die Weihe des Fünfsilbigen verkündet; ebenso (verläuft sie) für Viṣṇu usw.

Wort für Wort
śiṣye samayam datvā
dem Schüler die Verpflichtung gebend
svarṇa-ādyaiḥ
mit Gold usw.
sva-gurum yajet
ehre seinen Lehrer
dīkṣā pañca-akṣarasya
die Weihe des Fünfsilbigen
viṣṇu-ādeḥ evam eva
ebenso für Viṣṇu usw.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks