Kapitel 303: pañcākṣarādipūjāmantrāḥ
Mantras zur Verehrung mit dem Fünfsilbigen und anderem
Das Kapitel preist den fünfsilbigen Śiva-Mantra als das alles umfassende Brahman und beschreibt die Weihe (dīkṣā) mit ihm: Vorbereitung des Schülers mit Zahnholz-Orakel und Traumdeutung, Selbstreinigung des Lehrers, Nyāsa, Aufbau des Sitzes mit den neun Śaktis, Śiva mit den fünf Gesichtern, die acht Vidyeśvaras, Begleiter und Waffen, Auflösung und Neuschöpfung des Schülers, Namensgebung, Feueropfer und Weihebesprengung. Quellbesonderheiten: Die Decknamen in V. 1 sind nicht sicher auflösbar; mehrere Stellen sind verderbt (V. 5, 8, 15, 32, 39).
Agni sprach: Meṣa, Saṃjñā, Viṣa, Sādya [?], Dīrghodaka [?] und Rasa [Anm.: Decknamen der Silben] – dieser fünfsilbige Mantra ist heilbringend und von Śivas Wesen.
Wort für Wort
pañca-akṣaram mantram
den fünfsilbigen Mantra
śiva-dam
Heil gewährend
śiva-ātmakam
von Śivas Wesen
rasaḥ
Rasa (Deckname)
meṣaḥ
Meṣa (Deckname)
Gemeint ist wohl der Fünfsilbige (namaḥ śivāya); die Decknamen sind nicht sicher aufzulösen, asti gehört vermutlich zum verderbten Text.
Wer ihn, mit dem Tāraka (oṃ) beginnend, verehrt, erlangt Göttlichkeit usw. Das aus Erkenntnis bestehende höchste Brahman, die höchste Einsicht, ist Śiva im Herzen.
Der Allherr, der zu dessen Śakti geworden ist, ist in den Gestalten Brahmās usw. unterschieden. Die Laute des Mantras sind die fünf Elemente, ebenso die Subtilelemente (tanmātra) und die Sinnesobjekte,
Mit den Kuhprodukten besprenge man den Ort der Weihe, der durch den Mantra geweiht ist. Wer die Gesinnung aus der Lehre (tantra) gewonnen hat [?], soll Śiva nach Vorschrift verehren,
mit Wurzel-, Gestalt-, Glieder- und Vidyā-Mantras das Streuen von Reiskörnern usw. vollziehen, den Caru, der in Milch (gekocht ist), bereiten und ihn wiederum dreifach teilen.
Einen Teil bringe er als Gabe dar, den zweiten opfere er, den anderen verzehre der Lehrer mit dem Schüler. Nachdem er Wasser geschlürft und (sich durch Nyāsa) vollständig gemacht hat, gebe der Lehrer dem Schüler
ein Zahnholz, mit dem Herz(-Mantra) besprochen, von einem Milchsaft führenden Baum usw. stammend. Nachdem (der Schüler) die Zähne gereinigt, es zusammengelegt [?] und abgewaschen hat, werfe er es auf die Erde.
(Fällt es) nach Osten, Norden oder Westen, so ist es bei guter Gesinnung glückverheißend. Den dann wieder herankommenden Schüler, der durch das Binden des Haarschopfs usw. geschützt ist,
lasse der Weise, nachdem er den Altar (bereitet) hat, mit ihm auf einer Darbha-Streu schlafen. Was er im tiefen Schlaf gesehen hat, soll der Schüler am Morgen dem Lehrer berichten.
Durch glückverheißende, Erfolg anzeigende (Träume erweist sich) Hingabe; mit ihnen (folgt) dann die Maṇḍala-Verehrung. Man verehre das genannte Maṇḍala Bhadraka usw., das alle Vollendungen verleiht.
Nachdem man gebadet und Wasser geschlürft hat, wird angeordnet, den Körper unter Mantras mit Erde einzusalben. Im Śiva-Tīrtha bade der Mann, mit dem Aghamarṣaṇa (Sündentilgungs-Hymnus) voran.
Nachdem er die Handweihe vollzogen hat, gehe der Weise zur Verehrung usw. Mit dem Wurzelmantra bereite er den Lotossitz und mit ihm (vollziehe er) Einatmen (pūraka) und Atemanhalten (kumbhaka).
Nachdem er das Selbst nach oben, zwölf Finger über das Ende des Haarschopfs, verbunden hat, trockne er seinen eigenen Körper aus, verbrenne ihn und überflute ihn mit Nektar.
Nachdem er (so) einen göttlichen Körper hervorgebracht [?] hat, führe er das Selbst wieder in ihn hinein. Verfährt man so, ist die Selbstreinigung vollzogen; nach dem Nyāsa beginne man die Verehrung.
Der Reihe nach sind die (Silben) na usw. schwarz, weiß, dunkel, rot und gelb. Die Mantralaute mit Daṇḍin (Anusvāra) sind die Glieder; in ihnen (sind) alle Gestalten.
Wort für Wort
kramāt
der Reihe nach
kṛṣṇa-sita-śyāma-rakta-pītāḥ
schwarz, weiß, dunkel, rot, gelb
mantra-arṇāḥ daṇḍinā
die Mantralaute mit Anusvāra
aṅgāni
die Glieder
sarvāḥ mūrtayaḥ
alle Gestalten
nagādayaḥ wohl für nakārādayaḥ (Silben des namaḥ śivāya).
Nachdem man (den Mantra) über den ganzen Körper vom Kopf an aufgelegt hat, lege man den Wurzelmantra und die Glieder auf. Die Füße des Sitzes – rot, gelb, dunkel und weiß, den eigenen Zeitaltern entsprechend [?] –
Wort für Wort
vyāpakam nyasya
umfassend auflegend
mūrdha-ādi
vom Kopf an
mūlam aṅgāni vinyaset
Wurzelmantra und Glieder auflegen
rakta-pīta-śyāma-sitān
rot, gelb, dunkel, weiß
pīṭha-pādān
die Sitzfüße
svakālajān unsicher (vielleicht auf die Yugas bezogen).
svāṅgānmantrair nyasedgātrāṇyadharmādīni dikṣu ca / tatra padmañca suryādimaṇḍale tritayaṃ guṇān //
lege man mit ihren Mantras auf die eigenen Glieder; Adharma usw. auf die Glieder und in die Richtungen; darauf den Lotos und in den Kreisen von Sonne usw. die drei Guṇas.
Auf die Blätter, beginnend mit dem östlichen, (lege man) Kāmā usw., die Neunheit auf die Samenkapsel: Vāmā, Jyeṣṭhā, der Reihe nach Raudrī, Kālī, Kalavikaraṇī,
(Mit) „anantayogapīṭhāya“ (dem unendlichen Yoga-Sitz) … Dann rufe man aus dem Herzlotos Śiva herbei, kristallglänzend, vierarmig, Frucht und Dreizack tragend,
Die gewünschten Glieder (verehre man) nach der Regel. Ananta, Sūkṣma, Siddheśvara und Ekanetra verehre man in den Himmelsrichtungen, beginnend mit Osten,
Ekarudra, Trinetra, Śrīkaṇṭha und Śikhaṇḍin in den Zwischenrichtungen, beginnend mit Nordosten: Diese sind die Herren des Wissens (Vidyeśa), auf Lotossitzen.
kuliśaṃ śaktidaṇḍau ca khaḍgapāśadhvajau gadāṃ / śūlaṃ cakraṃ yajet padmaṃ pūvvādau devamarcya ca //
Donnerkeil, Speer und Stab, Schwert, Schlinge und Banner, Keule, Dreizack, Diskus und Lotos verehre man, beginnend mit Osten, nachdem man den Gott verehrt hat.
Dann lasse man den vorbereiteten Schüler die fünf Kuhprodukte trinken. Den, der Wasser geschlürft hat, besprenge man mit (Mantras), die auf netra enden [?], und verbinde ihm mit dem Netra(-Mantra) die Augen.
Nachdem die Prinzipien, vom ersten an, zurückgenommen sind, (geschieht) der Reihe nach die Auflösung im Höchsten; dann lasse der Lehrer den Schüler auf dem Weg der Schöpfung wieder entstehen.
Auf welche (Gottheit) die Blumen fallen, einen mit deren Namen beginnenden (Namen) weise man (ihm) zu. In einer an der Seite des Opferplatzes gegrabenen Feuergrube mit Nabel und Gürteln
erzeuge man das Śiva-Feuer, verehre es und verehre (es) wiederum zusammen mit dem Schüler. Den durch Meditation dem eigenen Selbst gleichgemachten Schüler zurücknehmend, (vollziehe man) der Reihe nach die Auflösung,
Nachdem man für jedes einzelne hundert (Spenden) geopfert hat, opfere man mit dem Vyoma-Wurzelmantra [?]. Nach dem Opfern bringe man die Vollspende dar und opfere mit dem Astra(-Mantra) acht Spenden
als Sühne zur Reinigung; dann vollende man das Übrige. Nachdem man den mit Mantras geweihten Krug verehrt hat, weihe man den Neuling auf dem Sitz durch Besprengung.
śiṣye tu samayaṃ datvā svarṇādyaiḥ svaguruṃ yajet / dīkṣā pañcākṣarasyoktā viṣṇvāderevameva hi //
Nachdem man dem Schüler die Verpflichtung (samaya) auferlegt hat, ehre er (der Schüler) seinen Lehrer mit Gold usw. So ist die Weihe des Fünfsilbigen verkündet; ebenso (verläuft sie) für Viṣṇu usw.