Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 296: viṣahṛnmantrauṣadham Giftvertreibende Mantras und Heilmittel

Das Kapitel bringt giftvertreibende Mantras (Rudra-, Kṛṣṇa- und „Unterwelt-Erschütterungs“-Mantra) und pflanzliche Rezepturen gegen Gift in Form von Trank, Salbe, Augensalbe und Nasenmittel (Śirīṣa, Arka, Pfeffer, Asant, Trikaṭu u. a.). Der Kapitelanfang (Agnis Einleitung und ein langer Rudra-Mantra) ist in der Quelle ins Titelfeld geraten; die Einheit 1 enthält nur den Schluss-Halbvers von Vers 1. Mehrere Pflanzennamen sind verderbt (Verse 7–8); Vers 8 hat drei Halbverse.

japādinā sādhitastu sarpān badhnāti nityaśaḥ //1 //

[Dieser Mantra,] durch Rezitation usw. zur Vollendung gebracht, bindet stets die Schlangen.

Wort für Wort
japa-ādinā
durch Rezitation usw.
sādhitaḥ
zur Vollendung gebracht
sarpān badhnāti
bindet die Schlangen
nityaśaḥ
stets

Nur der Schluss-Halbvers von Vers 1; der vorangehende Text (Agnis Rede mit dem Rudra-Mantra) steht in der Quelle im Titelfeld: „oṃ namo bhagavate rudrāya chinda chinda viṣaṃ …“ („Oṃ, Verehrung dem erhabenen Rudra, zerschneide, zerschneide das Gift, dem, der die flammende Axt in der Hand hält; Verehrung dem erhabenen Vogel-Rudra; lass den Gebissenen aufstehen, lass ihn zittern, lass ihn sprechen …, vernichte das unbewegliche und bewegliche, künstliche und natürliche Gift und Nebengift …“).

ekadvitricaturvījaḥ kṛṣṇacakrāṅgapañcakaḥ / gopījanavallabhāya svāhā sarvārthasādhakaḥ //

[Der Mantra] mit einem, zwei, drei oder vier Bījas, mit den fünf Gliedern von Kṛṣṇas Diskus [?]: „gopījanavallabhāya svāhā“ [Anm.: dem Liebling der Hirtinnen svāhā] – er bewirkt alle Ziele.

Wort für Wort
eka-dvi-tri-catur-bījaḥ
mit ein bis vier Bījas
kṛṣṇa-cakra-aṅga-pañcakaḥ
mit den fünf Gliedern von Kṛṣṇas Diskus
gopī-jana-vallabhāya
dem Liebling der Hirtinnen
sarva-artha-sādhakaḥ
alle Ziele bewirkend

kṛṣṇacakrāṅgapañcakaḥ unsicher.

oṃ namo bhagavate rudrāya pretādhipataye guttva 2 garja 2 bhrāmaya 2 muñca 2 muhya 2 kaṭa 2 āviśa 2 suvarṇapataṅga rudro jñāpayati ṭha 2 pātālakṣobhamantroyaṃ mantraṇādviṣanāśanaḥ / daṃśakāhidaṃśe sadyo daṣṭaḥ kāṣṭhaśilādinā //

„oṃ namo bhagavate rudrāya pretādhipataye … garja garja bhrāmaya bhrāmaya muñca muñca muhya muhya kaṭa kaṭa āviśa āviśa suvarṇapataṅga rudro jñāpayati ṭha ṭha“ [Anm.: Oṃ, Verehrung dem erhabenen Rudra, dem Herrn der Totengeister, …; brülle, brülle, lass kreisen, lass kreisen, lass los, lass los, werde betäubt [?], …, dringe ein, dringe ein, o goldener Vogel; Rudra befiehlt, ṭha ṭha]. Dies ist der „Unterwelt-Erschütterungs“-Mantra; durch Besprechung vernichtet er Gift. Beim Biss einer beißenden Schlange [behandle man] den Gebissenen sofort mit Holz, Stein usw.;

Wort für Wort
pretādhipataye
dem Herrn der Totengeister
garja bhrāmaya muñca
brülle, lass kreisen, lass los
pātāla-kṣobha-mantraḥ
Unterwelt-Erschütterungs-Mantra
mantraṇāt viṣa-nāśanaḥ
durch Besprechung giftvernichtend
kāṣṭha-śilā-ādinā
mit Holz, Stein usw.

Prosa-Mantra; guttva unklar; die Zahl 2 steht für Wiederholung.

viṣaśāntyai dehāddaṃśaṃ jvālakokanadādinā / śirīṣavījapuṣpārkakṣīravījakaṭutrayaṃ //

zur Befriedung des Giftes [entferne man] die Bissstelle aus dem Körper [durch Ausbrennen] mit Flamme, [oder behandle sie] mit rotem Lotus usw. [?]. Śirīṣa-Samen und -Blüten, Arka-Milch, -Samen und die drei Scharfen (trikaṭu)

Wort für Wort
viṣa-śāntyai
zur Befriedung des Giftes
dehāt daṃśam
die Bissstelle vom Körper
jvāla-kokanada-ādinā
mit Flamme, rotem Lotus usw.
śirīṣa-bīja-puṣpa
Śirīṣa-Samen und -Blüten
arka-kṣīra
Arka-Milch
kaṭu-trayam
die drei Scharfen

Erster Halbvers syntaktisch unvollständig.

viṣaṃ vināśayet pānalepanenāñjanādinā / śirīṣapuśpasya rasabhāvitaṃ maricaṃ sitaṃ //

vernichten das Gift durch Trinken, Salbe, Augensalbe usw. Weißer Pfeffer, mit dem Saft der Śirīṣa-Blüte getränkt,

Wort für Wort
viṣam vināśayet
vernichtet das Gift
pāna-lepana
Trinken und Salbe
añjana-ādinā
durch Augensalbe usw.
śirīṣa-puṣpasya rasa-bhāvitam
mit Śirīṣa-Blütensaft getränkt
maricam sitam
weißer Pfeffer

pānanasyāñjanādyaiś ca viṣaṃ hanyānna saṃśayaḥ / koṣātakīvacāhiṅguśirīśārkapayoyutaṃ //

vernichtet durch Trinken, Nasenmittel, Augensalbe usw. das Gift, ohne Zweifel. Koṣātakī, Kalmus (vacā), Asant, Śirīṣa, mit Arka-Milch vermischt,

Wort für Wort
pāna-nasya-añjana-ādyaiḥ
durch Trinken, Nasenmittel, Augensalbe
hanyāt na saṃśayaḥ
vernichtet ohne Zweifel
koṣātakī vacā
Koṣātakī, Kalmus
hiṅgu śirīṣa
Asant, Śirīṣa
arka-payaḥ-yutam
mit Arka-Milch vermischt

kuṭutrayaṃ sameṣāmbho harennasyādinā viṣaṃ / rāmaṭhekṣvākusarvāṅgacūrṇaṃ nasyādviṣāpahaṃ //

[und] die drei Scharfen mit Schafs[milch]wasser [?] vertreiben durch Nasenmittel usw. das Gift. Pulver aus der ganzen Pflanze von Rāmaṭha [Anm.: Asant] und Ikṣvāku [Anm.: Bitterkürbis] vertreibt durch die Nase das Gift.

Wort für Wort
kaṭu-trayam
die drei Scharfen
haret nasya-ādinā viṣam
vertreibe durch Nasenmittel das Gift
rāmaṭha-ikṣvāku
Asant und Bitterkürbis
sarva-aṅga-cūrṇam
Pulver aus der ganzen Pflanze
nasyāt viṣa-apaham
durch die Nase giftvertreibend

kuṭutrayaṃ für kaṭutrayam; sameṣāmbho unklar.

indrabalāgnikandroṇaṃ tulasī devikā sahā / tadrasāktaṃ trikaṭukaṃ cūrṇambhakṣyayiṣāpahaṃ / pañcāṅgaṃ kṛṣṇapañcabhyāṃ śirīṣasya viṣāpahaṃ //

Indrabalā [?], Agni [Anm.: Citraka], … [?], Tulasī, Devikā [und] Sahā: die drei Scharfen, mit deren Saft getränkt, als Pulver gegessen, vertreiben das Gift. Die fünf Teile des Śirīṣa [Anm.: Wurzel, Rinde, Blatt, Blüte, Frucht], am fünften [Tag] der dunklen [Monatshälfte gesammelt], vertreiben das Gift.“

Wort für Wort
tulasī devikā sahā
Tulasī, Devikā, Sahā
tat-rasa-aktam
mit deren Saft getränkt
cūrṇam bhakṣyam
Pulver zu essen
pañca-aṅgam śirīṣasya
die fünf Teile des Śirīṣa
kṛṣṇa-pañcamyām
am fünften der dunklen Hälfte

Drei Halbverse; kandroṇaṃ unklar; bhakṣyayiṣāpahaṃ für bhakṣyaṃ viṣāpaham.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks