Kapitel 66: sādhāraṇapratiṣṭhāvidhānam
Die Vorschrift der allgemeinen Einsetzung
Das Kapitel beschreibt die gemeinsame Einsetzung von Göttergruppen (Ādityas, Vasus usw.) samt der Bildung ihrer Keimsilben-Mantras, sodann die rituelle 'Einsetzung' von Gelübden, Fastenzeiten, Klöstern, Brücken, Tränken, Gärten und Häusern mit Breiopfern und Spendenfolgen, und endet mit dem Lohn für solche Stiftungen. Vers 23 besteht nur aus einem Halbvers; das Kolophon nennt das Kapitel samudāyapratiṣṭhākathanam.
Der Erhabene sprach: Auch die Gesamt-Einsetzung will ich darlegen; sie (erfolgt) wie die Vāsudevas: die Ādityas, Vasus, Rudras, Sādhyas, die Allgötter, die beiden Aśvins
und nachdem man ihn mit den Vokalzeichen differenziert hat, bilde man mit den langen (Vokalen) die Glieder-(Mantras) (aṅga). Zuerst bilde man die Keimsilbe mit dem Nasalpunkt (bindu), (dazu) das Praṇava und die Verehrungsformel (namaḥ).
Für alle geschieht mit dem Wurzelmantra die Verehrung und ebenso die Einsetzung. (Nun die Einsetzung) von Selbstzuchten, Gelübden und Kṛcchra-Bußen, von Klöstern, Brücken und Häusern –
das einmonatige Fasten am zwölften (Mondtag) usw. –, (diese) Einsetzung usw. nenne ich. Dann stelle man einen Stein, einen vollen Krug, ein Bronzegefäß und das Zubehör auf.
Nachdem der Adept Brahmakūrca (eine Mischung aus Kuhprodukten) herbeigebracht hat, koche er einen Gerstenbrei mit der Milch einer braunen Kuh unter „tad viṣṇoḥ“.
Nachdem er ihn unter dem Praṇava mit Butterschmalz begossen hat, rühre er ihn mit dem Löffel um; nachdem er ihn gar gekocht und vom Feuer genommen hat, verehre er Viṣṇu und opfere.
ihm (svāhā)“, auch dem König Soma; mit (den Mantras) Indras usw. vollziehe er das Opfer. Nachdem er so geopfert hat, gebe er Anteile vom Brei sorgfältig als Spenden an die Himmelsrichtungen.
hutvā tu brahmaviṣṇvīśadevānāmanuyāyināṃ / grahāṇāmāhutīrhutvā lokeśānāmatho punaḥ //
Nachdem er für die Götter Brahmā, Viṣṇu und Īśa sowie ihre Gefolgsleute geopfert und Spenden für die Planeten dargebracht hat, dann wiederum für die Welthüter,
Eine andere Einsetzung für das einmonatige Fasten usw. sage ich vollständig: Nachdem man den Herrn der Götter mit einem Opfer erfreut hat, koche man einen Viṣṇu-Brei
aus Sesam, Reis, Wildreis, Hirse oder Gerste; nachdem man ihn mit Butterschmalz begossen und (vom Feuer) genommen hat, opfere man mit den Gestalt-Mantras (mūrtimantra)
der Monatsherren Viṣṇu usw.; an deren Ende opfere man wiederum: „oṃ viṣṇave svāhā“ (Oṃ, dem Viṣṇu svāhā), „oṃ viṣṇave nibhūyapāya svāhā“ (Oṃ, dem Viṣṇu Nibhūyapa svāhā), „oṃ viṣṇave śipiviṣṭāya svāhā“ (Oṃ, dem Viṣṇu Śipiviṣṭa svāhā), „oṃ narasiṃhāya svāhā“ (Oṃ, dem Narasiṃha svāhā), „oṃ puruṣottamāya svāhā“ (Oṃ, dem höchsten Puruṣa svāhā). Zwölf mit Butterschmalz übergossene Aśvattha-Brennhölzer opfere man
Wort für Wort
viṣṇu-ādīnām māsa-pānām
der Monatsherren Viṣṇu usw.
tat-ante homayet punaḥ
an deren Ende opfere wieder
viṣṇave śipiviṣṭāya
dem Viṣṇu Śipiviṣṭa
dvādaśa aśvattha-samidhaḥ
zwölf Aśvattha-Brennhölzer
ghṛta-samplutāḥ
mit Butterschmalz übergossen
Vers mit eingeschobener Mantraliste, metrisch überlang.
und nachdem man ebenso Butterschmalzspenden geopfert hat, opfere man mit „tad viprāsaḥ“. Nachdem man dann das Restopfer vollzogen hat, gebe man drei Vollspenden.
yuñjatetyanuvākantu japtvā prāśīta vai caruṃ / praṇavena svaśabdānte kṛtvā pātre tu paippale //
Nachdem man den Abschnitt (anuvāka) „yuñjate“ gemurmelt hat, esse man den Brei, (und zwar) unter dem Praṇava, nach dem Ausspruch „sva(hā)“ [?], nachdem man ihn in ein Gefäß aus Pippala-(Blättern) getan hat.
daśahastaṃ prapā.arāmamaṭhasaṅkramaṇādiṣu / gṛhe ca homamevantu kṛtvā sarvaṃ yathāvidhi //
zehn Ellen (lang), (ebenso) bei Wassertränken, Gärten, Klöstern, Brücken usw. Und nachdem man beim Haus ebenso das Feueropfer und alles nach Vorschrift vollzogen hat,
Durch die Schenkung eines Klosters weilt man in der Himmelswelt und dann in der Welt Śakras; durch die Schenkung einer Wassertränke (weilt man in der Welt) Varuṇas, durch eine Brücke weilt man im Himmel.
iṣṭakāsetukārī ca goloke mārgakṛdgavāṃ / niyamavratakṛdviṣṇuḥ kṛcchrakṛtsarvapāpahā //
Wer einen Ziegeldamm baut und wer einen Weg für Kühe anlegt, (weilt) in der Kuhwelt; wer Selbstzuchten und Gelübde übt, (wird wie) Viṣṇu [?]; wer Kṛcchra-Bußen vollzieht, tilgt alle Sünden.
Wer ein Haus schenkt, weilt im Himmel bis zur Überflutung der Wesen (am Weltende). Die Gesamt-Einsetzung ist (auch) erwünscht für Śiva usw., deren Wesen das Haus ist [?].