Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 64: kūpādipratiṣṭhākathanam Darlegung der Einsetzung von Brunnen und anderen (Gewässern)

Das Kapitel beschreibt die Weihe von Brunnen, Treppenbrunnen und Teichen: Herstellung eines Varuṇa-Bildes, Waschung und Besprengung mit acht Arten von Wasser unter vedischen Versen, Bad mit 81 Krügen, Feueropfer an eine Reihe von Gottheiten, Versenkung des Bildes im Gewässer und Errichtung eines Opferpfostens, dessen Länge von der Art des Gewässers abhängt. Den Abschluss bilden die Übergabe des Wassers an alle Lebewesen und das Lob des Verdienstes. Mehrere Mantra-Anfänge sind entstellt (V. 14, 17, 37).

bhagavānuvāca | kūpavāpītaḍāgānāṃ pratiṣṭhāṃ vacmi tāṃ śṛṇu / jalarūpeṇa hi hariḥ somo varuṇa uttama //

Der Erhabene sprach: Die Einsetzung von Brunnen, Treppenbrunnen und Teichen sage ich dir; höre sie. Denn in Gestalt des Wassers ist Hari Soma und Varuṇa, o Bester.

Wort für Wort
kūpa-vāpī-taḍāgānām
von Brunnen, Treppenbrunnen, Teichen
pratiṣṭhām vacmi
die Einsetzung sage ich
jala-rūpeṇa
in Gestalt des Wassers
hariḥ somaḥ varuṇaḥ
Hari ist Soma und Varuṇa
uttama
o Bester

agnīṣomamayaṃ viśvaṃ viṣṇurāpastu kāraṇaṃ / haimaṃ raupyaṃ ratnajaṃ vā varuṇaṃ kārayennaraḥ //

Das All besteht aus Agni und Soma; Viṣṇu aber und die Wasser sind die Ursache. Aus Gold, Silber oder Edelstein lasse man ein Bild des Varuṇa anfertigen,

Wort für Wort
agnīṣoma-mayam viśvam
das All besteht aus Agni und Soma
viṣṇuḥ āpaḥ kāraṇam
Viṣṇu und die Wasser sind die Ursache
haimam raupyam ratna-jam
golden, silbern, aus Edelstein
varuṇam kārayet
lasse Varuṇa anfertigen

dvibhujaṃ haṃsapṛṣṭhasthaṃ dakṣiṇenābhayapradaṃ / vāmena nāgapāśaṃ taṃ nadīnāgādisaṃyutaṃ //

zweiarmig, auf dem Rücken eines Schwans sitzend, mit der Rechten Furchtlosigkeit gewährend, mit der Linken die Schlangenschlinge (haltend), umgeben von Flüssen, Nāgas usw.

Wort für Wort
dvi-bhujam
zweiarmig
haṃsa-pṛṣṭha-stham
auf dem Rücken eines Schwans sitzend
dakṣiṇena abhaya-pradam
mit der Rechten Furchtlosigkeit gewährend
vāmena nāga-pāśam
mit der Linken die Schlangenschlinge
nadī-nāga-ādi-saṃyutam
mit Flüssen, Nāgas usw.

yāgamaṇḍapamadhye syādvedikā kuṇḍamaṇḍitā / toraṇaṃ vāruṇaṃ kumbhaṃ nyasecca karakānvitaṃ //

In der Mitte des Opferpavillons sei eine Vedī, mit Feuergruben geschmückt; man errichte Torbögen und stelle einen Varuṇa-Krug mit Wasserkannen auf.

Wort für Wort
yāga-maṇḍapa-madhye
in der Mitte des Opferpavillons
vedikā kuṇḍa-maṇḍitā
eine mit Gruben geschmückte Vedī
toraṇam
Torbogen
vāruṇam kumbham nyaset
stelle einen Varuṇa-Krug auf
karaka-anvitam
mit Wasserkannen

bhadrake cārdhacandre vā svastike dvāri kumbhakān / agnyādhānaṃ cāpyakuṇḍe kṛtvā pūrṇāṃ pradāpayet //

Auf (einem Maṇḍala in Form von) Bhadraka, Halbmond oder Svastika (stelle man) an den Toren Krüge (auf); nachdem man auch in der Grube [?] die Feuergründung vollzogen hat, gebe man die Vollspende.

Wort für Wort
bhadrake ardhacandre vā svastike
auf Bhadraka, Halbmond oder Svastika
dvāri kumbhakān
Krüge am Tor
agni-ādhānam
die Feuergründung
kṛtvā
vollzogen habend
pūrṇām pradāpayet
gebe die Vollspende

'cāpyakuṇḍe' unklar: 'auch in der Grube' oder 'auch ohne Grube'.

varuṇaṃ snānapīṭhe tu ye te śateti saṃspṛśet / ghṛtenābhyañjayet paścānmūlamantreṇa deśikaḥ //

Varuṇa auf dem Badesitz berühre man mit „ye te śatam“; danach salbe ihn der Lehrer mit Butterschmalz unter dem Wurzelmantra.

Wort für Wort
snāna-pīṭhe
auf dem Badesitz
ye te śata iti
mit 'ye te śatam'
saṃspṛśet
berühre
ghṛtena abhyañjayet
salbe mit Butterschmalz
mūla-mantreṇa deśikaḥ
der Lehrer mit dem Wurzelmantra

śanno devīti prakṣālya śuddhavatyā śivodakaiḥ / adhivāsayedaṣṭakumbhān sāmudraṃ pūrvakumbhake //

Nachdem man ihn mit „śaṃ no devīḥ“ abgewaschen hat, (und) mit den Śuddhavatī-(Versen) und mit Segenswasser, lasse man acht Krüge übernachten: Meerwasser im östlichen Krug,

Wort für Wort
śam naḥ devī iti
mit 'śaṃ no devīḥ'
prakṣālya
abgewaschen habend
śuddhavatyā
mit den Śuddhavatī-Versen
śiva-udakaiḥ
mit Segenswasser
adhivāsayet aṣṭa-kumbhān
lasse acht Krüge übernachten
sāmudram pūrva-kumbhake
Meerwasser im östlichen Krug

gāṅgamagnau varṣatoyaṃ dakṣe rakṣastu nairjharaṃ / nadītoyaṃ paścime tu vāyavye tu nadodakaṃ //

Gangeswasser im Südosten, Regenwasser im Süden, im Südwesten aber Wasser vom Wasserfall, Flusswasser im Westen, im Nordwesten aber Wasser eines Stromes,

Wort für Wort
gāṅgam agnau
Gangeswasser im Südosten
varṣa-toyam dakṣe
Regenwasser im Süden
rakṣaḥ nairjharam
im Südwesten Wasserfallwasser
nadī-toyam paścime
Flusswasser im Westen
vāyavye nada-udakam
im Nordwesten Stromwasser

rakṣas hier für die Richtung Nairṛta (Südwesten); nada ist ein männlich benannter Strom.

audbhijjaṃ cottare sthāpya aiśānyāṃ tīrthasambhavaṃ / alābhe tu nadītoyaṃ yāsāṃ rājeti mantrayet //

im Norden (Wasser), das aus dem Boden hervorbricht, im Nordosten das an einem Badeplatz entstandene; hat man es nicht, so bespreche man Flusswasser mit „yāsāṃ rājā“.

Wort für Wort
audbhijjam uttare
Quellwasser aus dem Boden im Norden
aiśānyām tīrtha-sambhavam
im Nordosten Tīrtha-Wasser
alābhe
wenn nicht erhältlich
nadī-toyam
Flusswasser
yāsām rājā iti mantrayet
bespreche mit 'yāsāṃ rājā'

devaṃ nirmārjya nirmañchya durmitriyeti vicakṣaṇaḥ / netre conmīlayeccitraṃ taccakṣurmadhuratrayaiḥ //

Nachdem der Kundige den Gott mit „durmitriyāḥ“ abgerieben und abgewischt hat, öffne er mit „citram“ und „tac cakṣuḥ“ mit den drei Süßen die Augen.

Wort für Wort
devam nirmārjya
den Gott abgerieben habend
nirmañchya
abgewischt habend
durmitriyāḥ iti
mit 'durmitriyāḥ'
netre unmīlayet
öffne die Augen
citram tat cakṣuḥ
mit 'citram' und 'tac cakṣuḥ'
madhura-trayaiḥ
mit den drei Süßen

jyotiḥ sampūrayeddhaimyāṃ gurave gāmathārpayet / samudrajyeṣṭhetyabhiṣiñcayedvaruṇaṃ pūrvakumbhataḥ //

Er fülle ein goldenes (Gefäß) mit Licht [?] und schenke dann dem Lehrer eine Kuh. Mit „samudrajyeṣṭhāḥ“ besprenge er Varuṇa aus dem östlichen Krug,

Wort für Wort
jyotiḥ sampūrayet haimyām
fülle ein goldenes (Gefäß) mit Licht
gurave gām arpayet
schenke dem Lehrer eine Kuh
samudra-jyeṣṭhāḥ iti
mit 'samudrajyeṣṭhāḥ'
abhiṣiñcayet varuṇam
besprenge Varuṇa
pūrva-kumbhataḥ
aus dem östlichen Krug

samudraṃ gaccha gāṅgeyāt somo dhenviti varṣakāt / devīrāpo nirjharādbhir nadādbhiḥ pañcanadyataḥ //

mit „samudraṃ gaccha“ aus dem Ganges-(Krug), mit „somo dhenum“ aus dem Regen-(Krug), mit „devīr āpaḥ“ mit dem Wasserfallwasser, mit dem Stromwasser mit „pañca nadyaḥ“,

Wort für Wort
samudram gaccha
'geh zum Meer'
gāṅgeyāt
aus dem Ganges-Krug
somaḥ dhenum iti varṣakāt
mit 'somo dhenum' aus dem Regen-Krug
devīḥ āpaḥ nirjhara-adbhiḥ
mit 'devīr āpaḥ' mit Wasserfallwasser
nada-adbhiḥ pañcanadyataḥ
mit Stromwasser mit 'pañca nadyaḥ'

udbhidadbhyaścodbhidena pāvamānyātha tīrthakaiḥ / āpo hi ṣṭhā pañcagavyāddhiraṇyavarṇeti svarṇajāt //

mit dem Udbhid-(Vers) mit dem hervorbrechenden Wasser, dann mit den Pāvamānī-(Versen) mit den Tīrtha-Wassern; mit „āpo hi ṣṭhā“ aus den fünf Kuhprodukten, mit „hiraṇyavarṇāḥ“ aus dem Goldwasser,

Wort für Wort
udbhit-adbhyaḥ udbhidena
mit dem Udbhid-Vers mit Quellwasser
pāvamānyā tīrthakaiḥ
mit den Pāvamānī-Versen mit Tīrtha-Wasser
āpaḥ hi stha
'ihr Wasser seid ja …'
pañcagavyāt
aus den fünf Kuhprodukten
hiraṇya-varṇā iti svarṇa-jāt
mit 'hiraṇyavarṇāḥ' aus dem Goldwasser

āpo asmeti varṣoptyair vyāhṛtyā kūpasambhavaiḥ / varuṇañca taḍāgoptyair varuṇādbhistu vaśyataḥ //

mit „āpo asmān“ mit den aus Regen gewonnenen (Wassern), mit der Vyāhṛti mit den aus Brunnen stammenden, mit „varuṇam“ mit den aus Teichen gewonnenen, mit Varuṇa-Wassern aus … [?],

Wort für Wort
āpaḥ asmān iti
mit 'āpo asmān'
varṣa-utthaiḥ
mit aus Regen stammenden
vyāhṛtyā kūpa-sambhavaiḥ
mit der Vyāhṛti mit Brunnenwasser
taḍāga-utthaiḥ
mit aus Teichen stammenden
varuṇa-adbhiḥ
mit Varuṇa-Wassern

varṣoptyaiḥ/taḍāgoptyaiḥ vermutlich für -utthaiḥ ('stammend aus'); 'varuṇādbhis tu vaśyataḥ' unverständlich.

āpo devīti girijair ekāśīvighaṭaistataḥ / snāpayedvaruṇasyeti tvanno varuṇā cārghyakaṃ //

mit „āpo devīḥ“ mit den aus den Bergen stammenden; dann bade er ihn mit einundachtzig Krügen mit „varuṇasya“; mit „tvaṃ no varuṇa“ (gebe er) die Gastgabe,

Wort für Wort
āpaḥ devīḥ iti giri-jaiḥ
mit 'āpo devīḥ' mit Bergwassern
ekāśīti-ghaṭaiḥ
mit 81 Krügen
snāpayet varuṇasya iti
bade mit 'varuṇasya'
tvam naḥ varuṇa
'du, o Varuṇa, uns …'
arghyakam
die Gastgabe

ekāśīvighaṭaiḥ für ekāśītighaṭaiḥ.

vyāhṛtyā madhuparkantu vṛhaspateti vastrakaṃ / varuṇeti pavitrantu praṇavenottarīyakaṃ //

mit der Vyāhṛti den Madhuparka, mit „bṛhaspate“ das Gewand, mit „varuṇa“ den Reinigungsring (pavitra), mit dem Praṇava das Obergewand.

Wort für Wort
vyāhṛtyā madhuparkam
mit der Vyāhṛti den Madhuparka
bṛhaspate iti vastrakam
mit 'bṛhaspate' das Gewand
varuṇa iti pavitram
mit 'varuṇa' den Reinigungsring
praṇavena uttarīyakam
mit Oṃ das Obergewand

yadvāraṇyena puṣpādi pradadyādvaruṇāya tu / cāmaraṃ darpaṇaṃ chatraṃ vyajanaṃ vaijayantikāṃ //

Mit „yad vāruṇya“ [?] gebe man Varuṇa Blumen usw., Yakwedel, Spiegel, Schirm, Fächer und Siegesfahne.

Wort für Wort
yad vāruṇyena
mit (dem Mantra) 'yad vāruṇya' (?)
puṣpa-ādi pradadyāt
gebe Blumen usw.
cāmaram darpaṇam chatram
Yakwedel, Spiegel, Schirm
vyajanam vaijayantikām
Fächer, Siegesfahne

yadvāraṇyena: Mantra-Anfang unsicher.

mūlenottiṣṭhetyutthāpya tāṃ rātrimadhivāsayet / varuṇañceti sānnidhyaṃ yadvāraṇyena pūjayet //

Mit dem Wurzelmantra und „uttiṣṭha“ richte man ihn auf und lasse ihn diese Nacht übernachten. Mit „varuṇaṃ ca“ (bewirke man) die Gegenwart, mit „yad vāruṇya“ verehre man ihn.

Wort für Wort
mūlena uttiṣṭha iti utthāpya
mit dem Wurzelmantra und 'uttiṣṭha' aufgerichtet
tām rātrim adhivāsayet
lasse diese Nacht übernachten
sānnidhyam
die Gegenwart
pūjayet
verehre

sajīvīkaraṇaṃ mūlāt punargandhādinā yajet / maṇḍape pūrvavat prārcya kuṇḍeṣu samidādikaṃ //

Die Belebung (vollziehe man) mit dem Wurzelmantra; wiederum verehre man mit Duft usw. Nachdem man wie früher im Pavillon verehrt hat, (opfere man) in den Gruben Brennholz usw.

Wort für Wort
sa-jīvī-karaṇam mūlāt
die Belebung mit dem Wurzelmantra
punaḥ gandha-ādinā yajet
verehre wieder mit Duft usw.
maṇḍape pūrvavat prārcya
im Pavillon wie früher verehrt
kuṇḍeṣu samidh-ādikam
in den Gruben Brennholz usw.

vedādimantrair gandhādyāś catasro dhenavo duhet / dikṣvatho vai yavacaruṃ tataḥ saṃsthāpya homayet //

Mit vedischen und anderen Mantras (und) mit Duftstoffen usw. melke man vier Kühe in den (vier) Richtungen; dann stelle man einen Gerstenbrei hin und opfere.

Wort für Wort
veda-ādi-mantraiḥ
mit vedischen usw. Mantras
catasraḥ dhenavaḥ duhet
melke vier Kühe
dikṣu
in den Richtungen
yava-carum
Gerstenbrei
saṃsthāpya homayet
hinstellend opfere

gandhādyāḥ unklar bezogen.

vyāhṛtyā vātha gāyatryā mūlenāmantrayettathā / sūryāya prajāpataye dyauḥ svāhā cāntarikṣakaḥ //

Mit der Vyāhṛti oder mit der Gāyatrī und ebenso mit dem Wurzelmantra weihe man (den Brei). (Man opfere:) „Dem Sūrya svāhā, dem Prajāpati svāhā, dem Himmel svāhā, dem Luftraum svāhā,

Wort für Wort
vyāhṛtyā vā atha gāyatryā
mit der Vyāhṛti oder der Gāyatrī
mūlena āmantrayet
weihe mit dem Wurzelmantra
sūryāya prajāpataye
dem Sūrya, dem Prajāpati
dyauḥ svāhā
dem Himmel svāhā
antarikṣakaḥ
dem Luftraum

tasyai pṛthivyai dehadhṛtyai iha svadhṛtaye tataḥ / iha ratyai ceha ramatyā ugro bhīmaś ca raudrakaḥ //

jener Erde, der Trägerin der Leiber, hier der Selbst-Trägerin, hier der Freude, hier der Erfreuenden; dem Ugra, dem Bhīma, dem Raudra,

Wort für Wort
tasyai pṛthivyai
jener Erde
deha-dhṛtyai
der Trägerin der Leiber
iha sva-dhṛtaye
hier der Selbst-Trägerin
iha ratyai iha ramatyai
hier der Freude, hier der Erfreuenden
ugraḥ bhīmaḥ raudrakaḥ
Ugra, Bhīma, Raudra

Liste von Opferempfängern teils im Nominativ überliefert.

viṣṇuś ca varuṇo dhātā rāyaspoṣo mahendrakaḥ / agniryamo nairṛto 'tha varuṇo vāyureva ca //

dem Viṣṇu, dem Varuṇa, dem Dhātṛ, dem Rāyaspoṣa, dem Mahendra, dem Agni, dem Yama, dem Nairṛta, dem Varuṇa und dem Vāyu,

Wort für Wort
viṣṇuḥ varuṇaḥ dhātā
Viṣṇu, Varuṇa, Dhātṛ
rāyaspoṣaḥ
Rāyaspoṣa (Mehrer des Reichtums)
mahendrakaḥ
Mahendra
agniḥ yamaḥ nairṛtaḥ
Agni, Yama, Nairṛta
varuṇaḥ vāyuḥ
Varuṇa, Vāyu

kuvera īśo 'nanto 'tha brahmā rājā jaleśvaraḥ / tasmai svāhedaṃ viṣṇuś ca tadviprāseti homayet //

dem Kubera, dem Īśa, dem Ananta, dem Brahmā, dem König, dem Herrn der Wasser – ihm svāhā!“ Mit „idaṃ viṣṇuḥ“ und „tad viprāsaḥ“ opfere man.

Wort für Wort
kuveraḥ īśaḥ anantaḥ
Kubera, Īśa, Ananta
brahmā rājā jaleśvaraḥ
Brahmā, der König, der Herr der Wasser
tasmai svāhā
ihm svāhā
idam viṣṇuḥ
'idaṃ viṣṇuḥ'
tat viprāsaḥ iti homayet
opfere mit 'tad viprāsaḥ'

somo dhenviti ṣaḍ hutvā imaṃ meti ca homayet / āpo hi ṣṭheti tisṛbhirimā rudreti homayet //

Nachdem man mit „somo dhenum“ sechs (Spenden) geopfert hat, opfere man auch mit „imaṃ me“; mit den drei (Versen) „āpo hi ṣṭhā“ und mit „imā rudrāya“ opfere man.

Wort für Wort
somaḥ dhenum iti ṣaṭ hutvā
mit 'somo dhenum' sechs geopfert
imam me iti
mit 'imaṃ me'
āpaḥ hi stha iti tisṛbhiḥ
mit den drei 'āpo hi ṣṭhā'
imāḥ rudra iti
mit 'imā rudrāya'
homayet
opfere

daśādikṣu baliṃ dadyāt gandhapuṣpādinārcayet / pratimāṃ tu samutthāpya maṇḍale vinyased budhaḥ //

In den zehn Richtungen gebe man Spenden (bali) und verehre mit Duft, Blumen usw. Nachdem der Weise das Bildnis aufgerichtet hat, lege er es in das Maṇḍala.

Wort für Wort
daśa-dikṣu balim dadyāt
in den zehn Richtungen gebe Spenden
gandha-puṣpa-ādinā arcayet
verehre mit Duft, Blumen usw.
pratimām samutthāpya
das Bildnis aufgerichtet
maṇḍale vinyaset budhaḥ
der Weise lege es ins Maṇḍala

pūjayedgandhapuṣpādyair hemapuṣpādibhiḥ kramāt / jalāśayāṃstu digbhāge vitastidvayasammitān //

Man verehre es der Reihe nach mit Duft, Blumen usw. und mit goldenen Blumen usw. In den Richtungsbereichen (lege man) Wasserbecken von je zwei Spannen (an).

Wort für Wort
pūjayet gandha-puṣpa-ādyaiḥ
verehre mit Duft, Blumen usw.
hema-puṣpa-ādibhiḥ kramāt
der Reihe nach mit goldenen Blumen usw.
jala-āśayān
Wasserbecken
diś-bhāge
in den Richtungsbereichen
vitasti-dvaya-sammitān
zwei Spannen messend

kṛtvāṣṭau sthaṇḍilān ramyān saikatān deśikottamaḥ / varuṇasyeti mantreṇa sājyamaṣṭaśataṃ tataḥ //

Nachdem der beste der Lehrer acht schöne sandige Opferplätze angelegt hat, (opfere er) dann mit dem Mantra „varuṇasya“ hundertacht (Spenden) mit Butterschmalz;

Wort für Wort
kṛtvā aṣṭau sthaṇḍilān
acht Opferplätze angelegt
ramyān saikatān
schöne, sandige
deśika-uttamaḥ
der beste Lehrer
varuṇasya iti mantreṇa
mit dem Mantra 'varuṇasya'
sa-ājyam aṣṭa-śatam
108 mit Butterschmalz

caruṃ yavamayaṃ hutvā śāntitoyaṃ samācaret / secayenmūrdhni devaṃ tu sajīvakaraṇaṃ caret //

nachdem er Gerstenbrei geopfert hat, bereite er Friedenswasser; damit besprenge er den Gott auf das Haupt und vollziehe die Belebung.

Wort für Wort
carum yava-mayam hutvā
Gerstenbrei geopfert
śānti-toyam samācaret
bereite Friedenswasser
secayet mūrdhni devam
besprenge den Gott auf das Haupt
sa-jīva-karaṇam caret
vollziehe die Belebung

dhyāyettu varuṇaṃ yuktaṃ gauryā nadanadīgaṇaiḥ / oṃ varuṇāya namo 'bhyarcya tataḥ sānnidhyamācaret //

Er meditiere Varuṇa, vereint mit Gaurī und den Scharen der Ströme und Flüsse; nachdem er ihn mit „oṃ varuṇāya namaḥ“ (Oṃ, Verehrung dem Varuṇa) verehrt hat, vollziehe er dann die Vergegenwärtigung.

Wort für Wort
dhyāyet varuṇam
meditiere Varuṇa
yuktam gauryā
mit Gaurī vereint
nada-nadī-gaṇaiḥ
mit den Scharen der Ströme und Flüsse
oṃ varuṇāya namaḥ
Oṃ, Verehrung dem Varuṇa
sānnidhyam ācaret
vollziehe die Vergegenwärtigung

utthāpya nāgapṛṣṭhādyair bhrāmayettaiḥ samaṅgalaiḥ / āpo hi ṣṭheti ca kṣipettrimadhvākte ghaṭe jale //

Ihn aufrichtend, lasse er ihn auf dem Rücken eines Elefanten usw. unter glückbringenden (Zeremonien) umhertragen; mit „āpo hi ṣṭhā“ werfe er ihn in das Wasser in einem mit den drei Süßen bestrichenen Krug.

Wort für Wort
utthāpya
aufgerichtet
nāga-pṛṣṭha-ādyaiḥ
auf Elefantenrücken usw.
bhrāmayet sa-maṅgalaiḥ
lasse unter Segenszeremonien umhertragen
kṣipet
werfe
tri-madhu-akte ghaṭe jale
ins Wasser, in einem mit drei Süßen bestrichenen Krug

jalāśaye madhyagataṃ suguptaṃ viniveśayet / snātvā dhyāyecca varuṇaṃ sṛṣṭiṃ brahmāṇḍasañjñikāṃ //

In der Mitte des Wasserbeckens setze er ihn wohlgeschützt ein. Nachdem er gebadet hat, meditiere er Varuṇa und die Schöpfung, die „Brahma-Ei“ genannt wird;

Wort für Wort
jala-āśaye madhya-gatam
in der Mitte des Wasserbeckens
su-guptam viniveśayet
setze wohlgeschützt ein
snātvā dhyāyet varuṇam
gebadet meditiere er Varuṇa
sṛṣṭim brahmāṇḍa-sañjñikām
die Schöpfung namens Brahma-Ei

agnivījena sandagddhya tadbhasma plāvayeddharāṃ / sarvamapomayaṃ lokaṃ dhyāyet tatra jaleśvaraṃ //

nachdem er sie mit der Feuer-Keimsilbe verbrannt hat, lasse er deren Asche die Erde überfluten [?]; er meditiere die ganze Welt als aus Wasser bestehend und darin den Herrn der Wasser,

Wort für Wort
agni-bījena
mit der Feuer-Keimsilbe
sandagdhvā
verbrannt habend
tat-bhasma plāvayet dharām
deren Asche überflute die Erde
sarvam apomayam lokam
die ganze Welt als aus Wasser bestehend
jala-īśvaram
den Herrn der Wasser

sandagddhya für sandagdhvā; Sinn von 'tadbhasma plāvayed dharām' unsicher.

toyamadhyasthitaṃ devaṃ tato yūpaṃ niveśayet / caturasramathāṣṭāsraṃ vartulaṃ vā pravartitaṃ //

den Gott, der inmitten des Wassers weilt. Dann setze er den Opferpfosten (yūpa) ein, viereckig oder achteckig oder rund gedrechselt,

Wort für Wort
toya-madhya-sthitam devam
den Gott inmitten des Wassers
yūpam niveśayet
setze den Opferpfosten ein
caturasram aṣṭāsram
viereckig, achteckig
vartulam pravartitam
rund gedrechselt

ārādhya devatāliṅgaṃ daśahastaṃ tu kūpake / yūpaṃ yajñīyavṛkṣotthaṃ mūle haimaṃ phalaṃ nyaset //

– (als) Kennzeichen der Gottheit, nachdem er (sie) verehrt hat –, beim Brunnen zehn Ellen lang; den Pfosten, aus einem opfertauglichen Baum gewonnen; an seinen Fuß lege er eine goldene Frucht.

Wort für Wort
ārādhya
verehrt habend
devatā-liṅgam
Kennzeichen der Gottheit
daśa-hastam kūpake
zehn Ellen beim Brunnen
yajñīya-vṛkṣa-uttham
aus einem Opferbaum
mūle haimam phalam nyaset
an den Fuß lege eine goldene Frucht

vāpyāṃ pañcadaśakaraṃ puṣkariṇyāṃ tu viṃśatikaṃ / taḍāge pañcaviṃśākhyaṃ jalamadhye niveśayet //

Beim Treppenbrunnen (sei er) fünfzehn Ellen, beim Lotusteich zwanzig; beim Teich setze er den fünfundzwanzig (Ellen) messenden in die Mitte des Wassers.

Wort für Wort
vāpyām pañcadaśa-karam
beim Treppenbrunnen 15 Ellen
puṣkariṇyām viṃśatikam
beim Lotusteich 20
taḍāge pañcaviṃśa-ākhyam
beim Teich 25
jala-madhye niveśayet
setze in die Wassermitte

yāgamaṇḍapāṅgeṇa vā yūpabrasketi mantrataḥ / sthāpya tadveṣṭayedvastrair yūpopari patākikāṃ //

Oder (er setze ihn) mit dem Bestandteil des Opferpavillons [?]; nachdem er ihn mit dem Mantra „yūpavraskāḥ“ aufgestellt hat, umwinde er ihn mit Tüchern; oben auf den Pfosten (setze er) ein Fähnchen.

Wort für Wort
yāga-maṇḍapa-aṅgeṇa
mit dem Teil (Hof?) des Opferpavillons
yūpavraska iti mantrataḥ
mit dem Mantra 'yūpavraskāḥ'
tat veṣṭayet vastraiḥ
umwinde ihn mit Tüchern
yūpa-upari patākikām
oben auf den Pfosten ein Fähnchen

yāgamaṇḍapāṅgeṇa unklar (evtl. 'im Hof des Opferpavillons', aṅgaṇa); yūpabraska für yūpavraska.

tadabhyarcya ca gandhādyair jagacchāntiṃ samācaret / dakṣiṇāṃ gurave dadyādbhūgohemāmbupātrakaṃ //

Nachdem er ihn mit Duft usw. verehrt hat, vollziehe er den Weltfrieden(-ritus); dem Lehrer gebe er als Opferlohn Land, Kuh, Gold und ein Wassergefäß.

Wort für Wort
tat abhyarcya
ihn verehrt habend
jagat-śāntim samācaret
vollziehe den Weltfriedensritus
dakṣiṇām gurave dadyāt
gebe dem Lehrer Lohn
bhū-go-hema-ambu-pātrakam
Land, Kuh, Gold, Wassergefäß

dvijebhyo dakṣiṇā deyā āgatān bhojayettathā / ābrahmastambaparyantā ye kecitsalilārthinaḥ //

Den Zweimalgeborenen ist Opferlohn zu geben, und ebenso speise er die Herbeigekommenen. „Welche Wesen auch immer, von Brahmā bis zum Grashalm, nach Wasser verlangen,

Wort für Wort
dvijebhyaḥ dakṣiṇā deyā
den Zweimalgeborenen ist Lohn zu geben
āgatān bhojayet
speise die Gekommenen
ā-brahma-stamba-paryantāḥ
von Brahmā bis zum Grashalm
salila-arthinaḥ
nach Wasser verlangend

te tṛptimupagacchantu taḍāgasthena vāriṇā / toyamutsarjayedevaṃ pañcagavyaṃ vinikṣipet //

die sollen Sättigung erlangen durch das im Teich befindliche Wasser!“ So übergebe er das Wasser (der Allgemeinheit) und werfe die fünf Kuhprodukte hinein.

Wort für Wort
te tṛptim upagacchantu
sie sollen Sättigung erlangen
taḍāga-sthena vāriṇā
durch das Teichwasser
toyam utsarjayet
übergebe das Wasser
pañcagavyam vinikṣipet
werfe die fünf Kuhprodukte hinein

āpo hi ṣṭheti tisṛbhiḥ śāntitoyaṃ dvijaiḥ kṛtaṃ / tīrthatoyaṃ kṣipet puṇyaṃ gokulañcārpayedvijān //

Das von den Zweimalgeborenen mit den drei (Versen) „āpo hi ṣṭhā“ bereitete Friedenswasser und heiliges Tīrtha-Wasser werfe er hinein, und eine Kuhherde übergebe er den Zweimalgeborenen.

Wort für Wort
āpaḥ hi stha iti tisṛbhiḥ
mit den drei 'āpo hi ṣṭhā'
śānti-toyam dvijaiḥ kṛtam
von Brahmanen bereitetes Friedenswasser
tīrtha-toyam kṣipet puṇyam
werfe heiliges Tīrtha-Wasser hinein
gokulam arpayet
übergebe eine Kuhherde

arpayed dvijān für dvijebhyaḥ.

anivāritamannādyaṃ sarvajanyañca kārayet / aśvamedhasahasrāṇāṃ sahasraṃ yaḥ samācaret //

Uneingeschränkt (verteilte) Speisen usw. und ein Fest für alle Leute lasse er veranstalten. Wer tausendmal tausend Pferdeopfer vollzieht –

Wort für Wort
anivāritam anna-ādyam
uneingeschränkt Speise usw.
sarva-janyam kārayet
lasse ein Fest für alle veranstalten
aśvamedha-sahasrāṇām sahasram
tausendmal tausend Pferdeopfer
yaḥ samācaret
wer vollzieht

ekāhaṃ sthāpayettoyaṃ tatpuṇyamayutāyutaṃ / vimāne modate svarge narakaṃ na sa gacchati //

(und wer) auch nur für einen Tag Wasser bereitstellt, dessen Verdienst ist zehntausendmal zehntausend(fach) [?]; im Himmel erfreut er sich auf einem Himmelswagen, zur Hölle geht er nicht.

Wort für Wort
eka-aham
für einen Tag
sthāpayet toyam
stellt Wasser bereit
tat-puṇyam ayuta-ayutam
dessen Verdienst ist zehntausendmal zehntausend
vimāne modate svarge
erfreut sich im Himmel auf einem Himmelswagen
narakam na gacchati
geht nicht zur Hölle

Vergleichslogik von V. 42/43 nicht eindeutig.

gavādi pivate yasmāttasmāt kartur na pātakaṃ / toyadānātsarvadānaphalaṃ prāpya divaṃ yajet //

Weil Kühe usw. daraus trinken, deshalb trifft den Erbauer keine Sünde. Durch die Wassergabe erlangt er die Frucht aller Gaben und gelangt in den Himmel.

Wort für Wort
gava-ādi pibate
Kühe usw. trinken
kartuḥ na pātakam
für den Erbauer keine Sünde
toya-dānāt
durch Wassergabe
sarva-dāna-phalam prāpya
die Frucht aller Gaben erlangend
divam yāyāt
gelangt in den Himmel

pivate für pibati; yajet wohl für yāyāt ('gelangt').

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