Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 227: yuddhayātrā Der Kriegszug

Puṣkara nennt die Voraussetzungen für den Aufbruch zum Feldzug (Sicherung des Rückens, Stärke des eigenen Heeres, Unglück des Feindes, günstige Omina), die Zusammensetzung des Heeres je nach Jahreszeit sowie die Deutung des Körperzuckens bei Männern und Frauen. Das Kolophon nennt das Kapitel „yātrā“. Der letzte Vers ist ein Halbvers.

puṣkara uvāca | yadā manyeta nṛpatirākrandena balīyasā / pārṣṇigrāho 'bhibhūto me tadā yātrāṃ prayojayet //

Puṣkara sprach: Wenn der König meint: „Der Feind in meinem Rücken (pārṣṇigrāha) ist von einem stärkeren Verbündeten im Rücken (ākranda) überwältigt worden“, dann soll er den Feldzug unternehmen.

Wort für Wort
puṣkaraḥ uvāca
Puṣkara sprach
ākrandena balīyasā
durch einen stärkeren Rückenverbündeten
pārṣṇi-grāhaḥ
der Feind im Rücken
abhibhūtaḥ me
ist mir überwältigt
yātrām prayojayet
er unternehme den Feldzug

pārṣṇigrāha: der Feind, der dem ausziehenden König in den Rücken fällt; ākranda: dessen Gegner im Rücken, Verbündeter des Königs.

puṣtā yodhā bhṛṭā bhṛtyāḥ prabhūtañca balaṃ mama / mūlarakṣāsamartho 'smi tair gatvā śivire vrajet //

[Wenn er meint:] „Die Krieger sind wohlgenährt, die Diener entlohnt, und mein Heer ist zahlreich; ich bin imstande, die Basis zu schützen“, dann soll er mit ihnen ausziehen und ins Feldlager gehen.

Wort für Wort
puṣṭāḥ yodhāḥ
wohlgenährte Krieger
bhṛtāḥ bhṛtyāḥ
entlohnte Diener
prabhūtam balam
zahlreiches Heer
mūla-rakṣā-samarthaḥ
fähig, die Basis zu schützen
śibire vrajet
er gehe ins Lager

śatrorvā vyasane yāyāt daivādyaiḥ pīḍitaṃ paraṃ / bhūkampo yāndiśaṃ yāti yāñca keturvyadūṣayat //

Oder er ziehe aus, wenn der Feind im Unglück ist, [wenn] der Gegner durch Schicksalsschläge usw. bedrängt ist, [in] die Richtung, in die ein Erdbeben geht und die ein Komet verunreinigt hat,

Wort für Wort
śatroḥ vyasane yāyāt
beim Unglück des Feindes ziehe er aus
daiva-ādyaiḥ pīḍitam
durch Schicksal usw. bedrängt
bhū-kampaḥ yām diśam yāti
in welche Richtung das Erdbeben geht
ketuḥ vyadūṣayat
ein Komet verunreinigte

vidviṣṭanāśakaṃ sainyaṃ sambhūtāntaḥprakopanaṃ / śarīrasphuraṇe dhanye tathā susvapradarśane //

[wenn] das [feindliche] Heer [ihm] verhasst und verderblich ist [?] und innerer Aufruhr entstanden ist, bei glückverheißendem Zucken des Körpers und ebenso beim Erscheinen guter Träume,

Wort für Wort
vidviṣṭa-nāśakam sainyam
verhasstes, verderbliches Heer [?]
sambhūta-antaḥ-prakopanam
mit entstandener innerer Empörung
śarīra-sphuraṇe dhanye
bei günstigem Körperzucken
su-svapna-pradarśane
beim Erscheinen guter Träume

vidviṣṭanāśakaṃ ist unklar; evtl. „das Heer ist [bei seinem Herrn] verhasst und dem Untergang geweiht“.

nimitte śakune dhanye jāte śatrupuraṃ vrajet / padātināgabahulāṃ senāṃ prāvṛṣi yojayet //

[und] wenn günstige Vorzeichen und Vogelomina eingetreten sind, ziehe er gegen die Stadt des Feindes. Ein Heer, das reich an Fußvolk und Elefanten ist, setze er in der Regenzeit ein,

Wort für Wort
nimitte śakune dhanye
bei günstigem Vorzeichen und Vogelomen
śatru-puram vrajet
zur Feindesstadt ziehe er
padāti-nāga-bahulām senām
ein Heer reich an Fußvolk und Elefanten
prāvṛṣi yojayet
in der Regenzeit setze er ein

hemante śiśire caiva rathavājisamākulāṃ / caturaṅgabalopetāṃ vasante vā śaranmmukhe //

im Winter und in der kühlen Jahreszeit eines, das voll von Wagen und Pferden ist, im Frühling oder zu Beginn des Herbstes eines, das mit allen vier Heeresteilen versehen ist.

Wort für Wort
hemante śiśire
im Winter und in der kühlen Zeit
ratha-vāji-samākulām
voll von Wagen und Pferden
catur-aṅga-bala-upetām
mit viergliedrigem Heer
vasante śarat-mukhe
im Frühling, zu Herbstbeginn

śaranmmukhe ist als śaranmukhe zu lesen.

senā padātibahulā śatrūn jayati sarvadā / aṅgasakṣiṇabhāge tu śastaṃ prasphuraṇaṃ bhavet //

Ein Heer, reich an Fußvolk, besiegt die Feinde zu jeder Zeit. Auf der rechten Seite des Körpers ist das Zucken glückverheißend;

Wort für Wort
senā padāti-bahulā
ein Heer reich an Fußvolk
jayati sarvadā
siegt jederzeit
aṅga-dakṣiṇa-bhāge
auf der rechten Körperseite
śastam prasphuraṇam
das Zucken ist günstig

aṅgasakṣiṇa ist als aṅga-dakṣiṇa zu lesen.

na śastantu tathā vāme pṛṣṭhasya hṛdayasya ca / lāñchanaṃ piṭakañcaiva vijñeyaṃ sphuraṇaṃ tathā //

nicht glückverheißend dagegen auf der linken [Seite], [ebenso] am Rücken und am Herzen. Ein Mal und eine Beule sind ebenso zu deuten wie das Zucken.

Wort für Wort
na śastam vāme
nicht günstig links
pṛṣṭhasya hṛdayasya
des Rückens und des Herzens
lāñchanam piṭakam
Mal und Beule
vijñeyam sphuraṇam tathā
wie das Zucken zu deuten

viparyayeṇābhihitaṃ savye strīṇāṃ śubhaṃ bhavet //

Für Frauen gilt es umgekehrt: auf der linken [Seite] ist es für sie glückverheißend.

Wort für Wort
viparyayeṇa abhihitam
umgekehrt gesagt
savye
links
strīṇām śubham
für Frauen glückverheißend

Nur ein Halbvers.

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