Kapitel 223: rājadharmāḥ
Die Pflichten des Königs: Frauengemach, Liebeskunst und Duftstoffe
Puṣkara behandelt die Fürsorge für das Frauengemach im Rahmen der drei Lebensziele und nennt die Kennzeichen einer abgeneigten und einer zugeneigten Frau. Danach folgt ein Abschnitt über Duftkunst: die acht Verfahren der Duftbereitung, einundzwanzig Räucherstoffe, Badezusätze, Duftöle, Mundparfüms und Duftpillen. Zum Schluss wird der König gemahnt, den Frauen nie ganz zu vertrauen. Die Überschrift lautet rājadharmāḥ, das Kolophon nennt das Kapitel strīrakṣādikāmaśāstram („Liebeslehre, beginnend mit dem Schutz der Frauen“; dort verschrieben mahāopurāṇe). Viele Drogennamen sind nicht sicher bestimmbar und stehen hier als Sanskritnamen; einige sind entstellt (z. B. 19 gandhamuktiḥ für gandhayuktiḥ, 31 jātīpuṣa für jātīpuṣpa).
Puṣkara sprach: Ich werde auch die Fürsorge für das Frauengemach darlegen. Dharma und die übrigen sind die Ziele des Menschen (puruṣārtha); unter gegenseitigem Schutz dieser (Ziele) sollen die Könige mit der Frau Umgang pflegen.
Der große Baum der drei Ziele (trivarga) hat Dharma als Wurzel, Artha als Zweige und Kāma [?] als Frucht; durch dessen Schutz erlangt man dabei Anteil an der Frucht.
Wort für Wort
dharma-mūlaḥ
mit Dharma als Wurzel
artha-viṭapaḥ
mit Artha als Zweigen
kāma-phalaḥ
mit Kāma als Frucht
trivarga-pādapaḥ
der Baum der drei Ziele
phala-bhāk
Anteil an der Frucht habend
karmaphalo wohl für kāmaphalo (der dritte der drei Werte).
Die Frauen sind von der Liebe (kāma) abhängig, o Rāma; um ihretwillen (geschieht) das Sammeln von Edelsteinen. Vom König, der nach Sinnesfreuden verlangt, sind sie zu genießen, aber nicht übermäßig.
Nahrung, Beischlaf und Schlaf sind zu genießen, aber nicht übermäßig; denn (sonst) entsteht Krankheit. Für die Aufsicht über das Lager sind Frauen einzusetzen; zu genießen sind die, die an ihm Gefallen finden [?].
Wort für Wort
āhāraḥ maithunam nidrā
Nahrung, Beischlaf, Schlaf
na ati
nicht übermäßig
ruk bhavet
es entsteht Krankheit
mañca-adhikāre
bei der Aufsicht über das Lager
kartavyāḥ
sind einzusetzen
svarāmikāḥ unklar; evtl. „die am (eigenen) Herrn Gefallen finden“.
die, geküsst, sich den Mund abwischt, das Geschenkte nicht hoch achtet, zuerst einschläft und, (auch) wenn sie eingeschlafen ist, erst nach (ihm) erwacht,
na paśyatyagradattantu jaghanañca nigūhati / dṛṣṭe vivarṇavadanā mitreṣvatha parāṅmukhī //
die das ihr vorgelegte Geschenk nicht ansieht und die Hüften verbirgt, bei seinem Anblick die Gesichtsfarbe verliert und sich von (seinen) Freunden abwendet,
die ist abgeneigt. Sie verlassend, soll er sich einer zugeneigten Frau zuwenden. (Diese) wird schon bei seinem Anblick froh, und wenn sie angeblickt wird, wendet sie sich ab;
spṛṣṭā pulakitair aṅgaiḥ svedenaiva ca bhujyate / karoti ca tathā rāma sulabhadravyayācanaṃ //
berührt, (reagiert sie) mit Gliedern, deren Härchen sich sträuben, und wird von Schweiß ergriffen; und sie bittet ebenso, o Rāma, um leicht zu beschaffende Dinge;
Wort für Wort
spṛṣṭā
berührt
pulakitaiḥ aṅgaiḥ
mit sich sträubenden Härchen an den Gliedern
svedena
von Schweiß
sulabha-dravya-yācanam
Bitte um leicht beschaffbare Dinge
bhujyate im Sinn von „ergriffen, erfasst werden“ unsicher.
und die heftig (seine) Schenkel berührt und ihn, wenn er schläft, aufweckt – (die ist zugeneigt). Durch Zusatz von Kapittha-Pulver, ebenso von Sauermilch (und) mit einem Kranz [?],
Wort für Wort
ūrū spṛśati
berührt die Schenkel
atyartham
heftig
suptam vibudhyate
weckt den Schlafenden
kapittha-cūrṇa-yogena
durch Zusatz von Kapittha-Pulver
dadhnaḥ
von Sauermilch
daghnaḥ für dadhnaḥ; srajā („mit einem Kranz“) im Zusammenhang unklar, evtl. verderbt. Ab 18b beginnt die Duftbereitung.
wird Butterschmalz wohlriechend, ebenso durch hineingeworfene Gerste mit Milch. So soll die Zubereitung der Speise sein. (Nun) wird die Duftbereitung dargelegt.
und Beduften (vāsana) sind vorgeschrieben; diese Gruppe von acht Verfahren ist überliefert. Mit den jungen Blättern von Kapittha, Bilva, Jambū, Mango und Karavīra
Wort für Wort
vāsanam
Beduften
karma-aṣṭakam
die Gruppe von acht Verfahren
smṛtam
ist überliefert
kapittha-bilva-jambū-āmra-karavīraka-pallavaiḥ
mit jungen Blättern von Kapittha, Bilva, Jambū, Mango und Karavīra
bereitet man Wasser; eine Substanz, die (damit) gereinigt wird – das ist die Reinigung (śaucana). In Ermangelung dieser geschieht die Reinigung mit Moschuswasser.
dve dve dravye samādāya sarjabhāgair niyojayet / nakhapiṇyākamalayaiḥ saṃyojya madhunā tathā //
je zwei Stoffe nehmend, soll man (sie) mit Anteilen von Sarja(-Harz) verbinden; mit Nakha, Piṇyāka (Ölkuchen) und Malaya (Sandel) sowie mit Honig vermengt,
Elā (Kardamom), Lavaṅga (Gewürznelke), Kakkola, Jātīphala (Muskatnuss) und Niśākara (Kampfer) sind zusammen mit Jātīpatrikā (Muskatblüte) (jeweils) für sich Mundparfüms.
Tvac und Pathyā zu gleichen Teilen, versetzt mit einem halben Teil Śaśin (Kampfer) – (dies) erscheint als entzückendes Mundparfüm, dem Betelblatt gleich.