Kapitel 347: ekākṣarābhidhānaṃ
Wörterbuch der einsilbigen Wörter
Agni gibt ein Lexikon der Einzellaute der Lautreihe (mātṛkā) von a bis kṣa mit ihren Bedeutungen und geht dann zu einsilbigen Mantras und Verehrungsvorschriften über: neun Durgās samt Gāyatrī-Formel, Vaṭukas, Śaktis sowie Gaṇapati-Sprüche mit einer langen svāhā-Namensliste. Am Ende wird die folgende Grammatik Skandas angekündigt. Die Kapitelüberschrift ist verstümmelt („adhikatriśatatamo“ statt saptacatvāriṃśad-), das Kolophon nennt den Titel; V. 16, 21 und 24 sind teilweise verderbt.
agnir uvāca | ekākṣarābhidhanañca mātṛkāntaṃ vadāmi te / a viṣṇuḥ pratiṣedhaḥ syādā pitāmahavākyayoḥ //
Agni sprach: Das Wörterbuch der einsilbigen [Wörter] bis zum Ende der Lautreihe (mātṛkā) sage ich dir. „a“ [bedeutet] Viṣṇu und Verneinung; „ā“ [steht für] den Großvater (Brahmā) und für Rede,
und für Grenze; als Indeklinabile steht „ā“ für Zorn und Schmerz. „i“ [steht] für Liebe; „ī“ für Rati und Lakṣmī; „u“ für Śiva; „ū“ für Beschützer usw.
ṛ śabde cāditau ṛsyāt ḷ ḹ te vai ditau guhe / e devī ai yoginī syādo brahmā au maheśvaraḥ //
„ṛ“ [steht] für Laut und „ṝ“ für Aditi [?]; „ḷ“ [und] „ḹ“ stehen für Diti [und] Guha (Skanda). „e“ ist die Göttin, „ai“ ist eine Yoginī, „o“ ist Brahmā, „au“ Maheśvara (Śiva).
Wort für Wort
ṛ śabde
ṛ = Laut
aditau ṝ
ṝ = Aditi
ḷ ḹ ditau guhe
ḷ, ḹ = Diti, Guha
e devī
e = Göttin
ai yoginī
ai = Yoginī
o brahmā, au maheśvaraḥ
o = Brahmā, au = Maheśvara
Die zweite Silbe ist im Text als kurzes ṛ geschrieben; gemeint ist wohl ṝ. Zuordnung von ḷ/ḹ zu Diti/Guha der Reihenfolge nach angenommen.
aṅkāmaḥ aḥ praśastaḥ syāt ko brahmādau ku kutsite / khaṃ śūnyendriyaṃ khaṅgo gandharve ca vināyake //
„aṃ“ ist Kāma (der Liebesgott), „aḥ“ bedeutet „gepriesen“. „ka“ [steht] für Brahmā usw.; „ku“ im Sinne von „schlecht“. „kha“ [bedeutet] Leere (Luftraum) und Sinnesorgan; „ga“ [steht] für Gandharva und für Vināyaka (Gaṇeśa).
gaṅgīte go gāyane syad gho ghaṇṭā kiṅkiṇīmukhe / tāḍane ṅaś ca viṣaye spṛhāyāñcaiva bhairave //
„gaṃ“ [steht] für Gesang, „ga“ für Sänger; „gha“ für Glocke, [für] den Mund einer Schelle [?] und für Schlagen; „ṅa“ für Sinnesgegenstand, für Verlangen und für Bhairava.
co durjane nirmale chaśchede jirjayane tathā / jaṃ gīte jhaḥ praśaste syādbale ño gāyane ca ṭaḥ //
„ca“ [steht] für einen schlechten Menschen und für rein; „cha“ für Schneiden; „ji“ für Siegen; „jaṃ“ für Gesang; „jha“ bedeutet „gepriesen“; „ña“ [steht] für Kraft und „ṭa“ für Sänger.
„ṭha“ gilt für die Mondscheibe, das Leere, Śiva und für das Aufhängen; „ḍa“ für Rudra, Klang und Schrecken; „ḍha“ gilt für die Trommel (ḍhakkā) und für Klang.
ṇo niṣkarṣe niś caye ca taś caure kroḍapucchake / bhakṣaṇe thaśchedane do dhāraṇe śobhane mataḥ //
„ṇa“ [steht] für Bestimmung und Gewissheit; „ta“ für Dieb und Eberschwanz [?]; „tha“ für Essen [und] Schneiden [?]; „da“ gilt für Halten und Schönheit.
phuḥ phutkāre niṣphale ca viḥ pakṣī bhañca tārake / mā śrīrmānañca mātā syādyāga yo yātṛvīraṇe //
„phu“ [steht] für Zischen (Blasen) und für fruchtlos; „vi“ ist Vogel; „bha“ Stern; „mā“ bedeutet Śrī, Maß und Mutter; „ya“ [steht] für Opfer, für Reisenden und für das Vīraṇa-Gras [?].
ro bahnau ca laḥ śakre ca lo vidhātari īritaḥ / viśleṣaṇe vo varuṇe śayane śaś ca śaṃ sukhe //
„ra“ [steht] für Feuer und „la“ für Śakra (Indra); „la“ wird [auch] für den Schöpfer genannt; „va“ für Trennung und für Varuṇa; „śa“ für Liegen und „śaṃ“ für Glück.
ṣaḥ śreṣṭhe saḥ parokṣe ca sālakṣmīḥ saṃ kace mataḥ / dhāraṇe has tathā rudre kṣaḥ kṣattre cākṣare mataḥ //
„ṣa“ [steht] für das Beste; „sa“ für das Unsichtbare (parokṣa); „sā“ ist Lakṣmī; „saṃ“ gilt für Haar; „ha“ für Halten und ebenso für Rudra; „kṣa“ gilt für den Kriegerstand und das Unvergängliche (akṣara).
„haihayaśirase namaḥ“ [„Verehrung dem Pferdehäuptigen“] ist der Spruch, der alle Wissenschaften verleiht. Ebenso [gibt es] Sprüche, die mit a usw. beginnen; der Spruch der Lautreihe (mātṛkā) ist der höchste.
Wort für Wort
hayaśirase namaḥ
Verehrung dem Pferdehäuptigen
sarva-vidyā-pradaḥ
alle Wissenschaften verleihend
manuḥ
Spruch, Mantra
akāra-ādyāḥ mantrāḥ
mit a beginnende Sprüche
mātṛkā-mantraḥ uttamaḥ
der Lautreihen-Spruch ist der höchste
haihaya-: vermutlich für hayaśirase (Hayagrīva/Hayaśiras).
Pracaṇḍā, Suranāyikā, Ugrā, Pārvatī mit Durgā. „Oṃ, auf Caṇḍikā richten wir unser Erkennen, auf Bhagavatī meditieren wir; möge Durgā uns dazu antreiben.“ Der Reihe nach [gebildet] seien die sechs Glieder [?]; [zu verehren sind] Gaṇa [und] die Lehrer der Reihe nach.
Wort für Wort
pracaṇḍā suranāyikā ugrā pārvatī
weitere Durgā-Namen
caṇḍikāyai vidmahe
auf Caṇḍikā richten wir unser Erkennen
bhagavatyai dhīmahi
über Bhagavatī meditieren wir
tat naḥ durgā pracodayāt
möge Durgā uns dazu antreiben
ṣaḍ-aṅgam
sechs Glieder
gaṇaḥ guruḥ
Gaṇa, Lehrer
Gāyatrī-Formel der Durgā. kramādi … gururguruḥ unklar; übersetzt nach wahrscheinlichem Sinn.
siddhādivaṭukāḥ pūjyā hetukaś ca kapālikaḥ / ekapādo bhīmarūpo dikpālānmadhyato nava //
zu verehren sind die Vaṭukas, beginnend mit Siddha, [ferner] Hetuka und Kapālika, Ekapāda [und] Bhīmarūpa; die Hüter der Himmelsrichtungen, in der Mitte die Neun.
„hrīṃ durge durge rakṣaṇi svāhā“ [„hrīṃ, o Durgā, Durgā, Beschützerin, svāhā“] – zur Erlangung des Zwecks des Spruches. Gaurī ist zu verehren, und man verehre Dharma usw. [und] die Śaktis, beginnend mit Skanda.
„oṃ gaṃ svāhā“ ist dieser Wurzelspruch, oder „gaṃ gaṇapataye namaḥ“ [„gaṃ, Verehrung dem Gaṇapati“]. [Die Verehrung ist] sechsgliedrig; [der Gott ist] rot und weiß [?], mit Stoßzahn, Rosenkranz und Axt, gewaltig [?],
„Dem Kuṣmāṇḍa, dem Einzahn, dem Tripura-Vernichter, dem mit den dunklen Zähnen und dem ungeheuren Hara-Lachen [?], dem Langnasig-Gesichtigen, dem Lotuszahnigen, dem Wolkenfeuerbrand, dem Rauchfeuerbrand, dem mit gekrümmtem Rüssel, dem Herrn der Hindernisse, dem Ungeheuer-Gewaltigen, dem mit dem Gang des Elefantenfürsten, dem mit dem Schlangenfürsten als Halskette, dem Mondträger, dem Oberherrn der Scharen, svāhā.“ Mit diesen auf svāhā endenden Sprüchen ist [er] zu verehren; durch Sesamopfer usw. erlangt man sein Ziel. Oder mit [Sprüchen], die mit ka usw. beginnen, mit Keimsilben verbunden, mit diesen am Anfang und mit namaḥ am Ende.
Wort für Wort
ekadanta-tripurāntakāya
dem Einzahn, Tripura-Vernichter
vakratuṇḍāya vighneśvarāya
dem Krummrüsseligen, Herrn der Hindernisse
gajendra-gamanāya
dem mit dem Gang des Elefantenfürsten
bhujagendra-hārāya
dem mit Schlangenfürsten als Kette
svāhā-antaiḥ manubhiḥ
mit auf svāhā endenden Sprüchen
tila-homa-ādinā artha-bhāk
durch Sesamopfer usw. zielbesitzend
śyāmadantavikaṭaharahāsāya: Aufteilung unsicher; lambanāśānanāya wohl für lambanāsānanāya.