Agni zählt siebenundzwanzig Arten von Bühnenwerken auf, unterscheidet allgemeine und besondere Merkmale, beschreibt das Vorspiel (pūrvaraṅga) mit der Nāndī, die Aufgaben des Spielleiters und die drei Formen der Einleitung (āmukha). Anschließend behandelt er die Handlung (itivṛtta) mit ihren fünf Elementen, fünf Stufen und fünf Fugen (sandhi) sowie die Bedeutung von Ort und Zeit. Vers 2 enthält einen unklaren Gattungsnamen ('karṇā eko').
Agni sprach: [Als Bühnenwerke] sind zu kennen: das Nāṭaka samt dem Prakaraṇa, der Ḍima oder auch der Īhāmṛga, der Samavakāra, und es gibt das Prahasana;
Das Allgemeine betrifft alle Gegenstände, das Übrige tritt nur hier und da auf. Wenn das Vorspiel (pūrvaraṅga) beendet ist, [kommen] beide, Ort und Zeit,
rasabhāvavibhāvānubhāvā abhinayās tathā / aṅkaḥ sthitiś ca sāmānyaṃ sarvatraivopasarpaṇāt //
Rasa, Gefühlszustand (bhāva), Anregungsfaktor (vibhāva), Folgeerscheinung (anubhāva) sowie die Darstellungsmittel (abhinaya), Akt (aṅka) und Situation (sthiti) sind allgemein, da sie überall hinzutreten.
Das Besondere ist bei [passender] Gelegenheit zu nennen; das Allgemeine wird zuerst genannt. Das Schauspiel (nāṭya) nennt man das Mittel zur Verwirklichung der drei Lebensziele; und was [dazu] das Werkzeug ist,
Am Ende der Nāndī wird der Sūtradhāra (Spielleiter) in die Stücke (rūpaka) eingefügt. Die Abfolge der Lehrer usw., das Lob des Geschlechts, die Leistung des Dichters,
sambandhārthau ca kāvyasya pañcaitāneṣa nirdiśet / naṭī vidūṣako vāpi pāripārśvika eva vā //
Zusammenhang und Gegenstand der Dichtung – diese fünf soll er angeben. Die Schauspielerin (naṭī), der Spaßmacher (vidūṣaka) oder auch der Gehilfe (pāripārśvika),
wo sie zusammen mit dem Sūtradhāra ein Gespräch führen, mit abwechslungsreichen Worten, die aus ihrer eigenen Angelegenheit hervorgehen und untereinander auf das Vorliegende hindeuten,
Überliefert (siddha) und erdacht (utprekṣita) – diese beiden Arten davon gibt es. Das Überlieferte ist das in der Tradition Gesehene, das Erdachte das vom Dichter Geschaffene.
vījaṃ vinduḥ patākā ca prakarī kāryameva ca / arthaprakṛtayaḥ pañca pañca ceṣṭā api kramāt //
Same (bīja), Tropfen (bindu), Fahne (patākā), Episode (prakarī) und Ziel (kārya) sind die fünf Handlungselemente (arthaprakṛti); und ebenso fünf Handlungsstufen der Reihe nach:
prārambhaś ca prayatnaś ca prāptiḥ sadbhāva eva ca / niyatā ca phalaprāptiḥ phalayogaś ca pañcamaḥ //
Beginn, Bemühung, das Vorhandensein [der Aussicht auf] Erlangung, die gewisse Erlangung des Ergebnisses und als fünfte die Vereinigung mit dem Ergebnis.
mukhaṃ pratimukhaṃ garbho vimarṣaś ca tathaiva ca / tathā nirvahaṇañceti kramāt pañcaiva sandhayaḥ //
Eröffnung (mukha), Gegeneröffnung (pratimukha), Keim (garbha), Erwägung (vimarśa) und ebenso Abschluss (nirvahaṇa): das sind der Reihe nach die fünf Fugen (sandhi).
Wo die Entstehung des Samens [erfolgt], aus der mancherlei Gegenstände und Rasas hervorgehen, dem Körper der Dichtung folgend, das wird Mukha (Eröffnung) genannt.
Wiedergabe gleichsam eines Wunders, Offenbarmachen des zu Offenbarenden [– das sind die Zwecke der Glieder]. Wie ein Mann, dem Glieder fehlen, [nicht tauglich ist], so ist auch eine Dichtung [ohne Glieder] nicht vorzüglich.
deśeṣu bhārataṃ varṣaṃ kāle kṛtayugatrayaṃ / narte tābhyāṃ prāṇabhṛtāṃ sukhaduḥkhodayaḥ kvacit / sarge sargādivārtā ca prasajjantī na duṣyati //
Unter den Ländern [gilt] das Land Bhārata, unter den Zeiten die drei Weltalter mit dem Kṛta [an der Spitze]; ohne diese beiden gibt es für die Lebewesen nirgends ein Aufkommen von Glück und Leid. Wenn in einem Gesang die Schilderung der Schöpfung usw. [nebenbei] hinzutritt, ist das kein Fehler.