Agni behandelt vermischte Themen: Meditation über das Selbst, geeignete Śrāddha-Empfänger und -Speisen, den ‚Elefantenschatten‘ als besondere Zeit, die Reinheit der Frau, das Wesen des Yoga und die Überlegenheit der Meditation. Zum Schluss werden die Folgen für einen abtrünnigen lebenslangen Schüler und für die Nachkommen von Entsagten in Wiedergeburten geschildert. Mehrere Stellen sind verderbt (u.a. V. 7 widerspricht wörtlich dem Kontext, V. 16 satryasantam, V. 27 Zahlangabe); der Kolophon schreibt nānādhamā für nānādharmāḥ.
agnir uvāca | dhyeya ātmā sthito yo 'sau hṛdaye dīpavat prabhuḥ / ananyaviṣayaṃ kṛtvā mano buddhismṛtīndriyaṃ //
Agni sprach: Zu meditieren ist das Selbst, jener Herr, der im Herzen wie eine Lampe weilt, nachdem man Geist, Verstand, Gedächtnis und Sinne auf nichts anderes gerichtet hat.
śrāddhantu dhyāyine deyaṃ gavyaṃ dadhi ghṛtaṃ payaḥ / priyaṅgavo masūrāś ca vārtākuḥ kodravo na hi //
Das Śrāddha aber ist einem Meditierenden zu geben; [gut sind] Kuherzeugnisse: Dickmilch, Ghee, Milch; Priyaṅgu-Hirse, Linsen, Aubergine und Kodrava-Hirse dagegen nicht.
Wort für Wort
śrāddham
Totenopfer
dhyāyine deyam
dem Meditierenden zu geben
gavyam
Kuherzeugnis
priyaṅgavaḥ masūrāḥ
Priyaṅgu-Hirse, Linsen
vārtākuḥ kodravaḥ
Aubergine, Kodrava-Hirse
na hi
nicht
dhyāyine für dhyāyine/dhyāyinaḥ (Dativ ‚dem Meditierenden‘).
Wenn der Sohn der Siṃhikā (Rāhu) an den Übergängen der Mondphasen die Sonne verschlingt, so ist das als „Elefantenschatten“ zu kennen, unvergänglich [in der Wirkung] bei Śrāddha, Gaben usw.
pitre caiva yadā somo haṃse caiva kare sthite / tithirvaivasvato nāma sā chāyā kuñjarasya tu //
Und wenn der Mond im [Mondhaus] der Väter (Maghā) und die Sonne (haṃsa) in Hasta steht und der Mondtag „Vaivasvata“ heißt [?], so ist das der Schatten des Elefanten.
Wort für Wort
pitrye
im Väter-Mondhaus
somaḥ
der Mond
haṃse
die Sonne
kare sthite
in Hasta stehend
tithiḥ vaivasvataḥ
der Vaivasvata-Mondtag
chāyā kuñjarasya
Schatten des Elefanten
pitre wohl für pitrye (Maghā); kare = Hasta; haṃsa hier ‚Sonne‘; tithir vaivasvato wohl der Yama geweihte Mondtag (Trayodaśī) [?].
na strī duṣyati jāreṇa na vipro vedakarmaṇā / balātkāropabhuktā cedvairihastagatāpi vā //
Eine Frau wird nicht durch einen Liebhaber verunreinigt, [ebenso wenig wie] ein Brahmane durch vedisches Werk – [auch dann nicht,] wenn sie gewaltsam genossen wurde oder in die Hand von Feinden geraten ist.
santyajed dūṣitānnārīmṛtukāle na śuddhyati / ya ātmatryatirekeṇa dvitīyaṃ nātra paśyati //
Man verstoße eine [so] befleckte Frau nicht [?]; zur Zeit der Menstruation wird sie rein [?]. – Wer hier außer dem Selbst kein Zweites sieht,
Wort für Wort
santyajet
er verstoße
dūṣitām nārīm
die befleckte Frau
ṛtu-kāle
zur Zeit der Regel
ātma-vyatirekeṇa
außer dem Selbst
dvitīyam
ein Zweites
na paśyati
sieht nicht
Der Text lautet wörtlich ‚santyajed dūṣitāṃ nārīm ṛtukāle na śuddhyati‘ (‚man verstoße die befleckte Frau; zur Zeit der Regel wird sie nicht rein‘), was V. 6 und V. 19–21 widerspricht; übersetzt nach der wahrscheinlicheren Lesart na santyajet … śuddhyati. ātmatryatirekeṇa für ātmavyatirekeṇa.
brahmabhūtaḥ sa eveha yogī cātmarato 'malaḥ / viṣayendriyasaṃyogāt kecid yogaṃ vadanti vai //
der allein ist hier brahmageworden, ein Yogin, am Selbst sich freuend, makellos. Manche nennen [bereits] die Verbindung der Sinne mit den Objekten Yoga;
Wer den Geist frei von Regungen gemacht und den Feldkenner (kṣetrajña) mit dem höchsten Selbst eins gemacht hat, wird von der Fessel befreit; das ist der höchste Yoga.
Ein Dorf mit fünf Familien [die Sinne]; der sechste darin ist der Mächtigere [der Geist] – von Göttern, Asuras oder Menschen kann er nicht besiegt werden.
Wort für Wort
kuṭumbaiḥ pañcabhiḥ
mit fünf Familien
grāmaḥ
Dorf
ṣaṣṭhaḥ
der sechste
mahattaraḥ
der Mächtigere, Vorsteher
jetum na śakyate
kann nicht besiegt werden
yāmaḥ wohl für grāmaḥ ‚Dorf‘; Bild für die fünf Sinne und den Geist.
Den von allen Zuständen befreiten Feldkenner lege man in das Brahman. Dies ist Wissen und dies ist Meditation; alles andere ist bloße Ausweitung der Bücher.
Was für die ganze Welt nicht existiert, [davon zu sagen] „es existiert“, ist widersprüchlich; und wird es einem anderen erklärt, so haftet es nicht in seinem Herzen.
asaṃvedyaṃ hi tad brahma kumārī strīmukhaṃ yathā / ayogī naiva jānāti jātyandho hi ghaṭaṃ yathā //
Denn jenes Brahman ist nicht [von außen] erfahrbar, so wie ein Mädchen die Wonne der [verheirateten] Frau [nicht kennt] [?]; der Nicht-Yogin kennt es nicht, wie ein Blindgeborener einen Topf [nicht kennt].
Sieht die Sonne einen Brahmanen, der der Welt entsagt, so weicht sie von ihrem Platz: „Dieser wird meine Scheibe durchbrechen und zum höchsten Brahman gelangen.“
Die eine Silbe [Oṃ] ist das höchste Brahman, die Atemregelung die höchste Askese; nichts steht höher als die Sāvitrī – sie gilt als das höchste Reinigungsmittel.
Einst wurden die Frauen von den Göttern genossen, von Soma, den Gandharvas und Agni; danach genießen sie die Menschen – durch nichts werden sie verunreinigt.
asavarṇena yo garbhaḥ strīṇāṃ yonau niṣicyate / aśuddhā tu bhavennārī yāvatchalyaṃ na muñcati //
Wird von einem Nicht-Standesgleichen ein Keim in den Schoß der Frauen ergossen, so ist die Frau unrein, solange sie den Fremdkörper (śalya) nicht ausstößt.
śvapākeṣvapi bhuñjāno dhyānena hi viśuddhyati / ātmā dhyātā mano dhyānaṃ dhyeyo viṣṇuḥ phalaṃ hariḥ //
Selbst wer bei Hundekochern isst, wird durch Meditation rein. Das Selbst ist der Meditierende, der Geist die Meditation, Viṣṇu der Gegenstand der Meditation, Hari die Frucht.
Zu Unvergänglichem [verhilft] ein Asket beim Śrāddha, der die Reiniger der Tischreihe noch reinigt. Der Zweimalgeborene aber, der die Pflicht des lebenslangen Schülers auf sich genommen hat und [davon] abfällt –
prāyaścittaṃ na paśyāmi yena śuddhyetsa ātmahā / ye ca pravrajitāḥ patnyāṃ yā caiṣāṃ vījasantatiḥ //
für jenen Selbstmörder sehe ich keine Sühne, durch die er rein würde. Und die [Kinder], die Entsagte mit einer Gattin [zeugen], die Nachkommenschaft aus ihrem Samen,
Sind tausend Jahre voll, wird er als Brahmarākṣasa geboren. Durch ein ‚Floß‘ [d.h. ein Rettungsmittel] [?] erlangt er Erlösung oder durch die Vernichtung seines Geschlechts.