Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 165: nānādharmāḥ Verschiedene Pflichten

Agni behandelt vermischte Themen: Meditation über das Selbst, geeignete Śrāddha-Empfänger und -Speisen, den ‚Elefantenschatten‘ als besondere Zeit, die Reinheit der Frau, das Wesen des Yoga und die Überlegenheit der Meditation. Zum Schluss werden die Folgen für einen abtrünnigen lebenslangen Schüler und für die Nachkommen von Entsagten in Wiedergeburten geschildert. Mehrere Stellen sind verderbt (u.a. V. 7 widerspricht wörtlich dem Kontext, V. 16 satryasantam, V. 27 Zahlangabe); der Kolophon schreibt nānādhamā für nānādharmāḥ.

agnir uvāca | dhyeya ātmā sthito yo 'sau hṛdaye dīpavat prabhuḥ / ananyaviṣayaṃ kṛtvā mano buddhismṛtīndriyaṃ //

Agni sprach: Zu meditieren ist das Selbst, jener Herr, der im Herzen wie eine Lampe weilt, nachdem man Geist, Verstand, Gedächtnis und Sinne auf nichts anderes gerichtet hat.

Wort für Wort
agnir uvāca
Agni sprach
dhyeyaḥ ātmā
das zu meditierende Selbst
hṛdaye
im Herzen
dīpavat
wie eine Lampe
ananya-viṣayam
ohne anderes Objekt
manaḥ-buddhi-smṛti-indriyam
Geist, Verstand, Gedächtnis, Sinne

śrāddhantu dhyāyine deyaṃ gavyaṃ dadhi ghṛtaṃ payaḥ / priyaṅgavo masūrāś ca vārtākuḥ kodravo na hi //

Das Śrāddha aber ist einem Meditierenden zu geben; [gut sind] Kuherzeugnisse: Dickmilch, Ghee, Milch; Priyaṅgu-Hirse, Linsen, Aubergine und Kodrava-Hirse dagegen nicht.

Wort für Wort
śrāddham
Totenopfer
dhyāyine deyam
dem Meditierenden zu geben
gavyam
Kuherzeugnis
priyaṅgavaḥ masūrāḥ
Priyaṅgu-Hirse, Linsen
vārtākuḥ kodravaḥ
Aubergine, Kodrava-Hirse
na hi
nicht

dhyāyine für dhyāyine/dhyāyinaḥ (Dativ ‚dem Meditierenden‘).

saiṃhikayo yadā sūryaṃ grasate parvasandhiṣu / hasticchāyā tu sā jñeyā śrāddhadānādike 'kṣyā //

Wenn der Sohn der Siṃhikā (Rāhu) an den Übergängen der Mondphasen die Sonne verschlingt, so ist das als „Elefantenschatten“ zu kennen, unvergänglich [in der Wirkung] bei Śrāddha, Gaben usw.

Wort für Wort
saiṃhikeyaḥ
der Sohn der Siṃhikā (Rāhu)
grasate
verschlingt
parva-sandhiṣu
an den Mondphasenübergängen
hasti-chāyā
Elefantenschatten
śrāddha-dāna-ādike
bei Śrāddha, Gaben usw.
akṣayā
unvergänglich

saiṃhikayo für saiṃhikeyo; 'kṣyā für akṣayā.

pitre caiva yadā somo haṃse caiva kare sthite / tithirvaivasvato nāma sā chāyā kuñjarasya tu //

Und wenn der Mond im [Mondhaus] der Väter (Maghā) und die Sonne (haṃsa) in Hasta steht und der Mondtag „Vaivasvata“ heißt [?], so ist das der Schatten des Elefanten.

Wort für Wort
pitrye
im Väter-Mondhaus
somaḥ
der Mond
haṃse
die Sonne
kare sthite
in Hasta stehend
tithiḥ vaivasvataḥ
der Vaivasvata-Mondtag
chāyā kuñjarasya
Schatten des Elefanten

pitre wohl für pitrye (Maghā); kare = Hasta; haṃsa hier ‚Sonne‘; tithir vaivasvato wohl der Yama geweihte Mondtag (Trayodaśī) [?].

agnaukaraṇaśeṣantu na dadyādvaiśvadevike / agnyabhāve tu viprasya haste dadyāttu dakṣiṇe //

Den Rest vom Feueropfer gebe man nicht beim Allgötter-Teil; fehlt aber das Feuer, so gebe man [die Spende] in die rechte Hand des Brahmanen.

Wort für Wort
agnaukaraṇa-śeṣam
Rest vom Feueropfer
na dadyāt
man gebe nicht
vaiśvadevike
beim Allgötter-Teil
agni-abhāve
bei Fehlen des Feuers
viprasya haste dakṣiṇe
in die rechte Hand des Brahmanen

na strī duṣyati jāreṇa na vipro vedakarmaṇā / balātkāropabhuktā cedvairihastagatāpi vā //

Eine Frau wird nicht durch einen Liebhaber verunreinigt, [ebenso wenig wie] ein Brahmane durch vedisches Werk – [auch dann nicht,] wenn sie gewaltsam genossen wurde oder in die Hand von Feinden geraten ist.

Wort für Wort
na strī duṣyati
die Frau wird nicht unrein
jāreṇa
durch einen Liebhaber
veda-karmaṇā
durch vedisches Werk
balātkāra-upabhuktā
gewaltsam genossen
vairi-hasta-gatā
in Feindeshand geraten

santyajed dūṣitānnārīmṛtukāle na śuddhyati / ya ātmatryatirekeṇa dvitīyaṃ nātra paśyati //

Man verstoße eine [so] befleckte Frau nicht [?]; zur Zeit der Menstruation wird sie rein [?]. – Wer hier außer dem Selbst kein Zweites sieht,

Wort für Wort
santyajet
er verstoße
dūṣitām nārīm
die befleckte Frau
ṛtu-kāle
zur Zeit der Regel
ātma-vyatirekeṇa
außer dem Selbst
dvitīyam
ein Zweites
na paśyati
sieht nicht

Der Text lautet wörtlich ‚santyajed dūṣitāṃ nārīm ṛtukāle na śuddhyati‘ (‚man verstoße die befleckte Frau; zur Zeit der Regel wird sie nicht rein‘), was V. 6 und V. 19–21 widerspricht; übersetzt nach der wahrscheinlicheren Lesart na santyajet … śuddhyati. ātmatryatirekeṇa für ātmavyatirekeṇa.

brahmabhūtaḥ sa eveha yogī cātmarato 'malaḥ / viṣayendriyasaṃyogāt kecid yogaṃ vadanti vai //

der allein ist hier brahmageworden, ein Yogin, am Selbst sich freuend, makellos. Manche nennen [bereits] die Verbindung der Sinne mit den Objekten Yoga;

Wort für Wort
brahma-bhūtaḥ
zum Brahman geworden
ātma-rataḥ
am Selbst sich freuend
amalaḥ
makellos
viṣaya-indriya-saṃyogāt
wegen der Verbindung von Objekten und Sinnen
yogam vadanti
nennen Yoga

adharmo dharmabuddhyā tu gṛhītastair apaṇḍitaiḥ / ātmano manasaś caiva saṃyogañca tathā pare //

von jenen Unkundigen wird [so] Unrecht für Recht gehalten. Andere wiederum [nennen] die Verbindung von Selbst und Geist [Yoga].

Wort für Wort
adharmaḥ
Unrecht
dharma-buddhyā
in der Meinung, es sei Recht
gṛhītaḥ
ergriffen, angenommen
apaṇḍitaiḥ
von Unkundigen
ātmanaḥ manasaḥ saṃyogam
Verbindung von Selbst und Geist
pare
andere

vṛttihīnaṃ manaḥ kṛtvā kṣetrajñaṃ paramātmani / ekīkṛtya vimucyeta bandhādyogo 'yamuttamaḥ //

Wer den Geist frei von Regungen gemacht und den Feldkenner (kṣetrajña) mit dem höchsten Selbst eins gemacht hat, wird von der Fessel befreit; das ist der höchste Yoga.

Wort für Wort
vṛtti-hīnam
frei von Regungen
kṣetrajñam
den Feldkenner (individuelle Seele)
paramātmani
im höchsten Selbst
ekīkṛtya
eins machend
vimucyeta bandhāt
wird von der Fessel befreit
yogaḥ uttamaḥ
der höchste Yoga

kuṭumbaiḥ pañcabhiryāmaḥ ṣaṣṭhastatra mahattaraḥ / devāsuramanuṣyair vā sa jetuṃ naiva śakyate //

Ein Dorf mit fünf Familien [die Sinne]; der sechste darin ist der Mächtigere [der Geist] – von Göttern, Asuras oder Menschen kann er nicht besiegt werden.

Wort für Wort
kuṭumbaiḥ pañcabhiḥ
mit fünf Familien
grāmaḥ
Dorf
ṣaṣṭhaḥ
der sechste
mahattaraḥ
der Mächtigere, Vorsteher
jetum na śakyate
kann nicht besiegt werden

yāmaḥ wohl für grāmaḥ ‚Dorf‘; Bild für die fünf Sinne und den Geist.

vahirmukhāni sarvāṇi kṛtvā cābhimukhāni vai / manasyevendriyagrāmaṃ manaścātmani yojayet //

Nachdem man alle nach außen gerichteten [Sinne] nach innen gewandt hat, verbinde man die Schar der Sinne mit dem Geist und den Geist mit dem Selbst.

Wort für Wort
bahir-mukhāni
nach außen gewandt
abhimukhāni
zugewandt, nach innen
manasi
im Geist
indriya-grāmam
die Schar der Sinne
ātmani yojayet
er verbinde mit dem Selbst

vahirmukhāni für bahirmukhāni.

sarvabhāvavinirmuktaṃ kṣetrajñaṃ brahmaṇi nyaset / etajjñānañca dhyānañca śeṣo 'nyo granthavistaraḥ //

Den von allen Zuständen befreiten Feldkenner lege man in das Brahman. Dies ist Wissen und dies ist Meditation; alles andere ist bloße Ausweitung der Bücher.

Wort für Wort
sarva-bhāva-vinirmuktam
von allen Zuständen befreit
brahmaṇi nyaset
er lege ins Brahman
jñānam dhyānam
Wissen und Meditation
śeṣaḥ anyaḥ
das übrige andere
grantha-vistaraḥ
Ausweitung der Bücher

yannāsti sarvalokasya tadastīti virudhyate / kathyamānaṃ tathānyasya hṛdaye nāvatiṣṭhate //

Was für die ganze Welt nicht existiert, [davon zu sagen] „es existiert“, ist widersprüchlich; und wird es einem anderen erklärt, so haftet es nicht in seinem Herzen.

Wort für Wort
yat nāsti
was nicht ist
sarva-lokasya
für die ganze Welt
virudhyate
ist widersprüchlich
kathyamānam
erklärt werdend
hṛdaye na avatiṣṭhate
haftet nicht im Herzen

asaṃvedyaṃ hi tad brahma kumārī strīmukhaṃ yathā / ayogī naiva jānāti jātyandho hi ghaṭaṃ yathā //

Denn jenes Brahman ist nicht [von außen] erfahrbar, so wie ein Mädchen die Wonne der [verheirateten] Frau [nicht kennt] [?]; der Nicht-Yogin kennt es nicht, wie ein Blindgeborener einen Topf [nicht kennt].

Wort für Wort
asaṃvedyam
nicht erfahrbar
kumārī
Mädchen
strī-sukham
Wonne der Frau [?]
ayogī
der Nicht-Yogin
jāti-andhaḥ
blindgeboren
ghaṭam
Topf

strīmukham vielleicht für strīsukham.

satryasantaṃ dvijaṃ dṛṣṭvā sthānāccalati bhāskaraḥ / eṣa me maṇḍalaṃ bhittvā paraṃ brahmādhigacchati //

Sieht die Sonne einen Brahmanen, der der Welt entsagt, so weicht sie von ihrem Platz: „Dieser wird meine Scheibe durchbrechen und zum höchsten Brahman gelangen.“

Wort für Wort
saṃnyasantam
entsagend
dṛṣṭvā
sehend
sthānāt calati
weicht vom Platz
bhāskaraḥ
die Sonne
maṇḍalam bhittvā
die Scheibe durchbrechend
param brahma adhigacchati
gelangt zum höchsten Brahman

satryasantaṃ wohl für saṃnyasantam ‚entsagend‘.

upavāsavratañcaiva snānantīrthaṃ phalantapaḥ / dvijasampādanañcaiva sampannantasya tat phalaṃ //

Fasten und Gelübde, Bad am Pilgerort, die Frucht der Askese und die Bewirtung von Brahmanen – deren Frucht ist für ihn [schon] erreicht.

Wort für Wort
upavāsa-vratam
Fasten und Gelübde
snānam tīrtham
Bad, Pilgerort
phalam tapaḥ
Frucht, Askese
dvija-sampādanam
Bewirtung von Brahmanen
sampannam
erreicht, vollbracht

ekākṣaraṃ paraṃ brahma prāṇāyāmaḥ parantapaḥ / sāvitryāstu paraṃ nāsti pāvanaṃ paramaṃ smṛtaḥ //

Die eine Silbe [Oṃ] ist das höchste Brahman, die Atemregelung die höchste Askese; nichts steht höher als die Sāvitrī – sie gilt als das höchste Reinigungsmittel.

Wort für Wort
eka-akṣaram
die eine Silbe
param brahma
das höchste Brahman
prāṇāyāmaḥ
Atemregelung
param tapaḥ
höchste Askese
sāvitryāḥ
als die Sāvitrī
pāvanam paramam
höchstes Reinigungsmittel

pūrvaṃ striyaḥ surair bhuktāḥ somagandharvavahnibhiḥ / bhuñjate mānuṣāḥ paścānnaitā duṣyanti kenacit //

Einst wurden die Frauen von den Göttern genossen, von Soma, den Gandharvas und Agni; danach genießen sie die Menschen – durch nichts werden sie verunreinigt.

Wort für Wort
pūrvam
früher
striyaḥ
die Frauen
suraiḥ bhuktāḥ
von den Göttern genossen
soma-gandharva-vahnibhiḥ
von Soma, Gandharvas, Agni
mānuṣāḥ
die Menschen
na duṣyanti
werden nicht unrein

asavarṇena yo garbhaḥ strīṇāṃ yonau niṣicyate / aśuddhā tu bhavennārī yāvatchalyaṃ na muñcati //

Wird von einem Nicht-Standesgleichen ein Keim in den Schoß der Frauen ergossen, so ist die Frau unrein, solange sie den Fremdkörper (śalya) nicht ausstößt.

Wort für Wort
asavarṇena
von einem Nicht-Standesgleichen
garbhaḥ
Keim, Leibesfrucht
yonau niṣicyate
wird in den Schoß ergossen
aśuddhā
unrein
śalyam
Dorn, Fremdkörper
na muñcati
nicht ausstößt

niḥsṛte tu tataḥ śalye rajasā śuddhyate tataḥ / dhyānena sadṛśannāsti śodhanaṃ pāpakarmaṇāṃ //

Ist aber dann der Fremdkörper herausgekommen, wird sie durch die Menstruation rein. Keine Reinigung von Sündentaten gleicht der Meditation.

Wort für Wort
niḥsṛte śalye
wenn der Fremdkörper herausgekommen ist
rajasā
durch die Menstruation
śuddhyate
wird rein
dhyānena sadṛśam
der Meditation gleich
śodhanam
Reinigung
pāpa-karmaṇām
der Sündentaten

śvapākeṣvapi bhuñjāno dhyānena hi viśuddhyati / ātmā dhyātā mano dhyānaṃ dhyeyo viṣṇuḥ phalaṃ hariḥ //

Selbst wer bei Hundekochern isst, wird durch Meditation rein. Das Selbst ist der Meditierende, der Geist die Meditation, Viṣṇu der Gegenstand der Meditation, Hari die Frucht.

Wort für Wort
śvapākeṣu
bei Hundekochern
bhuñjānaḥ
essend
viśuddhyati
wird rein
ātmā dhyātā
das Selbst ist der Meditierende
manaḥ dhyānam
der Geist ist die Meditation
dhyeyaḥ viṣṇuḥ
Viṣṇu ist das Meditationsobjekt

akṣayāya yatiḥ śrāddhe paṅktipāvanapāvanaḥ / ārūḍho naiṣṭhikandharmaṃ yastu pracyavate dvijaḥ //

Zu Unvergänglichem [verhilft] ein Asket beim Śrāddha, der die Reiniger der Tischreihe noch reinigt. Der Zweimalgeborene aber, der die Pflicht des lebenslangen Schülers auf sich genommen hat und [davon] abfällt –

Wort für Wort
akṣayyāya
zu Unvergänglichem
yatiḥ
Asket
paṅkti-pāvana-pāvanaḥ
Reiniger der Reinigenden der Tischreihe
ārūḍhaḥ
bestiegen, angenommen
naiṣṭhikam dharmam
Pflicht des lebenslangen Schülers
pracyavate
fällt ab

akṣayāya für akṣayyāya.

prāyaścittaṃ na paśyāmi yena śuddhyetsa ātmahā / ye ca pravrajitāḥ patnyāṃ yā caiṣāṃ vījasantatiḥ //

für jenen Selbstmörder sehe ich keine Sühne, durch die er rein würde. Und die [Kinder], die Entsagte mit einer Gattin [zeugen], die Nachkommenschaft aus ihrem Samen,

Wort für Wort
prāyaścittam
Sühne
na paśyāmi
ich sehe nicht
ātmahā
Selbstmörder
pravrajitāḥ
die Entsagten
patnyām
mit einer Gattin
bīja-santatiḥ
Samen-Nachkommenschaft

vidurā nāma caṇḍālā jāyante nātra saṃśayaḥ / śatiko mriyate gṛdhraḥ śvāsau dvādaśikas tathā //

werden als Caṇḍālas namens Vidura geboren, daran ist kein Zweifel. Hundert [Jahre] stirbt er [immer wieder] als Geier, ebenso zwölf als Hund,

Wort für Wort
vidurāḥ nāma
namens Vidura
caṇḍālāḥ
Caṇḍālas
śatikaḥ
hundert (Jahre)
gṛdhraḥ
Geier
śvā
Hund
dvādaśikaḥ
zwölf (Jahre)

śvāsau für śvā ‚Hund‘ (mit asau).

bhāso viṃśativarṣāṇi sūkaro daśabhis tathā / apuṣpo viphalo vṛkṣo jāyate kaṇṭakāvṛtaḥ //

zwanzig Jahre als Bhāsa-Vogel, zehn ebenso als Schwein; als Baum ohne Blüten und Früchte, mit Dornen bedeckt, wird er geboren;

Wort für Wort
bhāsaḥ
Bhāsa-Vogel (Geierart)
viṃśati-varṣāṇi
zwanzig Jahre
sūkaraḥ
Schwein
apuṣpaḥ viphalaḥ
ohne Blüten, ohne Früchte
kaṇṭaka-āvṛtaḥ
mit Dornen bedeckt

tato dāvāgnidagdhastu sthāṇurbhavati sānugaḥ / tato varṣaśatānyaṣṭau dve tiṣṭhatyacetanaḥ //

dann, vom Waldbrand verbrannt, wird er samt Gefolge [?] zum Baumstumpf; dann steht er acht [und] zwei Hundert Jahre [?] ohne Bewusstsein.

Wort für Wort
dāva-agni-dagdhaḥ
vom Waldbrand verbrannt
sthāṇuḥ
Baumstumpf
sa-anugaḥ
samt Gefolge [?]
varṣa-śatāni
Jahrhunderte
acetanaḥ
bewusstlos

sānugaḥ und die Zahlangabe (aṣṭau dve) unklar.

pūrṇe varṣasahasre tu jāyate brahmarākṣasaḥ / plavena labhate mokṣaṃ kulasyotsādanena vā //

Sind tausend Jahre voll, wird er als Brahmarākṣasa geboren. Durch ein ‚Floß‘ [d.h. ein Rettungsmittel] [?] erlangt er Erlösung oder durch die Vernichtung seines Geschlechts.

Wort für Wort
pūrṇe varṣa-sahasre
wenn tausend Jahre voll sind
brahma-rākṣasaḥ
Brahmarākṣasa
plavena
durch ein Floß [?]
mokṣam labhate
erlangt Befreiung
kulasya utsādanena
durch Vernichtung des Geschlechts

plavena unsicher.

yogameva niṣeveteta nānyaṃ mantramaghāpahaṃ //29 //

Man übe allein den Yoga, kein anderes sündentilgendes Mantra.

Wort für Wort
yogam eva
allein den Yoga
niṣeveta
er übe
na anyam
kein anderes
mantram
Mantra
agha-apaham
sündentilgend

Halbvers; niṣeveteta für niṣeveta.

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