Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 309: tvaritāmantrādiḥ Mantras und Weiteres zur Tvaritā

Beschreibung eines Vajra-Diagramms und der achtzehnarmigen Tvaritā; anschließend die verschlüsselte Herleitung (uddhāra) ihres Mantras aus einer phonetischen Anordnung des Alphabets, die Glieder-Mantras, die zehnsilbigen Botinnen-Mantras, Körperauflegungen mit Nektar-Visualisierung sowie die Mudrās. Mehrere Stellen (bes. Verse 7–8, 21–26, 28, 34) sind verderbt oder dunkel; Vers 19 ist ein überlanger Prosa-Mantrablock. Das Kolophon trägt im Digitalisat die Folgenummer {310}.

agnir uvāca | aparāṃ tvaritāvidyāṃ vakṣye 'haṃ bhuktimuktidāṃ / pure vajrākule devīṃ rajobhirlikhite yajet //

Agni sprach: Ich werde eine andere Tvaritā-Vidyā lehren, die Genuss und Erlösung gewährt. In einer mit Donnerkeilen (vajra) gefüllten „Burg“ [Diagramm], die mit farbigen Pulvern gezeichnet ist, soll man die Göttin verehren.

Wort für Wort
aparām tvaritā-vidyām
eine andere Tvaritā-Vidyā
bhukti-mukti-dām
Genuss und Erlösung gewährend
pure vajra-ākule
in einer mit Vajras gefüllten Burg
rajobhiḥ likhite
mit Pulvern gezeichnet
yajet
soll verehren

padmagarbhe digvidikṣu cāṣṭau vajrāṇi vīthikāṃ / dvāraśobhopaśobhāñca likhecchrīghraṃ smarennaraḥ //

Im Inneren des Lotus, in den Haupt- und Zwischenrichtungen, soll man acht Donnerkeile zeichnen, einen Umgang, die Tore, die Torzierden und Nebenzierden; [dann] soll der Mensch der Śīghrā [der „Schnellen“, d.h. Tvaritā] gedenken.

Wort für Wort
padma-garbhe
im Inneren des Lotus
diś-vidikṣu
in Haupt- und Zwischenrichtungen
aṣṭau vajrāṇi
acht Donnerkeile
vīthikām
den Umgang
dvāra-śobhā-upaśobhām
Torzier und Nebenzier
śīghrām smaret
soll der Śīghrā gedenken

„śrīghraṃ“ als śīghrām (Name der Göttin) gedeutet.

aṣṭādaśabhujāṃ siṃhe vāmajaṅghā pratiṣṭhitā / dakṣiṇā dviguṇā tasyāḥ pādapīṭhe samarpitā //

[Sie ist] achtzehnarmig; auf dem Löwen steht [ihr] linkes Bein, ihr rechtes, zweifach [angewinkelt?], ist auf den Fußschemel gesetzt.

Wort für Wort
aṣṭādaśa-bhujām
achtzehnarmig
siṃhe
auf dem Löwen
vāma-jaṅghā pratiṣṭhitā
das linke Bein steht
dakṣiṇā dviguṇā
die rechte, zweifach [gebeugt]
pāda-pīṭhe samarpitā
auf den Fußschemel gesetzt

„dviguṇā“ unsicher.

nāgabhūṣāṃ vajrakuṇḍe khaḍgaṃ cakraṃ gadāṃ karamāt / śūlaṃ śaraṃ tathā śaktiṃ varadaṃ dakṣiṇaiḥ karaiḥ //

Mit Schlangen geschmückt, mit Vajra-Ohrringen [?]; Schwert, Diskus, Keule der Reihe nach, Spieß, Pfeil, ebenso Speer und die Wunschgewährung [hält sie] mit den rechten Händen;

Wort für Wort
nāga-bhūṣām
mit Schlangen geschmückt
khaḍgam cakram gadām
Schwert, Diskus, Keule
śūlam śaram śaktim
Spieß, Pfeil, Speer
varadam
Wunschgewährung
dakṣiṇaiḥ karaiḥ
mit den rechten Händen

„vajrakuṇḍe“ vermutlich vajrakuṇḍalām; „karamāt“ zu kramāt gebessert.

dhanuḥ pāśaṃ śaraṃ ghaṇṭāṃ tarjanīṃ śaṅkhamaṅkuśam / abhayañca tathā varjaṃ vāmapārśve dhṛtāyudham //

Bogen, Schlinge, Pfeil, Glocke, den drohenden Zeigefinger, Muschel, Elefantenhaken, Schutzgeste und ebenso den Donnerkeil – [so ist sie], die auf der linken Seite Waffen hält.

Wort für Wort
dhanuḥ pāśam
Bogen, Schlinge
ghaṇṭām tarjanīm
Glocke, Drohfinger
śaṅkham aṅkuśam
Muschel, Elefantenhaken
abhayam vajram
Schutzgeste, Donnerkeil
vāma-pārśve dhṛta-āyudham
links Waffen haltend

„varjaṃ“ zu vajraṃ gebessert.

pūjanācchatrunāśaḥ syādrāṣṭraṃ jayati līlayā / dīrghāyūrāṣṭrabhūtiḥ syāddivyādisiddhibhāk //

Durch ihre Verehrung tritt Vernichtung der Feinde ein; man besiegt spielend ein Reich; man wird langlebig, gewinnt Wohlstand des Reiches und erlangt himmlische und andere Vollendungen.

Wort für Wort
pūjanāt śatru-nāśaḥ
durch Verehrung Feindesvernichtung
rāṣṭram jayati līlayā
besiegt spielend ein Reich
dīrgha-āyuḥ
langlebig
divya-ādi-siddhi-bhāk
himmlische usw. Vollendungen erlangend

„dīrghāyūrāṣṭrabhūtiḥ“ als dīrghāyuḥ rāṣṭrabhūtiḥ aufgelöst.

taletisaptapātālāḥ kālāgnibhuvanāntakāḥ / oṃ kārādisvarārabhya yāvadbrahmāṇḍavācakam //

„Tala“ usw. – [so heißen] die sieben Unterwelten, die mit der Welt des Kālāgni enden; vom Oṃkāra und den Vokalen angefangen bis zu dem, was das Weltei (brahmāṇḍa) bezeichnet [?].

Wort für Wort
tala-iti
„Tala“ usw.
sapta-pātālāḥ
die sieben Unterwelten
kāla-agni-bhuvana-antakāḥ
bis zur Welt des Kālāgni
svarāt ārabhya
von den Vokalen an
brahmāṇḍa-vācakam
das Weltei bezeichnend

Kosmologische Zuordnung der Mantra-Laute; Sinn unsicher.

oṃ kārādbhrāmayettoyantotalā tvaritā tataḥ / prastāvaṃ sampravakṣyāmi svaravargaṃ likhedbhuvi //

Vom Oṃkāra aus soll man das Wasser [?] kreisen lassen; dann [folgen] „Totalā, Tvaritā“. Ich werde die Anordnung (prastāva) erklären: Man soll die Gruppe der Vokale auf den Boden zeichnen.

Wort für Wort
oṃkārāt bhrāmayet
vom Oṃ aus soll man kreisen lassen
totalā tvaritā
Totalā, Tvaritā
prastāvam sampravakṣyāmi
ich werde die Anordnung erklären
svara-vargam
die Gruppe der Vokale
likhet bhuvi
soll auf den Boden zeichnen

„bhrāmayet toyaṃ“ unklar.

tālurvargaḥ kavargaḥ syāttṛtīyo jihvatālukaḥ / caturthastālujihvāgro jihvādantastu pañcamaḥ //

Die „Gaumen“-Gruppe [als zweite] ist die k-Gruppe; die dritte ist die Zungen-Gaumen[-Gruppe] [c-Laute], die vierte die Gaumen-Zungenspitzen[-Gruppe] [ṭ-Laute], die fünfte die Zungen-Zahn[-Gruppe] [t-Laute].

Wort für Wort
tāluḥ vargaḥ
die Gaumen-Gruppe
ka-vargaḥ
die k-Gruppe
jihvā-tālukaḥ
Zunge-Gaumen
tālu-jihvā-agraḥ
Gaumen-Zungenspitze
jihvā-dantaḥ pañcamaḥ
Zunge-Zähne, die fünfte

Phonetische Gruppierung des Alphabets in acht Gruppen (varga); die erste ist die Vokalgruppe aus Vers 8.

ṣaṣṭho 'ṣṭapuṭasampanno miśravargastu saptamaḥ / ūṣmāṇaḥ syācchvargastu uddharecca manuṃ tataḥ //

Die sechste ist mit den Lippen (oṣṭhapuṭa) versehen [p-Laute], die gemischte Gruppe ist die siebte [Halbvokale]; die Zischlaute bilden die ś-Gruppe. Dann soll man den Mantra herausheben (uddhāra).

Wort für Wort
ṣaṣṭhaḥ oṣṭha-puṭa-sampannaḥ
die sechste mit den Lippen
miśra-vargaḥ saptamaḥ
die gemischte Gruppe als siebte
ūṣmāṇaḥ
die Zischlaute
śa-vargaḥ
die ś-Gruppe
uddharet manum
soll den Mantra herausheben

„aṣṭapuṭa“ zu oṣṭhapuṭa gebessert; „syācchvargastu“ als syāt śavargas tu.

ṣaṣṭhasvarasamārūḍhaṃ ūṣmaṇāntaṃ savindukam / tāluvargadvitīyantu svaraikādaśayojitam //

Den letzten der Zischlaute [ha], auf dem sechsten Vokal [ū] stehend, mit Bindu [→ hūṃ]; den zweiten der Gaumen[k]-Gruppe [kha], mit dem elften Vokal [e] verbunden [→ khe];

Wort für Wort
ṣaṣṭha-svara-samārūḍham
auf dem sechsten Vokal stehend
ūṣmaṇa-antam
den letzten der Zischlaute
sa-bindukam
mit Bindu
tālu-varga-dvitīyam
den zweiten der Gaumengruppe
svara-ekādaśa-yojitam
mit dem elften Vokal verbunden

Silbenkodierung des Tvaritā-Mantras; Auflösung nach der Vokalreihe a ā i ī u ū ṛ ṝ ḷ ḹ e ai o au aṃ aḥ.

jihvātālusamāyogaḥ prathamaṃ kevalaṃ bhavet / tadeva ca dvitīyantu adhastādviniyojayet //

bei der Zungen-Gaumen-Verbindung [c-Gruppe] soll der erste [ca] allein stehen, und eben den zweiten [cha] soll man darunter setzen [→ cche];

Wort für Wort
jihvā-tālu-samāyogaḥ
Zungen-Gaumen-Verbindung
prathamam kevalam
der erste allein
dvitīyam
den zweiten
adhastāt viniyojayet
soll darunter setzen

ekādaśasvarair yuktaṃ prathamaṃ tāluvargataḥ / ūṣmāṇasya dvitīyantu adhastād dṛśya yojayet //

den ersten aus der Gaumen[k]-Gruppe [ka], mit dem elften Vokal verbunden, [und] den zweiten der Zischlaute [ṣa] soll man, nachdem man [es] betrachtet hat, darunter setzen [→ kṣe];

Wort für Wort
ekādaśa-svaraiḥ yuktam
mit dem elften Vokal verbunden
prathamam tālu-vargataḥ
den ersten aus der Gaumengruppe
ūṣmāṇasya dvitīyam
den zweiten der Zischlaute
adhastāt yojayet
soll darunter setzen

„dṛśya“ unklar (evtl. dṛṣṭvā).

ṣoḍaśasvarasaṃyuktamūṣmāṇasya dvitīyakam / jihvādantasamāyoge prathamaṃ yojayedadhaḥ //

den zweiten der Zischlaute, mit dem sechzehnten Vokal [aḥ] verbunden; bei der Zungen-Zahn-Verbindung [t-Gruppe] soll man den ersten [ta] darunter setzen;

Wort für Wort
ṣoḍaśa-svara-saṃyuktam
mit dem sechzehnten Vokal verbunden
ūṣmāṇasya dvitīyakam
den zweiten Zischlaut
jihvā-danta-samāyoge
bei der Zungen-Zahn-Verbindung
prathamam yojayet adhaḥ
den ersten soll man darunter setzen

miśravargād dvitīyantu adhastāt punareva tu / caturthasvarasambhinnaṃ tāluvargādisaṃyutam //

aus der gemischten Gruppe den zweiten [ra] wiederum darunter, vom vierten Vokal [ī] durchdrungen, mit dem Anfang der Gaumengruppe verbunden [?];

Wort für Wort
miśra-vargāt dvitīyam
den zweiten der gemischten Gruppe
adhastāt punaḥ
wiederum darunter
caturtha-svara-sambhinnam
vom vierten Vokal durchdrungen
tālu-varga-ādi-saṃyutam
mit dem Anfang der Gaumengruppe verbunden

ūṣmaṇaś ca dvitīyantu adhastādviniyojayet / svaraikādaśabhinnantu ūṣmaṇāntaṃ savindukam //

und den zweiten der Zischlaute soll man darunter setzen; vom elften Vokal durchdrungen; den letzten der Zischlaute [ha] mit Bindu,

Wort für Wort
ūṣmaṇaḥ dvitīyam
den zweiten Zischlaut
adhastāt viniyojayet
soll darunter setzen
svara-ekādaśa-bhinnam
vom elften Vokal durchdrungen
ūṣmaṇa-antam sa-bindukam
den letzten Zischlaut mit Bindu

pañcasvarasamārūḍhaṃ oṣṭhasampuṭayogataḥ / dvitīyamakṣarañcānyajjihvāgre tāluyogataḥ //

auf dem fünften Vokal [u] stehend, durch Verbindung mit dem Lippenpaar; eine andere, zweite Silbe durch Verbindung der Zungenspitze mit dem Gaumen;

Wort für Wort
pañca-svara-samārūḍham
auf dem fünften Vokal stehend
oṣṭha-sampuṭa-yogataḥ
durch Verbindung der Lippen
dvitīyam akṣaram anyat
eine andere, zweite Silbe
jihvā-agre tālu-yogataḥ
Zungenspitze mit Gaumen

prathamaṃ pañcame yojyaṃ svarārdhenoddhṛtā ime / oṃkārādyā namontāś ca japet svāhāgnikāryake //

der erste ist mit dem fünften zu verbinden. Mit einem halben Vokal [?] sind diese herausgehoben. Mit Oṃ beginnend und mit namaḥ endend soll man sie murmeln, beim Feuerritus mit svāhā.

Wort für Wort
prathamam pañcame yojyam
der erste mit dem fünften zu verbinden
svara-ardhena uddhṛtāḥ
mit halbem Vokal herausgehoben
oṃkāra-ādyāḥ namaḥ-antāḥ
mit Oṃ beginnend, mit namaḥ endend
svāhā agni-kāryake
svāhā beim Feuerritus

oṃ hrīṃ hrūṃ hraḥ hṛdayaṃ hāṃ hṛśceti śiraḥ / hrīṃ jvala jjalaśikhā syāt kavacaṃ hanudvayam / hrīṃ śrīṃ kṣūnnetratrayāya vidyānetraṃ prakīrtitam kṣauṃ haḥ khauṃ hūṃ phaḍastrāya guhyāṅgāni purā nyaset tvaritāṅgāni vakṣyāmi vidyāṅgāni śṛṇuṣva me / ādidvihṛdayaṃ proktaṃ tricatuḥśira iṣyate //

„oṃ hrīṃ hrūṃ hraḥ“ – das Herz; „hāṃ hṛś“ – so der Kopf; „hrīṃ jvala jvala“ (flamme, flamme) sei der Haarschopf; der Panzer – das Paar „hanu“ [?]; „hrīṃ śrīṃ kṣūṃ netratrayāya“ (den drei Augen) gilt als das Auge der Vidyā; „kṣauṃ haḥ khauṃ hūṃ phaṭ astrāya“ (der Waffe). Die geheimen Glieder soll man zuerst auflegen. Ich werde die Glieder der Tvaritā nennen – höre von mir die Glieder der Vidyā: Die erste und zweite [Silbe] heißen Herz, die dritte und vierte gelten als Kopf,

Wort für Wort
hṛdayam
das Herz
śiraḥ
der Kopf
kavacam
der Panzer
guhya-aṅgāni purā nyaset
die geheimen Glieder soll man zuerst auflegen
ādi-dvi hṛdayam
die ersten zwei: Herz
tri-catuḥ śiraḥ
drei und vier: Kopf

Überlanger Vers (Mantra-Prosa). „jjala“ zu jvala gebessert; „hanudvayam“ unklar.

pañcaṣaṣṭhaḥ śikhā proktā kavacaṃ saptamāṣṭamam / tārakantu bhavennetraṃ navārdhākṣaralakṣaṇaṃ //

die fünfte und sechste heißt Haarschopf, der Panzer die siebte und achte; der Tāraka [Oṃ] ist das Auge, gekennzeichnet durch die neunte, halbe Silbe.

Wort für Wort
pañca-ṣaṣṭhaḥ śikhā
fünfte und sechste: Haarschopf
kavacam saptama-aṣṭamam
Panzer: siebte und achte
tārakam netram
der Tāraka ist das Auge
nava-ardha-akṣara-lakṣaṇam
durch die neunte, halbe Silbe gekennzeichnet

totaleti samākhyātā vajratuṇḍe tato bhavet / kha kha hūṃ daśavījā syādvajratuṇḍendradrūtikā //

„Totalā“ wird sie genannt; dann folgt Vajratuṇḍā: „kha kha hūṃ“ – zehnsilbig ist die Botin Vajratuṇḍā [?].

Wort für Wort
totalā iti samākhyātā
wird Totalā genannt
vajratuṇḍe
Vajratuṇḍā (Diamantschnabel)
daśa-bījā
zehnsilbig
dūtikā
Botin

„vajratuṇḍendradrūtikā“ verderbt; als vajratuṇḍā dūtikā gedeutet.

khecari jvālinījvāle khakheti jvālinīdaśa / varce śaravibhīṣaṇi khakheti ca śavaryapi //

„khecari jvālini jvāle kha kha“ – die zehn [Silben] der Jvālinī; „varce śaravibhīṣaṇi kha kha“ – das ist Śavarī.

Wort für Wort
khecari
o Luftwandlerin
jvālini
o Flammende
jvālinī-daśa
die zehn der Jvālinī
śara-vibhīṣaṇi
o durch Pfeile Schreckliche
śavarī api
auch Śavarī

Botinnen-Mantras (dūtī) mit je etwa zehn Silben; Wortlaut teils unsicher.

che chedani karālini khakheti ca karālyapi / vakṣaḥśravadravaplavanī kha kha dūtīplavaṃ khyapi //

„che chedani karālini kha kha“ – das ist Karālī; „vakṣaḥ-śrava-drava-plavani kha kha“ – [das ist] die Botin Plavaṅgī [?].

Wort für Wort
chedani
o Zerschneidende
karālini
o Furchtbare
karālī
Karālī
plavani
o Schwimmende/Springende
dūtī
Botin

Zweiter Mantra kaum verständlich.

strībālakāre dhunani śāstrī vasanavegikā / kṣe pakṣe kapile hasa hasa kapilā nāma dūtikā //

„strī bālakāre dhunani“ – Śāstrī [?], die Vasanavegikā [?]; „kṣe pakṣe kapile hasa hasa“ (… o Rötliche, lache, lache) – die Botin namens Kapilā.

Wort für Wort
dhunani
o Schüttelnde
kapile
o Rötliche
hasa hasa
lache, lache
kapilā nāma dūtikā
die Botin namens Kapilā

Erster Botinnenname unsicher.

hrūṃ tejovati raudrī ca mātaṅgaraudridūtikā / puṭe puṭe kha kha khaḍge phaṭ brahmakadūtikā //

„hrūṃ tejovati raudri“ (o Glanzvolle, o Schreckliche) – die Botin Mātaṅgī-Raudrī; „puṭe puṭe kha kha khaḍge phaṭ“ (… o Schwert, phaṭ) – die Botin Brahmā[ṇī] [?].

Wort für Wort
tejovati
o Glanzvolle
raudrī
die Schreckliche
mātaṅga-raudri-dūtikā
die Botin Mātaṅgī-Raudrī
khaḍge
o Schwert
brahma-dūtikā
die Brahma-Botin

vaitālini daśārṇāḥ syustyajānyahipalālavat / hṛdādikanyāsādau syān madhye netre nyasetsudhīḥ //

„vaitālini“ (o Vetāla-Gefährtin) – zehnsilbig sollen sie sein; [alle] anderen soll man meiden wie Schlange und Stroh [?]. Bei der Auflegung beginnend mit dem Herzen am Anfang; in der Mitte soll der Weise [sie] auf die Augen legen.

Wort für Wort
vaitālini
o Vetālinī
daśa-arṇāḥ syuḥ
sollen zehnsilbig sein
hṛd-ādika-nyāsa
Auflegung beginnend mit dem Herzen
madhye netre nyaset
in der Mitte auf die Augen legen
sudhīḥ
der Weise

„tyajānyahipalālavat“ unklar.

pādādarabhya mūrdāntaṃ śira ārabhya pādayoḥ / aṅghrijānūruguhye ca nābhihṛtkaṇṭhadeśataḥ //

Von den Füßen beginnend bis zum Kopf, vom Kopf beginnend bis zu den Füßen: an Füßen, Knien, Oberschenkeln, Scham und von der Nabel-, Herz- und Halsgegend an.

Wort für Wort
pādāt ārabhya
von den Füßen beginnend
mūrdha-antam
bis zum Kopf
aṅghri-jānu-ūru-guhye
an Fuß, Knie, Schenkel, Scham
nābhi-hṛt-kaṇṭha-deśataḥ
von Nabel, Herz, Hals

„mūrdāntaṃ“ zu mūrdhāntaṃ.

vajramaṇḍalabūrdhe ca aghordhe cādivījataḥ / somarūpaṃ tato gāvaṃ dhārāmṛtasuvarṣiṇam //

Oberhalb und unterhalb des Vajra-Maṇḍala, vom ersten Bīja aus; dann [stelle man sich] die mondgestaltige Kuh [?] vor, die Ströme von Nektar herabregnen lässt,

Wort für Wort
vajra-maṇḍala-ūrdhve
oberhalb des Vajra-Maṇḍala
ādi-bījataḥ
vom ersten Bīja aus
soma-rūpam
mondgestaltig
dhārā-amṛta-suvarṣiṇam
Ströme von Nektar regnend

„gāvaṃ“ und „aghordhe“ verderbt; vermutlich gām bzw. adha ūrdhve.

viśantaṃ brahmarandhreṇa sādhakastu vicintayet / mūrdhāsyakaṇṭhahṛnnābhau guhyorujānupādayoḥ //

die durch die Brahma-Öffnung [am Scheitel] eintritt – [so] soll sich der Adept [sie] vorstellen. An Kopf, Mund, Hals, Herz, Nabel, Scham, Oberschenkeln, Knien und Füßen

Wort für Wort
viśantam brahma-randhreṇa
durch die Brahma-Öffnung eintretend
sādhakaḥ vicintayet
der Adept soll sich vorstellen
mūrdha-āsya-kaṇṭha
Kopf, Mund, Hals
hṛt-nābhau
an Herz und Nabel
guhya-ūru-jānu-pādayoḥ
an Scham, Schenkeln, Knien, Füßen

ādivījaṃ nyasenmantrī tarjanyādi punaḥ punaḥ / ūrdhaṃ somamadhaḥ padmaṃ śarīraṃ vījavigrahaṃ //

soll der Mantrakundige das erste Bīja auflegen, mit dem Zeigefinger usw., immer wieder. Oben der Mond, unten der Lotus, der Körper eine aus Bījas gebildete Gestalt –

Wort für Wort
ādi-bījam nyaset
soll das erste Bīja auflegen
mantrī
der Mantrakundige
tarjanī-ādi
mit Zeigefinger usw.
ūrdhvam somam adhaḥ padmam
oben Mond, unten Lotus
bīja-vigraham
aus Bījas gebildet

yo jānāti na mṛtyuḥ syāttasya na vyādhayo jvarā / yajejjapettāṃ vinyasya dhyāyeddevīṃ śatāṣṭakam //

wer das weiß, für den gibt es keinen Tod, keine Krankheiten und keine Fieber. Man soll sie verehren und murmeln, nachdem man [sie] aufgelegt hat, und die Göttin meditieren – hundertacht Mal.

Wort für Wort
yaḥ jānāti
wer weiß
na mṛtyuḥ syāt
gibt es keinen Tod
na vyādhayaḥ jvarāḥ
keine Krankheiten, keine Fieber
vinyasya
aufgelegt habend
śata-aṣṭakam
hundertacht Mal

„śatāṣṭakam“ = 108.

mudrā vakṣye praṇītādyāḥ praṇītāḥ pañcadhā smṛtāḥ / grathitau tu karau kṛtvā madhye 'ṅguṣṭhau nipātayet //

Ich werde die Mudrās nennen, beginnend mit Praṇītā; die Praṇītās gelten als fünffach. Nachdem man die Hände verflochten hat, soll man die beiden Daumen in die Mitte senken;

Wort für Wort
mudrāḥ vakṣye
ich werde die Handgesten nennen
praṇītā-ādyāḥ
beginnend mit Praṇītā
pañcadhā smṛtāḥ
gelten als fünffach
grathitau karau kṛtvā
die Hände verflochten habend
madhye aṅguṣṭhau nipātayet
die Daumen in die Mitte senken

tarjanīṃ mūrdhnisaṃlagnāṃ vinyasettāṃ śiropari / praṇīteyaṃ samākhyātā hṛddeśe tāṃ samānayet //

den Zeigefinger, am Kopf anliegend, soll man oben auf den Kopf legen: dies heißt Praṇītā; man soll sie zur Herzgegend führen.

Wort für Wort
tarjanīm
den Zeigefinger
mūrdhni-saṃlagnām
am Kopf anliegend
śiraḥ-upari
oben auf dem Kopf
praṇītā iyam samākhyātā
dies heißt Praṇītā
hṛt-deśe samānayet
zur Herzgegend führen

ūrdhantu kanyasāmadhye savījāntāṃ vidurdvijāḥ / niyojya tarjanīmadhye 'nekalagnāṃ parasparām //

Oben aber zwischen den kleinen Fingern – die kennen die Zweimalgeborenen als die mit dem Bīja endende [?]; die Zeigefinger in der Mitte einsetzend, mehrfach aneinanderhaftend,

Wort für Wort
kaniṣṭhā-madhye
zwischen den kleinen Fingern
sa-bīja-antām
mit Bīja endend
viduḥ dvijāḥ
kennen die Zweimalgeborenen
tarjanī-madhye niyojya
die Zeigefinger in die Mitte setzend
parasparām
aneinander

„kanyasā“ = kaniṣṭhā; Vers schwer verständlich.

jyeṣṭāgraṃ nikṣipenmadhye bhedanī sā prakīrtitā / nābhideśe tu tāṃ baddhvā aṅguṣṭhāvutkṣipettataḥ //

soll man die Daumenspitze in die Mitte legen: das heißt Bhedanī. Nachdem man sie an der Nabelgegend gebunden hat, soll man dann die Daumen hochheben:

Wort für Wort
jyeṣṭha-agram
die Daumenspitze
nikṣipet madhye
soll in die Mitte legen
bhedanī
Bhedanī (die Spaltende)
nābhi-deśe baddhvā
an der Nabelgegend gebunden
aṅguṣṭhau utkṣipet
die Daumen hochheben

karālī tu mahāmudrā hṛdaye yojya mantriṇaḥ / punastu pūrvavad baddhalagnāṃ jyeṣṭhāṃ samutkṣipet //

[das ist] Karālī, die große Mudrā, vom Mantrakundigen am Herzen anzuwenden. Wieder aber, wie zuvor gebunden, soll man den anliegenden Daumen hochheben:

Wort für Wort
karālī mahā-mudrā
Karālī, die große Mudrā
hṛdaye yojyā
am Herzen anzuwenden
pūrvavat baddha
wie zuvor gebunden
jyeṣṭhām samutkṣipet
den Daumen hochheben

vajratuṇḍā samākhyātā vajradeśe tu bandhayet / ubhābhyāñcaiva hastābhyāṃ maṇibandhantu bandhayet //

[sie] heißt Vajratuṇḍā; an der Vajra-Stelle soll man sie binden. Mit beiden Händen aber soll man das Handgelenk binden,

Wort für Wort
vajratuṇḍā samākhyātā
heißt Vajratuṇḍā
vajra-deśe bandhayet
an der Vajra-Stelle binden
ubhābhyām hastābhyām
mit beiden Händen
maṇi-bandham
das Handgelenk

trīṇi trīṇi prasāryeti vajramudrā prakīrtitā / daṇḍaḥ khaḍgañcakragadā mudrā cākārataḥ smṛtā //

je drei [Finger] ausstrecken: So heißt die Vajra-Mudrā. Stab, Schwert, Diskus, Keule – die Mudrās werden nach [ihrer] Form benannt.

Wort für Wort
trīṇi trīṇi prasārya
je drei ausstreckend
vajra-mudrā
die Vajra-Geste
daṇḍaḥ khaḍgam cakra-gadā
Stab, Schwert, Diskus, Keule
ākārataḥ smṛtā
nach der Form benannt

aṅguṣṭhenākramet trīṇi triśūlañcordhvato bhavet / ekā tu madhyamordhvā tu śaktireva vidhīyate //

Mit dem Daumen soll man drei [Finger] niederdrücken: [nach oben gerichtet] sei es der Dreizack; ein einziger, der Mittelfinger, nach oben [gestreckt], wird als Speer (śakti) bestimmt.

Wort für Wort
aṅguṣṭhena ākramet trīṇi
mit dem Daumen drei niederdrücken
triśūlam
Dreizack
madhyamā ūrdhvā
der Mittelfinger nach oben
śaktiḥ vidhīyate
wird als Speer bestimmt

śarañca varadañcāpaṃ pāśaṃ bhārañca ghaṇṭayā / śaṅkhamaṅkuśamabhayaṃ padmamaṣṭa ca viṃśatiḥ //

Pfeil, Wunschgewährung, Bogen, Schlinge, Last [?] mit der Glocke, Muschel, Elefantenhaken, Schutzgeste, Lotus – [insgesamt] achtundzwanzig.

Wort für Wort
śaram varadam cāpam
Pfeil, Wunschgewährung, Bogen
pāśam ghaṇṭayā
Schlinge, mit der Glocke
śaṅkham aṅkuśam abhayam
Muschel, Haken, Schutzgeste
padmam
Lotus
aṣṭa ca viṃśatiḥ
achtundzwanzig

„bhāra“ unklar.

mohaṇī mokṣaṇī caiva jvālinī cāmṛtābhayā / praṇītāḥ pañcamudrāstu pūjāhome ca yojayet //

Mohanī, Mokṣaṇī, Jvālinī, Amṛtā und Abhayā – diese fünf Praṇītā-Mudrās soll man bei Verehrung und Feueropfer anwenden.

Wort für Wort
mohanī
die Betörende
mokṣaṇī
die Befreiende
jvālinī
die Flammende
amṛtā abhayā
die Unsterbliche, die Furchtlose
pūjā-home yojayet
bei Verehrung und Opfer anwenden

„mohaṇī“ zu mohanī.

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