Īśvara lehrt Guha die Ausrichtung und Konstruktion ritueller Diagramme: Bestimmung der Ostrichtung, Schnurschlag des Quadrats, das Bhadra-Maṇḍala, die Arten des Lotus (unverbunden, „jung“, „jugendlich“, „alt“) sowie mehrere größere Maṇḍalas (Neun-Lotus-, Großes, Fünf-Lotus-Maṇḍala, Vighnadhvaṃsa, Buddhyādhāra, Ranken-Liṅga- und Bhadra-Formen) mit Farbangaben und der Zahl von 1440 Maṇḍalas. Der Text ist hochtechnisch und an vielen Stellen verderbt oder durch Zahlwort-Codes schwer deutbar (bes. V. 5, 16, 40, 44–48); die Übersetzung bleibt dort vorläufig.
Īśvara sprach: Ich verkünde dir, Guha, die acht Maṇḍalas der Art Sarvatobhadra. Der Kundige ermittle nach Vermögen [?] die Ostrichtung zur gewünschten [Zeit], an einem Äquinoktium,
oder mittels [der Mitte] zwischen Citrā und Svāti, oder aber mit einer [an einem Gestirn] ausgerichteten Schnur. Man spanne und schnelle die von Ost nach West verlaufende Schnur und markiere ihre Mitte.
Von dieser Mitte aus markiere man zwei Endpunkte (koṭi) nach Süden und Norden; in der Mitte sind zwei [Punkte] anzubringen; man schnelle [die Schnur] von Süden nach Norden.
Wort für Wort
koṭi-dvayam
zwei Endpunkte
tat-madhyāt
von dieser Mitte aus
dakṣiṇa-uttaram
nach Süden und Norden
madhye dvayam prakartavyam
in der Mitte sind zwei zu machen
sphālayet
man schnelle (die Schnur)
prakartavya für prakartavyam; dakṣinottaram für dakṣiṇottaram.
jāyate tatra kartavyaṃ bhadrasvedakaraṃ śubham / vasubhaktendu dvipade kṣetre vīthī ca bhāgikā //
Darin ist das glückbringende Bhadra [-Maṇḍala] anzulegen, ... [svedakaram?]. In einem Feld [von] zwei Feldern, durch acht (vasu) und eins (indu) geteilt [?], der Pfad einen Teil breit;
śuklaṃ padmaṃ karṇikā tu pītā citrantu keśaram / raktā vīthī tatra kalpyā dvāraṃ lokeśarūpakaṃ //
Der Lotus weiß, die Samenkapsel aber gelb, die Staubfäden bunt; rot ist dort der Pfad zu gestalten, das Tor in der Gestalt [der Farben] der Welthüter [?].
Rote Ecken – beim regelmäßigen (nitya) Ritus. Höre [nun] den Lotus für die Anlassriten (naimittika): unverbunden und verbunden – zweifach ist der Lotus, Genuss und Erlösung bewirkend.
asaṃsaktaṃ mumukṣūṇāṃ saṃsaktaṃ tattridhā pṛthak / bālo yuvā ca vṛddhaś ca nāmataḥ phalasiddhidāḥ //
Der unverbundene [ist] für die nach Erlösung Strebenden; der verbundene ist dreifach verschieden: „jung“, „jugendlich“ und „alt“ – dem Namen nach –, Frucht und Erfolg gewährend.
die Blattfugen; [im vierten] die Blattspitze, die innen einem Stirnbuckel des Elefanten gleicht; im fünften [Kreis] die Gestalt des Leeren (vyoma) – dies gilt als der verbundene Lotus.
asaṃsakte dalāgre tu digbhāgair vistarādbhajet / bhāgadvayaparityāgādvasvaṃśair vartayeddalam //
Beim unverbundenen aber teile man an der Blattspitze die Breite nach Richtungsteilen; unter Weglassung von zwei Teilen zeichne man das Blatt mit acht (vasu) Teilen.
Mit der Schnur von der Breite der Fuge ziehe man von deren Wurzel aus das Blatt, in rechts- und linksläufiger Folge – so entsteht der „alte“ (vṛddha) [Lotus].
Wort für Wort
sandhi-vistara-sūtreṇa
mit der Schnur der Fugenbreite
tat-mūlāt
von deren Wurzel
añjayet dalam
ziehe das Blatt
savya-asavya-krameṇa
in rechts- und linksläufiger Folge
vṛddham
der alte (Lotus)
añjayet („salbe“) hier wohl im Sinn von „ziehe, zeichne“.
Oder man drehe [die Schnur] von der Mitte der Fuge aus wie einen Halbmond, oder [man nehme] die Schnur zu den Spitzen zweier Fugen – so entsteht der „junge“ Lotus (bāla).
Mit dem halben Maß der Fugenschnur drehe man von hinten herum; spitz an der Spitze ... [suvātena?] – [so entsteht] der Lotus, der Genuss und Erlösung gibt [Anm.: der „jugendliche“].
bhuktivṛddhau ca vaśyādau bālaṃ padmaṃ samānakaṃ / navanābhaṃ navahastaṃ bhāgair mantrātmakaiś ca tat //
Für Mehrung des Genusses und bei Unterwerfung usw. [nehme man] den jungen Lotus, gleichmäßig. [Nun ein Maṇḍala] mit neun Nabeln [Mittelpunkten], neun Ellen (hasta) groß, mit Teilen, die aus Mantras bestehen;
Die Wange ist einfeldig zu machen; in den Richtungen deutlich je drei Tore; die Eckverbindung dreiblättrig, zweistreifig – sie sei wie ein Donnerkeil (vajra).
Auf die acht Lotusse vom Osten an murmle man [die Mantras] Śivas, Viṣṇus usw. Nachdem man [die Hauptgottheit] in der Mitte des Tempels (prāsāda) verehrt hat, [verehre man] Śakra usw. in den Lotussen usw.
astrāṇi vāhyavīthyāntu viṣṇvādīnaśvameghabhāk / pavitrārohaṇādau ca mahāmaṇḍalamālikhet //
Die Waffen im äußeren Pfad, Viṣṇu usw. – [so] hat man Anteil [an der Frucht] eines Pferdeopfers. Bei der Darbringung des Pavitra (pavitrārohaṇa) usw. zeichne man das Große Maṇḍala.
Zuvor gliedere man ein Feld von acht Ellen durch sechs (rasa) und zwei (pakṣa) [Teilungen] [?]; in der Mitte ein Lotus von zwei Feldern, dann Pfad und Ein-Feld-Streifen.
Wort für Wort
aṣṭa-hastam kṣetram
ein Feld von acht Ellen
rasa-pakṣaiḥ vivartayet
gliedere durch sechs und zwei
dvipadam kamalam madhye
in der Mitte ein Lotus von zwei Feldern
vīthikā padikā tataḥ
dann Pfad und Streifen
rasapakṣaiḥ: Zahlwortcode (6 und 2, also wohl 26 Teile?).
digvidikṣu tato 'ṣṭau ca nīlābjāni vivartayet / madhyapadmapramāṇena triṃśatpadmāni tāni tu //
Dann zeichne man in den Haupt- und Zwischenrichtungen acht blaue Lotusse, nach dem Maß des mittleren Lotus; diese [bilden zusammen] dreißig Lotusse [?],
Ein Lotus von zwei Feldern, Pfad und Streifen; in den Richtungen [je] ein Lotus; ein Viererfeld; dahinter Pfad, Ein-Feld-Streifen und zweifeldige [Tore] wie [zuvor];
Ich verkünde das alle Wünsche gewährende Maṇḍala von zehn Ellen: ein Viereck, in sechzehn (vikāra) [Teile] geteilt [?]; das Tor aber sei zwei Felder groß.
Wort für Wort
sarva-kāma-pradam
alle Wünsche gewährend
daśa-hastam maṇḍalam
Maṇḍala von zehn Ellen
vikāra-bhaktam
in sechzehn geteilt
turya-aśram
viereckig
dvāram dvipadam
das Tor zwei Felder
vikāra als Zahlwort 16 verstanden; turyāśra = caturasra.
In der Mitte ein Lotus wie zuvor. Nun verkünde ich den „Vighnadhvaṃsa“ (Hindernisvernichter): Man mache ein Feld (pura) von vier Ellen und einen Kreis von zwei Ellen,
padmāni pañca śuklāni madhye pūjyaś ca niṣkalaḥ / hṛdayādīni pūrvādau vidikṣvastrāṇi vai yajet //
Fünf weiße Lotusse; in der Mitte ist der Teillose (niṣkala) zu verehren; das Herz usw. [die Glieder-Mantras] vom Osten an, in den Zwischenrichtungen verehre man die Waffen.
Wie zuvor die fünf Brahman[-Mantras]. Nun verkünde ich den „Buddhyādhāra“: in [einem Feld von] hundert Teilen, in fünfzehn (tithi) Teilen ein Lotus, acht Liṅgas in den Richtungen,
Maṇḍalas mit vier, sechs, fünf, acht usw. [Feldern], ... [khāchikhādi?] usw.; alles in [der Zahl] „kha-akṣi-indu-sūrya“ [?], und „kha-akṣi“ nach der Angabe von „indu“ [?].
Wort für Wort
catuḥ-ṣaṭ-pañcama-aṣṭa-ādi
vier, sechs, fünf, acht usw.
maṇḍalam
Maṇḍala
kha-akṣi-indu-sūrya-gam
in (der Zahl) Null-Zwei-Eins-Zwölf
sarvam
alles
indu-varṇanāt
nach der Angabe von Eins
Stark verderbter Vers mit Zahlwort-Code (kha = 0, akṣi = 2, indu = 1, sūrya = 12); Sinn nicht sicher herstellbar, V. 41 nennt 1440 Maṇḍalas.
daśasaptavibhakte tu latāliṅgodbhavaṃ śṛṇu / dikṣu pañcatrayañcaikaṃ trayaṃ pañca ca lomayet //
Höre [nun] die Entstehung des Ranken-Liṅga[-Maṇḍalas] bei einem in siebzehn geteilten [Feld]: in den Richtungen tilge man fünf, drei, eins, drei und fünf [Felder].
Im oberen [Teil] zwei Felder: der Liṅga-Tempel in den beiden Seitenfächern [?]; in der Mitte ein Lotus von zwei Feldern und dann [noch] ein weiterer Lotus;
zu beiden Seiten des Liṅga die Bhadras, durch Nichttilgen der Torfelder [?]; deren Seitenzierden (śobhā) – indem man sechs tilgt; die übrigen [Felder] sind Ranken. Ebenso [das Maṇḍala] Haris:
Wort für Wort
liṅgasya pārśvayoḥ
zu beiden Seiten des Liṅga
bhadre
die beiden Bhadras
pada-dvāram alopanāt
durch Nichttilgen der Torfelder
tat-pārśva-śobhāḥ
deren Seitenzierden
ṣaṭ lopya
sechs tilgend
latāḥ śeṣāḥ
die übrigen Ranken
padadvāramalopanāt als padadvāram alopanāt aufgelöst, unsicher.
oben tilge man zwei Felder: das ist als Acht-Bhadra Haris überliefert; mit dem Strahlenmaß (raśmimāna) versehen, durch Tilgen von vier (veda) [Feldern] die Zierde (śobhā).
der Rest dreizehn Felder – dies ist das Maṇḍala „Buddhyādhāra“. [Ein Lotus] mit hundert Blättern, um sechzig vermehrt [?], ist der Buddhyādhāra für Hara usw.