Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 319: maṇḍalāni Die Maṇḍalas

Īśvara lehrt Guha die Ausrichtung und Konstruktion ritueller Diagramme: Bestimmung der Ostrichtung, Schnurschlag des Quadrats, das Bhadra-Maṇḍala, die Arten des Lotus (unverbunden, „jung“, „jugendlich“, „alt“) sowie mehrere größere Maṇḍalas (Neun-Lotus-, Großes, Fünf-Lotus-Maṇḍala, Vighnadhvaṃsa, Buddhyādhāra, Ranken-Liṅga- und Bhadra-Formen) mit Farbangaben und der Zahl von 1440 Maṇḍalas. Der Text ist hochtechnisch und an vielen Stellen verderbt oder durch Zahlwort-Codes schwer deutbar (bes. V. 5, 16, 40, 44–48); die Übersetzung bleibt dort vorläufig.

īśvara uvāca | sarvato bhadrakānyaṣṭamaṇḍalāni vade guha / śaktimāsādhayet prācīmiṣṭāyāṃ viṣuve sudhīḥ //

Īśvara sprach: Ich verkünde dir, Guha, die acht Maṇḍalas der Art Sarvatobhadra. Der Kundige ermittle nach Vermögen [?] die Ostrichtung zur gewünschten [Zeit], an einem Äquinoktium,

Wort für Wort
sarvatobhadrakāni
der Art Sarvatobhadra
aṣṭa maṇḍalāni
acht Maṇḍalas
vade guha
ich verkünde, Guha
prācīm
die Ostrichtung
viṣuve sudhīḥ
am Äquinoktium der Kundige

śaktim āsādhayet unklar; vielleicht śaktyā sādhayet.

citrāsvātyantareṇātha dṛṣṭasūtreṇa vā punaḥ / pūrvāparāyataṃ sūtramāsphālya madhyato 'ṅkayet //

oder mittels [der Mitte] zwischen Citrā und Svāti, oder aber mit einer [an einem Gestirn] ausgerichteten Schnur. Man spanne und schnelle die von Ost nach West verlaufende Schnur und markiere ihre Mitte.

Wort für Wort
citrā-svāti-antareṇa
mittels der Mitte zwischen Citrā und Svāti
dṛṣṭa-sūtreṇa
mit einer ausgerichteten Schnur
pūrva-apara-āyatam sūtram
die von Ost nach West gespannte Schnur
āsphālya
geschnellt habend
madhyataḥ aṅkayet
markiere in der Mitte

koṭidvayantu tanmadhyādaṅkayeddakṣiṇottaram / madhye dvayaṃ prakartavya sphālayeddakṣinottaram //

Von dieser Mitte aus markiere man zwei Endpunkte (koṭi) nach Süden und Norden; in der Mitte sind zwei [Punkte] anzubringen; man schnelle [die Schnur] von Süden nach Norden.

Wort für Wort
koṭi-dvayam
zwei Endpunkte
tat-madhyāt
von dieser Mitte aus
dakṣiṇa-uttaram
nach Süden und Norden
madhye dvayam prakartavyam
in der Mitte sind zwei zu machen
sphālayet
man schnelle (die Schnur)

prakartavya für prakartavyam; dakṣinottaram für dakṣiṇottaram.

śatakṣetrārdhamānena koṇasampātamādiśet / evaṃ sūtracatuṣkasya sphālanāccaturasrakam //

Mit dem halben Maß des Feldes [śatakṣetra?] bestimme man den Schnittpunkt der Ecken; so entsteht durch das Schnellen der vier Schnüre ein Quadrat.

Wort für Wort
kṣetra-ardha-mānena
mit dem halben Maß des Feldes
koṇa-sampātam ādiśet
bestimme den Schnittpunkt der Ecken
sūtra-catuṣkasya
der vier Schnüre
sphālanāt
durch das Schnellen
caturasrakam
ein Quadrat

śatakṣetra- („Feld von hundert [Teilen]“?) unsicher.

jāyate tatra kartavyaṃ bhadrasvedakaraṃ śubham / vasubhaktendu dvipade kṣetre vīthī ca bhāgikā //

Darin ist das glückbringende Bhadra [-Maṇḍala] anzulegen, ... [svedakaram?]. In einem Feld [von] zwei Feldern, durch acht (vasu) und eins (indu) geteilt [?], der Pfad einen Teil breit;

Wort für Wort
jāyate
es entsteht
bhadram
das Bhadra(-Maṇḍala)
śubham
glückbringend
vasu-bhakta-indu
durch acht (und eins) geteilt
vīthī ca bhāgikā
der Pfad einen Teil breit

bhadrasvedakaraṃ verderbt; Zahlencode vasubhaktendu unsicher.

dvāraṃ dvipadikaṃ padmamānāddhai sakapolakam / kīṇabandhavicitrantu dvipadaṃ tatra vartayet //

das Tor zwei Felder, nach dem Maß des Lotus, mit „Wangen“ (kapola); die Eckverbindung bunt, zwei Felder – so zeichne man es dort.

Wort für Wort
dvāram dvipadikam
das Tor zwei Felder
padma-mānāt
nach dem Maß des Lotus
sa-kapolakam
mit Wangen
koṇa-bandha-vicitram
die Eckverbindung bunt
vartayet
man zeichne

padmamānāddhai für padmamānād vai; kīṇabandha für koṇabandha.

śuklaṃ padmaṃ karṇikā tu pītā citrantu keśaram / raktā vīthī tatra kalpyā dvāraṃ lokeśarūpakaṃ //

Der Lotus weiß, die Samenkapsel aber gelb, die Staubfäden bunt; rot ist dort der Pfad zu gestalten, das Tor in der Gestalt [der Farben] der Welthüter [?].

Wort für Wort
śuklam padmam
weiß der Lotus
karṇikā tu pītā
die Samenkapsel gelb
citram keśaram
bunt die Staubfäden
raktā vīthī
rot der Pfad
loka-īśa-rūpakam
in Gestalt der Welthüter

raktakoṇaṃ vidhau nitye naimittikābjakaṃ śṛṇu / asaṃsaktantu saṃsaktaṃ dvidhābjaṃ bhuktimuktikṛt //

Rote Ecken – beim regelmäßigen (nitya) Ritus. Höre [nun] den Lotus für die Anlassriten (naimittika): unverbunden und verbunden – zweifach ist der Lotus, Genuss und Erlösung bewirkend.

Wort für Wort
rakta-koṇam
rote Ecken
vidhau nitye
beim regelmäßigen Ritus
naimittika-abjakam śṛṇu
höre den Lotus für Anlassriten
asaṃsaktam saṃsaktam
unverbunden und verbunden
bhukti-mukti-kṛt
Genuss und Erlösung bewirkend

asaṃsaktaṃ mumukṣūṇāṃ saṃsaktaṃ tattridhā pṛthak / bālo yuvā ca vṛddhaś ca nāmataḥ phalasiddhidāḥ //

Der unverbundene [ist] für die nach Erlösung Strebenden; der verbundene ist dreifach verschieden: „jung“, „jugendlich“ und „alt“ – dem Namen nach –, Frucht und Erfolg gewährend.

Wort für Wort
asaṃsaktam mumukṣūṇām
der unverbundene für Erlösungsuchende
tat tridhā pṛthak
dieser dreifach verschieden
bālaḥ yuvā ca vṛddhaḥ
jung, jugendlich und alt
nāmataḥ
dem Namen nach
phala-siddhi-dāḥ
Frucht und Erfolg gebend

padmakṣetre tu sūtrāṇi digvidikṣu vinikṣipet / vṛttāni pañcakalpāni padmakṣetrasamāni tu //

Im Lotusfeld lege man Schnüre in die Haupt- und Zwischenrichtungen; [dazu] fünf Kreise, gleichmäßig über das Lotusfeld verteilt.

Wort für Wort
padma-kṣetre
im Lotusfeld
sūtrāṇi
Schnüre
diś-vidikṣu vinikṣipet
lege in die Haupt- und Zwischenrichtungen
vṛttāni pañca
fünf Kreise
padma-kṣetra-samāni
dem Lotusfeld gleichmäßig

pañcakalpāni wohl für pañca kalpyāni.

prathame karṇikā tatra puṣkarair navabhiryutā / keśarāṇi caturviṃśadvitīye 'tha tṛtīyake //

Im ersten [Kreis] ist dort die Samenkapsel, mit neun Samenlöchern (puṣkara) versehen; im zweiten vierundzwanzig Staubfäden; dann im dritten

Wort für Wort
prathame karṇikā
im ersten die Samenkapsel
puṣkaraiḥ navabhiḥ yutā
mit neun Samenlöchern
keśarāṇi caturviṃśat
vierundzwanzig Staubfäden
dvitīye
im zweiten
tṛtīyake
im dritten

dalasandhirgajakumbha nibhāntaryaddalāgrakam / pañcame vyomarūpantu saṃsaktaṃ kamalaṃ smṛtaṃ //

die Blattfugen; [im vierten] die Blattspitze, die innen einem Stirnbuckel des Elefanten gleicht; im fünften [Kreis] die Gestalt des Leeren (vyoma) – dies gilt als der verbundene Lotus.

Wort für Wort
dala-sandhiḥ
die Blattfuge
gaja-kumbha-nibha
einem Elefanten-Stirnbuckel gleichend
dala-agrakam
die Blattspitze
pañcame vyoma-rūpam
im fünften die Gestalt des Leeren
saṃsaktam kamalam smṛtam
gilt als verbundener Lotus

asaṃsakte dalāgre tu digbhāgair vistarādbhajet / bhāgadvayaparityāgādvasvaṃśair vartayeddalam //

Beim unverbundenen aber teile man an der Blattspitze die Breite nach Richtungsteilen; unter Weglassung von zwei Teilen zeichne man das Blatt mit acht (vasu) Teilen.

Wort für Wort
asaṃsakte
beim unverbundenen
dala-agre
an der Blattspitze
diś-bhāgaiḥ vistarāt bhajet
teile die Breite nach Richtungsteilen
bhāga-dvaya-parityāgāt
unter Weglassung von zwei Teilen
vasu-aṃśaiḥ vartayet dalam
zeichne das Blatt mit acht Teilen

sandhivistarasūtreṇa tanmūlādañjayeddalam / savyāsavyakrameṇaiva vṛddhametadbhavettathā //

Mit der Schnur von der Breite der Fuge ziehe man von deren Wurzel aus das Blatt, in rechts- und linksläufiger Folge – so entsteht der „alte“ (vṛddha) [Lotus].

Wort für Wort
sandhi-vistara-sūtreṇa
mit der Schnur der Fugenbreite
tat-mūlāt
von deren Wurzel
añjayet dalam
ziehe das Blatt
savya-asavya-krameṇa
in rechts- und linksläufiger Folge
vṛddham
der alte (Lotus)

añjayet („salbe“) hier wohl im Sinn von „ziehe, zeichne“.

atha vā sandhimadhyāttu bhrāmayedardhacandravat / sandhidvayāgrasūtraṃ vā bālapadmantathā bhavet //

Oder man drehe [die Schnur] von der Mitte der Fuge aus wie einen Halbmond, oder [man nehme] die Schnur zu den Spitzen zweier Fugen – so entsteht der „junge“ Lotus (bāla).

Wort für Wort
sandhi-madhyāt
von der Mitte der Fuge
bhrāmayet
man drehe
ardha-candravat
wie einen Halbmond
sandhi-dvaya-agra-sūtram
die Schnur zu den Spitzen zweier Fugen
bāla-padmam
der junge Lotus

sandhisūtrārdhamānena pṛṣṭhataḥ parivartayet / tīkṣṇāgrantu suvātena kamalaṃ bhuktimuktidam //

Mit dem halben Maß der Fugenschnur drehe man von hinten herum; spitz an der Spitze ... [suvātena?] – [so entsteht] der Lotus, der Genuss und Erlösung gibt [Anm.: der „jugendliche“].

Wort für Wort
sandhi-sūtra-ardha-mānena
mit dem halben Maß der Fugenschnur
pṛṣṭhataḥ parivartayet
drehe von hinten herum
tīkṣṇa-agram
spitz an der Spitze
kamalam
der Lotus
bhukti-mukti-dam
Genuss und Erlösung gebend

suvātena unverständlich.

bhuktivṛddhau ca vaśyādau bālaṃ padmaṃ samānakaṃ / navanābhaṃ navahastaṃ bhāgair mantrātmakaiś ca tat //

Für Mehrung des Genusses und bei Unterwerfung usw. [nehme man] den jungen Lotus, gleichmäßig. [Nun ein Maṇḍala] mit neun Nabeln [Mittelpunkten], neun Ellen (hasta) groß, mit Teilen, die aus Mantras bestehen;

Wort für Wort
bhukti-vṛddhau
zur Mehrung des Genusses
vaśya-ādau
bei Unterwerfung usw.
bālam padmam
der junge Lotus
nava-nābham
mit neun Nabeln
nava-hastam
neun Ellen groß

madhye 'bjaṃ paṭṭikāvījaṃ dvāreṇābjasya mānataḥ / kaṇṭhopakaṇṭhamuktāni tadvāhye vīthikā matā //

in der Mitte ein Lotus, mit Streifen und Keim [?]; mit einem Tor nach dem Maß des Lotus, frei von Hals und Nebenhals; außerhalb davon gilt der Pfad.

Wort für Wort
madhye abjam
in der Mitte ein Lotus
paṭṭikā
Streifen
dvāreṇa abjasya mānataḥ
mit Tor nach dem Maß des Lotus
kaṇṭha-upakaṇṭha-muktāni
frei von Hals und Nebenhals
tat-bāhye vīthikā
außerhalb davon der Pfad

paṭṭikāvījaṃ unklar.

pañcabhāgānvitā sā tu samantāddaśabhāgikā / digvidikṣvaṣṭa padmāni dvārapadmaṃ savīthikam //

Dieser ist mit fünf Teilen versehen, ringsum zehnteilig; in den Haupt- und Zwischenrichtungen acht Lotusse; ein Torlotus samt Pfad.

Wort für Wort
pañca-bhāga-anvitā
mit fünf Teilen versehen
samantāt daśa-bhāgikā
ringsum zehnteilig
diś-vidikṣu
in Haupt- und Zwischenrichtungen
aṣṭa padmāni
acht Lotusse
dvāra-padmam sa-vīthikam
ein Torlotus samt Pfad

tadvāhye pañca padikā vīthikā yatra bhūṣitā / padmavaddvārakaṇṭhantu padikañcauṣṭhakaṇṭhakaṃ //

Außerhalb davon ein Pfad von fünf Feldern, wo er geschmückt ist; das Tor und der Hals wie beim Lotus, einfeldig; Lippe und Hals [?].

Wort für Wort
tat-bāhye
außerhalb davon
pañca-padikā vīthikā
ein Pfad von fünf Feldern
bhūṣitā
geschmückt
padmavat dvāra-kaṇṭham
Tor und Hals wie beim Lotus
oṣṭha-kaṇṭhakam
Lippe und Hals

Technische Stelle, Satzbau unklar.

kapolaṃ padikaṃ kāryaṃ dikṣu dvāratrayaṃ spuṭam / koṇabandhaṃ tripattantu dvipaṭṭaṃ vajravadbhavet //

Die Wange ist einfeldig zu machen; in den Richtungen deutlich je drei Tore; die Eckverbindung dreiblättrig, zweistreifig – sie sei wie ein Donnerkeil (vajra).

Wort für Wort
kapolam padikam kāryam
die Wange einfeldig zu machen
dikṣu dvāra-trayam
in den Richtungen drei Tore
koṇa-bandham tri-pattram
Eckverbindung dreiblättrig
dvi-paṭṭam
zweistreifig
vajravat bhavet
sei wie ein Donnerkeil

spuṭam für sphuṭam.

madhyantu kamalaṃ śuklaṃ pītaṃ raktañca nīlakam / pītaśuklañca dhūmrañca raktaṃ pītañca muktidam //

Der mittlere Lotus weiß; [die anderen] gelb, rot und blau, gelb-weiß, rauchgrau, rot und gelb – [dies Maṇḍala] gewährt Erlösung.

Wort für Wort
madhyam kamalam śuklam
der mittlere Lotus weiß
pītam raktam ca nīlakam
gelb, rot und blau
pīta-śuklam ca dhūmram
gelb-weiß und rauchgrau
muktidam
Erlösung gewährend

pūrvādau kamalānyaṣṭa śivaviṣṇvādikaṃ japet / prāsādamadhyato 'bhyarcya śakrādīnabjakādiṣu //

Auf die acht Lotusse vom Osten an murmle man [die Mantras] Śivas, Viṣṇus usw. Nachdem man [die Hauptgottheit] in der Mitte des Tempels (prāsāda) verehrt hat, [verehre man] Śakra usw. in den Lotussen usw.

Wort für Wort
pūrva-ādau
vom Osten an
kamalāni aṣṭa
die acht Lotusse
śiva-viṣṇu-ādikam japet
murmle (die Mantras) Śivas, Viṣṇus usw.
prāsāda-madhyataḥ abhyarcya
in der Mitte des Tempels verehrt habend
śakra-ādīn abjaka-ādiṣu
Śakra usw. in den Lotussen usw.

astrāṇi vāhyavīthyāntu viṣṇvādīnaśvameghabhāk / pavitrārohaṇādau ca mahāmaṇḍalamālikhet //

Die Waffen im äußeren Pfad, Viṣṇu usw. – [so] hat man Anteil [an der Frucht] eines Pferdeopfers. Bei der Darbringung des Pavitra (pavitrārohaṇa) usw. zeichne man das Große Maṇḍala.

Wort für Wort
astrāṇi bāhya-vīthyām
die Waffen im äußeren Pfad
viṣṇu-ādīn
Viṣṇu usw.
aśvamedha-bhāk
am Pferdeopfer Anteil habend
pavitra-ārohaṇa-ādau
bei der Pavitra-Darbringung usw.
mahā-maṇḍalam ālikhet
zeichne das Große Maṇḍala

aśvameghabhāk für aśvamedhabhāk.

aṣṭahastaṃ purā kṣetraṃ rasapakṣair vivartayet / dvipadaṃ kamalaṃ madhye vīthikā padikā tataḥ //

Zuvor gliedere man ein Feld von acht Ellen durch sechs (rasa) und zwei (pakṣa) [Teilungen] [?]; in der Mitte ein Lotus von zwei Feldern, dann Pfad und Ein-Feld-Streifen.

Wort für Wort
aṣṭa-hastam kṣetram
ein Feld von acht Ellen
rasa-pakṣaiḥ vivartayet
gliedere durch sechs und zwei
dvipadam kamalam madhye
in der Mitte ein Lotus von zwei Feldern
vīthikā padikā tataḥ
dann Pfad und Streifen

rasapakṣaiḥ: Zahlwortcode (6 und 2, also wohl 26 Teile?).

digvidikṣu tato 'ṣṭau ca nīlābjāni vivartayet / madhyapadmapramāṇena triṃśatpadmāni tāni tu //

Dann zeichne man in den Haupt- und Zwischenrichtungen acht blaue Lotusse, nach dem Maß des mittleren Lotus; diese [bilden zusammen] dreißig Lotusse [?],

Wort für Wort
diś-vidikṣu tataḥ
dann in Haupt- und Zwischenrichtungen
aṣṭau nīla-abjāni
acht blaue Lotusse
vivartayet
zeichne man
madhya-padma-pramāṇena
nach dem Maß des mittleren Lotus
triṃśat padmāni
dreißig Lotusse

triṃśat unsicher (acht oder dreißig?).

dalasandhivihīnāni nīlendīvarakāni ca / tatpṛṣṭhe padikā vīthī svastikāni tadūrdhvataḥ //

ohne Blattfugen, als blaue Seerosen (nīlendīvara); dahinter Ein-Feld-Streifen und Pfad, darüber Svastikas,

Wort für Wort
dala-sandhi-vihīnāni
ohne Blattfugen
nīla-indīvarakāni
blaue Seerosen
tat-pṛṣṭhe
dahinter
padikā vīthī
Streifen und Pfad
svastikāni tat-ūrdhvataḥ
darüber Svastikas

dvipadāni tathā cāṣṭau kṛtibhāgakṛtāni tu / vartayet svastikāṃstatra vīthikā pūrvavadvahiḥ //

und ebenso acht [Felder] von je zwei Feldern, durch zwanzig (kṛti) Teile gebildet [?]; dort zeichne man Svastikas; außen der Pfad wie zuvor.

Wort für Wort
dvipadāni tathā ca aṣṭau
und ebenso acht zweifeldige
kṛti-bhāga-kṛtāni
durch zwanzig Teile gebildet
vartayet svastikān
zeichne Svastikas
vīthikā pūrvavat
der Pfad wie zuvor
bahiḥ
außen

kṛtibhāga: kṛti als Zahlwort 20 verstanden, unsicher.

dvārāṇi kamalaṃ yadvadupakaṇṭhyutāni tu / raktaṃ koṇaṃ pītavīthī nīlaṃ padmañcamaṇḍale //

Die Tore wie beim Lotus, versehen mit Nebenhälsen; die Ecke rot, der Pfad gelb, blau der Lotus im Maṇḍala;

Wort für Wort
dvārāṇi kamalam yadvat
die Tore wie beim Lotus
upakaṇṭha-yutāni
mit Nebenhälsen versehen
raktam koṇam
die Ecke rot
pīta-vīthī
der Pfad gelb
nīlam padmam
blau der Lotus

upakaṇṭhyutāni für upakaṇṭhayutāni.

svastikādi vicitrañca sarvakāmapradaṃ guha / pañcābjaṃ pañcahastaṃ syāt samantāddaśabhājitam //

mit Svastikas usw. bunt – es gewährt alle Wünsche, Guha. Das Fünf-Lotus-[Maṇḍala] sei fünf Ellen groß, ringsum in zehn [Teile] geteilt.

Wort für Wort
svastika-ādi vicitram
mit Svastikas usw. bunt
sarva-kāma-pradam
alle Wünsche gewährend
pañca-abjam
das Fünf-Lotus-(Maṇḍala)
pañca-hastam
fünf Ellen groß
samantāt daśa-bhājitam
ringsum in zehn geteilt

dvipadaṃ kamalaṃ vīthī paṭṭikā dikṣu paṅkajam / catuṣkaṃ pṛṣṭhato vīthī padikā dvipadānyathā //

Ein Lotus von zwei Feldern, Pfad und Streifen; in den Richtungen [je] ein Lotus; ein Viererfeld; dahinter Pfad, Ein-Feld-Streifen und zweifeldige [Tore] wie [zuvor];

Wort für Wort
dvipadam kamalam
ein zweifeldiger Lotus
vīthī paṭṭikā
Pfad und Streifen
dikṣu paṅkajam
in den Richtungen ein Lotus
catuṣkam
ein Viererfeld
pṛṣṭhataḥ vīthī padikā
dahinter Pfad und Streifen

kaṇṭhopakaṇṭhayuktāni dvārānyabjantu madhyataḥ / pañcābjamaṇḍale hy asmin sitaṃ pītañca pūrvakam //

Tore mit Hals und Nebenhals, in der Mitte ein Lotus. In diesem Fünf-Lotus-Maṇḍala [ist der mittlere] weiß, der östliche gelb;

Wort für Wort
kaṇṭha-upakaṇṭha-yuktāni dvārāṇi
Tore mit Hals und Nebenhals
abjam tu madhyataḥ
in der Mitte ein Lotus
pañca-abja-maṇḍale
im Fünf-Lotus-Maṇḍala
sitam
weiß
pītam ca pūrvakam
und gelb der östliche

vaidūryābhaṃ dakṣiṇābjaṃ kundābhaṃ vāruṇaṃ kajam / uttarābjantu śaṅkhābhamanyat sarvaṃ vicitrakam //

der südliche Lotus beryllfarben, der westliche Lotus jasminfarben, der nördliche Lotus muschelfarben; alles andere bunt.

Wort für Wort
vaidūrya-ābham dakṣiṇa-abjam
der südliche Lotus beryllfarben
kunda-ābham vāruṇam kajam
der westliche Lotus jasminfarben
uttara-abjam śaṅkha-ābham
der nördliche Lotus muschelfarben
anyat sarvam vicitrakam
alles andere bunt

sarvakāmapradaṃ vakṣye daśahastantu maṇḍalam / vikārabhaktanturyāśraṃ dvārantu dvipadaṃ bhavet //

Ich verkünde das alle Wünsche gewährende Maṇḍala von zehn Ellen: ein Viereck, in sechzehn (vikāra) [Teile] geteilt [?]; das Tor aber sei zwei Felder groß.

Wort für Wort
sarva-kāma-pradam
alle Wünsche gewährend
daśa-hastam maṇḍalam
Maṇḍala von zehn Ellen
vikāra-bhaktam
in sechzehn geteilt
turya-aśram
viereckig
dvāram dvipadam
das Tor zwei Felder

vikāra als Zahlwort 16 verstanden; turyāśra = caturasra.

madhye padmaṃ pūrvavacca vighnadhvaṃsaṃ vadāmyatha / caturhastaṃ puraṃ kṛtvā vṛtrañcaiva karadvayam //

In der Mitte ein Lotus wie zuvor. Nun verkünde ich den „Vighnadhvaṃsa“ (Hindernisvernichter): Man mache ein Feld (pura) von vier Ellen und einen Kreis von zwei Ellen,

Wort für Wort
madhye padmam pūrvavat
in der Mitte ein Lotus wie zuvor
vighna-dhvaṃsam vadāmi
ich verkünde den Hindernisvernichter
catur-hastam puram kṛtvā
ein Feld von vier Ellen machend
vṛttam
einen Kreis
kara-dvayam
von zwei Ellen

vṛtra für vṛtta.

vīthīkā hastamātrantu svastikair vahubhirvṛtā / hastamātrāṇi dvārāṇi vikṣu vṛttaṃ sapadmakam //

einen Pfad von einer Elle, umgeben von vielen Svastikas; Tore von einer Elle in den Richtungen; einen Kreis samt Lotus.

Wort für Wort
vīthikā hasta-mātram
ein Pfad von einer Elle
svastikaiḥ bahubhiḥ vṛtā
von vielen Svastikas umgeben
hasta-mātrāṇi dvārāṇi
Tore von einer Elle
dikṣu
in den Richtungen
vṛttam sa-padmakam
ein Kreis samt Lotus

vahubhir für bahubhir; vikṣu für dikṣu.

padmāni pañca śuklāni madhye pūjyaś ca niṣkalaḥ / hṛdayādīni pūrvādau vidikṣvastrāṇi vai yajet //

Fünf weiße Lotusse; in der Mitte ist der Teillose (niṣkala) zu verehren; das Herz usw. [die Glieder-Mantras] vom Osten an, in den Zwischenrichtungen verehre man die Waffen.

Wort für Wort
padmāni pañca śuklāni
fünf weiße Lotusse
madhye pūjyaḥ niṣkalaḥ
in der Mitte ist der Teillose zu verehren
hṛdaya-ādīni
das Herz usw.
vidikṣu astrāṇi
in den Zwischenrichtungen die Waffen
yajet
verehre man

prāgvacca pañca brahmāṇi buddhyādhāramato vade / śatabhāge tithibhāge padmaṃ liṅgāṣṭakaṃ diśi //

Wie zuvor die fünf Brahman[-Mantras]. Nun verkünde ich den „Buddhyādhāra“: in [einem Feld von] hundert Teilen, in fünfzehn (tithi) Teilen ein Lotus, acht Liṅgas in den Richtungen,

Wort für Wort
prāgvat ca pañca brahmāṇi
und wie zuvor die fünf Brahman
buddhi-ādhāram ataḥ vade
nun verkünde ich den Buddhyādhāra
śata-bhāge
in hundert Teilen
tithi-bhāge padmam
in fünfzehn Teilen ein Lotus
liṅga-aṣṭakam diśi
acht Liṅgas in den Richtungen

mekhalābhāgasaṃyuktaṃ kaṇṭhaṃ dvipadikaṃ bhavet / ācāryo buddhimāśritya kalpayecca latādikam //

mit dem Teil des Gürtels (mekhalā) versehen; der Hals sei zwei Felder. Der Lehrer gestalte nach eigener Einsicht Ranken usw.

Wort für Wort
mekhalā-bhāga-saṃyuktam
mit dem Gürtelteil versehen
kaṇṭham dvipadikam
der Hals zwei Felder
ācāryaḥ
der Lehrer
buddhim āśritya
nach eigener Einsicht
kalpayet latā-ādikam
gestalte Ranken usw.

catuḥṣaṭpañcamāṣṭādi khāchikhādyādi maṇḍalam / khākṣīndusūryagaṃ sarvaṃ khākṣi caivenduvarṇanāt //

Maṇḍalas mit vier, sechs, fünf, acht usw. [Feldern], ... [khāchikhādi?] usw.; alles in [der Zahl] „kha-akṣi-indu-sūrya“ [?], und „kha-akṣi“ nach der Angabe von „indu“ [?].

Wort für Wort
catuḥ-ṣaṭ-pañcama-aṣṭa-ādi
vier, sechs, fünf, acht usw.
maṇḍalam
Maṇḍala
kha-akṣi-indu-sūrya-gam
in (der Zahl) Null-Zwei-Eins-Zwölf
sarvam
alles
indu-varṇanāt
nach der Angabe von Eins

Stark verderbter Vers mit Zahlwort-Code (kha = 0, akṣi = 2, indu = 1, sūrya = 12); Sinn nicht sicher herstellbar, V. 41 nennt 1440 Maṇḍalas.

catvāriṃśadadhikāni caturdaśaśatāni hi / maṇḍalāni hareḥ śambhordevyāḥ sūryasya santi ca //

Denn es gibt eintausendvierhundertundvierzig Maṇḍalas für Hari, Śambhu, die Göttin und Sūrya.

Wort für Wort
catvāriṃśat-adhikāni
um vierzig vermehrt
caturdaśa-śatāni
vierzehnhundert
maṇḍalāni
Maṇḍalas
hareḥ śambhoḥ
Haris, Śambhus
devyāḥ sūryasya
der Göttin, Sūryas

daśasaptavibhakte tu latāliṅgodbhavaṃ śṛṇu / dikṣu pañcatrayañcaikaṃ trayaṃ pañca ca lomayet //

Höre [nun] die Entstehung des Ranken-Liṅga[-Maṇḍalas] bei einem in siebzehn geteilten [Feld]: in den Richtungen tilge man fünf, drei, eins, drei und fünf [Felder].

Wort für Wort
daśa-sapta-vibhakte
bei einem in siebzehn geteilten
latā-liṅga-udbhavam śṛṇu
höre die Entstehung des Ranken-Liṅga
dikṣu
in den Richtungen
pañca-trayam ca ekam
fünf, drei und eins
lopayet
man tilge

lomayet für lopayet.

ūrdhvage dvipade liṅgamandiraṃ pārśvakoṣṭhayoḥ / madhyena dbipadaṃ padmamatha caikañca paṅkajaṃ //

Im oberen [Teil] zwei Felder: der Liṅga-Tempel in den beiden Seitenfächern [?]; in der Mitte ein Lotus von zwei Feldern und dann [noch] ein weiterer Lotus;

Wort für Wort
ūrdhva-ge dvipade
im oberen, zwei Felder
liṅga-mandiram
der Liṅga-Tempel
pārśva-koṣṭhayoḥ
in den beiden Seitenfächern
madhyena dvipadam padmam
in der Mitte ein zweifeldiger Lotus
ekam ca paṅkajam
und ein Lotus

dbipadaṃ für dvipadaṃ.

liṅgasya pārśvayorbhadre padadvāramalopanāt / tatpārśvaśobhāḥ ṣaḍlopya latāḥ śeṣās tathā hareḥ //

zu beiden Seiten des Liṅga die Bhadras, durch Nichttilgen der Torfelder [?]; deren Seitenzierden (śobhā) – indem man sechs tilgt; die übrigen [Felder] sind Ranken. Ebenso [das Maṇḍala] Haris:

Wort für Wort
liṅgasya pārśvayoḥ
zu beiden Seiten des Liṅga
bhadre
die beiden Bhadras
pada-dvāram alopanāt
durch Nichttilgen der Torfelder
tat-pārśva-śobhāḥ
deren Seitenzierden
ṣaṭ lopya
sechs tilgend
latāḥ śeṣāḥ
die übrigen Ranken

padadvāramalopanāt als padadvāram alopanāt aufgelöst, unsicher.

ūrdhvaṃ dvipadikaṃ lopya harerbhadrāṣṭakaṃ smṛtam / raśmimānasamāyuktavedalopācca śobhikam //

oben tilge man zwei Felder: das ist als Acht-Bhadra Haris überliefert; mit dem Strahlenmaß (raśmimāna) versehen, durch Tilgen von vier (veda) [Feldern] die Zierde (śobhā).

Wort für Wort
ūrdhvam dvipadikam lopya
oben zwei Felder tilgend
hareḥ bhadra-aṣṭakam
das Acht-Bhadra Haris
smṛtam
überliefert
raśmi-māna-samāyuktam
mit dem Strahlenmaß versehen
veda-lopāt ca śobhikam
durch Tilgen von vier die Zierde

pañcaviṃśatikaṃ padmaṃ tataḥ pīṭhamapīṭhakam / dvayaṃ dvayaṃ rakṣayitvā upaśobhās tathāṣṭa ca //

Ein Lotus von fünfundzwanzig [Feldern], dann Sitz (pīṭha) und Nicht-Sitz [?]; je zwei [Felder] bewahrend, ebenso acht Nebenzierden (upaśobhā).

Wort für Wort
pañcaviṃśatikam padmam
ein Lotus von 25 (Feldern)
tataḥ pīṭham
dann der Sitz
dvayam dvayam rakṣayitvā
je zwei bewahrend
upaśobhāḥ
Nebenzierden
tathā aṣṭa ca
ebenso acht

apīṭhakam unklar (vielleicht upapīṭhakam).

devyādikhyāpakaṃ bhadraṃ vṛhanmadhye paraṃ laghu / madhye navapadaṃ padmaṃ koṇe bhadracatuṣṭayam //

Das die Göttin usw. kennzeichnende Bhadra: groß in der Mitte, [außen] ganz klein; in der Mitte ein Lotus von neun Feldern, in den Ecken vier Bhadras;

Wort für Wort
devī-ādi-khyāpakam bhadram
das die Göttin usw. kennzeichnende Bhadra
bṛhat madhye
groß in der Mitte
param laghu
außen klein
madhye nava-padam padmam
in der Mitte ein Lotus von neun Feldern
koṇe bhadra-catuṣṭayam
in den Ecken vier Bhadras

vṛhan für bṛhan.

trayodaśapadaṃ śeṣaṃ buddhyādhārantu maṇḍalaṃ / śatapatraṃ ṣaṣṭyadhikaṃ buddhyādhāraṃ harādiṣu //

der Rest dreizehn Felder – dies ist das Maṇḍala „Buddhyādhāra“. [Ein Lotus] mit hundert Blättern, um sechzig vermehrt [?], ist der Buddhyādhāra für Hara usw.

Wort für Wort
trayodaśa-padam śeṣam
der Rest dreizehn Felder
buddhi-ādhāram maṇḍalam
das Maṇḍala Buddhyādhāra
śata-patram
hundertblättrig
ṣaṣṭi-adhikam
um sechzig vermehrt
hara-ādiṣu
für Hara usw.

śatapatraṃ ṣaṣṭyadhikaṃ unsicher („hundertsechzig Blätter“?).

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