Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 25: vāsudevādimantranirūpaṇam Darlegung der Mantras des Vāsudeva und der übrigen Gottheiten

Das Kapitel lehrt die Bildung der Mantras für Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna, Aniruddha und weitere Formen Viṣṇus, ihrer Glieder- und Nebenglieder-Mantras sowie der Mantras der göttlichen Attribute (Garuḍa, Waffen, Śrī usw.). Es folgt die Auflegung (nyāsa) der ein- bis sechsundzwanzigfachen Vyūhas auf Hände und Körper und ihre Verehrung im Maṇḍala. Das Kolophon nennt das Kapitel „mantrapradarśana“; mehrere Stellen (V. 13, 18, 20, 40, 48) sind im Digitalisat verderbt oder unklar.

nārada uvāca | vāsudevādimantrāṇāṃ pūjānāṃ lakṣaṇaṃ vade / vāsudevaḥ saṅkarṣaṇaḥ pradyumnaścāniruddhakaḥ //

Nārada sprach: Ich nenne die Kennzeichen der Mantras des Vāsudeva und der übrigen sowie ihrer Verehrungen: Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha.

Wort für Wort
vāsudeva-ādi-mantrāṇām
der Mantras des Vāsudeva usw.
pūjānām
der Verehrungen
lakṣaṇam
Kennzeichen, Merkmal
vade
ich spreche, nenne
aniruddhakaḥ
Aniruddha

„vade“ als 1. Sg. Präsens (Medium) aufgefasst: Nārada ist der Lehrende.

namo bhagavate cādau a ā aṃ aḥ svavījakāḥ / oṅkārādyā namontāś ca namo nārāyaṇastataḥ //

Am Anfang (steht) „namo bhagavate“; a, ā, aṃ, aḥ sind ihre eigenen Keimsilben; sie beginnen mit oṃ und enden mit namaḥ [Anm.: z. B. „oṃ a namo bhagavate vāsudevāya namaḥ“]. Dann (folgt) „namo nārāyaṇa(ya)“.

Wort für Wort
namo bhagavate
Verehrung dem Erhabenen
ādau
am Anfang
sva-vījakāḥ
(sind) die eigenen Keimsilben
oṅkāra-ādyāḥ
mit oṃ beginnend
namaḥ-antāḥ
mit namaḥ endend

oṃ tat sat brahmaṇe caiva oṃ namo viṣṇave namaḥ / oṃ kṣauṃ oṃ namo bhagavate narasiṃhāya vai namaḥ //

„oṃ tat sat brahmaṇe“ (Oṃ, jenes Seiende – dem Brahman) und „oṃ namo viṣṇave namaḥ“ (Oṃ, Verehrung dem Viṣṇu, Verehrung); „oṃ kṣauṃ oṃ namo bhagavate narasiṃhāya namaḥ“ (Oṃ kṣauṃ, Oṃ, Verehrung dem erhabenen Narasiṃha, Verehrung).

Wort für Wort
tat sat
jenes, das Seiende
brahmaṇe
dem Brahman
viṣṇave
dem Viṣṇu
kṣauṃ
Keimsilbe (Narasiṃhas)
narasiṃhāya
dem Mannlöwen

oṃ bhūrnamo bhagavate varāhāya narādhipāḥ / javāruṇaharidrābhā nīlaśyāmalalohitāḥ //

„oṃ bhūr namo bhagavate varāhāya“ (Oṃ bhūḥ, Verehrung dem erhabenen Eber), o Herrscher der Menschen. (Ihre Farben sind:) hibiskusrot, morgenrot, gelb wie Kurkuma, blau, dunkel, rot,

Wort für Wort
bhūḥ
Erde (Vyāhṛti)
varāhāya
dem Eber
narādhipāḥ
o Herrscher der Menschen
javā-aruṇa-haridrā-ābhāḥ
hibiskusrot, morgenrot, kurkumagelb glänzend
nīla-śyāmala-lohitāḥ
blau, dunkel, rot

„narādhipāḥ“ (Vok. Pl.) als Anrede aufgefasst; vielleicht verderbt.

meghāgnimadhupiṅgābhā vallabhā nava nāyakāḥ / aṅgāni svaravījānāṃ svanāmāntair yathākramam //

wolkenfarben, feuerfarben und honigbraun – (so sind) die neun geliebten Herren. Die Glieder (aṅga-Mantras) der (Mantras mit) Vokal-Keimsilben – Herz usw. – soll man der Reihe nach mit ihren eigenen Namen am Ende bilden,

Wort für Wort
megha-agni-madhupiṅga-ābhāḥ
wolken-, feuer-, honigbraun-farbig
nava nāyakāḥ
die neun Herren
aṅgāni
die Glieder(-Mantras)
svara-vījānām
der Vokal-Keimsilben
sva-nāma-antaiḥ
mit dem eigenen Namen am Ende

Die neun „Herren“ sind wohl Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna, Aniruddha, Nārāyaṇa, Brahman (tat sat), Viṣṇu, Narasiṃha, Varāha.

hṛdayādīni kalpeta vibhaktaistantravedibhiḥ / vyañjanādīni vījāni teṣāṃ lakṣaṇamanyathā //

(mit Kasusendungen) versehen, (so lehren) die Tantrakundigen. Die Keimsilben aber, die mit Konsonanten beginnen – deren Kennzeichen ist ein anderes.

Wort für Wort
kalpeta
man soll bilden
vibhaktaiḥ
mit Kasusendungen versehen
tantra-vedibhiḥ
von den Tantrakundigen
vyañjana-ādīni
mit Konsonanten beginnend
anyathā
anders

dīrghasvaraistu bhinnāni namontāntasthitāni tu / aṅgāni hrasvayuktāni upāṅgānīti varṇyate //

Durch lange Vokale unterschieden und vor dem abschließenden namaḥ stehend (ergeben sie) die Glieder (aṅga); die mit kurzen Vokalen verbundenen werden Nebenglieder (upāṅga) genannt.

Wort für Wort
dīrgha-svaraiḥ
durch lange Vokale
bhinnāni
unterschieden
namaḥ-anta-antasthitāni
vor dem schließenden namaḥ stehend
hrasva-yuktāni
mit kurzen (Vokalen) verbunden
upāṅgāni
Nebenglieder

vibhaktanāmavarṇāntasthitāni vījamuttamaṃ / dīrghair hrasvaiś ca saṃyuktaṃ sāṅgopāṅgaṃsvaraiḥ kramāt //

Die höchste Keimsilbe, am Ende der Laute des flektierten Namens stehend, mit langen und kurzen Vokalen der Reihe nach verbunden, (ergibt den Mantra) samt Gliedern und Nebengliedern.

Wort für Wort
vibhakta-nāma-varṇa-anta-sthitāni
am Ende der Laute des flektierten Namens stehend
vījam uttamam
die höchste Keimsilbe
dīrghaiḥ hrasvaiḥ ca
mit langen und kurzen
sa-aṅga-upāṅgam
samt Gliedern und Nebengliedern
kramāt
der Reihe nach

Sehr knappe, technische Formulierung; Konstruktion unsicher.

vyañjanānāṃ kramo hy eṣa hṛdayādiprakḷptaye / svavījena svanāmāntair vibhaktānyaṅganāmabhiḥ //

Dies ist nämlich das Verfahren bei den (Keimsilben aus) Konsonanten zur Bildung von Herz usw.: Mit der eigenen Keimsilbe, mit dem eigenen Namen am Ende, mit den Namen der Glieder flektiert,

Wort für Wort
vyañjanānām
der Konsonanten
kramaḥ
Verfahren, Reihenfolge
hṛdaya-ādi-prakḷptaye
zur Bildung von Herz usw.
sva-vījena
mit der eigenen Keimsilbe
aṅga-nāmabhiḥ
mit den Namen der Glieder

yuktāni hṛdayādīni dvādaśāntāni pañcataḥ / ārabhya kalpayitvā tu japet siddhyanurūpataḥ //

verbunden sind Herz usw., von fünf beginnend bis zu zwölf; nachdem man sie so gebildet hat, soll man sie murmeln, entsprechend dem (angestrebten) Erfolg.

Wort für Wort
yuktāni
verbunden
dvādaśa-antāni
bis zwölf reichend
pañcataḥ ārabhya
von fünf an beginnend
kalpayitvā
nachdem man gebildet hat
japet
man soll murmeln
siddhi-anurūpataḥ
dem Erfolg entsprechend

hṛdayañca śiraścūḍā kavacaṃ netramastrakaṃ / ṣaḍaṅgāni tu vījānāṃ mūlasya dvādaśāṅgakaṃ //

Herz, Kopf, Scheitellocke, Panzer, Auge und Waffe sind die sechs Glieder der Keimsilben; der Grundmantra hat zwölf Glieder:

Wort für Wort
hṛdayam
Herz
śiraḥ
Kopf
cūḍā
Scheitellocke
kavacam
Panzer
netram astrakam
Auge (und) Waffe
mūlasya dvādaśa-aṅgakam
des Grundmantras zwölf Glieder

hṛcchiraś ca śikhā varma cāstranetrāntayodaraṃ / praṣṭabāhūrujānūṃś ca jaṅghā pādau kramānnyaset //

Herz, Kopf, Haarschopf, Panzer, Waffe und Augen, zuletzt Bauch, Rücken, Arme, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße soll man der Reihe nach (mit Mantras) belegen (nyāsa).

Wort für Wort
hṛt
Herz
śikhā
Haarschopf
varma
Panzer
udaram
Bauch
pṛṣṭha-bāhu-ūru-jānūn
Rücken, Arme, Schenkel, Knie
nyaset
man soll auflegen

„praṣṭa“ für pṛṣṭha (Rücken). Es ergeben sich 13 Stellen statt 12; wohl zählt die Waffe nicht als Körperstelle.

kaṃ ṭaṃ paṃ śaṃ vainateyaḥ khaṃ ṭhaṃ phaṃ ghaṃ gadāmanuḥ / gaṃ ḍaṃ baṃ saṃ puṣṭhimanto ghaṃ ḍhaṃ bhaṃ haṃ śriyai namaḥ //

kaṃ ṭaṃ paṃ śaṃ ist (der Mantra) des Vainateya (Garuḍa); khaṃ ṭhaṃ phaṃ ghaṃ der Mantra der Keule; gaṃ ḍaṃ baṃ saṃ der Mantra der Puṣṭi (Gedeihen); ghaṃ ḍhaṃ bhaṃ haṃ – „śriyai namaḥ“ (Verehrung der Śrī).

Wort für Wort
vainateyaḥ
Garuḍa (Sohn der Vinatā)
gadā-manuḥ
Mantra der Keule
puṣṭi-mantraḥ
Mantra der Puṣṭi
śriyai namaḥ
Verehrung der Śrī

Nach dem Schema der Reihen (k ṭ p ś / kh ṭh ph ṣ / g ḍ b s / gh ḍh bh h) wäre beim Keulen-Mantra „ṣaṃ“ statt „ghaṃ“ zu erwarten; „puṣṭhimanto“ = puṣṭi-mantraḥ.

vaṃ śaṃ maṃ kṣaṃ pāñcajanyaṃ chaṃ taṃ paṃ kaustubhāya ca / jaṃ khaṃ vaṃ sudarśanāya śrīvatsāya saṃ vaṃ daṃ caṃ laṃ //

vaṃ śaṃ maṃ kṣaṃ (für die Muschel) Pāñcajanya; chaṃ taṃ paṃ (?) für den Kaustubha(-Edelstein); jaṃ khaṃ vaṃ für Sudarśana (den Diskus); für das Śrīvatsa(-Zeichen) saṃ vaṃ daṃ caṃ laṃ.

Wort für Wort
pāñcajanyam
Muschel Pāñcajanya
kaustubhāya
dem Kaustubha-Juwel
sudarśanāya
dem Diskus Sudarśana
śrīvatsāya
dem Śrīvatsa-Zeichen

Silbengruppen im Digitalisat unregelmäßig; Wiedergabe wie überliefert.

oṃ dhaṃ vaṃ vanamālāyai mahānantāya vai namaḥ / nirvījapadamantrāṇāṃ padair aṅgāni kalpayet //

„oṃ dhaṃ vaṃ vanamālāyai namaḥ“ (für den Waldblumenkranz) und „mahānantāya namaḥ“ (dem großen Ananta). Bei den Mantras aus Wörtern ohne Keimsilbe soll man die Glieder aus den Wörtern bilden,

Wort für Wort
vanamālāyai
dem Waldblumenkranz
mahā-anantāya
dem großen Ananta
nirvīja-pada-mantrāṇām
der keimsilbenlosen Wort-Mantras
padaiḥ
aus den Wörtern
aṅgāni kalpayet
soll die Glieder bilden

jātyantair nāmasaṃyukterhṛdayādīni pañcadhā / praṇavaṃ hṛdayādīni tataḥ proktāni pañcadhā //

(nämlich) Herz usw. fünffach, mit den Gattungs-Endsilben (jāti) am Ende und mit dem Namen verbunden. Der Praṇava und Herz usw. sind dann fünffach gelehrt:

Wort für Wort
jāti-antaiḥ
mit den Jāti-Endungen
nāma-saṃyuktaiḥ
mit dem Namen verbunden
pañcadhā
fünffach
praṇavam
die Silbe oṃ
proktāni
gelehrt

jāti: die Schlusswörter namaḥ, svāhā, vaṣaṭ, huṃ, phaṭ usw.

praṇavaṃ hṛdayaṃ pūrvaṃ parāyeti śiraḥ śikhā / nāmnātmanā tu kavacaṃ astraṃ nāmāntakaṃ bhavet //

Der Praṇava (oṃ) ist zuerst das Herz; „parāya“ (dem Höchsten) ist der Kopf; der Haarschopf (wird) mit dem Namen, der Panzer mit „ātmane“ (dem Selbst) (gebildet); die Waffe ist das, was mit dem Namen endet.

Wort für Wort
praṇavam hṛdayam
oṃ ist das Herz
parāya iti śiraḥ
„parāya“ ist der Kopf
nāmnā
mit dem Namen
ātmanā kavacam
mit „ātman“ der Panzer
astram nāma-antakam
die Waffe endet mit dem Namen

Verteilung der Bestandteile auf die Glieder unsicher.

oṃ parāstrādisvanāmātmā caturthyanto namontakaḥ / ekavyūhādiṣaḍviṃśavyūhāttasyātmano manuḥ //

„Oṃ, dem Höchsten, [Waffe usw.,] dem Selbst mit eigenem Namen“, im Dativ endend und mit namaḥ schließend – das ist der Mantra des jeweiligen Selbst vom einfachen bis zum sechsundzwanzigfachen Vyūha (Emanation).

Wort für Wort
para-astra-ādi-sva-nāma-ātmā
„dem Höchsten“, Waffe usw., eigener Name, Selbst
caturthī-antaḥ
im Dativ endend
namaḥ-antakaḥ
mit namaḥ schließend
eka-vyūha-ādi
vom einfachen Vyūha an
ṣaḍviṃśa-vyūhāt
bis zum 26fachen Vyūha
manuḥ
Mantra

„parāstrādi“ unklar; wohl Formel „oṃ parāya …ātmane namaḥ“.

kaniṣṭādikarāgreṣu prakṛtiṃ dehakercayet / parāya puruṣātmā syāt prakṛtyātmā dvirūpakaḥ //

Auf die Fingerspitzen, beim kleinen Finger beginnend, (und) am Körper soll man die Prakṛti verehren. Mit „parāya“ ist es das Puruṣa-Selbst; der zweigestaltige (Vyūha) hat das Prakṛti-Selbst (als zweites).

Wort für Wort
kaniṣṭha-ādi-kara-agreṣu
auf die Fingerspitzen vom kleinen Finger an
prakṛtim
die Urmaterie
dehake arcayet
soll am Körper verehren
puruṣa-ātmā
das Puruṣa-Selbst
dvi-rūpakaḥ
zweigestaltig

„dehakercayet“ = dehake 'rcayet.

oṃ parayāmnyātmane caiva vāyvarkau ca dvirūpakaḥ / agniṃ trimūrtau vinyasya vyāpakaṃ karadehayoḥ //

„oṃ parāya agnyātmane (namaḥ)“ (Oṃ, dem Höchsten, dem Feuer-Selbst); auch Wind und Sonne (bilden) einen zweigestaltigen (Vyūha). Beim dreigestaltigen lege man Agni als durchdringend auf Hände und Körper,

Wort für Wort
agni-ātmane
dem Feuer-Selbst
vāyu-arkau
Wind und Sonne
tri-mūrtau
beim Dreigestaltigen
vinyasya
nachdem man aufgelegt hat
vyāpakam
durchdringend
kara-dehayoḥ
auf Hände und Körper

„parayāmnyātmane“ wohl verderbt für parāyāgnyātmane.

vāyvarkau karaśākhāsu savyetarakaradvaye / hṛdi mūrto tanāveṣa trivyūhe turyarūpake //

Wind und Sonne auf die Finger beider Hände, der linken und der anderen, (und) auf das Herz im Körper: dies (gilt) für den dreifachen Vyūha. Beim viergestaltigen:

Wort für Wort
kara-śākhāsu
auf die Finger
savya-itara-kara-dvaye
auf beiden Händen, linker und rechter
hṛdi
auf das Herz
tri-vyūhe
beim Dreifach-Vyūha
turya-rūpake
beim Viergestaltigen

„mūrto tanāveṣa“ unsicher (mūrtau tanau eṣaḥ?).

ṛgvedaṃ vyāpakaṃ haste aṅgulīṣu yajurnyaset / taladvayetharvarūpaṃ śirohṛccaraṇāntakaḥ //

den Ṛgveda als durchdringend auf die Hand; den Yajus lege man auf die Finger; auf die beiden Handflächen die Gestalt des Atharva(-veda); (am Körper) Kopf, Herz und bis zu den Füßen.

Wort für Wort
ṛgvedam vyāpakam
den Ṛgveda als durchdringend
aṅgulīṣu yajuḥ
den Yajus auf die Finger
tala-dvaye
auf beide Handflächen
atharva-rūpam
die Atharva-Gestalt
śiraḥ-hṛt-caraṇa-antakaḥ
Kopf, Herz bis zu den Füßen

Der Sāmaveda wird nicht genannt; wohl ausgefallen.

ākāśaṃ vyāpakaṃ nyasya kare dehe tu pūrvavat / aṅgulīṣu ca vāyvādi śirohṛdguhyapādake //

(Beim fünffachen:) den Äther als durchdringend auflegen, auf Hand und Körper wie zuvor; auf die Finger Wind usw., (am Körper) auf Kopf, Herz, Geschlechtsteil und Füße.

Wort für Wort
ākāśam
den Äther
pūrvavat
wie zuvor
vāyu-ādi
Wind usw.
guhya
Geschlechtsteil
pādake
auf die Füße

vāyurjyotirjalaṃ pṛthvī pañcavyūhaḥ samīritaḥ / manaḥ śrotrantvagdṛgjihvā ghrāṇaṃ ṣaḍvyūha īritaḥ //

Wind, Licht, Wasser, Erde – (mit dem Äther) wird dies der fünffache Vyūha genannt. Geist, Ohr, Haut, Auge, Zunge, Nase – (dies) wird der sechsfache Vyūha genannt.

Wort für Wort
jyotiḥ
Licht, Feuer
pṛthvī
Erde
pañca-vyūhaḥ
fünffacher Vyūha
manaḥ
Geist
tvak-dṛk-jihvā
Haut, Auge, Zunge
ghrāṇam
Nase

vyāpakaṃ mānasaṃ nyasya tatoṅguṣṭāditaḥ kramāt / mūrdhāsyahṛdguhyapatsu kathitaḥ karuṇātmakaḥ //

Den geistigen (Manas) lege man als durchdringend auf, dann der Reihe nach vom Daumen an; (am Körper) auf Kopf, Mund, Herz, Geschlechtsteil und Füße – so wird der (Vyūha) aus den Sinnesorganen gelehrt.

Wort für Wort
mānasam
den geistigen
aṅguṣṭha-āditaḥ
vom Daumen an
mūrdha-āsya-hṛt-guhya-patsu
auf Kopf, Mund, Herz, Scham, Füße
kathitaḥ
gelehrt
karaṇa-ātmakaḥ
aus den Organen bestehend

„karuṇātmakaḥ“ wohl verderbt für karaṇātmakaḥ („aus den Organen bestehend“).

ādimūrtistu sarvatra vyāpako jīvasañjñitaḥ / bhūrbhuvaḥ svarmaharjanastapaḥ styañca saptadhā //

Die Urgestalt aber, Jīva (Lebensseele) genannt, ist überall durchdringend. Bhūḥ, bhuvaḥ, svaḥ, mahaḥ, janaḥ, tapaḥ und satyam – (das ist) siebenfach.

Wort für Wort
ādi-mūrtiḥ
die Urgestalt
sarvatra vyāpakaḥ
überall durchdringend
jīva-sañjñitaḥ
Jīva genannt
bhūr bhuvaḥ svar
die drei Welten
saptadhā
siebenfach

„styañca“ = satyaṃ ca.

kare dehe nyasedādyamaṅguṣṭādikrameṇa tu / talasaṃsthaḥ saptamaś ca lokeśo dehake kramāt //

Auf Hand und Körper lege man die erste (Welt) auf, der Reihe nach vom Daumen an; die siebente befindet sich auf der Handfläche. Der Herr der Welten (wird) im Körper der Reihe nach

Wort für Wort
kare dehe
auf Hand und Körper
ādyam
die erste
aṅguṣṭha-ādi-krameṇa
vom Daumen an der Reihe nach
tala-saṃsthaḥ
auf der Handfläche befindlich
loka-īśaḥ
Herr der Welten

dehe śirolalāṭāsyahṛdguhyāṅgriṣu saṃsthitaḥ / agniṣṭhomastathokthastu ṣoḍaśī vājapeyakaḥ //

auf Kopf, Stirn, Mund, Herz, Geschlechtsteil und Füßen gesetzt. Agniṣṭoma, ebenso Ukthya, Ṣoḍaśin, Vājapeya,

Wort für Wort
śiraḥ-lalāṭa-āsya
Kopf, Stirn, Mund
aṅghriṣu
auf die Füße
agniṣṭomaḥ
Agniṣṭoma(-Opfer)
ukthaḥ
Ukthya
ṣoḍaśī
Ṣoḍaśin
vājapeyakaḥ
Vājapeya

atirātrāptoryāmañca yajñātmā saptarūpakaḥ / dhīrahaṃ manaḥ śabdaś ca sparśarūparasāstataḥ //

Atirātra und Aptoryāma – das Opfer-Selbst ist siebengestaltig. Einsicht (dhī), Ich-Bewusstsein, Geist, Klang, dann Berührung, Form, Geschmack,

Wort für Wort
atirātra
Atirātra
aptoryāmam
Aptoryāma
yajña-ātmā
das Opfer-Selbst
sapta-rūpakaḥ
siebengestaltig
dhīḥ aham manaḥ
Einsicht, Ich, Geist
sparśa-rūpa-rasāḥ
Berührung, Form, Geschmack

Mit dem Opfer-Selbst (yajña) als Durchdringendem ergeben die sechs Soma-Riten sieben.

gandho buddhirvyāpakaṃ tu kare dehe nyaset kramāt / nyasedantyai ca talayoḥ ke lalāṭe mukhe hṛdi //

Geruch; die Einsicht (buddhi) aber als durchdringend lege man auf Hand und Körper der Reihe nach; die letzten lege man auf die beiden Handflächen; (am Körper) auf Kopf, Stirn, Mund, Herz,

Wort für Wort
gandhaḥ
Geruch
buddhiḥ vyāpakam
die Einsicht als durchdringend
antyau
die beiden letzten
talayoḥ
auf die Handflächen
ke
auf den Kopf

„ke“ = auf den Kopf.

nābhau guhye ca pāde ca aṣṭavyūhaḥ pumān smṛtaḥ / vījo buddhirahaṅkāro manaḥ śabdo guṇonilaḥ //

Nabel, Geschlechtsteil und Füße: das ist der achtfache Vyūha, als Puruṣa überliefert. Jīva, Einsicht, Ich-Bewusstsein, Geist, Klang, Guṇa [?], Wind,

Wort für Wort
nābhau
auf den Nabel
aṣṭa-vyūhaḥ
achtfacher Vyūha
pumān smṛtaḥ
als Puruṣa überliefert
ahaṅkāraḥ
Ich-Bewusstsein
anilaḥ
Wind

„vījo“ wohl für jīvo (vgl. V. 32 jīva); „guṇo“ unklar (evtl. für sparśa).

rūpaṃ raso navātmāyaṃ jīva aṅguṣṭhakadvaye / tarjanyādikramāccheṣaṃ yāvadvāmapradeśinīṃ //

Form, Geschmack: dies ist der neunfache. Den Jīva (lege man) auf die beiden Daumen, das Übrige der Reihe nach vom Zeigefinger an bis zum linken Zeigefinger.

Wort für Wort
nava-ātmā
neunfach
jīvaḥ
die Lebensseele
aṅguṣṭhaka-dvaye
auf beide Daumen
tarjanī-ādi-kramāt
vom Zeigefinger an
vāma-pradeśinīm
den linken Zeigefinger

dehe śirolalāṭāsyahṛnnābhiguhyajānuṣu / pādayoś ca daśātmāyaṃ indro vyāpī samāsthitaḥ //

Am Körper auf Kopf, Stirn, Mund, Herz, Nabel, Geschlechtsteil, Knie und Füße: das ist der zehnfache; dabei ist Indra der Durchdringende.

Wort für Wort
hṛt-nābhi-guhya-jānuṣu
auf Herz, Nabel, Scham, Knie
daśa-ātmā
zehnfach
indraḥ
Indra
vyāpī
der Durchdringende
samāsthitaḥ
eingesetzt

aṅguṣṭhakadvaye vahnistarjanyādau pareṣu ca / śirolalāṭavaktreṣu hṛnnābhiguhyajānuṣu //

Auf die beiden Daumen Vahni (Feuer), auf Zeigefinger usw. die übrigen, auf Kopf, Stirn und Mund, auf Herz, Nabel, Geschlechtsteil und Knie,

Wort für Wort
vahniḥ
Feuer
tarjanī-ādau
auf Zeigefinger usw.
pareṣu
auf die übrigen
vaktreṣu
auf den Mund

pādayorekadaśātmā manaḥ śrotraṃ tvageva ca / cakṣurjihvā tathā ghrāṇaṃ vākpāṇyaṅghriś ca pāyukaḥ //

auf die Füße: das ist der elffache. Geist, Ohr, Haut, Auge, Zunge und Nase, Rede, Hand, Fuß, After,

Wort für Wort
ekādaśa-ātmā
elffach
śrotram
Ohr
cakṣuḥ
Auge
vāk-pāṇi-aṅghri
Rede, Hand, Fuß
pāyukaḥ
After

upasthaṃ mānaso vyāpī śrotramaṅguṣṭhakadvaye / tarjanyādikramādaṣṭau atiriktaṃ taladvaye //

Geschlechtsorgan: der geistige ist der durchdringende; das Ohr auf die beiden Daumen; vom Zeigefinger an der Reihe nach acht; die überzähligen auf die beiden Handflächen.

Wort für Wort
upastham
Geschlechtsorgan
mānasaḥ vyāpī
der geistige durchdringend
aṣṭau
acht
atiriktam
das Überzählige
tala-dvaye
auf beide Handflächen

uttamāṅgulalalāṭāsyahṛnnābhāvatha guhyake / uruyugme tathā jaṅghe gulphapādeṣu ca kramāt //

(Am Körper) auf Haupt, Stirn, Mund, Herz, Nabel, dann Geschlechtsteil, beide Oberschenkel, Unterschenkel, Knöchel und Füße der Reihe nach.

Wort für Wort
uttama-aṅga
Haupt
nābhau
auf den Nabel
ūru-yugme
auf beide Oberschenkel
jaṅghe
auf die Unterschenkel
gulpha-pādeṣu
auf Knöchel und Füße

„uttamāṅgula“ wohl für uttamāṅga (Haupt).

viṣṇurmadhuharaś caiva trivikramakavāmanau / śrīdharotha hṛṣīkeśaḥ padmanābhastathaiva ca //

Viṣṇu und Madhuhara (Madhu-Töter), Trivikrama und Vāmana, dann Śrīdhara, Hṛṣīkeśa und ebenso Padmanābha,

Wort für Wort
madhu-haraḥ
Töter des Madhu
trivikrama
der mit den drei Schritten
vāmanau
und Vāmana (Zwerg)
śrīdharaḥ
Träger der Śrī
padmanābhaḥ
Lotosnabel

dāmodaraḥ keśavaś ca nārāyaṇastataḥ paraḥ / mādhavaścātha govindo viṣṇuṃ vai vyāpakaṃ nyaset //

Dāmodara und Keśava, danach Nārāyaṇa, Mādhava und dann Govinda. Viṣṇu lege man als den durchdringenden auf,

Wort für Wort
dāmodaraḥ
Dāmodara
keśavaḥ
Keśava
tataḥ paraḥ
danach
govindaḥ
Govinda
viṣṇum vyāpakam nyaset
Viṣṇu als Durchdringenden auflegen

aṅguṣṭhādau tale dvau ca pāde jānuni vai kaṭau / śiraḥśikharakaṭyāñca jānupādādiṣu nyaset //

(die übrigen) auf Daumen usw., zwei auf die Handflächen; (am Körper) auf Fuß, Knie und Hüfte, auf Kopf, Scheitel [?], Hüfte [?] und auf Knie, Füße usw. soll man sie auflegen.

Wort für Wort
aṅguṣṭha-ādau
auf Daumen usw.
tale dvau
zwei auf die Handfläche
jānuni
auf das Knie
kaṭau
auf die Hüfte
nyaset
soll auflegen

Pāda b („śiraḥśikharakaṭyāñca“) verderbt oder mehrdeutig; Reihenfolge der Körperstellen unklar.

dvādaśātmā pañcaviṃśaḥ ṣaḍviṃśavyūhakas tathā / puruṣo dhīrahaṅkāro manaścittañca śabdakaḥ //

Das ist der zwölffache. Ebenso der fünfundzwanzig- und der sechsundzwanzigfache Vyūha: Puruṣa, Einsicht, Ich-Bewusstsein, Geist, Denken (citta), Klang,

Wort für Wort
dvādaśa-ātmā
zwölffach
pañcaviṃśaḥ
fünfundzwanzigfach
ṣaḍviṃśa-vyūhakaḥ
sechsundzwanzigfacher Vyūha
puruṣaḥ
der Puruṣa
cittam
Denken

tathā sparśo raso rūpaṃ gandhaḥ śrotraṃ tvacas tathā / cakṣurjihvā nāsikā ca vākpāṇyaṅghriś ca pāyavaḥ //

ebenso Berührung, Geschmack, Form, Geruch, Ohr und Haut, Auge, Zunge und Nase, Rede, Hand, Fuß, After,

Wort für Wort
sparśaḥ
Berührung
rasaḥ
Geschmack
tvacaḥ
Haut
nāsikā
Nase
pāyavaḥ
After

upastho bhūrjalantejo vāyurākāśameva ca / puruṣaṃ vyāpakaṃ nyasya aṅguṣṭhādau daśa nyaset //

Geschlechtsorgan, Erde, Wasser, Feuer, Wind und Äther. Hat man den Puruṣa als durchdringend aufgelegt, lege man zehn auf Daumen usw.,

Wort für Wort
upasthaḥ
Geschlechtsorgan
bhūḥ jalam tejaḥ
Erde, Wasser, Feuer
ākāśam
Äther
puruṣam vyāpakam nyasya
den Puruṣa als durchdringend aufgelegt
daśa nyaset
zehn auflegen

śeṣān hastatale nyasya śirasyatha lalāṭake / mukhahṛnnābhiguhyorujānvaṅghrau karaṇodgatau //

die übrigen auf die Handfläche; dann auf Kopf und Stirn, Mund, Herz, Nabel, Geschlechtsteil, Oberschenkel, Knie und Füße die aus den Organen hervorgegangenen [?],

Wort für Wort
śeṣān
die übrigen
hasta-tale
auf die Handfläche
lalāṭake
auf die Stirn
jānu-aṅghrau
auf Knie und Fuß
karaṇa-udgatau
aus den Organen hervorgegangen [?]

„karaṇodgatau“ unklar.

pāde jānvorupasthe ca hṛdaye mūrdhni ca kramāt / paraś ca puruṣātmādau ṣaḍviṃśe pūrvavatparaṃ //

auf Fuß, Knie, Geschlechtsorgan, Herz und Haupt der Reihe nach. Beim sechsundzwanzigfachen (steht) der Höchste (para) im Puruṣa-Selbst am Anfang, das Weitere wie zuvor.

Wort für Wort
upasthe
auf das Geschlechtsorgan
mūrdhni
auf das Haupt
paraḥ
der Höchste
puruṣa-ātma-ādau
am Anfang beim Puruṣa-Selbst
pūrvavat param
das Weitere wie zuvor

sañcintya maṇḍalaike tu prakṛtiṃ pūjayedbudhaḥ / pūrvayāmyāpyasaumyeṣu hṛdayādīni pūjayet //

Nachdem der Kundige (sie) in einem einzigen Maṇḍala vorgestellt hat, soll er die Prakṛti verehren; im Osten, Süden, Westen und Norden soll er Herz usw. verehren,

Wort für Wort
sañcintya
nachdem man vorgestellt hat
maṇḍala-eke
in einem Maṇḍala
prakṛtim pūjayet
soll die Prakṛti verehren
pūrva-yāmya-āpya-saumyeṣu
im Osten, Süden, Westen, Norden
budhaḥ
der Kundige

astramagnyādikoṇeṣu vainateyādi pūrvavat / dikpālāṃś ca vidhistvanyaḥ trivyūhegniś ca madhyataḥ //

die Waffe in den Zwischenrichtungen, beim Südosten (Agni) beginnend, Vainateya (Garuḍa) usw. wie zuvor, und die Welthüter. Die Vorschrift (für die weiteren) ist anders: beim dreifachen Vyūha (steht) Agni in der Mitte,

Wort für Wort
astram
die Waffe
agni-ādi-koṇeṣu
in den Ecken vom Südosten an
dikpālān
die Hüter der Richtungen
vidhiḥ anyaḥ
eine andere Vorschrift
madhyataḥ
in der Mitte

pūrvādidigbalāvasorājyādibhiralaṅkṛtaḥ / karṇikāyāṃ nābhasaś ca mānasaḥ karṇikāsthitaḥ //

geschmückt mit … [?] in den Richtungen vom Osten an; auf dem Fruchtknoten (des Lotos) der Äther(-Vyūha), und (ebenso) steht der geistige (Vyūha) auf dem Fruchtknoten.

Wort für Wort
pūrva-ādi-dik
die Richtungen vom Osten an
alaṅkṛtaḥ
geschmückt
karṇikāyām
auf dem Fruchtknoten
nābhasaḥ
der Äther(-bezogene)
mānasaḥ
der geistige

Pāda a („pūrvādidigbalāvasorājyādibhir“) verderbt; vielleicht „Blätter in den Richtungen“ (digdala) und „Herrschaft usw.“ (aiśvarya-ādi); nicht sicher herstellbar.

viśvarūpaṃ sarvasthityai yajedrājyajayāya ca / sarvavyūhaiḥ samāyuktamaṅgair api ca pañcabhiḥ //

Die Allgestalt (Viśvarūpa) soll man verehren zur Erhaltung von allem und zum Sieg des Königreichs, verbunden mit allen Vyūhas und mit den fünf Gliedern,

Wort für Wort
viśva-rūpam
die Allgestalt
sarva-sthityai
zum Bestand von allem
yajet
man soll verehren
rājya-jayāya
zum Sieg des Reiches
sarva-vyūhaiḥ
mit allen Vyūhas

garuḍādyaistathendrādyaiḥ sarvān kāmānavāpnuyāt / viśvaksenaṃ yajennāmnā vai vījaṃ vyomasaṃsthitaṃ //

mit Garuḍa usw. und ebenso mit Indra usw.: (dann) erlangt man alle Wünsche. Viṣvaksena soll man mit dem Namen verehren, (mit) der Keimsilbe, die im Äther steht.

Wort für Wort
garuḍa-ādyaiḥ
mit Garuḍa usw.
sarvān kāmān avāpnuyāt
erlangt alle Wünsche
viśvaksenam
Viṣvaksena
nāmnā
mit dem Namen
vyoma-saṃsthitam
im Äther stehend

„vyoma“ bezeichnet in der Mantra-Geheimsprache gewöhnlich die Silbe ha; Deutung unsicher.

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