Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 226: daṇḍapraṇayanam Die Anwendung der Strafe

Puṣkara legt die Gewichts- und Münzmaße sowie die drei Stufen der Geldstrafe (sāhasa) dar und behandelt dann Strafen für falsche Klage und falsches Zeugnis, Depositum, Kauf und Verkauf, Heirat, Hirten, Weidegrenzen, Beleidigung, Körperverletzung, Diebstahl, Ehe- und Sexualdelikte, Amtsmissbrauch, Handelsbetrug und Prozessvergehen. Titelfeld der Quelle: rājadharmāḥ, Kolophon: daṇḍapraṇayanam. Zahlreiche Digitalisierungsfehler (u. a. V. 1 pāpaḥ, V. 8 bhojyo vidhir na hīrataḥ, V. 35 prāṇitā.rane, V. 50 bhayaḥ); V. 67 ist ein Halbvers.

puṣkara uvāca | daṇḍapraṇayanaṃ vakṣye yena rājñaḥ parā gatiḥ / triyavaṃ kṛṣṇalaṃ viddhi pāpastatpañcakaṃ bhavet //

Puṣkara sprach: Ich werde die Anwendung der Strafe darlegen, durch die der König den höchsten Weg [erlangt]. Wisse: ein kṛṣṇala hat drei Gerstenkörner; fünf davon ergeben ein māṣa [?].

Wort für Wort
puṣkaraḥ uvāca
Puṣkara sprach
daṇḍa-praṇayanam
Anwendung der Strafe
parā gatiḥ
höchster Weg
tri-yavam kṛṣṇalam
ein kṛṣṇala zu drei Gerstenkörnern
tat-pañcakam
fünf davon

pāpaḥ ist sinnlos; nach dem Zusammenhang (V. 2 ṣoḍaśamāṣaka) als māṣaḥ zu lesen.

kṛṣṇalānāṃ tathā ṣaṣṭyā karṣārdhaṃ rāma kīrtitaṃ / suvarṇaś ca vinirdiṣṭo rāma ṣoḍaśamāpakaḥ //

Mit sechzig kṛṣṇalas ist, o Rāma, ein halber karṣa angegeben; und ein suvarṇa, o Rāma, ist als sechzehn māṣas [schwer] bestimmt.

Wort für Wort
kṛṣṇalānām ṣaṣṭyā
mit sechzig kṛṣṇalas
karṣa-ardham
ein halber karṣa
rāma
o Rāma
suvarṇaḥ
ein suvarṇa (Goldgewicht)
ṣoḍaśa-māṣakaḥ
sechzehn māṣas schwer

ṣoḍaśamāpakaḥ ist als ṣoḍaśamāṣakaḥ zu lesen.

niṣkaḥ suvarṇāś catvāro dharaṇaṃ daśabhistu taiḥ / tāmrarūpyasuvarṇānāṃ manametat prakīrtitaṃ //

Ein niṣka sind vier suvarṇas, ein dharaṇa zehn von diesen. Dies wird als Maß für Kupfer, Silber und Gold angegeben.

Wort für Wort
niṣkaḥ
ein niṣka
suvarṇāḥ catvāraḥ
vier suvarṇas
dharaṇam daśabhiḥ
ein dharaṇa aus zehn
tāmra-rūpya-suvarṇānām
für Kupfer, Silber, Gold
mānam etat
dies ist das Maß

manam ist als mānam zu lesen.

tāmrakaiḥ kārṣiko rāma proktaḥ kārṣāpaṇo budhaiḥ / paṇānāṃ dve śate sārdhaṃ prathamaḥ sāhasaḥ smṛtaḥ //

Aus Kupfer wird [ein Stück] vom Gewicht eines karṣa, o Rāma, von den Weisen kārṣāpaṇa genannt. Zweihundertfünfzig paṇas gelten als die erste Geldstrafe (prathama sāhasa).

Wort für Wort
tāmrakaiḥ kārṣikaḥ
aus Kupfer, einen karṣa schwer
kārṣāpaṇaḥ
kārṣāpaṇa (Münze)
paṇānām dve śate sa-ardhe
zweihundertfünfzig paṇas
prathamaḥ sāhasaḥ
die erste Geldstrafe

madhyamaḥ pañca vijñeyaḥ sahasramapi cottamaḥ / caurair amūṣito yastu mūṣito 'smīti bhāṣate //

Die mittlere ist als fünf[hundert] zu verstehen, die höchste als tausend. Wer aber, ohne von Dieben beraubt zu sein, sagt: „Ich bin beraubt worden“,

Wort für Wort
madhyamaḥ pañca
die mittlere: fünf(hundert)
sahasram uttamaḥ
die höchste: tausend
cauraiḥ amūṣitaḥ
von Dieben nicht beraubt
mūṣitaḥ asmi iti bhāṣate
er sagt „ich bin beraubt“

tatpradātari bhāpāle sa daṇḍyastāvadeva tu / yo yāvadviparītārthaṃ mithyā vā yo vadettu taṃ //

der ist, wenn der König es ihm ersetzt [hat], um ebenso viel zu strafen. Wer [eine Schuld] in ihrem Betrag ableugnet oder wer fälschlich [mehr] fordert,

Wort für Wort
tat-pradātari bhūpāle
wenn der König es erstattet
daṇḍyaḥ tāvat eva
um ebenso viel zu strafen
viparīta-artham
die Sache verkehrend
mithyā vadet
fälschlich behauptet

bhāpāle ist als bhūpāle zu lesen.

tau nṛpeṇa hy adharmajñau dāpyau taddviguṇaṃ damaṃ / kūṭasākṣyantu kurvāṇāṃstrīn varṇāṃś ca pradāpayet //

diese beiden Pflichtunkundigen soll der König das Doppelte davon als Strafe zahlen lassen. Wer falsches Zeugnis ablegt, den lasse er, [wenn er] aus den drei Ständen [ist], [Strafe] zahlen,

Wort für Wort
tau adharmajñau
diese beiden Pflichtunkundigen
dāpyau tat-dviguṇam damam
zur doppelten Strafe anzuhalten
kūṭa-sākṣyam kurvāṇān
falsches Zeugnis Ablegende
trīn varṇān pradāpayet
die drei Stände lasse er zahlen

vivāsayedbrāhmaṇantu bhojyo vidhir na hīrataḥ / nikṣepasya samaṃ mūlyaṃ daṇḍyo nikṣepabhuk tathā //

einen Brahmanen aber verbanne er [unklar: bhojyo vidhir na hīrataḥ]. Wer ein Depositum verbraucht, ist um den Wert des Depositums zu strafen;

Wort für Wort
vivāsayet brāhmaṇam
den Brahmanen verbanne er
nikṣepasya samam mūlyam
dem Wert des Depositums gleich
daṇḍyaḥ
zu strafen
nikṣepa-bhuk
wer ein Depositum verbraucht

bhojyo vidhir na hīrataḥ ist verderbt und nicht sicher deutbar.

vastrādikasya dharmajña tathā dharmo na hīyate / yo nikṣepaṃ ghātayati yaścānikṣipya yācate //

ebenso bei Kleidung usw., o Pflichtkundiger; so wird das Recht nicht verletzt. Wer ein Depositum zugrunde richtet und wer, ohne hinterlegt zu haben, [etwas] zurückfordert,

Wort für Wort
vastra-ādikasya
bei Kleidung usw.
dharmaḥ na hīyate
das Recht wird nicht gemindert
nikṣepam ghātayati
er vernichtet das Depositum
anikṣipya yācate
ohne Hinterlegung fordert er

tāvubhau cauravacchāsyau daṇḍyau vā dviguṇaṃ dama / ajñānādyaḥ pumān kuryāt paradravyasya vikrayaṃ //

die sind beide wie ein Dieb zu züchtigen oder mit doppelter Strafe zu belegen. Ein Mann, der aus Unwissenheit fremdes Gut verkauft,

Wort für Wort
ubhau cauravat śāsyau
beide wie Diebe zu züchtigen
dviguṇam damam
doppelte Strafe
ajñānāt
aus Unwissenheit
para-dravyasya vikrayam
Verkauf fremden Gutes

nirdoṣo jñānapūrvakantu cauravaddaṇḍamarhati / mūlyamādāya yaḥ śilpaṃ na dadyād daṇḍya eva saḥ //

ist schuldlos; tut er es aber wissentlich, verdient er Strafe wie ein Dieb. Wer den Lohn nimmt und die handwerkliche Arbeit nicht liefert, der ist zu strafen.

Wort für Wort
nirdoṣaḥ
schuldlos
jñāna-pūrvakam
wissentlich
cauravat daṇḍam arhati
verdient Strafe wie ein Dieb
mūlyam ādāya
den Preis nehmend
śilpam na dadyāt
die Arbeit nicht liefert

pratiśrutyāpradātāraṃ suvarṇaṃ daṇḍayennṛpaḥ / bhṛtiṃ gṛhya na kuryādyaḥ karmāṣṭau kṛṣṇalā damaḥ //

Wer etwas verspricht und es nicht gibt, den strafe der König um ein suvarṇa. Wer Lohn nimmt und die Arbeit nicht tut, [dem ist] eine Strafe von acht kṛṣṇalas [aufzuerlegen].

Wort für Wort
pratiśrutya apradātāram
den, der verspricht und nicht gibt
suvarṇam daṇḍayet
er strafe um ein suvarṇa
bhṛtim gṛhya
den Lohn nehmend
aṣṭau kṛṣṇalāḥ damaḥ
acht kṛṣṇalas Strafe

akāle tu tyajan bhṛtyaṃ daṇḍyaḥ syāttāvadeva tu / krītvā vikrīya vā kiñcidyasyehānuśayo bhavet //

Wer einen Diener zur Unzeit entlässt, ist ebenso hoch zu strafen. Wer etwas gekauft oder verkauft hat und es hier bereut,

Wort für Wort
akāle tyajan bhṛtyam
zur Unzeit einen Diener entlassend
tāvat eva
ebenso viel
krītvā vikrīya vā
gekauft oder verkauft habend
anuśayaḥ
Reue

so 'ntardaśāhāttatsvāmī dadyāccaivādadīta ca / pareṇa tu daśāhasya nādadyānnaiva dāpayet //

[bei dem] soll innerhalb von zehn Tagen der Eigentümer [die Sache] zurückgeben bzw. zurücknehmen; nach Ablauf von zehn Tagen aber soll er weder [sie] zurücknehmen noch [ihre Rückgabe] erzwingen.

Wort für Wort
antar-daśa-ahāt
innerhalb von zehn Tagen
tat-svāmī
der Eigentümer
dadyāt ādadīta
er gebe und nehme zurück
pareṇa daśa-ahasya
nach zehn Tagen
na dāpayet
er lasse nicht zahlen

ādadaddhi dadaccaiva rājñā daṇḍyaḥ śatāni ṣaṭ / vare doṣānavikhyāpya yaḥ kanyāṃ varayediha //

Denn wer [dann] zurücknimmt oder zurückgibt, ist vom König um sechshundert zu strafen. Wer hier eine Jungfrau verheiratet, ohne dem Bräutigam [ihre] Fehler bekanntzugeben,

Wort für Wort
ādadat dadat
zurücknehmend, gebend
daṇḍyaḥ śatāni ṣaṭ
um sechshundert zu strafen
vare doṣān avikhyāpya
ohne dem Bräutigam die Fehler zu nennen
kanyām
die Jungfrau

dattāpyadattā sā tasya rājñā daṇḍyaḥ śatadvayaṃ / pradāya kanyāṃ yo 'nyasmai punastāṃ samprayacchati //

[bei dem gilt] sie, obwohl gegeben, als nicht gegeben, und er ist vom König um zweihundert zu strafen. Wer eine Jungfrau einem gegeben hat und sie dann einem anderen gibt,

Wort für Wort
dattā api adattā
obwohl gegeben, nicht gegeben
śata-dvayam
zweihundert
pradāya kanyām
die Jungfrau gegeben habend
anyasmai punaḥ samprayacchati
gibt sie wieder einem anderen

daṇḍaḥ kāryo narendreṇa tasyāpyuttamasāhasaḥ / satyaṅkāreṇa vācā ca yuktaṃ puṇyamasaṃśayaṃ //

dem hat der Herrscher die höchste Geldstrafe aufzuerlegen. Eine Ware, die durch Angeld und Wort gebunden ist, [ist] zweifellos [verkauft].

Wort für Wort
daṇḍaḥ kāryaḥ
Strafe ist zu verhängen
uttama-sāhasaḥ
die höchste Geldstrafe
satyaṅkāreṇa
durch Angeld
vācā ca yuktam
durch das Wort gebunden
paṇyam asaṃśayam
die Ware zweifellos

puṇyam ist wohl als paṇyam („Ware“) zu lesen.

lubdho 'nyatra ca vikretā ṣaṭśataṃ daṇḍamarhati / dadyāddhenuṃ na yaḥ pālo gṛhītvā bhaktavetanaṃ //

Wer [sie] aus Habgier anderweitig verkauft, verdient eine Strafe von sechshundert. Ein Hirte, der Kost und Lohn empfangen hat und die Kuh nicht zurückgibt,

Wort für Wort
lubdhaḥ anyatra vikretā
aus Gier anderweitig verkaufend
ṣaṭ-śatam daṇḍam
Strafe von sechshundert
dadyāt dhenum na
die Kuh nicht zurückgibt
pālaḥ
der Hirte
bhakta-vetanam
Kost und Lohn

sa tu daṇḍyaḥ śataṃ rājñā suvarṇaṃ vāpyarakṣitā / dhanuḥśataṃ parīṇāho grāmasya tu samantataḥ //

der ist vom König um hundert zu strafen, oder um ein suvarṇa, wenn er [sie] nicht bewacht hat [?]. Rings um ein Dorf aber [lege man] einen [Weide-]Umkreis von hundert Bogenlängen an,

Wort für Wort
daṇḍyaḥ śatam
um hundert zu strafen
arakṣitā
der nicht Bewachende
dhanuḥ-śatam
hundert Bogenlängen
parīṇāhaḥ
Umkreis
grāmasya samantataḥ
rings um das Dorf

dviguṇaṃ triguṇaṃ vāpi nagarasya ca kalpayet / vṛtiṃ tatra prakurvīta yāmuṣṭro nāvalokayet //

für eine Stadt das Doppelte oder Dreifache. Dort errichte man einen Zaun, über den ein Kamel nicht hinwegsehen kann.

Wort für Wort
dviguṇam triguṇam
doppelt oder dreifach
nagarasya
der Stadt
vṛtim prakurvīta
er errichte einen Zaun
yām uṣṭraḥ na avalokayet
über den ein Kamel nicht blickt

tatrāparivṛte dhānye hiṃsite naiva daṇḍanaṃ / gṛhantaḍāgamārāmaṃ kṣetraṃ vā bhīṣayā haran //

Wird dort Getreide auf nicht umzäuntem [Land] beschädigt, so gibt es keine Strafe. Wer ein Haus, einen Teich, einen Garten oder ein Feld durch Einschüchterung wegnimmt,

Wort für Wort
aparivṛte dhānye
bei nicht umzäuntem Getreide
hiṃsite
wenn beschädigt
na eva daṇḍanam
keine Strafe
gṛham taḍāgam ārāmam kṣetram
Haus, Teich, Garten, Feld
bhīṣayā haran
durch Einschüchterung wegnehmend

śatāni pañca daṇḍyāḥ syādajñānād dviśato damaḥ / maryādābhedakāḥ sarve daṇḍyāḥ prathamasāhasaṃ //

ist um fünfhundert zu strafen; [geschieht es] aus Unwissenheit, ist die Strafe zweihundert. Alle, die Grenzen verletzen, sind mit der ersten Geldstrafe zu belegen.

Wort für Wort
śatāni pañca
fünfhundert
ajñānāt dviśataḥ damaḥ
aus Unwissenheit zweihundert Strafe
maryādā-bhedakāḥ
Grenzverletzer
prathama-sāhasam
die erste Geldstrafe

śataṃ brāhmaṇamākruśya kṣatriyo daṇḍamarhati / vaiśyaś ca dviśataṃ rāma śūdraś ca badhamarhati //

Ein Kṣatriya, der einen Brahmanen schmäht, verdient eine Strafe von hundert, ein Vaiśya von zweihundert, o Rāma, und ein Śūdra verdient Körperstrafe [bzw. Tötung].

Wort für Wort
brāhmaṇam ākruśya
einen Brahmanen schmähend
kṣatriyaḥ śatam
ein Kṣatriya hundert
vaiśyaḥ dviśatam
ein Vaiśya zweihundert
śūdraḥ vadham arhati
ein Śūdra verdient vadha

vadha kann in Rechtstexten sowohl Tötung als auch Körperstrafe bedeuten.

pañcāśadbrāhmaṇo daṇḍyaḥ kṣatriyasyābhiśaṃsane / vaiśye vāpyardhapañcāśacchūdre dvādaśako damaḥ //

Ein Brahmane ist um fünfzig zu strafen, wenn er einen Kṣatriya beschimpft, bei einem Vaiśya um fünfundzwanzig, bei einem Śūdra beträgt die Strafe zwölf.

Wort für Wort
pañcāśat
fünfzig
kṣatriyasya abhiśaṃsane
beim Beschimpfen eines Kṣatriya
ardha-pañcāśat
fünfundzwanzig
śūdre dvādaśakaḥ damaḥ
beim Śūdra zwölf Strafe

kṣatriyasyāpnuyādvaiśyaḥ sāhasaṃ pūrvameva tu / śūdraḥ kṣatriyamākruśya jihvācchedanamāpnuyāt //

Ein Vaiśya erhält [für das Schmähen] eines Kṣatriya die erste Geldstrafe; ein Śūdra, der einen Kṣatriya schmäht, erleidet das Abschneiden der Zunge.

Wort für Wort
kṣatriyasya
eines Kṣatriya
sāhasam pūrvam
die erste Geldstrafe
kṣatriyam ākruśya
einen Kṣatriya schmähend
jihvā-chedanam
Abschneiden der Zunge

dharmopadeśaṃ viprāṇāṃ śūdraḥ kurvaṃś ca daṇḍabhāk / śrutadeśādivitathī dāpyo dviguṇasāhasaṃ //

Ein Śūdra, der den Brahmanen Unterweisung in der Pflicht erteilt, verfällt der Strafe. Wer über [seine] Gelehrsamkeit, Herkunftsland usw. Falsches angibt, ist zur doppelten Geldstrafe anzuhalten.

Wort für Wort
dharma-upadeśam viprāṇām
Pflichtunterweisung der Brahmanen
daṇḍa-bhāk
der Strafe verfallen
śruta-deśa-ādi-vitathī
über Gelehrsamkeit, Land usw. lügend
dāpyaḥ dviguṇa-sāhasam
zur doppelten Geldstrafe anzuhalten

uttamaḥ sāhasastasya yaḥ pāpair uttamān kṣipet / pramādādyair mayā proktaṃ prītyā daṇḍārdhamarhati //

Die höchste Geldstrafe [trifft] den, der Höhergestellte mit [Vorwürfen schwerer] Sünden bewirft. [Sagt er:] „Aus Unachtsamkeit usw. [oder] aus Zuneigung ist es von mir gesagt worden“, so verdient er die halbe Strafe.

Wort für Wort
uttamaḥ sāhasaḥ
die höchste Geldstrafe
pāpaiḥ uttamān kṣipet
Höhere mit Sünden bewirft
pramāda-ādyaiḥ
aus Unachtsamkeit usw.
mayā proktam
von mir gesagt
daṇḍa-ardham arhati
verdient die halbe Strafe

Die Konstruktion von pramādādyair mayā proktaṃ prītyā ist holprig; wohl eine Entschuldigungsformel des Täters.

mātaraṃ pitaraṃ jyeṣṭhaṃ bhrātaraṃ śvaśuraṃ guruṃ / ākṣārayañcchataṃ daṇḍyaḥ panthānaṃ cādadadguroḥ //

Wer Mutter, Vater, älteren Bruder, Schwiegervater oder Lehrer beschimpft, ist um hundert zu strafen, ebenso wer dem Lehrer nicht den Weg freigibt.

Wort für Wort
mātaram pitaram jyeṣṭham bhrātaram
Mutter, Vater, älteren Bruder
śvaśuram gurum
Schwiegervater, Lehrer
ākṣārayan
beschimpfend
panthānam ca adadat guroḥ
dem Lehrer den Weg nicht gebend

ākṣārayan „beschuldigend, schmähend“.

antyajātirdvijātintu yenāṅgenāparādhnuyāt / tadeva cchedayettasya kṣipramevāvicārayan //

Mit welchem Glied auch immer ein Niedriggeborener sich an einem Zweimalgeborenen vergeht, eben dieses [Glied] lasse [der König] ihm sogleich abschneiden, ohne zu zögern.

Wort für Wort
antya-jātiḥ
ein Niedriggeborener
yena aṅgena aparādhnuyāt
mit welchem Glied er sich vergeht
tat eva chedayet
eben das lasse er abschneiden
kṣipram avicārayan
sogleich, ohne Bedenken

avaniṣṭhīvato darpād dvāvoṣṭhau chedayennṛpaḥ / apamūtrayato meḍhramapaśabdayato gudaṃ //

Wer aus Übermut [einen Höheren] anspuckt, dem lasse der König beide Lippen abschneiden; wer [ihn] anpisst, [dem] das Glied; wer [ihn] anfurzt, [dem] den After.

Wort für Wort
avaniṣṭhīvataḥ darpāt
des aus Übermut Anspuckenden
dvau oṣṭhau
beide Lippen
apamūtrayataḥ meḍhram
des Anpissenden Glied
apaśabdayataḥ gudam
des Anfurzenden After

utkṛṣṭāsanasaṃsthasya nīcasyādhonikṛntanaṃ / yo yadaṅgaṃ ca rujayettadaṅgantasya kartayet //

Einem Niedrigen, der auf einem höheren Sitz Platz nimmt, [schneide man] das Gesäß ein. Wer welches Glied auch immer verletzt, dem schneide man dieses Glied ab.

Wort für Wort
utkṛṣṭa-āsana-saṃsthasya
des auf hohem Sitz Sitzenden
nīcasya
des Niedrigen
adhaḥ-nikṛntanam
Einschneiden des Hinterteils
yat aṅgam rujayet
welches Glied er verletzt
tat aṅgam kartayet
dieses Glied schneide man ab

ardhapādakarāḥ kāryā gogajāśvoṣṭraghātakāḥ / vṛkṣantu viphalaṃ kṛttvā suvarṇaṃ daṇḍamarhati //

Wer Rinder, Elefanten, Pferde oder Kamele tötet, dem sollen ein halber Fuß und eine [halbe] Hand [abgeschnitten] werden [?]. Wer einen Baum fällt und ihn so fruchtlos macht, verdient die Strafe eines suvarṇa.

Wort für Wort
ardha-pāda-karāḥ kāryāḥ
halbfüßig und -händig zu machen [?]
go-gaja-aśva-uṣṭra-ghātakāḥ
Töter von Rind, Elefant, Pferd, Kamel
vṛkṣam viphalam kṛtvā
einen Baum fruchtlos machend
suvarṇam daṇḍam
ein suvarṇa Strafe

ardhapādakarāḥ kāryāḥ ist unsicher.

dviguṇaṃ dāpayecchinne pathi sīmni jalāśaye / dravyāṇi yo haredyasya jñānato 'jñānato 'pivā //

Das Doppelte lasse er zahlen, wenn [der Baum] am Weg, an der Grenze oder an einem Gewässer gefällt ist. Wer jemandes Güter wissentlich oder auch unwissentlich wegnimmt,

Wort für Wort
dviguṇam dāpayet
das Doppelte lasse er zahlen
chinne pathi sīmni jalāśaye
gefällt am Weg, an der Grenze, am Gewässer
dravyāṇi haret
Güter wegnimmt
jñānataḥ ajñānataḥ
wissentlich, unwissentlich

sa tasyotpādya tuṣṭintu rājñe dadyāttato damaṃ / yastu rajjuṃ ghaṭaṃ kūpāddharecchindyācca tāṃ prapāṃ //

der soll jenen zufriedenstellen und dann dem König die Strafe zahlen. Wer aber Seil oder Krug von einem Brunnen wegnimmt oder die Tränkstelle zerstört,

Wort für Wort
tasya utpādya tuṣṭim
jenen zufriedenstellend
rājñe dadyāt damam
dem König zahle er die Strafe
rajjum ghaṭam kūpāt
Seil und Krug vom Brunnen
chindyāt prapām
die Tränkstelle zerstört

sa daṇḍaṃ prāpnuyān māsaṃ daṇḍyaḥ syāt prāṇitā.rane / dhānyaṃ daśabhyaḥ kumbhebhyo harato 'bhyadhikaṃ badhaḥ //

der erhält eine Strafe von einem māṣa; [unklar: prāṇitā.rane] ist er zu strafen. Wer Getreide von mehr als zehn kumbhas stiehlt, [erleidet] Körperstrafe [bzw. Tod];

Wort für Wort
daṇḍam prāpnuyāt māṣam
erhält eine Strafe von einem māṣa
dhānyam
Getreide
daśabhyaḥ kumbhebhyaḥ abhyadhikam
mehr als zehn kumbhas
harataḥ
des Stehlenden
vadhaḥ
Körperstrafe/Tod

māsaṃ ist als māṣam zu lesen; daṇḍyaḥ syāt prāṇitā.rane ist verderbt (Zeichenrest im Digitalisat).

śeṣe 'pyekādaśaguṇaṃ tasya daṇḍaṃ prakalpayet / suvarṇarajatādīnāṃ nṛstrīṇāṃ haraṇe badhaḥ //

im übrigen Fall [bei weniger] setze man ihm die elffache Strafe fest. Beim Raub von Gold, Silber usw. sowie von Männern und Frauen [gilt] Körperstrafe [bzw. Tod].

Wort für Wort
śeṣe api
im übrigen Fall
ekādaśa-guṇam
elffach
suvarṇa-rajata-ādīnām
von Gold, Silber usw.
nṛ-strīṇām haraṇe
beim Raub von Männern und Frauen
vadhaḥ
Körperstrafe/Tod

yena yena yathāṅgena steno nṛṣu viceṣṭate / tattadeva haredasy pratyādeśāya pārthivaḥ //

Mit welchem Glied auch immer ein Dieb gegen Menschen handelt, eben dieses nehme ihm der König zur Abschreckung.

Wort für Wort
yena yena aṅgena
mit welchem Glied auch immer
stenaḥ nṛṣu viceṣṭate
der Dieb gegen Menschen handelt
tat tat eva haret asya
eben das nehme er ihm
pratyādeśāya
zur Abschreckung

asy ist als asya zu lesen.

brāhmaṇaḥ śākadhānyādi alpaṃ gṛhṇanna doṣabhāk / godevārthaṃ haraṃścāpi hanyādduṣṭaṃ badhīdyataṃ //

Ein Brahmane, der ein wenig Gemüse, Getreide usw. nimmt, lädt keine Schuld auf sich, auch nicht, wenn er für Kühe oder Götter nimmt. Einen Bösewicht, der zum Töten bereit ist, töte man.

Wort für Wort
alpam gṛhṇan
wenig nehmend
śāka-dhānya-ādi
Gemüse, Getreide usw.
na doṣa-bhāk
nicht schuldig
go-deva-artham
für Kühe und Götter
duṣṭam vadha-udyatam
den mordbereiten Bösewicht

gṛhakṣetrāpahartāraṃ tathā patnyabhigāminaṃ / agnidaṃ garadaṃ hanyāttathā cābhyudyatāyudhaṃ //

Den Räuber von Haus und Feld, ebenso den, der sich [fremden] Ehefrauen nähert, den Brandstifter, den Giftmischer und ebenso den, der die Waffe erhoben hat, töte man.

Wort für Wort
gṛha-kṣetra-apahartāram
Räuber von Haus und Feld
patnī-abhigāminam
der sich Ehefrauen naht
agni-dam gara-dam
Brandstifter, Giftmischer
abhyudyata-āyudham
der die Waffe erhoben hat

rājā gavābhicārādyaṃ hanyāccaivātatāyinaḥ / parastriyaṃ na bhāṣeta pratiṣiddho viśenna hi //

Der König töte [auch] den, der Schadenzauber mit Kühen o. ä. treibt [?], und die Angreifer (ātatāyin). Mit einer fremden Frau soll man nicht sprechen, und wenn es verboten ist, [ihr Haus] nicht betreten.

Wort für Wort
gava-abhicāra-ādyam
Kuh-Schadenzauber usw. [?]
ātatāyinaḥ
die Angreifer
para-striyam na bhāṣeta
mit fremder Frau spreche er nicht
pratiṣiddhaḥ na viśet
verboten, trete er nicht ein

gavābhicārādyam ist unklar (etwa go-abhicāra, „Zauber an/mit Kühen“).

adaṇḍyā strī bhavedrājñā varayanto patiṃ svayaṃ / uttamāṃ sevamānaḥ strī jaghanyo badhamarhati //

Eine Frau, die sich selbst einen Gatten wählt, ist vom König nicht zu strafen. Ein Niedriger, der einer höheren Frau beiwohnt, verdient Körperstrafe [bzw. Tod].

Wort für Wort
adaṇḍyā strī
die Frau ist nicht zu strafen
varayantī patim svayam
die sich selbst den Gatten wählt
uttamām sevamānaḥ
einer Höheren beiwohnend
jaghanyaḥ vadham arhati
der Niedrige verdient vadha

bhartāraṃ laṅghayedyā tāṃ śvabhiḥ saṅghātayet striyaṃ / savarṇadūṣitāṃ kuryāt piṇḍamātropajīvinīṃ //

Eine Frau, die ihren Gatten hintergeht, lasse man von Hunden zerreißen. Eine, die von einem Mann gleichen Standes verführt wurde, lasse man nur von einem Bissen [Nahrung] leben.

Wort für Wort
bhartāram laṅghayet yā
die den Gatten übertritt
śvabhiḥ saṅghātayet
lasse man von Hunden zerreißen
sa-varṇa-dūṣitām
von Standesgleichem Verführte
piṇḍa-mātra-upajīvinīm
nur von einem Bissen lebend

jyāyasā dūṣitā nārī muṇḍanaṃ samavāpnuyāt / vaiśyāgame tu viprasya kṣatriyasyāntyajāgame //

Eine Frau, die von einem Höheren verführt wurde, soll kahlgeschoren werden. Beim Umgang eines Brahmanen mit einer Vaiśya-Frau, eines Kṣatriya mit einer Frau niedrigster Herkunft

Wort für Wort
jyāyasā dūṣitā
von einem Höheren verführt
muṇḍanam
Kahlscheren
vaiśyā-āgame viprasya
beim Umgang des Brahmanen mit einer Vaiśyā
antyajā-āgame
beim Umgang mit einer Antyajā

kṣatriyaḥ prathamaṃ vaiśyo daṇḍyaḥ śūdrāgame bhavet / gṛhītvā vetanaṃ veśyā lobhādanyatra gacchati //

ist der Kṣatriya mit der ersten [Geldstrafe] zu belegen, ebenso der Vaiśya beim Umgang mit einer Śūdra-Frau. Eine Dirne, die Lohn empfangen hat und aus Gier anderswohin geht,

Wort für Wort
kṣatriyaḥ prathamam
der Kṣatriya: die erste (Strafe)
śūdrā-āgame
beim Umgang mit einer Śūdrā
gṛhītvā vetanam veśyā
eine Dirne, die Lohn nahm
lobhāt anyatra gacchati
geht aus Gier anderswohin

vetanandviguṇaṃ dadyāddaṇdañca dviguṇaṃ tathā / bhāryā putrāś ca dāsāś ca śiṣyo bhrātā ca sodaraḥ //

soll den doppelten Lohn und ebenso eine doppelte Strafe zahlen. Ehefrau, Söhne, Sklaven, Schüler und leiblicher Bruder

Wort für Wort
vetanam dviguṇam
doppelten Lohn
daṇḍam dviguṇam
doppelte Strafe
bhāryā putrāḥ dāsāḥ
Ehefrau, Söhne, Sklaven
śiṣyaḥ bhrātā sodaraḥ
Schüler, leiblicher Bruder

kṛṭāparādhāstāḍyāḥ sūrajvā veṇudalena vā / pṛṣṭhe na mastake hanyāccaurasyāpnoti kilviṣaṃ //

dürfen, wenn sie sich vergangen haben, mit einem Strick oder einem gespaltenen Bambusrohr geschlagen werden, auf den Rücken, nicht auf den Kopf; [wer anders] schlägt, lädt die Schuld eines Diebes auf sich.

Wort für Wort
kṛta-aparādhāḥ
die sich vergangen haben
tāḍyāḥ
sind zu schlagen
rajjvā veṇu-dalena
mit Strick oder Bambusspan
pṛṣṭhe na mastake
auf den Rücken, nicht den Kopf
caurasya kilbiṣam
die Schuld eines Diebes

sūrajvā ist als su-rajjvā oder rajjvā zu lesen.

rakṣāsvadhikṛtaiyastu prajātyarthaṃ vilupyate / teṣāṃ sarvasvamādāya rājā kuryāt pravāsanaṃ //

Wenn von den zum Schutz Bestellten das Gut der Untertanen geplündert wird, soll der König ihnen ihre ganze Habe nehmen und sie verbannen.

Wort für Wort
rakṣāsu adhikṛtaiḥ
von den zum Schutz Bestellten
prajā-artham vilupyate
das Gut der Untertanen wird geplündert
sarvasvam ādāya
die ganze Habe nehmend
pravāsanam
Verbannung

prajātyartham ist wohl als prajānām artham oder prajā-artham zu lesen; adhikṛtaiyastu = adhikṛtair yas tu.

ye niyuktāḥ svakāryeṣu hanyuḥ kāryāṇi karmiṇāṃ / nirghṛṇāḥ krūramanasastānniḥsvān kārayennṛpaḥ //

Die in ihre Ämter Eingesetzten, die die Angelegenheiten der Arbeitenden zunichte machen, erbarmungslos und grausamen Sinnes, soll der König besitzlos machen.

Wort für Wort
niyuktāḥ sva-kāryeṣu
in ihre Ämter eingesetzt
hanyuḥ kāryāṇi karmiṇām
die Angelegenheiten der Arbeitenden zunichtemachen
nirghṛṇāḥ krūra-manasaḥ
erbarmungslos, grausam
niḥsvān kārayet
er mache sie besitzlos

amātyaḥ prāḍvivāko vā yaḥ kuryāt kāryamanyathā / tasya sarvasvamādāya taṃ rājā vipravāsayet //

Ein Minister oder Richter, der einen Rechtsfall verkehrt behandelt, dem nehme der König seine ganze Habe und verbanne ihn.

Wort für Wort
amātyaḥ prāḍvivākaḥ
Minister oder Richter
kāryam anyathā kuryāt
den Fall verkehrt behandelt
sarvasvam ādāya
die ganze Habe nehmend
vipravāsayet
er verbanne

gurutalpe bhayaḥ kāryaḥ surāpāṇe surādhvajaḥ / steyeṣu śvapadaṃ vidyād brahmahatyāśiraḥ pumān //

Für das Beflecken des Lehrerbettes ist [als Brandmal] ein weibliches Geschlechtsteil anzubringen, für Branntweintrinken das Schankzeichen, für Diebstähle soll man einen Hundefuß kennen, für Brahmanenmord einen kopflosen Mann.

Wort für Wort
guru-talpe bhagaḥ
für das Lehrerbett: das Geschlechtsteil
surā-pāne surā-dhvajaḥ
für Branntweintrinken: das Schankzeichen
steyeṣu śva-padam
für Diebstahl: der Hundefuß
brahma-hatyā aśiraḥ pumān
für Brahmanenmord: kopfloser Mann

bhayaḥ ist als bhagaḥ zu lesen. Gemeint sind Brandmarken an der Stirn.

śūdrādīn ghātayedrājā pāpān viprān pravāsayet / mahāpātakināṃ vittaṃ varuṇāyopapādayet //

Śūdras usw. [die dies begangen haben] lasse der König töten, sündige Brahmanen verbanne er; das Vermögen der Todsünder übergebe er dem Varuṇa [Anm.: d. h. dem Wasser].

Wort für Wort
śūdra-ādīn ghātayet
Śūdras usw. lasse er töten
pāpān viprān pravāsayet
sündige Brahmanen verbanne er
mahā-pātakinām vittam
das Gut der Todsünder
varuṇāya upapādayet
dem Varuṇa übergebe er

grāmeṣvapi ca ye keciccaurāṇāṃ bhaktadāyakāḥ / bhāṇḍārakoṣadāś caiva sarvāṃstānapi ghātayet //

Auch in den Dörfern alle diejenigen, die den Dieben Nahrung geben oder ihnen Lager für Geräte und Schätze gewähren, lasse er töten.

Wort für Wort
grāmeṣu
in den Dörfern
caurāṇām bhakta-dāyakāḥ
die Dieben Nahrung geben
bhāṇḍāra-kośa-dāḥ
Lager und Verstecke gebend
sarvān ghātayet
alle lasse er töten

rāṣṭreṣu rāṣṭrādhikṛtān sāmantān pāpino haret / sandhiṃ kṛtvā tu ye cauryaṃ rātrau kurvanti taskarāḥ //

In den Landesteilen beseitige er sündige Landesbeamte und Vasallen. Diebe aber, die einen Mauerdurchbruch machen und nachts stehlen,

Wort für Wort
rāṣṭra-adhikṛtān
die Landesbeamten
sāmantān pāpinaḥ haret
sündige Vasallen beseitige er
sandhim kṛtvā
einen Mauerbruch machend
rātrau cauryam
nächtlichen Diebstahl

teṣāṃ cchitvā nṛpo hastau tīkṣṇe śūle niveśayet / taḍāgadevatāgārabhedakān ghātayennṛpaḥ //

denen haue der König die Hände ab und setze sie auf einen spitzen Pfahl. Wer Teiche und Götterhäuser zerstört, den lasse der König töten.

Wort für Wort
chittvā hastau
die Hände abhauend
tīkṣṇe śūle niveśayet
auf einen spitzen Pfahl setze er
taḍāga-devatā-āgāra-bhedakān
Zerstörer von Teichen und Tempeln
ghātayet
er lasse töten

samutsṛjedrājamārge yastvamedhyamanāpadi / sa hi kārṣāpaṇandaṇḍyastamamedhyañca śodhayet //

Wer ohne Notlage auf der Königsstraße Unrat ablädt, ist um einen kārṣāpaṇa zu strafen und muss den Unrat beseitigen.

Wort für Wort
samutsṛjet rāja-mārge
auf die Königsstraße ablädt
amedhyam
Unrat
anāpadi
ohne Notlage
kārṣāpaṇam daṇḍyaḥ
um einen kārṣāpaṇa zu strafen
śodhayet
er reinige

pratimāsaṅkramabhido dadyuḥ pañcaśatāni te / samaiś ca viṣamaṃ yo vā carate mūlyato 'pi vā //

Wer Götterbilder und Brücken zerstört, soll fünfhundert zahlen. Wer mit Gleichgestellten ungleich verfährt, sei es auch im Preis,

Wort für Wort
pratimā-saṅkrama-bhidaḥ
Zerstörer von Bildern und Brücken
pañca-śatāni
fünfhundert
samaiḥ viṣamam carate
mit Gleichen ungleich verfährt
mūlyataḥ
im Preis

samāpnuyānnaraḥ pūrvaṃ damaṃ madhyamameva vā / dravyamādāya vaṇijāmanargheṇāvarundhatāṃ //

der Mann erhält die erste oder die mittlere Strafe. Den Kaufleuten, die Waren an sich nehmen und durch unangemessenen Preis zurückhalten,

Wort für Wort
pūrvam damam madhyamam
die erste oder mittlere Strafe
dravyam ādāya
Ware nehmend
vaṇijām
der Kaufleute
anargheṇa avarundhatām
durch unrechten Preis zurückhaltend

rājā pṛthak pṛthak kuryāddaṇḍamuttamasāhasaṃ / dravyāṇāṃ dūṣako yaś ca praticchandakavikrayī //

soll der König jedem einzeln die höchste Geldstrafe auferlegen. Wer Waren verfälscht und wer Nachahmungen verkauft,

Wort für Wort
pṛthak pṛthak
jeweils einzeln
daṇḍam uttama-sāhasam
die höchste Geldstrafe
dravyāṇām dūṣakaḥ
Verfälscher von Waren
praticchandaka-vikrayī
Verkäufer von Nachahmungen

madhyamaṃ prāpnuyāddaṇḍaṃ kūṭakartā tathottamaṃ / kalahāpakṛtaṃ deyaṃ daṇḍaś ca dviguṇastataḥ //

erhält die mittlere Strafe, ein Fälscher ebenso die höchste. Was bei einem Streit beschädigt wurde, ist zu ersetzen, und die Strafe ist das Doppelte davon.

Wort für Wort
madhyamam daṇḍam
die mittlere Strafe
kūṭa-kartā
der Fälscher
kalaha-apakṛtam deyam
im Streit Beschädigtes ist zu ersetzen
daṇḍaḥ dviguṇaḥ
die Strafe doppelt

abhakṣyabhakṣye vipre vā śūdre vā kṛṣṇalo damaḥ / tulāśāsanakartā ca kūṭakṛnnāśakasya ca //

Wer einem Brahmanen oder einem Śūdra Verbotenes zu essen gibt [?], [dem ist] eine Strafe von einem kṛṣṇala [aufzuerlegen]. Wer Waage und Urkunden fälscht und wer Münzen fälscht,

Wort für Wort
abhakṣya-bhakṣye
bei verbotener Speise
kṛṣṇalaḥ damaḥ
ein kṛṣṇala Strafe
tulā-śāsana-kartā
Fälscher von Waage und Urkunde
kūṭa-kṛt nāṇakasya
Münzfälscher

abhakṣyabhakṣye ist knapp; wohl „beim Verabreichen verbotener Speise“. nāśakasya ist als nāṇakasya („der Münze“) zu lesen.

ebhiś ca vyavahartā yaḥ sa dāpyo damamuttamaṃ / viṣāgnidāṃ patiguruviprāpatyapramāpiṇīṃ //

und wer mit diesen [falschen Dingen] Handel treibt, der ist zur höchsten Strafe anzuhalten. Eine Frau, die Gift gibt oder Feuer legt, die Gatten, Lehrer, Brahmanen oder Kinder tötet,

Wort für Wort
ebhiḥ vyavahartā
der damit handelt
dāpyaḥ damam uttamam
zur höchsten Strafe anzuhalten
viṣa-agni-dām
die Gift oder Feuer gibt
pati-guru-vipra-apatya-pramāpiṇīm
die Gatten, Lehrer, Brahmanen, Kinder tötet

vikarṇakaranāsauṣṭhī kṛtvā gobhiḥ pravāsayet / kṣetraveśmagrāmavanavidārakās tathā narāḥ //

der schneide man Ohren, Hände, Nase und Lippen ab und treibe sie mit Rindern fort [?]. Ebenso [sind] Männer, die Felder, Häuser, Dörfer und Wälder zerstören,

Wort für Wort
vi-karṇa-kara-nāsa-oṣṭhīm
ohne Ohren, Hände, Nase, Lippen
gobhiḥ pravāsayet
mit Rindern treibe er fort
kṣetra-veśma-grāma-vana-vidārakāḥ
Zerstörer von Feld, Haus, Dorf, Wald
narāḥ
Männer

gobhiḥ pravāsayet – ob Vertreiben mit Rindern oder Zertrampelnlassen gemeint ist, bleibt offen.

rājapatnyabhigāmī ca dagdhavyāstu kaṭāgninā / ūnaṃ vāpyadhikaṃ vāpi likhedyo rājaśāsanaṃ //

und wer der Gattin des Königs beiwohnt, mit einem Feuer aus Strohmatten zu verbrennen. Wer einen königlichen Erlass mit weniger oder mehr [als festgesetzt] niederschreibt,

Wort für Wort
rāja-patnī-abhigāmī
wer der Königsgattin beiwohnt
dagdhavyāḥ kaṭa-agninā
mit Mattenfeuer zu verbrennen
ūnam adhikam
weniger oder mehr
likhet rāja-śāsanam
den Königserlass schreibt

pārajāyikacaurau ca muñcato daṇḍa uttamaḥ / rājayānāsanāroḍhurdaṇḍa uttamasāhasaḥ //

und wer einen Ehebrecher oder Dieb freilässt, [für den ist] die höchste Strafe. Für den, der das Fahrzeug oder den Sitz des Königs besteigt, ist die Strafe die höchste Geldstrafe.

Wort für Wort
pārajāyika-caurau
Ehebrecher und Dieb
muñcataḥ
des Freilassenden
daṇḍaḥ uttamaḥ
die höchste Strafe
rāja-yāna-āsana-āroḍhuḥ
des Besteigers von Königswagen und -sitz

yo manyetājito 'smīti nyāyenāpi parājitaḥ / tamāyāntaṃ parājitya daṇḍayed dviguṇaṃ damaṃ //

Wer, obwohl nach Recht besiegt, meint: „Ich bin nicht besiegt“, den besiege er, wenn er [erneut] kommt, und belege ihn mit doppelter Strafe.

Wort für Wort
manyeta ajitaḥ asmi
meint „ich bin unbesiegt“
nyāyena api parājitaḥ
obwohl nach Recht besiegt
tam āyāntam parājitya
den Kommenden besiegend
dviguṇam damam
doppelte Strafe

āhvānakārī badhyaḥ syādanāhūtamathāhvayan / dāṇḍikasya ca yo hastādabhimuktaḥ palāyate //

Wer als Vorladender einen vorlädt, der nicht vorzuladen ist, ist zu strafen. Und wer aus der Hand des Gerichtsbeamten entlassen wird und flieht,

Wort für Wort
āhvāna-kārī
der Vorladende
vadhyaḥ
strafbar
anāhūtam āhvayan
einen nicht Vorzuladenden vorladend
dāṇḍikasya hastāt
aus der Hand des Strafbeamten
palāyate
flieht

hīnaḥ puruṣakāreṇa tad dadyāddāṇḍiko dhanaṃ //67 //

[geschieht dies] aus Mangel an Wachsamkeit, so soll der Gerichtsbeamte jenen [geschuldeten] Betrag zahlen.

Wort für Wort
hīnaḥ puruṣa-kāreṇa
mangels Einsatz
tat dadyāt
das zahle
dāṇḍikaḥ
der Strafbeamte
dhanam
den Betrag

Nur ein Halbvers.

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