Kapitel 275: dvādaśasaṅgrāmāḥ
Die zwölf Schlachten
Agni beschreibt Kṛṣṇas Geburt als Vasudevas und Devakīs Sohn, seine Gemahlinnen und Nachkommen und den Zweck seiner Menschwerdung. Danach zählt er die zwölf Schlachten zwischen Göttern und Asuras auf und erläutert, wie Viṣṇu in jeder die Götter beschützte; zum Schluss werden alle Könige, Weisen und Götter als Herabkünfte Haris bezeichnet. Die Namen der sechsten und zehnten Schlacht sind unsicher bzw. verderbt (V. 11–12), ebenso V. 19–20. Titel aus Kopf und Kolophon.
dharmasaṃrakṣaṇārthāya hy adharmaharaṇāya ca / surādeḥ pālanārthañca daityādermathanāya ca //
um den Dharma zu schützen und den Adharma zu beseitigen, um die Götter und die übrigen [Wesen] zu hüten und um die Daityas und ihresgleichen zu zermalmen.
Aniruddhas [Nachkommen waren] Vajra und die anderen, Yādavas von sehr großer Kraft. Drei Koṭis [Anm.: 30 Millionen] zählten die Yādavas; sechzig Lakh [Anm.: 6 Millionen] Dānavas,
manuṣye bādhakā ye tu tannāśāya babhūva saḥ / kartuṃ karmavyavasthānaṃ manuṣyo jāyate hariḥ //
die unter den Menschen Bedränger waren – zu deren Vernichtung wurde er [geboren]. Um die Ordnung der Handlungen herzustellen, wird Hari als Mensch geboren.
die Tripura-[Schlacht], die Tötung Andhakas, als neunte die Tötung Vṛtras; dann der ‚Sieg‘ [?], der Hālāhala[-Kampf] und die schreckliche Kolāhala-Schlacht.
Wort für Wort
traipuraḥ
die Tripura-Schlacht
andhaka-vadhaḥ
die Tötung Andhakas
navamaḥ vṛtra-ghātakaḥ
die neunte: Vṛtra-Tötung
jitaḥ (?) hālāhalaḥ
‚Sieg‘ (?), Hālāhala
ghoraḥ kolāhalaḥ raṇaḥ
die schreckliche Kolāhala-Schlacht
jito an Stelle des zehnten Schlachtnamens (anderswo dhvaja) wohl verderbt; nach V. 22 ist Paraśurāmas Kampf gegen Śālva u.a. gemeint.
manthānaṃ mandaraṃ kṛtvā netraṃ kṛtvā tu vāsukim / surāsuraiś ca mathitaṃ devebhyaścāmṛtaṃ dadau //
Nachdem er den Mandara zum Quirlstock und Vāsuki zum Seil gemacht hatte, wurde von Göttern und Asuras gequirlt, und er gab den Göttern den Unsterblichkeitstrank.
In der Tārakāmaya-Schlacht wurden damals ebenfalls die Götter beschützt, indem [Brahmā] Indra, den Lehrer, die Götter und die Dānavas zurückhielt – [jenen Streit,] den das Mondgeschlecht verursacht hatte [?].
Wort für Wort
tārakāmaya-saṅgrāme
in der Tārakāmaya-Schlacht
devāḥ pālitāḥ
die Götter wurden geschützt
nivārya indram gurūn
Indra und den Lehrer zurückhaltend
devān dānavān
Götter und Dānavas
soma-vaṃśa-kṛtam
vom Mondgeschlecht verursacht
Subjekt (Brahmā bzw. Hari) nicht genannt; somavaṃśakṛtam syntaktisch lose; gurūn Plural statt Singular.
Auf dem Erd-Wagen, mit Brahmā als Wagenlenker, war Hari der Pfeil [?] des Īśa (Śiva); er, der Beschützer der Götter, der Zermalmer der Daityas, verbrannte Tripura.
Wort für Wort
pṛthvī-rathe
auf dem Erd-Wagen
brahma-yantuḥ
mit Brahmā als Lenker
īśasya śaraḥ (śaraṇaḥ)
Pfeil (Zuflucht) des Īśa
dadāha tripuram
verbrannte Tripura
daitya-mardanaḥ
Daitya-Zermalmer
śaraṇo „Zuflucht“ wohl verderbt für śaro „Pfeil“ (Viṣṇu als Pfeil Śivas im Tripura-Mythos).
śālvādīn dānavān jitvā hariḥ paraśurāmakaḥ / apālayat surādīṃś ca duṣṭakṣatraṃ nihatya ca //
Nachdem Hari als Paraśurāma die Dānavas Śālva und die übrigen besiegt und die bösen Kṣatriyas erschlagen hatte, schützte er die Götter und die übrigen [Wesen].