Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 74: śivapūjā Die Verehrung Śivas

Ausführliche Darstellung der täglichen Śiva-Verehrung: Eintritt in das Opferhaus und Vertreibung der Hindernisse, Beschaffung des Wassers, Reinigung der Elemente (bhūtaśuddhi) mit ihren Maṇḍalas, Keimsilben und Kalās, innere Verehrung, Bereitung des Arghya, Reinigung des Liṅga, dann äußere Verehrung mit Sitz, Herbeirufung, Gaben, Glieder-Mantras, Gefolgsgottheiten und Rezitation. Titel im Kopf „śivapūjākathanaṃ“, im Kolophon „śivapūjā“. Zahlreiche Mantra- und Namensformen sind in der Digitalisierung verderbt (u. a. V. 1, 21, 35).

īśvara uvāca | śivapūjāṃ pravakṣyāmi ācamya praṇavārghyavān / dvāramastrāmbunā prokṣya homādidvārapānyajet //

Īśvara sprach: Ich werde die Verehrung Śivas darlegen. Nachdem man Wasser geschlürft hat und mit dem Praṇava (oṃ) die Wasserspende bereithält, besprenge man die Tür mit Waffen-Wasser [Anm.: mit dem Astra-Mantra geweihtem Wasser] und verehre die Türhüter, beginnend mit „hāṃ“ [?].

Wort für Wort
śiva-pūjām
Verehrung Śivas
ācamya
Wasser geschlürft habend
praṇava-arghyavān
mit oṃ und Wasserspende versehen
dvāram astra-ambunā prokṣya
die Tür mit Waffen-Wasser besprengend
dvāra-pān yajet
soll die Türhüter verehren

homādi evtl. verderbt (hāṃ ādi bzw. oṃ ādi).

gaṇaṃ sarasvatīṃ lakṣmīmūrdhvodumbarake yajet / nandigaṅge dakṣiṇe 'tha sthite vāmagate yajet //

Gaṇa, Sarasvatī und Lakṣmī verehre man auf der oberen Türschwelle; Nandin und Gaṅgā, die rechts stehen, dann die links befindlichen verehre man:

Wort für Wort
gaṇam sarasvatīm lakṣmīm
Gaṇa, Sarasvatī, Lakṣmī
ūrdhva-udumbarake
auf der oberen Schwelle
nandi-gaṅge
Nandin und Gaṅgā
dakṣiṇe sthite
rechts stehend
vāma-gate
links befindlich

mahākālaṃ ca yamunāṃ divyadṛṣṭinipātitaḥ / utsārya divyān vighnāṃś ca puṣpākṣepāntarikṣagān //

Mahākāla und Yamunā. Durch das Werfen des göttlichen Blicks vertreibe man die himmlischen Hindernisse, durch das Werfen von Blumen die im Luftraum befindlichen,

Wort für Wort
mahākālam yamunām
Mahākāla und Yamunā
divya-dṛṣṭi-nipātataḥ
durch Werfen des göttlichen Blicks
utsārya
vertreibend
divyān vighnān
die himmlischen Hindernisse
puṣpa-ākṣepa
Blumenwurf
antarikṣa-gān
die im Luftraum befindlichen

nipātitaḥ wohl für nipātataḥ.

dakṣapārṣṇitribhirghātaibhūmiṣṭhānyāgamandiraṃ / dehalīṃ laṅghayedvāmaśākhāmāśritya vai viśet //

durch drei Stöße mit der rechten Ferse die auf der Erde befindlichen. Dann überschreite man die Schwelle des Opferhauses und trete ein, indem man sich an den linken Türpfosten hält.

Wort für Wort
dakṣa-pārṣṇi
rechte Ferse
tribhiḥ ghātaiḥ
mit drei Stößen
bhūmi-ṣṭhān
die auf der Erde
yāga-mandiram
Opferhaus
dehalīm laṅghayet
soll die Schwelle überschreiten
vāma-śākhām āśritya
am linken Pfosten haltend

ghātaibhūmiṣṭhān für ghātair bhūmiṣṭhān.

praviśya dakṣapādena vinyasyāstramudumbare / oṃ hāṃ vāstvadhipataye brahmaṇe madhyato yajet //

Mit dem rechten Fuß eingetreten, setze man das Waffen-[Mantra] auf die Schwelle; „oṃ hāṃ vāstvadhipataye brahmaṇe“ [Anm.: oṃ hāṃ, dem Herrn des Bauplatzes, dem Brahman] verehre man in der Mitte.

Wort für Wort
praviśya dakṣa-pādena
mit dem rechten Fuß eintretend
vinyasya astram
die Waffe einsetzend
udumbare
auf der Schwelle
vāstu-adhipataye
dem Herrn des Bauplatzes
madhyataḥ yajet
soll in der Mitte verehren

nirīkṣaṇādibhiḥ śastraiḥ śuddhānādāya gaḍḍukān / labdhānujñaḥ śivānmaunī gaṅgādikamanuvrajet //

Die durch Betrachtung usw. und die Waffen-[Mantras] gereinigten Wasserkrüge nehmend, gehe man, von Śiva ermächtigt, schweigend zur Gaṅgā oder einem anderen [Gewässer].

Wort für Wort
nirīkṣaṇa-ādibhiḥ
durch Betrachten usw.
śastraiḥ śuddhān
durch die Waffen gereinigt
gaḍḍukān
Wasserkrüge
labdha-anujñaḥ śivāt
von Śiva ermächtigt
maunī
schweigend
gaṅgā-ādikam anuvrajet
soll zur Gaṅgā usw. gehen

pavitrāṅgaḥ prajaptena vastrapūtena vāriṇā / pūrayedambudhau tāṃstān gayatryā hṛdayena vā //

Mit geläutertem Leib fülle man sie jeweils am Gewässer mit besprochenem, durch ein Tuch geseihtem Wasser, unter der Gāyatrī oder dem Herz-[Mantra].

Wort für Wort
pavitra-aṅgaḥ
mit reinem Leib
prajaptena
besprochen
vastra-pūtena vāriṇā
mit tuchgeseihtem Wasser
pūrayet
soll füllen
gāyatryā hṛdayena vā
mit der Gāyatrī oder dem Herz-Mantra

gandhakākṣata puṣpādisarvadravyasamuccayaṃ / sannidhīkṛtya pūjārthaṃ bhūtaśuddhādi kārayet //

Nachdem man die Gesamtheit aller Substanzen – Duftstoffe, ungebrochene Körner, Blumen usw. – zur Verehrung bereitgestellt hat, vollziehe man die Reinigung der Elemente (bhūtaśuddhi) usw.

Wort für Wort
gandha-akṣata-puṣpa-ādi
Duft, Körner, Blumen usw.
sarva-dravya-samuccayam
die Gesamtheit aller Substanzen
sannidhī-kṛtya
bereitgestellt habend
pūjā-artham
zur Verehrung
bhūta-śuddhi-ādi
Elementenreinigung usw.

devadakṣe tato nyasya saumyāsyaś ca śarīrataḥ / saṃhāramudrayādāya mūrdhni mantreṇa dhārayet //

Dann setze man [sich] rechts vom Gott nieder, nach Norden gewandt, nehme vom Körper [etwas] mit der Rücknahme-Mudrā auf und halte es mit dem Mantra auf dem Haupt [?].

Wort für Wort
deva-dakṣe
rechts vom Gott
nyasya
hinsetzend
saumya-āsyaḥ
nach Norden gewandt
saṃhāra-mudrayā ādāya
mit der Rücknahme-Mudrā nehmend
mūrdhni mantreṇa dhārayet
soll mit dem Mantra auf dem Haupt halten

Objekt von ādāya/dhārayet nicht genannt; Sinn unsicher.

bhogyakarmopabhogārthaṃ pāṇikacchapikākhyayā / hṛdambuje nijātmānaṃ dvādaśāntapade 'thavā //

Um die zu genießenden Karmafrüchte zu genießen, [halte man] mit der sogenannten Hand-Schildkröte (kacchapikā-Mudrā) das eigene Selbst im Herzlotos oder aber an der Stelle des Dvādaśānta [Anm.: zwölf Finger über dem Scheitel].

Wort für Wort
bhogya-karma-upabhoga-artham
zum Genuss der zu genießenden Karmafrüchte
pāṇi-kacchapikā-ākhyayā
mit der „Hand-Schildkröte“ genannten [Mudrā]
hṛt-ambuje
im Herzlotos
nija-ātmānam
das eigene Selbst
dvādaśānta-pade
an der Stelle des Dvādaśānta

śodhayet pañcabhūtāni sañcintya śuṣirantanau / caraṇāṅguṣṭhayoryugmān śuṣirāntarvahiḥ smaret //

Man reinige die fünf Elemente, indem man den Körper als hohl vorstellt; die beiden großen Zehen stelle man sich als paarweise innen und außen hohl vor [?].

Wort für Wort
śodhayet pañca-bhūtāni
soll die fünf Elemente reinigen
sañcintya
vorstellend
śuṣiram tanau
Hohlraum im Körper
caraṇa-aṅguṣṭhayoḥ
an den großen Zehen
antar-bahiḥ smaret
soll innen und außen vorstellen

śaktiṃ hṛdvyāpinīṃ paścāddhūṅkāre pāvakaprabhe / randhramadhyasthite kṛtvā prāṇarodhaṃ hi cintakaḥ //

Danach die das Herz durchdringende Śakti im feuerglänzenden „hūṃ“-Laut, der in der Mitte der Öffnung weilt; nachdem der Meditierende den Atem angehalten hat,

Wort für Wort
śaktim hṛd-vyāpinīm
die herzdurchdringende Śakti
hūṅkāre pāvaka-prabhe
im feuerglänzenden hūṃ-Laut
randhra-madhya-sthite
in der Mitte der Öffnung befindlich
prāṇa-rodham kṛtvā
den Atem angehalten habend
cintakaḥ
der Meditierende

niveśayedrecakānte phaḍantenātha tena ca / hṛtkaṇṭhatālubhrūmadhyabrahmarandhre vibhidya ca //

setze er [sie] am Ende der Ausatmung ein, und dann mit dem auf „phaṭ“ endenden [Mantra], Herz, Kehle, Gaumen, Brauenmitte und Brahma-Öffnung durchstoßend

Wort für Wort
niveśayet
soll einsetzen
recaka-ante
am Ende der Ausatmung
phaṭ-antena
mit dem auf phaṭ endenden
hṛt-kaṇṭha-tālu-bhrū-madhya
Herz, Kehle, Gaumen, Brauenmitte
brahma-randhre vibhidya
die Brahma-Öffnung durchstoßend

granthīnnirbhidya hūṅkāraṃ mūrdhni vinyasya jīvanaṃ / sampuṭaṃ hṛdayenātha pūrakāhitacetanaṃ //

und die Knoten durchbrechend, [setze er] den „hūṃ“-Laut auf das Haupt; [dann] das Lebensprinzip (jīva), mit dem Herz-[Mantra] umschlossen, das durch die Einatmung eingebrachte Bewusstsein,

Wort für Wort
granthīn nirbhidya
die Knoten durchbrechend
hūṅkāram mūrdhni vinyasya
hūṃ aufs Haupt setzend
jīvanam
das Lebensprinzip
sampuṭam hṛdayena
mit dem Herz-Mantra umschlossen
pūraka-āhita-cetanam
das durch Einatmung eingebrachte Bewusstsein

hūṃ śikhopari vinyasya śuddhaṃ vindvātmakaṃ smaret / kṛtvātha kumbhakaṃ śambhau ekodghātena yojayet //

– „hūṃ“ über dem Haarschopf einsetzend – stelle er sich rein und von der Natur des Bindu vor. Dann, die Atemverhaltung (kumbhaka) vollziehend, vereine er es mit Śambhu in einem einzigen Anstoß (udghāta).

Wort für Wort
śikhā-upari vinyasya
über dem Haarschopf einsetzend
śuddham bindu-ātmakam
rein, bindu-artig
kumbhakam kṛtvā
Atemverhaltung vollziehend
śambhau
in Śambhu
eka-udghātena yojayet
soll mit einem Anstoß vereinen

recakena vījavṛttyā śive līno 'tha śodhayet / pratilomaṃ svadehe tu vindvantaṃ tatra vindukaṃ //

Durch die Ausatmung, auf dem Weg der Keimsilbe, in Śiva aufgelöst, reinige er dann [die Elemente]; in umgekehrter Folge im eigenen Körper aber bis zum Bindu, dort den Bindu

Wort für Wort
recakena
durch die Ausatmung
bīja-vṛttyā
auf dem Weg der Keimsilbe
śive līnaḥ
in Śiva aufgelöst
pratilomam
in umgekehrter Folge
sva-dehe
im eigenen Körper
bindu-antam
bis zum Bindu

layannītvā mahīvātau jalavahnī parasparaṃ / dvau dvau sādhyau tathākāśamavirodhena tacchṛṇu //

in Auflösung führend. Erde und Wind, Wasser und Feuer [stehen] einander [entgegen]; je zwei sind zu bewältigen, ebenso der Raum, ohne Widerstreit – das höre.

Wort für Wort
layam nītvā
in Auflösung führend
mahī-vātau
Erde und Wind
jala-vahnī
Wasser und Feuer
parasparam
gegenseitig
dvau dvau sādhyau
je zwei zu bewältigen
ākāśam avirodhena
der Raum ohne Widerstreit

layannītvā für layaṃ nītvā.

pārthivaṃ maṇḍalaṃ pītaṃ kaṭhinaṃ vajralāñchitaṃ / haumityātmīyavījena tannivṛttikalāmayaṃ //

Das Maṇḍala der Erde ist gelb, fest, mit dem Donnerkeil gezeichnet; mit seiner eigenen Keimsilbe „hauṃ“ [?] ist es aus der Nivṛtti-Kalā bestehend.

Wort für Wort
pārthivam maṇḍalam
das Erd-Maṇḍala
pītam kaṭhinam
gelb, fest
vajra-lāñchitam
mit dem Donnerkeil gezeichnet
ātmīya-bījena
mit der eigenen Keimsilbe
nivṛtti-kalā-mayam
aus der Nivṛtti-Kalā bestehend

Bīja-Silbe der Erde hier „hauṃ“; sonst meist anders überliefert.

padādārabhya mūrdhānaṃ vicintya caturasrakaṃ / udghātapañcakenaiva vāyubhūtaṃ vicintayet //

Von den Füßen an bis zum Haupt [?] stelle man es sich viereckig vor; mit fünf Anstößen stelle man sich [dann] das Element Wind vor.

Wort für Wort
padāt ārabhya
von den Füßen an
mūrdhānam
bis zum Haupt
caturasrakam
viereckig
udghāta-pañcakena
mit fünf Anstößen
vāyu-bhūtam vicintayet
soll das Wind-Element vorstellen

Verteilung der Elemente auf den Körper; Sinn von vāyubhūtaṃ im Zusammenhang (Paarung Erde–Wind, V. 17) zu verstehen.

ardhacandraṃ dravaṃ saumyaṃ śubhrasambhojalāñchitaṃ / hrīmityanena vījena pratiṣṭhārūpatāṃ gataṃ //

[Das Wasser-Maṇḍala ist] halbmondförmig, flüssig, kühl, weiß, mit Lotos gezeichnet; durch diese Keimsilbe „hrīṃ“ hat es die Gestalt der Pratiṣṭhā-[Kalā] angenommen,

Wort für Wort
ardha-candram
halbmondförmig
dravam saumyam
flüssig, kühl
śubhram ambhoja-lāñchitam
weiß, mit Lotos gezeichnet
hrīm iti bījena
durch die Keimsilbe hrīṃ
pratiṣṭhā-rūpatām gatam
zur Gestalt der Pratiṣṭhā geworden

śubhrasambhoja für śubhraṃ sāmbhoja-.

saṃyuktaṃ rāmamantreṇa puruṣāntamakāraṇaṃ / arghyañcaturbhirudghātair vahnibhūtaṃ viśodhayet //

verbunden mit dem Rāma-[?]-Mantra, bis zum Puruṣa reichend, ohne Ursache [?]; mit vier Anstößen reinige man das Element Feuer.

Wort für Wort
saṃyuktam
verbunden
rāma-mantreṇa
mit dem Rāma-(?)Mantra
puruṣa-antam
bis zum Puruṣa reichend
caturbhiḥ udghātaiḥ
mit vier Anstößen
vahni-bhūtam viśodhayet
soll das Feuer-Element reinigen

rāmamantreṇa, akāraṇaṃ, arghyañ unklar bzw. verderbt (evtl. vāmamantreṇa „mit dem Vāmadeva-Mantra“).

āgneyaṃ maṇḍalaṃ tryastraṃ raktaṃ svastikalāñchitaṃ / hūmityanena vījena vidyārūpaṃ vibhāvayet //

Das Maṇḍala des Feuers ist dreieckig, rot, mit dem Svastika gezeichnet; durch diese Keimsilbe „hūṃ“ stelle man es sich in der Gestalt der Vidyā-[Kalā] vor.

Wort für Wort
āgneyam maṇḍalam
das Feuer-Maṇḍala
tryasram raktam
dreieckig, rot
svastika-lāñchitam
mit dem Svastika gezeichnet
hūm iti bījena
durch die Keimsilbe hūṃ
vidyā-rūpam vibhāvayet
soll es als Vidyā-Gestalt vorstellen

ghorāṇutribhirudghātair jalabhūtaṃ viśodhayet / ṣaḍasraṃ maṇḍalaṃ vāyorvindubhiḥ ṣaḍbhiraṅkitaṃ //

Mit dem Aghora-Mantra (aṇu) in drei Anstößen reinige man das Element Wasser. Das Maṇḍala des Windes ist sechseckig, mit sechs Punkten gezeichnet,

Wort für Wort
ghora-aṇu
das Aghora-Mantra
tribhiḥ udghātaiḥ
mit drei Anstößen
jala-bhūtam viśodhayet
soll das Wasser-Element reinigen
ṣaḍ-asram maṇḍalam vāyoḥ
das sechseckige Wind-Maṇḍala
bindubhiḥ ṣaḍbhiḥ aṅkitam
mit sechs Punkten gezeichnet

kṛṣṇaṃ hremiti vījena jātaṃ śāntikalāmayaṃ / sañcityodghātayugmena pṛthvībhūtaṃ viśodhayet //

schwarz, aus der Keimsilbe „hreṃ“ entstanden, aus der Śānti-Kalā bestehend; nachdem man es sich vorgestellt hat, reinige man mit zwei Anstößen das Element Erde.

Wort für Wort
kṛṣṇam
schwarz
hrem iti bījena jātam
aus der Keimsilbe hreṃ entstanden
śānti-kalā-mayam
aus der Śānti-Kalā bestehend
udghāta-yugmena
mit zwei Anstößen
pṛthvī-bhūtam viśodhayet
soll das Erd-Element reinigen

sañcityo- für sañcintyo-.

nabhovindumayaṃ vṛttaṃ vinduśaktivibhūṣitaṃ / vyomākāraṃ suvṛttañca śuddhasphaṭikanirmalaṃ //

[Das Maṇḍala] des Raumes ist aus Bindu bestehend, rund, mit Bindu und Śakti geschmückt, raumgestaltig, schön rund, fleckenlos wie reiner Kristall,

Wort für Wort
nabhaḥ
Raum
bindu-mayam vṛttam
aus Bindu, rund
bindu-śakti-vibhūṣitam
mit Bindu und Śakti geschmückt
vyoma-ākāram
raumgestaltig
śuddha-sphaṭika-nirmalam
rein wie klarer Kristall

hauṅkāreṇa phaḍantena śāntyatītakalāmayaṃ / dhyātvaikodghātayogena suviśuddhaṃ vibhāvayet //

mit dem „hauṃ“-Laut, der auf „phaṭ“ endet, aus der Śāntyatīta-Kalā bestehend; nachdem man darüber meditiert hat, stelle man es sich durch einen einzigen Anstoß als völlig gereinigt vor.

Wort für Wort
hauṅkāreṇa phaṭ-antena
mit hauṃ, auf phaṭ endend
śānti-atīta-kalā-mayam
aus der Śāntyatīta-Kalā bestehend
dhyātvā
meditiert habend
eka-udghāta-yogena
mit einem Anstoß
su-viśuddham vibhāvayet
soll als völlig rein vorstellen

āpyāyayettataḥ sarvaṃ mūlenāmṛtavarṣiṇā / ādhārākhyāmanantañca dharmajñānādipaṅkajaṃ //

Dann erquicke man alles mit dem nektarregnenden Wurzelmantra. Den sogenannten Träger (ādhāra), Ananta und den Lotos von Dharma, Jñāna usw.

Wort für Wort
āpyāyayet
soll erquicken
mūlena amṛta-varṣiṇā
mit dem nektarregnenden Wurzelmantra
ādhāra-ākhyām
den „Träger“ Genannten
anantam
Ananta
dharma-jñāna-ādi-paṅkajam
den Lotos aus Dharma, Wissen usw.

hṛdāsanamidaṃ dhyātvā mūrtimāvāhayettataḥ / sṛṣṭyā śivamayaṃ tasyāmātmānaṃ dvādaśāntataḥ //

– über diesen Herzsitz meditierend, rufe man dann die Gestalt (mūrti) herbei; in der Schöpfungsfolge [setze man] in sie das Śiva-hafte Selbst vom Dvādaśānta her.

Wort für Wort
hṛt-āsanam idam dhyātvā
diesen Herzsitz meditierend
mūrtim āvāhayet
soll die Gestalt herbeirufen
sṛṣṭyā
in Schöpfungsfolge
śiva-mayam ātmānam
das Śiva-hafte Selbst
dvādaśāntataḥ
vom Dvādaśānta her

atha tāṃ śaktimantreṇa vauṣaḍantena sarvataḥ / divyāmṛtena samplāvya kurvīta sakalīkṛtaṃ //

Dann, nachdem man sie mit dem Śakti-Mantra, das auf „vauṣaṭ“ endet, von allen Seiten mit göttlichem Nektar überflutet hat, vollziehe man die Gliederausstattung (sakalīkaraṇa).

Wort für Wort
śakti-mantreṇa
mit dem Śakti-Mantra
vauṣaṭ-antena
auf vauṣaṭ endend
divya-amṛtena samplāvya
mit göttlichem Nektar überflutend
sakalī-kṛtam kurvīta
soll die Gliederausstattung vollziehen

hṛdayādikarānteṣu kaniṣṭhādyaṅgulīṣu ca / hṛdādimantravinyāsaḥ sakalīkaraṇaṃ mataṃ //

Die Einsetzung der Mantras Herz usw. an den Teilen der Hand, [beginnend] beim Herz[-Mantra], und an den Fingern, beginnend mit dem kleinen Finger, gilt als Sakalīkaraṇa.

Wort für Wort
hṛdaya-ādi
Herz usw.
kara-anteṣu
an den Teilen der Hand
kaniṣṭha-ādi-aṅgulīṣu
an den Fingern vom kleinen an
mantra-vinyāsaḥ
Einsetzung der Mantras
sakalī-karaṇam matam
gilt als Sakalīkaraṇa

astreṇa rakṣya prākāraṃ tanmantreṇātha tadvahiḥ / śaktijālamadhaścordhvaṃ mahāmudrāṃ pradarśayet //

Mit dem Waffen-[Mantra] schütze man die Umwallung, dann mit dessen Mantra außerhalb davon das Śakti-Netz unten und oben; man zeige die Große Mudrā (mahāmudrā).

Wort für Wort
astreṇa rakṣya prākāram
mit der Waffe den Wall schützend
tat-mantreṇa
mit dessen Mantra
tat bahiḥ
außerhalb davon
śakti-jālam adhaḥ ca ūrdhvam
das Śakti-Netz unten und oben
mahā-mudrām pradarśayet
soll die Große Mudrā zeigen

āpadamastakaṃ yāvad bhāvapuṣpaiḥ śivaṃ hṛdi / padme yajet pūrakeṇa ākṛṣṭāmṛtasadghṛtaiḥ //

Von den Füßen bis zum Scheitel verehre man Śiva im Herzlotos mit Gedankenblumen, unter Einatmung, mit herangezogenem Nektar und gutem Ghee.

Wort für Wort
ā-pada-mastakam
von den Füßen bis zum Scheitel
bhāva-puṣpaiḥ
mit Gedankenblumen
hṛdi padme yajet
soll im Herzlotos verehren
pūrakeṇa
mit der Einatmung
ākṛṣṭa-amṛta-sat-ghṛtaiḥ
mit herangezogenem Nektar und gutem Ghee

śivamantrair nābhikuṇḍe tarpayeta śivānalaṃ / lalāṭe vindurūpañca cintayecchubhavigrahaṃ //

Mit den Śiva-Mantras labe man im Nabel-Feuerkessel das Śiva-Feuer; auf der Stirn stelle man sich [Śiva] in Bindu-Gestalt und mit glückverheißendem Leib vor.

Wort für Wort
śiva-mantraiḥ
mit den Śiva-Mantras
nābhi-kuṇḍe
im Nabel-Feuerkessel
tarpayeta śiva-analam
soll das Śiva-Feuer laben
lalāṭe bindu-rūpam
auf der Stirn in Bindu-Gestalt
śubha-vigraham
mit glückverheißendem Leib

ekaṃ svarṇādipātrāṇāṃ pātramastrāmbuśodhitaṃ / vinduprasūtapīyūṣarūpatoyākṣatādinā //

Ein Gefäß von den Gefäßen aus Gold usw., mit Waffen-Wasser gereinigt, [fülle man] mit Wasser, das die Gestalt des aus dem Bindu fließenden Nektars hat, mit ungebrochenen Körnern usw.,

Wort für Wort
ekam svarṇa-ādi-pātrāṇām
eines der Gefäße aus Gold usw.
astra-ambu-śodhitam
mit Waffen-Wasser gereinigt
bindu-prasūta-pīyūṣa-rūpa-toya
Wasser in Gestalt des Bindu-Nektars
akṣata-ādinā
mit Körnern usw.

hṛdāpūrya ṣaḍaṅgena pūjayitvābhimantrayet / saṃrakṣya heti mantreṇa kavacena viguṇṭhayet //

fülle es mit dem Herz-[Mantra], verehre es mit dem Sechsglieder-[Mantra] und bespreche es; nachdem man es mit dem Mantra „he“ [?] geschützt hat, verhülle man es mit dem Panzer-[Mantra].

Wort für Wort
hṛdā āpūrya
mit dem Herz-Mantra füllend
ṣaḍ-aṅgena pūjayitvā
mit dem Sechsglieder-Mantra verehrend
abhimantrayet
soll besprechen
saṃrakṣya heti-mantreṇa
mit dem Waffen-Mantra schützend
kavacena viguṇṭhayet
soll mit dem Panzer verhüllen

heti evtl. für hetinā/astreṇa (heti „Waffe“).

racayitvārghyamaṣṭāṅgaṃ secayeddhenumudrayā / abhiṣiñcedathātmānaṃ mūrdhni tattoyavindunā //

Nachdem man das achtteilige Arghya bereitet hat, besprenge man es [unter] der Kuh-Mudrā; dann salbe man sich selbst auf dem Haupt mit einem Tropfen dieses Wassers.

Wort für Wort
racayitvā arghyam aṣṭa-aṅgam
das achtteilige Arghya bereitend
secayet dhenu-mudrayā
soll mit der Kuh-Mudrā besprengen
abhiṣiñcet ātmānam
soll sich selbst salben
mūrdhni
auf dem Haupt
tat-toya-bindunā
mit einem Tropfen dieses Wassers

tatrasthaṃ yāgasambhāraṃ prokṣayedastravāriṇā / abhimantrya hṛdā piṇḍaistanutrāṇena veṣṭayet //

Die dort befindlichen Opfergeräte besprenge man mit Waffen-Wasser; nachdem man sie mit dem Herz-[Mantra] besprochen hat, umhülle man die Dinge (piṇḍa) mit dem Körperschutz [Anm.: Panzer-Mantra].

Wort für Wort
tatra-stham yāga-sambhāram
die dort befindlichen Opfergeräte
prokṣayet astra-vāriṇā
soll mit Waffen-Wasser besprengen
abhimantrya hṛdā
mit dem Herz-Mantra besprechend
piṇḍaiḥ
die Dinge
tanu-trāṇena veṣṭayet
soll mit dem Körperschutz umhüllen

darśayitvāmṛtāṃ mudrāṃ puṣpaṃ datvā nijāsane / vidhāya tilakaṃ mūrdhni puṣpaṃ mūlena yojayet //

Nachdem man die Amṛta-Mudrā gezeigt und auf den eigenen Sitz eine Blume gegeben hat, mache man ein Stirnzeichen (tilaka) und setze mit dem Wurzelmantra eine Blume auf das Haupt.

Wort für Wort
darśayitvā amṛtām mudrām
die Amṛta-Mudrā zeigend
puṣpam dattvā nija-āsane
eine Blume auf den eigenen Sitz gebend
vidhāya tilakam
ein Stirnzeichen machend
mūrdhni puṣpam
eine Blume aufs Haupt
mūlena yojayet
soll mit dem Wurzelmantra setzen

snāne devārcane home bhojane yāgayogayoḥ / āvaśyake jape dhīraḥ sadā vācaṃyamo bhavet //

Beim Bad, bei der Götterverehrung, beim Feueropfer, beim Essen, bei Opfer und Yoga, bei der Notdurft und bei der Rezitation soll der Standhafte stets die Rede zügeln.

Wort für Wort
snāne deva-arcane home
bei Bad, Götterverehrung, Opfer
bhojane
beim Essen
yāga-yogayoḥ
bei Opfer und Yoga
āvaśyake jape
bei Notdurft und Rezitation
vācaṃyamaḥ bhavet
soll die Rede zügeln

nādāntoccāraṇānmantraṃ śodhayitvā susaṃskṛtaṃ / pūjane 'bhyarcya gāyatryā sāmānyārghyamupāharet //

Nachdem man das Mantra durch Aussprechen bis zum Nāda gereinigt und wohl bereitet hat und bei der Verehrung mit der Gāyatrī verehrt hat, bringe man das allgemeine Arghya dar.

Wort für Wort
nāda-anta-uccāraṇāt
durch Aussprechen bis zum Nāda
mantram śodhayitvā
das Mantra reinigend
su-saṃskṛtam
wohl bereitet
gāyatryā abhyarcya
mit der Gāyatrī verehrend
sāmānya-arghyam upāharet
soll das allgemeine Arghya darbringen

brahmapañcakamāvartya mālyamādāya liṅgataḥ / aiśānyāndiśi caṇḍāya hṛdayena nivedayet //

Die fünf Brahma-[Mantras] wiederholend, nehme man den Kranz vom Liṅga und bringe ihn in nordöstlicher Richtung dem Caṇḍa mit dem Herz-[Mantra] dar.

Wort für Wort
brahma-pañcakam āvartya
die fünf Brahma-Mantras wiederholend
mālyam ādāya liṅgataḥ
den Kranz vom Liṅga nehmend
aiśānyām diśi
in nordöstlicher Richtung
caṇḍāya
dem Caṇḍa
hṛdayena nivedayet
soll mit dem Herz-Mantra darbringen

prakṣālya piṇdikāliṅge astratoye tato hṛdā / arghyapātrāmbunā siñcediti liṅgaviśodhanaṃ //

Nachdem man Sockel und Liṅga mit Waffen-Wasser gewaschen hat, besprenge man es dann mit dem Herz-[Mantra] mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß; das ist die Reinigung des Liṅga.

Wort für Wort
prakṣālya piṇḍikā-liṅge
Sockel und Liṅga waschend
astra-toye
mit Waffen-Wasser
hṛdā
mit dem Herz-Mantra
arghya-pātra-ambunā siñcet
soll mit dem Wasser des Arghya-Gefäßes besprengen
liṅga-viśodhanam
Reinigung des Liṅga

ātamadravyamantraliṅgaśuddhau sarvān surānyajet / vāyavye gaṇapataye hāṃ gurubhyo 'rcayecchive //

Sind Selbst, Substanzen, Mantra und Liṅga gereinigt, verehre man alle Götter: im Nordwesten dem Gaṇapati, „hāṃ gurubhyaḥ“ [Anm.: hāṃ, den Lehrern] verehre man im Nordosten.

Wort für Wort
ātma-dravya-mantra-liṅga-śuddhau
wenn Selbst, Substanz, Mantra, Liṅga rein sind
sarvān surān yajet
soll alle Götter verehren
vāyavye gaṇapataye
im Nordwesten dem Gaṇapati
gurubhyaḥ
den Lehrern
arcayet śive
soll im Nordosten verehren

ātama- für ātma-; śive hier wohl „in der Śiva-(Īśāna-)Richtung“.

ādhāraśaktimaṅkuranibhāṃ kūrmaśilāsthitāṃ / yajed brahmaśilārūḍhaṃ śivasyānantamāsanaṃ //

Die Träger-Śakti (ādhāraśakti), einem Spross gleich, auf dem Schildkrötenstein stehend, verehre man, [ferner] Ananta, den auf dem Brahmastein ruhenden Sitz Śivas;

Wort für Wort
ādhāra-śaktim
die Träger-Śakti
aṅkura-nibhām
einem Spross gleich
kūrma-śilā-sthitām
auf dem Schildkrötenstein stehend
brahma-śilā-ārūḍham
auf dem Brahmastein ruhend
śivasya anantam āsanam
Ananta, den Sitz Śivas

vicitrakeśaprakhyānamanyonyaṃ pṛṣṭadarśinaḥ / kṛtatretādirūpeṇa śivasyāsanapādukāṃ //

[ferner] die Füße des Sitzes Śivas, bunten Löwen gleich, einander den Rücken zukehrend, in der Gestalt von Kṛta, Tretā usw. [Anm.: der Weltalter];

Wort für Wort
vicitra-kesari-prakhyān
bunten Löwen gleich
anyonyam pṛṣṭha-darśinaḥ
einander den Rücken zeigend
kṛta-tretā-ādi-rūpeṇa
in Gestalt von Kṛta, Tretā usw.
āsana-pādukām
die Füße des Sitzes

vicitrakeśa- wohl verderbt für vicitrakesari- „bunte Löwen“; pṛṣṭa- für pṛṣṭha-.

dharmaṃ jñānañca vairāgyamaiśvaryañcāgnidiṅmukhān / kūrpārakuṅkumasvarṇakajjalābhān yajet kramāt //

Dharma, Jñāna, Vairāgya und Aiśvarya, vom Südosten an ausgerichtet, glänzend wie Kampfer, Safran, Gold und Ruß, verehre man der Reihe nach.

Wort für Wort
dharmam jñānam
Rechtsordnung, Erkenntnis
vairāgyam aiśvaryam
Leidenschaftslosigkeit, Herrschermacht
agni-diṅ-mukhān
vom Südosten an gewandt
karpūra-kuṅkuma-svarṇa-kajjala-ābhān
wie Kampfer, Safran, Gold, Ruß glänzend
yajet kramāt
soll der Reihe nach verehren

kūrpāra für karpūra.

padmañca karṇikāmadhye pūrvādau madhyato nava / varadābhayahastāś ca śaktayo dhṛtacāmarāḥ //

Und den Lotos; in der Mitte der Samenkapsel, im Osten usw. und in der Mitte die neun Śaktis, deren Hände Wunschgewährung und Schutz zeigen und die Fliegenwedel halten:

Wort für Wort
padmam
den Lotos
karṇikā-madhye
in der Mitte der Samenkapsel
nava
neun
vara-da-abhaya-hastāḥ
mit wunschgewährenden und schützenden Händen
śaktayaḥ dhṛta-cāmarāḥ
die Śaktis, Fliegenwedel haltend

vāmā jyeṣṭhā ca raudrī ca kālī kalavikāriṇī / balavikaraṇī pūjyā balapramathanī kramāt //

Vāmā, Jyeṣṭhā und Raudrī, Kālī, Kalavikaraṇī, Balavikaraṇī und Balapramathanī sind der Reihe nach zu verehren,

Wort für Wort
vāmā jyeṣṭhā
Vāmā, Jyeṣṭhā
raudrī kālī
Raudrī, Kālī
kalavikaraṇī
Kalavikaraṇī
balavikaraṇī
Balavikaraṇī
balapramathanī
Balapramathanī

kalavikāriṇī für kalavikaraṇī.

hāṃ sarvabhūtadamanī keśarāgre manonmanī / kṣittyādi śuddhavidyāntu tattvavyāpakamāsanaṃ //

„hāṃ“ Sarvabhūtadamanī, an der Spitze der Staubfäden Manonmanī; [dann] den Sitz, der die Tattvas von der Erde bis zur Reinen Wissenheit (śuddhavidyā) durchdringt.

Wort für Wort
sarva-bhūta-damanī
Bezwingerin aller Wesen
keśara-agre
an der Spitze der Staubfäden
manonmanī
Manonmanī
kṣiti-ādi śuddhavidyā-antam
von der Erde bis zur Śuddhavidyā
tattva-vyāpakam āsanam
den die Tattvas durchdringenden Sitz

kṣittyādi für kṣityādi.

nyaset siṃhāsane devaṃ śuklaṃ pañcamukhaṃ vibhuṃ / daśabāhuṃ ca khaṇḍenduṃ dadhānandakṣiṇaiḥ karaiḥ //

Auf den Löwenthron setze man den Gott: weiß, fünfgesichtig, allmächtig, zehnarmig, die Mondsichel tragend, mit den rechten Händen

Wort für Wort
nyaset siṃha-āsane devam
soll den Gott auf den Löwenthron setzen
śuklam pañca-mukham
weiß, fünfgesichtig
vibhum
allmächtig
daśa-bāhum
zehnarmig
khaṇḍa-indum
mit der Mondsichel

śaktyṛṣṭiśūlakhaṭvāṅgavaradaṃ vāmakaiḥ karaiḥ / ḍamaruṃ vījapurañca nīlābjaṃ sūtrakotpalaṃ //

Speer, Schwert, Dreizack, Schädelstab (khaṭvāṅga) und Wunschgewährung, mit den linken Händen Trommel (ḍamaru), Zitrone, blauen Lotos, Schnur und Seerose [haltend].

Wort für Wort
śakti-ṛṣṭi-śūla
Speer, Schwert, Dreizack
khaṭvāṅga-varadam
Schädelstab, Wunschgewährung
vāmakaiḥ karaiḥ
mit den linken Händen
ḍamarum bījapūram
Trommel, Zitrone
nīla-abjam sūtraka-utpalam
blauen Lotos, Schnur, Seerose

dvātriṃśallakṣaṇopetāṃ śaivīṃ mūrtintu madhyataḥ / hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye svaprakāśaṃ śivaṃ smaran //

Die mit den zweiunddreißig Merkmalen versehene Śiva-Gestalt aber [setze man] in die Mitte; [sprechend] „hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye“ [Anm.: … der Śiva-Gestalt], Śivas als des Selbstleuchtenden gedenkend,

Wort für Wort
dvātriṃśat-lakṣaṇa-upetām
mit 32 Merkmalen versehen
śaivīm mūrtim
die Śiva-Gestalt
madhyataḥ
in der Mitte
śiva-mūrtaye
der Śiva-Gestalt
sva-prakāśam śivam smaran
des selbstleuchtenden Śiva gedenkend

brahmādikāraṇatyāgānmantraṃ nītvā śivāspadaṃ / tato lalātamadhyasthaṃ sphurattārāpatiprabhaṃ //

durch Aufgeben der Ursachen Brahmā usw. das Mantra zur Stätte Śivas führend; dann den in der Mitte der Stirn Befindlichen, glänzend wie der funkelnde Herr der Sterne (Mond),

Wort für Wort
brahma-ādi-kāraṇa-tyāgāt
durch Aufgeben der Ursachen Brahmā usw.
mantram nītvā śiva-āspadam
das Mantra zur Stätte Śivas führend
lalāṭa-madhya-stham
in der Stirnmitte befindlich
sphurat-tārā-pati-prabham
wie der funkelnde Mond glänzend

lalāta- für lalāṭa-.

ṣaḍaṅgena samākīrṇaṃ vindurūpaṃ paraṃ śivaṃ / puṣpāñjaligataṃ dhyātvā lakṣmīmūrtau niveśayet //

mit den sechs Gliedern erfüllt, den höchsten Śiva in Bindu-Gestalt, in die Handvoll Blumen gelangt meditierend, setze man in die [mit Merkmalen versehene] Gestalt ein.

Wort für Wort
ṣaḍ-aṅgena samākīrṇam
mit den sechs Gliedern erfüllt
bindu-rūpam param śivam
den höchsten Śiva in Bindu-Gestalt
puṣpa-añjali-gatam
in die Blumen-Handvoll gelangt
dhyātvā
meditierend
mūrtau niveśayet
soll in die Gestalt einsetzen

lakṣmīmūrtau evtl. für lakṣmamūrtau bzw. lakṣaṇamūrtau.

oṃ hāṃ hauṃ śivāya nama āvāhanyā hṛddā tataḥ / āvāhya sthāpya sthāpanyā sannidhāyāntikaṃ śivaṃ //

„oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ“ [Anm.: …, Verehrung dem Śiva]; dann mit der Herbeirufungs-[Mudrā] und dem Herz-[Mantra] herbeirufen, mit der Festsetzungs-[Mudrā] festsetzen, Śiva in die Nähe bringen,

Wort für Wort
śivāya namaḥ
Verehrung dem Śiva
āvāhanyā hṛdā
mit der Herbeirufungs-Mudrā und dem Herz-Mantra
āvāhya sthāpya
herbeirufend, festsetzend
sthāpanyā
mit der Festsetzungs-Mudrā
sannidhāya antikam
in die Nähe bringend

hṛddā für hṛdā.

nirodhayenniṣṭhurayā kālakāntyā phaḍantataḥ / vighnānutsārya viṣṭhyātha liṅgamudrāṃ namaskṛtiṃ //

mit der Niṣṭhurā-[Mudrā] festhalten; mit der Kālakānti [?] und dem auf „phaṭ“ Endenden die Hindernisse vertreiben; dann ... [?] die Liṅga-Mudrā und die Verneigung;

Wort für Wort
nirodhayet niṣṭhurayā
soll mit der Niṣṭhurā festhalten
kāla-kāntyā
mit der Kālakānti
phaṭ-antataḥ
mit dem auf phaṭ endenden
vighnān utsārya
die Hindernisse vertreibend
liṅga-mudrām namaskṛtim
Liṅga-Mudrā, Verneigung

viṣṭhyātha unverständlich, verderbt.

hṛdāvaguṇṭhayet paścādāvāhaḥ sammukhī tataḥ / niveśanaṃ sthāpanaṃ syātsannidhānaṃ tavāsmi bhoḥ //

mit dem Herz-[Mantra] verhülle man danach. Die Herbeirufung ist dann die Zuwendung [des Gottes], die Festsetzung ist das Niederlassen, die Nähe (sannidhāna) ist [die Haltung]: „Ich bin dein, o [Herr]!“

Wort für Wort
hṛdā avaguṇṭhayet
soll mit dem Herz-Mantra verhüllen
āvāhaḥ sammukhī
Herbeirufung = Zuwendung
niveśanam sthāpanam
Niederlassen = Festsetzung
sannidhānam
Nähe
tava asmi bhoḥ
ich bin dein, o!

Definitionen der Ritualbegriffe.

ākarmakāṇḍaparyantaṃ sannedheyoparikṣayaḥ / svabhakteś ca prakāśoyastadbhavedavaguṇṭhanaṃ //

Das [Verweilen] bis zum Ende des Ritualabschnitts ist das Festhalten (sannirodha); das Nichtoffenbaren gegenüber den Nicht-Verehrern [?] – das ist das Verhüllen (avaguṇṭhana).

Wort für Wort
ā-karma-kāṇḍa-paryantam
bis zum Ende des Ritualabschnitts
sannirodhaḥ
Festhalten
bhakteḥ
der Verehrung
prakāśaḥ
Offenbarung
avaguṇṭhanam
Verhüllen

Stark verderbt (sannedheyoparikṣayaḥ; svabhakteś ca prakāśo yas); sinngemäß nach der Begriffsreihe übersetzt.

sakalīkaraṇaṃ kṛtvā mantraiḥ ṣaḍbhirathaikatāṃ / aṅgānāmaṅginā sārdhaṃ vidadhyādamṛtīkṛtaṃ //

Nachdem man mit den sechs Mantras die Gliederausstattung (sakalīkaraṇa) vollzogen hat, stelle man dann die Einheit der Glieder mit dem Gliederträger her und vollziehe die Nektarisierung.

Wort für Wort
sakalī-karaṇam kṛtvā
die Gliederausstattung vollziehend
mantraiḥ ṣaḍbhiḥ
mit sechs Mantras
ekatām aṅgānām
Einheit der Glieder
aṅginā sārdham
mit dem Gliederträger
amṛtī-kṛtam
die Nektarisierung

cicchaktihṛdayaṃ śambhoḥ śiva aiśvaryamaṣṭadhā / śikhāvaśitvaṃ cābhedyaṃ tejaḥ kavacamaiśvaraṃ //

Die Geisteskraft ist das Herz Śambhus, das Haupt (śiva) die achtfache Herrschermacht, der Haarschopf die Beherrschung (vaśitva), das unzerbrechliche Feuer der herrscherliche Panzer,

Wort für Wort
cit-śakti
Geisteskraft
hṛdayam śambhoḥ
das Herz Śambhus
aiśvaryam aṣṭadhā
achtfache Herrschermacht
śikhā vaśitvam
Haarschopf = Beherrschung
abhedyam tejaḥ kavacam
unzerbrechliches Feuer = Panzer

pratāpo duḥsahaścāstramantarāyāpahārakaṃ / namaḥ svadhā ca svāhā ca vauṣaṭ ceti yathākramaṃ //

die unerträgliche Glut die Waffe, die Hindernisse beseitigt. „namaḥ“, „svadhā“, „svāhā“, „vauṣaṭ“ usw. der Reihe nach

Wort für Wort
pratāpaḥ duḥsahaḥ
unerträgliche Glut
astram
Waffe
antarāya-apahārakam
Hindernisse beseitigend
namaḥ svadhā svāhā vauṣaṭ
Verehrungs- und Opferrufe
yathā-kramam
der Reihe nach

hṛtpuraḥsaramuccārya pādyādīni nivedayet / pādyaṃ pādāmbujadvandve vaktreṣvācamanīyakaṃ //

mit dem Herz-[Mantra] voran aussprechend, bringe man Fußwasser usw. dar: das Fußwasser an das Paar der Lotosfüße, an die Münder das Schlürfwasser,

Wort für Wort
hṛt-puraḥsaram uccārya
mit dem Herz-Mantra voran aussprechend
pādya-ādīni nivedayet
soll Fußwasser usw. darbringen
pāda-ambuja-dvandve
an die Lotosfüße
vaktreṣu
an die Münder
ācamanīyakam
Schlürfwasser

arghyaṃ śirasi devasya dūrvāpuṣpākṣatāni ca / evaṃ saṃskṛtya saṃskārair daśabhiḥ parameśvaraṃ //

das Arghya auf das Haupt des Gottes, dazu Dūrvā-Gras, Blumen und ungebrochene Körner. Nachdem man so den höchsten Herrn mit den zehn Weihehandlungen bereitet hat,

Wort für Wort
arghyam śirasi devasya
das Arghya auf das Haupt des Gottes
dūrvā-puṣpa-akṣatāni
Dūrvā, Blumen, Körner
evam saṃskṛtya
so bereitet habend
saṃskāraiḥ daśabhiḥ
mit zehn Weihehandlungen
parameśvaram
den höchsten Herrn

yajet pañcopacāreṇa vidhinā kusumādibhiḥ / abhyukṣyoddhartya nirmbhañjya rājikālavaṇādibhiḥ //

verehre man ihn nach der Vorschrift mit den fünf Dienstleistungen, mit Blumen usw. Nachdem man [das Liṅga] besprengt, abgerieben und mit schwarzem Senf, Salz usw. abgewischt hat,

Wort für Wort
pañca-upacāreṇa
mit fünf Dienstleistungen
kusuma-ādibhiḥ
mit Blumen usw.
abhyukṣya udvartya
besprengt, abgerieben
nirmṛjya
abgewischt
rājikā-lavaṇa-ādibhiḥ
mit schwarzem Senf, Salz usw.

nirmbhañjya für nirmṛjya/nirmañjya.

arghyodavindupuṣpādyair gaḍḍūkaiḥ snāpayecchanaiḥ / payodadhighṛtakṣaudraśarkarādyair anukramāt //

bade man es langsam aus Krügen, mit Arghya-Wassertropfen, Blumen usw.; mit Milch, saurer Milch, Ghee, Honig, Zucker usw. der Reihe nach,

Wort für Wort
arghya-uda-bindu-puṣpa-ādyaiḥ
mit Arghya-Tropfen, Blumen usw.
gaḍḍukaiḥ
mit Krügen
snāpayet śanaiḥ
soll langsam baden
payaḥ-dadhi-ghṛta
Milch, saure Milch, Ghee
kṣaudra-śarkarā
Honig, Zucker

īśādimantritardravyair arcya teṣāṃ viparyayaḥ / toyadhūpāntaraiḥ sarvair mūlena snapayecchivaṃ //

mit Substanzen, die mit Īśāna usw. besprochen sind; nachdem man verehrt hat, [folgt] deren Umkehrung [?]; mit Wasser und Räucherwerk dazwischen bade man Śiva mit allem unter dem Wurzelmantra.

Wort für Wort
īśa-ādi-mantritaiḥ dravyaiḥ
mit durch Īśāna usw. besprochenen Substanzen
arcya
verehrt habend
teṣām viparyayaḥ
deren Umkehrung
toya-dhūpa-antaraiḥ
mit Wasser und Räucherwerk dazwischen
mūlena snapayet śivam
soll Śiva mit dem Wurzelmantra baden

viparyayaḥ unklar (Reihenfolge umgekehrt?).

virūkṣya yavacūrṇena yatheṣṭaṃ śītalair jalaiḥ / svaśaktyā gandhatoyena saṃsnāpya śucivāsasā //

Nachdem man es mit Gerstenmehl abgetrocknet hat, [bade man es] nach Belieben mit kühlem Wasser, nach Vermögen mit Duftwasser; nachdem man es gebadet hat, mit reinem Tuch

Wort für Wort
virūkṣya yava-cūrṇena
mit Gerstenmehl abtrocknend
yatheṣṭam śītalaiḥ jalaiḥ
nach Belieben mit kühlem Wasser
sva-śaktyā
nach Vermögen
gandha-toyena
mit Duftwasser
śuci-vāsasā
mit reinem Tuch

nirmārjyārghyaṃ pradadyācca nopari bhrāmayet karaṃ / na śūnyamastakaṃ liṅgaṃ puṣpaiḥ kuryāttato dadet //

abreibend gebe man das Arghya; man schwinge die Hand nicht über [dem Liṅga]; man lasse das Liṅga nicht ohne Blumen auf dem Scheitel; dann gebe man [das Weitere].

Wort für Wort
nirmārjya
abreibend
arghyam pradadyāt
soll das Arghya geben
na upari bhrāmayet karam
soll die Hand nicht darüber schwingen
na śūnya-mastakam liṅgam
das Liṅga nicht mit leerem Scheitel
tataḥ dadet
dann gebe er

candanādyaiḥ samālabhya puṣpaiḥ prārcya śivāṇunā / dhūpabhājanamastreṇa prokṣyābhyarcya śivāṇunā //

Nachdem man es mit Sandel usw. gesalbt und mit Blumen unter dem Śiva-Mantra verehrt hat, das Räuchergefäß mit dem Waffen-[Mantra] besprengt und mit dem Śiva-Mantra verehrt hat,

Wort für Wort
candana-ādyaiḥ samālabhya
mit Sandel usw. salbend
puṣpaiḥ prārcya
mit Blumen verehrend
śiva-aṇunā
mit dem Śiva-Mantra
dhūpa-bhājanam
Räuchergefäß
astreṇa prokṣya
mit dem Waffen-Mantra besprengend

astreṇa pūjitāṃ ghaṇṭāṃ cādāya guggulaṃ dadet / dadyādācamanaṃ paścāt svadhāntaṃ hṛdayāṇunā //

und die mit dem Waffen-[Mantra] verehrte Glocke ergriffen hat, gebe man Guggulu-Harz; danach gebe man Schlürfwasser mit dem Herz-Mantra, das auf „svadhā“ endet.

Wort für Wort
astreṇa pūjitām ghaṇṭām
die mit dem Waffen-Mantra verehrte Glocke
ādāya
ergreifend
guggulam dadet
soll Guggulu geben
ācamanam
Schlürfwasser
svadhā-antam hṛdaya-aṇunā
mit dem auf svadhā endenden Herz-Mantra

ārātrikaṃ samuttārya tathaivācāmayet punaḥ / praṇamyādāya devājñāṃ bhogāṅgāni prapūjayet //

Nachdem man das Lichterschwenken (ārātrika) vollzogen hat, lasse man ebenso wieder schlürfen. Nachdem man sich verneigt und die Erlaubnis des Gottes erhalten hat, verehre man die Glieder des Genusses (bhogāṅga).

Wort für Wort
ārātrikam samuttārya
das Lichterschwenken vollziehend
ācāmayet punaḥ
soll wieder schlürfen lassen
praṇamya
sich verneigend
ādāya deva-ājñām
die Erlaubnis des Gottes erhaltend
bhoga-aṅgāni prapūjayet
soll die Genussglieder verehren

hṛdagnau candrabhaṃ caiśe śivaṃ cāmīkaraprabhaṃ / śikhāṃ raktāñca nairṛtye kṛṣṇaṃ varma ca vāyave //

Im Südosten das Herz, mondfarben, und im Nordosten das Haupt (śiva), goldglänzend; den Haarschopf, rot, im Südwesten; den Panzer, schwarz, im Nordwesten;

Wort für Wort
hṛt agnau
das Herz im Südosten
candra-bham
mondfarben
aiśe śivam
im Nordosten das Haupt
cāmīkara-prabham
goldglänzend
śikhām raktām nairṛtye
den roten Haarschopf im Südwesten
kṛṣṇam varma vāyave
den schwarzen Panzer im Nordwesten

caturvaktraṃ caturbāhuṃ dalasthān pūjayedimān / daṃṣṭrākarālamapyastraṃ pūrvādau vajrasannibhaṃ //

viergesichtig, vierarmig – diese auf den Blättern Befindlichen verehre man; ferner die Waffe, schrecklich durch Hauer, dem Donnerkeil gleich, im Osten usw.

Wort für Wort
catur-vaktram catur-bāhum
viergesichtig, vierarmig
dala-sthān
auf den Blättern befindlich
pūjayet imān
soll diese verehren
daṃṣṭrā-karālam astram
die hauerschreckliche Waffe
vajra-sannibham
dem Donnerkeil gleich

mūle hauṃ śivāya namaḥ oṃ hāṃ hūṃ hīṃ hoṃ śiraś ca / hṛṃ śikhāyai haiṃ varma haścāstraṃ parivārayutāya ca //

Beim Wurzelmantra: „hauṃ śivāya namaḥ“ [Anm.: hauṃ, Verehrung dem Śiva]; „oṃ hāṃ“ [Herz], „hūṃ“ … „hīṃ hoṃ“ und das Haupt, „hṛṃ śikhāyai“ [dem Haarschopf], „haiṃ“ der Panzer, „haḥ“ die Waffe, und „parivārayutāya“ [Anm.: dem mit Gefolge Versehenen].

Wort für Wort
mūle
beim Wurzelmantra
śivāya namaḥ
Verehrung dem Śiva
śiraḥ
Haupt
śikhāyai
dem Haarschopf
varma astram
Panzer, Waffe
parivāra-yutāya
dem mit Gefolge Versehenen

Silbenfolge offensichtlich gestört; nur beschreibend wiedergegeben.

śivāya dadyāt pādyañca ācāmañcārghyameva ca / gandhaṃ puṣpaṃ dhūpadīpaṃ naivedyācamanīyakaṃ //

[So] gebe man dem Śiva Fußwasser, Schlürfwasser und Arghya, Duftstoff, Blume, Räucherwerk und Lampe, Speiseopfer und Schlürfwasser,

Wort für Wort
śivāya dadyāt
soll dem Śiva geben
pādyam ācāmam arghyam
Fußwasser, Schlürfwasser, Arghya
gandham puṣpam
Duft, Blume
dhūpa-dīpam
Räucherwerk und Lampe
naivedya-ācamanīyakam
Speiseopfer und Schlürfwasser

karodvartanatāmbūlaṃ mukhavāsañca darpaṇaṃ / śirasyāropya devasya dūrvākṣatapavitrakaṃ //

Salbe zum Abreiben der Hände, Betel, Mundduft und Spiegel. Nachdem man auf das Haupt des Gottes Dūrvā, Körner und das Läuterungsband (pavitraka) gesetzt hat,

Wort für Wort
kara-udvartana
Handabreibung
tāmbūlam
Betel
mukha-vāsam darpaṇam
Mundduft, Spiegel
śirasi āropya devasya
auf das Haupt des Gottes setzend
dūrvā-akṣata-pavitrakam
Dūrvā, Körner, Läuterungsband

mūlamaṣṭaśataṃ japtvā hṛdayenābhimantritaṃ / carmaṇāveṣṭitaṃ khaḍgaṃ rakṣitaṃ kuśapuṣpakaiḥ //

rezitiere man das Wurzelmantra hundertachtmal; [die Rezitation], mit dem Herz-[Mantra] besprochen, mit dem Panzer umhüllt, mit dem Schwert [Anm.: Waffen-Mantra] geschützt, mit Kuśa und Blumen,

Wort für Wort
mūlam aṣṭa-śatam japtvā
das Wurzelmantra 108-mal rezitierend
hṛdayena abhimantritam
mit dem Herz-Mantra besprochen
varmaṇā āveṣṭitam
mit dem Panzer umhüllt
khaḍgam rakṣitam
durch das Schwert geschützt
kuśa-puṣpakaiḥ
mit Kuśa und Blumen

carmaṇā („mit dem Schild“) wohl für varmaṇā.

akṣatair mudrāyā yuktaṃ śivamudbhavasañjñayā / guhyātiguhyaguptyarthaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japaṃ //

mit Körnern, verbunden mit der Mudrā namens Udbhava, [bringe man] Śiva [dar, sprechend]: „Zur Hütung des Geheimen und Übergeheimen nimm die von uns vollzogene Rezitation an,

Wort für Wort
akṣataiḥ
mit Körnern
mudrayā yuktam udbhava-sañjñayā
mit der Udbhava genannten Mudrā verbunden
guhya-atiguhya-gupti-artham
zur Hütung des Geheimen und Übergeheimen
gṛhāṇa
nimm an
asmat-kṛtam japam
die von uns vollzogene Rezitation

siddhirbhavatu me yena tvatprasādāttvayi sthite / bhogī ślokaṃ paṭhitvādyaṃ dakṣahastena śambhave //

durch die mir Vollendung zuteil werde durch deine Gnade, da ich in dir weile.“ Der nach Genuss Strebende (bhogin) spreche diesen ersten Vers und [gebe] mit der rechten Hand dem Śambhu

Wort für Wort
siddhiḥ bhavatu me
Vollendung werde mir
tvat-prasādāt
durch deine Gnade
tvayi sthite
in dir weilend
bhogī
der nach Genuss Strebende
ślokam paṭhitvā ādyam
den ersten Vers sprechend
dakṣa-hastena
mit der rechten Hand

mūlāṇunārghyatoyena varahaste nivedayet / yatkiñcit kurmahe deva sadā sukṛtaduskṛtaṃ //

mit dem Wurzelmantra und Arghya-Wasser [die Rezitation] in die wunschgewährende Hand. [Der nach Befreiung Strebende spreche:] „Was immer wir tun, o Gott, allezeit, Gutes oder Böses,

Wort für Wort
mūla-aṇunā
mit dem Wurzelmantra
arghya-toyena
mit Arghya-Wasser
vara-haste nivedayet
soll in die wunschgewährende Hand geben
yat kiñcit kurmahe
was immer wir tun
sukṛta-duṣkṛtam
Gutes und Böses

duskṛtaṃ für duṣkṛtaṃ. Die Ergänzung „der nach Befreiung Strebende“ ist aus dem Gegensatz zu bhogī erschlossen.

tanme śivapadasthasya hūṃ kṣaḥ kṣepaya śaṅkara / śivo dātā śivo bhoktā śivaḥ sarvamidaṃ jagat //

das tilge mir, der ich auf der Stufe Śivas stehe – hūṃ kṣaḥ –, o Śaṅkara. Śiva ist der Geber, Śiva der Genießer, Śiva ist diese ganze Welt;

Wort für Wort
tat me
das mir
śiva-pada-sthasya
auf der Stufe Śivas stehend
kṣepaya
tilge
śivaḥ dātā śivaḥ bhoktā
Śiva ist Geber, Śiva Genießer
śivaḥ sarvam idam jagat
Śiva ist diese ganze Welt

śivo jayati sarvatra yaḥ śivaḥ sohameva ca / ślokadvayamadhītyaivaṃ japaṃ devāya cārpayet //

Śiva siegt überall; wer Śiva ist, der bin auch ich.“ Nachdem man so die beiden Verse gesprochen hat, übergebe man die Rezitation dem Gott.

Wort für Wort
śivaḥ jayati sarvatra
Śiva siegt überall
yaḥ śivaḥ saḥ aham eva
wer Śiva ist, der bin ich
śloka-dvayam adhītya
die beiden Verse sprechend
japam devāya arpayet
soll die Rezitation dem Gott übergeben

śivāṅgānāṃ daśāṃśañca datvārghyaṃ stutimācaret / pradakṣiṇīkṛtya nameccāṣṭāṅgañcāṣṭamūrtaye / natvā dhyānādibhiś caiva yajeccitre 'nalādiṣu //

Nachdem man ein Zehntel [der Rezitation] den Gliedern Śivas [dargebracht] und das Arghya gegeben hat, stimme man einen Preis an. Nach der Umwandlung (pradakṣiṇa) verneige man sich mit acht Gliedern vor dem Achtgestaltigen; nach der Verneigung verehre man mit Meditation usw. im Bild, im Feuer usw.

Wort für Wort
śiva-aṅgānām daśa-aṃśam
ein Zehntel für die Glieder Śivas
stutim ācaret
soll einen Preis vollziehen
pradakṣiṇī-kṛtya
umwandelt habend
aṣṭa-aṅgam
mit acht Gliedern
aṣṭa-mūrtaye
dem Achtgestaltigen
citre anala-ādiṣu
im Bild, im Feuer usw.

Sechspädiger Vers.

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