Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 27: dīkṣāvidhikathanam Darlegung der Vorschrift für die Einweihung

Das Kapitel beschreibt die Pāñcarātra-Einweihung (dīkṣā): Vorbereitung des Platzes und der Materialien, Kochen und Verteilen des Caru, Zahnholz-Omen, Gebet an Viṣṇu, Namengebung durch Blumenwurf, den Faden als Sitz der Prakṛti und der Prinzipien, deren rituelle Reinigung, Auflösung und Opferung samt Anwendungs-Mantras sowie Sonderformen für Amtsberechtigte, Sādhakas, Mittellose (Śakti-Einweihung) und die spätere Weltentsagung. Das Kolophon nennt das Kapitel „sarvadīkṣākathana“. V. 44 besteht nur aus einem Halbvers; mehrere Mantras (V. 48–52) sind im Digitalisat verderbt.

nārada uvāca | vakṣye dīkṣāṃ sarvadāñca maṇḍalebje hariṃ yajet / daśamyāmupasaṃhṛtya yāgadravyaṃ samastakaṃ //

Nārada sprach: Ich will die alles gewährende Einweihung (dīkṣā) darlegen. Im Maṇḍala auf dem Lotos soll man Hari verehren, nachdem man am zehnten (Mondtag) sämtliche Opfermaterialien zusammengebracht hat.

Wort für Wort
vakṣye dīkṣām
ich werde die Einweihung darlegen
sarvadām
die alles gewährende
maṇḍale abje
im Maṇḍala auf dem Lotos
daśamyām
am zehnten Mondtag
upasaṃhṛtya
nachdem man zusammengebracht hat
yāga-dravyam samastakam
sämtliche Opfermaterialien

vinyasya nārasiṃhena sammantrya śatavārakaṃ / sarṣapāṃstu phaḍantena rakṣoghnān sarvataḥ kṣipet //

Hat man sie hingelegt und mit dem Narasiṃha(-Mantra) hundertmal besprochen, soll man Senfkörner, die die Rākṣasas vernichten, mit dem auf phaṭ endenden (Mantra) nach allen Seiten werfen.

Wort für Wort
vinyasya
nachdem man hingelegt hat
nārasiṃhena
mit dem Narasiṃha-Mantra
sammantrya
besprochen
sarṣapān
Senfkörner
phaṭ-antena
mit dem auf phaṭ endenden
rakṣoghnān
die Rākṣasas vernichtend

śaktiṃ sarvātmakāṃ tatra nyaset prāsādarūpiṇīṃ / sarvauṣadhiṃ samāhṛtya vikirānabhimantrayet //

Die allumfassende Śakti in der Gestalt des Tempels soll man dort auflegen. Hat man alle Heilkräuter gesammelt, soll man die Streukörner (vikira) besprechen,

Wort für Wort
śaktim sarva-ātmikām
die allumfassende Kraft
prāsāda-rūpiṇīm
tempelgestaltig
sarva-oṣadhim
alle Heilkräuter
vikirān
die Streukörner
abhimantrayet
soll besprechen

śatavāraṃ śubhe pātre vāsudevena sādhakaḥ / saṃsādhya paṇjagavyantu pañcabhirmūlamūrtibhiḥ //

hundertmal in einem schönen Gefäß mit dem Vāsudeva(-Mantra), der Adept. Hat er das Pañcagavya (die fünf Kuhprodukte) mit den fünf Grundgestalt(-Mantras) bereitet,

Wort für Wort
śata-vāram
hundertmal
śubhe pātre
in einem schönen Gefäß
sādhakaḥ
der Adept
pañcagavyam
die fünf Kuhprodukte
mūla-mūrtibhiḥ
mit den Grundgestalten

„paṇjagavya“ = pañcagavya.

nārāyaṇāntaiḥ samprokṣya kuśāgraistena tāṃ bhuvaṃ / vikirānvāsudevena kṣipeduttānapāṇinā //

(mit denen,) die auf Nārāyaṇa enden, besprenge er damit mit Kuśa-Spitzen jenen Boden; die Streukörner werfe er mit dem Vāsudeva(-Mantra) mit nach oben geöffneter Hand,

Wort für Wort
nārāyaṇa-antaiḥ
mit den auf Nārāyaṇa endenden
samprokṣya
besprengend
kuśa-agraiḥ
mit Kuśa-Spitzen
bhuvam
den Boden
uttāna-pāṇinā
mit nach oben geöffneter Hand

tridhā pūrvamukhastiṣṭhan dhyāyet viṣṇuṃ tathā hṛdi / vardhanyā sahite kumbhe sāṅgaṃ viṣṇuṃ prapūjayet //

dreimal, nach Osten gewandt stehend, und meditiere Viṣṇu ebenso im Herzen. Im Krug samt der Vardhanī (dem Gießgefäß) verehre er Viṣṇu mit seinen Gliedern.

Wort für Wort
tridhā
dreimal
pūrva-mukhaḥ tiṣṭhan
nach Osten gewandt stehend
dhyāyet
soll meditieren
vardhanyā sahite kumbhe
im Krug samt Gießgefäß
sa-aṅgam
samt Gliedern

śatavāraṃ mantrayitvā tvastreṇaiva ca vardhanīṃ / acchinnadhārayā siñcan īśānāntaṃ nayecca taṃ //

Hat er die Vardhanī hundertmal mit dem Waffen(-Mantra) besprochen, soll er sie, mit ununterbrochenem Strahl gießend, bis zum Nordosten (Īśāna) führen.

Wort für Wort
astreṇa
mit dem Waffen-Mantra
vardhanīm
das Gießgefäß
acchinna-dhārayā
mit ununterbrochenem Strahl
siñcan
gießend
īśāna-antam
bis zum Nordosten

kalasaṃ pṛṣṭhato nītvā sthāpayedvikiropari / saṃhṛtya vikirān darbhaiḥ kumbheśaṃ karkarīṃ yajet //

Hat er den Krug hinter (ihr) hergeführt, stelle er ihn auf die Streukörner. Hat er die Streukörner mit Darbha-Gras zusammengefegt, verehre er den Herrn des Kruges und die Karkarī (das Wassergefäß).

Wort für Wort
kalasam
den Krug
pṛṣṭhataḥ nītvā
hinterher geführt
vikira-upari
auf die Streukörner
saṃhṛtya
zusammengefegt
kumbha-īśam
den Herrn des Kruges
karkarīm
das Wassergefäß

savastraṃ pañcaratnāḍhyaṃ khaṇḍile pūjayeddhariṃ / agnāvapi samabhyarcya mantrān sañjapya pūrvavat //

Hari, mit einem Gewand versehen und mit den fünf Edelsteinen ausgestattet, verehre er auf dem Erdaltar (sthaṇḍila). Hat er ihn auch im Feuer verehrt und die Mantras wie zuvor gemurmelt,

Wort für Wort
sa-vastram
mit Gewand
pañca-ratna-āḍhyam
mit den fünf Edelsteinen versehen
sthaṇḍile
auf dem Erdaltar
agnau api
auch im Feuer
sañjapya
gemurmelt

„khaṇḍile“ = sthaṇḍile.

prakṣālya puṇḍarīkena vilipyāntaḥ sugandhinā / ukhāmājyena saṃpūrya gokṣīreṇa tu sādhakaḥ //

(soll) der Adept den Topf (ukhā) mit dem Puṇḍarīka(-Mantra) auswaschen, innen mit Wohlriechendem bestreichen und ihn mit Ghee und Kuhmilch füllen;

Wort für Wort
prakṣālya
gewaschen
vilipya antaḥ
innen bestrichen
sugandhinā
mit Wohlriechendem
ukhām
den Kochtopf
go-kṣīreṇa
mit Kuhmilch

„puṇḍarīkena“: wohl Name eines Mantras (oder „mit Lotos“); unsicher.

ālokya vāsudevena tataḥ saṅkarṣaṇena ca / taṇḍulānājyasaṃsṛṣṭān kṣipet kṣīre susaṃskṛte //

hat er ihn mit dem Vāsudeva(-Mantra), dann mit dem Saṅkarṣaṇa(-Mantra) angeblickt, werfe er mit Ghee vermengte Reiskörner in die wohlbereitete Milch;

Wort für Wort
ālokya
angeblickt
taṇḍulān
Reiskörner
ājya-saṃsṛṣṭān
mit Ghee vermengt
kṣīre susaṃskṛte
in die wohlbereitete Milch
kṣipet
soll werfen

pradyumnena smāloḍya darvyā saṅghaṭṭayecchanaiḥ / pakvamuttārayet paścādaniruddhena deśikaḥ //

mit dem Pradyumna(-Mantra) umgerührt, bewege er (sie) langsam mit dem Löffel; das Gekochte nehme der Lehrer danach mit dem Aniruddha(-Mantra) (vom Feuer).

Wort für Wort
samāloḍya
umgerührt
darvyā
mit dem Löffel
saṅghaṭṭayet śanaiḥ
soll langsam umrühren
pakvam
das Gekochte
uttārayet
soll herunternehmen
deśikaḥ
der Lehrer

„smāloḍya“ = samāloḍya.

prakṣālyālipya tat kuryādūrdhvapuṇḍraṃ tu bhasmanā / nārāyaṇena pārśveṣu carumevaṃ susaṃskṛtaṃ //

Hat er (den Topf) gewaschen und bestrichen, soll er mit Asche mit dem Nārāyaṇa(-Mantra) an den Seiten ein senkrechtes Stirnzeichen (ūrdhvapuṇḍra) anbringen. Das so wohlbereitete Caru (Opfermus):

Wort für Wort
ālipya
bestrichen
ūrdhva-puṇḍram
senkrechtes Sektenzeichen
bhasmanā
mit Asche
pārśveṣu
an den Seiten
carum
das Opfermus

bhāgamekaṃ tu devāya kalaśāya dvitīyakaṃ / tṛtīyena tu bhāgena pradadyādāhutitrayaṃ //

einen Teil (gebe er) dem Gott, den zweiten dem Krug; mit dem dritten Teil bringe er drei Opfergaben dar;

Wort für Wort
bhāgam ekam
einen Teil
devāya
dem Gott
kalaśāya
dem Krug
tṛtīyena bhāgena
mit dem dritten Teil
āhuti-trayam
drei Opfergüsse

śiṣyaiḥ saha caturthaṃ tu gururadyādviśuddhaye / nārāyaṇena sammantrya saptadhā kṣīravṛkṣajam //

den vierten esse der Lehrer mit den Schülern zur Läuterung. Ein mit dem Nārāyaṇa(-Mantra) siebenmal besprochenes (Holz) von einem Milchsaftbaum

Wort für Wort
śiṣyaiḥ saha
mit den Schülern
caturtham
den vierten
adyāt
soll essen
viśuddhaye
zur Läuterung
kṣīra-vṛkṣa-jam
von einem Milchsaftbaum stammend

dantakāṣṭhaṃ bhakṣayitvā tyaktvā jñātvāsvapātakaṃ / aindrāgnyuttarakeśānīmukhaṃ patitamuttamaṃ //

als Zahnholz gekaut und weggeworfen, (daraus) erkennt man das eigene Unheil: Fällt es mit der Spitze nach Osten, Südosten, Norden oder Nordosten, ist es am besten

Wort für Wort
danta-kāṣṭham
Zahnholz
bhakṣayitvā
gekaut
tyaktvā
weggeworfen
sva-pātakam
das eigene Unheil
aindra-āgni-uttara-aiśānī-mukham
nach Osten, Südosten, Norden, Nordosten weisend
patitam uttamam
gefallen – am besten

„jñātvāsvapātakaṃ“: „das eigene Unheil erkennen“ (ob Unheil droht).

śubhaṃ siṃhaśataṃ hutvā ācamyātha praviśya ca / pūjāgāraṃ nyasenmantrī prācyāṃ viṣṇuṃ pradakṣiṇaṃ //

(und) günstig. Hat er hundert (Opfergaben) mit dem Löwen(-Mantra des Narasiṃha) dargebracht, Wasser geschlürft und den Verehrungsraum betreten, soll der Mantrakundige im Osten Viṣṇu (vorstellen), (ihn) rechts umwandelnd, (und sprechen):

Wort für Wort
siṃha-śatam hutvā
hundert mit dem Narasiṃha-Mantra geopfert
ācamya
Wasser geschlürft
pūjā-agāram
den Verehrungsraum
mantrī
der Mantrakundige
pradakṣiṇam
rechts umwandelnd

saṃsārārṇavamagnānāṃ paśūnāṃ pāśamuktaye / tvameva śaraṇaṃ deva sadā tvaṃ bhaktavatsala //

„Für die Gebundenen (paśu), die im Ozean des Kreislaufs versunken sind, bist du allein die Zuflucht zur Befreiung von der Fessel, o Gott; du bist stets den Verehrern zugetan.

Wort für Wort
saṃsāra-arṇava-magnānām
der im Ozean des Kreislaufs Versunkenen
paśūnām
der gebundenen Seelen
pāśa-muktaye
zur Befreiung von der Fessel
śaraṇam
Zuflucht
bhakta-vatsala
den Verehrern zugetan

devadevānujānīhi prākṛtaiḥ pāśabandhanaiḥ / pāśitānmocayiṣyāmi tvatprasādāt paśūnimān //

O Gott der Götter, erlaube: Durch deine Gnade werde ich diese Gebundenen befreien, die mit den Fesselbanden der Natur (prakṛti) gefesselt sind.“

Wort für Wort
deva-deva
o Gott der Götter
anujānīhi
erlaube
prākṛtaiḥ pāśa-bandhanaiḥ
mit den natürlichen Fesselbanden
pāśitān
die Gefesselten
mocayiṣyāmi
ich werde befreien
tvat-prasādāt
durch deine Gnade

iti vijñāpya deveśaṃ sampraviśya paśūṃstataḥ / dhāraṇābhistu saṃśodhya pūrvajjvalanādinā //

Hat er dies dem Herrn der Götter mitgeteilt, lasse er dann die Gebundenen (Schüler) eintreten, reinige sie durch Konzentrationen (dhāraṇā) wie zuvor mit Verbrennen usw.,

Wort für Wort
vijñāpya
mitgeteilt
deva-īśam
den Herrn der Götter
sampraviśya
eintreten lassend
dhāraṇābhiḥ
durch Konzentrationen
jvalana-ādinā
durch Verbrennen usw.

„pūrvajjvalanādinā“ = pūrvavaj jvalanādinā.

saṃskṛtya mūrtyā saṃyojya netre baddhvā pradarśayet / puṣpapūrṇāñjalīṃstatra kṣipettannāma yojayet //

weihe sie, verbinde sie mit der Gestalt (der Gottheit), verbinde ihnen die Augen und zeige (ihnen das Maṇḍala). Sie sollen dort Handhöhlen voll Blumen werfen; (danach) gebe man den betreffenden Namen.

Wort für Wort
saṃskṛtya
geweiht
mūrtyā saṃyojya
mit der Gestalt verbunden
netre baddhvā
die Augen verbunden
puṣpa-pūrṇa-añjalīn
Handhöhlen voll Blumen
tat-nāma yojayet
soll jenen Namen geben

amantramarcanaṃ tatra pūrvavat kārayet kramāt / yasyāṃ mūrtau patet puṣpaṃ tasya tannāma nirdiśet //

Die Verehrung ohne Mantra lasse man dort wie zuvor der Reihe nach vollziehen. Auf welche Gestalt die Blume fällt, deren Namen gebe man ihm.

Wort für Wort
amantram arcanam
Verehrung ohne Mantra
kārayet
soll vollziehen lassen
yasyām mūrtau
auf welche Gestalt
patet puṣpam
die Blume fällt
nirdiśet
soll bestimmen

śikhāntasammitaṃ sūtraṃ pādāṅguṣṭhādi ṣaḍguṇaṃ / kanyāsu kartitaṃ raktaṃ punastattriguṇīkṛtam //

Ein Faden, vom Ende des Haarschopfs bis zum großen Zeh bemessen, sechsfach (gelegt), von Mädchen gesponnen, rot, und wiederum dreifach gemacht –

Wort für Wort
śikhā-anta-sammitam
bis zum Haarschopf bemessen
sūtram
Faden
pāda-aṅguṣṭha-ādi
vom großen Zeh an
ṣaḍ-guṇam
sechsfach
kanyāsu kartitam
von Mädchen gesponnen
tri-guṇī-kṛtam
dreifach gemacht

yasyāṃ saṃlīyate viśvaṃ yato viśvaṃ prasūyate / prakṛtiṃ prakriyābhedaiḥ saṃsthitāṃ tatra cintayet //

in welcher das All vergeht und aus welcher das All hervorgeht: Die Prakṛti, die dort mit den Arten ihrer Entfaltung besteht, soll man sich (in ihm) vorstellen.

Wort für Wort
saṃlīyate viśvam
das All geht unter
prasūyate
wird hervorgebracht
prakṛtim
die Urnatur
prakriyā-bhedaiḥ
mit den Arten der Entfaltung
cintayet
soll sich vorstellen

tena prākṛtikān pāśān grathitvā tattvasaṅkhyayā / kṛtvā śarāve tat sūtraṃ kuṇḍapārśve nidhāya tu //

Mit ihm knüpfe er die natürlichen Fesseln entsprechend der Zahl der Prinzipien (tattva), lege den Faden in eine Schale und stelle sie neben die Feuergrube.

Wort für Wort
prākṛtikān pāśān
die natürlichen Fesseln
grathitvā
geknüpft
tattva-saṅkhyayā
nach der Zahl der Prinzipien
śarāve
in eine Schale
kuṇḍa-pārśve
neben die Feuergrube

tatastattvāni sarvāṇi dhyātvā śiṣyatanau nyaset / sṛṣṭikramāt prakṛtyādipṛthivyantāni deśikaḥ //

Dann meditiere der Lehrer alle Prinzipien und lege sie auf den Körper des Schülers, in der Reihenfolge der Schöpfung, von der Prakṛti bis zur Erde.

Wort für Wort
tattvāni sarvāṇi
alle Prinzipien
dhyātvā
meditiert
śiṣya-tanau
auf den Körper des Schülers
sṛṣṭi-kramāt
nach der Schöpfungsfolge
prakṛti-ādi-pṛthivī-antāni
von der Prakṛti bis zur Erde

tatraikadhā paṇcadhā syāddaśadvādaśadhāpi vā / jñātavyaḥ sarvabhedena grathitastattvacintakaiḥ //

Dabei kann es einfach, fünffach, zehnfach oder auch zwölffach sein; (der Faden) ist, mit allen Unterscheidungen geknüpft, von den Kennern der Prinzipien zu verstehen.

Wort für Wort
ekadhā
einfach
pañcadhā
fünffach
daśa-dvādaśadhā
zehn- oder zwölffach
jñātavyaḥ
ist zu verstehen
tattva-cintakaiḥ
von den Prinzipienkennern

aṅgaiḥ pañcabhiradhvānaṃ nikhilaṃ vikṛtikramāt / tanmātrātmani saṃhṛtya māyāsūtre paśostanau //

Mit den fünf Gliedern (vorzustellen ist) der gesamte Weg (adhvan) in der Reihenfolge der Entfaltungen, zurückgezogen in das Wesen der Tanmātras, im Māyā-Faden (und) am Körper des Gebundenen.

Wort für Wort
aṅgaiḥ pañcabhiḥ
mit den fünf Gliedern
adhvānam nikhilam
den ganzen Weg
vikṛti-kramāt
nach der Folge der Entfaltungen
tanmātra-ātmani saṃhṛtya
in das Tanmātra-Wesen zurückgezogen
māyā-sūtre
im Māyā-Faden

prakṛtirliṅgaśaktiś ca kartā buddhis tathā manaḥ / pañcatanmātrabuddhyākhyaṃ karmākhyaṃ bhūtapañcakaṃ //

Prakṛti, die Liṅga-Kraft, der Handelnde, Buddhi und ebenso Manas, die fünf Tanmātras, die (Gruppe) namens Erkenntnis(-organe), die namens Handlungs(-organe), die fünf Elemente –

Wort für Wort
prakṛtiḥ
Urnatur
liṅga-śaktiḥ
die Liṅga-Kraft
kartā
der Handelnde
pañca-tanmātra
die fünf Subtilelemente
bhūta-pañcakam
die fünf Elemente

dhyāyecca dvādaśātmānaṃ sūtre dehe tathecchayā / hutvā sampātavidhinā sṛṣṭeḥ sṛṣṭikrameṇa tu //

diesen Zwölffachen meditiere man im Faden und im Körper nach Belieben. Hat man nach der Sampāta-Vorschrift (die Stufen) der Schöpfung in der Schöpfungsfolge geopfert,

Wort für Wort
dvādaśa-ātmānam
den Zwölffachen
sūtre dehe
im Faden und im Körper
icchayā
nach Belieben
sampāta-vidhinā
nach der Sampāta-Vorschrift
sṛṣṭi-krameṇa
in der Schöpfungsfolge

ekaikaṃ śatahomena dattvā pūrṇāhutiṃ tataḥ / śarāve sampuṭīkṛtya kumbheśāya nivedayet //

jede einzelne mit hundert Opfergaben, und dann eine Vollopfergabe (pūrṇāhuti) gegeben, soll man (den Faden) in der Schale zugedeckt dem Herrn des Kruges darbringen.

Wort für Wort
ekaikam
jede einzelne
śata-homena
mit hundert Opfergaben
pūrṇa-āhutim
die Vollopfergabe
sampuṭī-kṛtya
zugedeckt
nivedayet
soll darbringen

adhivāsya yathā nyāyaṃ bhaktaṃ śiṣyaṃ tu dīkṣayet / karaṇīṃ kartarīṃ vāpi rajāṃsi khaṭikāmapi //

Hat er den ergebenen Schüler vorschriftsgemäß vorbereitet (adhivāsa), soll er ihn einweihen. Das Messgerät (karaṇī), die Schere, die Farbpulver und auch die Kreide

Wort für Wort
adhivāsya
vorbereitet
yathā-nyāyam
vorschriftsgemäß
bhaktam śiṣyam
den ergebenen Schüler
kartarīm
Schere
rajāṃsi
Farbpulver
khaṭikām
Kreide

anyadapyupayogi syāt sarvaṃ tadvāyugocare / saṃsthāpya mūlamantreṇa parāmṛśyādhivādhivāsayet //

und was sonst noch nützlich sein mag – all das soll er im Nordwesten (dem Bereich des Windgottes) mit dem Grundmantra aufstellen, berühren und weihen.

Wort für Wort
upayogi
nützlich
vāyu-gocare
im Bereich des Windes (Nordwesten)
saṃsthāpya
aufgestellt
mūla-mantreṇa
mit dem Grundmantra
parāmṛśya
berührt
adhivāsayet
soll weihen

„parāmṛśyādhivādhivāsayet“ Dittographie für parāmṛśyādhivāsayet.

namo bhūtebhyaś ca baliḥ kuśe śete smaran hariṃ / maṇḍapaṃ bhūṣayitvātha vitānaghaṭalaḍḍukaiḥ //

Mit „namo bhūtebhyaḥ“ (Verehrung den Wesen) (bringe er) eine Spende (bali) dar; (der Schüler) schläft auf Kuśa, an Hari denkend. Hat er dann den Pavillon (maṇḍapa) mit Baldachin, Krügen und Süßkugeln (laḍḍuka) geschmückt,

Wort für Wort
namo bhūtebhyaḥ
Verehrung den Wesen
baliḥ
Spende
kuśe śete
liegt auf Kuśa
smaran harim
an Hari denkend
vitāna-ghaṭa-laḍḍukaiḥ
mit Baldachin, Krügen, Süßkugeln

maṇḍaletha yajedviṣṇuṃ tataḥ santarpya pāvakaṃ / āhūya dīkṣayecchiṣyān baddhapadmāsanasthitān //

soll er im Maṇḍala Viṣṇu verehren; dann, nachdem er das Feuer gesättigt hat, rufe er die Schüler herbei und weihe sie ein, während sie im geschlossenen Lotossitz sitzen.

Wort für Wort
maṇḍale
im Maṇḍala
santarpya pāvakam
das Feuer gesättigt
āhūya
herbeigerufen
dīkṣayet
soll einweihen
baddha-padmāsana-sthitān
im geschlossenen Lotossitz sitzend

sammokṣya viṣṇuṃ hastena mūrdhānaṃ spṛśya vai kramāt / prakṛtyādivikṛtyantāṃ sādhibhūtādhidaivatāṃ //

Hat er (sie) besprengt, mit der Viṣṇu-Hand der Reihe nach das Haupt berührt – die Schöpfung von der Prakṛti bis zu den Entfaltungen samt den Elementen- und Gottheitsbezügen (adhibhūta, adhidaivata)

Wort für Wort
samprokṣya
besprengt
hastena
mit der Hand
mūrdhānam spṛśya
das Haupt berührt
prakṛti-ādi-vikṛti-antām
von der Prakṛti bis zu den Entfaltungen
sa-adhibhūta-adhidaivatām
samt Adhibhūta und Adhidaivata

„sammokṣya“ wohl für samprokṣya (besprengt).

sṛṣṭimādhyātmikīṃ kṛtvā hṛdi tāṃ saṃharet kramāt / tanmātrabhūtāṃ sakalāṃ jīvena samatāṃ gatāṃ //

als eine auf das Selbst bezogene (ādhyātmikī) gestaltet, ziehe er sie im Herzen der Reihe nach zurück: die ganze, aus Tanmātras und Elementen bestehende, die mit dem Jīva Gleichheit erlangt hat.

Wort für Wort
sṛṣṭim ādhyātmikīm
die auf das Selbst bezogene Schöpfung
hṛdi
im Herzen
saṃharet
soll zurückziehen
sakalām
die ganze
jīvena samatām gatām
mit dem Jīva gleich geworden

tataḥ samprārthya kambheśaṃ sūtraṃ saṃhṛtya deśikaḥ / agneḥ samīpamāgatya pārśve taṃ sanniveśya tu //

Dann soll der Lehrer den Herrn des Kruges bitten, den Faden an sich nehmen, zum Feuer kommen und ihn daneben niederlegen.

Wort für Wort
samprārthya
gebeten
kumbha-īśam
den Herrn des Kruges
sūtram saṃhṛtya
den Faden an sich genommen
agneḥ samīpam
in die Nähe des Feuers
sanniveśya
niedergelegt

„kambheśaṃ“ = kumbheśam.

mūlamantreṇa sṛṣṭīśamāhutīnāṃ śatena taṃ / udāsīnamathāsādya pūrṇāhutyā ca deśikaḥ //

Mit dem Grundmantra (ehre er) den Herrn der Schöpfung mit hundert Opfergaben; dann, beim Udāsīna (dem Unbeteiligten) [?] angelangt, (schließe) der Lehrer mit einer Vollopfergabe.

Wort für Wort
sṛṣṭi-īśam
den Herrn der Schöpfung
āhutīnām śatena
mit hundert Opfergaben
udāsīnam
den Unbeteiligten [?]
āsādya
erreicht
pūrṇa-āhutyā
mit der Vollopfergabe

„udāsīnam athāsādya“ unklar; evtl. Bezeichnung des über der Schöpfung stehenden Prinzips.

śuklaṃ rajaḥ samādāya mūlena śatamantritaṃ / santāḍya hṛdayantena huṃphaṭkārāntasaṃyutaiḥ //

Er nehme weißes Pulver, mit dem Grundmantra hundertmal besprochen, und schlage (den Faden) mit (dem Mantra), der auf das Herz(-Wort) endet, versehen mit huṃ phaṭ am Schluss,

Wort für Wort
śuklam rajaḥ
weißes Pulver
śata-mantritam
hundertmal besprochen
santāḍya
geschlagen
hṛdaya-antena
mit dem auf das Herz endenden
huṃ-phaṭ-kāra-anta-saṃyutaiḥ
mit huṃ phaṭ am Ende

viyogapadasaṃyuktair vījaiḥ padādibhiḥ kramāt / pṛthivyādīni tattvāni viśliṣya juhuyāttataḥ //

mit Keimsilben, verbunden mit dem Wort für Trennung und mit den Wörtern am Anfang usw., der Reihe nach; hat er die Prinzipien, Erde usw., (so) gelöst, opfere er sie darauf

Wort für Wort
viyoga-pada-saṃyuktaiḥ
mit dem Trennungswort verbunden
vījaiḥ
mit Keimsilben
pṛthivī-ādīni tattvāni
die Prinzipien, Erde usw.
viśliṣya
gelöst
juhuyāt
soll opfern

vahnāvakhilatattvānāmālaye vyāhṛte harau / nīyamānaṃ kramātsarvaṃ tatrādhvānaṃ smaredbudhaḥ //

in das Feuer, den Wohnsitz aller Prinzipien, in den angerufenen Hari; der Kundige denke sich dort den gesamten Weg (adhvan), der der Reihe nach hineingeführt wird.

Wort für Wort
vahnau
ins Feuer
akhila-tattvānām ālaye
im Wohnsitz aller Prinzipien
vyāhṛte harau
im angerufenen Hari
nīyamānam
hineingeführt
smaret budhaḥ
der Kundige soll sich denken

tāḍanena viyojyaivaṃ ādāyāpādya śāmyatāṃ / prakṛtyāhṛtya juhuyādyathokte jātavedasi //

Hat er (die Prinzipien) so durch Schlagen getrennt, genommen und besänftigt, mit der Prakṛti herbeigeholt, opfere er sie in das wie beschrieben (bereitete) Feuer (Jātavedas).

Wort für Wort
tāḍanena
durch Schlagen
viyojya
getrennt
ādāya
genommen
prakṛtyā āhṛtya
mit der Prakṛti herbeigeholt
jātavedasi
ins Feuer

„śāmyatāṃ“ unsicher (śāmyatām?).

garbhādhānaṃ jātakarma bhogañcaiva layantathā //

(Dabei vollziehe er symbolisch) Empfängnis, Geburtsritus, Genuss und ebenso Auflösung.

Wort für Wort
garbha-ādhānam
Empfängnisritus
jāta-karma
Geburtsritus
bhogam
Genuss
layam
Auflösung

Nur ein Halbvers überliefert; Zusammenhang zum Vorigen und Folgenden lückenhaft.

śuddhaṃ tattvaṃ samuddhṛtya pūrṇāhutyā tu deśikaḥ / sannayeddvipare tattve yāvadavyāhṛtaṃ kramāt //

Hat der Lehrer das gereinigte Prinzip mit der Vollopfergabe herausgehoben, führe er es der Reihe nach in das jeweils höhere Prinzip bis zum Unoffenbaren (avyakta).

Wort für Wort
śuddham tattvam
das gereinigte Prinzip
samuddhṛtya
herausgehoben
sannayet
soll hinführen
pare tattve
in das höhere Prinzip
yāvat avyaktam
bis zum Unoffenbaren

„dvipare“ und „avyāhṛtaṃ“ wohl verderbt für pare bzw. avyaktam.

tat paraṃ jñānayogena vilāpya paramātmani / vimuktabandhanaṃ jīvaṃ parasminnavyaye pade //

Hat er dieses Höchste durch den Yoga des Wissens im höchsten Selbst aufgelöst, (so denke er) den von der Fessel befreiten Jīva im höchsten unvergänglichen Zustand,

Wort für Wort
jñāna-yogena
durch den Yoga des Wissens
vilāpya
aufgelöst
parama-ātmani
im höchsten Selbst
vimukta-bandhanam jīvam
die von Fesseln befreite Seele
avyaye pade
im unvergänglichen Zustand

nivṛttaṃ paramānande śuddhe buddhe smaredbudhaḥ / dadyāt pūrṇāhutiṃ paścādevaṃ dīkṣā samāpyate //

zur Ruhe gekommen in der höchsten Wonne, rein und erwacht, soll der Kundige (ihn) denken; danach gebe er die Vollopfergabe: So wird die Einweihung abgeschlossen.

Wort für Wort
nivṛttam
zur Ruhe gekommen
parama-ānande
in höchster Wonne
śuddhe buddhe
im Reinen, Erwachten
pūrṇa-āhutim dadyāt
soll die Vollopfergabe geben
dīkṣā samāpyate
die Einweihung wird abgeschlossen

prayogamantrān vakṣyāmi yair dīkṣā homasaṃlayaḥ / oṃ yaṃ bhūtāni viśuddhaṃ huṃ phaṭ anena tāḍanaṃ kuryādviyojanamiha dvayaṃ //

Ich will die Anwendungs-Mantras nennen, mit denen Einweihung, Opfer und Auflösung (vollzogen werden): „oṃ yaṃ bhūtāni viśuddhaṃ huṃ phaṭ“ (Oṃ yaṃ, die Elemente – gereinigt – huṃ phaṭ): damit vollziehe man das Schlagen; die Trennung ist hier zweifach [?].

Wort für Wort
prayoga-mantrān
die Anwendungs-Mantras
homa-saṃlayaḥ
Opfer und Auflösung
bhūtāni
die Elemente
tāḍanam kuryāt
soll das Schlagen vollziehen
viyojanam
Trennung

„homasaṃlayaḥ“ als homa + saṃlaya aufgefasst; Mantrawortlaut im Digitalisat unsicher.

oṃ yaṃ bhūtānyāpātayehaṃ ādānaṃ kṛtvā cānena prakṛtyā yojanaṃ śṛṇu / oṃ yaṃ bhūtāni puṃścāho homamantraṃ pravakṣyāmi tataḥ pūrṇāhutermanuṃ //

„oṃ yaṃ bhūtāny āpātaya ahaṃ“ (Oṃ yaṃ, lass die Elemente herabkommen) – hat man damit das Nehmen vollzogen, so höre die Verbindung mit der Prakṛti: „oṃ yaṃ bhūtāni puṃś cāho“ [?]. Den Opfermantra will ich nennen, dann den Mantra der Vollopfergabe:

Wort für Wort
āpātaya
lass herabkommen
ādānam kṛtvā
das Nehmen vollzogen
prakṛtyā yojanam
Verbindung mit der Prakṛti
homa-mantram
den Opfermantra
pūrṇāhuteḥ manum
den Mantra der Vollopfergabe

Der Mantra der Verbindung („puṃścāho“) ist verderbt.

oṃ bhūtāni saṃhara svāhā / oṃ aṃ oṃ namo bhagavate vāsudevāya vauṣaṭ pūrṇāhutyanantare tu tadvai śiṣyantu sādhayet / evaṃ tattvāni sarvāṇi kramātsaṃśodhayed budhaḥ //

„oṃ bhūtāni saṃhara svāhā“ (Oṃ, ziehe die Elemente zurück, svāhā); „oṃ aṃ oṃ namo bhagavate vāsudevāya vauṣaṭ“ (Oṃ aṃ, Oṃ, Verehrung dem erhabenen Vāsudeva, vauṣaṭ). Unmittelbar nach der Vollopfergabe soll er ebenso den Schüler bereiten. So reinige der Kundige alle Prinzipien der Reihe nach,

Wort für Wort
saṃhara
ziehe zurück
vauṣaṭ
Opferruf
pūrṇāhuti-anantare
unmittelbar nach der Vollopfergabe
śiṣyam sādhayet
soll den Schüler bereiten
saṃśodhayet
soll reinigen

namontena svavījena tāḍanādipuraḥsaram / oṃ vāṃ varmendriyāṇi / oṃ deṃ buddhīndriyāṇi yaṃ vījena samānantu tāḍanādiprayogakam //

mit der eigenen Keimsilbe, auf namaḥ endend, und mit Schlagen usw. vorweg: „oṃ vāṃ karmendriyāṇi“ (Oṃ vāṃ, die Handlungsorgane), „oṃ deṃ buddhīndriyāṇi“ (Oṃ deṃ, die Erkenntnisorgane); die Anwendung von Schlagen usw. ist mit der Keimsilbe yaṃ gleich.

Wort für Wort
namaḥ-antena
mit namaḥ am Ende
sva-vījena
mit der eigenen Keimsilbe
karma-indriyāṇi
die Handlungsorgane
buddhi-indriyāṇi
die Erkenntnisorgane
samānam
gleich

„varmendriyāṇi“ wohl für karmendriyāṇi.

oṃ suṃgandhatanmātre viyuṅkṣva huṃ phaṭ / oṃ sampāhiṃ hā // oṃ khaṃ khaṃ kṣa prakṛtyā / oṃ suṃ huṃ gandhatanmātre saṃhara svāhā tataḥ pūrṇāhutiś caivamuttareṣu prayujyate / oṃ rāṃ rasatanmātre / oṃ bheṃ rūpatanmātre / oṃ raṃ sparśatanmātre / oṃ eṃ śabdatanmātre / oṃ bhaṃ namaḥ / oṃ soṃ ahaṅkāraḥ / oṃ naṃ buddhe / oṃ oṃ prakṛte ekamūrtāvayaṃ prokto dīkṣāyogaḥ samāsataḥ / evameva prayogastu navavyūhādike smṛtaḥ //

„oṃ suṃ gandhatanmātre viyuṅkṣva huṃ phaṭ“ (Oṃ suṃ, trenne im Geruchs-Tanmātra, huṃ phaṭ); „oṃ sampāhiṃ hā“ [?]; „oṃ khaṃ khaṃ kṣa prakṛtyā“ [?]; „oṃ suṃ huṃ gandhatanmātre saṃhara svāhā“ (… ziehe zurück im Geruchs-Tanmātra, svāhā). Dann (folgt) die Vollopfergabe, und so wird es bei den folgenden angewandt: „oṃ rāṃ rasatanmātre“ (im Geschmacks-Tanmātra), „oṃ bheṃ rūpatanmātre“ (im Form-Tanmātra), „oṃ raṃ sparśatanmātre“ (im Berührungs-Tanmātra), „oṃ eṃ śabdatanmātre“ (im Klang-Tanmātra), „oṃ bhaṃ namaḥ“, „oṃ soṃ ahaṅkāraḥ“ (Ich-Bewusstsein), „oṃ naṃ buddhe“ (o Buddhi), „oṃ oṃ prakṛte“ (o Prakṛti). Dies ist in Kürze das Verfahren der Einweihung bei der einfachen Gestalt gelehrt; ebenso gilt das Verfahren beim neunfachen Vyūha usw.

Wort für Wort
gandha-tanmātre
im Geruchs-Subtilelement
viyuṅkṣva
trenne
uttareṣu prayujyate
wird bei den folgenden angewandt
eka-mūrtau
bei der einfachen Gestalt
dīkṣā-yogaḥ
Verfahren der Einweihung
nava-vyūha-ādike
beim neunfachen Vyūha usw.

Mehrere Mantras („sampāhiṃ hā“, „khaṃ khaṃ kṣa“) verderbt; „oṃ bhaṃ namaḥ“ gehört wohl zu Manas.

dagdhāparasmin sandadhyānnirvāṇe prakṛtinnaraḥ / avikāre samādadhyādīśvare prakṛtinnaraḥ //

Ist (das Niedere) verbrannt, verbinde man (den Menschen) im Höheren, im Nirvāṇa, (die) Prakṛti (ablegend) [?]; im unwandelbaren Herrn (īśvara) setze man (ihn) fest.

Wort für Wort
dagdhā
verbrannt
parasmin
im Höheren
sandadhyāt
soll verbinden
nirvāṇe
im Erlöschen
avikāre
im Unwandelbaren
samādadhyāt
soll festsetzen

„prakṛtinnaraḥ“ (2×) unklar, wohl prakṛtiṃ naraḥ; Konstruktion unsicher.

śodhayitvātha bhutāni karmāṅgāni viśodhayet / buddhyākhyānyatha tanmātramanojñānamahaṅkṛtiṃ //

Hat man die Elemente gereinigt, reinige man die Handlungsorgane, dann die sogenannten Erkenntnisorgane, die Tanmātras, Manas, Wissen und Ich-Bewusstsein,

Wort für Wort
śodhayitvā
nachdem man gereinigt hat
bhūtāni
die Elemente
karma-aṅgāni
die Handlungsorgane
buddhi-ākhyāni
die sog. Erkenntnisorgane
ahaṅkṛtim
das Ich-Bewusstsein

liṅgātmānaṃ viśodhyānte prakṛtiṃ śodhāyet punaḥ / puruṣaṃ prākṛtaṃ śuddhamīśvare dhāmni saṃsthitaṃ //

hat man das Liṅga-Selbst gereinigt, so reinige man zuletzt wiederum die Prakṛti. Den Puruṣa, von der Natur geläutert, im Herrn als seiner Stätte befindlich,

Wort für Wort
liṅga-ātmānam
das Liṅga-Selbst
ante
zuletzt
prakṛtim śodhayet
soll die Prakṛti reinigen
puruṣam
den Geist
īśvare dhāmni saṃsthitam
im Herrn als Stätte ruhend

svagocarīkṛtāśeṣabhogamuktau kṛtāspadaṃ / dhyāyan pūrṇāhutiṃ dadyāddīkṣeyaṃ tvadhikāriṇī //

der sich alle Genüsse zugänglich gemacht und in Genuss und Befreiung seinen Sitz genommen hat – ihn meditierend gebe er die Vollopfergabe. Diese Einweihung ist die für den Amtsberechtigten (adhikārin).

Wort für Wort
sva-gocarī-kṛta-aśeṣa
der sich alles zugänglich gemacht hat
bhoga-muktau
in Genuss und Befreiung
kṛta-āspadam
der seinen Sitz genommen hat
dhyāyan
meditierend
adhikāriṇī
für den Amtsberechtigten

aṅgair ārādhya mantrasya nītvā tattvagaṇaṃ samaṃ / kramādevaṃ viśodhyānte sarvasiddhisamanvitaṃ //

Hat man (ihn) mit den Gliedern des Mantras verehrt, die Gruppe der Prinzipien gleich (behandelnd) hindurchgeführt und so der Reihe nach gereinigt, (denke man ihn) zuletzt mit allen Vollkommenheiten ausgestattet;

Wort für Wort
aṅgaiḥ ārādhya
mit den Gliedern verehrt
tattva-gaṇam
die Gruppe der Prinzipien
nītvā
geführt
viśodhya
gereinigt
sarva-siddhi-samanvitam
mit allen Vollkommenheiten ausgestattet

dhyāyan pūrṇāhitiṃ dadyātdīkṣeyaṃ sādhake smṛtā / dravyasya vā na sampattiraśaktirvātmano yadi //

ihn meditierend gebe man die Vollopfergabe: Diese Einweihung gilt für den Sādhaka (den nach Kräften strebenden Adepten). Wenn aber das Material nicht verfügbar ist oder man selbst unvermögend ist,

Wort für Wort
sādhake smṛtā
gilt für den Sādhaka
dravyasya
des Materials
na sampattiḥ
keine Verfügbarkeit
aśaktiḥ ātmanaḥ
eigenes Unvermögen
yadi
wenn

iṣṭvā devaṃ yathā pūrvaṃ sarvopakaraṇānvitaṃ / sadyodhivāsya dvādaśyāṃ dīkṣayeddeśikottamaḥ //

soll der beste Lehrer den Gott wie zuvor verehren, mit allen Geräten versehen, sogleich die Vorbereitung vollziehen und am zwölften (Mondtag) einweihen.

Wort für Wort
iṣṭvā devam
den Gott verehrt
sarva-upakaraṇa-anvitam
mit allen Geräten
sadyaḥ adhivāsya
sogleich vorbereitet
dvādaśyām
am zwölften Mondtag
deśika-uttamaḥ
der beste Lehrer

bhakto vinītaḥ śārīrair guṇaiḥ sarvaiḥ samanvitaḥ / śiṣyo nātidhanī yastu sthaṇḍilebhyarcya dīkṣayet //

Ein Schüler, der ergeben, bescheiden und mit allen körperlichen Vorzügen ausgestattet, aber nicht sehr reich ist, den soll man nach Verehrung (des Gottes) auf dem Erdaltar einweihen.

Wort für Wort
bhaktaḥ vinītaḥ
ergeben, bescheiden
śārīraiḥ guṇaiḥ
mit körperlichen Vorzügen
na atidhanī
nicht sehr reich
sthaṇḍile abhyarcya
auf dem Erdaltar verehrt
dīkṣayet
soll einweihen

adhvānaṃ nikhilaṃ daivaṃ bhautaṃ vādhyātmikī kṛtaṃ / sṛṣṭikrameṇa śiṣyasya dehe dhyātvā tu deśikaḥ //

Hat der Lehrer den gesamten Weg – den göttlichen, elementaren oder geistig gestalteten – in der Schöpfungsfolge im Körper des Schülers meditiert,

Wort für Wort
adhvānam nikhilam
den ganzen Weg
daivam bhautam
göttlich, elementar
ādhyātmikī-kṛtam
geistig gestaltet
śiṣyasya dehe
im Körper des Schülers
dhyātvā
meditiert

aṣṭāṣṭāhutibhiḥ pūrvaṃ kramāt santarpya sṛṣṭimān / svamantrair vāsudevādīn jananādīn visarjayet //

die Schöpfung zuvor der Reihe nach mit je acht Opfergaben gesättigt, entlasse er Vāsudeva usw. mit ihren eigenen Mantras, (ebenso) die Geburt usw. [?]

Wort für Wort
aṣṭa-aṣṭa-āhutibhiḥ
mit je acht Opfergaben
santarpya
gesättigt
svamantraiḥ
mit den eigenen Mantras
vāsudeva-ādīn
Vāsudeva usw.
visarjayet
soll entlassen

„jananādīn“ unklar (Geburtsriten?); „sṛṣṭimān“ wohl für sṛṣṭim.

homena śodhayet paścātsaṃhārakramayogataḥ / yonisūtrāṇi baddhāni muktvā karmāṇi deśikaḥ //

Danach soll er durch Opfer in der Folge der Zurücknahme reinigen. Hat der Lehrer die gebundenen Schoßfäden (yonisūtra) und die Taten gelöst,

Wort für Wort
homena
durch Opfer
saṃhāra-krama-yogataḥ
nach der Folge der Zurücknahme
yoni-sūtrāṇi
die Schoßfäden
baddhāni
gebunden
muktvā karmāṇi
die Taten gelöst

śiṣyadehātsamāhṛtya kramāttattvāni śodhayet / agnau prākṛtike viṣṇau layaṃ nītvādhidaivake //

soll er die Prinzipien der Reihe nach aus dem Körper des Schülers einsammeln und reinigen; hat er (sie) im natürlichen Feuer, in Viṣṇu als der Gottheit (adhidaivika), zur Auflösung gebracht,

Wort für Wort
śiṣya-dehāt
aus dem Körper des Schülers
samāhṛtya
eingesammelt
agnau prākṛtike
im natürlichen Feuer
layam nītvā
zur Auflösung gebracht
ādhidaivike
im Göttlichen

śuddhaṃ tattvamaśuddhena pūrṇāhutyā tu sādhayet / śiṣye prakṛtimāpanne dagdhvā prākṛtikān guṇān //

soll er das reine Prinzip anstelle des unreinen durch die Vollopfergabe verwirklichen. Ist der Schüler in die Prakṛti gelangt, soll (der Lehrer) die natürlichen Guṇas verbrennen

Wort für Wort
śuddham tattvam
das reine Prinzip
aśuddhena
anstelle des unreinen
sādhayet
soll verwirklichen
prakṛtim āpanne
in die Prakṛti gelangt
dagdhvā prākṛtikān guṇān
die natürlichen Guṇas verbrannt

„aśuddhena“: wohl „aus dem unreinen“.

maucayedadhikāre vā niyuñjyāddeśikaḥ śiśūn / athānyān śaktidīkṣāṃ vā kuryāt bhāve sthito guruḥ //

und (ihn) befreien; oder der Lehrer setze die Schüler in ein Amt (adhikāra) ein. Oder aber der Lehrer, in (rechter) Gesinnung verharrend, vollziehe für andere die Kraft-Einweihung (śaktidīkṣā),

Wort für Wort
mocayet
soll befreien
adhikāre niyuñjyāt
soll ins Amt einsetzen
śiśūn
die Schüler
śakti-dīkṣām
Kraft-Einweihung
bhāve sthitaḥ
in der Gesinnung verharrend

„maucayet“ = mocayet.

bhaktyā samprātipannānāṃ yatīnāṃ nirdhanasya ca / sampūjya sthaṇḍile viṣṇuṃ pārśvasthaṃ sthāpya putrakaṃ //

für die in Hingabe Herangetretenen, für Asketen und für den Mittellosen: Hat er Viṣṇu auf dem Erdaltar verehrt und den Schüler (putraka) neben sich gestellt,

Wort für Wort
bhaktyā sampratipannānām
der in Hingabe Herangetretenen
yatīnām
der Asketen
nirdhanasya
des Mittellosen
pārśva-stham
zur Seite stehend
putrakam
den Schüler (Söhnchen)

devatābhimukhaḥ śiṣyastiryagāsyaḥ svayaṃ sthitaḥ / adhvānaṃ nikhilaṃ dhyātvā parvabhiḥ svair vikalpitaṃ //

– der Schüler dem Gott zugewandt, er selbst mit seitwärts gewandtem Gesicht stehend – so meditiere er den gesamten Weg, eingeteilt in seine eigenen Abschnitte (parvan),

Wort für Wort
devatā-abhimukhaḥ
der Gottheit zugewandt
tiryak-āsyaḥ
mit seitwärts gewandtem Gesicht
svayam sthitaḥ
selbst stehend
parvabhiḥ svaiḥ
mit seinen eigenen Abschnitten
vikalpitam
eingeteilt

śiṣyadehe tathā devamādhidaivikayācanaṃ / dhyānayogena sañcintya pūrvavattāḍanādinā //

und stelle sich ebenso im Körper des Schülers den Gott vor, durch Meditationsyoga, mit göttlicher Anrufung [?]; wie zuvor mit Schlagen usw.

Wort für Wort
śiṣya-dehe
im Körper des Schülers
devam
den Gott
dhyāna-yogena
durch Meditationsyoga
sañcintya
vorgestellt
tāḍana-ādinā
mit Schlagen usw.

„ādhidaivikayācanaṃ“ unklar.

kramāttattvāni sarvāṇi śodhayet sthaṇḍile harau / tāḍanena viyojyātha gṛhītvātmani tatparaḥ //

soll er der Reihe nach alle Prinzipien in Hari auf dem Erdaltar reinigen. Hat er sie durch Schlagen getrennt, dann in sich selbst aufgenommen, darauf ausgerichtet,

Wort für Wort
kramāt
der Reihe nach
sthaṇḍile harau
in Hari auf dem Erdaltar
viyojya
getrennt
gṛhītvā ātmani
in sich aufgenommen
tat-paraḥ
darauf ausgerichtet

deve saṃyojya saṃśodhya gṛhītvā tat svabhāvataḥ / ānīya śuddhabhāvena sandhayitvā krameṇa tu //

mit dem Gott verbunden, gereinigt, es gemäß seiner Natur ergriffen, im reinen Zustand zurückgebracht und der Reihe nach wieder verbunden,

Wort für Wort
deve saṃyojya
mit dem Gott verbunden
saṃśodhya
gereinigt
svabhāvataḥ
gemäß seiner Natur
ānīya
zurückgebracht
sandhayitvā
verbunden

śodhayeddhyānayogena sarvato jñānamudrayā / śuddheṣu sarvatattveṣu pradhāne ceśvare sthite //

soll er durch Meditationsyoga überall mit der Wissens-Mudrā reinigen. Wenn alle Prinzipien rein sind und (der Schüler) im Urgrund (pradhāna) und im Herrn feststeht,

Wort für Wort
dhyāna-yogena
durch Meditationsyoga
jñāna-mudrayā
mit der Wissens-Geste
śuddheṣu sarva-tattveṣu
wenn alle Prinzipien rein sind
pradhāne
im Urgrund
īśvare sthite
im Herrn verankert

dagdhvā nirvāpayecchiṣyān pade caiśe niyojayet / ninayet siddhimārge vā sādhakaṃ deśikottamaḥ //

soll er (die Fesseln) verbrennen und die Schüler ins Erlöschen (nirvāṇa) führen und sie im Stand des Herrn festsetzen; oder der beste Lehrer führe den Sādhaka auf den Weg der Vollkommenheit.

Wort für Wort
dagdhvā
verbrannt
nirvāpayet
soll ins Erlöschen führen
pade aiśe
im Stand des Herrn
siddhi-mārge
auf den Weg der Vollkommenheit
ninayet
soll führen

evamevādhikārastho gṛhī karmaṇyatandritaḥ / ātmānaṃ śodhayaṃstiṣṭhed yāvadrāgakṣayo bhavet //

Ebenso soll der im Amt stehende Hausvater, unermüdlich im Ritual, sich selbst reinigend verharren, bis das Begehren erloschen ist.

Wort für Wort
adhikāra-sthaḥ
im Amt stehend
gṛhī
der Hausvater
karmaṇi atandritaḥ
unermüdlich im Ritual
ātmānam śodhayan
sich selbst reinigend
rāga-kṣayaḥ
Erlöschen des Begehrens

kṣīṇarāgamathātmānaṃ jñātvā saṃśuddhikilviṣaḥ / āropya putre śiṣye vā hy adhikārantu saṃyamī //

Hat er dann sich selbst als frei von Begehren erkannt, von Sünde gereinigt, übertrage er, selbstbeherrscht, das Amt auf den Sohn oder den Schüler,

Wort für Wort
kṣīṇa-rāgam
frei von Begehren
jñātvā
erkannt
saṃśuddha-kilbiṣaḥ
von Sünde gereinigt
āropya
übertragen
saṃyamī
der Selbstbeherrschte

dagdhvā māyāmayaṃ pāśaṃ pravrajya svātmani sthitaḥ / śarīrapātamākāṅkṣannāsītāvyaktaliṅgavān //

verbrenne die aus Māyā bestehende Fessel, ziehe als Wanderasket fort, ruhe in seinem Selbst und verweile, den Fall des Körpers erwartend, mit unkenntlichen Abzeichen.

Wort für Wort
māyā-mayam pāśam
die aus Māyā bestehende Fessel
pravrajya
als Asket fortgezogen
sva-ātmani sthitaḥ
im eigenen Selbst ruhend
śarīra-pātam ākāṅkṣan
den Fall des Körpers erwartend
avyakta-liṅgavān
mit unkenntlichen Abzeichen

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