Kapitel 353: kārakaṃ
Die Handlungsrollen (Kāraka) und Kasusgebrauch
Skanda erläutert die Kārakas mit Unterarten und Beispielen: fünf Arten des Agens, sieben des Objekts, zwei des Instruments, drei des Empfängers, zwei des Ausgangspunkts und die Arten des Ortes. Danach folgen Regeln für den Kasusgebrauch nach Präpositionen, Partikeln und besonderen Wörtern. Die Beispielsätze sind teilweise entstellt (V. 2, 6, 12, 17); in V. 12–14 werden trotz angekündigter vier fünf Ortsarten genannt; V. 25 hat drei Halbverse.
Skanda sprach: Die Kārakas (Handlungsrollen) will ich darlegen, verbunden mit der Bedeutung der Kasus: „grāmo 'sti“ („es gibt ein Dorf“), „he mahārka iha“ [?] („o große Sonne, hier“), „naumi viṣṇuṃ śriyā saha“ („ich preise Viṣṇu samt Śrī“).
Wort für Wort
kārakam sampravakṣyāmi
die Kārakas will ich darlegen
vibhakti-artha-samanvitam
mit der Bedeutung der Kasus verbunden
grāmaḥ asti
es gibt ein Dorf
naumi viṣṇum
ich preise Viṣṇu
śriyā saha
samt Śrī
sukanda: lies skanda. hemahārkeha unklar, als Vokativbeispiel aufgefasst.
Der Agens (kartṛ) ist der Selbständige: „vidyāvantaṃ kṛtinaḥ samupāsate“ („die Kundigen verehren den Gelehrten“) [?]. Der veranlassende Agens: „ālambhayate“ („er lässt ergreifen“) … [?]. Beim Objekt-Agens:
Wort für Wort
svatantraḥ kartā
der Selbständige ist Agens
kṛtinaḥ samupāsate
die Kundigen verehren
hetu-kartā
veranlassender Agens
ālambhayate
lässt ergreifen
karma-kartari
beim Objekt-Agens
vidyāntaṃ wohl für vidyāvantaṃ; hitaṃ vai unklar. Vgl. Pāṇini 1.4.54–55.
„svayaṃ bhidyate prākṛtadhīḥ“ („der gewöhnliche Geist zerbricht von selbst“), „svayaṃ chidyate taruḥ“ („der Baum spaltet sich von selbst“). Der ausgedrückte Agens ist der höchste, der nicht ausgedrückte der niedrigste [?].
Wort für Wort
svayam bhidyate
zerbricht von selbst
prākṛta-dhīḥ
gewöhnlicher Geist
chidyate taruḥ
der Baum spaltet sich
kartā abhihitaḥ
ausgedrückter Agens
kartā anabhihitaḥ
nicht ausgedrückter Agens
bhidyet: lies bhidyate. uttama/adhama vielleicht nur Reihenfolge (zuerst/zuletzt) der Einteilung.
Der nicht ausgedrückte Agens [liegt vor], wie [in]: „dharmaḥ śiṣye vyākhyāyate“ („das Recht wird dem Schüler erklärt“). Der Agens wird als fünffach bezeichnet. Das Objekt ist siebenfach – höre:
Das erwünschte Objekt, wie: „śraddadhāti hariṃ yatiḥ“ („der Asket vertraut auf Hari“); das unerwünschte Objekt, wie: „ahiṃ laṅghayate bhṛśam“ („er tritt heftig über die Schlange“).
Weder erwünscht noch unerwünscht: „dugdhaṃ sambhakṣayan rajaḥ [bhakṣayati]“ („Milch trinkend verschluckt er Staub“). Auch das nicht genannte (akathita) [Objekt]: „gopālo dogdhi gāṃ payaḥ“ („der Hirt melkt die Kuh [um] Milch“).
Wort für Wort
na eva īpsitam na anīpsitam
weder erwünscht noch unerwünscht
dugdham sambhakṣayan rajaḥ
Milch essend … Staub
akathitam
nicht genannt
gopālaḥ dogdhi gām payaḥ
der Hirt melkt die Kuh um Milch
Text entstellt (sambhakṣyanrajaḥ bhakṣyedpy). Vgl. Pāṇini 1.4.50–51.
Das Agens-Objekt: „gamayec chiṣyaṃ grāmaṃ guruḥ“ („der Lehrer lasse den Schüler ins Dorf gehen“). Das ausgedrückte Objekt: „pūjā kriyate vai śriye hareḥ“ („die Verehrung Haris wird zum Heil vollzogen“).
Das nicht ausgedrückte Objekt: „stotraṃ hareḥ kuryāt sarvadam“ („man verfasse einen alles gewährenden Lobpreis Haris“). Das Instrument wird als zweifach bezeichnet: äußeres und inneres.
[Inneres:] „cakṣuṣā rūpaṃ gṛhṇāti“ („mit dem Auge erfasst er die Gestalt“); äußeres: „dātreṇa tal lunet“ („mit der Sichel schneide er es ab“). Der Empfänger wird als dreifach bezeichnet: antreibend: „brāhmaṇāya gāṃ
naro dadāti“ („der Mann gibt dem Brahmanen eine Kuh“); einwilligend: „nṛpataye dāsam“ („dem König einen Diener“); nicht ablehnend: „bhartre dadyāt puṣpāṇi sajjanaḥ“ („der Gute gebe dem Herrn Blumen“).
Der Ausgangspunkt wird als zweifach bezeichnet: beweglich: „aśvād dhāvataḥ patitaḥ“ („vom laufenden Pferd gefallen“); unbeweglich: „grāmād āgacchati sa vaiṣṇavaḥ“ („der Vaiṣṇava kommt aus dem Dorf“).
Der Ort ist vierfach: durchdringend: „dadhni ghṛtam“ („in der sauren Milch das Butterfett“), „tileṣu tailam“ („im Sesam das Öl“); „um der Götter willen“ [?] … – [der Ort] durch Berührung (aupaśleṣika) wird genannt:
„gṛhe tiṣṭhet“ („er bleibe im Haus“), „kapir vṛkṣe“ („der Affe auf dem Baum“); als bereichsbezogen (vaiṣayika) gilt, wie: „jale matsyaḥ, vane siṃhaḥ“ („der Fisch im Wasser, der Löwe im Wald“); als Nähe (sāmīpyaka) gilt, wie:
Wort für Wort
gṛhe tiṣṭhet
er bleibe im Haus
kapiḥ vṛkṣe
der Affe auf dem Baum
vaiṣayikam
bereichsbezogen
jale matsyaḥ vane siṃhaḥ
Fisch im Wasser, Löwe im Wald
sāmīpyakam
Nähe betreffend
Die Zuordnung von Beispiel und Bezeichnung ist doppeldeutig (Beispiel vor oder nach dem Terminus).
„gaṅgāyāṃ ghoṣo vasati“ („an der Gaṅgā wohnt die Hirtensiedlung“) – so ist der übertragene (aupacārika) [Ort]. Beim nicht ausgedrückten [Agens] gilt ebenso der dritte oder auch der sechste [Kasus]:
Wort für Wort
gaṅgāyām ghoṣaḥ vasati
an der Gaṅgā wohnt die Hirtensiedlung
aupacārikam
übertragen
tṛtīyā vā ṣaṣṭhī
dritter oder sechster Kasus
anabhihite
beim nicht Ausgedrückten
Mit aupacārika werden fünf Arten genannt, obwohl V. 12 vier ankündigt.
„viṣṇuḥ sampūjyate lokaiḥ“ („Viṣṇu wird von den Leuten verehrt“), „gantavyaṃ tena tasya vā“ („von ihm ist zu gehen“ – Instrumental oder Genitiv). Der erste [Kasus steht] beim ausgedrückten Agens und Objekt: „praṇamed dharim“ („er verneige sich vor Hari“).
Beim Grund [steht] der dritte: „annena vaset“ („er wohne um der Speise willen“). „vṛkṣāya vai jalam“ („Wasser für den Baum“): der vierte ist für den Zweck gelehrt. Der fünfte bei pari, apa, āṅ usw.
in Verbindung: „vṛṣṭaḥ pari grāmād devaḥ“ („der Gott hat außerhalb des Dorfes geregnet“), … [?], „pūrvo grāmāt“ („östlich vom Dorf“), „ṛte viṣṇor na muktiḥ“ („ohne Viṣṇu keine Erlösung“), „itaro hareḥ“ („verschieden von Hari“).
pṛthagvinādyaistṛtīyā pañcamī ca tathā bhavet / pṛthaggrāmādvihāreṇa vinā śrīś ca śriyā śriyaḥ //
Bei pṛthak, vinā usw. steht der dritte und ebenso der fünfte: „pṛthag grāmāt“ („getrennt vom Dorf“), „vihāreṇa vinā“ („ohne Vergnügen“), und [vinā] śrīḥ, śriyā, śriyaḥ („ohne Glück“).
Durch Verbindung mit den sogenannten Karmapravacanīyas steht der zweite: „anv arjunaṃ ca yoddhāraḥ“ („die Kämpfer nach Arjuna“), „abhito grāmam“ („rings um das Dorf“) wird gesagt.
namaḥsvāhāsvadhāsvastivaṣaḍādyaiś caturthyapi / namo devāya te svasti tumarthādbhāvācinaḥ //
Bei namaḥ, svāhā, svadhā, svasti, vaṣaṭ usw. auch der vierte: „namo devāya“ („Verehrung dem Gott“), „te svasti“ („Heil dir“). Bei Handlungsnomina mit der Bedeutung des Infinitivs:
Wort für Wort
namaḥ-svāhā-svadhā-svasti-vaṣaṭ
namaḥ, svāhā, svadhā, svasti, vaṣaṭ
caturthī
vierter Kasus
namaḥ devāya
Verehrung dem Gott
te svasti
Heil dir
tumarthāt bhāvavācinaḥ
bei Handlungsnomen in Infinitivbedeutung
tumarthādbhāvācinaḥ: vgl. Pāṇini 2.3.15 (tumarthāc ca bhāvavacanāt).
„pākāya / paktaye yāti“ („er geht zum Kochen“). Der dritte bei Verbindung mit saha, beim Grund, bei einem mangelhaften Körperglied und beim Kennzeichen:
„pitāgāt saha putreṇa“ („der Vater ging mit dem Sohn“), „kāṇo 'kṣṇā“ („auf einem Auge blind“), „gadayā hariḥ“ („Hari [erkennbar] an der Keule“), „arthena nivased bhṛtyaḥ“ („der Diener wohne um des Lohnes willen“). Bei Zeit und Zustand [steht] der siebte:
„viṣṇau nate bhaven muktiḥ“ („wenn man sich vor Viṣṇu verneigt hat, wird Erlösung“), „vasante sa gato harim“ („im Frühling ging er zu Hari“). „nṛṇāṃ svāmī / nṛṣu svāmī“ („Herr der Menschen“), „nṛṇām īśaḥ“ („Gebieter der Menschen“), „satāṃ patiḥ“ („Herr der Guten“),
Wort für Wort
viṣṇau nate
wenn vor Viṣṇu verneigt
vasante
im Frühling
nṛṇām svāmī
Herr der Menschen (Gen.)
nṛṣu svāmī
Herr unter den Menschen (Lok.)
satām patiḥ
Herr der Guten
Genitiv oder Lokativ bei svāmin usw.; vgl. Pāṇini 2.3.39.
„annasya hetor vasati“ („er wohnt um der Speise willen“) – der sechste. Beim Objekt [von Verben] mit der Bedeutung „sich erinnern“: „mātuḥ smarati“ („er gedenkt der Mutter“), „goptāram“ [?]. Stets bei Agens und Objekt [eines kṛt-Wortes]: „apāṃ bhettā“ („Spalter der Wasser“), „tava kṛtiḥ“ („dein Werk“). Bei Niṣṭhā-Formen (Partizipien auf -ta) usw. [steht] aber nicht der sechste.