Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 382: āgneyapurāṇamāhātmyam Die Größe des Agni-Purāṇa

Schlusskapitel des Agni-Purāṇa: Agni fasst das Werk als Darstellung des niederen (Veda und Wissenschaften) und höheren Wissens (das Unvergängliche) zusammen und preist die Hingabe an Viṣṇu. Es folgt eine ausführliche Phalaśruti zum Lesen, Hören, Abschreiben und Verehren des Buches, die Überlieferungskette Agni – Vasiṣṭha – Vyāsa – Sūta – Śaunaka und eine Inhaltsübersicht des ganzen Purāṇa. Mehrere Verse haben drei Halbverse, in V. 44 wechselt der Sprecher mitten im Vers; zahlreiche kleine Tippfehler der Digitalisierung (z. B. devāntā, vighaṇḍu, yujayet) sind vermerkt.

agnir uvāca | āgneyaṃ brahmarūpante purāṇaṃ kathataṃ mayā / saprapañcaṃ niṣprapañcaṃ vidyādvayamayaṃ mahat //

Agni sprach: Das Āgneya, das Purāṇa von der Gestalt des Brahman, habe ich dir erzählt, das große, mit Entfaltung und ohne Entfaltung, aus den beiden Wissensarten bestehend.

Wort für Wort
āgneyam
das Āgneya (Agni-Purāṇa)
brahma-rūpam
von Brahman-Gestalt
kathitam mayā
von mir erzählt
sa-prapañcam niṣprapañcam
mit und ohne Entfaltung
vidyā-dvaya-mayam
aus den beiden Wissensarten bestehend

„kathataṃ“ Tippfehler für „kathitaṃ“.

ṛgyajuḥsāmātharvākhyā vidyā viṣṇurjagajjaniḥ / chandaḥ śikṣā vyākaraṇaṃ nighaṇṭujyotirākhyakāḥ //

Das Wissen, das Ṛg-, Yajur-, Sāma- und Atharvaveda heißt – [das ist] Viṣṇu, der Ursprung der Welt –, die Fächer namens Metrik, Phonetik, Grammatik, Wortverzeichnis und Astronomie,

Wort für Wort
ṛc-yajuḥ-sāma-atharva-ākhyā vidyā
das Wissen namens Ṛg-, Yajur-, Sāma-, Atharvaveda
jagat-janiḥ
Ursprung der Welt
chandaḥ śikṣā vyākaraṇam
Metrik, Phonetik, Grammatik
nighaṇṭu
Wortverzeichnis
jyotiḥ
Astronomie

niruktadharmaśāstrādi mīmāṃsānyāyavistarāḥ / āyurvedapurāṇākhyā dhanurgandharvavistarāḥ //

Etymologie, Rechtslehre (Dharmaśāstra) usw., Mīmāṃsā und ausführliche Nyāya-Lehre, die Fächer namens Āyurveda und Purāṇa, Bogenkunde und ausführliche Musikkunde,

Wort für Wort
nirukta-dharmaśāstra-ādi
Etymologie, Rechtslehre usw.
mīmāṃsā-nyāya-vistarāḥ
Mīmāṃsā und ausführliche Logik
āyurveda-purāṇa-ākhyāḥ
Āyurveda und Purāṇa genannt
dhanuḥ
Bogenkunde
gandharva
Musikkunde

vidyā saivārthaśāstrākhyā devāntānyā harirmahān / ityeṣā cāparā vidyā parividyākṣaraṃ paraṃ //

und eben das Wissen namens Arthaśāstra, bis hin zum Vedānta – dies ist das andere [Wissen]; Hari ist groß. Dies ist das niedere Wissen; das höhere Wissen ist das höchste Unvergängliche.

Wort für Wort
artha-śāstra-ākhyā
Arthaśāstra genannt
vedānta-antā
bis zum Vedānta
aparā vidyā
das niedere Wissen
parā vidyā
das höhere Wissen
akṣaram param
das höchste Unvergängliche

„devāntā“ verderbt für „vedāntā“; „parividyā-“ für „parā vidyā“.

yasya bhāvo 'khilaṃ viṣṇustasya no bādhate kaliḥ / aniṣṭvā tu mahāyajñānakṛtvāpi pitṛsvadhāṃ //

Wessen Sinnen ganz Viṣṇu gilt, den bedrängt das Kali-Zeitalter nicht. Auch wer keine großen Opfer darbringt und die Ahnenspende nicht vollzieht,

Wort für Wort
yasya bhāvaḥ akhilam viṣṇuḥ
wessen Sinnen ganz Viṣṇu gilt
na bādhate kaliḥ
den bedrängt das Kali nicht
aniṣṭvā mahā-yajñān
ohne große Opfer darzubringen
akṛtvā pitṛ-svadhām
ohne die Ahnenspende zu vollziehen

kṛṣṇamabhyarcayanbhaktyā nainaso bhājanaṃ bhavet / sarvakāraṇamatyantaṃ viṣṇuṃ dhyāyanna sīdati //

aber Kṛṣṇa mit Hingabe verehrt, wird nicht zum Gefäß der Sünde. Wer Viṣṇu, die Ursache von allem, unablässig meditiert, geht nicht zugrunde.

Wort für Wort
kṛṣṇam abhyarcayan bhaktyā
Kṛṣṇa mit Hingabe verehrend
na enasaḥ bhājanam
kein Gefäß der Sünde
sarva-kāraṇam
Ursache von allem
atyantam dhyāyan
unablässig meditierend
na sīdati
geht nicht zugrunde

anyatantrādidoṣottho viṣayākṛṣṭamānasaḥ / kṛtvāpi pāpaṃ govindaṃ dhyāyanpāpaiḥ pramucyate //

Wer, durch Verfehlungen aus fremden Lehrsystemen usw. [verleitet], im Geist von den Sinnesdingen fortgezogen ist, wird, selbst wenn er Sünde begangen hat, durch Meditation auf Govinda von den Sünden befreit.

Wort für Wort
anya-tantra-ādi-doṣa-utthaḥ
aus Fehlern fremder Lehrsysteme usw. entstanden
viṣaya-ākṛṣṭa-mānasaḥ
mit von Sinnesdingen fortgezogenem Geist
kṛtvā api pāpam
selbst wenn er Sünde tat
govindam dhyāyan
Govinda meditierend
pramucyate
wird befreit

taddhyānaṃ yatra govindaḥ sa kathā yatra keśavaḥ / tat karma yattadarthīyaṃ kimanyair bahubhāṣitaiḥ //

Das ist Meditation, wo Govinda ist; das ist Erzählung, wo Keśava ist; das ist Handlung, die um seinetwillen geschieht – wozu viele andere Worte?

Wort für Wort
tat dhyānam
das ist Meditation
sā kathā yatra keśavaḥ
das ist Erzählung, wo Keśava ist
tat-arthīyam
um seinetwillen
kim anyaiḥ bahu-bhāṣitaiḥ
wozu viele andere Worte

na tat pitā tu putrāya na śiṣyāya gururdvija / paramārthaṃ paraṃ brūyādyadetatte mayoditaṃ //

Nicht würde ein Vater seinem Sohn, nicht ein Lehrer seinem Schüler, o Zweimalgeborener, das höchste Ziel so darlegen, wie ich es dir hier verkündet habe.

Wort für Wort
na pitā putrāya
nicht der Vater dem Sohn
na śiṣyāya guruḥ
nicht der Lehrer dem Schüler
parama-artham
das höchste Ziel
brūyāt
würde sagen
mayā uditam
von mir verkündet

saṃsāre bhramatā labhyaṃ putradāradhanaṃ vasu / suhṛdaś ca tathaivānye nopadeśo dvijedṛśaḥ //

Beim Umherirren im Saṃsāra sind Sohn, Frau, Geld und Güter zu erlangen, ebenso Freunde und anderes; nicht aber eine solche Unterweisung, o Zweimalgeborener.

Wort für Wort
saṃsāre bhramatā
vom im Saṃsāra Umherirrenden
labhyam
erlangbar
putra-dāra-dhanam vasu
Sohn, Frau, Geld, Güter
suhṛdaḥ
Freunde
na upadeśaḥ īdṛśaḥ
nicht eine solche Unterweisung

kiṃ putradārair mitrair vā kiṃ mitrakṣetravāndhavaiḥ / upadeśaḥ paro vandhurīdṛśo yo vimuktaye //

Was sollen Sohn, Frau oder Freunde, was Freunde, Felder und Verwandte? Der höchste Verwandte ist eine solche Unterweisung, die zur Befreiung führt.

Wort für Wort
kim putra-dāraiḥ
was sollen Sohn und Frau
mitra-kṣetra-bāndhavaiḥ
Freunde, Felder, Verwandte
upadeśaḥ paraḥ bandhuḥ
die Unterweisung ist der höchste Verwandte
vimuktaye
zur Befreiung

„vāndhavaiḥ“, „vandhur“ für „bāndhavaiḥ“, „bandhur“.

dvividho bhūtamārgīyaṃ daiva āsura eva ca / viṣṇubhaktiparo daivo viparītas tathāsuraḥ //

Zweifach ist dieser Weg der Wesen: der göttliche und der dämonische. Der göttliche ist der Viṣṇu-Hingabe ergeben, der dämonische ist das Gegenteil.

Wort für Wort
dvividhaḥ
zweifach
bhūta-mārgaḥ ayam
dieser Weg der Wesen
daivaḥ āsuraḥ
göttlich und dämonisch
viṣṇu-bhakti-paraḥ
der Viṣṇu-Hingabe ergeben
viparītaḥ
das Gegenteil

„bhūtamārgīyaṃ“ wohl für „bhūtamārgo 'yaṃ“.

etat pavitramārogyaṃ dhanyaṃ duḥsvapnanāśanaṃ / sukhaprītikaraṃ nṝṇāṃ mokṣakṛdyattaveritaṃ //

Dies, was dir verkündet wurde, ist läuternd, gesundheitsspendend, segensreich, böse Träume vernichtend, bereitet den Menschen Glück und Freude und bewirkt die Erlösung.

Wort für Wort
pavitram ārogyam
läuternd, gesundheitsspendend
dhanyam
segensreich
duḥsvapna-nāśanam
böse Träume vernichtend
sukha-prīti-karam
Glück und Freude bereitend
mokṣa-kṛt
Erlösung bewirkend

yeṣāṃ gṛheṣu likhitamāgneyaṃ hi purāṇakaṃ / pustakaṃ sthāsyati sadā tatra neśurupadravāḥ //

In wessen Häusern das Āgneya-Purāṇa, niedergeschrieben als Buch, ständig verweilt, dort sind die Plagen verschwunden.

Wort für Wort
yeṣām gṛheṣu
in wessen Häusern
likhitam
geschrieben
pustakam sthāsyati
das Buch wird verweilen
neśuḥ upadravāḥ
die Plagen sind verschwunden

kiṃ tīrthair gopradānair vā kiṃ yajñaiḥ kimupoṣitaiḥ / āgneyaṃ ye hi śṛṇvanti ahanyahani mānavāḥ //

Was bedarf es der Pilgerorte oder Kuhspenden, was der Opfer, was des Fastens für die Menschen, die das Āgneya Tag für Tag hören?

Wort für Wort
kim tīrthaiḥ
was sollen Pilgerorte
go-pradānaiḥ
Kuhspenden
upoṣitaiḥ
Fasten
śṛṇvanti
hören
ahani ahani
Tag für Tag

ye dadāti tilaprasthaṃ suvarṇasya ca māṣakaṃ / śṛṇoti ślokamekañca āgneyasya tadāpnuyāt //

Was [an Verdienst] der erlangt, der ein Prastha Sesam und ein Māṣaka Gold gibt, das erlangt, wer einen einzigen Vers des Āgneya hört.

Wort für Wort
tila-prastham
ein Prastha Sesam
suvarṇasya māṣakam
ein Māṣaka Gold
śṛṇoti ślokam ekam
hört einen einzigen Vers
tat āpnuyāt
erlangt dies

„ye dadāti“ für „yo dadāti“. Prastha und Māṣaka sind Maßeinheiten.

adhyāyapaṭhanañcāsya gopradānād viśiṣyate / ahorātrakṛtaṃ pāpaṃ śrotumicchoḥ praṇaśyati //

Das Lesen eines Kapitels davon übertrifft eine Kuhspende. Wer es zu hören begehrt, dessen Sünde, bei Tag und Nacht begangen, vergeht.

Wort für Wort
adhyāya-paṭhanam
das Lesen eines Kapitels
go-pradānāt viśiṣyate
übertrifft die Kuhspende
aho-rātra-kṛtam pāpam
bei Tag und Nacht begangene Sünde
śrotum icchoḥ
dessen, der zu hören begehrt
praṇaśyati
vergeht

kapilānāṃ śate datte yad bhavejjyeṣṭhapuṣkare / tadāgneyaṃ purāṇaṃ hi paṭhitvā phalamāpnuyāt //

Was [an Frucht] entsteht, wenn hundert Kapilā-Kühe im [Monat] Jyeṣṭha in Puṣkara gegeben werden, diese Frucht erlangt man durch Lesen des Āgneya-Purāṇa.

Wort für Wort
kapilānām śate datte
wenn hundert Kapilā-Kühe gegeben werden
jyeṣṭha-puṣkare
im Jyeṣṭha in Puṣkara
paṭhitvā
gelesen habend
phalam āpnuyāt
erlangt die Frucht

„jyeṣṭhapuṣkare“ auch als „im Jyeṣṭha-Puṣkara“ (dem ältesten der drei Puṣkara-Seen) deutbar.

pravṛttañca nivṛttañca dharmaṃ vidyādvayātmakaṃ / āgneyasya purāṇasya śāstrasyāsya samaṃ na hi //

Das tätige und das abgewandte Dharma, aus den beiden Wissensarten bestehend – [darin] gleicht nichts diesem Lehrbuch, dem Āgneya-Purāṇa.

Wort für Wort
pravṛttam nivṛttam dharmam
das tätige und abgewandte Dharma
vidyā-dvaya-ātmakam
aus zwei Wissensarten bestehend
śāstrasya asya
diesem Lehrbuch
samam na hi
nichts gleich

paṭhannāgneyakaṃ nityaṃ śṛṇvan vāpi purāṇakaṃ / bhakto vaśiṣṭha manujaḥ sarvapāpaiḥ pramucyate //

Wer stets das Āgneya liest oder das Purāṇa hört, der hingebungsvolle Mensch, o Vasiṣṭha, wird von allen Sünden befreit.

Wort für Wort
paṭhan nityam
stets lesend
śṛṇvan vā
oder hörend
bhaktaḥ manujaḥ
der hingebungsvolle Mensch
sarva-pāpaiḥ pramucyate
wird von allen Sünden befreit

nopasargā na cānarthā na caurāribhayaṃ gṛhe / tasman syād yatra cāgneyapurāṇasya hi pustakaṃ //

Keine Heimsuchungen, kein Unheil, keine Furcht vor Dieben und Feinden gibt es im Haus, wo ein Buch des Āgneya-Purāṇa ist.

Wort für Wort
na upasargāḥ
keine Heimsuchungen
na anarthāḥ
kein Unheil
caura-ari-bhayam
Furcht vor Dieben und Feinden
yatra pustakam
wo das Buch ist

„tasman“ für „tasmin“.

na garbhahāriṇībhītirna ca bālagrahā gṛhe / yatrāgneyaṃ purāṇaṃ syānna piśācādikaṃ bhayaṃ //

Keine Furcht vor der Leibesfrucht-Räuberin, keine Kinder-Dämonen im Haus, wo das Āgneya-Purāṇa ist, keine Furcht vor Piśācas usw.

Wort für Wort
garbha-hāriṇī-bhītiḥ
Furcht vor der Leibesfrucht-Räuberin
bāla-grahāḥ
Kinder ergreifende Dämonen
yatra āgneyam purāṇam syāt
wo das Āgneya-Purāṇa ist
piśāca-ādikam bhayam
Furcht vor Piśācas usw.

śṛṇvanvipro vedavit syāt kṣatriyaḥ pṛthivīpatiḥ / ṛddhiṃ prāpnoti vaiśyaś ca śūdraścārogyamṛcchati //

Ein Brahmane, der es hört, wird vedakundig, ein Kṣatriya Herr der Erde; Wohlstand erlangt der Vaiśya, und der Śūdra gelangt zu Gesundheit.

Wort für Wort
śṛṇvan vipraḥ
der hörende Brahmane
veda-vid
vedakundig
pṛthivī-patiḥ
Herr der Erde
ṛddhim prāpnoti
erlangt Wohlstand
ārogyam ṛcchati
gelangt zu Gesundheit

yaḥ paṭhetśṛṇuyānnityaṃ samadṛgviṣṇumānasaḥ / brahmāgneyaṃ purāṇaṃ sattatra naśyantyupadravāḥ //

Wo einer gleichen Blickes, den Geist auf Viṣṇu gerichtet, stets das treffliche Brahma-Āgneya-Purāṇa liest oder hört, dort vergehen die Plagen.

Wort für Wort
paṭhet śṛṇuyāt nityam
stets liest oder hört
sama-dṛk
gleichen Blickes
viṣṇu-mānasaḥ
den Geist auf Viṣṇu gerichtet
sat
trefflich
naśyanti upadravāḥ
vergehen die Plagen

divyāntarīkṣabhaumādyā duḥsvapnādyabhicārakāḥ / yaccānyadduritaṃ kiñcittatsarvaṃ hanti keśavaḥ //

Himmlische, atmosphärische und irdische [Unheilszeichen], böse Träume usw., Schadenzauber und was es sonst an Übel gibt – all das vernichtet Keśava.

Wort für Wort
divya-antarīkṣa-bhauma-ādyāḥ
himmlische, atmosphärische, irdische
duḥsvapna-ādi
böse Träume usw.
abhicārakāḥ
Schadenzauber
duritam
Übel
hanti keśavaḥ
vernichtet Keśava

paṭhataḥ śṛṇvataḥ puṃsaḥ pustakaṃ yajato mahat / āgneyaṃ śrīpurāṇaṃ hi hemante yaḥ śṛṇoti vai //

Für den Mann, der das große Buch liest, hört und verehrt [, gilt]: Wer das heilige Āgneya-Purāṇa im Winter hört,

Wort für Wort
paṭhataḥ śṛṇvataḥ puṃsaḥ
für den lesenden, hörenden Mann
pustakam yajataḥ
das Buch verehrend
śrī-purāṇam
das heilige Purāṇa
hemante
im Winter (Hemanta)

prapūjya gandhapuṣpādhyair agniṣṭomaphalaṃ labhet / śiśire puṇḍarīkasya vasante cāśvamedhajam //

nachdem er es mit Duftstoffen, Blumen usw. verehrt hat, erlangt die Frucht eines Agniṣṭoma; im Spätwinter die eines Puṇḍarīka, im Frühling die aus dem Pferdeopfer entstehende;

Wort für Wort
prapūjya
verehrt habend
gandha-puṣpa-ādyaiḥ
mit Duft, Blumen usw.
agniṣṭoma-phalam
Frucht des Agniṣṭoma
śiśire puṇḍarīkasya
im Spätwinter die des Puṇḍarīka
vasante aśvamedha-jam
im Frühling die des Pferdeopfers

„gandhapuṣpādhyair“ für „gandhapuṣpādyair“.

grīṣme tu vājapeyasya rājasūyasya varṣati / gosahasrasya śaradi phalaṃ tatpaṭhato hy ṛtau //

im Sommer die des Vājapeya, in der Regenzeit die des Rājasūya, im Herbst die von tausend Kühen – diese Frucht hat, wer in der [jeweiligen] Jahreszeit liest.

Wort für Wort
grīṣme vājapeyasya
im Sommer die des Vājapeya
rājasūyasya varṣati
in der Regenzeit die des Rājasūya
go-sahasrasya śaradi
im Herbst die von tausend Kühen
paṭhataḥ ṛtau
des in der Jahreszeit Lesenden

āgneyaṃ hi purāṇaṃ yo bhaktyāgre paṭhete hareḥ / so 'rcayecca vasiṣṭheha jñānayajñena keśavam //

Wer das Āgneya-Purāṇa mit Hingabe vor Hari liest, der verehrt hier, o Vasiṣṭha, Keśava mit dem Opfer der Erkenntnis.

Wort für Wort
bhaktyā agre hareḥ
mit Hingabe vor Hari
paṭhet
liest
arcayet
verehrt
jñāna-yajñena
mit dem Opfer der Erkenntnis

„paṭhete“ für „paṭhet“.

yasyāgneyapurāṇasya pustakaṃ tasya vai jayaḥ / likhitaṃ pūjitaṃ gehe bhuktirmuktiḥ kare 'sti hi //

Wer ein Buch des Āgneya-Purāṇa besitzt, dem ist der Sieg sicher; ist es im Haus geschrieben und verehrt, so liegen Genuss und Erlösung in seiner Hand.

Wort für Wort
pustakam tasya
wer das Buch hat
jayaḥ
Sieg
likhitam pūjitam gehe
im Haus geschrieben und verehrt
bhuktiḥ muktiḥ kare
Genuss und Erlösung in der Hand

iti kālāgnirūpeṇa gītaṃ me hariṇā purā / āgneyaṃ hi purāṇaṃ vai brahmavidyādvayāspadam / vidyādvayaṃ vasiṣṭhedaṃ bhaktebhyaḥ kathayiṣyasi //

So wurde es mir einst von Hari in der Gestalt des Kālāgni gesungen: das Āgneya-Purāṇa, die Stätte der beiden Brahman-Wissen. Dieses zweifache Wissen, o Vasiṣṭha, wirst du den Hingegebenen erzählen.

Wort für Wort
kāla-agni-rūpeṇa
in Gestalt des Kālāgni
gītam me hariṇā
mir von Hari gesungen
brahma-vidyā-dvaya-āspadam
Stätte der beiden Brahman-Wissen
bhaktebhyaḥ
den Hingegebenen
kathayiṣyasi
wirst du erzählen

Vers mit drei Halbversen.

vasiṣṭha uvāca | vyāsāgneyapurāṇaṃ te rūpaṃ vidyādvayātmakaṃ / kathitaṃ brahmaṇo viṣṇoragninā kathitaṃ yathā //

Vasiṣṭha sprach: O Vyāsa, das Āgneya-Purāṇa, dessen Gestalt aus den beiden Wissensarten besteht, ist dir erzählt, so wie es von Brahman, von Viṣṇu, [und] von Agni erzählt wurde,

Wort für Wort
vyāsa
o Vyāsa
rūpam vidyā-dvaya-ātmakam
Gestalt aus zwei Wissensarten
kathitam
erzählt
brahmaṇaḥ viṣṇoḥ
von Brahman, von Viṣṇu
agninā kathitam yathā
wie von Agni erzählt

sārdhaṃ devaiś ca munibhirmahyaṃ sarvāthadarśakaṃ / purāṇamagninā gautamāgneyaṃ brahmasanmitaṃ //

[wie es] zusammen mit den Göttern und Weisen mir [erzählt wurde], das alle Dinge aufzeigt: das Purāṇa, von Agni [verkündet], das vorzügliche [?] Āgneya, dem Brahman gleich.

Wort für Wort
sārdham devaiḥ munibhiḥ
zusammen mit Göttern und Weisen
mahyam
mir
sarva-artha-darśakam
alle Dinge aufzeigend
agninā
von Agni
brahma-sammitam
dem Brahman gleich

„sarvāthadarśakaṃ“ für „sarvārthadarśakaṃ“; „gautamāgneyaṃ“ verderbt, vielleicht „uttamam āgneyaṃ“.

yaḥ paṭhecchṛṇuyāddhyāsa likhedvā lekhayedapi / śrāvayetpāṭhayedvāpi pūjayeddhārayedapi //

Wer es liest oder hört, o Vyāsa, wer es schreibt oder schreiben lässt, vorträgt oder lesen lässt, verehrt oder aufbewahrt,

Wort für Wort
paṭhet śṛṇuyāt
liest, hört
likhet lekhayet
schreibt, schreiben lässt
śrāvayet pāṭhayet
vorträgt, lesen lässt
pūjayet dhārayet
verehrt, aufbewahrt

„śṛṇuyāddhyāsa“ für „śṛṇuyād vyāsa“.

sarvapāpavinirmuktaḥ prāprakāmo divaṃ vrajet / lekhayitvā purāṇaṃ yo dadyādviprebhya uttamaṃ //

der wird von allen Sünden frei, erlangt seine Wünsche und geht in den Himmel. Wer das vorzügliche Purāṇa abschreiben lässt und es den Brahmanen gibt,

Wort für Wort
sarva-pāpa-vinirmuktaḥ
frei von allen Sünden
prāpta-kāmaḥ
der seine Wünsche erlangt hat
divam vrajet
geht in den Himmel
lekhayitvā
abschreiben lassend
dadyāt viprebhyaḥ
den Brahmanen gibt

„prāprakāmo“ für „prāptakāmo“.

sa brahmalokamāpnoti kulānāṃ śatamuddharet / ekaṃ ślokaṃ paṭhedyastu pāpapaṅkādvimucyate //

der erlangt die Brahmā-Welt und rettet hundert Geschlechter. Wer auch nur einen Vers liest, wird aus dem Schlamm der Sünde befreit.

Wort für Wort
brahma-lokam āpnoti
erlangt die Brahmā-Welt
kulānām śatam uddharet
rettet hundert Geschlechter
ekam ślokam paṭhet
liest einen Vers
pāpa-paṅkāt vimucyate
wird aus dem Sündenschlamm befreit

tasmādvyāsa sadā śrāvyaṃ śiṣyebhyaḥ sarvadarśanaṃ / śukādyair munibhiḥ sardhaṃ śrotukāmaiḥ purāṇakaṃ //

Darum, o Vyāsa, soll das alles aufzeigende Purāṇa den Schülern stets vorgetragen werden, zusammen mit den Weisen Śuka und den anderen, die das Purāṇa zu hören begehren.

Wort für Wort
tasmāt vyāsa
darum, o Vyāsa
sadā śrāvyam
stets vorzutragen
śiṣyebhyaḥ
den Schülern
sarva-darśanam
alles aufzeigend
śuka-ādyaiḥ munibhiḥ
mit den Weisen Śuka usw.
śrotu-kāmaiḥ
hören wollend

āgneyaṃ paṭhitaṃ dhyātaṃ śubhaṃ syād bhuktimuktidaṃ / agnaye tu namastasmai yena gītaṃ purānakaṃ //

Das Āgneya, gelesen und meditiert, ist heilsam und gewährt Genuss und Erlösung. Verehrung jenem Agni, von dem das Purāṇa gesungen wurde!

Wort für Wort
paṭhitam dhyātam
gelesen und meditiert
śubham
heilsam
bhukti-mukti-dam
Genuss und Erlösung gebend
agnaye namaḥ
Verehrung dem Agni
yena gītam
von dem gesungen

„purānakaṃ“ für „purāṇakaṃ“.

vyāsa uvāca | vasiṣṭhena purā gītaṃ sūtaitatte mayoditaṃ / parāvidyāparāvidyāsvarūpaṃ paramaṃ padam //

Vyāsa sprach: Einst von Vasiṣṭha gesungen, o Sūta, habe ich dir dies verkündet: die höchste Stätte, deren Wesen das höhere und das niedere Wissen ist.

Wort für Wort
vasiṣṭhena purā gītam
einst von Vasiṣṭha gesungen
sūta
o Sūta
mayā uditam
von mir verkündet
parā-vidyā-aparā-vidyā-svarūpam
vom Wesen des höheren und niederen Wissens
paramam padam
höchste Stätte

āgneyaṃ durlabhaṃ rūpaṃ prāpyate bhāgyasaṃyutaiḥ / dhyāyanto brahma cāgneyaṃ purāṇaṃ harimāgatāḥ //

Die schwer erlangbare Gestalt, das Āgneya, wird von den mit Glück Begabten erlangt. Die das Brahman und das Āgneya-Purāṇa meditierten, sind zu Hari gelangt;

Wort für Wort
durlabham rūpam
schwer erlangbare Gestalt
prāpyate
wird erlangt
bhāgya-saṃyutaiḥ
von den mit Glück Begabten
dhyāyantaḥ
meditierend
harim āgatāḥ
zu Hari gelangt

vidyārthinas tathā vidyāṃ rājyaṃ rājyārthino gatāḥ / aputrāḥ putriṇaḥ santi nāśrayā āśrayaṃ gatāḥ //

ebenso sind die nach Wissen Strebenden zum Wissen, die nach Herrschaft Strebenden zur Herrschaft gelangt; die Sohnlosen haben Söhne, die Schutzlosen sind zu einem Schutz gelangt;

Wort für Wort
vidyā-arthinaḥ vidyām
die Wissensuchenden zum Wissen
rājyam rājya-arthinaḥ
die Herrschaftsuchenden zur Herrschaft
aputrāḥ putriṇaḥ
Sohnlose haben Söhne
na āśrayāḥ āśrayam gatāḥ
Schutzlose zum Schutz gelangt

saubhāgyārthī ca saubhāgyaṃ mokṣaṃ mokṣārthino gatāḥ / likhanto lekhayantaś ca niṣpāpaś ca śriyaṃ gatāḥ //

wer nach Glück strebte, zum Glück, die nach Erlösung Strebenden zur Erlösung; die es schreiben und schreiben lassen, sind sündlos zu Wohlstand gelangt.

Wort für Wort
saubhāgya-arthī
der nach Glück Strebende
mokṣam mokṣa-arthinaḥ
die Erlösungsuchenden zur Erlösung
likhantaḥ lekhayantaḥ
schreibend und schreiben lassend
niṣpāpāḥ
sündlos
śriyam gatāḥ
zu Wohlstand gelangt

„niṣpāpaś“ für „niṣpāpāś“.

śukapailamukhaiḥ sūta āgneyantu purāṇakaṃ / rūpaṃ cintaya yātāsi bhuktiṃ muktiṃ na saṃśayaḥ //

Mit Śuka, Paila und den anderen an der Spitze, o Sūta, bedenke die Gestalt, das Āgneya-Purāṇa; so wirst du Genuss und Erlösung erlangen, ohne Zweifel.

Wort für Wort
śuka-paila-mukhaiḥ
mit Śuka, Paila an der Spitze
rūpam cintaya
bedenke die Gestalt
yātā asi
du wirst gelangen
bhuktim muktim
Genuss und Erlösung
na saṃśayaḥ
ohne Zweifel

„yātāsi“ als Futur „du wirst gelangen“ verstanden.

śrāvaya tvañca śiṣyebhyo bhaktebhyaś ca purāṇakam sūta uvāca | vyāsa prasādādāgneyaṃ purāṇaṃ śrutamādarāt //

Und lass du das Purāṇa die Schüler und Hingegebenen hören. Sūta sprach: Durch Vyāsas Gnade wurde das Āgneya-Purāṇa mit Ehrfurcht gehört –

Wort für Wort
śrāvaya tvam
lass du hören
śiṣyebhyaḥ bhaktebhyaḥ
den Schülern und Hingegebenen
sūtaḥ uvāca
Sūta sprach
vyāsa-prasādāt
durch Vyāsas Gnade
śrutam ādarāt
ehrfürchtig gehört

Innerhalb des Verses wechselt der Sprecher zu Sūta (Sprecherangabe mitten im Vers).

āgneyaṃ brahmarūpaṃ hi munayaḥ śaunakādayaḥ / bhavanto naimiṣāraṇye yajanto harimīśvaraṃ //

das Āgneya von der Gestalt des Brahman, ihr Weisen, Śaunaka und die anderen, die ihr im Naimiṣa-Wald Hari, den Herrn, durch Opfer verehrt,

Wort für Wort
brahma-rūpam
von Brahman-Gestalt
munayaḥ śaunaka-ādayaḥ
ihr Weisen, Śaunaka usw.
naimiṣa-araṇye
im Naimiṣa-Wald
yajantaḥ harim īśvaram
Hari, den Herrn, verehrend

tiṣṭhantaḥ śraddhayā yuktāstasmādvaḥ samudīritam / agninā proktamāgneyaṃ purāṇaṃ vedasammitaṃ //

voll Glauben verweilend – darum ist es euch verkündet worden: das von Agni verkündete Āgneya-Purāṇa, dem Veda gleich,

Wort für Wort
tiṣṭhantaḥ śraddhayā yuktāḥ
voll Glauben verweilend
vaḥ samudīritam
euch verkündet
agninā proktam
von Agni verkündet
veda-sammitam
dem Veda gleich

brahmavidyādvayopetaṃ bhuktidaṃ muktidaṃ mahat / nāsmātparataraḥ sāro nāsmātparataraḥ suhṛt //

mit den beiden Brahman-Wissen versehen, Genuss und Erlösung gewährend, groß. Es gibt keine höhere Essenz als dieses, keinen höheren Freund als dieses,

Wort für Wort
brahma-vidyā-dvaya-upetam
mit beiden Brahman-Wissen versehen
bhukti-dam mukti-dam
Genuss und Erlösung gebend
na asmāt paratara sāraḥ
keine höhere Essenz als dieses
suhṛt
Freund

nāsmātparataro grantho nāsmātparataro gatiḥ / nāsmātparataraṃ śāstraṃ nāsmātparatarā śrutiḥ //

kein höheres Buch als dieses, keinen höheren Weg als dieses, kein höheres Lehrbuch als dieses, keine höhere Offenbarung als dieses,

Wort für Wort
granthaḥ
Buch
gatiḥ
Weg, Zuflucht
śāstram
Lehrbuch
śrutiḥ
Offenbarung
na asmāt paratara
nichts Höheres als dieses

nāsmātparataraṃ jñānaṃ nāsmātparatarā smṛtiḥ / nāsmātparo hy āgamo 'sti nāsmādvidyā parāsti hi //

keine höhere Erkenntnis als dieses, keine höhere Überlieferung als dieses, keine höhere Tradition (Āgama) gibt es als dieses, kein Wissen ist höher als dieses.

Wort für Wort
jñānam
Erkenntnis
smṛtiḥ
Überlieferung
āgamaḥ
überlieferte Lehre (Āgama)
vidyā parā
höheres Wissen

nāsmātparaḥ syātsiddhanto nāsmātparamamaṅgalam / nāsmātparo 'sti vedāntaḥ purāṇaṃ paramantvidaṃ //

Keine höhere Lehrmeinung als dieses, nichts Glückverheißenderes als dieses, keinen höheren Vedānta gibt es als dieses; dieses Purāṇa ist das höchste.

Wort für Wort
siddhāntaḥ
Lehrmeinung
parama-maṅgalam
höchstes Glückverheißendes
vedāntaḥ
Vedānta
purāṇam paramam idam
dieses Purāṇa ist das höchste

„siddhanto“ für „siddhānto“.

nāsmātparataraṃ bhūmau vidyate vastu durlabham / āgneye hi purāṇe 'smin sarvavidyāḥ pradarśitāḥ //

Nichts Höheres, schwer zu Erlangendes gibt es auf Erden als dieses. In diesem Āgneya-Purāṇa sind alle Wissenschaften dargestellt:

Wort für Wort
bhūmau
auf Erden
vastu durlabham
schwer erlangbares Ding
āgneye purāṇe asmin
in diesem Āgneya-Purāṇa
sarva-vidyāḥ pradarśitāḥ
alle Wissenschaften dargestellt

sarve matsyāvatārādyā gītā rāmāyaṇantviha / harivaṃśo bhāratañca nava sargāḥ pradarśitāḥ //

alle [Herabkünfte], beginnend mit der Fisch-Herabkunft, sind besungen, hier das Rāmāyaṇa; Harivaṃśa und Bhārata; die neun Schöpfungen sind dargestellt;

Wort für Wort
matsya-avatāra-ādyāḥ
mit der Fisch-Herabkunft beginnend
gītāḥ
besungen
rāmāyaṇam
das Rāmāyaṇa
harivaṃśaḥ bhāratam
Harivaṃśa und Bhārata
nava sargāḥ
die neun Schöpfungen

āgamo vaiṣṇavo gītaḥ pūjādīkṣāpratiṣṭhayā / pavitrārohaṇādīni pratimālakṣaṇādikaṃ //

der vaiṣṇavische Āgama ist besungen mit Verehrung, Weihe und Installation; das Aufsetzen der Pavitra-Schnur usw., die Merkmale der Götterbilder usw.,

Wort für Wort
āgamaḥ vaiṣṇavaḥ
der vaiṣṇavische Āgama
pūjā-dīkṣā-pratiṣṭhayā
mit Verehrung, Weihe, Installation
pavitra-ārohaṇa-ādīni
Aufsetzen der Pavitra-Schnur usw.
pratimā-lakṣaṇa-ādikam
Merkmale der Götterbilder usw.

prāsādalakṣaṇādyañca mantrā vai bhuktimuktidāḥ / śaivāgamastadarthaś ca śākteyaḥ saura eva ca //

die Merkmale der Tempel usw., Mantras, die Genuss und Erlösung gewähren; der śivaitische Āgama und dessen Inhalt, der śāktische und ebenso der saurische;

Wort für Wort
prāsāda-lakṣaṇa-ādyam
Merkmale der Tempel usw.
mantrāḥ bhukti-mukti-dāḥ
Mantras, die Genuss und Erlösung geben
śaiva-āgamaḥ
der śivaitische Āgama
śākteyaḥ
der śāktische
sauraḥ
der saurische (Sonnenkult)

maṇḍalāni ca vāstuś ca mantāṇi vividhāni ca / pratisargaścānugīto brahmāṇḍaparimaṇḍalaṃ //

die Maṇḍalas, die Baukunst und vielerlei Mantras; die Nachschöpfung ist besungen und der Umkreis des Welteies,

Wort für Wort
maṇḍalāni
Maṇḍalas
vāstuḥ
Baukunst
mantrāṇi vividhāni
vielerlei Mantras
pratisargaḥ
Nachschöpfung
brahmāṇḍa-parimaṇḍalam
Umkreis des Welteies

„mantāṇi“ für „mantrāṇi“.

gīto bhuvanakoṣaś ca dvīpavarṣādinimnagāḥ / gayāgaṅgāprayāgādi tīrthamāhātmyamīritaṃ //

besungen ist die Beschreibung der Welten, die Inseln, Länder, Flüsse usw.; die Größe der heiligen Orte Gayā, Gaṅgā, Prayāga usw. ist verkündet;

Wort für Wort
bhuvana-koṣaḥ
Beschreibung der Welten
dvīpa-varṣa-ādi-nimnagāḥ
Inseln, Länder usw., Flüsse
gayā-gaṅgā-prayāga-ādi
Gayā, Gaṅgā, Prayāga usw.
tīrtha-māhātmyam
Größe der heiligen Orte

jyotiś cakraṃ jyotiṣādi gīto yuddhajayārṇavaḥ / manvantarādayo gītāḥ dharmā varṇādikasya ca //

der Kreis der Gestirne, die Sternkunde usw., besungen ist der „Ozean des Kriegssieges“; die Manvantaras usw. sind besungen und die Pflichten der Stände usw.;

Wort für Wort
jyotiḥ-cakram
Kreis der Gestirne
jyotiṣa-ādi
Sternkunde usw.
yuddha-jaya-arṇavaḥ
„Ozean des Kriegssieges“
manvantara-ādayaḥ
Manvantaras usw.
dharmāḥ varṇa-ādikasya
Pflichten der Stände usw.

Yuddhajayārṇava ist der Titel eines astrologischen Kriegssieg-Abschnitts.

aśaucaṃ dravyaśuddhiś ca prāyaścittaṃ pradarśitaṃ / rājadharmā dānadharmā vratāni vividhāni ca //

Unreinheit, Reinigung von Gegenständen und Sühne sind dargestellt; Königspflichten, Pflichten des Gebens, vielerlei Gelübde;

Wort für Wort
aśaucam
Unreinheit
dravya-śuddhiḥ
Reinigung von Gegenständen
prāyaścittam
Sühne
rāja-dharmāḥ dāna-dharmāḥ
Königspflichten, Gabenpflichten
vratāni vividhāni
vielerlei Gelübde

vyavahārāḥ śāntayaś ca ṛgvedādividhānakaṃ / sūryavaṃśaḥ somavaṃśo dhanurvedaś ca vaidyakaṃ //

Rechtsverfahren, Befriedungsriten, die Anwendungsvorschriften des Ṛgveda usw.; Sonnendynastie, Monddynastie, Bogenkunde und Heilkunde;

Wort für Wort
vyavahārāḥ
Rechtsverfahren
śāntayaḥ
Befriedungsriten
ṛgveda-ādi-vidhānakam
Anwendungsvorschriften des Ṛgveda usw.
sūrya-vaṃśaḥ soma-vaṃśaḥ
Sonnen- und Monddynastie
dhanurvedaḥ vaidyakam
Bogenkunde, Heilkunde

gāndharvavedo 'rthaśāstraṃ mīmāṃsā nyāyavistaraḥ / purāṇasaṃkhyāmāhatmyaṃ chando vyakaraṇaṃ smṛtaṃ //

Musikkunde, Staatskunst, Mīmāṃsā, ausführliche Logik; Zahl und Größe der Purāṇas, Metrik und Grammatik sind überliefert;

Wort für Wort
gāndharva-vedaḥ
Musikkunde
artha-śāstram
Staatskunst
mīmāṃsā nyāya-vistaraḥ
Mīmāṃsā, ausführliche Logik
purāṇa-saṃkhyā-māhātmyam
Zahl und Größe der Purāṇas
chandaḥ vyākaraṇam
Metrik, Grammatik

„māhatmyaṃ“, „vyakaraṇaṃ“ Tippfehler.

alaṅkāro vighaṇḍuś ca śikṣākalpa ihoditaḥ smṛtaḥ / naimittikaḥ prākṛtiko laya ātyantikaḥ //

Poetik, Wortverzeichnis, Phonetik und Ritualkunde sind hier verkündet und überliefert; die gelegentliche, die natürliche und die endgültige Auflösung;

Wort für Wort
alaṅkāraḥ
Poetik
nighaṇṭuḥ
Wortverzeichnis
śikṣā-kalpaḥ
Phonetik und Ritualkunde
naimittikaḥ prākṛtikaḥ
gelegentliche, natürliche
layaḥ ātyantikaḥ
endgültige Auflösung

„vighaṇḍuś“ für „nighaṇṭuś“; der zweite Halbvers ist metrisch unvollständig.

vedāntaṃ brahmavijñānaṃ yogo hy aṣṭāṅga īritaḥ / stotraṃ purāṇamāhātmyaṃ vidyā hy aṣṭādaśa smṛtāḥ //

Vedānta, die Erkenntnis des Brahman, der achtgliedrige Yoga ist verkündet; Hymnen, die Größe des Purāṇa – achtzehn Wissenschaften gelten als überliefert.

Wort für Wort
vedāntam
Vedānta
brahma-vijñānam
Brahman-Erkenntnis
yogaḥ aṣṭa-aṅgaḥ
der achtgliedrige Yoga
stotram
Hymnen
vidyāḥ aṣṭādaśa
achtzehn Wissenschaften

ṛgvedādyāḥ parā hy atra parāvidyākṣaraṃ paraṃ / saprapañcaṃ niṣprapañcaṃ brahmaṇo rūpamīritaṃ //

Der Ṛgveda usw. ist hier das niedere [Wissen], das höhere Wissen ist das höchste Unvergängliche. Die Gestalt des Brahman, mit Entfaltung und ohne Entfaltung, ist verkündet.

Wort für Wort
ṛgveda-ādyāḥ aparāḥ
Ṛgveda usw. sind das Niedere
parā-vidyā
das höhere Wissen
akṣaram param
das höchste Unvergängliche
sa-prapañcam niṣprapañcam
mit und ohne Entfaltung
brahmaṇaḥ rūpam
Gestalt des Brahman

„parā“ im ersten Halbvers dem Sinn nach als „aparā“ zu lesen (vgl. V. 4).

idaṃ pañcadaśasohasraṃ śatakoṭipravistaraṃ / devaloke daivataiś ca purāṇaṃ paṭhyate sadā //

Dieses Purāṇa, fünfzehntausend [Verse] umfassend, in seiner vollen Ausdehnung hundert Koṭis [groß], wird in der Götterwelt von den Göttern stets gelesen.

Wort für Wort
pañcadaśa-sāhasram
fünfzehntausend umfassend
śata-koṭi-pravistaram
hundert Koṭis in der Ausdehnung
deva-loke
in der Götterwelt
daivataiḥ
von den Göttern
paṭhyate sadā
wird stets gelesen

„pañcadaśasohasraṃ“ für „-sāhasraṃ“.

lokānāṃ hitakāmena saṃkṣipyodgītamagninā / sarvaṃ brahmeti jānīdhvaṃ munayaḥ śaunakādayaḥ //

Im Verlangen nach dem Wohl der Welten wurde es von Agni zusammengefasst und gesungen. Erkennt: Alles ist Brahman, ihr Weisen, Śaunaka und die anderen!

Wort für Wort
lokānām hita-kāmena
aus Verlangen nach dem Wohl der Welten
saṃkṣipya
zusammengefasst
udgītam agninā
von Agni gesungen
sarvam brahma iti jānīdhvam
erkennt: alles ist Brahman

śṛṇuyācchrāvayedvāpi yaḥ paṭhetpāṭhayedapi / likhellekhāpayedvāpi yujayetkīrtayedapi //

Wer es hört oder hören lässt, wer es liest oder lesen lässt, wer es schreibt oder schreiben lässt, verehrt oder preist,

Wort für Wort
śṛṇuyāt śrāvayet
hört, hören lässt
paṭhet pāṭhayet
liest, lesen lässt
likhet lekhāpayet
schreibt, schreiben lässt
pūjayet kīrtayet
verehrt, preist

„yujayet“ für „pūjayet“.

purāṇapāṭhakañcaiva pūjayet prayato nṛpaḥ / gobhūhiraṇyadānādyair vastrālaṅkāratarpaṇaiḥ //

und ein König soll den Vorleser des Purāṇa sorgfältig ehren mit Gaben von Kühen, Land, Gold usw., mit Kleidern, Schmuck und Bewirtung;

Wort für Wort
purāṇa-pāṭhakam
den Vorleser des Purāṇa
pūjayet prayataḥ
soll sorgfältig ehren
nṛpaḥ
der König
go-bhū-hiraṇya-dāna-ādyaiḥ
mit Gaben von Kühen, Land, Gold usw.
vastra-alaṅkāra-tarpaṇaiḥ
mit Kleidern, Schmuck, Bewirtung

taṃ saṃpūjya labheccaiva purāṇaśravaṇāt phalaṃ / purāṇānte ca vai kuryādavaśyaṃ dvijabhojanaṃ //

hat er ihn geehrt, so erlangt er die Frucht des Hörens des Purāṇa. Am Ende des Purāṇa aber soll er unbedingt eine Speisung von Brahmanen veranstalten.

Wort für Wort
tam saṃpūjya
ihn geehrt habend
purāṇa-śravaṇāt phalam
die Frucht des Purāṇa-Hörens
purāṇa-ante
am Ende des Purāṇa
avaśyam
unbedingt
dvija-bhojanam
Speisung von Brahmanen

nirmalaḥ prāptasarvārthaḥ sakulaḥ svargamāpnuyāt / śarayantraṃ pustakāya sūtraṃ vai patrasañcayaṃ //

Makellos, alle Ziele erreicht habend, gelangt er mit seiner Familie in den Himmel. [Wer] ein Schreibrohr [?] für das Buch, Faden, einen Stapel Blätter,

Wort für Wort
nirmalaḥ
makellos
prāpta-sarva-arthaḥ
alle Ziele erreicht habend
sa-kulaḥ svargam āpnuyāt
gelangt mit der Familie in den Himmel
śara-yantram
Schreibrohr [?]
sūtram patra-sañcayam
Faden, Blätterstapel

„śarayantraṃ“ unsicher, wohl ein Schreibgerät aus Rohr.

paṭṭikābandhavastrādi dadyād yaḥ svargamāpnuyāt / yo dadyādbrahmalokī syāt pustakaṃ yasya vai gṛhe //

Deckbrettchen, Einband, Tuch usw. gibt, der gelangt in den Himmel. Wer [ein Buch] gibt, wird ein Bewohner der Brahmā-Welt. In wessen Haus ein Buch ist,

Wort für Wort
paṭṭikā-bandha-vastra-ādi
Deckbrettchen, Einband, Tuch usw.
dadyāt
gibt
svargam āpnuyāt
gelangt in den Himmel
brahma-lokī syāt
wird Bewohner der Brahmā-Welt
pustakam yasya gṛhe
in wessen Haus ein Buch ist

tasyotpātabhayaṃ nāsti bhuktimuktimavāpnuyāt / yūyaṃ samarata cāgneyaṃ purāṇaṃ rūpamaiśvaraṃ / sūto gataḥ pujitastaiḥ śaunakādyā hariṃ yāyaḥ //

für den gibt es keine Furcht vor Unheilszeichen; er erlangt Genuss und Erlösung. Gedenkt ihr des Āgneya-Purāṇa, der göttlichen Gestalt! – Sūta ging fort, von ihnen geehrt; Śaunaka und die anderen gingen zu Hari.

Wort für Wort
utpāta-bhayam na asti
keine Furcht vor Unheilszeichen
bhukti-muktim avāpnuyāt
erlangt Genuss und Erlösung
smarata
gedenkt
rūpam aiśvaram
die göttliche Gestalt
sūtaḥ gataḥ pūjitaḥ
Sūta ging, geehrt
harim yayuḥ
gingen zu Hari

Vers mit drei Halbversen; „samarata“ für „smarata“, „pujitas“ für „pūjitas“, „yāyaḥ“ wohl für „yayuḥ“.

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