Kapitel 382: āgneyapurāṇamāhātmyam
Die Größe des Agni-Purāṇa
Schlusskapitel des Agni-Purāṇa: Agni fasst das Werk als Darstellung des niederen (Veda und Wissenschaften) und höheren Wissens (das Unvergängliche) zusammen und preist die Hingabe an Viṣṇu. Es folgt eine ausführliche Phalaśruti zum Lesen, Hören, Abschreiben und Verehren des Buches, die Überlieferungskette Agni – Vasiṣṭha – Vyāsa – Sūta – Śaunaka und eine Inhaltsübersicht des ganzen Purāṇa. Mehrere Verse haben drei Halbverse, in V. 44 wechselt der Sprecher mitten im Vers; zahlreiche kleine Tippfehler der Digitalisierung (z. B. devāntā, vighaṇḍu, yujayet) sind vermerkt.
Agni sprach: Das Āgneya, das Purāṇa von der Gestalt des Brahman, habe ich dir erzählt, das große, mit Entfaltung und ohne Entfaltung, aus den beiden Wissensarten bestehend.
Das Wissen, das Ṛg-, Yajur-, Sāma- und Atharvaveda heißt – [das ist] Viṣṇu, der Ursprung der Welt –, die Fächer namens Metrik, Phonetik, Grammatik, Wortverzeichnis und Astronomie,
Etymologie, Rechtslehre (Dharmaśāstra) usw., Mīmāṃsā und ausführliche Nyāya-Lehre, die Fächer namens Āyurveda und Purāṇa, Bogenkunde und ausführliche Musikkunde,
und eben das Wissen namens Arthaśāstra, bis hin zum Vedānta – dies ist das andere [Wissen]; Hari ist groß. Dies ist das niedere Wissen; das höhere Wissen ist das höchste Unvergängliche.
Wort für Wort
artha-śāstra-ākhyā
Arthaśāstra genannt
vedānta-antā
bis zum Vedānta
aparā vidyā
das niedere Wissen
parā vidyā
das höhere Wissen
akṣaram param
das höchste Unvergängliche
„devāntā“ verderbt für „vedāntā“; „parividyā-“ für „parā vidyā“.
Wer, durch Verfehlungen aus fremden Lehrsystemen usw. [verleitet], im Geist von den Sinnesdingen fortgezogen ist, wird, selbst wenn er Sünde begangen hat, durch Meditation auf Govinda von den Sünden befreit.
na tat pitā tu putrāya na śiṣyāya gururdvija / paramārthaṃ paraṃ brūyādyadetatte mayoditaṃ //
Nicht würde ein Vater seinem Sohn, nicht ein Lehrer seinem Schüler, o Zweimalgeborener, das höchste Ziel so darlegen, wie ich es dir hier verkündet habe.
Beim Umherirren im Saṃsāra sind Sohn, Frau, Geld und Güter zu erlangen, ebenso Freunde und anderes; nicht aber eine solche Unterweisung, o Zweimalgeborener.
Dies, was dir verkündet wurde, ist läuternd, gesundheitsspendend, segensreich, böse Träume vernichtend, bereitet den Menschen Glück und Freude und bewirkt die Erlösung.
kapilānāṃ śate datte yad bhavejjyeṣṭhapuṣkare / tadāgneyaṃ purāṇaṃ hi paṭhitvā phalamāpnuyāt //
Was [an Frucht] entsteht, wenn hundert Kapilā-Kühe im [Monat] Jyeṣṭha in Puṣkara gegeben werden, diese Frucht erlangt man durch Lesen des Āgneya-Purāṇa.
Wort für Wort
kapilānām śate datte
wenn hundert Kapilā-Kühe gegeben werden
jyeṣṭha-puṣkare
im Jyeṣṭha in Puṣkara
paṭhitvā
gelesen habend
phalam āpnuyāt
erlangt die Frucht
„jyeṣṭhapuṣkare“ auch als „im Jyeṣṭha-Puṣkara“ (dem ältesten der drei Puṣkara-Seen) deutbar.
nachdem er es mit Duftstoffen, Blumen usw. verehrt hat, erlangt die Frucht eines Agniṣṭoma; im Spätwinter die eines Puṇḍarīka, im Frühling die aus dem Pferdeopfer entstehende;
grīṣme tu vājapeyasya rājasūyasya varṣati / gosahasrasya śaradi phalaṃ tatpaṭhato hy ṛtau //
im Sommer die des Vājapeya, in der Regenzeit die des Rājasūya, im Herbst die von tausend Kühen – diese Frucht hat, wer in der [jeweiligen] Jahreszeit liest.
iti kālāgnirūpeṇa gītaṃ me hariṇā purā / āgneyaṃ hi purāṇaṃ vai brahmavidyādvayāspadam / vidyādvayaṃ vasiṣṭhedaṃ bhaktebhyaḥ kathayiṣyasi //
So wurde es mir einst von Hari in der Gestalt des Kālāgni gesungen: das Āgneya-Purāṇa, die Stätte der beiden Brahman-Wissen. Dieses zweifache Wissen, o Vasiṣṭha, wirst du den Hingegebenen erzählen.
Vasiṣṭha sprach: O Vyāsa, das Āgneya-Purāṇa, dessen Gestalt aus den beiden Wissensarten besteht, ist dir erzählt, so wie es von Brahman, von Viṣṇu, [und] von Agni erzählt wurde,
sārdhaṃ devaiś ca munibhirmahyaṃ sarvāthadarśakaṃ / purāṇamagninā gautamāgneyaṃ brahmasanmitaṃ //
[wie es] zusammen mit den Göttern und Weisen mir [erzählt wurde], das alle Dinge aufzeigt: das Purāṇa, von Agni [verkündet], das vorzügliche [?] Āgneya, dem Brahman gleich.
Wort für Wort
sārdham devaiḥ munibhiḥ
zusammen mit Göttern und Weisen
mahyam
mir
sarva-artha-darśakam
alle Dinge aufzeigend
agninā
von Agni
brahma-sammitam
dem Brahman gleich
„sarvāthadarśakaṃ“ für „sarvārthadarśakaṃ“; „gautamāgneyaṃ“ verderbt, vielleicht „uttamam āgneyaṃ“.
Darum, o Vyāsa, soll das alles aufzeigende Purāṇa den Schülern stets vorgetragen werden, zusammen mit den Weisen Śuka und den anderen, die das Purāṇa zu hören begehren.
Die schwer erlangbare Gestalt, das Āgneya, wird von den mit Glück Begabten erlangt. Die das Brahman und das Āgneya-Purāṇa meditierten, sind zu Hari gelangt;
ebenso sind die nach Wissen Strebenden zum Wissen, die nach Herrschaft Strebenden zur Herrschaft gelangt; die Sohnlosen haben Söhne, die Schutzlosen sind zu einem Schutz gelangt;
saubhāgyārthī ca saubhāgyaṃ mokṣaṃ mokṣārthino gatāḥ / likhanto lekhayantaś ca niṣpāpaś ca śriyaṃ gatāḥ //
wer nach Glück strebte, zum Glück, die nach Erlösung Strebenden zur Erlösung; die es schreiben und schreiben lassen, sind sündlos zu Wohlstand gelangt.
nāsmātparataraṃ jñānaṃ nāsmātparatarā smṛtiḥ / nāsmātparo hy āgamo 'sti nāsmādvidyā parāsti hi //
keine höhere Erkenntnis als dieses, keine höhere Überlieferung als dieses, keine höhere Tradition (Āgama) gibt es als dieses, kein Wissen ist höher als dieses.
alle [Herabkünfte], beginnend mit der Fisch-Herabkunft, sind besungen, hier das Rāmāyaṇa; Harivaṃśa und Bhārata; die neun Schöpfungen sind dargestellt;
prāsādalakṣaṇādyañca mantrā vai bhuktimuktidāḥ / śaivāgamastadarthaś ca śākteyaḥ saura eva ca //
die Merkmale der Tempel usw., Mantras, die Genuss und Erlösung gewähren; der śivaitische Āgama und dessen Inhalt, der śāktische und ebenso der saurische;
der Kreis der Gestirne, die Sternkunde usw., besungen ist der „Ozean des Kriegssieges“; die Manvantaras usw. sind besungen und die Pflichten der Stände usw.;
Wort für Wort
jyotiḥ-cakram
Kreis der Gestirne
jyotiṣa-ādi
Sternkunde usw.
yuddha-jaya-arṇavaḥ
„Ozean des Kriegssieges“
manvantara-ādayaḥ
Manvantaras usw.
dharmāḥ varṇa-ādikasya
Pflichten der Stände usw.
Yuddhajayārṇava ist der Titel eines astrologischen Kriegssieg-Abschnitts.
vedāntaṃ brahmavijñānaṃ yogo hy aṣṭāṅga īritaḥ / stotraṃ purāṇamāhātmyaṃ vidyā hy aṣṭādaśa smṛtāḥ //
Vedānta, die Erkenntnis des Brahman, der achtgliedrige Yoga ist verkündet; Hymnen, die Größe des Purāṇa – achtzehn Wissenschaften gelten als überliefert.
Der Ṛgveda usw. ist hier das niedere [Wissen], das höhere Wissen ist das höchste Unvergängliche. Die Gestalt des Brahman, mit Entfaltung und ohne Entfaltung, ist verkündet.
Wort für Wort
ṛgveda-ādyāḥ aparāḥ
Ṛgveda usw. sind das Niedere
parā-vidyā
das höhere Wissen
akṣaram param
das höchste Unvergängliche
sa-prapañcam niṣprapañcam
mit und ohne Entfaltung
brahmaṇaḥ rūpam
Gestalt des Brahman
„parā“ im ersten Halbvers dem Sinn nach als „aparā“ zu lesen (vgl. V. 4).
Dieses Purāṇa, fünfzehntausend [Verse] umfassend, in seiner vollen Ausdehnung hundert Koṭis [groß], wird in der Götterwelt von den Göttern stets gelesen.
Makellos, alle Ziele erreicht habend, gelangt er mit seiner Familie in den Himmel. [Wer] ein Schreibrohr [?] für das Buch, Faden, einen Stapel Blätter,
Wort für Wort
nirmalaḥ
makellos
prāpta-sarva-arthaḥ
alle Ziele erreicht habend
sa-kulaḥ svargam āpnuyāt
gelangt mit der Familie in den Himmel
śara-yantram
Schreibrohr [?]
sūtram patra-sañcayam
Faden, Blätterstapel
„śarayantraṃ“ unsicher, wohl ein Schreibgerät aus Rohr.
paṭṭikābandhavastrādi dadyād yaḥ svargamāpnuyāt / yo dadyādbrahmalokī syāt pustakaṃ yasya vai gṛhe //
Deckbrettchen, Einband, Tuch usw. gibt, der gelangt in den Himmel. Wer [ein Buch] gibt, wird ein Bewohner der Brahmā-Welt. In wessen Haus ein Buch ist,
für den gibt es keine Furcht vor Unheilszeichen; er erlangt Genuss und Erlösung. Gedenkt ihr des Āgneya-Purāṇa, der göttlichen Gestalt! – Sūta ging fort, von ihnen geehrt; Śaunaka und die anderen gingen zu Hari.
Wort für Wort
utpāta-bhayam na asti
keine Furcht vor Unheilszeichen
bhukti-muktim avāpnuyāt
erlangt Genuss und Erlösung
smarata
gedenkt
rūpam aiśvaram
die göttliche Gestalt
sūtaḥ gataḥ pūjitaḥ
Sūta ging, geehrt
harim yayuḥ
gingen zu Hari
Vers mit drei Halbversen; „samarata“ für „smarata“, „pujitas“ für „pūjitas“, „yāyaḥ“ wohl für „yayuḥ“.