Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 198: māsavratāni Die Monatsgelübde

Agni zählt Gelübde auf, die sich über Monate erstrecken, insbesondere die viermonatigen Gelübde ab Āṣāḍha (cāturmāsya) mit dem Gelöbnisgebet an Keśava sowie verschiedene Speise- und Enthaltungsregeln und ihre Früchte. Abschließend wird das Kaumuda-Gelübde im Āśvina beschrieben. Einige Verschreibungen (pṛṭhak, gugdha, bhktathā) sind vermerkt.

agnir uvāca | māsavratakamākhyāsye bhuktimuktipradāyakaṃ / āṣāḍhādicaturmāsamabhyaṅgaṃ varjayet sudhīḥ //

Agni sprach: Ich werde die Monatsgelübde erklären, die Genuss und Erlösung gewähren. Die vier Monate ab Āṣāḍha meide der Verständige das Einsalben [mit Öl].

Wort für Wort
māsa-vratakam
Monatsgelübde
ākhyāsye
ich werde erklären
āṣāḍha-ādi-catur-māsam
vier Monate ab Āṣāḍha
abhyaṅgam
Einsalben
varjayet sudhīḥ
meide der Verständige

vaiśākhe puṣpalavaṇantyaktvā godo nṛpo bhavet / godo māsopavāsī ca bhīmavratakaro hariḥ //

Wer im Vaiśākha Blumen und Salz aufgibt und eine Kuh spendet, wird König. Wer eine Kuh spendet und einen Monat lang fastet, [wird] als Vollzieher des Bhīma-Gelübdes zu Hari.

Wort für Wort
puṣpa-lavaṇam tyaktvā
Blumen und Salz aufgebend
go-daḥ
Kuhspender
nṛpaḥ bhavet
wird König
māsa-upavāsī
einen Monat fastend
bhīma-vrata-karaḥ
Vollzieher des Bhīma-Gelübdes

āṣāḍhādicaturmāsaṃ prātaḥsnāyī ca viṣṇugaḥ / māghe māsyatha caitre vā guḍadhenuprado bhavet //

Wer die vier Monate ab Āṣāḍha morgens badet, gelangt zu Viṣṇu. Im Monat Māgha oder im Caitra spende man eine Rohzucker-Kuh.

Wort für Wort
prātaḥ-snāyī
morgens badend
viṣṇu-gaḥ
zu Viṣṇu gelangend
māghe māsi
im Monat Māgha
guḍa-dhenu-pradaḥ
Spender einer Rohzucker-Kuh

guḍavratastṛtīyāyāṃ gaurīśaḥ syānmahāvratī / mārgaśīrṣādimāseṣu naktakṛdviṣṇulokabhāk //

Wer am dritten Tag das Rohzuckergelübde hält, wird als großer Gelübdehalter zum Herrn der Gaurī [Anm.: erlangt Śivas Stand]. Wer in den Monaten ab Mārgaśīrṣa nur nachts isst, wird der Welt Viṣṇus teilhaftig.

Wort für Wort
guḍa-vrataḥ
das Rohzuckergelübde haltend
tṛtīyāyām
am dritten Tag
gaurī-īśaḥ
Herr der Gaurī
nakta-kṛt
wer nur nachts isst
viṣṇu-loka-bhāk
der Viṣṇu-Welt teilhaftig

ekabhaktavratī tadvad dvādaśīvratakaṃ pṛṭhak / phalavratī caturmāsaṃ phalaṃ tyaktvā pradāpayet //

Ebenso wer das Gelübde einer [täglichen] Mahlzeit hält; das Dvādaśī-Gelübde [ist] gesondert [zu behandeln]. Wer vier Monate das Fruchtgelübde hält, gebe, nachdem er eine Frucht aufgegeben hat, [diese] als Spende.

Wort für Wort
eka-bhakta-vratī
wer das Einmahlzeitgelübde hält
dvādaśī-vratakam
das Gelübde am zwölften Tag
pṛthak
gesondert
phala-vratī
wer das Fruchtgelübde hält
pradāpayet
gebe als Spende

pṛṭhak für pṛthak.

śrāvaṇādicaturmāsaṃ vrataiḥ sarvaṃ labhedvratī / āṣāḍhasya site pakṣe ekādaśyāmupoṣitaḥ //

In den vier Monaten ab Śrāvaṇa erlangt der Gelübdetreue durch Gelübde alles. In der hellen Hälfte des Āṣāḍha, am elften Tag fastend,

Wort für Wort
śrāvaṇa-ādi
ab Śrāvaṇa
vrataiḥ
durch Gelübde
sarvaṃ labhet
erlangt alles
āṣāḍhasya site pakṣe
in der hellen Hälfte des Āṣāḍha
ekādaśyām upoṣitaḥ
am elften fastend

cāturmāsyavratānāntu kurvīta parikalpanaṃ / āṣāḍhyāñcātha saṅkrāntau karkaṭasya hariṃ yajet //

soll man die Festlegung der viermonatigen Gelübde vornehmen. Am Āṣāḍha-Vollmond oder beim Eintritt [der Sonne] in den Krebs verehre man Hari [mit den Worten]:

Wort für Wort
cāturmāsya-vratānām
der viermonatigen Gelübde
parikalpanam
Festlegung
āṣāḍhyām
am Āṣāḍha-Vollmond
saṅkrāntau karkaṭasya
beim Eintritt in den Krebs
hariṃ yajet
verehre Hari

idaṃ vrataṃ mayā deva gṛhītaṃ puratastava / nirvighnāṃ siddhimāyātu prasanne tvayi keśava //

'Dieses Gelübde habe ich, o Gott, vor dir auf mich genommen; möge es ohne Hindernis zur Vollendung gelangen, wenn du, Keśava, gnädig bist.

Wort für Wort
idaṃ vratam
dieses Gelübde
gṛhītam puratas tava
vor dir übernommen
nirvighnām siddhim
hindernisfreie Vollendung
prasanne tvayi
wenn du gnädig bist

gṛhīte 'smin vrate deva yadyapūrṇe mriye hy ahaṃ / tanme bhavatu sampūrṇaṃ tvatprasādājjanārdana //

Wenn ich, o Gott, sterbe, während dieses übernommene Gelübde noch unvollständig ist, so möge es mir durch deine Gnade vollständig werden, Janārdana.'

Wort für Wort
gṛhīte asmin vrate
bei diesem übernommenen Gelübde
apūrṇe
wenn unvollständig
mriye
ich sterbe
sampūrṇam bhavatu
möge vollständig sein
tvat-prasādāt
durch deine Gnade

māṃsādi tyaktvā vipraḥ syāttailatyāgī hariṃ yajet / ekāntaropavāsī ca trirātraṃ viṣṇulokabhāk //

Wer Fleisch und dergleichen aufgibt, wird ein Brahmane; wer Öl aufgibt, verehre Hari. Wer jeden zweiten Tag fastet und wer drei Nächte [fastet], wird der Welt Viṣṇus teilhaftig.

Wort für Wort
māṃsa-ādi tyaktvā
Fleisch usw. aufgebend
vipraḥ syāt
wird Brahmane
taila-tyāgī
wer Öl aufgibt
ekāntara-upavāsī
jeden zweiten Tag fastend
tri-rātram
drei Nächte

vipraḥ syāt ('wird ein Brahmane') ist als Frucht in einer künftigen Geburt zu verstehen [?].

cāndrāyaṇī viṣṇulokī maunī syān muktibhājanaṃ / prājāpatyavratī svargī śaktuyāvakabhakṣakaḥ //

Wer das Cāndrāyaṇa [Anm.: am Mondlauf ausgerichtetes Fasten] hält, gelangt in die Welt Viṣṇus; wer Schweigen hält, wird der Erlösung teilhaftig. Wer das Prājāpatya-Gelübde hält, gelangt in den Himmel, [ebenso] wer Gerstengrütze und Gerstenbrei isst.

Wort für Wort
cāndrāyaṇī
wer das Cāndrāyaṇa hält
maunī
wer schweigt
mukti-bhājanam
Gefäß der Erlösung
prājāpatya-vratī
wer das Prājāpatya-Gelübde hält
saktu-yāvaka-bhakṣakaḥ
Gerstengrütze und Gerstenbrei essend

śaktu für saktu.

gugdhādyāhāravān svargī pañcagavyāmbubhktathā / śākamūlaphalāhārī naro viṣṇupurīṃ vrajet //

Wer sich von Milch und dergleichen ernährt, gelangt in den Himmel, ebenso wer die fünf Kuhprodukte und Wasser genießt; ein Mann, der Gemüse, Wurzeln und Früchte isst, gelangt in die Stadt Viṣṇus.

Wort für Wort
dugdha-ādi-āhāravān
von Milch usw. lebend
svargī
himmelsgelangend
pañca-gavya-ambu-bhuk
die fünf Kuhprodukte und Wasser genießend
śāka-mūla-phala-āhārī
Gemüse, Wurzeln, Früchte essend
viṣṇu-purīm
die Stadt Viṣṇus

gugdhādyāhāravān für dugdhādyāhāravān; pañcagavyāmbubhktathā für pañcagavyāmbubhuk tathā.

māṃsavarjī yavāhāro rasavarjī hariṃ vrajet / kaumudavratamākhyāsye āśvine samupoṣitaḥ //

Wer Fleisch meidet, von Gerste lebt und würzige Säfte meidet, gelangt zu Hari. Ich werde das Kaumuda-Gelübde erklären: Im Āśvina fastend

Wort für Wort
māṃsa-varjī
Fleisch meidend
yava-āhāraḥ
von Gerste lebend
rasa-varjī
Würzen meidend
kaumuda-vratam
das Kaumuda-Gelübde
āśvine samupoṣitaḥ
im Āśvina fastend

dvādaśyāṃ pūjayedviṣṇuṃ pralipyābjotpalādibhiḥ / ghṛtena tilatailena dīpanaivedyamarpayet //

verehre man am zwölften Tag Viṣṇu, nachdem man [ihn] gesalbt hat, mit Lotosblüten, blauen Wasserrosen und anderem; mit Butterschmalz [oder] Sesamöl bringe man Lampe und Speisegabe dar.

Wort für Wort
pralipya
gesalbt habend
abja-utpala-ādibhiḥ
mit Lotos, Wasserrosen usw.
ghṛtena tila-tailena
mit Butterschmalz, Sesamöl
dīpa-naivedyam
Lampe und Speisegabe
arpayet
bringe dar

oṃ namo vāsudevāya mālatyā mālayā yajet / dharmakāmārthamokṣāṃś ca prāpnuyāt kaumudavratī //

Mit 'Oṃ namo vāsudevāya' [Anm.: 'Oṃ, Verehrung dem Vāsudeva'] verehre man [ihn] mit einem Kranz aus Mālatī-Jasmin. Wer das Kaumuda-Gelübde hält, erlangt Recht, Liebe, Wohlstand und Erlösung.

Wort für Wort
mālatyā mālayā
mit einem Jasminkranz
yajet
verehre
dharma-kāma-artha-mokṣān
Recht, Liebe, Wohlstand, Erlösung
kaumuda-vratī
wer das Kaumuda-Gelübde hält

sarvaṃ labheddhariṃ prārcya māsopavāsakavratī //

Wer das Gelübde des monatlichen Fastens hält, erlangt alles, nachdem er Hari verehrt hat.

Wort für Wort
sarvaṃ labhet
erlangt alles
hariṃ prārcya
Hari verehrt habend
māsa-upavāsaka-vratī
wer das Monatsfastengelübde hält

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