Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 210: mahādānāni Die großen Gaben

Agni zählt die sechzehn großen Gaben auf und beschreibt die Berg-Gaben (aus Getreide, Salz, Rohzucker, Gold usw.) mit ihren Mengen, die zehn Kuh-Gaben aus Stoffen wie Rohzucker, Ghee und Sesam samt Maßeinheiten, die Gestaltung der Rohzuckerkuh, die Anrufungsmantras, die Gabe lebender Kühe und die Vaitaraṇī-Kuh für Sterbende. Von den angekündigten zehn Bergen werden nur neun genannt; mehrere Schreibfehler der Digitalisierung (ghṛha, tṛtoyā, kṣoriṇau, somasammitān).

agnir uvāca | sarvadānāni vakṣyāmi mahādānāni ṣoḍaśa / tulāpuruṣa ādyantu hiraṇyagarbhadānakaṃ //

Agni sprach: Alle Gaben will ich nennen, [zuerst] die sechzehn großen Gaben: die erste ist der Tulāpuruṣa (Mensch auf der Waage), [dann] die Gabe des Goldenen Keims (Hiraṇyagarbha),

Wort für Wort
sarva-dānāni vakṣyāmi
alle Gaben will ich nennen
mahā-dānāni ṣoḍaśa
die sechzehn großen Gaben
tulā-puruṣaḥ ādyam
der Mensch auf der Waage als erste
hiraṇya-garbha-dānakam
die Gabe des Goldenen Keims

brahmāṇḍaṃ kalpavṛkṣaś ca gosahasrañca pañcamaṃ / hiraṇyakāmadhenuś ca hiraṇyāśvaś ca saptamaṃ //

das Brahman-Ei (Brahmāṇḍa), der Wunschbaum und als fünfte tausend Kühe; die goldene Wunschkuh und als siebte das goldene Pferd,

Wort für Wort
brahma-aṇḍam
das Brahman-Ei
kalpa-vṛkṣaḥ
der Wunschbaum
go-sahasram pañcamam
tausend Kühe als fünfte
hiraṇya-kāmadhenuḥ
die goldene Wunschkuh
hiraṇya-aśvaḥ saptamam
das goldene Pferd als siebte

hiraṇyāśvarathastadvaddhemahastirathas tathā / pañcalāṅgalakantadvaddharādānaṃ tathaiva ca //

ebenso der goldene Pferdewagen, ebenso der goldene Elefantenwagen, ebenso die fünf Pflüge und ebenso die Gabe der Erde,

Wort für Wort
hiraṇya-aśva-rathaḥ
der goldene Pferdewagen
hema-hasti-rathaḥ
der goldene Elefantenwagen
pañca-lāṅgalakam
die fünf Pflüge
dharā-dānam
die Gabe der Erde

viśvacakraṃ kalpalatā saptasāgarakaṃ paraṃ / ratnadhenurmahābhūtaghaṭaḥ śubhadine 'rpayet //

das Weltrad (Viśvacakra), die Wunschranke (Kalpalatā), ferner die sieben Meere, die Juwelenkuh und der Krug der großen Elemente – [diese] bringe man an einem glückverheißenden Tag dar.

Wort für Wort
viśva-cakram
das Weltrad
kalpa-latā
die Wunschranke
sapta-sāgarakam
die sieben Meere
ratna-dhenuḥ
die Juwelenkuh
mahā-bhūta-ghaṭaḥ
der Krug der großen Elemente
śubha-dine arpayet
am glückverheißenden Tag bringe man dar

Die Liste V. 1–4 ergibt genau sechzehn Gaben.

maṇḍape maṇḍale dānaṃ devān prārcyārpayeddvije / merudānāni puṇyāni meravo daśa tān śṛṇu //

In einem Pavillon, in einem Maṇḍala verehre man die Götter und übergebe die Gabe einem Brahmanen. Verdienstvoll sind die Berg-(Meru-)Gaben; zehn Berge gibt es, höre sie:

Wort für Wort
maṇḍape maṇḍale
im Pavillon, im Maṇḍala
devān prārcya
die Götter verehrt habend
arpayet dvije
übergebe man einem Brahmanen
meru-dānāni puṇyāni
verdienstvoll sind die Berggaben
meravaḥ daśa tān śṛṇu
zehn Berge, höre sie

dhānyadroṇasahasreṇa uttamo 'rdhārdhataḥ parau / uttamaḥ ṣoḍaśadroṇaḥ kartavyo lavaṇācalaḥ //

Mit tausend Droṇa Getreide ist [der Getreideberg] der beste, die beiden anderen [bestehen] aus je der Hälfte. Der beste Salzberg ist aus sechzehn Droṇa zu machen.

Wort für Wort
dhānya-droṇa-sahasreṇa
mit tausend Droṇa Getreide
uttamaḥ
der beste
ardha-ardhataḥ parau
die anderen beiden je zur Hälfte
ṣoḍaśa-droṇaḥ
aus sechzehn Droṇa
lavaṇa-acalaḥ
der Salzberg

daśabhārair guḍādriḥ syāduttamo 'rdhārdhataḥ parau / uttamaḥ palasāhasraiḥ svarṇamerus tathā parau //

Mit zehn Bhāra sei der Rohzuckerberg der beste, die beiden anderen je zur Hälfte; der beste Goldberg [besteht] aus tausend Pala, ebenso [je zur Hälfte] die beiden anderen.

Wort für Wort
daśa-bhāraiḥ
mit zehn Bhāra
guḍa-adriḥ
der Rohzuckerberg
pala-sāhasraiḥ
mit tausend Pala
svarṇa-meruḥ
der Goldberg
tathā parau
ebenso die anderen beiden

daśadroṇaistilādriḥ syāt pañcabhiś ca tribhiḥ kramāt / kārpāsaparvato viṃśabhāraiś ca daśapañcabhiḥ //

Mit zehn Droṇa sei der Sesamberg [der beste], mit fünf und mit drei der Reihe nach [die anderen]; der Baumwollberg mit zwanzig Bhāra und mit zehn und fünf.

Wort für Wort
daśa-droṇaiḥ tila-adriḥ
der Sesamberg mit zehn Droṇa
pañcabhiḥ tribhiḥ kramāt
mit fünf und drei der Reihe nach
kārpāsa-parvataḥ
der Baumwollberg
viṃśa-bhāraiḥ
mit zwanzig Bhāra
daśa-pañcabhiḥ
mit zehn und fünf

viṃśatyā ghṛhakumbhānāmuttamaḥ syād ghṛtācalaḥ / daśabhiḥ palasāhasrair uttamo rajatācalaḥ //

Mit zwanzig Krügen Ghee sei der beste Ghee-Berg; mit zehntausend Pala der beste Silberberg.

Wort für Wort
viṃśatyā ghṛta-kumbhānām
mit zwanzig Ghee-Krügen
ghṛta-acalaḥ
der Ghee-Berg
daśabhiḥ pala-sāhasraiḥ
mit zehntausend Pala
rajata-acalaḥ
der Silberberg

ghṛha = ghṛta.

aṣṭabhāraiḥ śarkarādrirmadhyomando 'rdhato 'rdhataḥ / daśa dhenūḥ pravakṣyāmi yā dattvā bhuktimuktibhāk //

Mit acht Bhāra [ist] der Zuckerberg [der beste], der mittlere und der geringe je zur Hälfte. Zehn Kühe will ich verkünden, durch deren Gabe man an Genuss und Erlösung teilhat.

Wort für Wort
aṣṭa-bhāraiḥ śarkarā-adriḥ
der Zuckerberg mit acht Bhāra
madhyaḥ mandaḥ ardhataḥ ardhataḥ
der mittlere und geringe je zur Hälfte
daśa dhenūḥ pravakṣyāmi
zehn Kühe werde ich verkünden
yāḥ dattvā bhukti-mukti-bhāj
die gegeben habend man Genuss und Erlösung teilhaftig ist

Genannt werden nur neun Berge (Getreide, Salz, Rohzucker, Gold, Sesam, Baumwolle, Ghee, Silber, Zucker); der zehnte fehlt.

prathamā guḍadhenuḥ syād ghṛtadhenus tathāparā / tiladhenustṛtoyā ca caturthī jaladhenukā //

Die erste sei die Rohzuckerkuh, die nächste die Ghee-Kuh, die dritte die Sesamkuh, die vierte die Wasserkuh,

Wort für Wort
prathamā guḍa-dhenuḥ
die erste die Rohzuckerkuh
ghṛta-dhenuḥ aparā
die nächste die Ghee-Kuh
tila-dhenuḥ tṛtīyā
die dritte die Sesamkuh
caturthī jala-dhenukā
die vierte die Wasserkuh

tṛtoyā = tṛtīyā.

kṣīradhenurmadhudhenuḥ śarkarādadhidhenuke / rasadhenuḥ svarūpeṇa daśamī vidhirucyate //

die Milchkuh, die Honigkuh, die Zucker- und die Dickmilchkuh, die Saftkuh und als zehnte [die Kuh] in eigener Gestalt. [Nun] wird das Verfahren genannt.

Wort für Wort
kṣīra-dhenuḥ madhu-dhenuḥ
Milchkuh, Honigkuh
śarkarā-dadhi-dhenuke
Zucker- und Dickmilchkuh
rasa-dhenuḥ
Saftkuh
svarūpeṇa daśamī
die zehnte in eigener Gestalt
vidhiḥ ucyate
das Verfahren wird genannt

kumbhāḥ syurdravadhenūnāmitarāsāntu rāśayaḥ / kṛṣṇājinañcaturhastaṃ prāggrīvaṃ vinyasedbhuvi //

Bei den flüssigen Kühen seien es Krüge, bei den übrigen Haufen. Ein schwarzes Antilopenfell von vier Ellen lege man mit dem Hals nach Osten auf den Boden,

Wort für Wort
kumbhāḥ syuḥ drava-dhenūnām
bei flüssigen Kühen Krüge
itarāsām rāśayaḥ
bei den übrigen Haufen
kṛṣṇa-ajinam catur-hastam
ein schwarzes Antilopenfell von vier Ellen
prāk-grīvam vinyaset bhuvi
mit dem Hals nach Osten lege man auf den Boden

gomayenānuliptāyāṃ darbhānāstīrya sarvataḥ / laghvaiṇakājinaṃ tadvadvatsasya parikalpayet //

auf den mit Kuhdung bestrichenen [Boden], nachdem man ringsum Darbha-Gras ausgestreut hat; ebenso bereite man ein kleines Antilopenfell für das Kalb.

Wort für Wort
gomayena anuliptāyām
auf den mit Kuhdung bestrichenen
darbhān āstīrya sarvataḥ
ringsum Darbha gestreut habend
laghu-aiṇaka-ajinam
ein kleines Antilopenfell
vatsasya parikalpayet
für das Kalb bereite man

prāṅmukhīṃ kalpayeddhenumudakpādāṃ savatsakāṃ / uttamā guḍadhenuḥ syāt sadā bhāracatuṣṭayāt //

Die Kuh gestalte man nach Osten blickend, die Füße nach Norden, samt Kalb. Die beste Rohzuckerkuh sei stets aus vier Bhāra;

Wort für Wort
prāk-mukhīm kalpayet dhenum
die Kuh gestalte man nach Osten blickend
udak-pādām
mit Füßen nach Norden
sa-vatsakām
samt Kalb
uttamā guḍa-dhenuḥ
die beste Rohzuckerkuh
bhāra-catuṣṭayāt
aus vier Bhāra

vatsaṃ bhāreṇa kurvīta bhārābhyāṃ madhyamā smṛtā / ardhabhāreṇa vatsaḥ syāt kaniṣṭhā bhārakeṇa tu //

das Kalb mache man aus einem Bhāra. Mit zwei Bhāra gilt [die Kuh] als mittlere, das Kalb sei aus einem halben Bhāra; die geringste aber aus einem Bhāra,

Wort für Wort
vatsam bhāreṇa kurvīta
das Kalb mache man aus einem Bhāra
bhārābhyām madhyamā
mit zwei Bhāra die mittlere
ardha-bhāreṇa vatsaḥ
das Kalb aus einem halben Bhāra
kaniṣṭhā bhārakeṇa
die geringste aus einem Bhāra

caturthāṃśena vatsaḥ syād guḍavittānusārataḥ / pañca kṛṣṇalakā māṣaste suvarnastu ṣoḍaśa //

[deren] Kalb sei aus einem Viertel – je nach dem Vermögen an Rohzucker. Fünf Kṛṣṇalas sind ein Māṣa, sechzehn davon ein Suvarṇa;

Wort für Wort
caturtha-aṃśena vatsaḥ
das Kalb aus einem Viertel
guḍa-vitta-anusārataḥ
gemäß dem Vermögen an Rohzucker
pañca kṛṣṇalakāḥ māṣaḥ
fünf Kṛṣṇalas sind ein Māṣa
te suvarṇaḥ tu ṣoḍaśa
sechzehn davon ein Suvarṇa

suvarnas = suvarṇas.

palaṃ suvarṇāś catvārastulā palaśataṃ smṛtaṃ / syādbhāro viṃśatitulā droṇastu caturāḍhakaḥ //

vier Suvarṇas sind ein Pala; eine Tulā gilt als hundert Pala; ein Bhāra seien zwanzig Tulā; ein Droṇa aber vier Āḍhaka.

Wort für Wort
palam suvarṇāḥ catvāraḥ
ein Pala sind vier Suvarṇas
tulā pala-śatam
eine Tulā sind hundert Pala
bhāraḥ viṃśati-tulā
ein Bhāra sind zwanzig Tulā
droṇaḥ catur-āḍhakaḥ
ein Droṇa sind vier Āḍhaka

dhenuvatsau guḍasyobhau sitasūkṣmāmbarāvṛtau / śuktikarṇāvikṣupādau śucimuktāphalekṣaṇau //

Kuh und Kalb, beide aus Rohzucker, mit weißem feinem Tuch bedeckt, mit Muscheln als Ohren, Zuckerrohr als Füßen und reinen Perlen als Augen,

Wort für Wort
dhenu-vatsau guḍasya ubhau
Kuh und Kalb, beide aus Rohzucker
sita-sūkṣma-ambara-āvṛtau
mit weißem feinem Tuch bedeckt
śukti-karṇau
mit Muscheln als Ohren
ikṣu-pādau
mit Zuckerrohr als Füßen
śuci-muktāphala-īkṣaṇau
mit reinen Perlen als Augen

sitasūtraśirālau ca sitakambalakamvalau / tāmragaḍḍukapṛṣṭhau tau sitacāmararomakau //

mit weißen Fäden als Adern, mit weißer Wolldecke als Wamme, mit kupfernen Schalen als Rücken, mit weißen Yakwedeln als Körperhaar,

Wort für Wort
sita-sūtra-śirālau
mit weißen Fäden als Adern
sita-kambala-kambalau
mit weißer Decke als Wamme
tāmra-gaḍḍuka-pṛṣṭhau
mit Kupferschalen als Rücken
sita-cāmara-romakau
mit weißen Yakwedeln als Haar

kamvalau = kambalau (hier „Wamme“).

vidrumabhrūyugāvetau navanītastanānvitau / kṣaumapucchau kāṃsyadohāvindranīlakatārakau //

mit Korallen als Augenbrauenpaar, mit frischer Butter als Euter, mit seidenem Schwanz, mit bronzenem Melkgefäß, mit Saphiren als Pupillen,

Wort für Wort
vidruma-bhrū-yugau
mit Korallen als Brauen
navanīta-stana-anvitau
mit frischer Butter als Euter
kṣauma-pucchau
mit seidenem Schwanz
kāṃsya-dohau
mit bronzenem Melkgefäß
indranīlaka-tārakau
mit Saphiren als Pupillen

suvarṇaśṛṅgābharaṇau rajatakṣurasaṃyutau / nānāphalamayā dantā gandhaghrāṇaprakalpitau //

mit goldenem Hornschmuck, mit silbernen Hufen versehen, die Zähne aus verschiedenen Früchten, mit Duftstoffen als Nase gestaltet –

Wort für Wort
suvarṇa-śṛṅga-ābharaṇau
mit goldenem Hornschmuck
rajata-khura-saṃyutau
mit silbernen Hufen
nānā-phala-mayāḥ dantāḥ
Zähne aus verschiedenen Früchten
gandha-ghrāṇa-prakalpitau
mit Duftstoff als Nase gestaltet

racayitvā yajeddhenumimair mantrair dvijottama / yā lakṣmīḥ sarvabhūtānāṃ yā ca deveṣvavasthitā //

nachdem man [sie] so gebildet hat, verehre man die Kuh mit diesen Mantras, o bester Brahmane: „Die Lakṣmī (Glücksgöttin) aller Wesen, die auch in den Göttern weilt,

Wort für Wort
racayitvā
gebildet habend
yajet dhenum imaiḥ mantraiḥ
verehre man die Kuh mit diesen Mantras
yā lakṣmīḥ sarva-bhūtānām
die Lakṣmī aller Wesen
deveṣu avasthitā
die in den Göttern weilt

dhenurūpeṇa sā devī mama śāntiṃ prayacchatu / dehasthā yā ca rudrāṇī śaṅkarasya sadā priyā //

diese Göttin möge in Gestalt der Kuh mir Frieden gewähren. Die im Leib [Śaṅkaras] weilende Rudrāṇī, die Śaṅkara stets lieb ist,

Wort für Wort
dhenu-rūpeṇa sā devī
diese Göttin in Kuhgestalt
mama śāntim prayacchatu
gewähre mir Frieden
deha-sthā rudrāṇī
die im Leib weilende Rudrāṇī
śaṅkarasya sadā priyā
Śaṅkara stets lieb

dhenurūpeṇa sā devī mama pāpaṃ vyapohatu / viṣṇuvakṣasi yā lakṣmīḥ svāhā yā ca vibhāvasoḥ //

diese Göttin möge in Gestalt der Kuh meine Sünde vertreiben. Die Lakṣmī an Viṣṇus Brust, die Svāhā des Vibhāvasu (Agni),

Wort für Wort
mama pāpam vyapohatu
vertreibe meine Sünde
viṣṇu-vakṣasi yā lakṣmīḥ
die Lakṣmī an Viṣṇus Brust
svāhā yā vibhāvasoḥ
die Svāhā des Feuers

candrārkaṛkṣaśaktiryā dhenurūpāstu sā śriye / caturmukhasya yā lakṣmīryā lakṣmīrdhanadasya ca //

die Kraft von Mond, Sonne und Gestirnen – sie sei in Kuhgestalt zum Glück. Die Lakṣmī des Viergesichtigen (Brahmā), die Lakṣmī des Reichtumgebers (Kubera),

Wort für Wort
candra-arka-ṛkṣa-śaktiḥ
die Kraft von Mond, Sonne, Gestirnen
dhenu-rūpā astu sā śriye
sie sei in Kuhgestalt zum Glück
catur-mukhasya lakṣmīḥ
die Lakṣmī Brahmās
dhana-dasya
des Reichtumgebers

lakṣmīryā lokapālānāṃ sa dhenurvaradāstu me / svadhā tvaṃ pitṛmukhyānāṃ svāhā yajñabhujāṃ yataḥ //

die Lakṣmī der Welthüter – diese Kuh sei mir segenspendend. Du bist die Svadhā der vornehmsten Ahnen, die Svāhā der Opferesser; weil

Wort für Wort
lakṣmīḥ loka-pālānām
die Lakṣmī der Welthüter
dhenuḥ vara-dā astu me
die Kuh sei mir segenspendend
svadhā tvam pitṛ-mukhyānām
du bist Svadhā der ersten Ahnen
svāhā yajña-bhujām
Svāhā der Opferesser

sarvapāpaharā dhenustasmācchāntiṃ prayaccha me / evamāmantritāṃ dhenuṃ brāhmaṇāya nivedayet //

die Kuh alle Sünden hinwegnimmt, darum gewähre mir Frieden!“ Die so angerufene Kuh übergebe man einem Brahmanen.

Wort für Wort
sarva-pāpa-harā dhenuḥ
die Kuh nimmt alle Sünden hinweg
tasmāt śāntim prayaccha me
darum gewähre mir Frieden
evam āmantritām dhenum
die so angerufene Kuh
brāhmaṇāya nivedayet
übergebe man einem Brahmanen

samānaṃ sarvadhenūnāṃ vidhānaṃ caitadeva hi / sarvayajñaphalaṃ prāpya nirmalo bhuktimuktibhāk //

Eben dies ist das gemeinsame Verfahren für alle Kühe. [Der Geber] erlangt die Frucht aller Opfer, wird makellos und hat teil an Genuss und Erlösung.

Wort für Wort
samānam sarva-dhenūnām
allen Kühen gemeinsam
vidhānam etat eva
eben dies ist das Verfahren
sarva-yajña-phalam prāpya
die Frucht aller Opfer erlangt habend
nirmalaḥ bhukti-mukti-bhāj
makellos, Genuss und Erlösung teilhaftig

svarṇaśṛṅgo śaphai raupyaiḥ suśīlā vastrasaṃyutā / kāṃsyopadohā dātavyā kṣoriṇau gauḥ sadakṣiṇā //

Mit goldenen Hörnern, silbernen Hufen, gutartig, mit einem Tuch versehen, mit bronzenem Melkgefäß ist eine milchgebende Kuh samt Opferlohn zu geben.

Wort für Wort
svarṇa-śṛṅgī
mit goldenen Hörnern
śaphaiḥ raupyaiḥ
mit silbernen Hufen
su-śīlā vastra-saṃyutā
gutartig, mit Tuch versehen
kāṃsya-upadohā
mit bronzenem Melkgefäß
kṣīriṇī gauḥ sa-dakṣiṇā
eine milchgebende Kuh samt Opferlohn

svarṇaśṛṅgo = svarṇaśṛṅgī; kṣoriṇau = kṣīriṇī.

dātāsyāḥ svargamāpnoti vatsarān somasammitān / kapilā cettārayati bhūyaścāsaptamaṃ kulaṃ //

Ihr Geber erlangt den Himmel für so viele Jahre, wie [sie] Haare hat [?]; ist sie eine braune (Kapilā), so rettet sie überdies das Geschlecht bis ins siebte [Glied].

Wort für Wort
dātā asyāḥ svargam āpnoti
ihr Geber erlangt den Himmel
vatsarān roma-sammitān
Jahre gleich der Zahl der Haare
kapilā cet
wenn sie braun ist
tārayati
rettet sie
ā-saptamam kulam
das Geschlecht bis ins siebte Glied

somasammitān wohl verderbt für romasammitān „an Zahl den Haaren gleich“.

svarṇaśṛṅgīṃ raupyakhurāṃ kāṃsyadohanakānvitāṃ / śaktito dakṣiṇāyuktāṃ dattvā syādbhuktimuktibhāk //

Wer eine [Kuh] mit goldenen Hörnern und silbernen Hufen, mit bronzenem Melkgefäß und nach Vermögen mit Opferlohn versehen gegeben hat, hat teil an Genuss und Erlösung.

Wort für Wort
svarṇa-śṛṅgīm raupya-khurām
mit goldenen Hörnern, silbernen Hufen
kāṃsya-dohanaka-anvitām
mit bronzenem Melkgefäß
śaktitaḥ dakṣiṇā-yuktām
nach Vermögen mit Opferlohn
dattvā syāt bhukti-mukti-bhāj
gegeben habend hat er teil an Genuss und Erlösung

savatsaromatulyāni yugānyubhayatomukhīṃ / dattvā svargamavāpnoti pūrveṇa vidhinā dadet //

Wer eine „beidseitig gesichtige“ (gerade kalbende) Kuh gegeben hat, erlangt den Himmel für so viele Weltzeitalter, wie [Kuh] samt Kalb Haare haben. Nach dem vorigen Verfahren gebe man [sie].

Wort für Wort
sa-vatsa-roma-tulyāni yugāni
Zeitalter gleich den Haaren samt Kalb
ubhayataḥ-mukhīm
die beidseitig gesichtige (kalbende)
dattvā svargam avāpnoti
gegeben habend erlangt er den Himmel
pūrveṇa vidhinā
nach dem vorigen Verfahren

āsannamṛtyunā deyā savatsā gaustu pūrvavat / yamadvāre mahāvīre taptā vaitaraṇī nadī //

Von einem dem Tod Nahen ist eine Kuh samt Kalb wie zuvor zu geben [mit dem Spruch]: „Am Tor Yamas, dem sehr schrecklichen [?], ist der glühende Fluss Vaitaraṇī;

Wort für Wort
āsanna-mṛtyunā deyā
von einem dem Tod Nahen zu geben
sa-vatsā gauḥ
eine Kuh samt Kalb
yama-dvāre
am Tor Yamas
taptā vaitaraṇī nadī
der glühende Fluss Vaitaraṇī

mahāvīre im Kontext unklar (etwa „dem gewaltigen“); vielleicht verderbt.

tāntartuñca dadāmyenāṃ kṛṣṇāṃ vaitaraṇīñca gāṃ //

um ihn zu überqueren, gebe ich diese schwarze Kuh, die Vaitaraṇī.“

Wort für Wort
tām tartum
um ihn zu überqueren
dadāmi enām
gebe ich diese
kṛṣṇām
die schwarze
vaitaraṇīm gām
die Vaitaraṇī-Kuh

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