Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 378: brahmajñānam Die Erkenntnis des Brahman: Der Name „Bhagavat“ und der Yoga

Agni nennt die fünf Ziele (Götter, Virāj, Brahmā, Prakṛti, Kaivalya) und definiert Leidenschaftslosigkeit, Entsagung und Erkenntnis; er unterscheidet Wort-Brahman und höchstes Brahman und erklärt etymologisch den Namen „Bhagavat“ (bha, ga, va). Es folgt die Lehre des Keśidhvaja an Khāṇḍikya Janaka über die Unwissenheit, die Trennung von Selbst und Prakṛti, den Yoga als Verbindung des Geistes mit Brahman und die dreifache Vergegenwärtigung. Einzelne Stellen sind verschrieben (u. a. V. 16, 21, 24).

agnir uvāca | yajñaiś ca devānāpnoti vairājaṃ tapasā padaṃ / brahmaṇaḥ karmasannyāsādvairāgyāt prakṛtau layaṃ //

Agni sprach: Durch Opfer gelangt man zu den Göttern, durch Askese zur Stätte des Virāj, durch Entsagung der Werke zu [der Stätte] Brahmās, durch Leidenschaftslosigkeit zur Auflösung in der Urnatur (Prakṛti), ...

Wort für Wort
yajñaiḥ devān āpnoti
durch Opfer erlangt man die Götter
vairājam tapasā padam
durch Askese die Stätte des Virāj
brahmaṇaḥ karma-sannyāsāt
durch Entsagung der Werke [die Stätte] Brahmās
vairāgyāt prakṛtau layam
durch Leidenschaftslosigkeit Auflösung in der Prakṛti

jñānāt prāpnoti kaivalyaṃ pañcaitā gatayaḥsmṛtāḥ / prītitāpaviṣādādervinivṛttirviraktatā //

... durch Erkenntnis erlangt man die Isolation (Kaivalya): Diese fünf Wege sind überliefert. Leidenschaftslosigkeit ist die Abkehr von Freude, Qual, Niedergeschlagenheit usw.

Wort für Wort
jñānāt prāpnoti kaivalyam
durch Erkenntnis erlangt man die Isolation
pañca etāḥ gatayaḥ smṛtāḥ
diese fünf Wege sind überliefert
prīti-tāpa-viṣāda-ādeḥ
von Freude, Qual, Niedergeschlagenheit usw.
vinivṛttiḥ viraktatā
Abkehr ist Leidenschaftslosigkeit

sannyāsaḥ karmaṇāntyāgaḥ kṛtānāmakṛtaiḥ saha / avyaktādau viśeṣānte vikāro 'sminnivartate //

Entsagung ist das Aufgeben der getanen Werke samt den ungetanen. Wenn bei diesem [Wissen] die Umwandlung, die mit dem Unentfalteten beginnt und mit den Besonderheiten (Viśeṣa) endet, zur Ruhe kommt, ...

Wort für Wort
sannyāsaḥ karmaṇām tyāgaḥ
Entsagung ist Aufgeben der Werke
kṛtānām akṛtaiḥ saha
der getanen samt den ungetanen
avyakta-ādau viśeṣa-ante
vom Unentfalteten bis zu den Besonderheiten
vikāraḥ asmin nivartate
die Umwandlung hört hier auf

cetanācetanānyatvajñānena jñānamucyate / paramātmā ca sarveṣāmādhāraḥ parameśvaraḥ //

... [so geschieht das] durch die Erkenntnis der Verschiedenheit von Bewusstem und Unbewusstem; [dies] heißt Erkenntnis. Und das höchste Selbst, die Grundlage aller, der höchste Herr, ...

Wort für Wort
cetana-acetana-anyatva-jñānena
durch Erkenntnis der Verschiedenheit von Bewusstem und Unbewusstem
jñānam ucyate
heißt Erkenntnis
paramātmā
das höchste Selbst
sarveṣām ādhāraḥ
die Grundlage aller
parameśvaraḥ
der höchste Herr

viṣṇunāmnā ca deveṣu vedānteṣu ca gīyate / yajñeśvaro yajñapumān pravṛttair ijyate hy asau //

... wird unter dem Namen Viṣṇu bei den Göttern und in den Vedānta-Texten besungen. Als Herr des Opfers und Opfer-Person wird er von den [dem Handeln] Zugewandten verehrt; ...

Wort für Wort
viṣṇu-nāmnā
unter dem Namen Viṣṇu
vedānteṣu ca gīyate
und in den Vedāntas besungen
yajña-īśvaraḥ yajña-pumān
Herr des Opfers, Opfer-Person
pravṛttaiḥ ijyate
wird von den Handelnden verehrt

nivṛttair jñānayogena jñānamūrtiḥ sa cekṣyate / hrasvadīrghaplutādyantu vacastatpuruṣottamaḥ //

... von den [vom Handeln] Abgewandten wird er durch Erkenntnis-Yoga als Gestalt der Erkenntnis geschaut. Die Rede mit kurzen, langen, gedehnten [Vokalen] usw. – das ist der höchste Puruṣa [?].

Wort für Wort
nivṛttaiḥ
von den Abgewandten
jñāna-yogena
durch Erkenntnis-Yoga
jñāna-mūrtiḥ īkṣyate
wird als Gestalt der Erkenntnis geschaut
hrasva-dīrgha-pluta-ādyam vacaḥ
Rede mit kurzen, langen, gedehnten [Lauten]
puruṣottamaḥ
der höchste Puruṣa

Zweiter Halbvers syntaktisch unklar; wohl: alles Lautliche ist Ausdruck des Puruṣottama.

tatprāptiheturjñānañca karma coktaṃ mahāmune / āgamoktaṃ vivekācca dvidhā jñānaṃ tathocyate //

Das Mittel, ihn zu erlangen, sind Erkenntnis und Werk, so heißt es, o großer Weiser. Erkenntnis wird zweifach genannt: die in der Überlieferung (Āgama) gelehrte und die aus der Unterscheidung (Viveka) [geborene].

Wort für Wort
tat-prāpti-hetuḥ
Mittel zu seiner Erlangung
jñānam karma ca
Erkenntnis und Werk
āgama-uktam
in der Überlieferung gelehrt
vivekāt
aus der Unterscheidung
dvidhā jñānam
zweifache Erkenntnis

śabdabrahmāgamamayaṃ paraṃ brahma vivekajam / dve brahmaṇī veditavye brahmaśabdaparañca yat //

Das Wort-Brahman besteht aus der Überlieferung, das höchste Brahman ist aus der Unterscheidung geboren. Zwei Brahman sind zu erkennen: das Wort-Brahman und das, was höher ist.

Wort für Wort
śabda-brahma āgama-mayam
das Wort-Brahman besteht aus Überlieferung
param brahma viveka-jam
das höchste Brahman aus Unterscheidung geboren
dve brahmaṇī veditavye
zwei Brahman sind zu erkennen
brahma-śabda param ca
Wort-Brahman und das Höhere

vedādividyā hy aparamakṣaraṃ brahmasatparam / tadetadbhagavadvācyamupacāre 'rcane 'nyataḥ //

Das Wissen, beginnend mit den Veden, ist das Niedere; das Unvergängliche ist das Brahman, das seiende Höchste. Dieses wird mit „Bhagavat“ bezeichnet; bei anderem [nur] im übertragenen Sinn, bei der Verehrung.

Wort für Wort
veda-ādi-vidyā
das Wissen, beginnend mit den Veden
aparam
das Niedere
akṣaram brahma sat param
das Unvergängliche, das Brahman, das seiende Höchste
bhagavat-vācyam
mit „Bhagavat“ zu bezeichnen
upacāre arcane anyataḥ
anderswo übertragen, bei der Verehrung

sambharteti tathā bhartā bhakāro 'rthadvayānvitaḥ / netā gamayitā sraṣṭā gakāro 'yaṃ mahamune //

„Erhalter“ (sambhartṛ) und ebenso „Träger“ (bhartṛ): die Silbe „bha“ ist mit zwei Bedeutungen verbunden; „Führer“ (netṛ), „der gehen macht“ (gamayitṛ), „Schöpfer“ (sraṣṭṛ): das ist die Silbe „ga“, o großer Weiser.

Wort für Wort
sambhartā
Erhalter
bhartā
Träger
bhakāraḥ artha-dvaya-anvitaḥ
die Silbe bha hat zwei Bedeutungen
netā gamayitā sraṣṭā
Führer, Bewegender, Schöpfer
gakāraḥ
die Silbe ga

aiśvaryasya samagrasya vīryasya yaśasaḥ śriyaḥ / jñānavairāgyayoś caiva ṣaṇāṃ bhaga itīṅganā //

Die vollständige Herrschaft, die Heldenkraft, der Ruhm, das Glück, die Erkenntnis und die Leidenschaftslosigkeit – diese sechs werden mit „Bhaga“ angedeutet.

Wort für Wort
aiśvaryasya samagrasya
der vollständigen Herrschaft
vīryasya yaśasaḥ śriyaḥ
der Heldenkraft, des Ruhms, des Glücks
jñāna-vairāgyayoḥ
der Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit
ṣaṇṇām bhaga iti
der sechs [Bezeichnung] ist Bhaga
iṅganā
Andeutung

vasanti viṣṇau bhutāni sa ca dhātustridhātmakaḥ / evaṃ harau hi bhagavān śabdo 'nyatropacārataḥ //

In Viṣṇu wohnen (vasanti) die Wesen, und er ist die Grundlage, dreifach geartet [Anm.: erklärt die Silbe „va“]; so gilt das Wort „Bhagavat“ [eigentlich] von Hari, bei anderen nur im übertragenen Sinn.

Wort für Wort
vasanti viṣṇau bhūtāni
in Viṣṇu wohnen die Wesen
dhātuḥ tri-dhātmakaḥ
die dreifach geartete Grundlage
harau bhagavān śabdaḥ
das Wort Bhagavat [gilt] von Hari
anyatra upacārataḥ
anderswo übertragen

utpattiṃ pralayaś caiva bhūtānāmagatiṃ gatiṃ / vetti vidyāmavidyāñca sa vācyo bhagavāniti //

Wer Entstehung und Untergang der Wesen, ihr Kommen und Gehen, Wissen und Nichtwissen kennt, der ist „Bhagavat“ zu nennen.

Wort für Wort
utpattim pralayam
Entstehung und Untergang
bhūtānām āgatim gatim
Kommen und Gehen der Wesen
vetti vidyām avidyām
kennt Wissen und Nichtwissen
saḥ vācyaḥ bhagavān iti
er ist Bhagavat zu nennen

agatiṃ gatiṃ wohl für āgatiṃ gatiṃ.

jñānaśaktiḥ paraiśvaryaṃ vīryaṃ tejāṃsyaśeṣataḥ / bhagavacchabdavācyāni vinā heyair guṇādibhiḥ //

Erkenntniskraft, höchste Herrschaft, Heldenkraft und Glanzkräfte ohne Rest sind mit dem Wort „Bhagavat“ bezeichnet – ohne die zu meidenden Eigenschaften usw.

Wort für Wort
jñāna-śaktiḥ
Erkenntniskraft
para-aiśvaryam vīryam
höchste Herrschaft, Heldenkraft
tejāṃsi aśeṣataḥ
Glanzkräfte ohne Rest
bhagavat-śabda-vācyāni
mit dem Wort Bhagavat bezeichnet
vinā heyaiḥ guṇa-ādibhiḥ
ohne zu meidende Eigenschaften usw.

khāṇḍikyajanakāyāha yogaṃ keśidhvajaḥ purā / anātmanyātmabuddhiryā ātmasvamiti yā matiḥ //

Den Yoga lehrte einst Keśidhvaja dem Khāṇḍikya Janaka: Das Denken, das das Nichtselbst für das Selbst hält, und die Meinung, [Fremdes sei] „mein Eigen“, ...

Wort für Wort
khāṇḍikya-janakāya
dem Khāṇḍikya Janaka
āha yogam keśidhvajaḥ
Keśidhvaja lehrte den Yoga
anātmani ātma-buddhiḥ
Denken des Selbst im Nichtselbst
ātma-svam iti matiḥ
die Meinung „mein Eigen“

avidyābhavambhūtirvījametaddvidhā sthiram / pañcabhūtātmake dehe dehī mohatamāśritaḥ //

... [das ist] der aus der Unwissenheit entstandene Same, zweifach fest. Im aus den fünf Elementen bestehenden Körper ist der Verkörperte der Finsternis der Verblendung verfallen ...

Wort für Wort
avidyā-bhava-sambhūtiḥ
aus der Unwissenheit entstanden
bījam etat dvidhā sthiram
dieser Same, zweifach fest
pañca-bhūta-ātmake dehe
im Körper aus fünf Elementen
dehī moha-tamaḥ āśritaḥ
der Verkörperte, der Finsternis der Verblendung verfallen

avidyābhavambhūtir: lies avidyābhavasambhūtir.

ahametaditītyuccaiḥ kurute kumatirmatiṃ / itthañca putrapautreṣu taddehotpātiteṣu ca //

„Ich bin dies“ – so fasst der Törichte laut [seine] Meinung; und ebenso [denkt er „mein“] bei Söhnen und Enkeln, die aus diesem Körper hervorgebracht sind.

Wort für Wort
aham etat iti
„ich bin dies“
kurute kumatiḥ matim
fasst der Törichte die Meinung
putra-pautreṣu
bei Söhnen und Enkeln
tat-deha-utpāditeṣu
die aus diesem Körper hervorgebracht sind

karoti paṇḍitaḥ sāmyamanātmani kalevare / sarvadehopakārāya kurute karma mānavaḥ //

[Welcher] Kundige setzt sich [schon] gleich mit dem Leib, der Nichtselbst ist? [Doch] der Mensch verrichtet Werke zum Nutzen des ganzen Körpers.

Wort für Wort
paṇḍitaḥ
der Kundige
sāmyam karoti
setzt gleich
anātmani kalevare
mit dem Leib, der Nichtselbst ist
sarva-deha-upakārāya
zum Nutzen des ganzen Körpers
kurute karma mānavaḥ
der Mensch verrichtet Werke

Frage wohl zu ergänzen (kaḥ karoti …); Sinn unsicher [?].

dehaścānyo yadā puṃsastadā bandhāya tatparaṃ / nirvāṇamaya evāyamātmā jñānamayo 'malaḥ //

Da aber der Körper vom Puruṣa verschieden ist, dient jenes [auf ihn gerichtete Werk] der Bindung. Dieses Selbst besteht aus Erlöschen (Nirvāṇa), besteht aus Erkenntnis, ist makellos.

Wort für Wort
dehaḥ ca anyaḥ yadā puṃsaḥ
da der Körper vom Puruṣa verschieden ist
bandhāya tat-param
dient das darauf Gerichtete der Bindung
nirvāṇa-mayaḥ ātmā
das Selbst besteht aus Nirvāṇa
jñāna-mayaḥ amalaḥ
aus Erkenntnis bestehend, makellos

duḥkhajñānamayo 'dharmaḥ prakṛteḥ sa tu nātmanaḥ / jalasya nāgninā saṅgaḥ sthālīsaṅgāttathāpi hi //

Das aus Leid und Unwissen bestehende Unheil (Adharma) gehört der Urnatur, nicht dem Selbst. Das Wasser hat keine Berührung mit dem Feuer, und doch [entstehen] durch die Berührung mit dem Topf ...

Wort für Wort
duḥkha-ajñāna-mayaḥ adharmaḥ
das aus Leid und Unwissen bestehende Unheil
prakṛteḥ saḥ tu na ātmanaḥ
gehört der Prakṛti, nicht dem Selbst
jalasya na agninā saṅgaḥ
das Wasser hat keine Berührung mit dem Feuer
sthālī-saṅgāt
durch Berührung mit dem Topf

śabdāste kādikā dharmāstat kṛtā vai mahāmune / tathātmā prakṛtau saṅgādahaṃmānādibhūṣitaḥ //

... Brodelgeräusche, Sieden usw. als Eigenschaften, die dadurch bewirkt sind, o großer Weiser; ebenso nimmt das Selbst durch die Verbindung mit der Urnatur, geschmückt mit Ichgefühl usw., ...

Wort für Wort
śabdāḥ
Geräusche
kvatha-ādikāḥ dharmāḥ
Eigenschaften wie Sieden usw.
tat-kṛtāḥ
dadurch bewirkt
prakṛtau saṅgāt
durch Verbindung mit der Prakṛti
aham-māna-ādi-bhūṣitaḥ
mit Ichgefühl usw. geschmückt

kādikā verderbt, wohl für kvathādikā („Sieden usw.“).

bhajate prākṛtāndharmān anyastebhyo hi so 'vyayaḥ / vandhāya viṣayāsaṅgaṃ mano nirviṣayaṃ dhiye //

... die Eigenschaften der Urnatur an; doch ist es von ihnen verschieden, unvergänglich. Zur Bindung führt die Anhaftung an die Objekte; den objektfreien Geist [richte man] auf die Einsicht.

Wort für Wort
bhajate prākṛtān dharmān
nimmt die Eigenschaften der Prakṛti an
anyaḥ tebhyaḥ saḥ avyayaḥ
von ihnen verschieden, unvergänglich
bandhāya viṣaya-āsaṅgam
die Anhaftung an Objekte zur Bindung
manaḥ nirviṣayam
den objektfreien Geist

vandhāya für bandhāya; dhiye wohl für dhiyā.

viṣayāttatsamākṛṣya brahmabhūtaṃ hariṃ smaret / ātmabhāvaṃ nayatyenaṃ tadbrahmadhyāyinaṃ mune //

Man ziehe ihn von den Objekten weg und gedenke Haris, der zu Brahman geworden ist. Er führt den, der so auf das Brahman meditiert, zu seinem eigenen Wesen, o Weiser, ...

Wort für Wort
viṣayāt tat samākṛṣya
ihn von den Objekten wegziehend
brahma-bhūtam harim smaret
man gedenke Haris, der Brahman ist
ātma-bhāvam nayati
führt zu seinem eigenen Wesen
brahma-dhyāyinam
den auf Brahman Meditierenden

vicārya svātmanaḥ śaktyā lauhamākarṣako yathā / ātmaprayatnasāpekṣā viśiṣṭā yā manogatiḥ //

... indem er ihn durch seine eigene Kraft [an sich zieht], wie der Magnet das Eisen. Die besondere Bewegung des Geistes, die der eigenen Anstrengung bedarf, ...

Wort für Wort
sva-ātmanaḥ śaktyā
durch die eigene Kraft
lauham ākarṣakaḥ yathā
wie der Magnet das Eisen
ātma-prayatna-sāpekṣā
der eigenen Anstrengung bedürfend
viśiṣṭā manaḥ-gatiḥ
besondere Bewegung des Geistes

vicārya wohl für vikārya oder ākṛṣya; Sinn aus dem Bild erschlossen.

tasyā brahmaṇi saṃyogo yoga ity abhidhīyate / viniṣpandaḥ samādhisthaḥ paraṃ brahmādhigacchati //

... ihre Verbindung mit dem Brahman heißt Yoga. Regungslos, im Samādhi verharrend, gelangt er zum höchsten Brahman.

Wort für Wort
tasyāḥ brahmaṇi saṃyogaḥ
ihre Verbindung mit dem Brahman
yogaḥ iti abhidhīyate
heißt Yoga
viniṣpandaḥ
regungslos
samādhi-sthaḥ
im Samādhi verharrend
param brahma adhigacchati
gelangt zum höchsten Brahman

yamaiḥ sanniyamaiḥ sthityā pratyāhṛtyā marujjayaiḥ / prāṇāyāmena pavanaiḥ pratyāhāreṇa cendriyaiḥ //

Durch die Yamas, die guten Niyamas, die Sitzhaltung, das Zurückziehen, die Bezwingung der Winde – [nämlich] die Winde durch Prāṇāyāma und die Sinne durch Pratyāhāra –

Wort für Wort
yamaiḥ sat-niyamaiḥ
durch Zügelungen und gute Regeln
sthityā
durch die Haltung
marut-jayaiḥ
durch Bezwingung der Winde
prāṇāyāmena pavanaiḥ
durch Atemregelung die Winde
pratyāhāreṇa ca indriyaiḥ
durch Zurückziehen die Sinne

vaśīkṛtaistataḥ kuryāt sthitaṃ cetaḥ śubhāśraye / āśrayaścetaso brahma mūrtañcāmūrtakaṃ dvidhā //

– bezwungen, richte man dann den Geist fest auf eine glückbringende Stütze. Die Stütze des Geistes ist das Brahman, zweifach: gestalthaft und gestaltlos.

Wort für Wort
vaśīkṛtaiḥ
bezwungen
sthitam cetaḥ kuryāt
man mache den Geist fest
śubha-āśraye
auf eine glückbringende Stütze
āśrayaḥ cetasaḥ brahma
die Stütze des Geistes ist Brahman
mūrtam amūrtakam dvidhā
zweifach, gestalthaft und gestaltlos

sanandanādayo brahmabhāvabhāvanayā yutāḥ / karmabhāvanayā cānye devādyāḥ sthāvarāntakāḥ //

Sanandana und die anderen sind mit der Vergegenwärtigung des Brahman-Seins verbunden; andere, von den Göttern bis zu den unbewegten Wesen, mit der Vergegenwärtigung des Werkes.

Wort für Wort
sanandana-ādayaḥ
Sanandana und die anderen
brahma-bhāva-bhāvanayā yutāḥ
mit der Vergegenwärtigung des Brahman-Seins verbunden
karma-bhāvanayā
mit der Vergegenwärtigung des Werkes
deva-ādyāḥ sthāvara-antakāḥ
von den Göttern bis zum Unbewegten

hiraṇyagarbhādiṣu ca jñānakarmātmikā dvidhā / trividhā bhāvanā proktā viśvaṃ brahma upāsyate //

Bei Hiraṇyagarbha und den anderen ist sie zweifach, aus Erkenntnis und Werk bestehend. [So] ist die Vergegenwärtigung als dreifach gelehrt. Das All wird als Brahman verehrt.

Wort für Wort
hiraṇyagarbha-ādiṣu
bei Hiraṇyagarbha usw.
jñāna-karma-ātmikā dvidhā
zweifach, aus Erkenntnis und Werk
trividhā bhāvanā proktā
die Vergegenwärtigung ist dreifach gelehrt
viśvam brahma upāsyate
das All wird als Brahman verehrt

pratyastamitabhedaṃ yat sattāmātramagocaraṃ / vacasāmātmasaṃvedyaṃ tajjñānaṃ brahma saṃjñitam //

Das, worin die Unterschiede untergegangen sind, reines Sein, den Worten unerreichbar, nur im Selbst erfahrbar – diese Erkenntnis heißt Brahman.

Wort für Wort
pratyastamita-bhedam
in dem die Unterschiede untergegangen sind
sattā-mātram
reines Sein
agocaram vacasām
den Worten unerreichbar
ātma-saṃvedyam
im Selbst erfahrbar
brahma saṃjñitam
heißt Brahman

tacca viṣṇoḥ paraṃ rūpamarūpasyājamakṣaraṃ / aśakyaṃ prathamaṃ dhyātumato mūrtādi cintayet //

Und dies ist die höchste Gestalt Viṣṇus, des Gestaltlosen, ungeboren und unvergänglich. Sie lässt sich anfangs nicht meditieren; daher stelle man sich das Gestalthafte usw. vor.

Wort für Wort
viṣṇoḥ param rūpam
die höchste Gestalt Viṣṇus
arūpasya ajam akṣaram
des Gestaltlosen, ungeboren, unvergänglich
aśakyam prathamam dhyātum
anfangs nicht zu meditieren
ataḥ mūrta-ādi cintayet
daher stelle man sich das Gestalthafte usw. vor

sadbhāvabhāvamāpannastato 'sau paramātmanā / bhavatyabhedī bhedaś ca tasyājñānakṛto bhavet //

Ist er zum Zustand des wahren Seins gelangt, so wird er danach vom höchsten Selbst ununterschieden; der Unterschied aber ist durch Unwissenheit bewirkt.

Wort für Wort
sat-bhāva-bhāvam āpannaḥ
zum Zustand des wahren Seins gelangt
paramātmanā
mit dem höchsten Selbst
bhavati abhedī
wird ununterschieden
bhedaḥ ajñāna-kṛtaḥ
der Unterschied ist durch Unwissenheit bewirkt

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