Puṣkara beschreibt die siebentägige rituelle Vorbereitung eines Feldzugs (Verehrung der Götter, Traumorakel, Anrufung aller Gottheiten, Siegesbad, Aufbruchsriten) sowie Aufstellung und Schlachtordnungen des Heeres, die Aufgaben der einzelnen Waffengattungen, die Anfeuerung der Krieger, Kriegsregeln, Kriegslisten und das Verhalten nach dem Sieg. Mehrere Stellen sind verderbt (u. a. V. 10, 18, 22, 44, 47, 60).
Puṣkara sprach: Ich werde die Vorschrift für den Kampf erklären, der die Vorschrift für den Aufbruch vorausgeht. Wenn der Kriegszug des Königs in sieben Tagen stattfinden wird,
sind Hari, Śambhu und – mit Modakas und dergleichen – Vināyaka zu verehren. Am zweiten Tag soll er die Welthüter verehren und sich dann zur Ruhe legen.
Auf dem Lager oder davor soll er, nachdem er die Götter verehrt hat, das Gebet sprechen: „Verehrung dem Śambhu, dem Dreiäugigen, dem Rudra und dem Gnadenspender,
dem Zwergengestaltigen, dem Missgestalteten, dem Herrn der Träume Verehrung! Erhabener, Gott, Herr der Götter, Dreizackträger, auf dem Stier Reitender,
Am dritten Tag soll er die Welthüter verehren, [nämlich] die Rudras als Herren der Richtungen [?]; am vierten Tag soll er die Planeten verehren und am fünften die Aśvins.
[Dann erfolgt] die Verehrung der Gottheiten, die sich am Weg befinden, der Flüsse und dergleichen, und ebenso eine Opferspende (bali) an die Götter im Himmel, im Luftraum und auf Erden,
und in der Nacht an die Scharen der Geister; [ferner] die Verehrung Vāsudevas usw.; er soll [die Verehrung] der Bhadrakālī und der Śrī vollziehen und alle Gottheiten [so] anflehen:
die Rudras, Indra und die übrigen, Agni, die Nāgas, Tārkṣya und die anderen Götter, die im Himmel, im Luftraum und auf der Erde weilen – sie mögen mir zum Sieg [verhelfen].
Sie mögen, nachdem sie die Gabe angenommen haben, die Feinde in der Schlacht zermalmen. Mit Sohn, Müttern und Dienern habe ich, o Götter, bei euch Zuflucht gesucht.
Zieht hinter den Heeren her, ihr Feindvernichter, Verehrung sei euch! Heimgekehrt werde ich [euch] eine Opfergabe darbringen, die größer ist als die [jetzt] gegebene.“
nīrājanoktamantraiś ca āyudhaṃ vāhanaṃ yajet / puṇyāhajayaśabdena mantrametanniśāmayet //
Mit den bei der Nīrājana-Zeremonie genannten Mantras soll er Waffen und Reittiere verehren. Unter dem Ruf „Heilvoller Tag! Sieg!“ soll er folgendes Mantra anhören:
alle Gottheiten mögen [dich] schützen!“ – nachdem der König dies gehört hat, soll er aufbrechen, nachdem er unter dem Mantra „dhanvanā gāḥ …“ [?] den Bogen samt Pfeil ergriffen hat.
Wort für Wort
rakṣantu devatāḥ sarvāḥ
alle Gottheiten mögen schützen
śrutvā nṛpaḥ vrajet
gehört habend soll der König aufbrechen
gṛhītvā
ergriffen habend
sa-śaram cāpam
den Bogen mit Pfeil
mantrataḥ
unter dem Mantra
dhanurnāgeti wohl für dhanvanā gā iti (Anfang eines vedischen Bogenmantras).
Nachdem er dann „tad viṣṇoḥ …“ gemurmelt hat, soll er einen Schritt gegen den Feind hin setzen, den rechten Fuß, [und] zweiunddreißig [Schritte] der Reihe nach in die Richtungen, beginnend mit Osten [?].
Nachdem er [nur] einen Krośa gegangen ist, soll er haltmachen und Götter und Brahmanen verehren; danach soll er ins Feindesland ziehen, sein eigenes Heer schützend.
Hat der König [das Land] erreicht, soll er den Gott [des Landes] und den Landeshüter [?] schonen; er soll die Götter verehren und die Einkünfte [der Heiligtümer] hier nicht beschneiden.
Er soll die Bewohner jenes Landes nicht verachten. Wieder in seine Stadt zurückgekehrt, soll der König, nachdem er den Sieg errungen hat, die Götter verehren und Gaben spenden.
chatrādirājaliṅgāni śastrāṇi niśi vai gaṇān / prātarnṛsiṃhakaṃ pūjya vāhanādyamaśeṣataḥ //
[ebenso] die königlichen Insignien wie Schirm usw. und die Waffen, und in der Nacht die [Geister-]Scharen; am Morgen, nachdem er Narasiṃha und die Reittiere usw. vollständig verehrt hat,
soll er das vom Hauspriester beopferte Feuer betrachten; nachdem er [selbst] geopfert hat, soll er die Brahmanen ehren; Bogen samt Pfeil ergriffen, soll er einen Elefanten oder dergleichen besteigen und losziehen.
In einer Gegend, wo er für die Feinde unsichtbar ist, soll er die Aufstellung der [Heeres-]Bestandteile vornehmen. Wenige [Krieger] soll er geschlossen kämpfen lassen, viele nach Belieben auseinanderziehen.
sūcīmukhamanīkaṃ syādalpānāṃ bahubhiḥ saha / vyūhāḥ prāṇyaṅgarūpāś ca dravyarūpāś ca kīrtitāḥ //
Beim [Kampf] weniger gegen viele sei die Schlachtreihe nadelspitzenförmig. Die Schlachtordnungen werden als solche in Gestalt von Lebewesen und in Gestalt von Gegenständen gelehrt:
maṇḍalaḥ sarvatobhadraḥ sūcīvyūhaś ca te narāḥ / vyūhānāmatha sarveṣāṃ pañcadhā sainyakalpanā //
der Kreis, das Sarvatobhadra (‚allseits Heilvolle‘) und die Nadel-Ordnung – das sind sie, ihr Männer [?]. Bei allen Schlachtordnungen ist die Aufstellung des Heeres fünfgeteilt:
bhagnasandhāraṇaṃ tatra yodhānāṃ parikīrtitaṃ / pradhānabhaṅge sainyasya nāśasthānaṃ vidhīyate //
Dort, heißt es, [erfolgt] das Sammeln der versprengten Krieger. Bricht die Hauptmacht [bzw. der Anführer] zusammen, so gilt [das] als Untergang des Heeres [?].
Wer die feindliche Linie durchbrechen will, soll sie mit geschlossenen [Verbänden] durchbrechen; ebenso sind [die eigenen Teile], die vor einem Durchbruch durch den Feind zu schützen sind, geschlossen aufzustellen.
Gegenüber den feindlichen Schlachtordnungen soll er nach Belieben eine durchbrechende Ordnung bilden. Zum Schutz der Füße eines Elefanten [dienen] vier [Fußsoldaten], o Brahmane,
und einem Wagen [gehören] vier Pferde [bzw. Reiter], ebenso viele Schildträger; Bogenschützen gleich an Zahl den Schildträgern. Vorn in der Schlacht [stehen] die Schildträger,
Für Fußvolk, Elefanten und Pferde ist die ihnen gemäße Aufgabe sorgfältig [zu bestimmen]. Die Tapferen sind an die Spitze zu stellen; bloßes Zurschaustellen der Masse [Anm.: wörtl. ‚der Schultern‘]
ist durch die Schar der Furchtsamen zu leisten, was die Feinde in die Flucht treibt. [Stehen sie] vorn, reißen sie [die Reihe] auf; Furchtsame sind nicht nach vorn zu stellen.
und das Sprengen geschlossener [Verbände] gilt als Aufgabe der Schildträger; das Abwenden [des Feindes] im Kampf nennt man ebenso die [Aufgabe] der Bogenschützen.
Weites Ausweichen und Vorrücken sowie [das Verfolgen] des schwer Getroffenen [?] heißt ebenso [Aufgabe der Reiterei]; das In-Schrecken-Versetzen der feindlichen Heere heißt Aufgabe der Wagen.
Wort für Wort
dūra-apasaraṇam
weites Ausweichen
yānam
Vorrücken
suhatasya
des schwer Getroffenen
trāsanam ripu-sainyānām
Erschrecken der Feindesheere
ratha-karma
Aufgabe der Wagen
Halbvers 1 knapp; Bezug auf die Reiterei aus der Reihenfolge erschlossen.
bhedanaṃ saṃhatānāñca bhedānāmapi saṃhatiḥ / prākāratoraṇāṭṭāladrumabhaṅgaś ca saṅgate //
Das Sprengen geschlossener [Verbände], das Zusammenschließen der aufgesprengten [eigenen] und das Niederreißen von Wällen, Toren, Wachtürmen und Bäumen im Kampfgetümmel [ist Aufgabe der Elefanten].
yodhānuttejayetsarvānnāmagotrāvadānataḥ / bhogaprāptyā ca vijaye svargaprāptyā mṛtasya ca //
soll er alle Krieger anfeuern durch [Nennung von] Namen, Geschlecht und Ruhmestaten, durch [die Aussicht auf] Genüsse beim Sieg und auf den Himmel für den Gefallenen:
„Wer die Feinde besiegt, erlangt Genüsse, wer fällt, den höchsten Weg. [Der Kampf ist] Abtragung [der Schuld] für das Brot des Herrn; es gibt keinen Weg, der dem Kampf gleicht.
śūrāṇāṃ raktamāyāti tena pāpantyajanti te / dhātādiduḥkhasahanaṃ raṇe tat paramantapaḥ //
Das Blut der Helden fließt, und dadurch legen sie die Sünde ab. Das Ertragen des Schmerzes von Hieben und dergleichen in der Schlacht ist die höchste Askese.
Tausende vorzüglicher Apsaras eilen zu dem Helden, der in der Schlacht gefallen ist. Das gute Verdienst der Gebrochenen, die umkehren, nimmt der Herr an sich.
Ihnen wird bei jedem Schritt die Frucht eines Brahmanenmordes zuteil, so wird gelehrt. Wer seine Gefährten im Stich lässt und davongeht, dem gereichen die Götter zum Verderben.
Den Helden, die nicht umkehren, wird die Frucht eines Pferdeopfers verheißen. Steht der König fest im Dharma, [folgt] der Sieg. Gleiche sollen mit Gleichen kämpfen:
gajādyaiś ca gajādyāś ca na hantavyāḥ palāyinaḥ / na prekṣakāḥ praviṣṭāś ca aśastrāḥ pratitādayaḥ //
Elefanten usw. mit Elefanten usw. Fliehende sind nicht zu töten, ebenso wenig Zuschauer, [um Schutz] Eingetretene, Waffenlose, Gefallene und dergleichen.“ [?]
śānte nidrābhibhūte ca ardhottīrṇe nadīvane / durdine kūṭayuddhāni śatrunāśārthamācaret //
Wenn [der Feind] ruht, vom Schlaf übermannt ist, einen Fluss halb durchquert hat oder im Wald ist, bei Unwetter soll er Listkämpfe zur Vernichtung des Feindes führen.
Die Arme emporgereckt, soll er laut rufen: „Gebrochen, gebrochen sind die Feinde! Ein großes verbündetes Heer ist eingetroffen! Ihr Anführer ist hier gefallen!
dhūpāś ca deyā dharmajña tathā ca paramohanāḥ / patākāś caiva sambhāro vāditrāṇām bhayāvahaḥ //
Räucherwerk ist einzusetzen, o Dharma-Kundiger, und ebenso [Mittel] zur Betörung des Feindes, Fahnen und ein Aufgebot von Musikinstrumenten, das Furcht erregt.
Nachdem er den Sieg in der Schlacht errungen hat, soll er Götter und Brahmanen verehren. Die Kostbarkeiten [der Beute] fallen an den König, auch wenn der Minister die Schlacht geführt hat.
tasya striyo na kasyāpi rakṣyāstāś ca parasya ca / śatruṃ prāpya raṇe muktaṃ putravat paripālayet //
Seine Frauen gehören niemandem [als Beute] [?]; sie sind zu schützen, auch die des Feindes. Hat er den Feind in der Schlacht gefangen, soll er ihn freilassen und wie einen Sohn behüten.
punastena na yoddhavyaṃ deśācārādi pālayet / tataś ca svapuraṃ prāpya dhruve bhe praviśed gṛhaṃ //
Mit ihm soll man nicht nochmals kämpfen; er soll die Landessitten usw. bewahren. Danach, in seine Stadt zurückgekehrt, soll er unter einem ‚festen‘ Mondhaus (dhruva) sein Haus betreten.
devādipūjanaṃ kuryādrakṣedyodhakuṭumbakaṃ / saṃvibhāgaṃ prāvāptaiḥ kuryād bhṛtyajanasya ca //
Er soll die Verehrung der Götter usw. vollziehen, die Familien der Krieger schützen und mit dem Erbeuteten eine Verteilung an die Dienerschaft vornehmen.