Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 235: raṇadīkṣā Die Kampfweihe

Puṣkara beschreibt die siebentägige rituelle Vorbereitung eines Feldzugs (Verehrung der Götter, Traumorakel, Anrufung aller Gottheiten, Siegesbad, Aufbruchsriten) sowie Aufstellung und Schlachtordnungen des Heeres, die Aufgaben der einzelnen Waffengattungen, die Anfeuerung der Krieger, Kriegsregeln, Kriegslisten und das Verhalten nach dem Sieg. Mehrere Stellen sind verderbt (u. a. V. 10, 18, 22, 44, 47, 60).

puṣkara uvāca | yātrāvidhānapūrvantu vakṣye sāṅgrāmikaṃ vidhiṃ / saptāhena yadā yātrā bhaviṣyati mahīpateḥ //

Puṣkara sprach: Ich werde die Vorschrift für den Kampf erklären, der die Vorschrift für den Aufbruch vorausgeht. Wenn der Kriegszug des Königs in sieben Tagen stattfinden wird,

Wort für Wort
yātrā-vidhāna-pūrvam
mit vorausgehender Aufbruchsvorschrift
vakṣye
ich werde erklären
sāṅgrāmikam vidhim
die Kampfvorschrift
saptāhena
in sieben Tagen
yātrā bhaviṣyati mahīpateḥ
der Zug des Königs wird stattfinden

pūjanīyo hariḥ śambhurmodakādyair vināyakaḥ / dvitīye 'hani dikpālān sampūjya śayanañcaret //

sind Hari, Śambhu und – mit Modakas und dergleichen – Vināyaka zu verehren. Am zweiten Tag soll er die Welthüter verehren und sich dann zur Ruhe legen.

Wort für Wort
pūjanīyaḥ hariḥ śambhuḥ
Hari und Śambhu sind zu verehren
modaka-ādyaiḥ vināyakaḥ
Vināyaka mit Modakas usw.
dvitīye ahani
am zweiten Tag
dik-pālān sampūjya
die Welthüter verehrt habend
śayanam caret
soll sich schlafen legen

śayyāyāṃ vā tadagre 'tha devān prārcya manuṃ smaret / namaḥ śambhoḥ trinetrāya rudrāya varadāya ca //

Auf dem Lager oder davor soll er, nachdem er die Götter verehrt hat, das Gebet sprechen: „Verehrung dem Śambhu, dem Dreiäugigen, dem Rudra und dem Gnadenspender,

Wort für Wort
śayyāyām tad-agre
auf dem Lager oder davor
devān prārcya
die Götter verehrt habend
manum smaret
soll das Gebet (Mantra) sprechen
namaḥ śambhave tri-netrāya
Verehrung dem dreiäugigen Śambhu
rudrāya varadāya
dem Rudra, dem Gnadenspender

śambhoḥ für śambhave.

vāmanāya virūpāya svapnādhipataye namaḥ / bhagavandevadeveśa śūlabhṛdvṛṣavāhana //

dem Zwergengestaltigen, dem Missgestalteten, dem Herrn der Träume Verehrung! Erhabener, Gott, Herr der Götter, Dreizackträger, auf dem Stier Reitender,

Wort für Wort
vāmanāya virūpāya
dem Zwerggestaltigen, dem Missgestalteten
svapna-adhipataye namaḥ
Verehrung dem Herrn der Träume
bhagavan deva-deva-īśa
Erhabener, Herr der Götter
śūla-bhṛt
Dreizackträger
vṛṣa-vāhana
auf dem Stier Reitender

iṣṭāniṣṭe mamācakṣva svapne suptasya śāśvata / yajjāgrato dūramiti purodhā mantramuccaret //

verkünde mir, wenn ich schlafe, im Traum Erwünschtes und Unerwünschtes, o Ewiger!“ Der Hauspriester soll das Mantra „yaj jāgrato dūram“ sprechen.

Wort für Wort
iṣṭa-aniṣṭe
Erwünschtes und Unerwünschtes
mama ācakṣva
verkünde mir
svapne suptasya
im Traum dem Schlafenden
śāśvata
o Ewiger
purodhāḥ mantram uccaret
der Hauspriester spreche das Mantra

tṛtīye 'hani dikpālān rudrāṃstān dikpatīnyajet / grahān yajeccaturthe 'hni pañcame cāśvinau yajet //

Am dritten Tag soll er die Welthüter verehren, [nämlich] die Rudras als Herren der Richtungen [?]; am vierten Tag soll er die Planeten verehren und am fünften die Aśvins.

Wort für Wort
tṛtīye ahani
am dritten Tag
rudrān dik-patīn yajet
soll die Rudras, die Richtungsherren, verehren
grahān yajet caturthe
am vierten die Planeten verehren
pañcame
am fünften
aśvinau
die beiden Aśvins

Halbvers 1 nennt dikpālān und rudrāṃs tān dikpatīn nebeneinander; Bezug unsicher.

mārge yā devatāstāsānnadyādīnāñca pūjanaṃ / divyāntarīkṣabhaumasthadevānāñca tathā baliḥ //

[Dann erfolgt] die Verehrung der Gottheiten, die sich am Weg befinden, der Flüsse und dergleichen, und ebenso eine Opferspende (bali) an die Götter im Himmel, im Luftraum und auf Erden,

Wort für Wort
mārge yāḥ devatāḥ
die Gottheiten am Weg
nadī-ādīnām pūjanam
Verehrung der Flüsse usw.
divya-antarīkṣa-bhauma-stha
im Himmel, Luftraum und auf Erden weilend
devānām baliḥ
Opferspende an die Götter

rātrau bhūtagaṇānāñca vāsudevādipūjanaṃ / bhadrakālyāḥ śriyaḥ kuryāt prārthayet sarvadevatāḥ //

und in der Nacht an die Scharen der Geister; [ferner] die Verehrung Vāsudevas usw.; er soll [die Verehrung] der Bhadrakālī und der Śrī vollziehen und alle Gottheiten [so] anflehen:

Wort für Wort
rātrau bhūta-gaṇānām
nachts den Geisterscharen
vāsudeva-ādi-pūjanam
Verehrung Vāsudevas usw.
bhadrakālyāḥ śriyaḥ
der Bhadrakālī und Śrī
prārthayet
soll anflehen
sarva-devatāḥ
alle Gottheiten

vāsudevaḥ saṅkarṣaṇaḥ pradyumnaścāniruddhakaḥ / nārāyaṇo 'bjajo viṣṇur nārasiṃho varāhakaḥ //

„Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha, Nārāyaṇa, der Lotosgeborene, Viṣṇu, Narasiṃha, Varāha,

Wort für Wort
vāsudevaḥ saṅkarṣaṇaḥ
Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa
pradyumnaḥ aniruddhakaḥ
Pradyumna, Aniruddha
nārāyaṇaḥ abja-jaḥ
Nārāyaṇa, der Lotosgeborene (Brahmā)
viṣṇuḥ
Viṣṇu
nārasiṃhaḥ varāhakaḥ
Narasiṃha, Varāha

śiva īśastatpuruṣo hy aghoro rāma satyajaḥ / sūryaḥ somaḥ kujaścāndrijīvaśukraśanaiś carāḥ //

Śiva, Īśāna, Tatpuruṣa, Aghora, [Vāma(deva)?], Sadyojāta, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn,

Wort für Wort
śivaḥ īśaḥ tatpuruṣaḥ
Śiva, Īśa(na), Tatpuruṣa
aghoraḥ
Aghora
sadyojātaḥ
Sadyojāta
sūryaḥ somaḥ kujaḥ
Sonne, Mond, Mars
cāndri-jīva-śukra-śanaiścarāḥ
Merkur, Jupiter, Venus, Saturn

rāma satyajaḥ wohl verderbt für vāmaḥ sadyojātaḥ (die fünf Gesichter Śivas).

rāhuḥ keturgaṇapatiḥ senānī caṇḍikā hy umā / lakṣmīḥ sarasvatī durgā brahmāṇīpramukhā gaṇāḥ //

Rāhu, Ketu, Gaṇapati, der Heerführer [Skanda], Caṇḍikā, Umā, Lakṣmī, Sarasvatī, Durgā, die Scharen mit Brahmāṇī an der Spitze,

Wort für Wort
rāhuḥ ketuḥ
Rāhu, Ketu
gaṇapatiḥ senānī
Gaṇapati, der Heerführer
caṇḍikā umā
Caṇḍikā, Umā
lakṣmīḥ sarasvatī durgā
Lakṣmī, Sarasvatī, Durgā
brahmāṇī-pramukhāḥ gaṇāḥ
die Scharen mit Brahmāṇī an der Spitze

rudrā indrādayo vahnir nāgāstārkṣyo 'pare surāḥ / divyāntarīkṣabhūmiṣṭhā vijayāya bhavantu me //

die Rudras, Indra und die übrigen, Agni, die Nāgas, Tārkṣya und die anderen Götter, die im Himmel, im Luftraum und auf der Erde weilen – sie mögen mir zum Sieg [verhelfen].

Wort für Wort
rudrāḥ indra-ādayaḥ
Rudras, Indra usw.
vahniḥ nāgāḥ tārkṣyaḥ
Agni, Nāgas, Tārkṣya (Garuḍa)
apare surāḥ
die anderen Götter
divya-antarīkṣa-bhūmi-ṣṭhāḥ
im Himmel, Luftraum, auf Erden
vijayāya bhavantu me
mögen mir zum Sieg sein

mardayantu raṇe śatrūn sampragṛhyopahārakaṃ / saputramātṛbhṛtyo 'haṃ devā vaḥ śaraṇaṅgataḥ //

Sie mögen, nachdem sie die Gabe angenommen haben, die Feinde in der Schlacht zermalmen. Mit Sohn, Müttern und Dienern habe ich, o Götter, bei euch Zuflucht gesucht.

Wort für Wort
mardayantu raṇe śatrūn
mögen die Feinde im Kampf zermalmen
sampragṛhya upahārakam
die Gabe angenommen habend
sa-putra-mātṛ-bhṛtyaḥ
mit Sohn, Müttern, Dienern
devāḥ
o Götter
vaḥ śaraṇam gataḥ
bei euch Zuflucht gesucht

cāmūnāṃ pṛṣṭhato gatvā ripunāśā namo 'stu vaḥ / vinivṛttaḥ pradāsyāmi dattādabhyadhikaṃ baliṃ //

Zieht hinter den Heeren her, ihr Feindvernichter, Verehrung sei euch! Heimgekehrt werde ich [euch] eine Opfergabe darbringen, die größer ist als die [jetzt] gegebene.“

Wort für Wort
camūnām pṛṣṭhataḥ gatvā
hinter den Heeren gehend
ripu-nāśāḥ
ihr Feindvernichter
namaḥ astu vaḥ
Verehrung sei euch
vinivṛttaḥ pradāsyāmi
zurückgekehrt werde ich geben
dattāt abhyadhikam balim
eine größere Gabe als die gegebene

cāmūnāṃ für camūnāṃ.

ṣaṣṭhe 'hni vijayasnānaṃ kartavyaṃ cābhiṣekavat / yātrādine saptame ca pūjayecca trivikramaṃ //

Am sechsten Tag ist das Siegesbad nach Art einer Weihe (abhiṣeka) zu vollziehen, und am siebten, dem Tag des Aufbruchs, soll er Trivikrama verehren.

Wort für Wort
ṣaṣṭhe ahni
am sechsten Tag
vijaya-snānam
Siegesbad
abhiṣeka-vat
wie eine Weihe
yātrā-dine saptame
am siebten, dem Aufbruchstag
pūjayet trivikramam
soll Trivikrama verehren

nīrājanoktamantraiś ca āyudhaṃ vāhanaṃ yajet / puṇyāhajayaśabdena mantrametanniśāmayet //

Mit den bei der Nīrājana-Zeremonie genannten Mantras soll er Waffen und Reittiere verehren. Unter dem Ruf „Heilvoller Tag! Sieg!“ soll er folgendes Mantra anhören:

Wort für Wort
nīrājana-ukta-mantraiḥ
mit den beim Lichterschwenken genannten Mantras
āyudham vāhanam yajet
soll Waffe und Reittier verehren
puṇyāha-jaya-śabdena
mit dem Ruf ‚Heilstag! Sieg!‘
mantram etat
dieses Mantra
niśāmayet
soll anhören

divyāntarīkṣabhūmiṣṭhāḥ santvāyurdāḥ surāś ca te / devasiddhiṃ prāpnuhi tvaṃ devayātrāstu sā tava //

„Die Götter im Himmel, im Luftraum und auf der Erde mögen dir Leben spenden; erlange du göttliches Gelingen, dieser Zug sei dir ein Götterzug;

Wort für Wort
divya-antarīkṣa-bhūmi-ṣṭhāḥ
im Himmel, Luftraum, auf Erden
santu āyur-dāḥ
seien Lebensspender
deva-siddhim prāpnuhi
erlange göttliches Gelingen
deva-yātrā astu
sei ein Götterzug
sā tava
dieser dir

rakṣantu devatāḥ sarvā iti śrutvā nṛpo vrajet / gṛhītvā saśarañcāpaṃ dhanurnāgeti mantrata //

alle Gottheiten mögen [dich] schützen!“ – nachdem der König dies gehört hat, soll er aufbrechen, nachdem er unter dem Mantra „dhanvanā gāḥ …“ [?] den Bogen samt Pfeil ergriffen hat.

Wort für Wort
rakṣantu devatāḥ sarvāḥ
alle Gottheiten mögen schützen
śrutvā nṛpaḥ vrajet
gehört habend soll der König aufbrechen
gṛhītvā
ergriffen habend
sa-śaram cāpam
den Bogen mit Pfeil
mantrataḥ
unter dem Mantra

dhanurnāgeti wohl für dhanvanā gā iti (Anfang eines vedischen Bogenmantras).

tadviṣṇoriti japtvātha dadyādripumukhe padaṃ / dakṣiṇaṃ padaṃ dvātriṃśaddikṣu prācyādiṣu kramāt //

Nachdem er dann „tad viṣṇoḥ …“ gemurmelt hat, soll er einen Schritt gegen den Feind hin setzen, den rechten Fuß, [und] zweiunddreißig [Schritte] der Reihe nach in die Richtungen, beginnend mit Osten [?].

Wort für Wort
tad viṣṇoḥ iti japtvā
‚tad viṣṇoḥ‘ gemurmelt habend
dadyāt ripu-mukhe padam
setze den Fuß gegen den Feind
dakṣiṇam padam
den rechten Fuß
dvātriṃśat
zweiunddreißig
dikṣu prācī-ādiṣu kramāt
in die Richtungen ab Osten der Reihe nach

Halbvers 2 unklar (dvātriṃśad).

nāgaṃ rathaṃ hayañcaiva dhuryāṃś caivāruhet kramāt / āruhya vādyair gacchet pṛṣthato nāvalokayet //

Elefant, Wagen und Pferd sowie Zugtiere soll er der Reihe nach besteigen; aufgestiegen, soll er unter Musikklang losziehen und nicht zurückblicken.

Wort für Wort
nāgam ratham hayam
Elefant, Wagen, Pferd
dhuryān
Zugtiere
āruhet kramāt
soll der Reihe nach besteigen
vādyaiḥ gacchet
soll mit Musik ziehen
pṛṣṭhataḥ na avalokayet
soll nicht zurückblicken

krośamātraṃ gatastiṣṭhet pūjayeddevatā dvijān / paradeśaṃ vrajet paścādātmasainyaṃ hi pālayan //

Nachdem er [nur] einen Krośa gegangen ist, soll er haltmachen und Götter und Brahmanen verehren; danach soll er ins Feindesland ziehen, sein eigenes Heer schützend.

Wort für Wort
krośa-mātram gataḥ
einen Krośa gegangen
tiṣṭhet
soll haltmachen
pūjayet devatāḥ dvijān
soll Götter und Brahmanen verehren
para-deśam vrajet
soll ins Feindesland ziehen
ātma-sainyam pālayan
das eigene Heer schützend

rājā prāpya deveśantu deśapālantu pālayet / devānāṃ pūjanaṃ kuryānna chindyādāyamatra tu //

Hat der König [das Land] erreicht, soll er den Gott [des Landes] und den Landeshüter [?] schonen; er soll die Götter verehren und die Einkünfte [der Heiligtümer] hier nicht beschneiden.

Wort für Wort
rājā prāpya
der König, angekommen
deva-īśam deśa-pālam
den Gottherrn, den Landeshüter
pālayet
soll schützen
devānām pūjanam
Verehrung der Götter
na chindyāt āyam
soll die Einkünfte nicht beschneiden

deveśantu deśapālantu: Sinn unsicher.

nāvamānayettaddeśyānāgatya svapuraṃ punaḥ / jayaṃ prāpyārcayeddevān dadyāddānāni pārthivaḥ //

Er soll die Bewohner jenes Landes nicht verachten. Wieder in seine Stadt zurückgekehrt, soll der König, nachdem er den Sieg errungen hat, die Götter verehren und Gaben spenden.

Wort für Wort
na avamānayet
soll nicht verachten
tad-deśyān
die Bewohner jenes Landes
āgatya sva-puram punaḥ
in die eigene Stadt zurückgekehrt
jayam prāpya
den Sieg errungen
dadyāt dānāni
soll Gaben spenden

dvitīye ahani saṅgrāmo bhaviṣyati yadā tadā / snapayedgajamaśvādi yajeddevaṃ nṛpasiṃhakaṃ //

Wenn am folgenden Tag die Schlacht stattfinden wird, dann soll er Elefanten, Pferde usw. baden lassen und den Gott Narasiṃha verehren,

Wort für Wort
dvitīye ahani
am folgenden Tag
saṅgrāmaḥ bhaviṣyati
die Schlacht wird stattfinden
snapayet gajam aśva-ādi
soll Elefanten, Pferde usw. baden
yajet devam
soll den Gott verehren
nṛsiṃhakam
Narasiṃha

chatrādirājaliṅgāni śastrāṇi niśi vai gaṇān / prātarnṛsiṃhakaṃ pūjya vāhanādyamaśeṣataḥ //

[ebenso] die königlichen Insignien wie Schirm usw. und die Waffen, und in der Nacht die [Geister-]Scharen; am Morgen, nachdem er Narasiṃha und die Reittiere usw. vollständig verehrt hat,

Wort für Wort
chatra-ādi-rāja-liṅgāni
Schirm und andere Königsinsignien
śastrāṇi
Waffen
niśi gaṇān
nachts die Scharen
prātaḥ nṛsiṃhakam pūjya
morgens Narasiṃha verehrt habend
vāhana-ādyam aśeṣataḥ
die Reittiere usw. vollständig

purodhasā hutaṃ paśyedvahniṃ hutvā dvijānyajet / gṛhītvā saśarañcāpaṃ gajādyāruhya vai vrajet //

soll er das vom Hauspriester beopferte Feuer betrachten; nachdem er [selbst] geopfert hat, soll er die Brahmanen ehren; Bogen samt Pfeil ergriffen, soll er einen Elefanten oder dergleichen besteigen und losziehen.

Wort für Wort
purodhasā hutam vahnim
das vom Hauspriester beopferte Feuer
paśyet
soll betrachten
hutvā dvijān yajet
geopfert habend die Brahmanen ehren
gṛhītvā sa-śaram cāpam
Bogen mit Pfeil ergriffen
gaja-ādi āruhya vrajet
einen Elefanten usw. bestiegen, ziehe er

deśe tvadṛśyaḥ śatrūṇāṃ kuryāt prakṛtikalpanāṃ / saṃhatān yodhayedalpān kāmaṃ vistārayedbahūn //

In einer Gegend, wo er für die Feinde unsichtbar ist, soll er die Aufstellung der [Heeres-]Bestandteile vornehmen. Wenige [Krieger] soll er geschlossen kämpfen lassen, viele nach Belieben auseinanderziehen.

Wort für Wort
deśe adṛśyaḥ śatrūṇām
in einer für die Feinde nicht sichtbaren Gegend
prakṛti-kalpanām
Aufstellung der Truppenteile
saṃhatān yodhayet alpān
wenige lasse er geschlossen kämpfen
kāmam
nach Belieben
vistārayet bahūn
viele soll er ausbreiten

sūcīmukhamanīkaṃ syādalpānāṃ bahubhiḥ saha / vyūhāḥ prāṇyaṅgarūpāś ca dravyarūpāś ca kīrtitāḥ //

Beim [Kampf] weniger gegen viele sei die Schlachtreihe nadelspitzenförmig. Die Schlachtordnungen werden als solche in Gestalt von Lebewesen und in Gestalt von Gegenständen gelehrt:

Wort für Wort
sūcī-mukham anīkam
nadelspitzenförmige Schlachtreihe
alpānām bahubhiḥ saha
der wenigen gegen viele
vyūhāḥ
Schlachtordnungen
prāṇi-aṅga-rūpāḥ
in Gestalt von Lebewesen(-körpern)
dravya-rūpāḥ
in Gestalt von Gegenständen

garuḍo makaravyūhaś cakraḥ śyenastathaiva ca / ardhacandraś ca vajraś ca śakaṭavyūha eva ca //

die Garuḍa-, die Makara-Ordnung, das Rad, der Falke, ebenso der Halbmond, der Donnerkeil (vajra) und die Wagen-Ordnung,

Wort für Wort
garuḍaḥ
Garuḍa (Adler)
makara-vyūhaḥ
Makara-Ordnung
cakraḥ śyenaḥ
Rad, Falke
ardha-candraḥ vajraḥ
Halbmond, Donnerkeil
śakaṭa-vyūhaḥ
Wagen-Ordnung

maṇḍalaḥ sarvatobhadraḥ sūcīvyūhaś ca te narāḥ / vyūhānāmatha sarveṣāṃ pañcadhā sainyakalpanā //

der Kreis, das Sarvatobhadra (‚allseits Heilvolle‘) und die Nadel-Ordnung – das sind sie, ihr Männer [?]. Bei allen Schlachtordnungen ist die Aufstellung des Heeres fünfgeteilt:

Wort für Wort
maṇḍalaḥ
Kreis
sarvatobhadraḥ
allseits Heilvolles
sūcī-vyūhaḥ
Nadel-Ordnung
vyūhānām sarveṣām
bei allen Schlachtordnungen
pañcadhā sainya-kalpanā
fünfteilige Heeresaufstellung

te narāḥ unklar (Anrede oder verderbt).

dvau pakṣāvanupakṣau dvāvaśyaṃ pañcamaṃ bhavet / ekena yadi vā dvābhyāṃ bhāgābhyāṃ yuddhamācaret //

zwei Flügel, zwei Nebenflügel, und notwendig ein fünftes [Glied, das Zentrum]. Mit einem oder zwei Teilen soll er den Kampf führen,

Wort für Wort
dvau pakṣau
zwei Flügel
anupakṣau dvau
zwei Nebenflügel
avaśyam pañcamam
notwendig ein fünftes
ekena dvābhyām bhāgābhyām
mit einem oder zwei Teilen
yuddham ācaret
soll kämpfen

avaśyaṃ für avaśyaṃ (‚notwendig‘).

bhāgatrayaṃ sthāpayettu teṣāṃ rakṣārthameva ca / na vyūhakalpanā kāryā rājño bhavati karhicit //

drei Teile aber soll er zu deren Schutz aufstellen. Für den König selbst soll niemals ein Platz in der Schlachtordnung vorgesehen werden;

Wort für Wort
bhāga-trayam sthāpayet
drei Teile soll er aufstellen
teṣām rakṣā-artham
zu deren Schutz
na vyūha-kalpanā kāryā
keine Einordnung in die Schlachtordnung
rājñaḥ
für den König
karhicit
jemals

mūlacchede vināśaḥ syānna yudhyecca svayannṛpaḥ / sainyasya paścāttiṣṭhettu krośamātre mahīpatiḥ //

denn wird die Wurzel abgeschnitten, folgt der Untergang; der König soll nicht selbst kämpfen. Der Erdherr soll einen Krośa hinter dem Heer stehen.

Wort für Wort
mūla-cchede vināśaḥ
beim Abschneiden der Wurzel Untergang
na yudhyet svayam nṛpaḥ
der König kämpfe nicht selbst
sainyasya paścāt
hinter dem Heer
tiṣṭhet
soll stehen
krośa-mātre
einen Krośa entfernt

bhagnasandhāraṇaṃ tatra yodhānāṃ parikīrtitaṃ / pradhānabhaṅge sainyasya nāśasthānaṃ vidhīyate //

Dort, heißt es, [erfolgt] das Sammeln der versprengten Krieger. Bricht die Hauptmacht [bzw. der Anführer] zusammen, so gilt [das] als Untergang des Heeres [?].

Wort für Wort
bhagna-sandhāraṇam
Sammeln der Versprengten
yodhānām
der Krieger
pradhāna-bhaṅge
beim Brechen der Hauptmacht
sainyasya nāśa-sthānam
Untergang des Heeres
vidhīyate
wird festgesetzt

na saṃhatānna viralānyodhān vyūhe prakalpayet / āyudhānāntu sammardo yathā na syāt parasparaṃ //

Er soll die Krieger in der Schlachtordnung weder zu dicht noch zu locker aufstellen, so dass es nicht zu gegenseitigem Zusammenprall der Waffen kommt.

Wort für Wort
na saṃhatān na viralān
weder dicht noch locker
yodhān vyūhe prakalpayet
soll die Krieger in der Ordnung aufstellen
āyudhānām sammardaḥ
Zusammenprall der Waffen
yathā na syāt
damit nicht entstehe
parasparam
gegenseitig

bhettukāmaḥ parānīkaṃ saṃhatair eva bhedayet / bhedarakṣyāḥ pareṇāpi kartavyāḥ saṃhatās tathā //

Wer die feindliche Linie durchbrechen will, soll sie mit geschlossenen [Verbänden] durchbrechen; ebenso sind [die eigenen Teile], die vor einem Durchbruch durch den Feind zu schützen sind, geschlossen aufzustellen.

Wort für Wort
bhettu-kāmaḥ
durchbrechen wollend
para-anīkam
die feindliche Linie
saṃhataiḥ eva bhedayet
nur mit Geschlossenen durchbreche er
bheda-rakṣyāḥ pareṇa
vor dem Durchbruch durch den Feind zu schützen
kartavyāḥ saṃhatāḥ
sind geschlossen zu machen

vyūhaṃ bhedāvahaṃ kuryāt paravyūheṣu cecchayā / gajasya pādarakṣārthāś catvārastu tathā dvija //

Gegenüber den feindlichen Schlachtordnungen soll er nach Belieben eine durchbrechende Ordnung bilden. Zum Schutz der Füße eines Elefanten [dienen] vier [Fußsoldaten], o Brahmane,

Wort für Wort
vyūham bheda-āvaham
eine durchbrechende Ordnung
para-vyūheṣu
gegen die feindlichen Ordnungen
icchayā
nach Belieben
gajasya pāda-rakṣā-arthāḥ
zum Fußschutz des Elefanten
catvāraḥ
vier

rathasya cāśvāś catvāraḥ samāstasya ca carmiṇaḥ / dhanvinaś carmibhistulyāḥ purastāccarmiṇo raṇe //

und einem Wagen [gehören] vier Pferde [bzw. Reiter], ebenso viele Schildträger; Bogenschützen gleich an Zahl den Schildträgern. Vorn in der Schlacht [stehen] die Schildträger,

Wort für Wort
rathasya aśvāḥ catvāraḥ
dem Wagen vier Pferde
samāḥ carmiṇaḥ
gleich viele Schildträger
dhanvinaḥ carmibhiḥ tulyāḥ
Bogenschützen gleich den Schildträgern
purastāt carmiṇaḥ
vorn die Schildträger
raṇe
in der Schlacht

pṛṣṭhato dhanvinaḥ praścāddhanvinānturagā rathāḥ / rathānāṃ kuñjarāḥ paścāddātavyāḥ pṛthivīkṣitā //

hinter ihnen die Bogenschützen, hinter den Bogenschützen Pferde und Wagen, hinter den Wagen sind vom König die Elefanten aufzustellen.

Wort für Wort
pṛṣṭhataḥ dhanvinaḥ
dahinter die Bogenschützen
dhanvinām turagāḥ rathāḥ
hinter den Bogenschützen Pferde und Wagen
rathānām kuñjarāḥ paścāt
hinter den Wagen die Elefanten
dātavyāḥ
sind aufzustellen
pṛthivī-kṣitā
vom König

praścād für paścād.

padātikuñjarāśvānāṃ dharmakāryaṃ prayatnataḥ / śūrāḥ pramukhato deyāḥ skandhamātrapradarśanaṃ //

Für Fußvolk, Elefanten und Pferde ist die ihnen gemäße Aufgabe sorgfältig [zu bestimmen]. Die Tapferen sind an die Spitze zu stellen; bloßes Zurschaustellen der Masse [Anm.: wörtl. ‚der Schultern‘]

Wort für Wort
padāti-kuñjara-aśvānām
für Fußvolk, Elefanten, Pferde
dharma-kāryam
gemäße Aufgabe
prayatnataḥ
sorgfältig
śūrāḥ pramukhataḥ deyāḥ
Tapfere sind vorn zu stellen
skandha-mātra-pradarśanam
bloßes Zeigen der Schultern (Masse)

kartavyaṃ bhīrusaṅghena śatruvidrāvakārakaṃ / dārayanti purastāttu na deyā bhīravaḥ puraḥ //

ist durch die Schar der Furchtsamen zu leisten, was die Feinde in die Flucht treibt. [Stehen sie] vorn, reißen sie [die Reihe] auf; Furchtsame sind nicht nach vorn zu stellen.

Wort für Wort
kartavyam bhīru-saṅghena
ist durch die Schar der Furchtsamen zu leisten
śatru-vidrāva-kārakam
die Feinde vertreibend
dārayanti purastāt
vorne reißen sie auf
na deyāḥ bhīravaḥ puraḥ
Furchtsame nicht nach vorn

protsāhantyeva raṇe bhīrūn śūrāḥ purasthitāḥ / prāṃśavaḥ śakunāśāś ca ye cājihmekṣaṇā narāḥ //

Die vorn stehenden Tapferen ermutigen in der Schlacht die Furchtsamen. Hochgewachsene, mit Papageiennasen [?], Männer mit geradem Blick,

Wort für Wort
protsāhanti
ermutigen
raṇe bhīrūn
im Kampf die Furchtsamen
śūrāḥ puraḥ-sthitāḥ
die vorn stehenden Tapferen
prāṃśavaḥ
hochgewachsen
śuka-nāsāḥ
mit Papageiennase [?]
ajihma-īkṣaṇāḥ
mit geradem Blick

śakunāśāḥ wohl für śukanāsāḥ.

saṃhatabhrūyugāś caiva krodhanā kalahapriyāḥ / nityahṛṣṭāḥ prahṛṣṭāś ca śūrā jñeyāś ca kāminaḥ //

mit zusammengewachsenen Augenbrauen, zornmütig, streitlustig, stets heiter und fröhlich und liebeslustig – diese sind als Tapfere zu erkennen.

Wort für Wort
saṃhata-bhrū-yugāḥ
mit zusammengewachsenen Brauen
krodhanāḥ
zornmütig
kalaha-priyāḥ
streitlustig
nitya-hṛṣṭāḥ prahṛṣṭāḥ
stets heiter und fröhlich
śūrāḥ jñeyāḥ kāminaḥ
liebeslustig, als Tapfere zu erkennen

saṃhatānāṃ hatānāṃ ca raṇāpanayanakriyā / pratiyuddhaṃ gajānāñca toyadānādikañca yat //

Das Wegschaffen der Verwundeten [?] und Getöteten aus der Schlacht, der Gegenkampf gegen Elefanten, das Verteilen von Wasser und dergleichen

Wort für Wort
hatānām
der Getöteten
raṇa-apanayana-kriyā
Wegschaffen aus der Schlacht
pratiyuddham gajānām
Gegenkampf gegen Elefanten
toya-dāna-ādikam
Wasserausgabe usw.

saṃhatānāṃ hier wohl verderbt (für kṣatānāṃ o. ä.).

āyudhānayanaṃ caiva pattikarma vidhīyate / ripūṇāṃ bhettukāmānāṃ svasainyasya tu rakṣaṇaṃ //

und das Herbeibringen von Waffen gilt als Aufgabe des Fußvolks. Der Schutz des eigenen Heeres gegen Feinde, die es durchbrechen wollen,

Wort für Wort
āyudha-ānayanam
Herbeibringen von Waffen
patti-karma
Aufgabe des Fußvolks
vidhīyate
wird bestimmt
ripūṇām bhettu-kāmānām
vor durchbruchswilligen Feinden
sva-sainyasya rakṣaṇam
Schutz des eigenen Heeres

bhedanaṃ saṃhatānāñca carmiṇāṃ karma kīrtitaṃ / vimukhīkaraṇaṃ yuddhe dhanvināṃ ca tathocyate //

und das Sprengen geschlossener [Verbände] gilt als Aufgabe der Schildträger; das Abwenden [des Feindes] im Kampf nennt man ebenso die [Aufgabe] der Bogenschützen.

Wort für Wort
bhedanam saṃhatānām
Sprengen geschlossener Verbände
carmiṇām karma
Aufgabe der Schildträger
vimukhī-karaṇam
Zurückwerfen
yuddhe
im Kampf
dhanvinām
der Bogenschützen

dūrāpasaraṇaṃ yānaṃ suhatasya tathocyate / trāsanaṃ ripusainyānāṃ rathakarma tathocyate //

Weites Ausweichen und Vorrücken sowie [das Verfolgen] des schwer Getroffenen [?] heißt ebenso [Aufgabe der Reiterei]; das In-Schrecken-Versetzen der feindlichen Heere heißt Aufgabe der Wagen.

Wort für Wort
dūra-apasaraṇam
weites Ausweichen
yānam
Vorrücken
suhatasya
des schwer Getroffenen
trāsanam ripu-sainyānām
Erschrecken der Feindesheere
ratha-karma
Aufgabe der Wagen

Halbvers 1 knapp; Bezug auf die Reiterei aus der Reihenfolge erschlossen.

bhedanaṃ saṃhatānāñca bhedānāmapi saṃhatiḥ / prākāratoraṇāṭṭāladrumabhaṅgaś ca saṅgate //

Das Sprengen geschlossener [Verbände], das Zusammenschließen der aufgesprengten [eigenen] und das Niederreißen von Wällen, Toren, Wachtürmen und Bäumen im Kampfgetümmel [ist Aufgabe der Elefanten].

Wort für Wort
bhedanam saṃhatānām
Sprengen der Geschlossenen
bhedānām saṃhatiḥ
Zusammenschluss der Gesprengten
prākāra-toraṇa-aṭṭāla
Wall, Tor, Wachturm
druma-bhaṅgaḥ
Umbrechen von Bäumen
saṅgate
im Kampfgetümmel

Subjekt (Elefanten) aus dem Zusammenhang ergänzt.

pattibhūrviṣamā jñeyā rathāśvasya tathā samā / sakardamā ca nāgānāṃ yuddhabhūmirudāhṛtā //

Als Kampfgelände des Fußvolks gilt unebener Boden, für Wagen und Pferde ebener; schlammiger wird als Kampfgelände der Elefanten bezeichnet.

Wort für Wort
patti-bhūḥ viṣamā
Boden des Fußvolks uneben
ratha-aśvasya samā
für Wagen und Pferd eben
sa-kardamā
schlammig
nāgānām
der Elefanten
yuddha-bhūmiḥ
Kampfgelände

evaṃ viracitavyūhaḥ kṛtapṛṣṭhadivākaraḥ / tathānulomaśukrārkidikpālamṛdumārutāḥ //

Hat er so die Schlachtordnung aufgestellt, die Sonne im Rücken, bei günstig stehender Venus, Saturn und Richtungshütern [?] und bei sanftem Wind,

Wort für Wort
evam viracita-vyūhaḥ
so die Ordnung aufgestellt
kṛta-pṛṣṭha-divākaraḥ
die Sonne im Rücken
anuloma
günstig stehend
śukra-ārki-dik-pāla
Venus, Saturn, Richtungshüter
mṛdu-mārutāḥ
sanfter Wind

yodhānuttejayetsarvānnāmagotrāvadānataḥ / bhogaprāptyā ca vijaye svargaprāptyā mṛtasya ca //

soll er alle Krieger anfeuern durch [Nennung von] Namen, Geschlecht und Ruhmestaten, durch [die Aussicht auf] Genüsse beim Sieg und auf den Himmel für den Gefallenen:

Wort für Wort
yodhān uttejayet sarvān
soll alle Krieger anfeuern
nāma-gotra-avadānataḥ
nach Name, Geschlecht, Ruhmestat
bhoga-prāptyā vijaye
durch Genüsse beim Sieg
svarga-prāptyā
durch Himmelserlangung
mṛtasya
des Gefallenen

jitvārīn bhogasamprāptiḥ mṛtasya ca parā gatiḥ / niṣkṛtiḥ svāmipiṇḍasya nāsti yuddhasamā gatiḥ //

„Wer die Feinde besiegt, erlangt Genüsse, wer fällt, den höchsten Weg. [Der Kampf ist] Abtragung [der Schuld] für das Brot des Herrn; es gibt keinen Weg, der dem Kampf gleicht.

Wort für Wort
jitvā arīn
die Feinde besiegt habend
bhoga-samprāptiḥ
Erlangung von Genüssen
mṛtasya parā gatiḥ
dem Gefallenen der höchste Weg
niṣkṛtiḥ svāmi-piṇḍasya
Abtragung für das Brot des Herrn
na asti yuddha-samā gatiḥ
kein Weg gleicht dem Kampf

śūrāṇāṃ raktamāyāti tena pāpantyajanti te / dhātādiduḥkhasahanaṃ raṇe tat paramantapaḥ //

Das Blut der Helden fließt, und dadurch legen sie die Sünde ab. Das Ertragen des Schmerzes von Hieben und dergleichen in der Schlacht ist die höchste Askese.

Wort für Wort
śūrāṇām raktam āyāti
das Blut der Helden fließt
pāpam tyajanti
legen die Sünde ab
ghāta-ādi-duḥkha-sahanam
Ertragen der Schmerzen von Hieben usw.
raṇe
in der Schlacht
param tapaḥ
höchste Askese

dhātādi wohl für ghātādi.

varāpsaraḥsahasrāṇi yānti śūraṃ raṇe mṛtaṃ / svāmī sukṛtamādatte bhagnānāṃ vinivartināṃ //

Tausende vorzüglicher Apsaras eilen zu dem Helden, der in der Schlacht gefallen ist. Das gute Verdienst der Gebrochenen, die umkehren, nimmt der Herr an sich.

Wort für Wort
vara-apsaraḥ-sahasrāṇi
Tausende vorzüglicher Apsaras
yānti śūram raṇe mṛtam
gehen zum im Kampf gefallenen Helden
svāmī sukṛtam ādatte
der Herr nimmt das Verdienst
bhagnānām
der Gebrochenen
vinivartinām
der Umkehrenden (Fliehenden)

brahmahatyāphalaṃ teṣāṃ tathā proktaṃ pade pade / tyaktvā sahāyān yo gaccheddevāstasya vinaṣṭaye //

Ihnen wird bei jedem Schritt die Frucht eines Brahmanenmordes zuteil, so wird gelehrt. Wer seine Gefährten im Stich lässt und davongeht, dem gereichen die Götter zum Verderben.

Wort für Wort
brahma-hatyā-phalam
Frucht eines Brahmanenmordes
pade pade
bei jedem Schritt
tyaktvā sahāyān
die Gefährten verlassend
yaḥ gacchet
wer davongeht
devāḥ tasya vinaṣṭaye
die Götter zu seinem Verderben

aśvamedhaphalaṃ proktaṃ śūrāṇāmanirvartināṃ / dharmaniṣṭhe jayo rājñi yoddhavyāś ca samāḥ samaiḥ //

Den Helden, die nicht umkehren, wird die Frucht eines Pferdeopfers verheißen. Steht der König fest im Dharma, [folgt] der Sieg. Gleiche sollen mit Gleichen kämpfen:

Wort für Wort
aśvamedha-phalam
Frucht des Pferdeopfers
śūrāṇām anivartinām
der nicht umkehrenden Helden
dharma-niṣṭhe rājñi jayaḥ
beim dharmatreuen König Sieg
yoddhavyāḥ
sind zu bekämpfen
samāḥ samaiḥ
Gleiche mit Gleichen

anirvartināṃ für anivartināṃ.

gajādyaiś ca gajādyāś ca na hantavyāḥ palāyinaḥ / na prekṣakāḥ praviṣṭāś ca aśastrāḥ pratitādayaḥ //

Elefanten usw. mit Elefanten usw. Fliehende sind nicht zu töten, ebenso wenig Zuschauer, [um Schutz] Eingetretene, Waffenlose, Gefallene und dergleichen.“ [?]

Wort für Wort
gaja-ādyaiḥ gaja-ādyāḥ
Elefanten usw. mit Elefanten usw.
na hantavyāḥ palāyinaḥ
Fliehende sind nicht zu töten
prekṣakāḥ
Zuschauer
praviṣṭāḥ
Schutzsuchende
aśastrāḥ patita-ādayaḥ
Waffenlose, Gefallene usw.

pratitādayaḥ wohl für patitādayaḥ.

śānte nidrābhibhūte ca ardhottīrṇe nadīvane / durdine kūṭayuddhāni śatrunāśārthamācaret //

Wenn [der Feind] ruht, vom Schlaf übermannt ist, einen Fluss halb durchquert hat oder im Wald ist, bei Unwetter soll er Listkämpfe zur Vernichtung des Feindes führen.

Wort für Wort
śānte
wenn er ruht
nidrā-abhibhūte
vom Schlaf übermannt
ardha-uttīrṇe nadī-vane
halb über den Fluss, im Wald
durdine
bei Unwetter
kūṭa-yuddhāni ācaret
soll Listkämpfe führen

bāhū pragṛhya vikrośedbhagnā bhagnāḥ pare iti / prāptaṃ mitraṃ balaṃ bhūri nāyako 'tra nipātitaḥ //

Die Arme emporgereckt, soll er laut rufen: „Gebrochen, gebrochen sind die Feinde! Ein großes verbündetes Heer ist eingetroffen! Ihr Anführer ist hier gefallen!

Wort für Wort
bāhū pragṛhya
die Arme erhoben
vikrośet
soll laut rufen
bhagnāḥ pare
die Feinde sind gebrochen
prāptam mitram balam bhūri
viel Verbündetenheer ist gekommen
nāyakaḥ nipātitaḥ
der Anführer ist gefällt

senānīrnihatāścāyaṃ bhūpatiścāpi viplutaḥ / vidrutānāntu yodhānāṃ mukhaṃ ghāto vidhīyate //

Der Heerführer ist erschlagen, und dieser König ist ebenfalls geflohen!“ Die fliehenden Krieger [des Feindes] soll man von vorn angreifen [?].

Wort für Wort
senānīḥ nihataḥ
der Heerführer ist erschlagen
bhūpatiḥ viplutaḥ
der König ist geflohen
vidrutānām yodhānām
der fliehenden Krieger
mukham
Front, Gesicht
ghātaḥ vidhīyate
Angriff wird vorgeschrieben

mukhaṃ ghāto: Sinn unsicher.

dhūpāś ca deyā dharmajña tathā ca paramohanāḥ / patākāś caiva sambhāro vāditrāṇām bhayāvahaḥ //

Räucherwerk ist einzusetzen, o Dharma-Kundiger, und ebenso [Mittel] zur Betörung des Feindes, Fahnen und ein Aufgebot von Musikinstrumenten, das Furcht erregt.

Wort für Wort
dhūpāḥ deyāḥ
Räucherungen sind einzusetzen
dharma-jña
o Dharma-Kundiger
para-mohanāḥ
den Feind betörend
patākāḥ
Fahnen
sambhāraḥ vāditrāṇām bhaya-āvahaḥ
furchterregendes Aufgebot an Instrumenten

samprāpya vijayaṃ yuddhe devānviprāṃś ca saṃyajet / ratnāni rājagāmīni amātyena kṛte raṇe //

Nachdem er den Sieg in der Schlacht errungen hat, soll er Götter und Brahmanen verehren. Die Kostbarkeiten [der Beute] fallen an den König, auch wenn der Minister die Schlacht geführt hat.

Wort für Wort
samprāpya vijayam
den Sieg errungen
devān viprān saṃyajet
soll Götter und Brahmanen verehren
ratnāni
Kostbarkeiten
rāja-gāmīni
dem König zufallend
amātyena kṛte raṇe
wenn der Minister die Schlacht geführt hat

tasya striyo na kasyāpi rakṣyāstāś ca parasya ca / śatruṃ prāpya raṇe muktaṃ putravat paripālayet //

Seine Frauen gehören niemandem [als Beute] [?]; sie sind zu schützen, auch die des Feindes. Hat er den Feind in der Schlacht gefangen, soll er ihn freilassen und wie einen Sohn behüten.

Wort für Wort
tasya striyaḥ
seine Frauen
na kasya api
niemandem gehörig
rakṣyāḥ parasya ca
zu schützen, auch die des Feindes
śatrum prāpya raṇe
den Feind im Kampf gefangen
muktam putra-vat paripālayet
freigelassen wie einen Sohn behüten

punastena na yoddhavyaṃ deśācārādi pālayet / tataś ca svapuraṃ prāpya dhruve bhe praviśed gṛhaṃ //

Mit ihm soll man nicht nochmals kämpfen; er soll die Landessitten usw. bewahren. Danach, in seine Stadt zurückgekehrt, soll er unter einem ‚festen‘ Mondhaus (dhruva) sein Haus betreten.

Wort für Wort
punaḥ tena na yoddhavyam
nicht nochmals mit ihm kämpfen
deśa-ācāra-ādi pālayet
Landessitten usw. bewahren
sva-puram prāpya
die eigene Stadt erreicht
dhruve bhe
unter einem festen Mondhaus
praviśet gṛham
soll das Haus betreten

devādipūjanaṃ kuryādrakṣedyodhakuṭumbakaṃ / saṃvibhāgaṃ prāvāptaiḥ kuryād bhṛtyajanasya ca //

Er soll die Verehrung der Götter usw. vollziehen, die Familien der Krieger schützen und mit dem Erbeuteten eine Verteilung an die Dienerschaft vornehmen.

Wort für Wort
deva-ādi-pūjanam
Verehrung der Götter usw.
rakṣet yodha-kuṭumbakam
soll die Kriegerfamilien schützen
saṃvibhāgam
Verteilung
prāptaiḥ
mit dem Erlangten
bhṛtya-janasya
der Dienerschaft

prāvāptaiḥ für prāptaiḥ.

raṇādīkṣā mayoktā te jayāya nṛpaterdhruvā //

Die Kampfweihe ist dir von mir verkündet worden; sie führt den König sicher zum Sieg.

Wort für Wort
raṇa-dīkṣā
Kampfweihe
mayā uktā te
von mir dir gesagt
jayāya nṛpateḥ
zum Sieg des Königs
dhruvā
sicher

Einzelner Halbvers.

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