Kapitel 232: yātrāmaṇḍalacintādiḥ
Feldzug, Betrachtung des Staatenkreises und Verwandtes
Puṣkara nennt die astrologischen Bedingungen für den Aufbruch zu Feldzügen (ungünstige Planetenstände, Yogas, Karaṇas, Tārās, Wochentage, Mondhäuser als Tore, Schattenmaße) und entwickelt dann die Lehre vom siebengliedrigen Reich und dem Kreis der zwölf Könige (maṇḍala). Er schließt mit den Arten von Feinden und der Mahnung zum gerechten Sieg. Der letzte Vers ist ein einzelner Halbvers; V. 11 und 17 sind textlich bzw. syntaktisch unsicher.
Puṣkara sprach: Ich will [die Regeln für] jeden Feldzug erklären, gestützt auf die Königspflicht. Ist [Venus] untergegangen [Anm.: d. h. von der Sonne verdeckt], in ihrer Erniedrigung, geschwächt, im Zeichen des Feindes stehend,
pratilome ca vidhvaste śukre yātrāṃ visarjayet / pratilome budhe yātrāṃ dikpatau ca tathā ca grahe //
rückläufig oder [im Planetenkampf] geschlagen – ist Venus so, soll man den Zug aufgeben; ebenso bei rückläufigem Merkur und ebenso, wenn der Herr der [Ziel-]Richtung als Planet [so steht].
Bei [den Sternen] Vipat, Naidhana, Pratyari und Janma [Anm.: ungünstige Tārās, vom Geburtsstern aus gezählt], beim [Yoga] Gaṇḍa und auch an einem Riktā-Mondtag soll man den Zug vermeiden.
Die [sieben] mit Kṛttikā beginnenden [Mondhäuser] im Osten, die mit Maghā beginnenden im Süden, die mit Maitra (Anurādhā) beginnenden im Westen und die mit Vāsava (Dhaniṣṭhā) beginnenden im Norden –
ebenso am Samstag elf – [so] für alle Unternehmungen gelehrt. Beim Geburtslagna [?] und wenn ein Regenbogen vor ihm steht, soll ein Mann nicht aufbrechen.
Sind die Vorzeichen und das Übrige günstig, soll er zum Sieg aufbrechen, Hari im Gedächtnis. Ich werde [dir] die Betrachtung des [Staaten-]Kreises darlegen; der Schutz des Königtums ist zu vollziehen.
Der [an diese] Anschließende ist als Freund zu wissen, danach der Freund des Feindes; danach ist der Freund des Freundes zu wissen, danach der Feind des Freundesfreundes.
etatpurastāt kathitaṃ paścādapi nibodha me / pārṣṇigrāhastataḥ paścāttatastvākranda ucyate //
Dies ist für die Vorderseite gesagt; vernimm von mir auch die Rückseite: dahinter [steht] der Fersengreifer (pārṣṇigrāha), danach wird der Ākranda (‚Hilferufer‘) genannt.
Danach folgt der Āsāra (‚Helfer‘), ein weiterer heißt Ākranda-Āsāra. Hinsichtlich des Eroberungswilligen, des mit dem Feind Verbundenen und ebenso des Ungebundenen, o Brahmane, –
Wort für Wort
āsāraḥ
der Āsāra (Hilfstruppe, Helfer)
ākranda-āsāraḥ
Helfer des Ākranda
jigīṣoḥ
des Eroberungswilligen
śatru-yuktasya
des mit dem Feind Verbundenen
vimuktasya
des Ungebundenen
dvija
o Zweimalgeborener
Satzbau von Halbvers 2 unklar; wohl Einleitung zu den Begriffen Madhyastha und Udāsīna in V. 18–19.
auch hier lässt sich keine feste Bestimmung angeben, o Stier unter den Menschen. Wer zu Bestrafung und Begünstigung [beider] fähig ist, heißt Madhyastha (der Mittlere).
Dreifach sind die Feinde zu wissen: verwandte, benachbarte und künstliche [d. h. aus Anlass entstandene]. Unter ihnen gilt jeweils der frühere als der schwerere und am schwersten zu behandelnde.
Den Fersengreifer soll er durch die [politischen] Mittel beschwichtigen, ebenso den eigenen [verwandten Feind]. Die Ausrottung des Feindes mittels eines Freundes loben die Alten.
[Doch] auch ein Freund wird zum Feind, sobald er zum angrenzenden Nachbarn geworden ist. Der Eroberungswillige soll den Feind selbst ausrotten, wenn er es vermag.