Kapitel 297: gonasādicikitsā
Behandlung [der Bisse] von Gonasa-Schlangen usw.
Agni lehrt Vasiṣṭha Mittel gegen die Bisse verschiedener Schlangenarten (Ringel- und Streifenschlangen), Ratten, Spinnen, Skorpione, Tausendfüßler, Insekten und Hunde, meist pflanzliche Tränke, Salben und Räucherungen, dazu Rudra- und andere Mantras. Den Schluss bilden Regeln zum rituellen Sammeln von Heilpflanzen mit Wahrheitsformel und ein Mantra gegen Pflanzengift. Die Sprecherangabe ist im Titelfeld mitüberliefert (agnirucāca); zahlreiche Pflanzennamen und die Verse 17–19 und 21 sind unsicher.
[Agni sprach:] „Die Behandlung [der Bisse] der Gonasa usw. – höre, Vasiṣṭha, ich sage sie dir. „hrīṃ hrīṃ amalapakṣi svāhā“ [Anm.: …, o reiner Vogel, svāhā] – durch Kauen von Betel [mit diesem Mantra] beseitigt der Mantrakundige das Gift der Ringelschlangen (maṇḍalin).
Wort für Wort
gonasa-ādi-cikitsām
die Behandlung der Gonasa usw.
vacmi te
ich sage dir
amala-pakṣi
o reiner Vogel
tāmbūla-khādanāt
durch Kauen von Betel
maṇḍalinaḥ viṣam
das Gift der Ringelschlange
Die Sprecherangabe steht im Titelfeld (agnirucāca).
Knoblauch, Rāmaṭha-Frucht, Kuṣṭha, Agni [Anm.: Citraka] und Vyoṣa [Anm.: die drei Scharfen] gegen Gift; Snuhī-Milch und Kuh-Ghee, einen halben Monat lang getrunken, bei Schlangengift.
Wort für Wort
laśunam rāmaṭha-phalam
Knoblauch, Rāmaṭha-Frucht
kuṣṭha-agni-vyoṣakam
Kuṣṭha, Citraka, Vyoṣa
snuhī-kṣīram
Snuhī-Milch
gavya-ghṛtam
Kuh-Ghee
pakṣam pītvā
einen halben Monat getrunken
ahije für ahijaviṣe „bei von Schlangen stammendem Gift“.
Ist man von einer Streifenschlange (rājila) gebissen, so trinke man Langen Pfeffer (kṛṣṇā) mit Steinsalz; Ghee, Honig und Dungwasser mit Purītat [?] vertreibt das Gift.
den Gebissenen bringe man zum Schwitzen mit Muni-Blättern, die in Kāñjika [Anm.: saurem Reiswasser] gekocht sind. Ratten werden sechzehn [Arten] genannt; man trinke Baumwoll[samen]saft
mit Öl – das vertreibt das Leiden durch Ratten[biss]; ebenso ist die Phalinī-Blüte mit Ingwer und Rohzucker zu essen; das vertreibt dieses Gift und die Appetitlosigkeit.
Nirguṇḍī, Śārivā, Śelu – den von Spinnen Geplagten besprenge man mit [deren] Wasser. Guñjā, Nirguṇḍī, Kaṅkola-Blatt, trockener Ingwer, die beiden Gelbwurzarten,
vier Zusammensetzungen sind zu bilden; als Salbe usw. vertreiben sie Skorpion[gift]. „oṃ namo bhagavate rudrāya civi civi chinda chinda kiri kiri bhinda bhinda khaḍgena chedaya chedaya śūlena bhedaya bhedaya cakreṇa dāraya dāraya oṃ hrūṃ phaṭ“ [Anm.: Oṃ, Verehrung dem erhabenen Rudra, …, zerschneide, zerschneide, …, spalte, spalte, schneide mit dem Schwert, durchbohre mit dem Dreizack, zerreiße mit dem Diskus, oṃ hrūṃ phaṭ] – [ein Mittel,] mit diesem Mantra besprochen, ist zu geben; es schneidet [das Gift] der Gardabha[-Insekten] usw. ab.
Wort für Wort
catvāraḥ yogāḥ
vier Zusammensetzungen
vṛścika-apahāḥ
Skorpion(gift) vertreibend
khaḍgena chedaya
schneide mit dem Schwert
mantreṇa mantritaḥ deyaḥ
mit dem Mantra besprochen zu geben
gardabha-ādīn nikṛntati
schneidet die Gardabha usw. ab
Prosa-Mantra; khaḍge na für khaḍgena; gardhabha° für gardabha°.
„oṃ subhadrāyai namaḥ, oṃ suprabhāyai namaḥ“ [Anm.: Oṃ, Verehrung der Subhadrā; Oṃ, Verehrung der Suprabhā]. Die Heilpflanzen, die von den Leuten ohne Vorschrift gesammelt werden –
von ihnen ist [nur] der Same zu nehmen, so sprach Brahmā zu ihr [?]. Nachdem man sich vor jener Heilpflanze verneigt und dann eine Handvoll Gerste [darauf] geworfen hat
daśa japtvā mantramidaṃ namaskuryāttadauṣadhaṃ / tvāmuddharāmyūrdhvanetrāmanenaiva ca bhakṣayet //
und diesen Mantra zehnmal rezitiert hat, verneige man sich vor jener Heilpflanze: „Ich reiße dich aus, die du die Augen nach oben richtest [?]“ – und mit eben diesem [Mantra] nehme man sie ein.
Durch dieses Wahrheitswort möge mein Heilmittel wirksam sein, möge es gelingen!“ „namo vaidūryamāte … rakṣa māṃ sarvaviṣebhyo gauri gāndhāri cāṇḍāli mātaṅgini svāhā harimāye“ [Anm.: Verehrung, o Beryll-Mutter, …, schütze mich vor allen Giften, o Gaurī, Gāndhārī, Cāṇḍālī, Mātaṅginī, svāhā, o Harimāyā] – dieser Mantra ist bei Heilmitteln usw. gegen unbewegliches (pflanzliches) Gift anzuwenden.
Wenn [Gift] eben gegessen wurde und Brennen besteht, [gebe man] Lotus mit kaltem Wasser; man lasse [den Kranken] Ghee mit Honig trinken, und wenn [es] Gift [ist], danach sogleich … [?].“
Wort für Wort
bhukta-mātre
wenn eben gegessen
sthite jvāle
bei bestehendem Brennen
padmam śīta-ambu-sevitam
Lotus mit kaltem Wasser
pāyayet sa-ghṛtam kṣaudram
lasse Ghee mit Honig trinken
tad-anantaram
danach sogleich
Der Schluss des Kapitels ist syntaktisch unvollständig.