Kapitel 369: śarīrāvayavāḥ
Die Glieder des Körpers
Agni zählt die Sinnes- und Tatorgane, die vierundzwanzig Prinzipien und den Puruṣa auf und beschreibt dann die Körperanatomie: Behälter (āśaya), innere Organe, Herz, Augenkreise, Sitze des Lebensatems, Sehnen, Netze, Bündel, Nähte, Knochen, Gelenke, Sehnen, Muskeln und Adern sowie die Mengen der Körperflüssigkeiten in Handvoll. Am Ende steht die Mahnung, den Körper als unreinen Klumpen zu erkennen und aufzugeben. Die erste Hälfte von Vers 1 ist verderbt; der Titel im Kopf enthält offenbar Textreste dieses Verses (śrotraṃ tvak cakṣuṣī jihvā ghrāṇaṃ dhīḥ khaṃ ca), der Kolophon liest „nāmo na saptati“ für ūnasaptati. Viele Organnamen und Zahlenangaben sind textlich unsicher.
Agni sprach: [... Ohr, Haut, Augen, Zunge, Nase, Verstand und Raum ...] Schall, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch sind deren Eigenschaften, in Raum (kha) usw.
Wort für Wort
śabda-sparśa-rūpa-rasa-gandhāḥ
Schall, Berührung, Gestalt, Geschmack, Geruch
kha-ādiṣu
in Raum usw.
tad-guṇāḥ
deren Eigenschaften
bhūtagam
(verderbt) in den Elementen befindlich (?)
Erste Vershälfte verderbt (nur „bhūtagaṃ“ erhalten); im Titelfeld stehen Wörter, die offenbar hierher gehören: śrotraṃ tvak cakṣuṣī jihvā ghrāṇaṃ dhīḥ khaṃ ca. ramagandhāḥ für rasagandhāḥ.
ātmāvyaktaś caturviṃśatattvāni puruṣaḥ paraḥ / saṃyuktaś ca viyuktaś ca yathā matsyodake ubhe //
das Selbst [Anm.: hier wohl das Ichbewusstsein bzw. der Intellekt] und das Unentfaltete (avyakta): [das sind] die vierundzwanzig Prinzipien; der Puruṣa steht jenseits. Verbunden und getrennt [sind beide], wie Fisch und Wasser, die zwei.
[einer] des Schleims, [je einer] für Unverdautes und für Galle, der Behälter des Verdauten ist der fünfte; [die] für Wind und Urin, als siebter; bei Frauen ist die Gebärmutter der achte.
Wort für Wort
śleṣmaṇaḥ
des Schleims
āma-pittābhyām
für Unverdautes und Galle
pakva-āśayaḥ pañcamaḥ
der Behälter des Verdauten der fünfte
vāyu-mūtra-āśayaḥ
Behälter für Wind und Urin
garbha-āśayaḥ aṣṭamaḥ
die Gebärmutter als achter
saptaḥ für saptamaḥ; trotz „sieben Behältern“ werden für Frauen acht gezählt.
Von der Galle aus [gesehen] ist der Behälter des Verdauten [der Sitz] des [Verdauungs-]Feuers [?]. Der Mutterschoß ist zur Zeit [der Regel] geöffnet; die Gebärmutter ist wie ein Lotus; darin hält sie das mit Blut vermischte
Samen; aus dem eigenen Samen [entsteht] mit der Zeit der Körper [und] die Haarlocken. Daher gelangt Samen, der [zur Unzeit] in den Schoß gelegt wird, nicht in die Gebärmutter [?], o Weiser.
Wort für Wort
śukram
Samen
sva-śukrataḥ
aus dem eigenen Samen
aṅgam
den Körper
kuntalāni
Haarlocken
kālataḥ
mit der Zeit
nyastam yonau
in den Schoß gelegt
Zweite Vershälfte verderbt (neti garbhāśayaṃ), Übersetzung nach Sinn.
Aus der Essenz des Nahrungssaftes, wenn er verdaut wird, entstehen bei den Verkörperten Milz und Leber, o Pflichtkundiger, und aus dem Blutschaum die Lunge (pukkasa).
dakṣiṇe ca tathā kloma padmasyaivaṃ prakīrtitaṃ / śrotāṃsi yāni dehe 'smin kapharaktavahāni ca //
rechts ebenso das kloman [Anm.: wohl ein Lungen- bzw. Atemorgan]; so wird es vom [Herz-]Lotus verkündet. Die Kanäle in diesem Körper, die Schleim und Blut führen:
dve kare dve ca caraṇe catasraḥ pṛṣṭhato gale / dehe pādādiśīrṣānte jālāni caiva ṣoḍaśa //
[je] zwei an den Händen und zwei an den Füßen, vier am Rücken [und] am Hals; im Körper, von den Füßen bis zum Kopf, [gibt es] auch sechzehn Netze (jāla),
sūkṣmaiḥ saha catuḥṣaṣṭhirdaśanā viṃśatirnakhāḥ / pāṇipādaśalākāś ca tāsāṃ sthānacatuṣṭayaṃ //
zusammen mit den feinen: vierundsechzig Zähne [Anm.: wohl samt Zahnhöhlen], zwanzig Nägel, die Stäbchen (śalākā) der Hände und Füße, deren Stellen vier [sind];
dve dve jānukapoloruphalakāṃśasamudbhavaṃ / akṣasthānāṃśakaśroṇiphalake caivamādiśet //
je zwei entstammen Knien, Wangen, Oberschenkeln und Schulterblättern; ebenso gebe man sie für Schlüsselbeinbereich (akṣa-sthāna), Schulter und Hüftplatte an;
Wort für Wort
dve dve
je zwei
jānu-kapola-ūru
Knie, Wangen, Oberschenkel
phalaka-aṃsa
Schulterblätter
akṣa-sthāna
Schlüsselbeingegend
śroṇi-phalake
an der Hüftplatte
akṣasthāna hier wohl die Gegend des Schlüsselbeins (akṣaka).
tanmūlaṃ dvelalāṭākṣigaṇḍanāsāṅghyravasthitāḥ / parśukāstālukaiḥ sārdhamarvudaiś ca dvisaptatiḥ //
deren Wurzel [sind] zwei; an Stirn, Augen, Wangen, Nase und Füßen befindlich; die Rippen zusammen mit den Gaumen[knochen] und den Höckern (arbuda) [sind] zweiundsiebzig.
Wort für Wort
tat-mūlam dve
deren Wurzel zwei
lalāṭa-akṣi-gaṇḍa-nāsā
Stirn, Augen, Wangen, Nase
parśukāḥ
Rippen
tālukaiḥ sārdham
zusammen mit den Gaumenknochen
arbudaiḥ
mit den Höckern
dvisaptatiḥ
zweiundsiebzig
Vers teilweise verderbt (dvelalāṭa…, aṅghri); Zuordnung der Zahlen unsicher.
aṣṭaṣaṣṭistu śākhāsu ṣaṣṭiś caikavivarjitā / antarā vai tryaśītiś ca snāyor navaśatāni ca //
achtundsechzig an den Gliedmaßen (śākhā), neunundfünfzig [Anm.: „sechzig weniger eins“] im Rumpf, dreiundachtzig [darüber]. Und neunhundert Sehnen (snāyu):
Wort für Wort
aṣṭaṣaṣṭiḥ śākhāsu
achtundsechzig an den Gliedmaßen
ṣaṣṭiḥ eka-vivarjitā
sechzig weniger eins
antarā
im Rumpf
tryaśītiḥ
dreiundachtzig
snāyoḥ nava-śatāni
neunhundert Sehnen
Die Zuordnung der 83 (oberhalb des Rumpfes) ist nur erschlossen.
Zweiundsiebzig Koṭis [Anm.: je zehn Millionen] der Hohlräume [Anm.: wohl Poren] [gibt es] hier, o großer Weiser. Des Marks, des Fetts und ebenso der Fettflüssigkeit, o Zweimalgeborener,
ardhārdhābhyadhikāḥ sarvāḥ pūrvapūrvāñjalermatāḥ / ardhāñjaliś ca śukrasya tadardhañca tataujasaḥ //
Alle gelten als jeweils um die Hälfte mehr als die vorhergehende Handvoll; eine halbe Handvoll ist [das Maß] des Samens, und die Hälfte davon [das] des Ojas.
Vom Monatsblut der Frauen aber werden von den Weisen vier [Handvoll] genannt. Hat man den Körper als einen Klumpen aus Unrat, Fehlern usw. erkannt, gebe man [die Anhaftung an ihn] im Selbst auf.