Kapitel 308: tvaritāpūjā
Die Verehrung der Tvaritā
Agni lehrt die Glieder-, Gāyatrī- und Begleitmantras der Göttin Tvaritā, ihre Auflegung auf den Körper und ihre Visualisierung als Jägerin (Śavarī) mit Schlangenschmuck. Es folgen die Anordnung der Begleitmächte auf dem Lotus und eine Liste von Opfersubstanzen mit ihren Wirkungen sowie eine kurze Einweihungsvorschrift. Vers 1 ist ein langer Prosa-Mantrablock; das Kolophon trägt im Digitalisat die Folgenummer {309}.
śirobhrumastake kaṇṭhe hṛdi nābhau ca guhyake / urvoś ca jānujaṅghorudvaye caraṇayoḥ kramāt //
An Kopf, Brauen [?] und Scheitel, am Hals, im Herzen, am Nabel und an der Scham, an den beiden Oberschenkeln, an den Paaren von Knien und Unterschenkeln [?] und an den Füßen – der Reihe nach [sind die Silben aufzulegen].
Wort für Wort
śiras
Kopf
mastake
am Scheitel
hṛdi nābhau
im Herzen, am Nabel
guhyake
an der Scham
caraṇayoḥ kramāt
an den Füßen, der Reihe nach
„śirobhrumastake“ und „jānujaṅghorudvaye“ sind unklare Komposita; als Aufzählung von Körperstellen gedeutet.
Wer die Glieder aufgelegt und die Mantras aufgelegt hat, soll [dann] das Ganze als durchdringende [Auflegung] vollziehen. [Man stelle sich vor:] Pārvatī als Śavarī [Jägerin], die Herrin, mit Hand in Wunschgewährungs- und Schutzgeste,
mit Armreifen aus Pfauen[federn], mit einem Pfauenfederbusch als Diadem, mit einem Gewand aus jungen Blattsprossen, auf einem Löwenthron sitzend, versehen mit einem Schirm aus Pfauenfedern,
dreiäugig, dunkel, die Göttin, mit einem Waldkranz geschmückt, mit Brahmanen-Schlangen als Ohrschmuck, mit Kṣatriya-Schlangen als Oberarmreifen geschmückt,
Wort für Wort
tri-netrā
dreiäugig
śyāmalā
dunkelfarbig
vana-mālā-vibhūṣaṇā
mit Waldkranz geschmückt
vipra-ahi-karṇa-ābharaṇā
mit Brahmanen-Schlangen als Ohrschmuck
kṣatra-keyūra-bhūṣaṇā
mit Kṣatriya-[Schlangen] als Oberarmreifen
„viprāhikaṇrābharaṇā“ zu vipra-ahi-karṇa-ābharaṇā, „catra“ zu kṣatra gebessert. Die Schlangen sind nach den vier Ständen (varṇa) klassifiziert.
mit Vaiśya-Schlangen als Gürtel, mit aus Śūdra-Schlangen gemachten Fußringen. Wer so ihrer Gestalt gleich geworden ist [in der Vorstellung], soll ihren Mantra ein Niyuta [eine Million bzw. hunderttausend] Mal murmeln.
Wort für Wort
vaiśya-nāga-kaṭī-bandhā
mit Vaiśya-Schlangen als Gürtel
vṛṣala-ahi-kṛta-nūpurā
mit Fußringen aus Śūdra-Schlangen
evam rūpa-ātmikā bhūtvā
so ihrer Gestalt gleich geworden
tat-mantram
ihren Mantra
niyutam japet
soll ein Niyuta Mal murmeln
niyuta bezeichnet je nach Quelle 100.000 oder 1.000.000.
Einst nahm Īśa [Śiva] die Gestalt eines Kirāta [Bergjägers] an, und Gaurī ebenso. Man soll sie murmeln, meditieren und verehren; zur Erlangung aller Vollendungen [ist sie], die Gift und dergleichen beseitigt.
Auf dem achtfachen Löwenthron [?] ist sie zu verehren; auf den Blättern, im Osten beginnend der Reihe nach, die Glieder, die Gāyatrī und Praṇītā; die mit Hūṃkārā beginnenden [Mächte] an den Blattspitzen.
Wort für Wort
aṣṭa-siṃhāsane
auf dem achtfachen Löwenthron
dale pūrva-ādike
auf den Blättern, im Osten beginnend
aṅga-gāyatrī
Glieder[-Mantras] und Gāyatrī
hūṃkāra-ādyāḥ
die mit Hūṃkārā beginnenden
dala-agrake
an den Blattspitzen
„aṣṭasiṃhāsane“ unklar (achtblättriger Lotus auf dem Löwenthron?).
phaṭkārī cāgrato devyāḥ śrīvījenārcayedimāḥ / lokeśāyudhavarṇāstāḥ phaṭkārī tu dhanurdharā //
Phaṭkārī aber vor der Göttin; mit dem Śrī-Bīja soll man diese verehren. Sie haben die Farben der Waffen der Welthüter; Phaṭkārī aber trägt einen Bogen.
Nachdem man so geopfert hat, soll man mit [verschiedenen] Substanzen [Ziele] verwirklichen; in einer schoßförmigen Feuergrube soll man opfern. Mit Arjuna[-Blüten] Goldgewinn; mit Getreide und Weizen Gedeihen und Wohlstand.
jambubhirdhanadhānyāptistuṣṭirnīlotpalair api / raktātpalair mahāpuṣṭiḥ kundapuṣpair mahodayaḥ //
Mit Jambu[-Früchten]: Erlangung von Reichtum und Getreide; Zufriedenheit auch mit blauen Lotussen; mit roten Lotussen: großes Gedeihen; mit Kunda-Blüten: großer Aufstieg.
Mit Mallikā[-Jasmin]: Erregung der Stadt; mit Kumuda[-Seerosen]: Beliebtheit bei den Leuten; mit Aśoka[-Blüten] gibt es Erlangung eines Sohnes; mit Pāṭalā[-Blüten] eine schöne Frau.
Mit Mangos: langes Leben; mit Sesam: Lakṣmī [Wohlstand]; mit Bilva: Glück; mit Campaka: Reichtum; mit Madhūka-Blüten das Ersehnte; mit Bilva erlangt man Allwissenheit.
Wort für Wort
āmraiḥ āyuḥ
mit Mangos langes Leben
bilvaiḥ śrīḥ
mit Bilva Glück
campakaiḥ dhanam
mit Campaka Reichtum
madhūka-puṣpaiḥ
mit Madhūka-Blüten
sarvajñatām labhet
erlangt Allwissenheit
Bilva erscheint im Vers zweimal mit verschiedener Wirkung.
Durch Murmeln von dreihunderttausend [Wiederholungen] erlangt man alles, [ebenso] durch Opfer, Meditation und Verehrung. Nachdem man im Maṇḍala verehrt hat, [soll man] mit der Gāyatrī fünfundzwanzig Opferspenden
darbringen [und] dreihundert mit dem Grundmantra, mit Blattsprossen: [so] wird man eingeweiht. Nachdem man zuvor die fünf Kuhprodukte getrunken hat, soll man stets den Opferbrei (caru) kosten lassen.