Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 31: mārjanavidhānam Die Vorschrift für die Abwischung (Apamārjana) mit Kuśa-Gras

Agni lehrt ein Schutz- und Heilritual, bei dem der Kranke unter Rezitation von Anrufungen an Viṣṇus Erscheinungsformen (Varāha, Narasiṃha, Vāmana u. a.) mit Kuśa-Halmen „abgewischt“ wird. Aufgezählt werden Fieberarten, Krankheiten, Gifte und dämonische Ergreifer (Grahas), die dadurch vertrieben werden sollen; den Abschluss bilden Wahrheitsakte und Schutzformeln für alle Richtungen. Der Kolophon nennt das Kapitel „kuśāpamārjanam“. V. 37 ist nur ein Halbvers; mehrere Stellen sind verderbt (z. B. haragrīva, samāsyāya, krūrabhṛta).

agnir uvāca | rakṣāṃ svasya pareṣāñca vakṣye tāṃ mārjanāhvayāṃ / yayā vimucyate duḥkhaiḥ sukhañca prāpnuyānnaraḥ //

Agni sprach: Ich will den Schutz für sich selbst und für andere darlegen, der „Abwischung“ (mārjana) heißt, durch den der Mensch von Leiden befreit wird und Glück erlangen möge.

Wort für Wort
rakṣām svasya pareṣām ca
den Schutz für sich und für andere
vakṣye
ich werde darlegen
mārjana-āhvayām
„Abwischung“ genannt
yayā vimucyate duḥkhaiḥ
durch den man von Leiden befreit wird
sukham ca prāpnuyāt naraḥ
und der Mensch möge Glück erlangen

oṃ namaḥ paramārthāya puruṣāya mahātmane / arūpabahurūpāya vyāpine paramātmane //

Oṃ, Verehrung dem höchsten Wesen (paramārtha), dem Puruṣa, dem Großen Selbst, dem Gestaltlosen und Vielgestaltigen, dem Alldurchdringenden, dem höchsten Selbst,

Wort für Wort
oṃ namaḥ
Oṃ, Verehrung
parama-arthāya
dem höchsten Wesen/der höchsten Wirklichkeit
puruṣāya mahātmane
dem Puruṣa, dem Großen Selbst
arūpa-bahu-rūpāya
dem Gestaltlosen und Vielgestaltigen
vyāpine paramātmane
dem Alldurchdringenden, dem höchsten Selbst

niṣkalmaṣāya śuddhāya dhyānayogaratāya ca / namaskṛtya pravakṣyāmi yat tatsidhyatu me vacaḥ //

dem Makellosen, Reinen, an Meditation und Yoga Erfreuten – nachdem ich ihm Verehrung erwiesen habe, will ich sprechen: Möge mein Wort, was immer es sei, in Erfüllung gehen.

Wort für Wort
niṣkalmaṣāya śuddhāya
dem Makellosen, Reinen
dhyāna-yoga-ratāya
dem an Meditation und Yoga Erfreuten
namaskṛtya
nachdem ich verehrt habe
pravakṣyāmi
ich werde sprechen
yat tat sidhyatu me vacaḥ
was es sei, mein Wort möge gelingen

varāhāya nṛsiṃhāya vāmanāya mahāmune / namaskṛtya pravakṣyāmi yattatsidhyatu me vacaḥ //

Dem Varāha, dem Nṛsiṃha, dem Vāmana, o großer Weiser, – nachdem ich ihnen Verehrung erwiesen habe, will ich sprechen: Möge mein Wort, was immer es sei, in Erfüllung gehen.

Wort für Wort
varāhāya
dem Eber
nṛsiṃhāya
dem Mannlöwen
vāmanāya
dem Zwerg
mahāmune
o großer Weiser
namaskṛtya pravakṣyāmi
nach der Verehrung werde ich sprechen

mahāmune: Vokativ (Anrede an den Hörer, wohl Vasiṣṭha) mitten in einer Dativreihe; evtl. für mahāmunaye „dem großen Weisen“.

trivikramāya rāmāya vaikuṇṭhāya narāya ca / namaskṛtya pravakṣyāmi yattat sidhyatu me vacaḥ //

Dem Trivikrama, dem Rāma, dem Vaikuṇṭha und dem Nara – nachdem ich ihnen Verehrung erwiesen habe, will ich sprechen: Möge mein Wort, was immer es sei, in Erfüllung gehen.

Wort für Wort
trivikramāya
dem Dreischreiter
rāmāya
dem Rāma
vaikuṇṭhāya
dem Vaikuṇṭha
narāya ca
und dem Nara
sidhyatu me vacaḥ
mein Wort möge gelingen

varāha narasiṃheśa vāmaneśa trivikrama / haragrīveśa sarveśa hṛṣīkeśa harāśubham //

O Varāha, Herr Narasiṃha, Herr Vāmana, Trivikrama, Herr Hayagrīva, Herr über alles, Hṛṣīkeśa, nimm das Unheil hinweg!

Wort für Wort
varāha narasiṃha-īśa
o Eber, Herr Mannlöwe
vāmana-īśa trivikrama
Herr Zwerg, Dreischreiter
haragrīva-īśa
Herr Hayagrīva [?]
sarva-īśa hṛṣīkeśa
Herr über alles, Hṛṣīkeśa
hara aśubham
nimm das Unheil hinweg

haragrīveśa wohl verderbt für hayagrīveśa („Herr Hayagrīva“).

aparājitacakrādyaiś caturbhiḥ paramāyudhaiḥ / akhaṇḍitānubhāvaistvaṃ sarvaduṣṭaharo bhava //

Mit den vier höchsten Waffen, angeführt vom Diskus Aparājita („der Unbesiegte“), deren Macht ungebrochen ist, sei du der Vernichter alles Bösen!

Wort für Wort
aparājita-cakra-ādyaiḥ
angeführt vom unbesiegten Diskus
caturbhiḥ parama-āyudhaiḥ
mit den vier höchsten Waffen
akhaṇḍita-anubhāvaiḥ
deren Macht ungebrochen ist
tvam
du
sarva-duṣṭa-haraḥ bhava
sei Vernichter alles Bösen

harāmukasya duritaṃ sarvañca kuśalaṃ kuru / mṛtyubandhārtabhayadaṃ duritasya ca yat phalam //

Nimm das Unheil des N. N. hinweg und schaffe alles Heil; und was Tod, Fesselung, Leid und Furcht bringt und was die Frucht des Unheils ist,

Wort für Wort
hara amukasya duritam
nimm das Unheil des N. N. hinweg
sarvam ca kuśalam kuru
und schaffe alles Heil
mṛtyu-bandha-ārta-bhaya-dam
Tod, Fessel, Leid und Furcht gebend
duritasya ca yat phalam
und was die Frucht des Unheils ist

amuka „der Soundso“: Platzhalter für den Namen des Behandelten.

parābhidhyānasahitaiḥ prayuktañcābhicārakam / gadasparśamahārogaprayogaṃ jarayā jara //

und den Schadenszauber, der mit feindseligen Absichten anderer angewandt wurde, und die Anwendung von Krankheitsberührung und schwerer Krankheit – lass es durch Verfall vergehen [?].

Wort für Wort
para-abhidhyāna-sahitaiḥ
mit feindseligen Absichten anderer
prayuktam ca abhicārakam
und angewandten Schadenszauber
gada-sparśa
Berührung mit Krankheit (bzw. Gift)
mahā-roga-prayogam
Anwendung schwerer Krankheit
jarayā jara
lass durch Verfall vergehen

jarayā jara „lass durch Verfall zerfallen“ (Imperativ von jṝ), Sinn unsicher. gada wohl „Krankheit“ (oder für gara „Gift“).

oṃ namo vāsudevāya namaḥ kṛṣṇāya khaḍgine / namaḥ puṣkaranetrāya keśavāyādicakriṇe //

Oṃ, Verehrung Vāsudeva, Verehrung Kṛṣṇa, dem Schwertträger; Verehrung dem Lotusäugigen, Keśava, dem ursprünglichen Diskusträger.

Wort für Wort
oṃ namaḥ vāsudevāya
Oṃ, Verehrung Vāsudeva
kṛṣṇāya khaḍgine
dem Kṛṣṇa, dem Schwertträger
puṣkara-netrāya
dem Lotusäugigen
keśavāya
dem Keśava
ādi-cakriṇe
dem ursprünglichen Diskusträger

namaḥ kamalakiñjalkapītanirmalavāsase / mahāhararipuskandhasṛṣṭacakrāya cakriṇe //

Verehrung dem, dessen Gewand gelb und rein ist wie Lotusstaubfäden, dem Diskusträger, der seinen Diskus auf die Schultern der großen Feinde [des Hara?] geschleudert hat.

Wort für Wort
kamala-kiñjalka-pīta
gelb wie Lotusstaubfäden
nirmala-vāsase
dem mit reinem Gewand
mahā-hara-ripu-skandha
Schultern der großen Feinde [?]
sṛṣṭa-cakrāya
dem, der den Diskus geschleudert hat
cakriṇe
dem Diskusträger

mahāhararipu- unklar; evtl. „der großen Feinde, die (alles) rauben“ oder verderbt (etwa für mahāsuraripu).

dṃṣṭroddhṛtakṣitibhṛte trayīmūrtimate namaḥ / mahāyajñavarāhāya śeṣabhogāṅkaśāyine //

Verehrung dem, der die Erde auf seinem Hauer emporgehoben trägt, der die drei Veden zur Gestalt hat, dem großen Opfer-Eber, der auf dem Schoß der Windungen Śeṣas ruht.

Wort für Wort
daṃṣṭrā-uddhṛta-kṣiti-bhṛte
dem, der die auf dem Hauer gehobene Erde trägt
trayī-mūrtimate
dem, der die drei Veden als Gestalt hat
mahā-yajña-varāhāya
dem großen Opfer-Eber
śeṣa-bhoga-aṅka-śāyine
dem auf dem Schoß der Windungen Śeṣas Ruhenden

dṃṣṭra- Digitalisierungsfehler für daṃṣṭrā-.

taptahāṭakakeśāgrajvalatpāvakalocana / vajrādhikanakhasparśaṃ divyasiṃha namostu te //

O göttlicher Löwe, dessen Haarspitzen wie glühendes Gold und dessen Augen wie loderndes Feuer sind, dessen Krallenberührung härter ist als der Donnerkeil – Verehrung sei dir!

Wort für Wort
tapta-hāṭaka-keśa-agra
mit Haarspitzen wie glühendes Gold
jvalat-pāvaka-locana
mit Augen wie loderndes Feuer
vajra-adhika-nakha-sparśam
dessen Krallenberührung den Donnerkeil übertrifft
divya-siṃha
o göttlicher Löwe
namaḥ astu te
Verehrung sei dir

kāśyapāyātihrasvāya ṛgyajuḥsāmabhūṣita / tubhyaṃ vāmanarūpāyākramate gāṃ namo namaḥ //

Dir, dem Sohn Kaśyapas, dem überaus Kleinen, du mit Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda Geschmückter, dir in Zwergengestalt, der die Erde durchschreitet, Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
kāśyapāya
dem Kaśyapa-Sohn
ati-hrasvāya
dem überaus Kleinen
ṛg-yajuḥ-sāma-bhūṣita
o mit den drei Veden Geschmückter
vāmana-rūpāya
dem in Zwergengestalt
ākramate gām
der die Erde durchschreitet

varāhāśeṣaduṣṭāni sarvapāpaphalāni vai / marda marda mahādaṃṣṭra marda marda ca tatphalam //

O Varāha, zermalme, zermalme alle Bösen und alle Früchte der Sünde, o Großhauer; zermalme, zermalme ihre Frucht!

Wort für Wort
varāha
o Eber
aśeṣa-duṣṭāni
alle Bösen/Übel
sarva-pāpa-phalāni
alle Früchte der Sünde
marda marda
zermalme, zermalme
mahā-daṃṣṭra
o Großhauer

narasiṃha karālākhya dantaprāntānalojjvala / bhañja bhañja ninādena duṣṭānyasyārtināśana //

O Narasiṃha, der „Schreckliche“ Genannte, lodernd vom Feuer an den Rändern deiner Zähne, zerbrich, zerbrich mit deinem Gebrüll die Übel dieses (Menschen), o Vernichter des Leids!

Wort für Wort
karāla-ākhya
der „Schreckliche“ genannt
danta-prānta-anala-ujjvala
lodernd vom Feuer an den Zahnrändern
bhañja bhañja
zerbrich, zerbrich
ninādena
mit dem Gebrüll
duṣṭāni asya
die Übel dieses (Menschen)
ārti-nāśana
o Vernichter des Leids

ṛgyajuḥsāmagarbhābhirvāgbhirvāmanarūpadhṛk / praśamaṃ sarvaduḥkhāni nayattvasya janārdanaḥ //

Janārdana, der die Zwergengestalt trägt, möge mit Worten, die Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda in sich bergen, alle Leiden dieses (Menschen) zur Ruhe bringen.

Wort für Wort
ṛg-yajuḥ-sāma-garbhābhiḥ vāgbhiḥ
mit Worten, die die drei Veden enthalten
vāmana-rūpa-dhṛk
der Zwergengestalt Tragende
praśamam nayatu
möge zur Ruhe bringen
sarva-duḥkhāni asya
alle Leiden dieses (Menschen)
janārdanaḥ
Janārdana

nayattv (nayatu) mit Sandhi-Schreibung.

aikāhikaṃ dvyāhikañca tathā tridivasaṃ jvaram / cāturthakantathātyugrantathaiva satatajvaram //

Das eintägige und das zweitägige und ebenso das dreitägige Fieber, das überaus heftige viertägige und ebenso das anhaltende Fieber,

Wort für Wort
aikāhikam
eintägig (täglich wiederkehrend)
dvyāhikam
zweitägig
tri-divasam jvaram
dreitägiges Fieber
cāturthakam ati-ugram
das sehr heftige viertägige
satata-jvaram
anhaltendes Fieber

Fiebertypen der Āyurveda-Terminologie (Wechselfieber nach Periodik).

doṣotthaṃ sannipātotthaṃ tathaivāgantukaṃ jvaram / śamaṃ nayāśu govinda cchindhi cchindhyasya vedanām //

das aus den Doṣas entstandene, das aus ihrem Zusammentreffen entstandene und ebenso das von außen kommende Fieber – bringe es rasch zur Ruhe, o Govinda; schneide, schneide seinen Schmerz ab!

Wort für Wort
doṣa-uttham
aus den Doṣas entstanden
sannipāta-uttham
aus dem Zusammentreffen (aller Doṣas) entstanden
āgantukam jvaram
von außen kommendes Fieber
śamam naya āśu
bringe rasch zur Ruhe
chindhi chindhi asya vedanām
schneide, schneide seinen Schmerz ab

netraduḥkhaṃ śiroduḥkhaṃ duḥkhañcodarasambhavam / antaḥśvāsamatiśvāsaṃ paritāpaṃ savepathum //

Augenleiden, Kopfleiden und das im Bauch entstehende Leiden, Atembeklemmung, Atemnot, Fieberhitze mit Zittern,

Wort für Wort
netra-duḥkham
Augenleiden
śiro-duḥkham
Kopfleiden
udara-sambhavam
im Bauch entstehend
antaḥ-śvāsam ati-śvāsam
beklemmtes und übermäßiges Atmen
paritāpam sa-vepathum
Hitze mit Zittern

antaḥśvāsa/atiśvāsa: Atemstörungen, genaue Abgrenzung unsicher.

gudaghrāṇāṅghrirogāṃś ca kuṣṭharogāṃs tathā kṣayaṃ / kāmalādīṃs tathā rogān pramehāṃścātidāruṇān //

Krankheiten des Afters, der Nase und der Füße, Hautkrankheiten (kuṣṭha) sowie Auszehrung, Gelbsucht und ähnliche Krankheiten und die überaus schlimmen Harnruhrleiden (prameha),

Wort für Wort
guda-ghrāṇa-aṅghri-rogān
Krankheiten von After, Nase und Füßen
kuṣṭha-rogān
Hautkrankheiten
kṣayam
Auszehrung
kāmalā-ādīn
Gelbsucht usw.
pramehān ati-dāruṇān
sehr schlimme Harnleiden

bhagandarātisārāṃś ca mukharogāṃś ca valgulīm / aśmarīṃ mūtrakṛcchrāṃś ca rogānanyāṃś ca dāruṇān //

Fisteln, Durchfälle, Mundkrankheiten und valgulī [?], Blasensteine, Harnzwang und andere schlimme Krankheiten –

Wort für Wort
bhagandara
Fistel (Analfistel)
atisārān
Durchfälle
mukha-rogān
Mundkrankheiten
aśmarīm
Blasenstein
mūtra-kṛcchrān
Harnzwang

valgulī: unbekannter Krankheitsname (evtl. verderbt).

ye vātaprabhavā rogā ye ca pittasamudbhavāḥ / kaphodbhavāś ca ye kecit ye cānye sānnipātikāḥ //

die Krankheiten, die aus Vāta entstehen, die aus Pitta hervorgehen, alle, die aus Kapha entstehen, und die anderen, die aus dem Zusammentreffen (der Doṣas) entstehen,

Wort für Wort
vāta-prabhavāḥ rogāḥ
aus Wind entstandene Krankheiten
pitta-samudbhavāḥ
aus Galle entstanden
kapha-udbhavāḥ
aus Schleim entstanden
sānnipātikāḥ
aus dem Zusammentreffen aller Doṣas

āgantukāś ca ye rogā lūtā visphoṭakādayaḥ / te sarve praśamaṃ yāntu vāsudevāpamārjitāḥ //

und die von außen kommenden Krankheiten, Spinnenbisse, Blattern und dergleichen – sie alle mögen zur Ruhe kommen, von Vāsudeva weggewischt.

Wort für Wort
āgantukāḥ rogāḥ
von außen kommende Krankheiten
lūtā
Spinne (Spinnenbiss)
visphoṭaka-ādayaḥ
Blattern/Pusteln usw.
praśamam yāntu
mögen zur Ruhe kommen
vāsudeva-apamārjitāḥ
von Vāsudeva weggewischt

vilayaṃ yāntu te sarve viṣṇoruccāraṇena ca / kṣayaṃ gachhantu cāśeṣāste cakrābhihatā hareḥ //

Sie alle mögen vergehen durch das Aussprechen (des Namens) Viṣṇus, und sie mögen restlos zugrunde gehen, getroffen vom Diskus Haris.

Wort für Wort
vilayam yāntu
mögen vergehen
viṣṇoḥ uccāraṇena
durch das Aussprechen Viṣṇus
kṣayam gacchantu
mögen zugrunde gehen
aśeṣāḥ
restlos
cakra-abhihatāḥ hareḥ
vom Diskus Haris getroffen

gachhantu Tippfehler für gacchantu.

acyutānantagovindanāmoccāraṇabhīṣitāḥ / naśyanti sakalā rogāḥ satyaṃ satyaṃ vadāmyaham //

Erschreckt durch das Aussprechen der Namen Acyuta, Ananta, Govinda, vergehen alle Krankheiten – Wahrheit, Wahrheit sage ich.

Wort für Wort
acyuta-ananta-govinda
Acyuta, Ananta, Govinda
nāma-uccāraṇa-bhīṣitāḥ
durch das Aussprechen der Namen erschreckt
naśyanti sakalāḥ rogāḥ
alle Krankheiten vergehen
satyam satyam vadāmi aham
Wahrheit, Wahrheit sage ich

sthāvaraṃ jaṅgamaṃ vāpi kṛtrimaṃ cāpi yadviṣam / dantodbhavaṃ nakhabhavamākāśaprabhavaṃ viṣam //

Gift, sei es unbeweglich (pflanzlich-mineralisch), beweglich (tierisch) oder künstlich zubereitet, Gift aus Zähnen, aus Krallen oder aus dem Luftraum entstanden,

Wort für Wort
sthāvaram jaṅgamam
unbeweglich, beweglich
kṛtrimam
künstlich
danta-udbhavam
aus Zähnen entstanden
nakha-bhavam
aus Krallen entstanden
ākāśa-prabhavam viṣam
aus dem Luftraum entstandenes Gift

lūtādiprabhavaṃ yacca viṣamanyattu duḥkhadaṃ / śamaṃ nayatu tat sarvaṃ kīrtitosya janārdanaḥ //

und das von Spinnen und dergleichen herrührende und jedes andere Leid bringende Gift – das alles möge Janārdana, wenn er gepriesen wird, bei diesem (Menschen) zur Ruhe bringen.

Wort für Wort
lūtā-ādi-prabhavam
von Spinnen usw. herrührend
viṣam anyat
anderes Gift
duḥkha-dam
Leid bringend
śamam nayatu
möge zur Ruhe bringen
kīrtitaḥ
gepriesen

grahān pretagrahāṃścāpi tathā vai ḍākinīgrahān / vetālāṃś ca piśācāṃś ca gandharvān yakṣarākṣasān //

Die Grahas („Ergreifer“), die Preta-Grahas und ebenso die Ḍākinī-Grahas, die Vetālas und Piśācas, Gandharvas, Yakṣas und Rākṣasas,

Wort für Wort
grahān
die Ergreifer
preta-grahān
Totengeister-Ergreifer
ḍākinī-grahān
Ḍākinī-Ergreifer
vetālān piśācān
Vetālas und Piśācas
yakṣa-rākṣasān
Yakṣas und Rākṣasas

graha: krankheitsbringende „Ergreifer“-Dämonen.

śakunīpūtanādyāṃś ca tathā vaināyakān grahān / mukhamaṇḍīṃ tathā krūrāṃ revatīṃ vṛddharevatīm //

Śakunī, Pūtanā und die übrigen, ebenso die Vināyaka-Grahas, Mukhamaṇḍī, ebenso die grausame Revatī und die Alte Revatī,

Wort für Wort
śakunī-pūtanā-ādyān
Śakunī, Pūtanā usw.
vaināyakān grahān
die Vināyaka-Ergreifer
mukhamaṇḍīm
Mukhamaṇḍī
krūrām revatīm
die grausame Revatī
vṛddha-revatīm
die Alte Revatī

Namen von Kinder-Grahas (Dämoninnen der Kinderkrankheiten).

vṛddhakākhyān grahāṃścogrāṃs tathā mātṛgrahānapi / bālasya viṣṇoś caritaṃ hantu bālagrahānimān //

die furchtbaren Grahas namens Vṛddhikā und ebenso die Mütter-Grahas – das Wirken des Kindes Viṣṇu möge diese Kinder-Grahas vernichten.

Wort für Wort
vṛddhaka-ākhyān
namens Vṛddhaka [?]
grahān ugrān
furchtbare Ergreifer
mātṛ-grahān
Mütter-Ergreifer
bālasya viṣṇoḥ caritam
das Wirken des Kindes Viṣṇu
hantu bāla-grahān imān
möge diese Kinder-Ergreifer töten

vṛddhakākhyān: Name unsicher (evtl. Vṛddhikā).

vṛddhāś ca ye grahāḥ kecidye ca bālagrahāḥ kvacit / narasiṃhasya te dṛṣṭyā dagdhā ye cāpi yauvane //

Welche Grahas es auch für die Alten gibt und welche Kinder-Grahas irgendwo, und welche es auch in der Jugend gibt – sie sind vom Blick Narasiṃhas verbrannt.

Wort für Wort
vṛddhāḥ ca ye grahāḥ
und welche Ergreifer (der) Alten
bāla-grahāḥ kvacit
Kinder-Ergreifer irgendwo
narasiṃhasya dṛṣṭyā
durch den Blick Narasiṃhas
dagdhāḥ
verbrannt
yauvane
in der Jugend

sadā karālavadano narasiṃho mahābalaḥ / grahānaśeṣānniḥśeṣān karotu jagato hitaḥ //

Der stets mit furchtbarem Antlitz versehene, übergewaltige Narasiṃha, der Wohltäter der Welt, möge die Grahas allesamt restlos vernichten.

Wort für Wort
sadā karāla-vadanaḥ
stets mit furchtbarem Antlitz
mahā-balaḥ
übergewaltig
grahān aśeṣān
alle Ergreifer
niḥśeṣān karotu
möge restlos machen (vernichten)
jagataḥ hitaḥ
der Welt wohlgesinnt

narasiṃha mahāsiṃha jvālāmālojjvalānana / grahānaśeṣān sarveśa khāda khādāgnilocana //

O Narasiṃha, großer Löwe, mit von Flammenkränzen strahlendem Antlitz, verschlinge, verschlinge alle Grahas, o Herr über alles, Feueräugiger!

Wort für Wort
mahā-siṃha
o großer Löwe
jvālā-mālā-ujjvala-ānana
mit von Flammenkränzen strahlendem Antlitz
grahān aśeṣān
alle Ergreifer
khāda khāda
verschlinge, verschlinge
agni-locana
o Feueräugiger

ye rogā ye mahotpātā yadviṣaṃ ye mahāgrahāḥ / yāni ca krūrabhṛtāni grahapīḍāś ca dāruṇāḥ //

Welche Krankheiten, welche großen Unheilserscheinungen, welches Gift, welche großen Grahas, welche grausamen Geister und schrecklichen Heimsuchungen durch Grahas es gibt,

Wort für Wort
ye rogāḥ
welche Krankheiten
mahā-utpātāḥ
große Unheilserscheinungen
yat viṣam
welches Gift
krūra-bhūtāni
grausame Geister
graha-pīḍāḥ dāruṇāḥ
schreckliche Plagen durch Ergreifer

krūrabhṛtāni verderbt für krūrabhūtāni „grausame Geister“.

śastrakṣateṣu ye doṣā jvālāgardabhakādayaḥ / tāni sarvāṇi sarvātmā paramātmā janārdanaḥ //

welche Schäden bei Waffenwunden auftreten, wie Jvālāgardabha und dergleichen – all diese (möge) Janārdana, das Selbst aller, das höchste Selbst,

Wort für Wort
śastra-kṣateṣu
bei Waffenwunden
ye doṣāḥ
welche Schäden
jvālāgardabhaka-ādayaḥ
Jvālāgardabha usw.
tāni sarvāṇi
all diese
sarva-ātmā paramātmā
das Selbst aller, das höchste Selbst

jvālāgardabha: Name einer entzündlichen Hauterkrankung (Wundkomplikation). Satz setzt sich in V. 37 fort.

kiñcidrūpaṃ samāsyāya vāsudevāsya nāśaya //37 //

– nachdem er irgendeine Gestalt angenommen hat – o Vāsudeva, vernichte bei diesem (Menschen)!

Wort für Wort
kiñcit rūpam
irgendeine Gestalt
samāsthāya
angenommen habend
vāsudeva
o Vāsudeva
asya nāśaya
vernichte bei diesem

Nur ein Halbvers. samāsyāya verderbt für samāsthāya. Wechsel von 3. Person (V. 36) zur Anrede.

kṣiptvā sudarśanañ cakraṃ jvālāmālātibhīṣaṇam / sarvaduṣṭopaśamanaṃ kuru devavarācyuta //

Schleudere den Diskus Sudarśana, der durch seine Flammenkränze überaus furchterregend ist, und bewirke die Befriedung alles Bösen, o bester der Götter, Acyuta!

Wort für Wort
kṣiptvā sudarśanam cakram
den Diskus Sudarśana schleudernd
jvālā-mālā-ati-bhīṣaṇam
durch Flammenkränze sehr furchtbar
sarva-duṣṭa-upaśamanam
Befriedung alles Bösen
kuru
bewirke
deva-vara acyuta
o bester Gott, Acyuta

sudarśana mahājvāla cchindhi cchindhi mahārava / sarvaduṣṭāni rakṣāṃsi kṣayaṃ yāntu vibhīṣaṇa //

O Sudarśana, Großflammender, schneide, schneide, du gewaltig Dröhnender! Alle Bösen und die Rākṣasas sollen zugrunde gehen, du Furchterregender!

Wort für Wort
sudarśana mahā-jvāla
o Sudarśana, Großflammender
chindhi chindhi
schneide, schneide
mahā-rava
o gewaltig Dröhnender
sarva-duṣṭāni rakṣāṃsi
alle Bösen, die Rākṣasas
kṣayam yāntu
sollen zugrunde gehen

prācyāṃ pratīcyāṃ ca diśi dakṣiṇottaratas tathā / rakṣāṅkarotu sarvātmā narasiṃhaḥ sugarjitaḥ //

Im Osten und im Westen, im Süden und ebenso im Norden möge Narasiṃha, das Selbst aller, mit gewaltigem Gebrüll Schutz gewähren.

Wort für Wort
prācyām pratīcyām
im Osten, im Westen
dakṣiṇa-uttarataḥ
im Süden und Norden
rakṣām karotu
möge Schutz gewähren
sarva-ātmā
das Selbst aller
su-garjitaḥ
gewaltig brüllend

divi bhuvyantarīkṣe ca pṛṣṭhataḥ pārśvatogrataḥ / rakṣāṅkarotu bhagavān bahurūpī janārdanaḥ //

Im Himmel, auf der Erde und im Luftraum, hinten, an den Seiten und vorn möge der erhabene, vielgestaltige Janārdana Schutz gewähren.

Wort für Wort
divi bhuvi antarīkṣe
im Himmel, auf der Erde, im Luftraum
pṛṣṭhataḥ pārśvataḥ agrataḥ
hinten, an den Seiten, vorn
rakṣām karotu
möge Schutz gewähren
bhagavān bahu-rūpī
der Erhabene, Vielgestaltige

yathā viṣṇurjagatsarvaṃ sadevāsuramānuṣaṃ / tena satyena duṣṭāni śamamasya vrajantu vai //

So wie Viṣṇu die ganze Welt samt Göttern, Asuras und Menschen [Anm.: ist bzw. durchdringt; Verb fehlt] – durch diese Wahrheit mögen die Übel dieses (Menschen) zur Ruhe kommen.

Wort für Wort
yathā viṣṇuḥ
so wie Viṣṇu
jagat sarvam
die ganze Welt
sa-deva-asura-mānuṣam
mit Göttern, Asuras und Menschen
tena satyena
durch diese Wahrheit
śamam vrajantu
mögen zur Ruhe kommen

Elliptischer Satz (Wahrheitsakt, satyakriyā); zu ergänzen etwa „ist“.

yathā viṣṇau smṛte sadyaḥ saṅkṣayaṃ yānti pātakāḥ / satyena tena sakalaṃ duṣṭamasya praśāmyatu //

So wie, wenn man Viṣṇus gedenkt, sogleich die Sünden vergehen – durch diese Wahrheit möge alles Böse dieses (Menschen) zur Ruhe kommen.

Wort für Wort
viṣṇau smṛte
wenn Viṣṇus gedacht wird
sadyaḥ
sogleich
saṅkṣayam yānti pātakāḥ
die Sünden vergehen
satyena tena
durch diese Wahrheit
duṣṭam asya praśāmyatu
sein Böses möge sich legen

paramātmā yathā viṣṇurvedānteṣu ca gīyate / tena satyena sakalaṃ duṣṭamasya praśāmyatu //

So wie Viṣṇu in den Upaniṣaden (vedānta) als das höchste Selbst besungen wird – durch diese Wahrheit möge alles Böse dieses (Menschen) zur Ruhe kommen.

Wort für Wort
paramātmā
das höchste Selbst
vedānteṣu
in den Upaniṣaden
gīyate
wird besungen
tena satyena
durch diese Wahrheit
praśāmyatu
möge zur Ruhe kommen

yathā yajñeśvaro viṣṇurdeveṣvapi hi gīyate / satyena tena sakalaṃ yanmayoktaṃ tathāstu tat //

So wie Viṣṇu auch unter den Göttern als Herr des Opfers besungen wird – durch diese Wahrheit möge alles, was ich gesagt habe, so geschehen.

Wort für Wort
yajña-īśvaraḥ
Herr des Opfers
deveṣu api
auch unter den Göttern
gīyate
wird besungen
yat mayā uktam
was von mir gesagt wurde
tathā astu tat
das möge so sein

śāntirastu śivañcāstu duṣṭamasya praśāmyatu / vāsudevaśarīrotthaiḥ kuśair nirmathitaṃ mayā //

Friede sei und Heil sei, das Böse dieses (Menschen) möge zur Ruhe kommen! Mit den Kuśa-Halmen, die aus dem Leib Vāsudevas hervorgegangen sind, habe ich es abgerieben.

Wort für Wort
śāntiḥ astu śivam ca astu
Friede sei und Heil sei
duṣṭam asya praśāmyatu
sein Böses möge sich legen
vāsudeva-śarīra-utthaiḥ
aus dem Leib Vāsudevas entstanden
kuśaiḥ
mit Kuśa-Halmen
nirmathitam mayā
von mir abgerieben

nirmathita „ausgerieben, zerrieben“: das Übel ist durch das Bestreichen mit Kuśa-Gras beseitigt.

apamārjatu govindo naro nārāyaṇas tathā / tathāstu sarvaduḥkhānāṃ praśamo japanāddhareḥ //

Govinda möge (es) wegwischen, ebenso Nara und Nārāyaṇa; so möge durch das murmelnde Anrufen Haris die Befriedung aller Leiden geschehen.

Wort für Wort
apamārjatu govindaḥ
Govinda möge wegwischen
naraḥ nārāyaṇaḥ
Nara und Nārāyaṇa
tathā astu
so möge sein
sarva-duḥkhānām praśamaḥ
Befriedung aller Leiden
japanāt hareḥ
durch das Murmeln (des Namens) Haris

apamārjanakaṃ śastraṃ sarvarogādivāraṇam / ayaṃ hariḥ kuśo viṣṇurhatā rogā mayā tava //

Die Abwischung ist eine Waffe, die alle Krankheiten und dergleichen abwehrt: „Dieser Kuśa ist Hari, ist Viṣṇu; deine Krankheiten sind von mir vernichtet.“

Wort für Wort
apamārjanakam
die Abwischung
śastram
Waffe (bzw. Lehre)
sarva-roga-ādi-vāraṇam
alle Krankheiten usw. abwehrend
ayam hariḥ kuśaḥ viṣṇuḥ
dieser Kuśa ist Hari, ist Viṣṇu
hatāḥ rogāḥ mayā tava
deine Krankheiten sind von mir vernichtet

śastraṃ „Waffe“; evtl. für śāstraṃ „Lehre, Vorschrift“.

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