Kapitel 280: rasādilakṣaṇam
Merkmale der Geschmäcke und anderer Eigenschaften
Dhanvantari erläutert Geschmack, Wirkkraft, Nachverdauung und besondere Kraft der Heilmittel, die Zubereitung von Abkochungen, Fettpräparaten und Leckmitteln, Dosierung, die drei Stützen des Lebens, Körpertypen, die fünf Arzneiformen sowie Ringkunst, Massage, Körperübung und Baden. Die technischen Angaben zu Fettkochung (V. 10–11) und Massage (V. 26–29) sind knapp und teilweise verderbt; mehrere Wörter sind durch Schreibfehler entstellt.
Dhanvantari sprach: Ich werde die Merkmale der Geschmäcke (Rasa) usw. darlegen; höre die Eigenschaften der Heilmittel. Wer Geschmack, Wirkkraft und Nachverdauung kennt, soll Könige und andere (gesund) erhalten.
Wort für Wort
rasa-ādi-lakṣaṇam vakṣye
ich werde die Merkmale der Geschmäcke usw. darlegen
anirdeśyaprabhāvaś ca oṣadhīnāṃ dvijottama / madhuraś ca kaṣāyaś ca tiktaś caiva tathā rasaḥ //
Und unbestimmbar ist die besondere Kraft (Prabhāva) der Heilpflanzen, o Bester der Zweimalgeborenen. Der süße, der herbe und ebenso der bittere Geschmack
Salzig und süß gelten als süß in der Nachverdauung; der saure (Geschmack) wird ebenso (als sauer in der Nachverdauung) bezeichnet [?]; die übrigen haben scharfe Nachverdauung.
Wort für Wort
lavaṇaḥ madhuraḥ
salzig und süß
vipāka-madhurau
süß in der Nachverdauung
amlaḥ
sauer
śeṣāḥ
die übrigen
kaṭu-vipākinaḥ
mit scharfer Nachverdauung
madhraś für madhuraś; amloṣṇaś unklar, wohl amlo 'mlaś.
Wenn Wirkkraft und Nachverdauung einander widersprechen, liegt die Entscheidung bei der besonderen Kraft. Auch Süßes ist in der Nachverdauung scharf, wie es vom Honig überliefert ist.
Man soll mit sechzehnfacher (Wassermenge) abkochen und (den Rest), das Vierfache der Substanz, trinken. Dies ist die Zubereitung der Abkochung (Kaṣāya), wo keine (besondere) Vorschrift angegeben ist.
Bei der Fettkochung soll die Abkochung als Flüssigkeit das Vierfache (des Fettes) betragen. Nachdem der Kundige (eine Menge) gleich der Substanz abgemessen hat, soll er Substanz und Fett hineingeben [?].
Wort für Wort
kaṣāyam toyam bhavet
die Abkochung sei die Flüssigkeit
sneha-pāke
bei der Fettkochung
catur-guṇam
vierfach
dravya-tulyam samuddhṛtya
gleich der Substanz abmessend
snehaṃ kṣipet budhaḥ
der Kundige gebe Fett hinein
Anweisung knapp und unklar; Übersetzung vorläufig.
So groß ist das Maß der Substanz; dann soll er ein Viertel des Fettes (an Paste) hineingeben [?]. Die Substanz ohne Wasser aber wird ebenso zur Fettsubstanz [?].
Wort für Wort
tāvat-pramāṇam
so groß das Maß
dravyasya
der Substanz
sneha-pādam
ein Viertel des Fettes
toya-varjam
ohne Wasser
sneha-dravyam
Fettsubstanz
snehapādam: wohl die Pastenmenge als Viertel der Fettmenge; Satzbau unklar.
Die Kochung der Fette gilt als (vollendet), wenn sich die Heilstoffe zusammenrollen; ebenso ergibt sich die gleiche (Konsistenz) beim Leckmittel, o Suśruta.
Eine klare Abkochung mit wenig Heilstoff und die Kaṣāya-Abkochung sind wie beschrieben. Ein Akṣa ist (als Dosis) für ein Pulver vorgeschrieben, vier Pala für eine Abkochung.
Dies gilt als mittlere Dosis; eine feste Bemessung der Dosis gibt es nicht. Lebensalter, Zeit, Kraft, (Verdauungs-)Feuer, Ort, Substanz und ebenso die Krankheit
berücksichtigend, o Hochbeglückter, soll die Bemessung der Dosis erfolgen. Die soma-artigen Geschmäcke sind dabei meist als die Dhātus (Körperbestandteile) mehrend zu kennen,
ist eben als zu deren Mehrung (dienend) zu kennen, eine entgegengesetzte bewirkt Minderung [?]. Drei Stützen werden für diesen Körper gelehrt, o Bester der Menschen:
Nahrung, Geschlechtsverkehr und Schlaf; auf sie soll stets Sorgfalt gerichtet sein. Durch Nichtgebrauch und durch übermäßigen Gebrauch gerät man ins Verderben.
upakramadvayaṃ proktaṃ tarpaṇaṃ vāpyatarpaṇaṃ / hitāśī ca mitāśī ca jīrṇāśī ca tathā bhavet //
Zwei Behandlungsweisen werden gelehrt: Sättigung (Tarpaṇa) und Nicht-Sättigung. Man soll Heilsames essen, maßvoll essen und (erst) nach der Verdauung essen.
rasaś ca pīḍako jñeyaḥ kalka āloḍitād bhavet / kvathitaś ca śṛto jñeyaḥ śītaḥ paryuṣito niśāṃ //
Der Saft ist als durch Auspressen (gewonnen) zu kennen; die Paste entsteht durch Verrühren; das Gekochte ist als Śṛta zu kennen; Śīta ist, was eine Nacht über gestanden hat.
yo vetti sa hy ajeyaḥ sthātsambandhe vāhuśauṇḍikaḥ / āhāraśuddhiragnyarthamagnimūlaṃ balaṃ nṛṇāṃ //
Wer sie kennt, ist unbesiegbar; im Ringen ist er ein Meister des Armkampfes. Reinheit der Nahrung (dient) dem (Verdauungs-)Feuer; die Kraft der Menschen hat ihre Wurzel im Feuer.
Man soll (Speise) mit Steinsalz und Triphalā essen, die [?] die Gesichtsfarbe verleiht; ferner Steppentierbrühe mit Salz, Dickmilch, Milch und Langpfeffer.
Ein Mensch, bei dem ein Geschmack [?] oder auch Vāta überwiegt, soll (dies) ins Gleichgewicht bringen. Im Sommer wird Massage gelehrt [?], im Spätwinter gleichmäßig und reichlich,
Wort für Wort
rasa-adhikam
mit überwiegendem Geschmack [?]
samam kuryāt
soll ausgleichen
vāta-adhikaḥ
bei dem Vāta überwiegt
mardanam
Massage
śiśire samam bahu
im Spätwinter gleichmäßig, reichlich
Die Angaben zu Massage und Jahreszeiten (V. 26–27) sind widersprüchlich (Sommer zweimal genannt); Text wohl gestört.
An Sehnen, Blut(gefäßen) und Körperteilen – wo der Knochen fleischig erscheint [?] –, die Schultern, die Arme und ebenso hier die Unterschenkel samt Knien
prasārayedaṅgasandhīnna ca kṣepeṇa cākramāt / nījīrṇe tu śramaṃ kuryānna bhuktvā pītavānnaraḥ //
und die Gelenke strecken, nicht ruckartig und nicht ungeordnet. Bei unverdauter (Speise) soll man sich nicht anstrengen, noch ein Mensch, der gegessen oder getrunken hat.
Baden vertreibt überschüssiges Pitta; nach ihm ist Sonnenwärme angenehm. Menschen, die Körperübung treiben, bleiben bei Sonnenhitze, Mühsal, Arbeit und dergleichen wohlbehalten.