Kapitel 55: piṇḍikālakṣaṇakathanam
Darlegung der Kennzeichen des Bildsockels (Piṇḍikā)
Das Kapitel gibt die Proportionen der Piṇḍikā, des Sockels für Götterbilder: Länge, Breite und Höhe im Verhältnis zum Bild, Gürtel, Vertiefung, Wasserauslauf und die Gliederung der Höhe in sechzehn Teile. Abschließend werden Bildtür und Strahlenkranz erwähnt und festgelegt, dass für alle Götter das Maß Viṣṇus, für alle Göttinnen das Maß Lakṣmīs gilt. Der letzte Vers hat drei Halbverse; einige technische Termini (īśa, samūla) sind unsicher.
Der Erhabene sprach: Hierauf will ich den Sockel (Piṇḍikā) der Bilder darlegen. In der Länge sei er dem Bild gleich, in der Breite aber [betrage er] dessen Hälfte.
ucchritāyāmatordhena suvistārārdhabhāgataḥ / tṛtīyena tu vā tulyaṃ tattribhāgeṇa mekhalā //
Die Höhe [betrage] die Hälfte der Länge, [oder] nach dem halben Teil der Breite, oder gleich einem Drittel; mit einem Drittel davon [ist] der Gürtel (Mekhalā) [zu bemessen].
Wort für Wort
ucchritā
hoch, die Höhe
āyāmataḥ ardhena
mit der Hälfte der Länge
vistāra-ardha-bhāgataḥ
nach dem halben Teil der Breite
tṛtīyena
mit einem Drittel
tat-tri-bhāgeṇa
mit einem Drittel davon
mekhalā
Gürtel, umlaufender Rand
Die Maßangaben des Verses sind im Einzelnen unklar formuliert.
Die übrigen [Glieder] sind jeweils mit einem [Teil] auszuführen, ebenso die Vorsprünge der Basis. Dieses Band und dieser Sockel [gelten] auch bei den gewöhnlichen Bildern.
prāsādadvāramānena pratimādvāramucyate / gajavyālakasaṃyuktā prabhā syāt pratimāsu ca //
Nach dem Maß der Tempeltür wird die Tür für das Bild bemessen. Bei den Bildern soll auch ein Strahlenkranz (Prabhā) sein, mit Elefanten und Vyālakas versehen.
Auch die Piṇḍikā für Hari ist stets so schön wie möglich auszuführen. Für alle Götter gilt das bei Viṣṇu genannte Maß; für alle Göttinnen gilt das bei Lakṣmī genannte Maß.
Wort für Wort
yathā-śobham
so schön wie möglich
kartavyā satatam
ist stets auszuführen
hareḥ
für Hari
sarveṣām devānām
für alle Götter
viṣṇu-uktam mānam
das bei Viṣṇu genannte Maß
lakṣmī-uktam
das bei Lakṣmī genannte
śiṣṇūktaṃ ist Digitalisierungsfehler für viṣṇūktaṃ. Vers mit drei Halbversen.