Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 91: vividhamantrādikathanaṃ Darlegung verschiedener Mantras und anderem

Das Kapitel nennt die Pflichten des geweihten Ācārya (Baden und Salben der Götter mit ihrem Verdienst), gibt dann eine sehr knappe Anleitung zur Zahlen-, Silben- und Würfelweissagung (V. 5–11) und zählt die Bildungsweise und Anzahl der Mantras für Tripurā, Sarasvatī, Caṇḍikā, Śrī, Sūrya, Śiva, Gaṇeśa und Hari auf. Der Weissagungsteil ist stark verderbt und nur annähernd verständlich. Der Kolophon nennt das Kapitel „nānāmantrādikathanam“.

īśvara uvāca | abhiṣiktaḥ śivaṃ viṣṇuṃ pūjayedbhāskarādikān / śaṅkhabheryādinirghoṣaiḥ snāpayet pañcagavyakaiḥ //

Īśvara sprach: Der Geweihte soll Śiva, Viṣṇu, Bhāskara (die Sonne) und andere verehren; unter dem Schall von Muschelhorn, Pauke usw. soll er sie mit den fünf Kuhprodukten baden.

Wort für Wort
abhiṣiktaḥ
der Geweihte
śivam viṣṇum bhāskara-ādikān
Śiva, Viṣṇu, die Sonne usw.
śaṅkha-bherī-ādi-nirghoṣaiḥ
unter dem Schall von Muschel, Pauke usw.
snāpayet pañcagavyakaiḥ
soll mit den fünf Kuhprodukten baden

yo devāndevalokaṃ sa yāti svakulamuddharan / varṣakoṭisahasreṣu yat pāpaṃ smupārjitaṃ //

Wer die Götter [so badet], der gelangt in die Götterwelt und errettet sein Geschlecht. Welche Sünde über tausende Koṭis von Jahren angehäuft worden ist,

Wort für Wort
yaḥ devān
wer die Götter
deva-lokam yāti
gelangt in die Götterwelt
sva-kulam uddharan
sein Geschlecht errettend
varṣa-koṭi-sahasreṣu
in tausenden Koṭis von Jahren
pāpam samupārjitam
angehäufte Sünde

smupārjitam lies samupārjitam.

ghṛtābhyaṅgena devānāṃ bhasmībhavati pāvake / āḍhakena ghṛtādyaiś ca devān snāpya suro bhavet //

die wird durch das Salben der Götter mit Ghee zu Asche wie im Feuer. Wer die Götter mit einem Āḍhaka (Hohlmaß) Ghee usw. badet, wird ein Gott.

Wort für Wort
ghṛta-abhyaṅgena devānām
durch Salben der Götter mit Ghee
bhasmībhavati pāvake
wird zu Asche im Feuer
āḍhakena ghṛta-ādyaiḥ
mit einem Āḍhaka Ghee usw.
devān snāpya suraḥ bhavet
die Götter badend wird er ein Gott

pāvake „im Feuer“ hier vergleichend aufgefasst [?].

candanenānulipyātha gandhādyaiḥ pūjayettathā / alpāyāsanaṃ stutibhistutā devāstu sarvadā //

Man salbe sie dann mit Sandel und verehre sie ebenso mit Wohlgerüchen usw.; die Götter aber, mit geringer Mühe [?] durch Lobpreisungen gepriesen, [sind] stets

Wort für Wort
candanena anulipya
mit Sandel salbend
gandha-ādyaiḥ pūjayet
soll mit Wohlgerüchen usw. verehren
alpa-āyāsena
mit geringer Mühe
stutibhiḥ stutāḥ devāḥ
durch Lobpreisungen gepriesene Götter

alpāyāsanam unklar, wohl alpāyāsena „mit geringer Mühe“.

atītānāgatajñānamantradhībhuktimuktidāḥ / gṛhītvā praśnasūkṣmārṇe hṛte dvābhyāṃ śubhāśubhaṃ //

Geber des Wissens um Vergangenes und Künftiges, der Mantras, der Einsicht, des Genusses und der Erlösung. [Zur Weissagung:] Hat man [die Zahl] aus den feinen Silben der Frage genommen, so ergibt sich, wenn durch zwei geteilt, Günstiges oder Ungünstiges;

Wort für Wort
atīta-anāgata-jñāna
Wissen um Vergangenes und Künftiges
mantra-dhī-bhukti-mukti-dāḥ
Geber von Mantra, Einsicht, Genuss, Erlösung
praśna-sūkṣma-arṇe
in den feinen Silben der Frage
hṛte dvābhyām
durch zwei geteilt
śubha-aśubham
günstig oder ungünstig

Ab hier (V. 5–11) folgt eine knappe, stark verkürzte und teilweise verderbte Anleitung zur Zahlen- und Silbenweissagung; die Übersetzung ist in weiten Teilen unsicher.

tribhirjīvo mūladhātuś caturbhirbrāhmaṇādidhīḥ / yañcādau bhūtatattvādi śeṣe caivaṃ japādikaṃ //

durch drei [geteilt]: Lebendes, Wurzel[haftes] oder Mineral; durch vier: Erkenntnis [des Standes], Brahmane usw.; was am Anfang [steht], [bezieht sich auf] Elemente, Tattvas usw.; beim Rest ebenso Japa usw. [?]

Wort für Wort
tribhiḥ jīvaḥ mūla-dhātuḥ
durch drei: Lebendes, Wurzel, Mineral
caturbhiḥ brāhmaṇa-ādi-dhīḥ
durch vier: Bestimmung von Brahmane usw.
ādau bhūta-tattva-ādi
am Anfang Elemente, Tattvas usw.
śeṣe japa-ādikam
beim Rest Japa usw.

jīva–mūla–dhātu: die klassische Dreiteilung der Frageobjekte (Lebewesen, Pflanzliches, Mineralisches).

ekatrikātitrikānte pade dvipamakāntake / aśubhaṃ madhyamaṃ madhyeṣvindrastriṣu nṛpaḥ śubhaḥ //

Wenn im Feld am Ende eins-drei [und] über-drei steht, [oder] bei … ma am Ende [?]: ungünstig; in den mittleren mittelmäßig; bei Indra [?] in dreien: König, günstig. [?]

Wort für Wort
eka-trika
eins und drei
ati-trika-ante pade
im Feld am Ende über drei
aśubham madhyamam
ungünstig, mittelmäßig
triṣu nṛpaḥ śubhaḥ
bei dreien König, günstig

Vers weitgehend unverständlich (ekatrikātitrikānte pade dvipamakāntake); nur annähernd wiedergegeben.

saṅkhyāvṛnde jīvitābdaṃ yamo 'bdadaśahā dhruvaṃ / sūryebhāsyeśadurgāśrīviṣṇumantrair likhet kaje //

In der Gesamtsumme der Zahlen [liegt] die Zahl der Lebensjahre; Yama (der Tod) [kommt] gewiss nach zehn Jahren [?]. Mit den Mantras von Sūrya, Ibhāsya (Gaṇeśa), Īśa, Durgā, Śrī und Viṣṇu schreibe man auf einen Lotus,

Wort für Wort
saṅkhyā-vṛnde
in der Zahlensumme
jīvita-abdam
die Lebensjahre
yamaḥ
Yama, der Tod
sūrya-ibhāsya-īśa-durgā-śrī-viṣṇu-mantraiḥ
mit den Mantras von Sūrya, Gaṇeśa, Īśa, Durgā, Śrī, Viṣṇu
likhet kaje
soll auf einen Lotus schreiben

abdadaśahā unklar.

kaṭhinyā japtayā spṛṣṭe gomūtrākṛtirekhayā / ārabhyaikaṃ trikaṃ yāvattricatuṣkāvasānakaṃ //

[auf ein Feld,] berührt mit besprochener Kreide, mit einer Linie in Gestalt einer Kuhharnspur (Zickzacklinie), beginnend mit eins-drei bis endend mit drei-vier.

Wort für Wort
kaṭhinyā japtayā spṛṣṭe
mit besprochener Kreide berührt
go-mūtra-ākṛti-rekhayā
mit einer Zickzacklinie
ārabhya eka-trikam
beginnend mit eins-drei
tri-catuṣka-avasānakam
endend mit drei-vier

marud vyoma marudvījaiś catuḥṣaṣṭipade tathā / akṣāṇāṃ patanāt sparśādviṣamādau śubhādikaṃ //

Wind, Äther [?], mit den Wind-Bījas, ebenso im Feld von vierundsechzig [Quadraten]; aus dem Fallen der Würfel (akṣa) [und] aus der Berührung [ergibt sich] bei Ungeradem usw. Günstiges usw.

Wort für Wort
marut vyoma marut-bījaiḥ
Wind, Äther, mit Wind-Bījas
catuḥṣaṣṭi-pade
im Feld von 64 Quadraten
akṣāṇām patanāt
aus dem Fallen der Würfel
viṣama-ādau śubha-ādikam
bei Ungeradem usw. Günstiges usw.

ekatrikādimārabhya ante cāṣṭatrikaṃ tathā / dhvajādyāyāḥ samā hīnā viṣamāḥ śobhanādidāḥ //

Beginnend mit eins-drei usw. und am Ende ebenso acht-drei: Die [Ergebnisse] Dhvaja usw. [Anm.: die acht „Āya“-Positionen]; gerade sind schlecht, ungerade bringen Gutes usw.

Wort für Wort
eka-trika-ādim ārabhya
mit eins-drei usw. beginnend
ante aṣṭa-trikam
am Ende acht-drei
dhvaja-ādyāḥ āyāḥ
die Āyas, Dhvaja usw.
samāḥ hīnāḥ
gerade sind schlecht
viṣamāḥ śobhana-ādi-dāḥ
ungerade bringen Gutes

āipallavitaiḥ kādyaiḥ ṣoḍaśasvarapūrvagaiḥ / ādyaistaiḥ sasvaraiḥ kādyaistripurānāmamantrakāḥ //

Mit den [Konsonanten] ka usw., mit ā und ī erweitert, denen die sechzehn Vokale vorangehen, [und] mit eben diesen ka usw., mit Vokalen versehen, [bildet man] die Mantras mit den Namen der Tripurā.

Wort für Wort
ā-ī-pallavitaiḥ
mit ā und ī erweitert
ka-ādyaiḥ
mit ka usw.
ṣoḍaśa-svara-pūrvagaiḥ
mit vorangehenden sechzehn Vokalen
sa-svaraiḥ
mit Vokalen versehen
tripurā-nāma-mantrakāḥ
Mantras mit Namen der Tripurā

āipallavitaiḥ wohl ā-ī-pallavitaiḥ „mit ā und ī als Zusatz“ [?].

hrīṃ vījāḥ praṇavādyāḥspur namo 'ntā yatra pūjane / mantrā viṃśatisāhasrāḥ śataṃ ṣaṣṭhyadhikaṃ tataḥ //

Mit hrīṃ als Bīja, mit dem Praṇava beginnend, auf namaḥ endend seien sie, wenn sie bei der Verehrung [gebraucht werden]; der Mantras sind zwanzigtausend, dazu dann hundertsechzig.

Wort für Wort
hrīṃ bījāḥ
mit hrīṃ als Bīja
praṇava-ādyāḥ
mit oṃ beginnend
namo-antāḥ
auf namaḥ endend
viṃśati-sāhasrāḥ
zwanzigtausend
śatam ṣaṣṭi-adhikam
hundertsechzig dazu

ṣaṣṭhyadhikam lies ṣaṣṭyadhikam; syur statt spur.

āṃ hrīṃ mantrāḥ sarasvatyāś caṇḍikāyāstathaiva ca / tathā gauryāś ca durgāyā āṃ śrīṃ mantrāḥ śriyas tathā //

„āṃ hrīṃ“ [beginnen] die Mantras der Sarasvatī und ebenso der Caṇḍikā, ebenso der Gaurī und der Durgā; „āṃ śrīṃ“ ebenso die Mantras der Śrī;

Wort für Wort
āṃ hrīṃ mantrāḥ
die Mantras mit āṃ hrīṃ
sarasvatyāḥ caṇḍikāyāḥ
der Sarasvatī und Caṇḍikā
gauryāḥ durgāyāḥ
der Gaurī und Durgā
āṃ śrīṃ mantrāḥ śriyaḥ
āṃ śrīṃ: Mantras der Śrī

tathākṣauṃ krauṃ mantrāḥ sūryasya āṃ hauṃ mantrāḥ śivasya ca / āṃ gaṃ mantrā gaṇeśasya āṃ mantrāś ca tathā hareḥ //

ebenso „kṣauṃ krauṃ“ [?] die Mantras des Sūrya; „āṃ hauṃ“ die Mantras des Śiva; „āṃ gaṃ“ die Mantras des Gaṇeśa; und „āṃ“ ebenso die Mantras des Hari.

Wort für Wort
mantrāḥ sūryasya
die Mantras des Sūrya
āṃ hauṃ mantrāḥ śivasya
āṃ hauṃ: Mantras Śivas
āṃ gaṃ mantrāḥ gaṇeśasya
āṃ gaṃ: Mantras Gaṇeśas
āṃ mantrāḥ hareḥ
āṃ: Mantras Haris

tathākṣauṃ krauṃ: Silbenabtrennung unsicher.

śatārdhaikādhikaiḥ kādyais tathā ṣoḍaśabhiḥ kharaiḥ / kādyaistaiḥ sasvaraisādyaiḥ kāntair mantrās tathākhilāḥ //

Mit den ka usw., einundfünfzig [an Zahl], ebenso mit den sechzehn Vokalen, mit eben diesen ka usw., mit Vokalen versehen, mit a beginnend [und] mit ka [bzw. kṣa] endend – [so entstehen] ebenso alle Mantras.

Wort für Wort
śata-ardha-eka-adhikaiḥ
mit einundfünfzig
ṣoḍaśabhiḥ svaraiḥ
mit sechzehn Vokalen
sa-svaraiḥ sa-ādyaiḥ
mit Vokalen, mit a beginnend
mantrāḥ akhilāḥ
alle Mantras

śatārdhaikādhikaiḥ = 50 + 1; kharaiḥ lies svaraiḥ; sasvaraisādyaiḥ lies sasvaraiḥ sādyaiḥ.

ravīśadevīviṣṇūnāṃ svābdhidevendravartanāt / śatatrayaṃ ṣaṣṭyadhikaṃ pratyekaṃ maṇḍalaṃ kramāt / abhiṣikto japed dhyāyecchiṣyādīn dīkṣayedguruḥ //

Für Ravi, Īśa, die Göttin und Viṣṇu [ergeben sich] durch Umlauf [der Zahlen] sva, abdhi (4), deva, indra [?] je dreihundertsechzig, der Reihe nach jedes Maṇḍala. Der Geweihte soll [sie] murmeln und meditieren; [als] Guru soll er Schüler usw. weihen.

Wort für Wort
ravi-īśa-devī-viṣṇūnām
von Sonne, Īśa, Göttin und Viṣṇu
śata-trayam ṣaṣṭi-adhikam
dreihundertsechzig
pratyekam maṇḍalam kramāt
jedes Maṇḍala der Reihe nach
abhiṣiktaḥ japet dhyāyet
der Geweihte soll murmeln und meditieren
śiṣya-ādīn dīkṣayet guruḥ
der Guru soll Schüler usw. weihen

svābdhidevendravartanāt: Zahlwort-Chiffren (abdhi = 4 usw.), Berechnung unklar.

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