Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 163: śrāddhakalpakathanam Darlegung der Vorschrift für das Totenopfer (Śrāddha)

Puṣkara beschreibt den Ablauf des Śrāddha: Einladung und Bewirtung der Brahmanen, Götter- und Väterteil, Ehrenwasser, Feueropfer, Speisung, Kloßgaben und Entlassung, dann Nāndīmukha-Śrāddha, Ekoddiṣṭa und Sapiṇḍīkaraṇa. Es folgen die Dauer der Sättigung der Ahnen durch verschiedene Speisen sowie die Früchte des Śrāddha nach Mondtagen und Mondhäusern. Der Text enthält mehrere Digitalisierungsfehler (z.B. prāṇi-, tyacam, stiyā, ghanam) und eine mit (?) markierte Stelle in V. 4.

puṣkara uvāca | śrāddhakalpaṃ pravakṣyāmi bhuktimuktipradaṃ śṛṇu / nimantrya viprān pūrvedyuḥ svāgatenāparāhṇataḥ //

Puṣkara sprach: Ich werde die Vorschrift für das Totenopfer (śrāddha) verkünden, die Genuss und Erlösung gewährt; höre! Nachdem man die Brahmanen am Vortag eingeladen hat, [empfange man sie] am Nachmittag mit einem Willkommensgruß

Wort für Wort
puṣkara uvāca
Puṣkara sprach
śrāddhakalpam
die Vorschrift des Totenopfers
bhukti-mukti-pradam
Genuss und Erlösung gewährend
nimantrya
nachdem man eingeladen hat
pūrvedyuḥ
am Vortag
aparāhṇataḥ
am Nachmittag

prācyopaveśayet pīṭhe yugmāndaive 'tha pitrake / ayugmān prāṅmukhāndaive trīn paitre caikameva vā //

und lasse sie im Osten [?] auf Sitzen Platz nehmen: beim Götter-[Teil] eine gerade Zahl, beim Väter-[Teil] eine ungerade; beim Götter-[Teil] mit dem Gesicht nach Osten [zwei], beim Väter-[Teil] drei oder auch nur einen.

Wort für Wort
upaveśayet
er lasse Platz nehmen
pīṭhe
auf einem Sitz
yugmān
gerade an Zahl
daive
beim Götterteil
ayugmān
ungerade an Zahl
paitre
beim Väterteil

prācya (wohl prācyām ‚im Osten‘ oder prāk) unklar; die Verteilung gerade/ungerade ist im Text ungeordnet formuliert.

mātāmahānāmapyevantantraṃ vā vaiśyadevikaṃ / prāṇiprakṣālanaṃ dattvā viṣṭarārthaṃ kuśānapi //

Ebenso [verfahre man] auch für die mütterlichen Großväter; oder [es gilt] ein [gemeinsames] Verfahren für die Allgötter (Viśvedevas). Nachdem man Wasser zum Händewaschen gegeben hat und auch Kuśa-Gras als Sitzstreu,

Wort für Wort
mātāmahānām
der mütterlichen Großväter
tantram
Verfahren, gemeinsame Ausführung
vaiśvadevikam
die Allgötter betreffend
pāṇi-prakṣālanam
Händewaschen
viṣṭara-artham
als Sitzstreu
kuśān
Kuśa-Halme

prāṇiprakṣālanam wohl Digitalisierungsfehler für pāṇiprakṣālanam ‚Händewaschen‘.

āvāhayedanujñāto viśve devāsa ity ṛcā / yavairanvavakīryātha(?) bhājane sapavitrake //

rufe man mit [der Brahmanen] Erlaubnis mit dem Vers „viśve devāsaḥ“ [die Allgötter] herbei; dann streue man Gerste umher und [gieße] in ein Gefäß mit einem Pavitra (Kuśa-Filter)

Wort für Wort
āvāhayet
er rufe herbei
anujñātaḥ
erlaubt, mit Erlaubnis
ṛcā
mit dem Vers
yavaiḥ
mit Gerstenkörnern
anvavakīrya
umherstreuend
bhājane sa-pavitrake
in ein Gefäß mit Pavitra

anvavakīrya ist im Text mit (?) markiert.

śannodevyā payaḥ kṣiptvā yavosīti yavāṃs tathā / yādivyā itimantreṇa haste hy arghaṃ vinikṣipet //

mit „śaṃ no devīḥ“ Wasser, mit „yavo 'si“ ebenso Gerste; mit dem Mantra „yā divyāḥ“ lege man das Ehrenwasser (arghya) in die Hand [der Brahmanen].

Wort für Wort
śaṃ no devyāḥ
mit (dem Vers) ‚śaṃ no devīḥ‘
payaḥ kṣiptvā
Wasser hineingießend
yavo 'si iti
mit ‚du bist Gerste‘
hasta
Hand
arghyam
Ehrenwasser
vinikṣipet
er lege hinein

datvodakaṃ gandhamālyaṃ dhūpadānaṃ pradīpakaṃ / apasavyaṃ tataḥ kṛtvā pitṝṇāmapradakṣiṇaṃ //

Nachdem man Wasser, Duftstoff und Kranz, Räucherwerk und eine Lampe gegeben hat, lege man dann die heilige Schnur auf die rechte Schulter (apasavya) und [verfahre] für die Väter gegen den Uhrzeigersinn.

Wort für Wort
gandha-mālyam
Duftstoff und Kranz
dhūpa-dānam
Gabe von Räucherwerk
pradīpakam
Lampe
apasavyam kṛtvā
die Schnur über die rechte Schulter legend
pitṝṇām
für die Väter
apradakṣiṇam
linksherum, gegen den Uhrzeigersinn

dviguṇāṃstu kuśān kṛtvā hy uśantastvetyṛcā pitṝn / āvāhya tadanujñāto japedāyāntu nastataḥ //

Nachdem man die Kuśa-Halme doppelt gelegt und die Väter mit dem Vers „uśantas tvā“ herbeigerufen hat, murmele man, von ihnen erlaubt, danach „āyantu naḥ“.

Wort für Wort
dviguṇān
doppelt gefaltet
kuśān
Kuśa-Halme
uśantas tvā iti ṛcā
mit dem Vers ‚uśantas tvā‘
āvāhya
herbeirufend
japet
er murmele
āyantu naḥ
‚mögen sie zu uns kommen‘

yavārthāstu tilaiḥ kāryāḥ kuryādarghyādi pūrvavat / dattvārghyaṃ saṃśravān śeṣān pātre kṛtvā vidhānataḥ //

Was [sonst] mit Gerste geschieht, ist [hier] mit Sesam zu tun; das Ehrenwasser usw. vollziehe man wie zuvor. Nachdem man das Ehrenwasser gegeben und die übrigen herabgeflossenen Tropfen vorschriftsgemäß in ein Gefäß getan hat,

Wort für Wort
yava-arthāḥ
die Gerstenverrichtungen
tilaiḥ kāryāḥ
sind mit Sesam zu tun
pūrvavat
wie zuvor
saṃsravān
herabgeflossene Tropfen
śeṣān
die übrigen
vidhānataḥ
vorschriftsgemäß

pitṛbhyaḥ sthānamasīti nyubjaṃ pātraṃ karotyadhaḥ / agnau kariṣya ādāya pṛcchatyannaṃ ghṛtaplutaṃ //

stellt er mit „pitṛbhyaḥ sthānam asi“ das Gefäß umgestülpt nach unten. Die mit Ghee begossene Speise nehmend fragt er: „Ich werde ins Feuer [opfern].“

Wort für Wort
nyubjam
umgestülpt
pātram
Gefäß
adhaḥ
nach unten
agnau kariṣye
ich werde ins Feuer opfern
pṛcchati
er fragt
ghṛta-plutam
mit Ghee begossen

sthānam asīti: wohl ‚pitṛbhyaḥ sthānam asi‘ (‚du bist der Platz für die Väter‘).

kuruṣveti hy anujñāto hutvāgnau pitṛyajñavat / hutaśeṣaṃ pradadyāttu bhājaneṣu samāhitaḥ //

Mit „tu es“ erlaubt, opfere er ins Feuer wie beim Väteropfer (pitṛyajña) und gebe den Opferrest gesammelt in die Gefäße,

Wort für Wort
kuruṣva iti
mit ‚tu es‘
hutvā agnau
ins Feuer opfernd
pitṛyajñavat
wie beim Väteropfer
huta-śeṣam
den Opferrest
bhājaneṣu
in die Gefäße
samāhitaḥ
gesammelt, aufmerksam

yathālābhopapanneṣu raupyeṣu tu viśeṣataḥ / datvānnaṃ pṛthivīpātramiti pātrābhimantraṇaṃ //

die je nach Verfügbarkeit beschafft sind, besonders aber silberne. Nachdem er die Speise gegeben hat, [folgt mit] „pṛthivī pātram“ die Weihung der Gefäße.

Wort für Wort
yathā-lābha-upapanneṣu
je nach Verfügbarkeit beschafft
raupyeṣu
in silbernen
viśeṣataḥ
besonders
datvā annam
die Speise gebend
pṛthivī pātram
‚die Erde ist das Gefäß‘
pātra-abhimantraṇam
Weihung der Gefäße

kṛtvedaṃ viṣṇurityanne dvijāṅguṣṭhaṃ niveśayet / savyāhṛtikāṃ gāyatrīṃ madhuvātā iti tyacaṃ //

Nachdem er dies getan hat, lege er mit „idaṃ viṣṇuḥ“ den Daumen des Brahmanen in die Speise. Die Gāyatrī samt den Vyāhṛtis und den Dreivers „madhu vātāḥ“

Wort für Wort
idaṃ viṣṇuḥ iti
mit ‚idaṃ viṣṇuḥ‘
anne
in die Speise
dvija-aṅguṣṭham
den Daumen des Zweimalgeborenen
niveśayet
er lege hinein
sa-vyāhṛtikām gāyatrīm
die Gāyatrī mit den Vyāhṛtis
tṛcam
Dreivers

tyacam wohl Fehler für tṛcam ‚Strophe von drei Versen‘.

japtvā yathāsukhaṃ vācyaṃ bhuñjīraṃste 'pi vāgyatāḥ / annamiṣṭaṃ haviṣyañca dadyājjaptvā pavitrakaṃ //

gemurmelt habend, ist [ihnen] „nach Belieben“ zu sagen, und sie sollen schweigend essen. Erwünschte Speise und Opferkost gebe er, nachdem er die Pavitra-[Verse] gemurmelt hat.

Wort für Wort
japtvā
gemurmelt habend
yathāsukham
nach Belieben
bhuñjīran
sie mögen essen
vāgyatāḥ
die Rede zügelnd, schweigend
annam iṣṭam
erwünschte Speise
haviṣyam
opfertaugliche Kost

bhuñjīraṃs te (Optativ Pl.) ‚sie mögen essen‘.

annamādāya tṛptāḥ stha śeṣaṃ caivānnamasya ca / tadannaṃ vikired bhūmau dadyāccāpaḥ sakṛt sakṛt //

Die Speise nehmend [frage er]: „Seid ihr gesättigt?“ und nach dem Rest der Speise [?]. Diese Speise streue er auf den Boden und gebe je einmal Wasser.

Wort für Wort
annam ādāya
die Speise nehmend
tṛptāḥ stha
seid ihr gesättigt?
śeṣam
Rest
vikiret bhūmau
er streue auf den Boden
āpaḥ
Wasser
sakṛt sakṛt
je einmal

śeṣaṃ caivānnam asya ca: Wortlaut unklar; gemeint ist wohl die Frage, was mit dem Speiserest geschehen soll.

sarvamannamupādāya satilaṃ dakṣiṇāmukhaḥ / ucchiṣṭasannidhau piṇḍān pradadyāt pitṛyajñavat //

Alle Speise mit Sesam nehmend, nach Süden gewandt, gebe er in der Nähe der Speisereste Klöße (piṇḍa) wie beim Väteropfer.

Wort für Wort
sarvam annam
alle Speise
sa-tilam
mit Sesam
dakṣiṇā-mukhaḥ
nach Süden gewandt
ucchiṣṭa-sannidhau
in der Nähe der Speisereste
piṇḍān
Klöße
pradadyāt
er gebe

mātāmahānāmapyevaṃ dadyādācamanaṃ tataḥ / svasti vācyaṃ tataḥ kuryādakṣayyodakameva ca //

Ebenso auch für die mütterlichen Großväter; dann gebe er Wasser zum Mundspülen. Darauf ist „svasti“ (Heil) sprechen zu lassen; dann vollziehe er auch das Unvergänglichkeitswasser (akṣayyodaka).

Wort für Wort
ācamanam
Wasser zum Mundspülen
svasti vācyam
‚Heil‘ ist sprechen zu lassen
akṣayya-udakam
Unvergänglichkeitswasser
kuryāt
er vollziehe

datvā tu dakṣiṇāṃ śaktyā svadhākāramudāharet / vācyatāmityanujñātaḥ svapitṛbhyaḥ svadhocyatāṃ //

Nachdem er nach Vermögen den Opferlohn gegeben hat, spreche er die Svadhā-Formel aus: [Er fragt:] „Soll es gesprochen werden?“; mit „Es werde gesprochen“ erlaubt, [sagt er:] „Den eigenen Vätern werde Svadhā gesprochen!“

Wort für Wort
dakṣiṇām
Opferlohn
śaktyā
nach Vermögen
svadhā-kāram
die Svadhā-Formel
udāharet
er spreche aus
vācyatām
es werde gesprochen
sva-pitṛbhyaḥ
den eigenen Vätern

kuryurastu svadhetyukte bhūmau siñcettato jalaṃ / prīyantāmiti vā daivaṃ viśve devā jalaṃ dadet //

Wenn sie „Es sei Svadhā“ gesagt haben, sprenge er dann Wasser auf den Boden. Beim Götter-[Teil] aber gebe er Wasser mit „Die Allgötter mögen erfreut sein“.

Wort für Wort
astu svadhā
es sei Svadhā
ukte
wenn gesagt
bhūmau siñcet
er sprenge auf den Boden
prīyantām
mögen sie erfreut sein
viśve devāḥ
die Allgötter
jalam
Wasser

kuryurastu wohl für ‚astu svadhā‘; dadet für dadyāt.

dātāro no 'bhivardhantāṃ vedāḥ santatireva ca / śraddhā ca no māvyagamadbahudeyaṃ ca no .stviti //

„Unsere Geber mögen gedeihen, die Veden und die Nachkommenschaft! Der Glaube möge nicht von uns weichen, und viel zu geben möge uns sein!“

Wort für Wort
dātāraḥ
die Geber
abhivardhantām
mögen gedeihen
santatiḥ
Nachkommenschaft
śraddhā
Glaube
mā vyagamat
möge nicht weichen
bahu-deyam
viel zu Gebendes

no .stu: Punkt als Avagraha-Ersatz, zu lesen no 'stu.

ityuktvā tu priyā vācaḥ praṇipatya visarjayet / vāje vāja iti prītapitṛpūrvaṃ visarjanaṃ //

Nachdem er diese freundlichen Worte gesprochen hat, verneige er sich und entlasse [sie]. Mit „vāje vāje“ [erfolgt] die Entlassung, beginnend mit den erfreuten Vätern.

Wort für Wort
priyāḥ vācaḥ
freundliche Worte
praṇipatya
sich verneigend
visarjayet
er entlasse
vāje vāje iti
mit ‚vāje vāje‘
prīta-pitṛ-pūrvam
mit den erfreuten Vätern beginnend
visarjanam
Entlassung

yasmiṃstu saṃśravāḥ pūrvamarghapātre nipātitāḥ / pitṛpātraṃ taduttānaṃ kṛtvā viprān visarjayet //

Das Väter-Gefäß, in das zuvor die Tropfen aus dem Ehrenwasser-Gefäß gefallen sind, stelle er aufrecht und entlasse [dann] die Brahmanen.

Wort für Wort
saṃsravāḥ
herabgeflossene Tropfen
argha-pātre
im Ehrenwasser-Gefäß
nipātitāḥ
hineingefallen
pitṛ-pātram
das Väter-Gefäß
uttānam kṛtvā
aufrecht stellend
viprān
die Brahmanen

pradakṣiṇamanubrajya bhaktvā tu pitṛsevitaṃ / brahmacārī bhavettāntu rajanīṃ brāhmaṇaiḥ saha //

Nachdem er sie rechtsherum begleitet und das von den Vätern Genossene gegessen hat, lebe er jene Nacht zusammen mit den Brahmanen enthaltsam.

Wort für Wort
pradakṣiṇam
rechtsherum
anuvrajya
begleitend
bhuktvā
gegessen habend
pitṛ-sevitam
das von den Vätern Genossene
brahmacārī
enthaltsam
rajanīm
die Nacht

bhaktvā für bhuktvā.

evaṃ pradakṣiṇaṃ kṛtvā vṛddhau nāndīmukhān pitṝn / yajeta dadhikarkandhumiśrān piṇḍān yavaiḥ kriyā //

Auf diese Weise, rechtsherum verfahrend, verehre er bei freudigen Anlässen (vṛddhi) die Nāndīmukha-Väter; die Klöße [seien] mit Dickmilch und Jujuben gemischt, die Handlung [erfolge] mit Gerste.

Wort für Wort
vṛddhau
bei einem Heilsanlass
nāndīmukhān pitṝn
die Nāndīmukha-Väter
yajeta
er verehre
dadhi-karkandhu-miśrān
mit Dickmilch und Jujuben gemischt
yavaiḥ kriyā
Handlung mit Gerste

ekoddiṣṭaṃ daivahīnamekārghaikapavitrakaṃ / āvāhanāgnaukaraṇarahitaṃ hy apasavyavat //

Das Ekoddiṣṭa (Totenopfer für einen Einzelnen) ist ohne Götter-Teil, mit einem Ehrenwasser und einem Pavitra, ohne Anrufung und Feueropfer und wie mit der Schnur auf der rechten Schulter [auszuführen].

Wort für Wort
ekoddiṣṭam
auf einen Einzelnen bezogenes Totenopfer
daiva-hīnam
ohne Götter-Teil
eka-argha-eka-pavitrakam
mit einem Ehrenwasser und einem Pavitra
āvāhana-agnaukaraṇa-rahitam
ohne Anrufung und Feueropfer
apasavyavat
mit der Schnur rechts

upatiṣṭhatāmityakṣayyasthāne pitṛvisarjane / abhiramyatāmiti vaded brūyuste 'bhiratāḥ sma ha //

An der Stelle des „akṣayya“ [sage er] „upatiṣṭhatām“ (es möge zuteil werden); bei der Entlassung der Väter sage er „abhiramyatām“ (erfreut euch), und sie sollen sagen: „Wir sind erfreut.“

Wort für Wort
upatiṣṭhatām
es möge herantreten, zuteil werden
akṣayya-sthāne
an Stelle des akṣayya
pitṛ-visarjane
bei der Entlassung der Väter
abhiramyatām
möge man sich erfreuen
abhiratāḥ smaḥ
wir sind erfreut

gandhodakatilair yuktaṃ kuryāt pātracatuṣṭayaṃ / arghārthapitṛpātreṣu pretapātraṃ prasecayet //

Er bereite vier Gefäße mit Duftwasser und Sesam; in die Ehrenwasser-Gefäße der Väter gieße er das Gefäß des Verstorbenen (preta) aus

Wort für Wort
gandha-udaka-tilaiḥ
mit Duftwasser und Sesam
pātra-catuṣṭayam
vier Gefäße
argha-artha-pitṛ-pātreṣu
in die Ehrenwasser-Gefäße der Väter
preta-pātram
Gefäß des Verstorbenen
prasecayet
er gieße aus

ye samānā iti dvābhyāṃ śeṣaṃ pūrvavadācaret / etat sapiṇḍīkaraṇamekoddiṣṭaṃ stiyā saha //

mit den zwei [Versen] „ye samānāḥ“; das Übrige verrichte er wie zuvor. Dies ist die Sapiṇḍīkaraṇa (Aufnahme in die Kloßgemeinschaft der Ahnen); das Ekoddiṣṭa [gilt] auch für die Frau.

Wort für Wort
ye samānāḥ iti dvābhyām
mit den zwei Versen ‚ye samānāḥ‘
śeṣam
das Übrige
pūrvavat ācaret
er verrichte wie zuvor
sapiṇḍīkaraṇam
Aufnahme in die Kloßgemeinschaft
striyā saha
auch mit/für die Frau

stiyā wohl Fehler für striyā.

arvāksapiṇḍīkaraṇaṃ yasya saṃvatsarād bhavet / tasyāpyannaṃ sodakumbhaṃ dadyāt saṃvatsaraṃ dvije //

Wessen Sapiṇḍīkaraṇa vor Ablauf eines Jahres stattfindet, für den gebe er dennoch ein Jahr lang einem Brahmanen Speise samt Wasserkrug.

Wort für Wort
arvāk
vor
saṃvatsarāt
dem Jahr
sa-uda-kumbham
samt Wasserkrug
saṃvatsaram
ein Jahr lang
dvije
einem Zweimalgeborenen

mṛtāhani ca kartavyaṃ pratimāsantu vatsaraṃ / pratisaṃvatsaraṃ kāryaṃ śrāddhaṃ vai māsikānnavat //

Und am Todestag ist es jeden Monat ein Jahr lang zu vollziehen; jedes Jahr ist das Śrāddha nach Art der monatlichen Speisung zu vollziehen.

Wort für Wort
mṛta-ahani
am Todestag
pratimāsam
jeden Monat
vatsaram
ein Jahr lang
pratisaṃvatsaram
jedes Jahr
māsika-annavat
wie die monatliche Speisung

haviṣyānnena vai māsaṃ pāyasena tu vatsaraṃ / mātsyahāriṇakaurabhraśākunacchāgapārṣataiḥ //

Mit Opferkost [werden die Ahnen] einen Monat, mit Milchreis ein Jahr [gesättigt]; mit [Fleisch von] Fisch, Gazelle, Schaf, Vögeln, Ziege, Pṛṣata-Hirsch,

Wort für Wort
haviṣya-annena
mit Opferkost
pāyasena
mit Milchreis
mātsya
vom Fisch
hāriṇa
von der Gazelle
aurabhra
vom Schaf
śākuna-chāga-pārṣataiḥ
von Vögeln, Ziege, Pṛṣata-Hirsch

aiṇarauravavārāhaśāśair māṃsair yathākramaṃ / māsavṛddhyābhitṛpyanti dattair eva pitāmahāḥ //

von Eṇa-Antilope, Ruru-Hirsch, Eber und Hase – durch diese Fleischsorten, der Reihe nach gegeben, werden die Ahnen je einen Monat länger gesättigt.

Wort für Wort
aiṇa-raurava-vārāha-śāśaiḥ
von Antilope, Ruru-Hirsch, Eber, Hase
māṃsaiḥ
mit Fleisch
yathākramam
der Reihe nach
māsa-vṛddhyā
mit Zuwachs um einen Monat
abhitṛpyanti
werden gesättigt
pitāmahāḥ
die Ahnen

khaḍgāmiṣaṃ mahāśalkaṃ madhuyuktānnameva ca / lohāmiṣaṃ kālaśākaṃ māṃsaṃ vārdhīnasasya ca //

Nashornfleisch, der Mahāśalka-Fisch, mit Honig vermischte Speise, rotes Fleisch [?], Kālaśāka-Gemüse und das Fleisch des Vārdhrīṇasa-Tieres

Wort für Wort
khaḍga-āmiṣam
Nashornfleisch
mahāśalkam
großer Schuppenfisch
madhu-yukta-annam
mit Honig vermischte Speise
lohāmiṣam
rotes Fleisch [?]
kālaśākam
Kālaśāka-Gemüse
vārdhrīṇasasya
des Vārdhrīṇasa

lohāmiṣa unsicher (‚rotes Fleisch‘ oder Fleisch eines bestimmten Tieres); vārdhīnasa für vārdhrīṇasa.

yaddadāti gayāsthañca sarvamānantyamucyate / tathā varṣātrayodaśyāṃ maghāsu ca na saṃśayaḥ //

und was einer in Gayā weilend gibt – all das gilt als unendlich [wirksam]; ebenso am dreizehnten [Mondtag] der Regenzeit und unter [dem Mondhaus] Maghā, ohne Zweifel.

Wort für Wort
gayā-sthaḥ
in Gayā weilend
ānantyam
Unendlichkeit
ucyate
wird genannt
varṣā-trayodaśyām
am Dreizehnten der Regenzeit
maghāsu
unter den Maghā

kanyāṃ prajāṃ vandinaś ca paśūn mukhyān sutānapi / ghṛtaṃ kṛṣiṃ ca vāṇijyaṃ dviśaphaikaśaphaṃ tathā //

Eine Tochter, Nachkommen, Lobsänger [?], vorzügliches Vieh, auch Söhne, Ghee, Ackerbau und Handel, Zweihufer und Einhufer,

Wort für Wort
kanyām
Tochter
prajām
Nachkommen
paśūn mukhyān
vorzügliches Vieh
kṛṣim
Ackerbau
vāṇijyam
Handel
dviśapha-ekaśapham
Zweihufer und Einhufer

Beginn einer Liste von Früchten des Śrāddha an den Mondtagen ab dem ersten (vgl. V. 36); vandinaḥ unsicher.

brahmavarcasvinaḥ putrān svarṇarūpye sakupyake / jñātiśraiṣṭhyaṃ sarvakāmānāpnoti śrāddhadaḥ sadā //

Söhne mit brahmanischem Glanz, Gold und Silber samt unedlem Metall, Vorrang unter den Verwandten und alle Wünsche erlangt stets der Śrāddha-Geber

Wort für Wort
brahmavarcasvinaḥ
mit brahmanischem Glanz
svarṇa-rūpye
Gold und Silber
sa-kupyake
samt unedlem Metall
jñāti-śraiṣṭhyam
Vorrang unter den Verwandten
śrāddhadaḥ
der Śrāddha-Geber

pratipatprabhṛtiṣvetānvarjayitvā caturdaśīṃ / śastreṇa tu hatā ye vai teṣāṃ tatra pradīyate //

an den [Mondtagen] vom ersten an, wobei der vierzehnte auszulassen ist; denen aber, die durch eine Waffe getötet wurden, wird an diesem [Tag] gegeben.

Wort für Wort
pratipat-prabhṛtiṣu
an den Tagen vom ersten an
varjayitvā
auslassend
caturdaśīm
den vierzehnten
śastreṇa hatāḥ
durch Waffe getötet
pradīyate
wird gegeben

svargaṃ hy apatyamojaś ca śauryaṃ kṣetraṃ balaṃ tathā / putraśraiṣṭhyaṃ sasaubhāgyamapatyaṃ mukhyatāṃ sutān //

Himmel, Nachkommenschaft, Lebenskraft, Heldenmut, Feld, Stärke, Vorrang der Söhne samt Glück, Nachkommen, Vorrangstellung, Söhne,

Wort für Wort
svargam
Himmel
apatyam
Nachkommenschaft
ojaḥ
Lebenskraft
śauryam
Heldenmut
kṣetram
Feld
saubhāgyam
Glück

Neue Reihe: Früchte des Śrāddha unter den Mondhäusern (vgl. V. 40).

pravṛttacakratāṃ putrān vāṇijyaṃ prasutāṃ tathā / arogitvaṃ yaśo vītaśokatāṃ paramāṅgatiṃ //

eine rollende Herrschaftsscheibe, Söhne, Handel, Fruchtbarkeit, Gesundheit, Ruhm, Freiheit von Kummer, den höchsten Weg,

Wort für Wort
pravṛtta-cakratām
Herrschaft mit rollendem Rad
arogitvam
Gesundheit
yaśaḥ
Ruhm
vīta-śokatām
Kummerfreiheit
paramām gatim
den höchsten Weg

prasutām wohl für prasūtim ‚Nachwuchs, Fruchtbarkeit‘.

ghanaṃ vidyāṃ bhiṣakasiddhiṃ rūpyaṃ gāścāpyajāvikaṃ / aśvānāyuś ca vidhivat yaḥ śrāddhaṃ samprayacchati //

Reichtum, Wissen, Erfolg in der Heilkunst, Silber, Kühe, auch Ziegen und Schafe, Pferde und langes Leben – wer vorschriftsmäßig ein Śrāddha darbringt

Wort für Wort
dhanam
Reichtum
bhiṣak-siddhim
Erfolg in der Heilkunst
aja-avikam
Ziegen und Schafe
āyuḥ
Lebensdauer
samprayacchati
darbringt

ghanam wohl Fehler für dhanam; bhiṣakasiddhim für bhiṣaksiddhim.

kṛttikādibharaṇyante sa kāmānāpnuyādimān / vasurudrāditisutāḥ pitaraḥ śrāddhadevatāḥ //

unter [den Mondhäusern] von Kṛttikā bis Bharaṇī, der erlangt diese Wünsche. Die Vasus, Rudras und Ādityas sind die Väter, die Gottheiten des Śrāddha.

Wort für Wort
kṛttikā-ādi-bharaṇī-ante
von Kṛttikā bis Bharaṇī
kāmān āpnuyāt
er erlangt Wünsche
vasu-rudra-aditi-sutāḥ
Vasus, Rudras, Ādityas
pitaraḥ
die Väter
śrāddha-devatāḥ
Gottheiten des Śrāddha

prīṇayanti manuṣyāṇāṃ pitṝn śrāddhena tarpitāḥ / āyuḥ prajāṃ dhanaṃ vidyāṃ svargaṃ mokṣaṃ sukhāni ca //

Durch das Śrāddha gesättigt, erfreuen sie die Väter der Menschen. Lebensdauer, Nachkommenschaft, Reichtum, Wissen, Himmel, Erlösung und Freuden

Wort für Wort
prīṇayanti
sie erfreuen
śrāddhena tarpitāḥ
durch das Śrāddha gesättigt
āyuḥ
Lebensdauer
mokṣam
Erlösung
sukhāni
Freuden

prayacchanti tathā rājyaṃ prītā nṝṇāṃ pitāmahāḥ //42 //

ebenso auch Königsherrschaft gewähren die erfreuten Ahnen den Menschen.

Wort für Wort
prayacchanti
gewähren
rājyam
Königsherrschaft
prītāḥ
erfreut
nṝṇām
den Menschen
pitāmahāḥ
die Ahnen

Halbvers; Schlussziffer //42// im Text mitgeführt.

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