Kapitel 313: tvaritājñānam
Das Wissen von der Tvaritā
Verehrung der Tvaritā mit ihren Begleitmächten und den Mantras der Schlangenkönige; danach Anleitungen zum Zeichnen eines Bezwingungsrades (81 Felder) mit schädigenden Substanzen und eines Gnadenrades mit palindromischen Lakṣmī-Versen, ferner zwei Pratyaṅgirā-Diagramme. Der Kapitelkopf im Digitalisat enthält zusätzlich den Mantra „om hrīṃ hūṃ khe che kṣaḥ strīṃ hrūṃ kṣe hrīṃ phaṭ tvaritāyai namaḥ“; die Verse 8–10 und 15–16 bestehen aus palindromischen Silbenketten, die nur annähernd deutbar sind. Kolophon mit Folgenummer {314}.
Agni sprach: Nachdem man [die Glieder] aufgelegt hat, soll man Tvaritā verehren, die zweiarmige und die achtarmige; [ferner] die tragende Kraft, den Lotus, auf dem Löwen die Göttin, das Herz usw.;
Mit „lilaihīma“ [?] zur Erlangung von allem und ebenso mit den Namen und Vyāhṛtis: „anantāya namaḥ svāhā“ (dem Ananta Verehrung, svāhā), „kulikāya namaḥ svadhā“ (dem Kulika Verehrung, svadhā),
Wort für Wort
sarva-āptyai
zur Erlangung von allem
nāma-vyāhṛtibhiḥ
mit Namen und Vyāhṛtis
anantāya namaḥ
Verehrung dem Ananta
kulikāya
dem Kulika
„lilaihīmaiś“ verderbt. Es beginnen die Mantras der acht Schlangenkönige.
svāhā karkoṭanāgāya phaṭ padmāya ca vai namaḥ / likhennigrahacakrantu ekāśītipadair naraḥ //
„svāhā karkoṭanāgāya“ (svāhā der Schlange Karkoṭa), „phaṭ padmāya namaḥ“ (phaṭ, dem Padma Verehrung). Man soll das Bezwingungsrad (nigrahacakra) mit einundachtzig Feldern zeichnen
vaste paṭe tarau bhūrje śilāyāṃ yaṣṭikāsu ca / madhye koṣṭhe sādhyanāma pūrvādau paṭṭikāsu ca //
auf Stoff, auf ein Tuch, auf einen Baum, auf Birkenrinde, auf Stein und auf Stäbe; im mittleren Feld den Namen des zu Bezwingenden, im Osten usw. und auf den Streifen:
„oṃ hrīṃ kṣūṃ chinda chinda“ (… zerschneide, zerschneide) – die vier „Dornen“, Kālarātri; im Nordosten usw. „ambu-pāda“ [?], und außen das Reich Yamas. [Palindromische Formeln:] „kālī nāra va mālī kā, kālī nāmākṣa mālinī“ [?]
Wort für Wort
chinda chinda
zerschneide, zerschneide
caturaḥ kaṇṭakān
die vier Dornen
kāla-rātrikām
Kālarātri (Todesnacht)
aiśa-ādau
im Nordosten usw.
yama-rājyam bāhyataḥ
außen das Reich Yamas
„chanda“ zu chinda gebessert. Die folgenden Silbenketten (V. 8–10) sind offenbar rückläufig lesbare Zauberformeln (Palindrome) und nur teilweise verständlich.
„mā mo de ta t ta do mo mā, rakṣata sva-sva-bhakṣavā [?]; yama pāṭa ṭa yāmaya, ma ṭa mo ṭa ṭa mo ṭa mā“ – [Silbenformeln, deren Worte teilweise vorwärts und rückwärts gleich lauten; kenntlich ist „rakṣata“: schützt!]
Wort für Wort
rakṣata
schützt!
sva-sva
jeweils eigen
yama
Yama
mā
nicht / mich
Palindromische Silbenketten; wörtliche Übersetzung nicht möglich.
Ruß, Neem-Harz, Mark und Blut, mit Gift vermischt; mit einer Feder aus einem Krähenflügel [schreibt man es] auf dem Verbrennungsplatz oder an einer Wegkreuzung;
man soll es unter einem Krug niederlegen oder in einen Ameisenhügel werfen, oder unter einen Zweig des Vibhītaka-Baums: [dieses] Yantra zermalmt alle Feinde.
Und man soll das Gnadenrad (anugrahacakra) auf ein weißes Blatt oder auf Birkenrinde schreiben, mit Lack, mit Safran oder mit Kristall[-Pulver?] und Sandel,
auf den Boden oder die Wand; auf das östliche Blatt, den Namen in das mittlere Feld; im Segment, im Wasser befindlich, „oṃ haṃsaḥ“ oder den Paṭṭiśa [?].
Und den Lakṣmī-Vers soll man, im Nordosten und im Südwesten beginnend, der Reihe nach schreiben: „śrīḥ sā mamo mā sā śrīḥ, sā nau yājñe jñeyā nau sā“ [etwa: Śrī ist sie, sie ist mein …; sie ist beim Opfer uns zu erkennen, sie uns].
Wort für Wort
lakṣmī-ślokam
den Lakṣmī-Vers
śiva-ādau
im Nordosten (Śiva-Richtung) beginnend
rākṣasa-ādi-kramāt
vom Südwesten an der Reihe nach
śrīḥ sā
Śrī ist sie
yājñe jñeyā
beim Opfer zu erkennen
Palindromischer Vers (rückwärts gleichlautend); Übersetzung nur annähernd.
„māyā līlā lālī yāmā, yājñe jñeyā nau sā māyā“ [etwa: Māyā, Spiel …; beim Opfer uns zu erkennen ist sie, die Māyā]. Wo sie zu erkennen ist, außen die Śīghrā; in den Richtungen … [?], außen ein Krug.
Das im Lotus befindliche Lotusrad besiegt den Tod und verleiht himmlischen Halt [?]; es ist unter den Befriedungen die höchste Befriedung und verleiht Glück usw.
Wort für Wort
padma-stham padma-cakram
das Lotusrad im Lotus
mṛtyu-jit
den Tod besiegend
śāntīnām paramā śāntiḥ
die höchste der Befriedungen
saubhāgya-ādi-pradāyakam
Glück usw. verleihend
„bhṛtyujit“ zu mṛtyujit gebessert; „svargagandhṛtiṃ“ unklar.
rudre rudrasamāḥ kāryāḥ koṣṭhakāstatra tā likhet / omādyāhrūṃphaḍantā ca ādivarṇamathānutaḥ //
Bei „Rudra“ sollen Rudra-gleiche [elf] Felder gemacht werden; dort soll man sie schreiben: beginnend mit Oṃ und endend mit „hrūṃ phaṭ“, und dann den ersten Buchstaben der Reihe nach,
in der Reihenfolge der Silben der Vidyā, und den Namen mit „vaṣaṭ“ am Ende; darunter [ebenso]: Dies ist die Pratyaṅgirā, die alle Wünsche und Ziele bewirkt.
Dies ist eine weitere Pratyaṅgirā, die alle Unternehmungen usw. vollbringt. Ein Bezwingungs- und Gnadenrad soll man mit vierundsechzig Feldern zeichnen:
amṛtī sā ca vidyā ca krīṃ saḥ hūṃ nāmātha madhyataḥ / phaṭkārādyāṃ patragatāṃ trihrīṃkāreṇa veṣṭayet //
„amṛtī sā ca vidyā ca krīṃ saḥ hūṃ“, dann den Namen in die Mitte; die mit „phaṭ“ beginnende [Formel], auf den Blättern stehend, soll man mit dreifachem „hrīṃ“ umgeben.
kumbhavavaddhāritā sarvaśatruhṛt sarvadāyikā / viṣannaśyet karṇajapādakṣarādyaiś ca daṇḍakaiḥ //
Wie ein Krug getragen, raubt es alle Feinde hinweg und gewährt alles; Gift vergeht durch Einflüstern ins Ohr und durch Stab-[Formeln] (daṇḍaka) mit den Silben usw.