Agni behandelt Sühnen für Versäumnisse und Störungen beim Götterdienst (versäumte Verehrung, Berührung des Bildes durch Unreine, verdorbenes Opfermaterial, heruntergefallenes Bild) und erklärt dann das Gedenken an Hari, Bußübungen, Mantras, Gaben, Gelübde, Wallfahrtsorte und die Meditation des Brahman als sündentilgend. Abschließend wird Viṣṇu als Inbegriff aller Wissenschaften gepriesen. In der Versnummerierung fehlt Vers 17; Verse 6, 10 und 24 sind nur unsicher verständlich.
Agni sprach: (Nun) die Sühne für das Versäumen der Verehrung von Göttern (in Tempeln), in Einsiedeleien usw.: Beim Versäumen der Verehrung murmle er hundertachtmal (den Mantra) und vollziehe eine doppelte Verehrung;
pañcopaniṣadair mantrair hutvā brāhmaṇabhojanaṃ / sūtikāntyajakodakyāspṛṣṭe deve śataṃ japet //
nachdem er mit den fünf Upaniṣad-Mantras geopfert hat, (folgt) eine Brahmanenspeisung. Ist das Götterbild von einer Wöchnerin, einem Niedrigstgeborenen oder einer Menstruierenden berührt worden, murmle er hundertmal,
Wort für Wort
pañca-upaniṣadaiḥ mantraiḥ
mit den fünf Upaniṣad-Mantras
hutvā
geopfert habend
brāhmaṇa-bhojanam
Brahmanenspeisung
sūtikā-antyajaka-udakyā-spṛṣṭe
von Wöchnerin, Niedrigem, Menstruierender berührt
deve
beim Götterbild
śatam japet
murmle hundertmal
pañcopaniṣada: die fünf ‚Upaniṣad‘-Mantras des Pāñcarātra-Rituals.
(vollziehe) mit den fünf Upaniṣad-Mantras die Verehrung, und zwar doppelt, ebenso das Bad (des Bildes), und eine Brahmanenspeisung. Beim Versäumen des Feueropfers (vollziehe er) Feueropfer, Bad und ebenso Verehrung.
Ist Opfermaterial von Mäusen und dergleichen angefressen oder mit Insekten behaftet, so soll er nur so viel (wie betroffen ist) entfernen, (den Rest) besprengen und die Götter usw. verehren.
Was nur zur Sprossendarbringung (dient), soll er, wenn es abgeschnitten oder zerbrochen ist, entfernen. Ist es von Unberührbaren berührt, (erfolgt) die Darbringung in einem anderen Gefäß.
Wort für Wort
aṅkura-arpaṇa-mātram
nur zur Sprossendarbringung
chinnam bhinnam
abgeschnitten, zerbrochen
parityajet
entferne er
aspṛśyaiḥ saṃspṛṣṭe
von Unberührbaren berührt
anya-pātre tat-arpaṇam
Darbringung in anderem Gefäß
aṅkurārpaṇa: Ritus des Keimenlassens von Saaten vor einer Weihehandlung.
devamānuṣavighnaghnaṃ pūjākāle tathaiva ca / mantradravyādivyatyāse mūlaṃ japtvā punarjapet //
(Das Murmeln), das Hindernisse von Göttern und Menschen vernichtet, (gilt) ebenso zur Zeit der Verehrung [?]. Bei Vertauschung von Mantras, Stoffen und dergleichen murmle er den Grundmantra und murmle (dann) von neuem.
Wort für Wort
deva-mānuṣa-vighna-ghnam
Götter- und Menschenhindernisse vernichtend
pūjā-kāle
zur Zeit der Verehrung
mantra-dravya-ādi-vyatyāse
bei Vertauschung von Mantras, Stoffen usw.
mūlam japtvā
den Grundmantra gemurmelt
punaḥ japet
murmle erneut
Erste Vershälfte syntaktisch unvollständig; Deutung unsicher.
kumbhenāṣṭaśatajapo deve tu patite karāt / bhinne naṣṭe copavāsaḥ śatahomācchubhaṃ bhavet //
Fällt das Götterbild aus der Hand, (gilt) hundertachtfaches Murmeln mit dem (Wasser-)Krug; ist es zerbrochen oder verloren, Fasten; durch hundert Feueropfer wird es (wieder) heilvoll.
Wort für Wort
kumbhena
mit dem Krug
aṣṭa-śata-japaḥ
hundertachtfaches Murmeln
deve patite karāt
wenn das Bild aus der Hand fällt
bhinne naṣṭe
zerbrochen, verloren
upavāsaḥ
Fasten
śata-homāt śubham
durch hundert Opfer heilvoll
kumbhena: wohl Besprengung bzw. Bad aus dem Krug während des Murmelns.
Cāndrāyaṇa, Parāka oder Prājāpatya vertreiben die Sündenflut; das Murmeln der Mantras Sūryas, Īśas, Śaktis, Śrīśas und anderer vertreibt die Sündenflut.
Das Murmeln von Gāyatrī, Praṇava, Lobpreisen und Mantras beendet die Sünde; (ebenso Mantras,) die mit ka usw. beginnen, mit Keimsilben verbunden sind und jeweils mit dem ersten (Laut) anfangen und mit jenem enden [?].
Wort für Wort
gāyatrī-praṇava
Gāyatrī und Oṃ
stotra-mantra-japyam
Murmeln von Preisliedern und Mantras
agha-antakam
die Sünde beendend
ka-ādyaiḥ
mit ka usw. beginnend
ā-bīja-saṃyuktaiḥ
mit Keimsilben verbunden
tad-antakaiḥ
damit endend
Zweite Vershälfte technisch-mantrisch und unklar; Übersetzung unsicher.
Die Mantras Sūryas, Īśas, Śaktis, Śrīśas usw., jeweils mehr als zehn Millionen, die mit oṃ hrīṃ beginnen, (den Gottesnamen) im Dativ haben und auf namaḥ enden, gewähren alle Wünsche.
Die Mantras Nṛsiṃhas, der zwölfsilbige und der achtsilbige (Mantra), die Kranz-Mantras usw. vertreiben die Sündenflut; (ebenso) das Rezitieren, Hören usw. des Agni-Purāṇa.
Viṣṇu, der die Gestalt der zweifachen Wissenschaft hat, wird als von Agnis Gestalt besungen; als höchstes Selbst, als Mund der Götter wird er in allen Veden besungen.
pravṛttau tu nivṛttau tu ijyate bhuktimuktidaḥ / agnirūpasya viṣṇorhi havanaṃ dhyānamarcanaṃ //
Auf dem Weg des Tätigseins wie auf dem der Abkehr wird er verehrt, der Genuss und Erlösung gewährt. Denn das Opfern, Meditieren und Verehren des Viṣṇu in Agnis Gestalt,
japyaṃ stutiś ca praṇatiḥ śārīrāśeṣāghaughanut / daśasvarṇāni dānāni dhānyadvādaśameva ca //
Murmeln, Preisen und Verneigung vertreiben die gesamte Flut körperlicher Sünden. Die zehn Gaben (wie) Gold und die zwölf Getreide(gaben) als zwölfte [?],
Wort für Wort
japyam stutiḥ praṇatiḥ
Murmeln, Preis, Verneigung
śārīra-aśeṣa-agha-ogha-nut
alle körperlichen Sünden tilgend
daśa svarṇāni dānāni
zehn Gaben mit Gold
dhānya-dvādaśam
Getreide als zwölfte
daśasvarṇāni ... dhānyadvādaśam: vermutlich zehn Gabenarten mit Gold und eine Reihe von zwölf mit Getreide; unsicher.
Gelübde usw., (gehalten) zu den Zeiten von Mondtagen, Wochentagen, Mondhäusern, Sonneneintritten, Yogas, Manvantara-Anfängen usw. für Sūrya, Īśa, Śakti, Śrīśa usw., vernichten die Sünde.
Wort für Wort
tithi-vāra-ṛkṣa
Mondtag, Wochentag, Mondhaus
saṅkrānti-yoga
Sonneneintritt, Yoga
manu-ādi-kālake
zu Manvantara-Anfängen usw.
vrata-ādi
Gelübde usw.
agha-ghātanam
sündenvernichtend
In der Versnummerierung fehlt 17 (Sprung von 16 auf 18). bratādi für vratādi.
Śālagrāma, Prabhāsa und die übrigen – (jeder) Wallfahrtsort vernichtet die Sündenflut. Die Meditation ‚Ich bin das Brahman, das höchste Licht‘ vertreibt die Sündenflut.
Wort für Wort
śālagrāma-prabhāsa-ādyam
Śālagrāma, Prabhāsa usw.
tīrtham
Wallfahrtsort
agha-ogha-ghātakam
die Sündenflut vernichtend
aham brahma param jyotiḥ
ich bin Brahman, das höchste Licht
dhyānam
Meditation
tīrthañcaghoghaghātakam für tīrthaṃ cāghaughaghātakam.
Das Purāṇa, das Brahman, das Agni-(Purāṇa), Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara, die Herabkünfte, alle Verehrungen, die Einsetzung von Götterbildern und dergleichen,
eke dvayoryato yasmin yaḥ sarvamiti veda yaḥ / taṃ dṛṣṭvānyasya pāpāni vinaśyanti hariś ca saḥ //
Wer ihn als den kennt, der im Einen und im Zweifachen ist, aus dem und in dem (alles ist), der alles ist [?] – durch dessen Anblick vergehen auch die Sünden eines anderen; und er (selbst) ist Hari.
Wort für Wort
eke dvayoḥ
im Einen, in den Zweien
yataḥ yasmin
aus dem, in dem
yaḥ sarvam
der alles ist
iti veda yaḥ
wer so weiß
tam dṛṣṭvā
ihn gesehen habend
anyasya pāpāni vinaśyanti
die Sünden eines anderen vergehen
Erste Vershälfte schwer verständlich (eke dvayor yato yasmin); Übersetzung unsicher.
vidyāṣṭādaśarūpaś ca sūkṣmaḥ sthūlo 'paro hariḥ / jyotiḥ sadakṣaraṃ brahma paraṃ viṣṇuś ca nirmalaḥ //
Hari hat die Gestalt der achtzehn Wissenschaften, er ist fein, grob und das Andere (Jenseitige); Licht, das Seiende, das Unvergängliche, das höchste Brahman ist Viṣṇu, der Makellose.